Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Burkina Faso: Drei Jahre leerer Versprechungen

Inés M. Pousadela* | 3. Dezember 2025

Montevideo, Uruguay (IPS/afr). Vor drei Jahren übernahm Captain Ibrahim Traoré die Macht in Burkina Faso. Seine beiden zentralen Versprechen – die Sicherheitskrise zu beenden und eine zivile Regierung wiederherzustellen – haben sich als leer erwiesen.

Inzwischen hat Traoré die Wahlen auf 2029 verschoben, die unabhängige Wahlkommission aufgelöst und Burkina Faso sowohl aus der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) als auch aus dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) zurückgezogen. Das Land ist faktisch zu einer Militärdiktatur geworden.

Der Prozess begann im Januar 2022: Proteste gegen die zivile Regierung, die im Kampf gegen die dschihadistische Gewalt gescheitert war, ebneten Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba den Weg zum Staatsstreich. Seine Übergangsregierung versprach eine Rückkehr zur Demokratie innerhalb von zwei Jahren und legte mit ECOWAS einen Zeitplan fest. Doch nur acht Monate später putschte Traoré erneut und warf Damiba vor, die Aufständischen nicht besiegen zu können.

Am 6. Oktober 2022 wurde Traoré offiziell zum Staatschef ernannt. Die Verfassung wurde wieder in Kraft gesetzt, und entsprechend den Beschlüssen des nationalen Forums sollte seine Amtszeit eigentlich im Juli 2024 enden.

Als dieser Zeitpunkt näher rückte, rief die Militärregierung jedoch zu einem nationalen Dialog auf, den die meisten Parteien boykottierten. Die daraus hervorgegangene Charta vom Mai 2024 verlängerte Traorés Präsidentschaft bis 2029 und erlaubte ihm zudem eine Kandidatur bei den nächsten Wahlen. Eine ursprünglich als Übergang gedachte Regelung wurde so zur Verstetigung seiner persönlichen Macht.

Im Dezember 2024 entließ Traoré zudem Premierminister Apollinaire Joachim Kyelem de Tambela und löste dessen Regierung auf – der letzte Anschein ziviler Mitsprache verschwand.

Kritiker werden zum Militär eingezogen

Mit der Festigung der Militärherrschaft schrumpfte auch der bürgerliche Freiraum. Der CIVICUS Monitor stufte den zivilgesellschaftlichen Raum Burkina Fasos im Dezember 2024 auf „unterdrückt“ herab. Neben willkürlichen Verhaftungen fällt besonders eine neue Strategie ins Gewicht: die Zwangsrekrutierung von Kritiker*innen.

Vier Journalisten, die im Juni und Juli 2024 entführt wurden, tauchten im Militär wieder auf – laut Behörden waren sie „eingezogen“ worden. Im März 2025 verschwanden drei bekannte Journalisten, die sich gegen Einschränkungen der Pressefreiheit ausgesprochen hatten. Nach zehn Tagen kehrten sie in Militäruniform zurück.

Auch zivilgesellschaftliche Aktivistinnen waren betroffen. Fünf Mitglieder der politischen Bewegung Sens wurden verschleppt, nachdem sie eine Stellungnahme zu Tötungen von Zivilisten veröffentlicht hatten. Der Menschenrechtsanwalt und Koordinator der Organisation, Guy Hervé Kam, wurde mehrfach wegen seiner Kritik an der Junta festgenommen.

Im August 2024 wurden außerdem sieben Richter und Staatsanwälte, die gegen Anhänger der Militärregierung ermittelt hatten, zum Militärdienst eingezogen; sechs von ihnen verschwanden nach ihrem Erscheinen auf einer Militärbasis.

Diese Instrumentalisierung der Wehrpflicht macht bürgerschaftliches Engagement faktisch zum Risiko und kriminalisiert abweichende Meinungen – unter dem Vorwand der nationalen Verteidigung.

Sicherheitslage schlechter als vor dem Putsch

Die Sicherheitslage hat sich seither dramatisch verschlechtert. Unter Traorés Herrschaft hat sich die Zahl der Todesopfer durch islamistische Gewalt verdreifacht; acht der zehn tödlichsten Angriffe auf das Militär ereigneten sich in dieser Zeit. Die Streitkräfte können nur noch rund 30 Prozent des Staatsgebiets frei kontrollieren.

Zudem haben Militär und verbündete Milizen massive Gräueltaten verübt: In der ersten Jahreshälfte 2024 töteten sie mindestens 1.000 Zivilisten. Bei einem Vorfall im Februar 2024 wurden mindestens 223 Menschen, darunter 56 Kinder, mutmaßlich als Vergeltung für einen islamistischen Angriff hingerichtet.

Der Konflikt hat Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Unabhängige Schätzungen gehen von drei bis fünf Millionen Binnenvertriebenen aus – deutlich mehr als die letzte offizielle Zahl der Regierung von gut zwei Millionen im März 2023.

Viele suchen Schutz im Ausland: Zwischen April und September 2025 kamen rund 51.000 Menschen im malischen Bezirk Koro Cercle an und überlasteten die ohnehin schwachen Aufnahmestrukturen. Die Lage in Burkina Faso wird durch mehrere gleichzeitige Epidemien – darunter Hepatitis E, Masern, Polio und Gelbfieber – zusätzlich verschärft.

Frankreich raus, Russland rein

Um sich Verantwortung zu entziehen, zieht die Junta sich zunehmend aus internationaler Kontrolle zurück. Im Januar gründeten die Militärregierungen von Burkina Faso, Mali und Niger die Allianz der Sahelstaaten, nachdem sie zuvor gemeinsam aus ECOWAS ausgetreten waren. Als Begründung führten sie ausländischen Einfluss und mangelnde Unterstützung im Kampf gegen den Terror an.

Im September erklärten die drei Staaten ihren Austritt aus dem ICC und bezeichneten das Gericht als Instrument neokolonialer Unterdrückung. Damit verlieren Opfer von Folter, außergerichtlichen Tötungen und Kriegsverbrechen jede realistische Chance auf Gerechtigkeit.

Die antiimperialistische Rhetorik verdeckt jedoch eine klare Tatsache: Die Junta hat lediglich alte Abhängigkeiten durch neue ersetzt. Nachdem Burkina Faso die französischen Truppen des Landes verwiesen hatte, holte es sich militärische Rückendeckung aus Russland. Russische Söldner operieren inzwischen eng an der Seite der nationalen Streitkräfte – ohne Rücksicht auf Menschenrechte. Im Gegenzug erhielten russische Firmen Goldabbau-Lizenzen.

Demokratische Kräfte geben nicht auf

Trotz aller Repressionen bleibt der demokratische Gedanke lebendig. Zivilgesellschaftliche Führungspersonen äußern sich weiterhin öffentlich, Journalisten berichten trotz Risiken, Oppositionelle organisieren sich im Land oder im Exil.

Nach der abrupten Beendigung der USAID-Programme durch die Trump-Regierung sind nun andere internationale Geber gefragt. Sie müssen Organisationen der Zivilgesellschaft und unabhängige Medien unterstützen, die in Burkina Faso oder aus dem Exil heraus unter extremen Bedingungen arbeiten.

Auch regionale Institutionen sollten gezielte Sanktionen gegen Verantwortliche für Menschenrechtsverletzungen verhängen und den Druck für eine Rückkehr zur Demokratie aufrechterhalten.

Ohne anhaltende internationale Solidarität droht Burkina Faso zu einem weiteren warnenden Beispiel dafür zu werden, wie schwierig es ist, eine einmal verfestigte Militärherrschaft wieder zu brechen. (Ende)

* Inés M. Pousadela ist Leiterin der Abteilung für Forschung und Analyse bei CIVICUS, Co-Direktorin und Autorin von CIVICUS Lens und Mitautorin des Berichts zum Zustand der Zivilgesellschaft. Außerdem ist sie Professorin für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universidad ORT Uruguay.

Titelbild: Soldaten der Armee von Burkina Faso bei der multinationalen Militärübung Flintlock im Jahr 2017 (Foto: Sgt. Benjamin Northcutt, Public domain, via Wikimedia Commons)