Von Busani Bafana | 3. März 2026
Bulawayo, Simbabwe (IPS/afr) – Zunehmende Hitzewellen in den wichtigsten Kaffeeanbaugebieten der Welt setzen der Produktion massiv zu. Die Folgen sind geringere Ernten und steigende Verbraucherpreise. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Climate Central.
Brasilien, Vietnam, Kolumbien, Äthiopien und Indonesien – die fünf größten Kaffeeproduzenten – liefern zusammen 75 Prozent des weltweiten Kaffees. Laut der Klimaforschungsorganisation Climate Central mit Sitz in Princeton, USA verzeichneten diese Länder infolge des Klimawandels durchschnittlich 57 zusätzliche Hitzetage pro Jahr von über 30 Grad Celsius.
Steigen die Temperaturen über diesen Schwellenwert, geraten Kaffeepflanzen unter Hitzestress. Das verringert die Erträge, beeinträchtigt die Qualität der Bohnen und erhöht die Anfälligkeit für Krankheiten. Dies wirkt sich zwangsläufig auch auf die Kaffeepreise aus.
„Hitzestress kann sowohl die Qualität als auch die Quantität der Ernten beeinträchtigen, was weniger Kaffee, höhere Preise und somit eine teurere Morgenroutine und Nachmittagsstärkung bedeutet“, sagt Shel Winkley, Meteorologe bei Climate Central. „Die Farmer tun ihr Bestes, um sich anzupassen: Sie pflanzen beispielsweise Schattenbäume, die die Kaffeepflanzen auf natürliche Weise kühlen, um die zukünftigen Ernten in unserer sich erwärmenden Welt zu schützen.“
Lokalaugenschein im Mutterland des Kaffees
Auch im Osten Afrikas leiden die Erträge unter der zunehmenden Erwärmung. Äthiopien ist das Mutterland des Kaffees und der fünftgrößte Produzent weltweit. Die Studie weist dort 34 zusätzliche kaffeeschädliche Hitzetage aus. Insgesamt steigt damit die Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius auf 108 pro Jahr.
Dejene Dadi ist Generaldirektor der Oromia Coffee Farmers Cooperatives Union (OCFCU), die mehr als 560.000 Kaffeefarmer vertritt. Er betont, dass der in Äthiopien angebaute Arabica-Kaffee empfindlich auf direkte Sonneneinstrahlung reagiert und ausreichend Schatten benötigt, um hohe Erträge zu sichern.
„Um die Kaffeeversorgung zu gewährleisten, müssen die Regierungen gegen den Klimawandel vorgehen“, sagt Dadi und fügt hinzu: „Sie müssen auch mit Kleinbauern und ihren Organisationen zusammenarbeiten und in sie investieren, damit wir die Lösungen, die wir zur Anpassung benötigen, ausweiten können.“
Kaum Unterstützung für Klimaanpassung
Die Realität sieht jedoch anders aus: Obwohl kleinbäuerliche Betriebe rund 60 Prozent des weltweiten Kaffeeangebots erzeugen, erhielten sie laut einer Untersuchung von „Family Farmers for Climate Action“ lediglich 0,36 Prozent der Finanzmittel, die 2021 für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels erforderlich gewesen wären.
Dabei sind die Kosten vergleichsweise gering: Die Anpassung einer ein Hektar großen Farm schlägt durchschnittlich mit 2,19 US-Dollar pro Tag zu Buche – weniger als der Preis für eine Tasse Kaffee in vielen Ländern.
Die OCFCU setzt z. B. auf energieeffiziente Kochherde, die den Bedarf an Brennholz reduzieren und Waldgebiete schützen, die als natürlicher Schutz für den Kaffeeanbau dienen. Mehr als 19.000 effiziente Holzsparöfen wurden an Kaffeebauern in Jimma (siehe Karte) im Westen Äthiopiens ausgegeben und ersetzen dort traditionelle Feuerstellen. Nach Angaben der Union verringert das Projekt die Emissionen um 20.323 Tonnen Kohlendioxidäquivalente (CO₂e) pro Jahr und halbiert den Brennstoffbedarf.
Massiver Rückgang von Anbauflächen befürchtet
Im letzten Jahr exportierte Äthiopien 469.000 Tonnen Kaffee, davon rund 40 Prozent in die Europäische Union. Gemeinsam mit Uganda verantwortet das Land nach Angaben der Internationalen Kaffeeorganisation (ICO) rund 80 Prozent der afrikanischen Kaffeeexporte.
Weltweit werden täglich schätzungsweise 2,2 Milliarden Tassen Kaffee konsumiert. Laut Statista leben die stärksten Kaffeetrinker*innen in Nordeuropa: Die Niederlande liegen mit einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von über acht Kilogramm an erster Stelle, gefolgt von Finnland, Schweden und Norwegen.
Schon bald könnte aber der Kaffeegenuss deutlich teurer werden. Wenn keine wirksamen Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden, könnten die weltweiten Anbauflächen bis 2050 um bis zu 50 Prozent schrumpfen, warnen die Wissenschaftler*innen von Climate Central. (Ende)
Titelbild: Äthiopischer Rohkaffee (Foto: Monika Sturmer/afrika.info)

