Kenia: Digitale Solar-Fernseher für ländliche Haushalte

Jungunternehmen M-KOPA will Millionen TV-Kunden gewinnen

Von Martin Sturmer | 02.03.2016

Salzburg. Der kenianische Solar-Pionier M-KOPA sorgt erneut für Aufsehen. Das Unternehmen hat kürzlich sein erstes Solar-TV-Gerät vorgestellt, mit dem Millionen Menschen in Kenia der Traum vom eigenen Fernseher erfüllt werden soll. Für Mitte des Jahres ist der Marktstart in den Nachbarländern Uganda und Tansania geplant.

Daniel und Eunice Okumu aus Kisumu zählen zu den ersten Kunden von M-KOPA TV (Bild: M-KOPA Solar/Allan Gichigi).

Nach Angaben der Kenia Audience Research Foundation haben in Kenia 69% der Erwachsenen keinen täglichen Zugang zu einem Fernsehgerät. Vor allem in ländlichen Gebieten fehlt es oftmals an der dafür notwendigen Elektrizität. Wenn es nach dem Solar-Unternehmen M-KOPA geht, soll mit der Unterversorgung nun Schluss sein: Die junge Firma am 17. Februar ihr digitales Solar-TV vorgestellt und möchte damit den ostafrikanischen Markt erobern.

Daniel Okumu lebt mit seiner Frau Eunice in der Stadt Kisumu am Victoriasee. Er zählt zu den ersten Kunden von M-KOPA TV. "Mit einem Knopfdruck können wir nun die Welt von unserem komfortablen und sicheren Zuhause aus sehen", schwärmt Okumu.

Denn bislang war es für die meisten Mensch in Kenia gar nicht einfach, in den Genuss des TV-Programms zu kommen.  "Viele mussten dafür bezahlen, um in Cafés oder Bars Fernsehen zu können", weiß Jesse Moore, Geschäftsführer von M-KOPA. "Oder sie haben einfach Nachrichten und aktuelle Ereignisse verpasst, weil sie sich den Anschluss einfach nicht leisten konnten."

Auch für ärmere Menschen leistbar

Durch ein erprobtes Ratensystem sollen TV-Geräte auch für ärmere Menschen leistbar sein. M-KOPA TV gibt es in zwei Angebotsvarianten: Bestehende Kunden, die bereits ihre Solaranlage von M-KOPA abbezahlt haben, können das TV-Gerät mit seinem 16-Zoll-Bildschirm für eine Kaution von 1.500 Kenia-Schilling (13,6 EUR) und eine tägliche Rate von 50 Kenia-Schilling (0,45 EUR) für die Dauer von 24 Monaten erwerben. Nach Ablauf der zwei Jahre gehört das TV-Gerät ihnen.

Neukunden müssen eine Kaution von 7.900 Kenia-Schilling (71,5 EUR) und eine tägliche Belastung von 125 Kenia-Schilling (1,13 EUR) für den Zeitraum von zwölf Monaten in Kauf nehmen. Dafür erhalten sie ein Heimsolarsystem samt Digital-TV und reichlich Zubehör. Die Verrechnung erfolgt in beiden Fällen über das mobile Bezahlsystem M-PESA, das vom Telekommunikationsanbieter Safaricom betrieben wird.

Der in den digitalen Fernsehern eingebaute Decoder soll den Empfang von bis zu 26 Kanälen ermöglichen. Die TV-Geräte wurden von M-KOPA-Ingenieuren entworfen, werden aber in China produziert. Anders verhält es sich bei den Solarmodulen, die im kenianischen Naivasha hergestellt werden.

Moore erwartet, dass M-KOPA in den nächsten Jahren mehrere Millionen Kunden in dem ostafrikanischen Land mit seinen 45 Millionen Einwohnern gewinnen wird. Mitte 2016 soll das digitale Solar-TV auch in den Nachbarländern Uganda und Tansania an den Start gehen.

Im Fokus von internationalen Investoren

M-KOPA hat seit seiner Gründung im Oktober 2012 für viel Bewegung im kenianischen Energiemarkt gesorgt. Das Unternehmen wurde durch seine Haussolaranalagen bekannt, die gegen eine Kaution von 3.500 Kenia-Schilling (31,7 EUR) und eine tägliche Rate von 50 Kenia-Schilling (0,45 EUR) für die Fortdauer eines Jahres erworben werden können. Nach Eigenangaben zählt M-KOPA heute mehr als 250.000 Kunden in Kenia, mit Uganda und Tansania sollen es bereits über 300.000 Kunden sein.

Der große Erfolg hat internationale Investoren auf den Plan gerufen: Allein im Jahr 2015 hat M-KOPA 28,7 Millionen Euro für den Ausbau des Unternehmens erhalten. Unter den Geldgebern finden sich namhafte Größen wie Generation Investment Management um den früheren US-Vizepräsidenten Al Gore, Sir Richard Branson oder die AOL-Gründer Jean und Steven Case. (afr)

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