Kamerun: Nachhaltigkeit durch Permakultur

Erstes Ökodorf setzt auf organischen Anbau

Von Mbom Sixtus | 19.08.2015

Yaoundé. Der Kameruner Joshua Konkankoh hat eine Vision. Er will beweisen, dass nachhaltige Anbaumethoden sehr wohl für Ernährungssicherheit sorgen können. Mit diesem Ziel vor Augen gab er seine Arbeitsstelle bei der Regierung auf, wurde Bauer und gründete 'Better World Cameroon'. Die Initiative gründete mit Ndanifor das erste Ökodorf Kameruns.

Scene from Ndanifor Permaculture Eco-village in Bafut in Cameroon’s Northwest Region, the country’s first and only eco-village which is based on the principle that the answer to food insecurity lies in sustainable and organic methods of farmingNdanifor in Bafut im Nordwesten Kameruns: Das Ökodorf will mit nachhaltiger und biologischer Landwirtschaft Ernährungssicherheit gewährleisten (Bild: Mbom Sixtus/IPS).

Die Organisation entwickelt Landbewirtschaftungsstrategien auf lokaler Ebene, die sich auf indigenes Wissen stützen, um Nahrungsmittelkrisen und extreme Armut zu mildern. 'Better World Cameroon' betreibt inzwischen auch das erste und einzige Ökodorf des zentralafrikanischen Landes.

Im Ndanifor-Permakultur-Ökodorf in Bafut in der Nordwestregion werden die Böden biologisch gedüngt, indem dort stickstoffbindende Bäume mit Mischkulturen zusammengebracht werden. Sind die Bäume ausgewachsen, werden sie von der Mitte her ausgedünnt und die Blätter als Kompost verwendet. Wenn sich die Bäume erholt haben, wird die Prozedur in der folgenden Saison wiederholt.

Permakultur auf Afrikanisch

"Wir bilden hier Jugendliche und Bauern auf dem Gebiet der Permakultur aus", sagt Konkankoh. "Ich spreche von 'Permakultur nach afrikanischer Art', denn der Begriff wurde von Wissenschaftlern eingeführt. Wir aber passen das Konzept an unsere traditionellen Anbau- und Umweltschutzmethoden an."

Das Ökodorf, das ein Vorbild für Kamerun und ganz Westafrika werden will, ist Mitglied im 'Global Ecovillage Network'. Permakultur ist ein Konzept, das ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit anstrebt, indem es neben nachhaltigen Anbaumethoden auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen auf naturnahe Kreisläufe abzielt.

Während die kamerunische Regierung auf Distanz zu der Initiative bleibt, ermuntern Dorfräte und traditionelle Dorfoberhäupter die Bevölkerung, das Projekt zu unterstützen. Sie halten es für ökologisch, sozial, ökonomisch und spirituell wertvoll.

"Ich war während der UN-Weltdekade 'Bildung für eine nachhaltige Entwicklung' aktiv auf diesem Gebiet", erklärt Konkankoh. "Als wir untersuchten, warum viele Staaten die Millenniumsentwicklungsziele nicht erreichten, fanden wir heraus, dass Permakultur die richtige Lösung sein kann, um das Ziel der Nachhaltigkeit doch noch zu erreichen, insbesondere in Afrika. Wir folgten der Idee, global zu denken und lokal zu handeln."

Die in dem Ökodorf betriebene Permakultur nutzt das begrenzte Ackerland maximal aus. Den Dorfbewohnern wird beigebracht, wie sie auf dem selben Grundstück mehr als eine Sorte anbauen und mit biologischem Dünger hohe Ernten erzielen können. Die Bauern werden dazu motiviert, durch eigene Arbeit Geld zu verdienen und Handel zu treiben statt um finanzielle Hilfen zu bitten. Sie sollen weder Mittelsmännern noch multinationalen Unternehmen ermöglichen, einen Teil der bäuerlichen Verdienste abzuzweigen. "Wir raten den Bauern, dadurch Nahrungssouveränität zu garantieren, dass sie das produzieren, was sie und ihre Nachbarn auch selbst konsumieren. Also keine 'cash crops' wie Kakao oder Kaffee."

Neue Techniken gegen Bodenerosion

Den Farmern wird vermittelt, wie wichtig die Herstellung von natürlichem Dünger ist und wie sie davon noch mehr profitieren, wenn sie ihn an andere Bauern verkaufen. Sie lernen außerdem, mittels innovativer Techniken die Bodenerosion zu begrenzen, Wasserressourcen zu verwalten, Windbrecher zu bauen und Zwischenfruchtbau zu betreiben.

Für Konkankoh war es ein Fehler, Spiritualität in den Millenniumsentwicklungszielen zu übergehen. "Die Artenvielfalt wird bei uns dadurch geschützt, dass unser Glaube es uns verbietet, bestimmte Bäume zu fällen oder bestimmte Tiere zu töten, weil wir glauben, dass sie von Geistern geschützt werden", sagt Konkankoh. "Wir wollen dieses Erbe bewahren."

Ein Projekt des Ökodorfs sieht vor, so genannte 'spirituelle Wälder' mit 4.000 Arznei- und Obstbäumen anzulegen, um sogenannte CO2-Senken anzulegen. Fon Abumbi II, das traditionelle Oberhaupt des Dorfes Bafut, ist davon überzeugt, dass der ökologische Anbau von Obst, Gemüse und Arzneipflanzen der Gesundheit der lokalen Bevölkerung dienlich ist. Da viele Unternehmen auf der Welt medizinische Produkte auf natürlicher Pflanzenbasis herstellen, rechnet er damit, dass die Nachfrage nach den Erzeugnissen des Dorfes hoch sein wird und den Bewohnern künftig ein gutes Auskommen sichert.

Häuser aus lokal produzierten Lehmziegeln

Die Häuser in dem Ökodorf sind aus Lehmziegeln und Sandsäcken gebaut und die Dächer mit Gras bedeckt – alles Materialien, die am Ort vorhanden sind. Auch Öfen werden lokal aus Lehm hergestellt. Projektmanagerin Sonita Mbah Neh erklärt, dass diese Öfen die Auswirkungen des Klimawandels mildern, weil weniger Holz verbrannt wird. Die Frauen, die die Öfen herstellen, könnten zudem durch den Verkauf Einkünfte erwirtschaften.

Laut Lanci Abel, dem Bürgermeister der Gemeinde Bafut, versucht die Gemeinde, auch die Dorfbewohner dazu zu motivieren, sich der Permakultur zu widmen. "Wenn eine Idee neu ist, folgen ihr die Leute nur, wenn sie von den Behörden empfohlen wird", sagt er. "Wir bemühen uns deshalb, die Menschen zu einer Rückkehr zu traditionellen Anbaumethoden zu bewegen, so wie es im Ökodorf vermittelt wird."

Abel kritisiert, dass das kamerunische Agrarministerium zu Beginn der Pflanzzeit 2015 in der Südwestregion genetisch modifizierte Setzlinge verteilen ließ. Die Ernten seien mit Erträgen von etwa 30 Prozent äußerst mager geblieben.

Abgeordnete verlangten auf einer Parlamentssitzung im Juni Rechenschaft von Agrarminister Essimi Menye. Julbert Konango von der Landwirtschaftskammer erklärte, die Saat gehe teils nicht auf, weil die Samen alt seien. Dies sei darauf zurückzuführen, dass die Agrarforschung in dem Land nicht ausreichend finanziert werde und auch zu wenige Agraringenieure zur Verfügung stünden. All dies zeige, dass Kamerun nicht ausreichend auf eine 'Landwirtschaft der zweiten Generation' vorbereitet sei.

Abel hingegen hält solche Missernten für vermeidbar, wenn die Bauern natürliches Saatgut und biologischen Dünger verwenden. Chemische Düngemittel würden überdies die Böden verseuchen. (afr/IPS)

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