Afrika: Startup-Gründerinnen treten ins Rampenlicht

Traditionelle Rollenbilder und männliche Netzwerke behindern den Erfolg

Von Finnbar Toesland, Africa Renewal* | 13.11.2018

New York (AR/afr). Oberflächlich betrachtet ist Afrika ein Kontinent der Unternehmerinnen. Im "MasterCard Index of Female Entrepreneurship 2018" liegt Ghana weltweit an der Spitze: 46,4% aller Unternehmen des westafrikanischen Landes sind im Besitz von Frauen. Hinter Russland folgt Uganda mit 33,8% auf Rang drei.

Afrikanische Startup-Unternehmerinnen wollen traditionelle Rollenbilder aufbrechen und sich stärker vernetzen. (Bild: Shutterstock)

Aber wenn man ein wenig an der Oberfläche kratzt, stellt man unweigerlich fest: Die meisten dieser Firmen sind Ein-Personen-Unternehmen, die kaum Potenzial für Wachstum aufweisen. Vor allem in der boomenden Technologie-Branche gibt es nur wenige Gründerinnen: Wie eine Studie der niederländischen Organisation "Venture Capital for Africa" im Jahr 2016 feststellte, steht nur in neun Prozent aller afrikanischen Startups eine Frau an der Spitze.

Eunice Baguma Ball, Gründerin des "Africa Technology Business Networks" in London und Autorin des Buchs "Founding Women", sieht prinzipiell enorme Chancen für Unternehmerinnen in Afrikas wachsenden Innovations-Ökosystemen. Voraussetzung dafür seien allerdings maßgeschneiderte Förderungsinstrumente. "Afrikanische Unternehmerinnen, die bei der Gründung mit finanziellen Herausforderungen konfrontiert sind, brauchen Unterstützung", sagt Ball.

Traditionelle Rollenbilder

Die Gründe für den niedrigen Frauenanteil sind vielfältig, ein Hauptgrund sind aber sicherlich traditionelle Vorbehalte. Odunayo Eweniyi, Mitgründerin der Online-Spar-Plattform piggybank.ng in Lagos, Nigeria, kennt die weitverbreitete Skepsis gegenüber Unternehmerinnen aus eigener Erfahrung.

"Startups wagen häufig den Sprung in ein Geschäft, das als unsicher, risikoreich und schwierig gilt", erzählt Eweniyi. "Von Kindesbeinen an werden Frauen darin bestärkt, dass Tätigkeiten mit diesen Voraussetzungen schlecht für sie sind. Sehr häufig wird Frauen schlicht untersagt, nach etwas Höherem zu streben. Die Folge davon ist, dass sie dazu neigen, sich in wenig risikoreichen Unternehmungen zu versuchen."

Die Journalistin und Unternehmerin Rosemary Egbo ergänzt, dass die Vorurteile bis ins Bankenwesen reichen. "Finanzinstitute sind bei der Kreditvergabe an Unternehmerinnen nicht so schnell wie bei Unternehmern. Männer werden als bessere Risikomanager wahrgenommen, ihnen wird eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit zugestanden."

Dass genau das Gegenteil der Fall ist, belegt eine Untersuchung der Risikokapitalfirma "Illuminate Ventures" in Oakland, Kalifornien. Technologieunternehmen, die von Frauen geführt werden, haben einen um 35% höheren Return on Investment als jene von Männern.

Auch für Eunice Baguma Ball sind Frauen die besseren Unternehmer: "Von der wirtschaftlichen Unterstützung von Frauen profitiert die gesamte Gesellschaft, da sie 90% ihres Verdienstes in ihre Familien und in die Gemeinschaft investieren. Bei Männern ist das nur bei 30 bis 40% der Fall."

Netzwerke als Schlüssel

Ein weiterer Grund für den niedrigen Anteil von Startup-Unternehmerinnen ist, dass die mächtigen Netzwerke von Männern dominiert werden. Odunayo Eweniyi empfiehlt die Schaffung von Frauennetzwerken, in denen Unternehmerinnen vom Wissen und von den Erfahrungen anderer profitieren können. Für Eweniyi laufen viele Geschäftsanbahnungen unter Männern auf informeller Ebene, z. B. in Bars und Clubs. Reine Frauennetzwerke könnten hier ein Gegenstück bilden.

Um Frauen zu gleichberechtigten Partnern in Wirtschaftswelt zu machen, braucht es viel Lobbying in eigener Sache. Ball hat mit ihrem Unternehmen ATBN die Initiative #HerFutureAfrica ins Leben gerufen, die von Frauen geführte Startups in Afrika vernetzen will. Außerdem unterstützt sie Jungunternehmerinnen mit dem Verkaufserlös ihres Buchs "Founding Women".

Boomende Startup-Szene

Seit Jahren haben internationale Investoren die rasant wachsenden Startup-Ökosysteme in Afrika auf den Schirm. Kenia, Nigeria und Südafrika gelten dabei derzeit als die populärsten Märkte.

In einigen Ländern in Nordafrika werden Gründungen von Frauen gezielt unterstützt. So gibt es in Marokko bereits Dutzende von Frauen geführte Tech-Startups. Als Vorzeigeunternehmen gilt z. B. die grenzüberschreitende Handelsplattform WaystoCap aus Casablanca, die von Niama El Bassunie ins Leben gerufen wurde.

Die in Brüssel ansässige Gründerinnen-Initiative Womenpreneur hat es zur Aufgabe gemacht, Startups von Frauen im Nahen Osten und in Nordafrika zu identifizieren und zu unterstützen. Eine Maßnahme dafür ist die Errichtung von Gründerzentren, in denen Unternehmerinnen mit finanziellen und technischen Dienstleistungen gefördert werden.

Eunice Baguma Ball wünscht sich eine Art "Pipeline" für weibliche Talente, die über die Fähigkeiten und den Ehrgeiz verfügen, erfolgreiche Tech-Startups aufzubauen: "Und das erfordert in erster Linie eine Veränderung der alten Einstellung, dass Technologie oder 'Big Business'nur für Männer sind." (Ende)

*Finnbar Toesland ist Mitarbeiter unseres Partnermagazins "Africa Renewal" der Vereinten Nationen. Der englischsprachige Originalbeitrag ist erstmals in Ausgabe August-November 2018 (*.pdf) erschienen. Der erste Absatz wurde von der afrika.info-Redaktion um die aktuellen Zahlen aus dem "MasterCard Index of Female Entrepreneurship 2018" ergänzt.

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