Afrika: Durchschnittsalter von Bauern liegt bereits bei 60 Jahren

Filmschaffende sollen Jugendliche für die Landwirtschaft begeistern

Von Friday Phiri | 29.06.2017

Ahmedabad (IPS/afr). Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Afrika gilt als tickende Zeitbombe. Die Zunahme von Unruhen und politischer Instabilität werden befürchtet. Gleichzeitig leidet die Landwirtschaft unter einem Imageproblem: Jugendliche wollen nicht in einem Sektor arbeiten, den sie mit Armut verbinden.

Bauer in Narok, KeniaDie Landwirtschaft hat bei Jugendlichen ein schlechtes Image: Das Durchschnittsalter von Bauern in Afrika liegt bereits bei 60 Jahren. (Bild: Nick Fox/Shutterstock.com)

In Afrika leben 420 Millionen Menschen im Alter zwischen 15 und 35 Jahren. Schätzungen gehen davon aus, dass der Kontinent innerhalb von zehn Jahren ein Fünftel aller jungen Menschen der Erde beheimaten wird.

Die riesige Anzahl an Jugendlichen könnte ein neues Zeitalter des Wohlstands in Afrika schaffen. Allerdings sieht die Zukunft alles andere als rosig aus: Obwohl der Kontinent in den letzten zehn Jahren ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum hingelegt hat, ist es nicht gelungen, die notwendige Anzahl von jährlich zehn bis zwölf Millionen Arbeitsplätzen zu schaffen.

Laut Jennifer Blanke, Vizepräsidentin der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) für Landwirtschaft sowie menschliche und soziale Entwicklung, droht hier eine Zeitbombe zu explodieren: "Während die jugendliche Bevölkerung als Afrikas Kapital gilt, kann sie sich aber auch als eine Belastung herausstellen", meinte Blanke anlässlich des 52. Jahrestreffens der AfDB im indischen Ahmedabad.

Blanke ergänzte, dass Jugendliche den Glauben an eigene Chancen nicht verlieren dürfen, um das Aufkeimen von Pessimismus und politischen Unruhen zu verhindern: "Untätigkeit ist keine Option. Junge Menschen ohne Chancen und - noch wichtiger - ohne Glauben an die Fähigkeiten ihrer Führer, diese Chancen auch zu schaffen, sind ein Hort von Unruhen. Das erleben wir jeden Tag."

Landwirtschaft leidet unter schlechtem Image

Das Hauptthema des Jahrestreffens war die Transformation der Landwirtschaft für die Schaffung von Wohlstand. Ein Kernproblem ist, dass viele junge Afrikaner die Landwirtschaft als einen Lebensstil der Armen betrachten und nicht im Agrarsektor arbeiten wollen.

Das Resultat ist eine starke Überalterung im Agrarbereich. Das Durchschnittsalter der Bauern in Afrika liegt laut UN-Angaben bei 60 Jahren. Angesichts einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 61,5 Jahren auf dem Kontinent gewinnt dieser Wert zusätzlich an Dramatik.

AfDB-Präsident Akinwumi Adesina bereitet diese Entwicklung Kopfzerbrechen: "Wenn wir diese Zusammensetzung in der Landwirtschaft nicht ändern, dann wird es in 20 Jahren keine Bauern mehr in Afrika geben."

Adesina ist überzeugt, dass Jugendliche nur für die Landwirtschaft begeistern werden können, wenn es entsprechende Verdienstmöglichkeiten gibt: "Wir müssen die Einstellung gegenüber der Landwirtschaft ändern", sagte er in Ahmedabad, "Landwirtschaft ist kein Sozialbereich, sie ist auch kein Lebensstil, sie ist ein Geschäft."

Diskutiert wurde aber vor allem die Frage, wie diese Anreize finanziert werden können. Die AfDB hat einen Fahrplan für das Wachstum des Agrarsektor erstellt. In den nächsten zehn Jahren sollen jährlich 2,4 Milliarden US-Dollar in die Landwirtschaft investiert werden.

Diese Summen sollen in erster Linie dazu dienen, Bewässerungssysteme und Lagermöglichkeiten zu finanzieren. Durch den Ausbau der Infrastruktur erhofft man sich bei der AfDB, hochkarätige Investoren zu gewinnen und bis zum Jahr 2030 die afrikanische Landwirtschaft zu einem Billionen-Dollar-Geschäft zu entwickeln.

Filmemacher machen Marketing für die Landwirtschaft

Dennoch bleibt die Frage, wie junge Menschen in Zukunft wieder für die Landwirtschaft begeistert werden können. Hier sollen nun Filmemacher der Politik unter die Arme greifen. So ist in Lagos seit den 1990-er Jahren eine lebhafte Filmszene entstanden, die unter der Bezeichnung Nollywood internationale Aufmerksamkeit erfahren hat.

Allerdings wird die Filmindustrie vor allem mit einem urbanen Lebensstil verbunden. Das manifestiert bei Jugendlichen den Glauben, dass echte Karrierechancen nur in den Metropolen zu finden sind.

Um mit diesem Vorurteil aufzuräumen, hat die AfDB zu ihrem Jahrestreffen Filmemacher wie Omoni Oboli und Omotola Jalada Efeinde aus Nigeria sowie den indischen Regisseur Rajendrakumar Mohan Raney und die preisgekrönte Bollywood-Schauspielerin Rekha Rana eingeladen. Gemeinsam sollen sie einen Weg aufzeigen, wie die Landwirtschaft durch Filme als lukratives Geschäft vermarktet werden kann.

Oboli und Omotola kündigten an, das Vorhaben tatkräftig zu unterstützen. Sie wollen in ihren zukünftigen Filmen stärker die Geschichte des afrikanischen Wandels erzählen und dadurch die Vorbehalte von jungen Menschen gegenüber dem Agrarsektor ändern. "Wir haben viel über die Landwirtschaft gelernt und sind bereit, die augenblicklichen Zustände durch unsere Filme zu verändern", meinte Oboli.

AfDB-Präsident Akinwumi Adesina erinnerte schließlich erneut daran, dass sich auf dem afrikanischen Kontinent 65 Prozent des unkultivierten Landes der Erde befinden: "Was Afrika macht der Landwirtschaft macht, ist nicht nur für Afrika wichtig - es wird auch die Zukunft der Ernährung der Welt bestimmen." (Ende)

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