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Neue Kichererbse trotzt der Dürre

Klimaangepasste Kichererbsensorten sollen Landwirten im südlichen Afrika helfen, trotz Dürren und steigender Düngemittelpreise stabile Erträge zu erzielen. Forscher*innen sehen darin einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit und zu einer widerstandsfähigeren Landwirtschaft.

Von Ignatius Banda | 14. August 2026

Bulawayo, Simbabwe (IPS/afr) – Landwirte in Sambia, Malawi und Mosambik profitieren von einer neuen Kichererbsensorte, die nach Angaben von Forscher*innen mit deutlich weniger Stickstoffdünger auskommt. Damit reagiert die Wissenschaft auf ein zentrales Problem vieler afrikanischer Bauern: Die Kosten für Düngemittel sind infolge globaler Handelsstörungen deutlich gestiegen. 

Die neue Sorte zeichnet sich durch einen hohen Nährwert aus. Nach Einschätzung der Forscher*innen kann sie sowohl die Einkommen der Landwirte erhöhen als auch neue Exportmöglichkeiten eröffnen.

Seit Jahren kämpfen viele Landwirte in Afrika mit niedrigen Erträgen und nährstoffarmen Nutzpflanzen. Die Folgen reichen bis zu Mangelernährung und Wachstumsstörungen, insbesondere bei Kindern.

Die neuen Züchtungen gewinnen vor dem Hintergrund des Klimawandels zusätzlich an Bedeutung. Vor allem im Globalen Süden stellt sich zunehmend die Frage, wie sich die Nahrungsmittelproduktion an häufigere Dürren, steigende Temperaturen und unsichere Niederschlagsmuster anpassen lässt.

Das International Crops Research Institute for the Semi-Arid Tropics (ICRISAT) treibt diese Bemühungen gemeinsam mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) voran. Finanziert wird das Projekt über den Benefit-sharing-Fonds (BSF) des Internationalen Saatgut-Vertrags. Ziel ist es, die Abhängigkeit von kostspieligen landwirtschaftlichen Betriebsmitteln zu verringern.

Landwirtschaft vor enormen Herausforderungen

Nach Angaben des ICRISAT kommt die Initiative zu einem Zeitpunkt, an dem geopolitische Spannungen, Versorgungsengpässe bei Düngemitteln und steigende Produktionskosten die Landwirtschaft in den Trockengebieten des südlichen Afrikas zunehmend unter Druck setzen.

Hinzu kommen die Folgen gestörter globaler Lieferketten, die die Preise für Grundnahrungsmittel in vielen afrikanischen Ländern steigen ließen. Während Regierungen versuchen, die landwirtschaftliche Produktion und die Einkommen der Bauern zu stabilisieren, drängen internationale Finanzinstitutionen weiterhin auf den Abbau von Agrarsubventionen.

„Angesichts weltweit weiter steigender Düngemittelpreise und landwirtschaftlicher Produktionskosten gewinnen widerstandsfähige Hülsenfrüchte wie Kichererbsen zunehmend an Bedeutung, um Landwirten in Malawi und im südlichen Afrika dabei zu helfen, ihre Produktivität aufrechtzuerhalten, die Ernährungssicherheit zu stärken und die Abhängigkeit von teuren landwirtschaftlichen Betriebsmitteln zu verringern“, sagt Himanshu Pathak, Generaldirektor des ICRISAT.

Nach Einschätzung des Forschungsinstituts zeigen die gleichzeitigen klimatischen und wirtschaftlichen Belastungen in mehreren Ländern des südlichen Afrikas, wie dringend die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft gestärkt werden muss.

Auch die Prognosen des Famine Early Warning Systems Network (FEWS NET) unterstreichen den Handlungsbedarf. Demnach werden Länder wie Simbabwe in niederschlagsarmen Regionen bis Anfang 2027 mit Getreidedefiziten rechnen müssen.

Die Forscher*innen verweisen zudem darauf, dass die Industrieländer zwar seit Jahren Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel zusagen, die strukturellen Ursachen der Ernährungsunsicherheit in Afrika bislang jedoch nur unzureichend angegangen wurden.

Neue Kichererbse punktet in allen Belangen

Laut der jüngsten ICRISAT-Studie benötigt die neue Kichererbsensorte einen geringeren Einsatz an Stickstoffdünger. Damit wird sie zu einer attraktiven Option für Landwirte, die mit steigenden Produktionskosten und klimatischen Belastungen konfrontiert sind. 

Außerdem sei die Kichererbse besonders gut an die semiariden Tropen angepasst – sie zeige eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit auch gegen Hitze und Dürre, so die Studie. Weitere Vorteile seien ihr hoher Nährstoffgehalt, die lange Haltbarkeit und ihre kulinarische Vielseitigkeit. 

„In vielen Trockengebieten sehen sich Landwirte mit steigenden Produktionskosten, sinkender Bodenfruchtbarkeit und zunehmend unvorhersehbaren Wetterverhältnissen konfrontiert“, erklärt der Agrarwissenschaftler James Mwololo, der das ICRISAT-Züchtungsprojekt für Hülsenfrüchte leitet.

„Die Kichererbse entwickelt sich zu einer strategischen Kulturpflanze für die Trockenlandlandwirtschaft, da sie Landwirten einen tragfähigen Weg bietet, ihre Produktivität und ihr Einkommen unter zunehmend schwierigen Anbaubedingungen aufrechtzuerhalten“, fährt Mwololo fort.

In Malawi liegen die Erträge derzeit bei etwas mehr als 800 Kilogramm pro Hektar. Verbesserte Sorten könnten jedoch Erträge von bis zu drei Tonnen pro Hektar erreichen, meint der Agrarexperte. „Durch einen besseren Zugang zu hochwertigem Saatgut wird sich die nationale Produktion gegenüber dem Ausgangswert von 2.570 Tonnen im Jahr 2022 voraussichtlich mehr als verdreifachen, während die Zahl der erreichten landwirtschaftlichen Haushalte bis 2027 von 22.000 auf über 66.000 steigen könnte“, so Mwololo.

Landwirte hoffen auf bessere Einkommen

Auch Vertreter*innen des Agrarsektor begrüßen das Projekt. Sie sehen in der neuen Kichererbsensorte zusätzliche Marktchancen und erwarten höhere Einkommen für ländliche Haushalte.

„Unsere Partnerschaft mit ICRISAT geht über die traditionelle Entwicklung von verbessertem Saatgut hinaus“, sagte Gloria Pekani, Geschäftsführerin von Milele Agro-Processors in Malawi. „Es geht auch darum, bessere Marktchancen zu schaffen und die Lebensgrundlagen von Landwirten, Verarbeitern und Gemeinden zu sichern, die zunehmend auf widerstandsfähige Nutzpflanzen wie Kichererbsen angewiesen sind“, so Pekani.

Malawi gehört weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt und kämpft mit anhaltender Ernährungsunsicherheit. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an neue agrarwissenschaftliche Ansätze.

Die Forschung an der neuen Kichererbsensorte soll künftig auch in anderen afrikanischen Ländern zur Stärkung der Ernährungssicherheit beitragen. Pilotprojekte laufen unter anderem in Mosambik, wo bewaffnete Konflikte die landwirtschaftliche Produktion in vielen Regionen zusätzlich erschweren. (Ende)

Titelbild: Eine Farmerin in Äthiopien begutachtet eine Kichererbsen-Pflanze (Foto: Sunshine Seeds / Shutterstock.com)