Ghana: Galamseys bedrohen Kakaoproduktion

Agrarland wird an Betreiber illegaler Goldminen verkauft

Von Kwaku Botwe | 12.10.2017

Accra (IPS/afr). Gold ist das wichtigste Exportgut Ghanas. Durch den steigenden Weltmarktpreis ist ein Goldrausch entstanden. Am Rande der Abbaugebiete werden illegale Minen - die sogenannten "Galamsey" - betrieben. Kakaobauern geraten durch diese unter Druck: Immer mehr Anbauflächen werden an Glücksritter verscherbelt.

Ein Arbeiter schleppt Kakaosäcke im Trockenhafen von Accra (Bild: Jose Carlos Alexandre/Shutterstock.com)

Ghana ist für die Qualität seines Kakaos weltberühmt. Die Kakaobohnen sind größer, haben einen höheren Buttergehalt und einen außergewöhnlichen Geschmack. Die ghanaische Kakaoproduktion hat aber schon bessere Tage erlebt: Zu Spitzenzeiten verbuchte Kakao 45 Prozent aller Deviseneinnahmen des westafrikanisches Land. Heute ist der Anteil auf 25 Prozent geschrumpft.

Bei der Herstellung von Kakao verfolgen die Bauern ein strenges Qualitätsverfahren. So werden die geernteten Kakaobohnen in der Sonne und nicht in Industrieöfen getrocknet. Die Qualität wird von der Regierungsbehörde Ghana Cocoa Board überwacht. Die Behörde ist auch für die Unterstützung von Kakaobauern zuständig.

Rückschläge durch Klientelpolitik

Hinter Côte d’Ivoire ist Ghana heute der zweitgrößte Kakaolieferant der Welt. Im Jahr 2014 produzierte Ghana laut FAO-Angaben 858.720 Tonnen Kakaobohnen, Côte d’Ivoire kam auf 1.434.077 Tonnen. Lange Zeit lag Ghana aber vor seinem westlichen Nachbarn. Doch nachdem die Regierung in den 1970er-Jahren den Ankaufspreis von den Bauern reduziert hatte, verlor der Wirtschaftszweig an Attraktivität.

Doch auch andere Faktoren haben die Fehlentwicklung begünstigt. So beklagt der Kakaobauer Abusuapanyin Kwabena Amankwaa die ungleiche Verteilung von Düngemitteln. "Nicht alle von uns haben kostenlosen Dünger erhalten. Sie haben die Verteilung politisiert. So haben Bauern mit kleinen Farmen von vier Hektar 50 Säcke erhalten, während andere mit großen Höfen viel weniger bekamen." Der Landwirt Nana Kwasi Ofori bestätigt diese Beobachtung: "Es haben sogar Bauern Düngemittel erhalten, die gar keinen Kakao anbauen."

Der Geschäftsführer des Ghana Cocoa Board, Joseph Baidoo, kennt das Problem. Die Düngemittel seien als Unterstützung für ghanaische Bauern und nicht zum Weiterverkauf gedacht, meint er. Dennoch käme es vor, dass Dünger aus Ghana in Staaten wie Nigeria und Gabun feilgeboten wird. Für Baidoo ist klar, dass Düngemittel an Parteifreunde verschenkt wurden - unabhängig davon, ob diese überhaupt im Besitz einer Kakaofarm waren.

Die neue Regierung unter Präsident Nana Akufo-Addo, der seit Anfang 2017 im Amt ist, hat auf die Vorwürfe reagiert und die Verteilung von freien Düngemitteln abgestellt. Stattdessen setzt sie nun auf ein Subventionsprogramm, das Bauern beim Ankauf von Dünger finanziell unterstützt.

Akufo-Addo verfolgt das Ziel, den ghanaischen Kaffeesektor zu alter Stärke zurückzuführen. Pro Jahr soll eine Million Tonnen Kakao zu produziert werden, so die ambitionierte Vorgabe. Dieser Wert wurde allerdings zuletzt im Jahr 2011 erreicht.

Galamsey im Vormarsch

Die größte Bedrohung für die Kakaowirtschaft liegt im Goldabbau in illegalen Minen, die in Ghana "Galamsey" genannt wird. Der Begriff wurde von der englischen Phrase "Gather them and sell" (Sammle und verkaufe es) abgeleitet. Durch den steigenden Weltmarktpreis für das Edelmetall hat in den letzten Jahren ein regelrechter Goldrausch eingesetzt, der auch vor den Kakaofarmen nicht halt machte.

Nana Kwasi Ofori ist Vorstandsmitglied des Verbands der Kaffeebauern. Er beschuldigt lokale Führer, Geschäfte mit den Betreibern von illegalen Minen zu machen: "Einige Chiefs verkaufen ihnen das Land und behalten das Geld, ohne die Landwirte entsprechend zu entschädigen."

In Ghana haben die meisten Bauern das Land von den Chiefs oder deren Familien gepachtet. Die 53-jährige Landwirtin Adwoa Oforiwaa aus der Zentralregion erzählt, dass sie nur 500 Ghanaische Cedis (98 Euro) als Entschädigung erhalten hat, nachdem die Farm zu einer Galamsey umfunktioniert worden war. "Diese Leute kommen und erzählen dir, dass sie ihre Befehle von den Chiefs oder sogar von Regierung erhalten haben", beklagt Oforiwaa, "dann beginnen sie mit der Zerstörung."

Die Westregion ist das größte Anbaugebiet für Kakao in Ghana. Der Journalist Yaw Obrempong hat hier die Entwicklungen um den illegalen Bergbau verfolgt: "Wenn ein Galamsey-Betreiber mit einer Tasche voller Bargeld auftaucht, fragen sich viele: Warum soll ich mein Land nicht verkaufen? Die Alternative lautet, zwei Wochen Schlange zu stehen, nur um eine Tüte Dünger zu erhalten."

Nana Kwasi Ofori vom Verband der Kaffeebauern kann die Haltung dieser Grundbesitzer nicht verstehen: "Sie wissen nicht, was sie tun. Kakao ist ein Vermächtnis, das ich im Gegensatz zum Bargeld später meinen Kindern vererben kann."

Die Galamsey-Invasion betrifft bereits weite Teile der 1,7 Millionen Hektar großen Kakaoanbaufläche in Ghana. Die Regierung hat daher beschlossen, härter gegen die illegalen Goldminen vorzugehen. Mit Hilfe einer Taskforce, an der auch das Militär beteiligt ist, wurden bereits mehrere Verhaftungen durchgeführt und Ausrüstungen beschlagnahmt. Außerdem sollen in Zukunft Drohnen für die Überwachung der Anbauflächen eingesetzt werden.

Stabilitätsfonds sorgt für Preisgarantien

Trotz aller Rückschläge bleibt Kakao ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Ghana. Jährlich werden etwa zwei Milliarden US-Dollar eingenommen - das entspricht einem Anteil von 4,22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die relative stabile Entwicklung des Sektors war in den letzten Jahren aber nur durch staatliche Unterstützung möglich gewesen. So ist der Weltmarktpreis von Kakaobohnen von 3.122 US-Dollar pro Tonne im Vorjahr auf 1.900 US-Dollar im heurigen Jahr gesunken.

Das Ghana Cocoa Board hat bereits vor zehn Jahren einen Stabilitätsfonds ins Leben gerufen, der den Produzenten einen Preis von 1.700 US-Dollar pro Tonne garantiert. Das ruft Schmuggler aus dem Nachbarland Côte d’Ivoire auf den Plan gerufen, denn dort hat die Regierung den Ankaufspreis auf 1.300 US-Dollar pro Tonne gesenkt.

Der Ernährungswissenschafter Emmanuel Afoakwa an der Universität von Ghana sieht aber in den Schmugglern keine ernsthafte Bedrohung: "Ghana kann echte Premium-Qualität vorweisen. Damit ist sichergestellt, dass Kakao aus Côte d’Ivoire und anderen Ländern unsere Märkte nicht überschwemmen wird."

Zusätzlich zum Stabilitätsfonds hat die Regierung weitere Maßnahmen ergriffen, um den Kaffeebauern unter die Arme zu greifen. So übernimmt das Ghana Cocoa Board das Fällen von alten und kranken Bäumen und kümmert sich um Ersatz. Der Vorstand des Boards hat angekündigt, dass 60 Millionen Setzlinge an die Bauern ausgegeben werden. Damit soll die Produktion weiter angekurbelt werden.

Die Regierung will auch die Jugend für die Kakaoerzeugung begeistern. Spezielle Schulungsmaßnahmen und Unterstützungsprogramme sollen den Sektor attraktiv für Jungbauern machen. Allerdings weisen ältere Landwirte darauf hin, dass es dazu eines eigenen Pensionsschemas für Kakaobauern bedürfe.

EU-Zölle behindern Wertschöpfung

Außerdem versucht die ghanaische Regierung die Wertschöpfung im Land zu maximieren. Gegenwärtig liegt der Gesamtwert unverarbeiteter Kakaobohnen am Weltmarkt bei nur etwa neun Milliarden US-Dollar. Fertige Kakaoprodukte wie z. B. Schokolade hingegen kommen auf 87 Milliarden US-Dollar. Die Regierung plant daher, dass die Hälfte des für den Export bestimmten Kakaos zuvor im Land weiterverarbeitet wird.

Derzeit gibt es Ghana sieben Fabriken, die etwa ein Viertel der gesamten Exportmenge verarbeiten. Bei diesen Erzeugnissen handelt es sich in der Regel aber um Halbfertigprodukte wie Kakaopaste.

Wissenschaftler Afoakwa betont, dass die Umstellung auf Fertigprodukte einen enorm hohen Kapitalaufwand bedeuten würde. Das könnte für Ghana eine ebenso große Hürde darstellen wie das bestehende Zollregime der Europäischen Union. So erhebt die EU bei der Einfuhr von Kakaobohnen keine Zollgebühren. Allerdings müssen Kakaopulver mit 7,7 Prozent und gepresster Kakaokuchen mit 15 Prozent verzollt werden. (Ende)

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