Uganda: Impfen oder Gefängnis

Regierung macht mit Impfverweigerern kurzen Prozess

Von Amy Fallon | 06.07.2016

Kampala. Patience (Name von der Redaktion geändert) aus dem Slum Kyebando in Kampala wollte ihren dreijährigen Sohn gegen Polio impfen lassen. Dann hat ihr allerdings die Frau ihres Vermieters eine haarsträubende Geschichte erzählt: "Denk' nicht einmal an eine Impfung", warnte sie Patience. "Im Impfstoff ist ein Mittel enthalten, damit die Jungen später keine Kinder zeugen können."

Im 'Kisugu Helth Centre' in Kampala warten Frauen mit ihren Kindern auf eine Gratisimpfung (Bild: Amy Fallon/IPS).

Impfmythen wie diese sind in Uganda zu einem echten Problem geworden. Das Land hat die niedrigste Impfrate in Ostafrika: So beträgt z. B. die Abdeckung mit der sogenannten Dreifachimpfung gegen Diphterie, Tetanus und Keuchhusten (DTP) landesweit nur 78 Prozent. Im Vergleich zu seinen Nachländern fällt Uganda dabei deutlich ab: Die Demokratische Republik Kongo (80 Prozent), Kenia (81 Prozent), Tansania (97 Prozent) und Ruanda (99 Prozent) haben bedeutend bessere DTP-Raten vorzuweisen. 

Für die scheidende Parlamentsabgeordnete Huda Oleru liegt die Verantwortung für den Impfskepsis bei einem Kult, der sich 666 nennt und landesweit rasant an Popularität gewinnt. Die Mitglieder der religiösen Gruppierung weigern sich, ihre Kinder impfen zu lassen: "Sie sagen z. B., dass die Impfstoffe aus Schweinen und wilden Tieren hergestellt werden, und dass sich dadurch auch unsere Kinder wie wilde Tiere verhalten werden", erzählt Oleru.

Die Parlamentsabgeordnete hat mit Vertretern der Gruppe, die ihre Machtbasis in den Bezirken Luweero und Nakasongola im Osten des Landes hat, lange Zeit das Gespräch gesucht. Nun sei es aber der "einfachste Weg", die Kinder per Gesetz immunisieren zu lassen.

Sechs Monate Gefängnis für Impfverweigerer

Zu Beginn des Jahres hat Präsident Yoweri Museveni ein Gesetz unterschrieben, dass Pflichtimpfungen für Kinder vor deren ersten Geburtstag vorsieht. Eltern, die dieser Bestimmung des sogenannten 'Immunization Act 2016' nicht nachkommen, können zu einer Gefängnisstrafe von bis zu sechs Monaten verurteilt werden.

Zu den vorgeschriebenen Impfungen zählen jene gegen Tuberkulose, Keuchhusten, Tetanus, Hepatitis B, Polio und Masern. Außerdem verlangt das Gesetz die Vorlage eines Impfpasses, bevor die Kinder in Tagesstätten oder Grundschulen aufgenommen werden.

Die Behörden drücken bei der Auslegung des Gesetztes kein Auge zu. Laut Angaben der Tageszeitung Daily Monitor wurden im letzten Monat zumindest zehn Mitglieder des 666-Kults festgenommen, weil sie ihre Kinder nicht impfen lassen wollten.

Solarkühlschränke sorgen für Haltbarkeit

Laut Dr. Henry Luzze, stellvertretender Manager des nationalen Impfprogrammes, steht Uganda vor großen gesundheitlichen Herausforderungen. Masern und virale Durchfallerkrankungen wären immer noch eine große Bedrohung. 

Unterversorgt mit Impfungen sind vor allem abgelegene Dörfer und Bezirke im östlichen Teil des Landes, die aufgrund hoher Hügel und schlechter Straßen nur schwer zugänglich seien. Mit Unterstützung der internationalen Impfallianz Gavi hat die Regierung solarbetriebene Kühlschränke angekauft, damit die Haltbarkeit der Impfstoffe auch in Gebieten mit häufigen Stromausfällen gewährleistet ist.

Eine weitere Herausforderung ist die Zustrom von Flüchtlingen aus Burundi und dem Südsudan, wo die Immunisierungsraten ebenfalls niedrig sind. Erst im letzten Monat wurden drei Fälle von Gelbfieber bestätigt, die Dunkelziffer dürfte aber bedeutend höher liegen.

Luzze ist jedenfalls vom Erfolg des Gesetzes überzeugt, da es auf allen Ebenen – vom Präsidenten bis zu Lokalpolitikern – breite Unterstützung findet. Auch international wird das Gesetz begrüßt: Mike McQuestion vom Sabin Vaccine Institute in Washington, D.C. hält es sogar für ein "Musterbeispiel für gute Regierungsführung".

Zwei Wochen, nachdem das Impfgesetz vom Parlament verabschiedet worden ist, hat auch Patience ihren Sohn im Rahmen einer Großaktion impfen lassen. "Es war sehr einfach – ein Tropfen in den Mund und danach eine Markierung auf den Finger." Das Ganze habe keine drei Minuten gedauert, so die junge Frau.

Patience gibt zu, dass die Androhung einer Haftstrafe durchaus eine Rolle bei ihrer Entscheidung gespielt habe. Den Ausschlag hätten aber letztendlich doch medizinische Gründe gegeben. Eine Krankenschwester habe zu ihr gesagt: "Du sollst ihn nicht impfen lassen, weil Du sonst verhaftest wirst, sondern weil er sonst krank werden kann." Patience ist jetzt überzeugt, dass ihr Sohn gesund bleiben und später selbst Kinder haben wird. (afr/IPS)

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