Simbabwe: Holzkohle gefährdet die Zukunft der Wälder

Pro Jahr werden 60 Millionen Bäume illegal gefällt

Von Busani Bafana | 07.07.2021

Bulawayo (IPS/afr). Ein ramponierter alter Bedford-LKW setzt einmal pro Woche eine Tonne Holzkohle beim Händler Sibangani Tshobe ab. Dort wird die Holzkohle auf Karren verladen, die den Spitznamen "Scanias" tragen. Ihr Ziel ist Old Pumula, der älteste Vorort der Stadt Bulawayo im Südwesten des Landes.

Illegale Abholzungen setzen den Wäldern in Simbabwe dramatisch zu. (Bild: Busani Bafana/IPS)

"Ich verkaufe einen Sack Holzkohle für sieben US-Dollar - das ist ein gutes Geschäft für mich", sagt Tshobe. Wegen der hohen Stromkosten in Simbabwe haben viele Menschen keine andere Alternative, um ihren Energiebedarf zum Kochen und Heizen zu decken. Laut Weltbank weist das Land eine Armutsrate von knapp über 38 Prozent auf.

"Was soll man angesichts der hohen Strompreise anderes machen?", fragt Tshobe. "Der Handel mit Holzkohle ist ein Mittel, um für meine Familie zu sorgen. Mir ist aber bewusst, dass mein Geschäft Bäume zerstört - aber damit muss ich leben."

Enormer Waldverlust

Jedes Jahr verliert Simbabwe etwa 60 Millionen Bäume oder 33.000 Hektar Wald durch illegale Abholzung, berichtet die nationale Forstkommission. Violet Makoto ist Sprecherin der Einrichtung, die für den Schutz der staatlichen Wälder zuständig ist.

"Die steigende Nachfrage nach Holzkohle ist ein besorgniserregender Trend", sagt Makoto. Auch sie sieht das Problem in den hohen Stromtarifen, die für weite Teile der Bevölkerung nicht leistbar sind.

Holzkohle wird durch das Erhitzen von Holz ohne Sauerstoffzufuhr hergestellt. Besonders beliebt sind einheimische Hölzer wie etwa Mopane. Vor allem der nördliche Bezirk Muzarabani an der Grenze zu Mosambik gilt als Hotspot für die Holzkohleproduktion. Aber auch in den Provinzen Midlands, Mashonaland West und Matabeleland North wird der Brennstoff hergestellt.

Der Chefkonservator der Forstkommission, Armstone Tembo, führt einen fast aussichtlosen Kampf gegen die Schlägerungen und den illegalen Handel mit Holzkohle: "Wir haben zwar Razzien durchgeführt", erzählt er, "unser Problem ist aber, dass wir uns bewusst sind, dass die Leute immer noch in die Gebiete gehen und mehr Bäume fällen."

Im vergangenen Jahr wurden über 30 Personen wegen des Handels mit Holzkohle festgenommen und mit einer Geldstrafe belegt. Dabei wurden 1,9 Tonnen Holzkohle beschlagnahmt.

Obligatorische Gefängnisstrafen statt Bußgelder?

"Wir brauchen eine dauerhafte Lösung, um die Holzkohleproduktion im Land vollständig zu eliminieren", fordert Tembo. Die Forstkommission drängt daher auf strengere Gesetze und schlägt obligatorische Gefängnisstrafen vor.

Die bisherigen Bußgelder hätten sich als wenig abschreckend erwiesen, so Tembo. Wer beim Verkauf von Brennholz oder Holzkohle ertappt wird, erhält eine Strafe in Höhe von 59 US-Dollar oder einem Jahr Gefängnis. Die Forstkommission will stattdessen eine obligatorische Gefängnisstrafe von drei Monaten.

Bürgerrechtler*innen sprechen sich hingegen dafür aus, das Problem an der Wurzel zu bekämpfen. Für den Menschenrechtsanwalt Effie Ncube ist der rasante Anstieg der Strompreise der Hauptgrund für die Fehlentwicklung. Diese würden letztendlich auch zu einer Verteuerung von Gütern und Dienstleistungen führen.

Im September 2020 hat die "Zimbabwe Electricity Transmission and Distribution Company" (ZETDC) die Stromtarife um 50 Prozent heraufgesetzt. Im Mai 2021 wurden sie um weitere 30 Prozent erhöht. Die Preissteigerungen wurden mit den hohen Kosten für den Stromimport argumentiert.

Alternative Energiequellen gefordert

Die immer höheren Kosten für Grundnahrungsmittel, Nahrungsmittel, Treibstoff und Energie treiben die Menschen in Simbabwe weiter in die Armut, sagt Comfort Muchekeza, Regionalmanager des Verbraucherrats von Simbabwe.

"Es ist höchste Zeit, dass die Regierung alternative Energiequellen findet und andere Akteure in den Energiesektor einlädt", betont Muchekeza. "Die Stromkosten sind heute nicht nur für normale Verbraucher, sondern sogar für die Mittelschicht unerschwinglich."

Effie Ncube stimmt dem Verbraucherschützer zu: "Simbabwe muss in erneuerbare Energiequellen wie Wind- und Solarenergie investieren, damit die Menschen Zugang zu erschwinglichem und sauberem Strom haben." (Ende)

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