Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Afrikanische Energiebank setzt auf Öl und Gas

Afrikas Erdölproduzenten wollen ihre Energieprojekte stärker selbst finanzieren. Die neue Afrikanische Energiebank soll dafür Milliarden mobilisieren und die Verarbeitung von Rohstoffen auf dem Kontinent fördern. Doch afrikanische Klimaschützer*innen warnen vor neuen fossilen Abhängigkeiten.

Von Martin Sturmer | 3. November 2026

Oberndorf bei Salzburg – Nach mehrjährigen Vorbereitungen und wiederholten Verzögerungen ist die Afrikanische Energiebank (Africa Energy Bank, AEB) offiziell gegründet worden. Die Afrikanische Export-Import-Bank (Afreximbank) und die Organisation afrikanischer Erdölproduzenten (APPO) gaben dies am 31. Oktober 2026 bei der ersten Generalversammlung der Bank in Nigerias Hauptstadt Abuja bekannt. Zum ersten Präsidenten wurde der ägyptische Bankmanager Helmy Ghazi bestellt.

Die neue Institution soll eine Finanzierungslücke schließen: Während sich traditionelle internationale Geldgeber aus fossilen Energieprojekten zurückziehen, wollen afrikanische Förderländer ihre Erdöl- und Erdgasvorkommen weiterhin wirtschaftlich nutzen. Der genehmigte Kapitalrahmen beträgt fünf Milliarden US-Dollar.

Mehr Wertschöpfung in Afrika

Die Gründer verbinden mit der Bank den Anspruch, stärker über die Finanzierung der eigenen Energiewirtschaft zu bestimmen. Unterstützt werden sollen Projekte von der Erschließung und Förderung über den Transport bis zur Verarbeitung und Verteilung. Damit wollen sie die Abhängigkeit von importierten Erdölprodukten verringern und den innerafrikanischen Energiehandel ausbauen.

Im Mittelpunkt steht auch die Frage, wie mehr Wertschöpfung auf dem Kontinent bleiben kann. Viele Förderländer exportieren Rohöl, müssen Treibstoffe aber importieren. Zusätzliche Raffinerien und regionale Transportnetze sollen dieses Verhältnis verändern.

APPO-Generalsekretär Farid Ghezali setzt deshalb auf den Ausbau afrikanischer Märkte. „Der Binnenmarkt ist für mich wertvoller als der Export“, sagte er Mitte Oktober gegenüber dem Energiefachdienst S&P Global Energy. Er strebe an, mindestens 80 Prozent der Produktion innerhalb Afrikas zu verarbeiten und damit die Abhängigkeit von Turbulenzen auf den internationalen Märkten zu verringern.

Erste Finanzierungen für 2027 vorgesehen

Nach Ghezalis Angaben standen Mitte Oktober 500 Millionen US-Dollar für den Start bereit, aufgebracht von APPO-Mitgliedern und der Afreximbank. Erste Investitionsentscheidungen seien für 2027 vorgesehen. Sein Ziel sei es, im kommenden Jahr mindestens drei Projekte zu finanzieren.

Vorrang sollen zunächst grenzüberschreitende Erdöl- und Erdgasvorhaben haben, etwa regionale Raffinerien und Pipelines. Als mögliches Projekt nannte Ghezali das geplante Central African Pipeline System, das elf Länder umfasst: Das geplante Pipelinenetz soll sich über rund 6.500 Kilometer erstrecken und Raffinerien, Kraftwerke und Lagerzentren mit Erdöl, Erdgas und Flüssiggas (LPG) versorgen.

Langfristig will die Bank auch Stromversorgung, saubere Kochenergie und mineralische Rohstoffe in den Blick nehmen. Vorerst liegt ihr Schwerpunkt jedoch auf Öl und Gas.

Warnungen vor fossilen Abhängigkeiten

Diese Ausrichtung ist auch innerhalb Afrikas umstritten. Bhekumuzi Dean Bhebhe, Gründer der Organisation Africa Change Lab, bezeichnet die Bank gegenüber dem auf Klimapolitik spezialisierten Nachrichtenportal Climate Home News als „Trojanisches Pferd“. Er befürchtet, dass neue fossile Investitionen Verschuldung und Abhängigkeiten verstärken und die Bindung an klimaschädliche Energieträger verlängern.

Der in Kenia tätige Klima- und Energieexperte Joab Okanda spricht in diesem Beitrag von einer „falsch gesetzten Priorität“. Statt neue Erdöl- und Erdgasprojekte zu finanzieren, sollte die Bank seiner Ansicht nach erdölabhängige Länder beim Übergang zu anderen Energiequellen unterstützen.

Damit stehen sich zwei Vorstellungen wirtschaftlicher Eigenständigkeit gegenüber: Die Befürworter*innen wollen fossile Ressourcen nutzen, um Industrialisierung und Infrastruktur zu finanzieren. Die Kritiker*innen sehen gerade darin das Risiko, bestehende Abhängigkeiten auf Jahrzehnte zu verfestigen.

Ölprojekte ersetzen keinen Stromanschluss

Zugleich bleibt der Zugang zu Energie für Millionen Menschen ungelöst. Nach dem Bericht „World Energy Investment 2025“ der Internationalen Energieagentur (IEA) hatten rund 600 Millionen Menschen in Afrika keinen Zugang zu Elektrizität. Mehr als eine Milliarde Menschen lebten ohne Zugang zu sauberen Kochmöglichkeiten.

Die Investitionen sind zudem ungleich verteilt: Nordafrika und Südafrika vereinen weniger als ein Fünftel der Bevölkerung des Kontinents, erhalten aber mehr als 45 Prozent der Energieinvestitionen. Laut IEA ist Solarstrom inzwischen in vielen afrikanischen Ländern die kostengünstigste Quelle der Stromerzeugung.

Für die Bewertung der neuen Bank ist deshalb entscheidend, zwischen industrieller Wertschöpfung und dem unmittelbaren Zugang zu Energie zu unterscheiden. Eine Raffinerie oder Erdölpipeline kann wirtschaftliche Impulse setzen. Sie versorgt Haushalte ohne Stromanschluss aber nicht automatisch mit Elektrizität. Dafür braucht es unter anderem Stromnetze, dezentrale Versorgungssysteme und bezahlbare Anschlüsse.

Entscheidend sind die konkreten Projekte

Offen bleibt, wie viel zusätzliches Kapital die Bank mobilisieren kann. Die ursprünglich für Anfang 2025 geplante Betriebsaufnahme wurde mehrfach verschoben. Gegenüber Climate Home News verwies der Energieexperte Baron Lamarré auf die Schwierigkeiten, große fossile Vorhaben ohne etablierte internationale Finanzierungspartner zu stemmen.

Die Gründer wollen nun Regierungen, nationale Erdölunternehmen, Finanzinstitutionen und private Investor*innen gewinnen. Ob daraus mehr wirtschaftliche Eigenständigkeit entsteht, wird sich an den finanzierten Projekten zeigen: daran, wie viel Wertschöpfung vor Ort bleibt, welche Umwelt- und Sozialstandards gelten und ob die Investitionen eine breiter aufgestellte Energieversorgung ermöglichen. (Ende)

Titelbild: Die Afrikanische Energiebank soll Investitionen in die Öl- und Gaswirtschaft fördern. (Symbolfoto: Lungkhaek / Shutterstock.com)