Kenia: Die Silicon Savannah steht hoch im Kurs

Lami Technologies überzeugt internationale Investoren

Von Martin Sturmer | 14.05.2021

Oberndorf bei Salzburg (afr). Afrikas Startup-Unternehmen rücken immer stärker in Blickfeld internationaler Investoren. Vor allem Gründungen in der Silicon Savannah werden mit Argusaugen beobachtet. 2020 ging ein Drittel aller Investments in afrikanische Startups nach Kenia.

Jihan Abbas ist Gründerin und CEO von Lami Technologies. (Bild: Lami Technologies) 

Als Silicon Savannah wird die aufstrebende Technologie- und Startup-Szene in Kenias Hauptstadt Nairobi bezeichnet. In der pulsierenden Großstadt mit ihren rund 4,5 Millionen Einwohnern arbeitet die 27-jährige Jihan Abbas. Die Unternehmerin hat mit ihrem Startup Lami Technologies gerade einen Investorendeal über 1,8 Mio. US-Dollar abgeschlossen.

"Unsere Vision bei Lami ist es, die finanzielle Widerstandsfähigkeit von Millionen Menschen zu verbessern, indem wir Versicherungsprodukte für unterversorgte Bevölkerungsgruppen zugänglicher und erschwinglicher machen", beschreibt Abbas ihre Geschäftsidee. Denn: In Afrika würden 97 Prozent der Menschen keine Versicherungen kaufen, sagt die Absolventin der Universität von Oxford.

Digitale Plattform sorgt für bessere Kundenorientierung

Der Hauptgrund für die geringe Abdeckung liege vor allem an der mangelnden Kundenorientierung der Versicherungsgesellschaften, ist Abbas überzeugt. Es fehle schlicht an maßgeschneiderten Angeboten und einer raschen Abwicklung von Schadensfällen. So würde es in Afrika im Schnitt 90 Tage dauern, bis ein Versicherungsfall bearbeitet ist, so die Unternehmerin.

Mit der Entwicklung einer digitalen Plattform ist es Lami Technologies gelungen, diese Zeitspanne auf eine Woche zu reduzieren. Außerdem lassen sich Versicherungsverträge mit dem Smartphone innerhalb von zwei Minuten abschließen.

Das Konzept scheint aufzugehen: Seit der Gründung von Lami Technologies im April 2018 wurden bereits 5.000 Policen verkauft. Das Unternehmen mit seinen 14 Mitarbeitern bietet mehr als 30 Produkte – von der Personenversicherung bis zum Schutz für digitale Geräte. Der Vertrieb erfolgt in erster Linie über etablierte Plattformen wie den Online-Shop Jumia, der als Afrikas Antwort auf Amazon gilt.

Startup-Mekka Kenia

Die erfolgreiche Entwicklung von Lami blieb internationalen Technologie-Scouts nicht verborgen. Am 6. Mai 2021 gab Lami bekannt, dass eine Gruppe rund um die US-Gesellschaft Accion Venture Lab 1,8 Mio. US-Dollar in die Weiterentwicklung des Unternehmens investiert.

Startups aus Kenia stehen seit Jahren hoch im Kurs: Laut der Africa Startups Deals Database wurden im Jahr 2020 1,62 Mrd. US-Dollar in Startups in Afrika investiert – ein neuer Rekordwert. Ein Drittel der Summe (547 Mio. US-Dollar) ging nach Kenia. Der ostafrikanische Staat stand damit im vergangenen Jahr an der Spitze: Nigeria (425 Mio. US-Dollar) und Südafrika (296 Mio. US-Dollar) folgten mit Respektabstand auf den Plätzen zwei und drei.

Dabei waren vor allem Entwicklungen in der Finanztechnologie gefragt: Seit der Einführung des mobilen Bezahldienstes M-Pesa im Jahr 2007 ist kein Stein auf dem anderen geblieben. De facto kann in Kenia mit dem Handy alles bezahlt werden – von der Taxifahrt über die Stromrechnung bis nun also auch zur Versicherung. (Ende)

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