Tansania: Drohnen liefern Blutkonserven

Unbemannte Luftfahrzeuge versorgen entlegene Spitäler

Von Kizito Makoye | 08.03.2017

Bahi (IDN/afr). Fehlende Blutkonserven kosten in Afrika pro Jahr zigtausenden Menschen das Leben. In Tansania sollen nun Drohnen den Versorgungsgrad erhöhen: Die unbemannten Luftfahrzeuge transportieren die lebensrettenden Blutspenden zuverlässig und rasch - auch in abgelegene Gebiete.

Dr. Alex Magufwa untersucht im Krankenhaus von Bahi ein Kind, das an einer schweren Malaria erkrankt ist. (Bild: Kizito Makoye/IPS)

Bahi ist einer von sieben Bezirken in der zentraltansanischen Region Dodoma. Trotz der Nähe zur Hauptstadt ist das Gesundheitssystem hier schlecht entwickelt. Schwere Erkrankungen werden nur allzu oft zu einem Wettlauf um Leben und Tod.

Hawa Ambweni hat lange um das Leben ihrer Tochter bangen müssen, die an akuter Malaria erkrankt war. "Sie benötigte dringend Blut, aber es war keines vorhanden", erzählt Ambweni. In der kleinen Gesundheitsstation teilte man ihr mit, dass gegen Entgelt eine Blutspende aus dem Bezirkskrankenhaus angefordert werden müsste.

Nachdem Ambweni den notwendigen Geldbetrag besorgt hatte, wurde der Lieferauftrag erteilt. "Ich war ganz nervös und wartete ungeduldig darauf, dass das Blut endlich ankommt", erinnert sich die Mutter, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt. Nach mehr als zwei Stunden trafen zwei Blutbeutel ein, mit denen letztendlich das Leben ihrer Tochter gerettet werden konnte.

Drohnen retten Menschenleben

In Subsahara-Afrika sind vor allem die ländlichen Region drastisch mit Blutkonserven unterversorgt. Pro Jahr sterben 180.000 Frauen an Komplikationen in der Schwangerschaft oder während der Geburt.

Als Hauptgrund nennt die Weltgesundheitsorganisation WHO schwere Blutungen, die für 44.000 Todesfälle verantwortlich zeichnen.

Gesundheitsexperten sind überzeugt, dass zumindest ein Viertel der Todesfälle vermieden werden könnte, wenn ausreichend Blutkonserven zur Verfügung stünden.

In Tansania werden pro Jahr zumindest 450.000 Liter Spendenblut benötigt, haben Gesundheitsexperten berechnet. Die Regierung verfügt derzeit allerdings nur über 140.000 Liter pro Jahr. Die Tanzania Red Cross Society (TRCS) und das Tanzania National Blood Transfusion Service (TNBTS) werben deshalb verstärkt in ländlichen Gebieten um Blutspenden.

Ungeklärt war bislang aber die Frage, wie die lebensrettenden Blutbeutel im Notfall rasch zu den Patienten gelangen. Die Regierung will daher in Zukunft Drohnen einsetzen, um mehrere hundert Gesundheitsstationen im ganzen Land mit Blutkonserven beliefern zu können. Bereits im April sollen die ersten unbemannten Flugfahrzeuge in Betrieb gehen.

Technologie aus dem Silicon Valley

Der Einsatz von Drohnen zu medizinischen Zwecken hat sich im Nachbarland Ruanda bereits bestens bewährt. Das US-Startup Zipline aus dem Silicon Valley arbeitet dort eng mit der Regierung zusammen, um unterversorgte Regionen mithilfe von Drohnen zu erschließen.

Drohnen des US-Startups Zipline sind bereits in Ruanda im Einsatz. (Bild: Zipline)

Auch in Tansania werden Zipline-Drohnen zum Einsatz kommen. Finanziert werden die Projektkosten in Höhe von mehr als 460.000 Euro durch das Department for International Development (DfiD) der britischen Regierung.  Lokaler Projektkoordinatior ist das Ifakara Health Institute (IHI) - eine Forschungseinrichtung, die sich auf die Behandlung von Malaria, HIV/Aids, Turberkulose sowie neonatale Gesundheitsprobleme spezialisiert hat.

IHI-Forscher Zacharia Mtema berichtet, dass zunächst zehn Drohnen die regionalen Gesundheitsstationen im Umkreis von Dodoma mit Blutkonserven aus der zentralen Blutbank der Hauptstadt versorgen werden. Für Mtema ist das allerdings erst ein Anfang. "Wir hoffen, das Projekt erweitern zu können, um viele andere Regionen im Land abdecken zu können."

Drohnen gelten für diesen Einsatz als prädestiniert: Vor allem während der Regenzeiten ist es für Autos und Motorräder oft unmöglich, im Notfall Blutkonserven in entlegene Spitäler zu liefern. Durch die unbemannten Luftfahrzeuge soll sich die Lieferzeit von medizinischen Produkten von derzeit durchschnittlich 110 Minuten auf 19 Minuten reduzieren.

Auch in finanzieller Hinsicht sind die kleinen Flieger allen anderen Transportmitteln überlegen: Allein für die Region Dodoma rechnen die Betreiber mit Einsparungen von mindestens 55.000 Euro pro Jahr.

Ruanda als Vorbild

Im Nachbarland Ruanda schwört man mittlerweile auf die Zipline-Drohnen. Dort sind die 15 kleine Flieger seit August 2016 im Einsatz. Beliefert werden 21 Krankenhäuser und Gesundheitszentren in schwer zugänglichen ländlichen Gebieten. Laut Angaben der ruandischen Regierung bewerkstelligen die Zipline-Drohnen pro Tag im Schnitt 150 Auslieferungen.

Der Ablauf einer Drohnenlieferung ist in der Praxis einfach: Ein Arzt gibt eine Bestellung per SMS oder Anruf ab. In der Drohnen-Basis - dem sogenannten Nest - wird der Mini-Flieger beladen und mit einem Katapult in die Luft geschleudert. Der Start erfolgt binnen weniger Minuten nach der Bestellung, gesteuert werden die Flugkörper mit einem iPad.

Die Zipline-Drohnen erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h. Auch bei starkem Wind und schlechtem Wetter halten die innovativen Lebensretter ihre Route. Die Reichweite wird mit bis zu 100 Kilometern angeben, die maximale Flughöhe beträgt 150 Meter.

Zwei Minuten vor dem Ziel kündigt die Drohne ihre Ankunft automatisch per SMS an. Dann wirft sie die Fracht mit einem kleinen Fallschirm ab und kehrt zum Nest zurück.

Hawa Ambweni aus Bahi hält große Stücke auf das Projekt: "Ich bin sehr glücklich, weil arme Leute wie ich nicht mehr leiden müssen." (Ende)

Anmerkung: IDN ist die Flaggschiff-Agentur des International Press Syndicate.

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