Afrika: Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie

Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung legen stark zu

Von Martin Sturmer | 18.02.2021

Oberndorf bei Salzburg (afr). Die Auswirkungen der Corona-Pandemie für Afrika sind enorm. In vielen Ländern steigen Arbeitslosigkeit, Armut und Staatsverschuldung. Experten fordern eine sorgfältige Neuausrichtung der politischen Prioritäten. Digitalisierung, Klimaresilienz und dem Binnenhandel kommen eine Schlüsselrolle zu.

Blick vom "Kenyatta International Conference Center" in NairobiBlick vom "Kenyatta International Conference Center" in Nairobi (Bildrechte: Martin Sturmer/afr)

Der Bericht "World Economic Situation and Prospects 2021"  des "Department of Economic and Social Affairs" der Vereinten Nationen (UN DESA) weist für Afrika im Jahr 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 3,4 Prozent aus.

Die afrikanischen Länder kämpfen angesichts der Corona-Pandemie mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Problemen. Niedrige Rohstoffpreise, der Zusammenbruch des Tourismus und geringere Rücküberweisungen haben den Volkswirtschaften im letzten Kalenderjahr schwer zugesetzt. Dazu kamen Einschränkungen aufgrund nationaler Lockdowns, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen.

Sechs Länder in aktuer "Schuldennot"

Als einer der größten wirtschaftlichen Herausforderungen beschreibt der UN-Bericht den Anstieg der Staatsschulden. Im Schnitt ist die Schuldenquote im letzten Jahr um acht Prozent gewachsen. Die Demokratische Republik Kongo, die Seychellen, der Sudan und Sambia verzeichneten sogar eine Zuwachs jenseits der 20-Prozent-Marke. Sechs Länder sind akut in “Schuldennot” und haben Schwierigkeiten, die Kredite zu tilgen: Mosambik, Republik Kongo, São Tomé und Príncipe, Simbabwe, Somalia und Sudan.

Die Autoren des Reports betonen, dass die Schuldenkrise zu einer "brutalen weiteren Verschlechterung der bestehenden Bedingungen" führen werde. Sie verweisen auf notwendige fiskalische Anpassungen, welche die Aussichten weiter eintrüben würden. Die Warnung im Bericht ist deutlich: "Vor diesem Hintergrund könnten soziale Unruhen und politische Spannungen leicht eskalieren, die wiederum Instabilität, Gewalt, Binnenvertreibung, Migration und Ernährungsunsicherheit erhöhen könnten."

UN-Generalsekretär António Guterres appellierte anlässlich der Präsentation des Berichts an die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft: "Wir sind mit der schlimmsten Gesundheits- und Wirtschaftskrise seit 90 Jahren konfrontiert. Während wir um die wachsende Zahl der Todesopfer trauern, müssen wir uns daran erinnern, dass die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, unsere gemeinsame Zukunft bestimmen werden. Lassen Sie uns in eine integrative und nachhaltige Zukunft investieren, die von intelligenten Richtlinien, wirkungsvollen Investitionen und einem starken und effektiven multilateralen System angetrieben wird, das die Menschen in den Mittelpunkt aller sozioökonomischen Bemühungen stellt."

Arbeitslosigkeit klettert auf Rekordniveau

Jene afrikanische Volkswirtschaften, die von ihren Rohstoffen abhängig sind, spüren die Folge der Krise besonders stark. Der Verfall der Rohstoffpreise - vor allem beim Erdöl - machte Ländern wie Nigeria, Algerien oder Angola schwer zu schaffen.

In Tourismusdestinationen wie z. B. Marokko oder Mauritius stiegen Arbeitslosigkeit, Armut und Ungleichheit stark an. Im Schnitt zeichnete der Tourismus in diesen Ländern für mehr als ein Viertel der Beschäftigten und rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich.

Die Zunahme der Arbeitslosigkeit sei vor allem in den Städten sichtbar geworden, so der UN-Bericht. In Südafrika lag die Arbeitslosigkeitsquote im dritten Quartal 2020 auf einem Rekordhoch von 30,9 Prozent. In Nigeria betrug die Arbeitslosenquote zur Jahresmitte 27,1 Prozent.

Was es für einen Aufschwung braucht

Sorgen bereitet den Autoren auch die Inflationsrate, die in Afrika im Jahr 2020 auf 14,5% anstieg. Für 2021 wird mit einer leichten Entspannung gerechnet: Die Inflationsrate soll auf 9% absinken, das Wirtschaftswachstum 3,4 Prozent betragen. Diese Prognose beruht allerdings auf der Annahme, dass die Inlandsnachfrage, die Exporte und die Rohstoffpreise wieder anspringen.

Afrika brauche eine nachhaltige Wiederbelebung des Wachstums, heißt es in den Empfehlungen des Berichts. Hamid Rashid, der als Direktor der Abteilung für globales Wirtschaftsmonitoring bei UN DESA hauptverantwortlich für die Studie ist, fordert: "Da Länder mit einer höheren Verschuldung aus der Krise hervorgehen werden, ist eine sorgfältige Neuausrichtung der politischen Prioritäten erforderlich, um die Widerstandsfähigkeit zu stärken und die Produktivität zu steigern. Dies beinhaltet die Erschließung von Wachstumschancen und die Beschleunigung der Einführung von Technologien sowie die Überbrückung digitaler Ungleichheiten, die Verbesserung der Klimaresilienz und die Förderung der Mobilisierung von Einnahmen im Inland."

Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit für afrikanische Länder, der Verbreitung digitaler Technologien verstärktes Augenmerk einzuräumen und den Ausbau einer erschwinglichen digitalen Infrastruktur voranzutreiben. Auch die Umsetzung der Afrikanischen Freihandelszone (AfCFTA) sei ein wichtiger Schritt zur Förderung des innerafrikanischen Handels und damit der Ernährungssicherheit sowie der Produktivität. (Ende)

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