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Biofouling bedroht Tansanias Korallenriffe

Von Kizito Makoye | 11. Juni 2026

Mafia, Tansania (IPS/afr) – Die Meereswissenschaftlerin Asha Mgeni gleitet durch die warmen Gewässer vor der tansanischen Insel Mafia. Unter ihr erstreckt sich ein scheinbar intaktes Korallenriff, durch das Schwärme kleiner Fische ziehen. Doch dann entdeckt Mgeni etwas Beunruhigendes.

Zwischen den Korallenästen haben sich invasive Organismen angesiedelt, die das natürliche Wachstum und die Artenvielfalt des Riffs beeinträchtigen. „Die gab es hier früher nicht“, sagt sie.

Für die Küstengemeinden Tansanias sind Korallenriffe weit mehr als beeindruckende Unterwasserlandschaften. Sie sichern Fischbestände, schützen die Küsten vor Erosion und Sturmfluten und bilden die Grundlage für wichtige Wirtschaftszweige wie Fischerei und Tourismus.

Unsichtbare Gefahr unter Wasser

Doch Wissenschaftler*innen warnen vor einer zunehmenden Bedrohung: dem sogenannten Biofouling. Darunter versteht man die Ansiedlung von Organismen wie Algen, Muscheln und Seepocken an technischen Oberflächen wie etwa Schiffsrümpfen. Diese Organismen können über weite Distanzen transportiert werden und sich in neuen Ökosystemen ausbreiten, wo sie heimische Arten verdrängen.

„Lange Zeit galt Ballastwasser als Hauptursache für die Einschleppung invasiver aquatischer Arten“, erklärt Will Griffiths, technischer Projektanalyst bei der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO). Ballastwasser wird von Schiffen aufgenommen, um bei geringer Beladung die Stabilität zu gewährleisten. „Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass Biofouling ein immer größeres Problem darstellt.“

Auch Mwanahija Shalli, Professorin für Meeres- und Küstenressourcenmanagement an der Universität Dar es Salaam, warnt vor den Folgen. Die marine Biodiversität sichere die Lebensgrundlage von Millionen Menschen entlang der Küsten. „Invasive Wasserarten bedrohen Ökosysteme und Fischereien, indem sie einheimische Arten verdrängen“, sagt sie. „Wenn wir Biofouling nicht wirksam bekämpfen, gefährden wir wichtige Fortschritte im Naturschutz.“

Schiffsrümpfe transportieren invasive Arten

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat sich eine internationale Allianz unter Führung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), der Globalen Umweltfazilität (GEF) und der IMO zusammengeschlossen.

Das „GloFouling Partnerships Project“ unterstützt Staaten dabei, ihre Vorschriften zu verschärfen, Überwachungssysteme auszubauen und technische Kapazitäten zu stärken. Ziel ist es, die Verbreitung invasiver Arten durch den internationalen Schiffsverkehr einzudämmen.

Ein Arbeiter inspiziert im Trockendock von Staten Island, NY das Biofouling am Rumpf eines Schiffes (Foto:  Aaron Smulktis, Unsplash)

Neben dem Schutz der Meeresökosysteme verspricht das Projekt auch positive Klimaeffekte. „Biofouling verändert die Hydrodynamik von Schiffen und erhöht den Strömungswiderstand“, erläutert Griffiths. „Dadurch steigen Treibstoffverbrauch und Treibhausgasemissionen.“

Andrew Hume, leitender Umweltexperte der GEF, verweist auf das erhebliche Einsparpotenzial: „Bereits das Entfernen einer dünnen Schleimschicht vom Schiffsrumpf kann die Treibhausgasemissionen eines Schiffes um bis zu 25 Prozent reduzieren.“

Auf dem Weg zu verbindlichen Regeln

Dennoch sieht Griffiths weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Während für das Management von Ballastwasser inzwischen ein verbindlicher internationaler Rechtsrahmen existiere, seien die Regeln zum Biofouling bislang weitgehend freiwillig.

Die 2023 verabschiedeten IMO-Leitlinien zum Biofouling haben derzeit lediglich Empfehlungscharakter. Einige Staaten gehen jedoch mit gutem Beispiel voran. Australien und Neuseeland verlangen saubere Schiffsrümpfe, verpflichtende Managementpläne, Logbücher und regelmäßige Inspektionen.

Als Vorreiter im Globalen Süden nennt Griffiths Brasilien. Dort gilt bereits ein verbindlicher Standard: „Schiffe dürfen bei ihrer Ankunft nicht mehr als Mikrobewuchs aufweisen.“

Nach Angaben von Hume bereitet die GEF derzeit eine zweite Investitionsphase vor. Sie soll weitere Länder bei der Umsetzung der IMO-Leitlinien unterstützen und die internationale Zusammenarbeit stärken. Mittelfristig sollen bis zum Jahr 2030 verbindliche internationale Vorschriften für das Management von Biofouling eingeführt werden.

Zurück auf Mafia Island beobachtet Asha Mgeni die Veränderungen unter Wasser mit Sorge. „Sobald sich invasive Arten etabliert haben, wird es sehr viel schwieriger, das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen“, sagt sie.

Für die Menschen an Tansanias Küsten ist der Kampf gegen Biofouling deshalb weit mehr als eine technische oder ökologische Herausforderung. Es geht um schlicht und ergreifend um den Schutz ihrer Lebensgrundlagen. (Ende)

Titelbild: Frauen am Strand von Mafia Island. Mafia mit ihren Nebeninseln ist die südlichste Inselgruppe des Sansibar-Archipels. (Foto: Shutterstock.com, Steve Barze)