Gold und Gummi arabicum zählen zu den wichtigsten Exportgütern des Sudan. Ein neuer UN-Bericht zeigt jedoch, wie beide Rohstoffe zunehmend zur Finanzierung des Bürgerkriegs beitragen – mit verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung.
Von Oritro Karim | 4. August 2027
New York (IPS/afr) – Drei Jahre nach Ausbruch des sudanesischen Bürgerkriegs hat sich die humanitäre Lage dramatisch verschlechtert. Die Vereinten Nationen werfen beiden Konfliktparteien gravierende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht vor. Dazu zählen gezielte Angriffe auf Zivilist*innen in Wohngebieten, weit verbreitete sexuelle Gewalt sowie Attacken auf kritische Infrastruktur, die humanitäre Hilfe erschweren und ganze Gemeinschaften an den Rand des Zusammenbruchs bringen.
Um ihre steigenden Militärausgaben zu finanzieren, greifen die Konfliktparteien zunehmend auf die Ausbeutung von Rohstoffen, Handelswegen und wirtschaftlich bedeutenden Regionen zurück. Humanitäre Expert*innen warnen deshalb vor einer sich zunehmend selbst tragenden Kriegswirtschaft.
„Sudans riesiger Reichtum an natürlichen Ressourcen sollte der Bevölkerung zugutekommen. Bedauerlicherweise ist das, was wir heute beobachten, alles andere als das. Tatsächlich dient dieser Reichtum nur dazu, die Menschenrechte zu untergraben und Konflikte anzuheizen, was Leid und Elend in enormem Ausmaß mit sich bringt“, sagt der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk. „Diese Kriegswirtschaft muss unterbunden werden, und die internationale Gemeinschaft muss den Rohstoffen und Handelsrouten, die zu ihrer Aufrechterhaltung beitragen, viel mehr Aufmerksamkeit schenken.“
Gummi arabicum als Treibstoff des Krieges
Am 15. Juli veröffentlichte das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) den Bericht „Business and Human Rights in Conflict: Gum Arabic from Sudan“ (Wirtschaft und Menschenrechte in Konflikten: Gummi arabicum aus dem Sudan). Darin wird aufgezeigt, wie der illegale Handel mit Gummi arabicum zur Finanzierung sowohl der Rapid Support Forces (RSF) als auch der sudanesischen Streitkräfte (SAF) beiträgt. Darüber hinaus beschreibt der Bericht, wie beide Konfliktparteien erhebliche Einnahmen aus Gold, Vieh und weiteren Rohstoffen erzielen, indem sie Fördergebiete sowie Transport- und Handelsrouten kontrollieren.
Gummi arabicum zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Exportgütern des Sudan. Der aus der Rinde und den Zweigen verschiedener Akazienarten gewonnene Naturstoff wird weltweit in Lebensmitteln, Getränken, Kosmetika und Arzneimitteln verwendet. Für mehr als fünf Millionen Menschen im Sudan bildet seine Gewinnung die wirtschaftliche Lebensgrundlage und ist tief in den ländlichen Gemeinschaften verankert.
Vor Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2023 entfielen rund 70 bis 80 Prozent der weltweiten Rohgummi-arabicum-Exporte auf den Sudan. Der jährliche Exportwert erreichte bis zu 183 Millionen US-Dollar. Heute liegen große Teile des sogenannten Gummi-Arabicum-Gürtels – insbesondere in Kordofan und Darfur – in Gebieten, die von der RSF oder der SAF kontrolliert werden.
Gewalt entlang der Handelsrouten
Der Bericht zeigt, dass die vom Gummi-arabicum-Handel abhängigen ländlichen Gemeinden erheblichen Sicherheitsrisiken und schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind. Dazu zählen Plünderungen, Erpressung und willkürliche Inhaftierungen. Gleichzeitig verschlechtert sich der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, Bildung und Gesundheitsversorgung zunehmend.
Auch Händler*innen entlang der Handelskorridore durch die von der RSF kontrollierten Gebiete in Darfur und Kordofan berichten von Warenbeschlagnahmungen, überhöhten Abgaben und Gewalt. Laut OHCHR werden beträchtliche Mengen Gummi arabicum aus West-Kordofan und Darfur über den Südsudan nach Juba sowie in den Tschad, nach Kamerun und Kenia umgeleitet.
Die Vereinten Nationen berichten zudem, dass die RSF geplündertes Gummi arabicum häufig als Ersatz für reguläre Soldzahlungen verwendet. Zwischen Jänner und Juni 2024 sollen auf diese Weise rund 3.700 Tonnen geplündert worden sein.
Gold als wichtigste Finanzierungsquelle
Neben Gummi arabicum identifiziert das OHCHR Gold als wichtigsten Motor der sudanesischen Kriegswirtschaft. Der Rohstoff gilt als „finanziell bedeutendster Rohstoff im Exportbereich“ und stellt die wichtigste Einnahmequelle sowohl für die RSF als auch für die SAF dar.
Nach Angaben der sudanesischen Zentralbank und der Sudanese Mineral Resources Company wurden 2024 in den von der SAF kontrollierten Gebieten rund 65 Tonnen Gold gefördert. Davon wurden 28 Tonnen über Port Sudan exportiert. Die Erlöse beliefen sich auf etwa 1,6 Milliarden US-Dollar und machten 48,5 Prozent der gesamten Exporte des Landes aus.
Obwohl die Goldproduktion 2025 auf 70 Tonnen anstieg, wurde weiterhin ein erheblicher Teil außer Landes geschmuggelt. Dem Bericht zufolge wurden 2024 lediglich 52 Prozent der Goldexporte über offizielle Kanäle abgewickelt. Gleichzeitig fördern und handeln mit der RSF verbundene Wirtschaftsakteure weiterhin Gold aus Darfur und Kordofan. Zu Beginn des Konflikts hatte die RSF zudem mehr als 1,3 Tonnen Rohgold beschlagnahmt.
Appell an Staaten und Unternehmen
„Gold ist der wichtigste und entscheidende finanzielle Treiber, während Gummi arabicum für zusätzliche Liquidität sorgt und verdeutlicht, wie sich der Krieg auf Agrarrohstoffe und globale Handelswege ausgeweitet hat“, sagte Dr. Abdelmonem Mukhtar, Geschäftsführer des Centre for Evidence and Data-Based Policy. „Sollte sich herausstellen, dass eine Lieferkette direkt oder indirekt zur Finanzierung von Konfliktparteien beiträgt, können neben Reputations- und Geschäftsrisiken auch regulatorische, zivilrechtliche oder ethische Verantwortlichkeiten entstehen.“
Türk betonte die Notwendigkeit einer strengeren Aufsicht und forderte die UN-Mitgliedstaaten auf, Rechenschaftspflicht und Kontrollmechanismen auszubauen. Ziel sei es, sicherzustellen, dass der Rohstoffhandel im Sudan nicht zur Finanzierung von Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht beiträgt, sondern stattdessen zur Linderung des Leids der Zivilbevölkerung. Zugleich appellierte er an Unternehmen, den Schutz der Menschenrechte stärker in den Mittelpunkt ihrer Geschäftstätigkeit zu stellen.
„Unternehmen können nicht einfach wie gewohnt weitermachen, wenn sie aus konfliktbetroffenen Wertschöpfungsketten beziehen“, sagte Türk. „Sie sollten eine verstärkte, konfliktsensible Sorgfaltspflicht für Menschenrechte walten lassen, einschließlich einer strengeren Überprüfung von Transportwegen, Zwischenhändlern, Dokumentation und möglicher Umkennzeichnung, und sicherstellen, dass betroffene Menschen Zugang zu sicheren und wirksamen Beschwerde- und Reaktionsmechanismen haben.“ (Ende)
Titelbild: Goldsucher im Sudan (Foto: Maciek67, Shutterstock.com)

