Schwere Überschwemmungen des Msimbazi haben Dar es Salaam wiederholt getroffen: Im April 2018 erlitten private Haushalte Schäden von schätzungsweise mehr als 100 Millionen US-Dollar (Weltbank, 2019). 2019 verzeichnete das Flussbecken neun größere Hochwasserereignisse (Weltbank, 2023). Im April 2024 stand die Morogoro Road in Jangwani erneut unter Wasser; mehrere Schnellbusverbindungen ins Stadtzentrum mussten eingestellt werden (The Citizen, 23. April 2024). Eine neue Hochbrücke soll diese wichtige Verkehrsverbindung künftig auch bei Starkregen offenhalten.
Von Kizito Makoye | 5. November 2026
Dar es Salaam (IPS/afr) – Jeden Morgen fährt Clementina Nyangwine mit dem Bus durch das überschwemmungsgefährdete Stadtviertel Jangwani zu ihrem Laden im geschäftigen Kariakoo-Viertel. Wo der Msimbazi den Verkehr immer wieder zum Stillstand brachte, entsteht nun die 390 Meter lange Janfwani-Brücke.
Aus dem Fenster beobachtet die 37-Jährige, wie Arbeiter*innen zwischen Kränen, Betonmischern und riesigen Stahlkonstruktionen das Bauwerk errichten. Es ist Teil eines umfassenden Klimaanpassungsprojekts, das bis 2028 umgesetzt werden soll.
Nyangwine kennt die Strecke seit Jahren. Besonders während der Regenzeit war der Weg zur Arbeit oft eine Geduldsprobe. Sobald der Msimbazi über die Ufer trat, stand die viel befahrene Morogoro Road unter Wasser.
„Ich habe hier stundenlang gewartet, bis das Wasser zurückging“, erzählt sie der Nachrichtenagentur IPS. „Manchmal sind wir aus dem Bus ausgestiegen und zu Fuß weitergegangen, weil es keinen anderen Weg nach Kariakoo gab. Dann kamen wir mit völlig durchnässter Kleidung zur Arbeit.“
An manchen Tagen wusste Nyangwine nicht, ob sie ihren Laden nach einer oder erst nach vier Stunden erreichen würde. Nun hofft sie, dass die neue Brücke diese Unsicherheit beendet.
390 Meter für eine verlässliche Verbindung
Die Jangwani-Brücke ist das sichtbarste Bauwerk des Msimbazi Basin Development Project, mit dem die tansanische Regierung die Folgen regelmäßiger Überschwemmungen in Dar es Salaam verringern will.
Die neue Brücke wird 390 Meter lang und rund 41 Meter breit sein. Sie soll etwa acht Meter über dem bisherigen Straßenniveau verlaufen. Gemeinsam mit den Zufahrtsstraßen erstreckt sich der Bauabschnitt über rund 1,2 Kilometer.
Neben Fahrspuren für Autos und Busse sind auch Wege für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen vorgesehen. Die Brücke soll zudem das Schnellbussystem Bus Rapid Transit (BRT) aufnehmen, das für den öffentlichen Verkehr in Dar es Salaam eine zentrale Rolle spielt.
Nach Angaben der tansanischen Straßenbaubehörde TANROADS waren die Arbeiten im August 2026 zu 41 Prozent abgeschlossen.
Die technische Herausforderung liegt vor allem im Untergrund. Hunderte Fundamentpfähle müssen tief in den weichen Boden des Msimbazi-Beckens reichen. Je nach Bodenbeschaffenheit werden sie in Tiefen zwischen 35 und 42 Metern verankert. Von den rund 496 vorgesehenen Pfählen waren nach offiziellen Angaben bereits 404 fertiggestellt.
Projektmanager Leonard Ngayungi erklärt, warum die Höhe der Brücke entscheidend ist. „Das Problem mit dem bestehenden Übergang ist, dass die Straße mitten in einem aktiven Überschwemmungsgebiet liegt“, sagt er. „Wenn der Msimbazi ansteigt, breitet sich das Wasser über Jangwani aus, und die Straße wird selbst Teil des Überschwemmungsgebiets.“
Mit der neuen Konstruktion soll das Wasser künftig unter der Brücke abfließen können, während der Verkehr darüber weiterläuft.
Für Ngayungi geht es dabei auch um die Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen. „Wir müssen für die Regenfälle bauen, mit denen wir in Zukunft rechnen müssen, und nicht nur für die Regenmuster, an die sich die Menschen vor 20 oder 30 Jahren erinnern.“
Wenn ein Fluss den Stadtverkehr lahmlegt
Der Msimbazi ist kein besonders großer Fluss. Für Dar es Salaam hat er dennoch enorme Bedeutung. In seinem Einzugsgebiet leben rund 1,6 Millionen Menschen. Der Fluss durchquert dicht besiedelte Stadtteile und kreuzt wichtige Verkehrsverbindungen zwischen dem Zentrum und den westlichen Vororten.
Wenn nach starken Regenfällen die Straßen in Jangwani überflutet werden, reichen die Folgen weit über die unmittelbaren Anrainer*innen hinaus. Buslinien müssen unterbrochen werden, Pendler*innen sitzen fest, Händler*innen verlieren Kundschaft und Lieferungen erreichen ihr Ziel verspätet. Auf den Ausweichstrecken bilden sich lange Staus.
Issa Majega, 56, fährt einen BRT-Bus zwischen Kariakoo und Kimara. Er weiß aus Erfahrung, wie schnell ein gewöhnlicher Arbeitstag durch Hochwasser aus dem Takt geraten kann. „Wenn Jangwani überflutet wird, leiden alle“, sagt er gegenüber IPS. „Die Busse können nicht weiterfahren, die Fahrgäste sitzen fest und auf den anderen Straßen staut sich der Verkehr, weil alle eine Ausweichroute suchen.“
Besonders schwierig sei die Entscheidung, wann eine Weiterfahrt zu gefährlich werde. „Mit einem vollbesetzten Bus kann man kein Risiko eingehen, wenn die Straße unter Wasser steht. Selbst wenn die Fahrgäste es eilig haben, muss man warten.“ Majega hofft, dass die neue Brücke künftig auch während heftiger Regenfälle eine verlässliche Verbindung ermöglicht.
Klimawandel und Stadtwachstum verschärfen das Problem
Die Überschwemmungen im Msimbazi-Becken sind nicht allein auf starke Niederschläge zurückzuführen. Auch das rasche Wachstum von Dar es Salaam und die zunehmende Bebauung haben die Hochwassergefahr verschärft.
Wohnhäuser und Straßen wurden in ehemaligen Feuchtgebieten und natürlichen Überschwemmungsflächen errichtet. Versiegelte Böden können weniger Regenwasser aufnehmen. Gleichzeitig beeinträchtigen Müll und Sedimentablagerungen den Wasserabfluss.
Nach Angaben im IPS-Bericht leben rund 70 Prozent der Einwohner*innen von Dar es Salaam in informellen Siedlungen, von denen viele nur unzureichend entwässert werden.
Für Deusdedit Rwehumbiza vom Mkwawa University College of Education in Iringa, das zur Universität Dar es Salaam gehört, greift es deshalb zu kurz, das Projekt lediglich als Bau einer neuen Brücke zu betrachten.
„Die Brücke ist der sichtbarste Teil, weil jeder die Kräne und den Beton sehen kann“, sagt er. „Aber die eigentliche Herausforderung besteht darin, das gesamte städtische Einzugsgebiet des Flusses zu bewirtschaften.“
Der entscheidende Ansatz liege darin, Überschwemmungen gleichzeitig als Problem der Flächennutzung, der Umwelt und der Verkehrsinfrastruktur zu behandeln. Deshalb umfasst das Msimbazi-Projekt weit mehr als den Brückenbau. Geplant sind unter anderem die Sanierung des Flussbetts, die Wiederherstellung natürlicher Überschwemmungsflächen, Verbesserungen bei der Abfallentsorgung und Maßnahmen gegen Erosion.
Teile des unteren Msimbazi-Beckens sollen künftig als Rückhalteflächen dienen, auf denen sich überschüssiges Wasser bei Starkregen vorübergehend ausbreiten kann. „Genau das sollte Klimaanpassung leisten“, sagt Rwehumbiza. „Man gibt dem Wasser Raum, statt erst dagegen anzukämpfen, wenn es bereits in die Häuser der Menschen eingedrungen ist.“
Umsiedlungen schaffen neue Herausforderungen
Die Umgestaltung des Msimbazi-Beckens hat allerdings auch soziale Folgen. Rund 3.500 Haushalte in besonders gefährdeten Überschwemmungsgebieten waren im Rahmen des Projekts zur Umsiedlung vorgesehen. Für die vorbeugende Umsiedlung wurden im Projektbudget 30 Millionen US-Dollar veranschlagt.
Zu den Betroffenen gehört Teresia Katimba, Mutter von vier Kindern. Sie zog 2024 nach Madale, nachdem ihr Haus in Jangwani über Jahre hinweg immer wieder überschwemmt worden war. Bei Hochwasser drangen regelmäßig verschmutztes Wasser, Abfälle und Abwasser in das Gebäude ein.
Die Umsiedlungen sollen Familien vor künftigen Überschwemmungen schützen. Gleichzeitig können größere Entfernungen zum Arbeitsplatz und höhere Fahrtkosten neue Belastungen schaffen.
Rwehumbiza warnt deshalb davor, Klimaanpassung ausschließlich an baulichen Erfolgen zu messen. „Eine klimaresistente Stadt darf das Risiko nicht einfach vom Fluss auf die Lebensgrundlagen der Menschen verlagern“, sagt er. „Wenn Familien zwar besser vor Überschwemmungen geschützt sind, sich aber den Weg zur Arbeit nicht mehr leisten können, hat man ein Problem gelöst und ein anderes geschaffen.“
260 Millionen US-Dollar von internationalen Geldgebern
Das gesamte Msimbazi Basin Development Project hat ein Finanzierungsvolumen von rund 260 Millionen US-Dollar. Die Internationale Entwicklungsorganisation IDA, die zur Weltbankgruppe gehört, stellt dafür einen zinsgünstigen Kredit von 200 Millionen US-Dollar bereit. Weitere Mittel kommen aus Spanien und den Niederlanden.
Das bis 2028 angelegte Projekt konzentriert sich auf das untere Msimbazi-Becken, umfasst aber auch Maßnahmen flussaufwärts in Richtung der Pugu-Berge. Während TANROADS für den Bau der Jangwani-Brücke verantwortlich ist, arbeiten weitere staatliche Einrichtungen an der Umgestaltung des Flussbeckens. Neben dem Hochwasserschutz sind neue Grünflächen, Märkte, Gewerbeflächen und Verbesserungen im öffentlichen Verkehr vorgesehen.
Ob das Projekt langfristig erfolgreich sein wird, hängt nach Einschätzung von Rwehumbiza auch von der Entwicklung im übrigen Einzugsgebiet ab. Unkontrollierte Bebauung, Abfälle in Gewässern und Bodenerosion könnten die Probleme im unteren Msimbazi-Becken erneut verschärfen.
„Man kann eine Brücke bauen, die viele Jahrzehnte hält“, sagt er. „Aber der Fluss ist mit allem verbunden, was flussaufwärts geschieht. Klimaresilienz erfordert, das gesamte System zu erhalten.“
Bewährungsprobe kommt beim nächsten Hochwasser
Für die Menschen, die täglich durch Jangwani fahren, wird sich der Erfolg vor allem während der nächsten schweren Regenfälle zeigen.
Clementina Nyangwine erinnert sich noch gut daran, wie sie aus liegengebliebenen Bussen aussteigen und durch das schmutzige Hochwasser waten musste. Manchmal erreichte sie ihren Laden erst Stunden später, wenn viele Kund*innen bereits wieder gegangen waren. Auf dem Heimweg drohten dieselben Schwierigkeiten erneut.
Heute beobachtet sie bei jeder Fahrt durch Jangwani den Fortschritt der Bauarbeiten. „Der Fluss wird bei starkem Regen weiterhin über die Ufer treten“, sagt sie. „Aber wenn die Menschen ihn sicher überqueren können, muss der Regen unser Leben nicht mehr zum Stillstand bringen.“ (Ende)
Titelbild: Die neue Jangwani-Brücke über das Msimbazi-Becken soll eine wichtige Verkehrsverbindung in Dar es Salaam auch bei Hochwasser offenhalten. (Foto: Kizito Makoye / IPS)

