Afrika: Ein gemeinsamer Markt für 54 Staaten

Handelsstart der Afrikanischen Freihandelszone am 1. Januar

Von Kingsley Ighobor, Africa Renewal* | 03.01.2021

New York (AR/afr). Bereits im Februar 2020 klopfte die Kaffee- und Kakaohändlerin Meron Dagnew im Sekretariat der Afrikanischen Freihandelszone (AfCFTA) in Accra an. Sie wollte sich und ihre Unternehmen vorstellen - allerdings war das Sekretariat noch gar nicht eröffnet.

Die Afrikanische Freihandelszone soll den innerafrikanischen Handel von derzeit 18 Prozent auf 50 Prozent erhöhen. (Bild: Travel Stock, Shutterstock.com)

"Ich konnte es kaum erwarten", erzählt Dagnew im Gespräch mit der UN-Zeitschrift Africa Renewal. "Der Freihandel in Afrika muss so schnell wie möglich beginnen - er wird mein Geschäft beflügeln."

Am 1. Januar 2021 wurde in der - gemessen an der Anzahl der Mitgliedsstaaten - größten Freihandelszone der Welt offiziell der Handel aufgenommen. Wegen der Corona-Pandemie erfolgte der Start mit einem halben Jahr Verspätung: Der Termin war ursprünglich für den den 1. Juli 2020 vorgesehen gewesen.

Mit ihrem Unternehmen BE Kollective importiert Meron Dagnew in Ghana Kaffee aus Äthiopien und exportiert Kakao in die andere Richtung. Sie freut sich darauf, bald die Vorteile des gemeinsamen Markts nutzen zu können.

"Bislang musste ich für meine Waren bis zu 35 Prozent an Zollabgaben leisten", erzählt sie. "Ich hoffe, dass ich bald meinen Kakao und meinen Kaffee ohne Probleme in andere afrikanische Länder exportieren kann. Ich könnte dann mehr Gewinn machen, mein Geschäft erweitern und mehr Leute einstellen."

90 Prozent der Zölle sollen fallen

Die Unternehmerin sieht vor allem im westafrikanischen Markt mit seinen 380 Millionen Menschen enormes Potenzial. Durch die AfCFTA sollen nun die Zölle für 90 Prozent der auf dem Kontinent produzierten Waren fallen.

Außerdem sollen nichttarifäre Handelshemmnisse beseitigt werden, die den innerafrikanischen Handel behindern. Laut Weltbank dauert es derzeit dreieinhalb Wochen, bis ein Container mit Autoteilen vom kongolesischen Zoll abgefertigt wird.

Für Meron Dagnew ist es höchste Zeit, dass die Schranken fallen. Sie ärgert sich über die ungleichen Wettbewerbsbedingungen, die afrikanische Händler gegenüber globalen Marken klar benachteiligen würden. Mit ihrem Kaffee konkurriere sie etwa mit Importen aus Europa, die von Einzelhändlern nach Ghana gebracht werden.

"Das Problem dabei ist, dass etwa die Importeure von Nescafé viel weniger Zölle zahlen müssen als ich, weil Länder in Europa oder Asien häufig günstige Handelsabkommen mit afrikanischen Staaten haben", kritisiert Dagnew.

Dass sich die Situation durch die Freihandelszone von heute auf morgen ändern wird - daran glaubt allerdings auch Meron Dagnew nicht. Dagnew berichtet von einem persönlichen Schlüsselerlebnis: "Vor nicht allzu langer Zeit war ich beim Zoll in Ghana und habe ihnen gesagt, dass sich in Zukunft wegen der Freihandelszone keine Zölle mehr zahlen muss. Sie hatten keine Ahnung, wovon ich überhaupt sprach."

Innerafrikanischer Handel soll enorm steigen

Der Handelsstart in der Afrikanischen Freihandelszone am 1. Januar 2021 war ein in erster Linie formaler Akt. Mit Ausnahme von Eritrea haben alle 55 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union das Abkommen unterzeichnet, ratifiziert wurde es allerdings erst von 34.

Im Sekretariat der AfCFTA hofft man, dass die anderen Länder auf den Zug aufspringen, wenn die Vorteile spürbar werden. Der südafrikanische Diplomat Wamkele Mene ist der Generalsekretär der AfCFTA. Er schätzt, dass der innerafrikanische Handel bis 2030 von derzeit 18 Prozent auf 50 Prozent steigen wird.

Durch die Stärkung des kontinentalen Freihandels soll die Wettbewerbsfähigkeit Afrikas auf dem Weltmarkt gestärkt werden. "In allen Sektoren und Ländern steht die industrielle Revolution Afrikas unmittelbar bevor", meint Landre Signé von der Brooking Institution, einer in Washington D.C. ansässigen Denkfabrik.

Signé rechnet in einem Zeitraum von zehn Jahren mit einer Verdoppelung der Produktionsleistung in Afrika auf eine Billion US-Dollar. Außerdem sollen bis in den nächsten fünf Jahren 14 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden. (Ende)

*Kingsley Ighobor ist Mitarbeiter unseres Partnermagazins Africa Renewal der Vereinten Nationen. Dieser Beitrag wurde gekürzt, das englischsprachige Original können Sie in der Ausgabe November-Dezember 2020 lesen.

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