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	<description>Den Kontinent anders sehen</description>
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		<title>Eine Brücke über die Fluten</title>
		<link>https://afrika.info/dar-es-salaam-jangwani-bruecke/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Nov 2026 07:23:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Dar es Salaam]]></category>
		<category><![CDATA[Hochwasserschutz]]></category>
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		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn der Msimbazi über die Ufer tritt, kommen wichtige Verkehrsverbindungen in Dar es Salaam zum Stillstand. Eine neue, 390 Meter lange Hochbrücke soll die Verbindung ins Zentrum auch bei Starkregen sichern.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/dar-es-salaam-jangwani-bruecke/">Eine Brücke über die Fluten</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schwere Überschwemmungen des Msimbazi haben Dar es Salaam wiederholt getroffen: Im April 2018 erlitten private Haushalte Schäden von schätzungsweise mehr als 100 Millionen US-Dollar (<a href="https://documents1.worldbank.org/curated/en/788241565625141093/pdf/Wading-Out-the-Storm-The-Role-of-Poverty-in-Exposure-Vulnerability-and-Resilience-to-Floods-in-Dar-Es-Salaam.pdf">Weltbank, 2019</a>). 2019 verzeichnete das Flussbecken neun größere Hochwasserereignisse (<a href="https://www.worldbank.org/en/brief/2023/03/24/msimbazi-basin-development-project">Weltbank, 2023</a>). Im April 2024 stand die Morogoro Road in Jangwani erneut unter Wasser; mehrere Schnellbusverbindungen ins Stadtzentrum mussten eingestellt werden (<a href="https://www.thecitizen.co.tz/tanzania/news/national/dart-suspend-commuter-services-to-kivukoni-and-gerezani-4600482">The Citizen, 23. April 2024</a>). Eine neue Hochbrücke soll diese wichtige Verkehrsverbindung künftig auch bei Starkregen offenhalten.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Kizito Makoye | 5. November 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dar es Salaam (IPS/afr) – Jeden Morgen fährt Clementina Nyangwine mit dem Bus durch das überschwemmungsgefährdete Stadtviertel Jangwani zu ihrem Laden im geschäftigen Kariakoo-Viertel. Wo der Msimbazi den Verkehr immer wieder zum Stillstand brachte, entsteht nun die 390 Meter lange Janfwani-Brücke.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem Fenster beobachtet die 37-Jährige, wie Arbeiter*innen zwischen Kränen, Betonmischern und riesigen Stahlkonstruktionen das Bauwerk errichten. Es ist Teil eines umfassenden Klimaanpassungsprojekts, das bis 2028 umgesetzt werden soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nyangwine kennt die Strecke seit Jahren. Besonders während der Regenzeit war der Weg zur Arbeit oft eine Geduldsprobe. Sobald der Msimbazi über die Ufer trat, stand die viel befahrene Morogoro Road unter Wasser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich habe hier stundenlang gewartet, bis das Wasser zurückging“, erzählt sie der Nachrichtenagentur IPS. „Manchmal sind wir aus dem Bus ausgestiegen und zu Fuß weitergegangen, weil es keinen anderen Weg nach Kariakoo gab. Dann kamen wir mit völlig durchnässter Kleidung zur Arbeit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">An manchen Tagen wusste Nyangwine nicht, ob sie ihren Laden nach einer oder erst nach vier Stunden erreichen würde. Nun hofft sie, dass die neue Brücke diese Unsicherheit beendet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">390 Meter für eine verlässliche Verbindung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Jangwani-Brücke ist das sichtbarste Bauwerk des <a href="https://www.worldbank.org/en/brief/2023/03/24/msimbazi-basin-development-project" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Msimbazi Basin Development Project</a>, mit dem die tansanische Regierung die Folgen regelmäßiger Überschwemmungen in Dar es Salaam verringern will.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue Brücke wird 390 Meter lang und rund 41 Meter breit sein. Sie soll etwa acht Meter über dem bisherigen Straßenniveau verlaufen. Gemeinsam mit den Zufahrtsstraßen erstreckt sich der Bauabschnitt über rund 1,2 Kilometer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Fahrspuren für Autos und Busse sind auch Wege für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen vorgesehen. Die Brücke soll zudem das Schnellbussystem Bus Rapid Transit (BRT) aufnehmen, das für den öffentlichen Verkehr in Dar es Salaam eine zentrale Rolle spielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der tansanischen Straßenbaubehörde TANROADS waren die Arbeiten im August 2026 zu 41 Prozent abgeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die technische Herausforderung liegt vor allem im Untergrund. Hunderte Fundamentpfähle müssen tief in den weichen Boden des Msimbazi-Beckens reichen. Je nach Bodenbeschaffenheit werden sie in Tiefen zwischen 35 und 42 Metern verankert. Von den rund 496 vorgesehenen Pfählen waren nach offiziellen Angaben bereits 404 fertiggestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Projektmanager Leonard Ngayungi erklärt, warum die Höhe der Brücke entscheidend ist. „Das Problem mit dem bestehenden Übergang ist, dass die Straße mitten in einem aktiven Überschwemmungsgebiet liegt“, sagt er. „Wenn der Msimbazi ansteigt, breitet sich das Wasser über Jangwani aus, und die Straße wird selbst Teil des Überschwemmungsgebiets.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der neuen Konstruktion soll das Wasser künftig unter der Brücke abfließen können, während der Verkehr darüber weiterläuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Ngayungi geht es dabei auch um die Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen. „Wir müssen für die Regenfälle bauen, mit denen wir in Zukunft rechnen müssen, und nicht nur für die Regenmuster, an die sich die Menschen vor 20 oder 30 Jahren erinnern.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn ein Fluss den Stadtverkehr lahmlegt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Msimbazi ist kein besonders großer Fluss. Für Dar es Salaam hat er dennoch enorme Bedeutung. In seinem Einzugsgebiet leben rund 1,6 Millionen Menschen. Der Fluss durchquert dicht besiedelte Stadtteile und kreuzt wichtige Verkehrsverbindungen zwischen dem Zentrum und den westlichen Vororten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn nach starken Regenfällen die Straßen in Jangwani überflutet werden, reichen die Folgen weit über die unmittelbaren Anrainer*innen hinaus. Buslinien müssen unterbrochen werden, Pendler*innen sitzen fest, Händler*innen verlieren Kundschaft und Lieferungen erreichen ihr Ziel verspätet. Auf den Ausweichstrecken bilden sich lange Staus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Issa Majega, 56, fährt einen BRT-Bus zwischen Kariakoo und Kimara. Er weiß aus Erfahrung, wie schnell ein gewöhnlicher Arbeitstag durch Hochwasser aus dem Takt geraten kann. „Wenn Jangwani überflutet wird, leiden alle“, sagt er gegenüber IPS. „Die Busse können nicht weiterfahren, die Fahrgäste sitzen fest und auf den anderen Straßen staut sich der Verkehr, weil alle eine Ausweichroute suchen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders schwierig sei die Entscheidung, wann eine Weiterfahrt zu gefährlich werde. „Mit einem vollbesetzten Bus kann man kein Risiko eingehen, wenn die Straße unter Wasser steht. Selbst wenn die Fahrgäste es eilig haben, muss man warten.“ Majega hofft, dass die neue Brücke künftig auch während heftiger Regenfälle eine verlässliche Verbindung ermöglicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Klimawandel und Stadtwachstum verschärfen das Problem</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Überschwemmungen im Msimbazi-Becken sind nicht allein auf starke Niederschläge zurückzuführen. Auch das rasche Wachstum von Dar es Salaam und die zunehmende Bebauung haben die Hochwassergefahr verschärft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wohnhäuser und Straßen wurden in ehemaligen Feuchtgebieten und natürlichen Überschwemmungsflächen errichtet. Versiegelte Böden können weniger Regenwasser aufnehmen. Gleichzeitig beeinträchtigen Müll und Sedimentablagerungen den Wasserabfluss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben im IPS-Bericht leben rund 70 Prozent der Einwohner*innen von Dar es Salaam in informellen Siedlungen, von denen viele nur unzureichend entwässert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Deusdedit Rwehumbiza vom Mkwawa University College of Education in Iringa, das zur Universität Dar es Salaam gehört, greift es deshalb zu kurz, das Projekt lediglich als Bau einer neuen Brücke zu betrachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Brücke ist der sichtbarste Teil, weil jeder die Kräne und den Beton sehen kann“, sagt er. „Aber die eigentliche Herausforderung besteht darin, das gesamte städtische Einzugsgebiet des Flusses zu bewirtschaften.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der entscheidende Ansatz liege darin, Überschwemmungen gleichzeitig als Problem der Flächennutzung, der Umwelt und der Verkehrsinfrastruktur zu behandeln. Deshalb umfasst das Msimbazi-Projekt weit mehr als den Brückenbau. Geplant sind unter anderem die Sanierung des Flussbetts, die Wiederherstellung natürlicher Überschwemmungsflächen, Verbesserungen bei der Abfallentsorgung und Maßnahmen gegen Erosion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Teile des unteren Msimbazi-Beckens sollen künftig als Rückhalteflächen dienen, auf denen sich überschüssiges Wasser bei Starkregen vorübergehend ausbreiten kann. „Genau das sollte Klimaanpassung leisten“, sagt Rwehumbiza. „Man gibt dem Wasser Raum, statt erst dagegen anzukämpfen, wenn es bereits in die Häuser der Menschen eingedrungen ist.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Umsiedlungen schaffen neue Herausforderungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umgestaltung des Msimbazi-Beckens hat allerdings auch soziale Folgen. Rund 3.500 Haushalte in besonders gefährdeten Überschwemmungsgebieten waren im Rahmen des Projekts zur Umsiedlung vorgesehen. Für die vorbeugende Umsiedlung wurden im Projektbudget 30 Millionen US-Dollar veranschlagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den Betroffenen gehört Teresia Katimba, Mutter von vier Kindern. Sie zog 2024 nach Madale, nachdem ihr Haus in Jangwani über Jahre hinweg immer wieder überschwemmt worden war. Bei Hochwasser drangen regelmäßig verschmutztes Wasser, Abfälle und Abwasser in das Gebäude ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umsiedlungen sollen Familien vor künftigen Überschwemmungen schützen. Gleichzeitig können größere Entfernungen zum Arbeitsplatz und höhere Fahrtkosten neue Belastungen schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rwehumbiza warnt deshalb davor, Klimaanpassung ausschließlich an baulichen Erfolgen zu messen. „Eine klimaresistente Stadt darf das Risiko nicht einfach vom Fluss auf die Lebensgrundlagen der Menschen verlagern“, sagt er. „Wenn Familien zwar besser vor Überschwemmungen geschützt sind, sich aber den Weg zur Arbeit nicht mehr leisten können, hat man ein Problem gelöst und ein anderes geschaffen.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">260 Millionen US-Dollar von internationalen Geldgebern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das gesamte <a href="https://www.worldbank.org/en/brief/2023/03/24/msimbazi-basin-development-project" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Msimbazi Basin Development Project</a> hat ein Finanzierungsvolumen von rund 260 Millionen US-Dollar. Die Internationale Entwicklungsorganisation IDA, die zur Weltbankgruppe gehört, stellt dafür einen zinsgünstigen Kredit von 200 Millionen US-Dollar bereit. Weitere Mittel kommen aus Spanien und den Niederlanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bis 2028 angelegte Projekt konzentriert sich auf das untere Msimbazi-Becken, umfasst aber auch Maßnahmen flussaufwärts in Richtung der Pugu-Berge. Während TANROADS für den Bau der Jangwani-Brücke verantwortlich ist, arbeiten weitere staatliche Einrichtungen an der Umgestaltung des Flussbeckens. Neben dem Hochwasserschutz sind neue Grünflächen, Märkte, Gewerbeflächen und Verbesserungen im öffentlichen Verkehr vorgesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob das Projekt langfristig erfolgreich sein wird, hängt nach Einschätzung von Rwehumbiza auch von der Entwicklung im übrigen Einzugsgebiet ab. Unkontrollierte Bebauung, Abfälle in Gewässern und Bodenerosion könnten die Probleme im unteren Msimbazi-Becken erneut verschärfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Man kann eine Brücke bauen, die viele Jahrzehnte hält“, sagt er. „Aber der Fluss ist mit allem verbunden, was flussaufwärts geschieht. Klimaresilienz erfordert, das gesamte System zu erhalten.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bewährungsprobe kommt beim nächsten Hochwasser</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Menschen, die täglich durch Jangwani fahren, wird sich der Erfolg vor allem während der nächsten schweren Regenfälle zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Clementina Nyangwine erinnert sich noch gut daran, wie sie aus liegengebliebenen Bussen aussteigen und durch das schmutzige Hochwasser waten musste. Manchmal erreichte sie ihren Laden erst Stunden später, wenn viele Kund*innen bereits wieder gegangen waren. Auf dem Heimweg drohten dieselben Schwierigkeiten erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute beobachtet sie bei jeder Fahrt durch Jangwani den Fortschritt der Bauarbeiten. „Der Fluss wird bei starkem Regen weiterhin über die Ufer treten“, sagt sie. „Aber wenn die Menschen ihn sicher überqueren können, muss der Regen unser Leben nicht mehr zum Stillstand bringen.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Die neue Jangwani-Brücke über das Msimbazi-Becken soll eine wichtige Verkehrsverbindung in Dar es Salaam auch bei Hochwasser offenhalten. (Foto: Kizito Makoye / IPS)</p>
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		<title>Afrikanische Energiebank setzt auf Öl und Gas</title>
		<link>https://afrika.info/afrikanische-energiebank-oel-gas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Nov 2026 09:45:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[Afrikanische Energiebank]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Afrikas Erdölproduzenten wollen ihre Energieprojekte stärker selbst finanzieren. Die neue Afrikanische Energiebank soll die Verarbeitung von Rohstoffen auf dem Kontinent fördern. Doch afrikanische Klimaschützer*innen warnen vor neuen fossilen Abhängigkeiten.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Afrikas Erdölproduzenten wollen ihre Energieprojekte stärker selbst finanzieren. Die neue Afrikanische Energiebank soll dafür Milliarden mobilisieren und die Verarbeitung von Rohstoffen auf dem Kontinent fördern. Doch afrikanische Klimaschützer*innen warnen vor neuen fossilen Abhängigkeiten.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Martin Sturmer | 3. November 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oberndorf bei Salzburg (afr) – Nach mehrjährigen Vorbereitungen und wiederholten Verzögerungen ist die <a href="https://apposecretariat.org/the-africa-energy-bank/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Afrikanische Energiebank</a> (Africa Energy Bank, AEB) offiziell gegründet worden. Die Afrikanische Export-Import-Bank (Afreximbank) und die Organisation afrikanischer Erdölproduzenten (APPO) gaben dies am 31. Oktober 2026 bei der ersten Generalversammlung der Bank in Nigerias Hauptstadt Abuja bekannt. Zum ersten Präsidenten wurde der ägyptische Bankmanager Helmy Ghazi bestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue Institution soll eine Finanzierungslücke schließen: Während sich traditionelle internationale Geldgeber aus fossilen Energieprojekten zurückziehen, wollen afrikanische Förderländer ihre Erdöl- und Erdgasvorkommen weiterhin wirtschaftlich nutzen. Der genehmigte Kapitalrahmen beträgt fünf Milliarden US-Dollar.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mehr Wertschöpfung in Afrika</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründer verbinden mit der Bank den Anspruch, stärker über die Finanzierung der eigenen Energiewirtschaft zu bestimmen. Unterstützt werden sollen Projekte von der Erschließung und Förderung über den Transport bis zur Verarbeitung und Verteilung. Damit wollen sie die Abhängigkeit von importierten Erdölprodukten verringern und den innerafrikanischen Energiehandel ausbauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mittelpunkt steht auch die Frage, wie mehr Wertschöpfung auf dem Kontinent bleiben kann. Viele Förderländer exportieren Rohöl, müssen Treibstoffe aber importieren. Zusätzliche Raffinerien und regionale Transportnetze sollen dieses Verhältnis verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">APPO-Generalsekretär Farid Ghezali setzt deshalb auf den Ausbau afrikanischer Märkte. „Der Binnenmarkt ist für mich wertvoller als der Export“, sagte er Mitte Oktober gegenüber dem Energiefachdienst <a href="https://www.spglobal.com/energy/en/news-research/latest-news/crude-oil/101626-oil-focused-africa-energy-bank-to-open-early-nov-says-appos-ghezali" target="_blank" rel="noreferrer noopener">S&amp;P Global Energy</a>. Er strebe an, mindestens 80 Prozent der Produktion innerhalb Afrikas zu verarbeiten und damit die Abhängigkeit von Turbulenzen auf den internationalen Märkten zu verringern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erste Finanzierungen für 2027 vorgesehen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Ghezalis Angaben standen Mitte Oktober 500 Millionen US-Dollar für den Start bereit, aufgebracht von APPO-Mitgliedern und der Afreximbank. Erste Investitionsentscheidungen seien für 2027 vorgesehen. Sein Ziel sei es, im kommenden Jahr mindestens drei Projekte zu finanzieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorrang sollen zunächst grenzüberschreitende Erdöl- und Erdgasvorhaben haben, etwa regionale Raffinerien und Pipelines. Als mögliches Projekt nannte Ghezali das geplante <a href="https://panafricanvisions.com/2025/09/caps-central-africas-bold-pipeline-vision-to-turn-energy-wealth-into-opportunity/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Central African Pipeline System</a>, das elf Länder umfasst: Das geplante Pipelinenetz soll sich über rund 6.500 Kilometer erstrecken und Raffinerien, Kraftwerke und Lagerzentren mit Erdöl, Erdgas und Flüssiggas (LPG) versorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Langfristig will die Bank auch Stromversorgung, saubere Kochenergie und mineralische Rohstoffe in den Blick nehmen. Vorerst liegt ihr Schwerpunkt jedoch auf Öl und Gas.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warnungen vor fossilen Abhängigkeiten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Ausrichtung ist auch innerhalb Afrikas umstritten. Bhekumuzi Dean Bhebhe, Gründer der Organisation <a href="https://www.africachangelab.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Africa Change Lab</a>, bezeichnet die Bank gegenüber dem auf Klimapolitik spezialisierten Nachrichtenportal <a href="https://www.climatechangenews.com/2026/10/09/launch-of-africa-energy-bank-delayed-again-in-blow-to-oil-and-gas-hopes/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Climate Home News</a> als „Trojanisches Pferd“. Er befürchtet, dass neue fossile Investitionen Verschuldung und Abhängigkeiten verstärken und die Bindung an klimaschädliche Energieträger verlängern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der in Kenia tätige Klima- und Energieexperte Joab Okanda spricht in diesem Beitrag von einer „falsch gesetzten Priorität“. Statt neue Erdöl- und Erdgasprojekte zu finanzieren, sollte die Bank seiner Ansicht nach erdölabhängige Länder beim Übergang zu anderen Energiequellen unterstützen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit stehen sich zwei Vorstellungen wirtschaftlicher Eigenständigkeit gegenüber: Die Befürworter*innen wollen fossile Ressourcen nutzen, um Industrialisierung und Infrastruktur zu finanzieren. Die Kritiker*innen sehen gerade darin das Risiko, bestehende Abhängigkeiten auf Jahrzehnte zu verfestigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ölprojekte ersetzen keinen Stromanschluss</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zugleich bleibt der Zugang zu Energie für Millionen Menschen ungelöst. Nach dem Bericht <a href="https://www.iea.org/reports/world-energy-investment-2025/africa" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;World Energy Investment 2025&#8220;</a> der Internationalen Energieagentur (IEA) hatten rund 600 Millionen Menschen in Afrika keinen Zugang zu Elektrizität. Mehr als eine Milliarde Menschen lebten ohne Zugang zu sauberen Kochmöglichkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Investitionen sind zudem ungleich verteilt: Nordafrika und Südafrika vereinen weniger als ein Fünftel der Bevölkerung des Kontinents, erhalten aber mehr als 45 Prozent der Energieinvestitionen. Laut IEA ist Solarstrom inzwischen in vielen afrikanischen Ländern die kostengünstigste Quelle der Stromerzeugung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Bewertung der neuen Bank ist deshalb entscheidend, zwischen industrieller Wertschöpfung und dem unmittelbaren Zugang zu Energie zu unterscheiden. Eine Raffinerie oder Erdölpipeline kann wirtschaftliche Impulse setzen. Sie versorgt Haushalte ohne Stromanschluss aber nicht automatisch mit Elektrizität. Dafür braucht es unter anderem Stromnetze, dezentrale Versorgungssysteme und bezahlbare Anschlüsse.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Entscheidend sind die konkreten Projekte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Offen bleibt, wie viel zusätzliches Kapital die Bank mobilisieren kann. Die ursprünglich für Anfang 2025 geplante Betriebsaufnahme wurde mehrfach verschoben. Gegenüber <a href="https://www.climatechangenews.com/2026/10/09/launch-of-africa-energy-bank-delayed-again-in-blow-to-oil-and-gas-hopes/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Climate Home News</a> verwies der Energieexperte Baron Lamarré auf die Schwierigkeiten, große fossile Vorhaben ohne etablierte internationale Finanzierungspartner zu stemmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründer wollen nun Regierungen, nationale Erdölunternehmen, Finanzinstitutionen und private Investor*innen gewinnen. Ob daraus mehr wirtschaftliche Eigenständigkeit entsteht, wird sich an den finanzierten Projekten zeigen: daran, wie viel Wertschöpfung vor Ort bleibt, welche Umwelt- und Sozialstandards gelten und ob die Investitionen eine breiter aufgestellte Energieversorgung ermöglichen. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Die Afrikanische Energiebank soll Investitionen in die Öl- und Gaswirtschaft fördern. (Symbolfoto: Lungkhaek / Shutterstock.com)</p>
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		<title>Africa Now! Afrikanische Stimmen auf Ö1</title>
		<link>https://afrika.info/africa-now/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Oct 2026 09:30:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Mit dem Programmschwerpunkt „Africa Now!“ rückt Ö1 ab Ende Oktober die Vielfalt afrikanischer Gesellschaften in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit Radio Afrika International setzt der Sender dabei auf Journalist*innen aus afrikanischen Ländern, die ihre Perspektiven einbringen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit dem Programmschwerpunkt „Africa Now!“ rückt Ö1 ab Ende Oktober die Vielfalt afrikanischer Gesellschaften in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit Radio Afrika International setzt der Sender dabei auf Journalist*innen aus afrikanischen Ländern, die ihre Perspektiven einbringen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Martin Sturmer | 29. Oktober 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oberndorf bei Salzburg (afr) – Wer über afrikanische Länder berichtet, entscheidet auch darüber, welche Geschichten erzählt werden und wer dabei zu Wort kommt. In der <a href="https://afrika.info/leistungen/vortraege-und-keynotes/afrika-berichterstattung-vortrag/" data-type="page" data-id="7087">Afrika-Berichterstattung</a> dominieren häufig Konflikte, politische Krisen und humanitäre Katastrophen. Wirtschaftliche Innovationen, kulturelle Entwicklungen und gesellschaftliche Veränderungen erhalten dagegen oft weniger Aufmerksamkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Radiosender Ö1 will diesen Blick mit seinem Programmschwerpunkt <a href="https://oe1.orf.at/africanow" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Africa Now!“</a> erweitern. Ab 30. Oktober stehen zahlreiche Sendungen im Zeichen afrikanischer Lebenswelten, Ideen und Zukunftsperspektiven. Das Programm entsteht in Zusammenarbeit mit <a href="https://radioafrika.net/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Radio Afrika International</a>, das sein journalistisches Netzwerk auf dem Kontinent einbringt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist dabei nicht nur die thematische Vielfalt, sondern vor allem der Zugang: Afrikanische Journalist*innen aus rund 20 Ländern berichten über Entwicklungen und Fragen, die ihre Gesellschaften beschäftigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Medienprofis aus Afrika</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Damit greift „Africa Now!“ eine grundlegende Frage der internationalen Berichterstattung auf: Wer bestimmt, welche Themen wichtig sind, und wessen Perspektiven prägen das öffentliche Bild?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn ein differenziertes Verständnis afrikanischer Gesellschaften entsteht nicht allein dadurch, dass Medien häufiger über wirtschaftliche Erfolge oder kulturelle Leistungen berichten. Entscheidend ist ebenso, afrikanische Fachleute, Journalist*innen, Künstler*innen und gesellschaftliche Initiativen als eigenständige Stimmen wahrzunehmen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ansatz von „Africa Now!“ entspricht einem journalistischen Grundgedanken, den auch afrika.info seit seiner Gründung verfolgt: Afrikanische Gesellschaften sollen nicht auf Krisen und Defizite reduziert werden. Ihre unterschiedlichen Erfahrungen, Interessen und Entwicklungen verdienen eine eigenständige und differenzierte Darstellung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür ist die Zusammenarbeit mit afrikanischen Journalist*innen dringend notwendig. Sie sind näher am Geschehen dran und haben einen anderen Blickwinkel auf die Ereignisse in ihren Ländern.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ö1 stellt elf dieser Medienprofis auf seiner Website vor:</h3>



<ul class="wp-block-list liste-mit-abstand">
<li><strong>Miriam Angil aus Kenia</strong> ist Journalistin, Moderatorin und TV-Produzentin. Mit ihrer eigenen Produktionsplattform <a href="https://sajenproductions.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sajen Productions</a> möchte sie insbesondere Geschichten und Perspektiven sichtbar machen, die in der etablierten Berichterstattung wenig Beachtung finden.</li>



<li><strong>Alhassan Bala aus Nigeria</strong> beschäftigt sich unter anderem mit Desinformation und Medienkompetenz. Er gründete die Hausa-sprachige Faktencheck-Plattform <a href="https://alkalanci.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Alkalanci</a>, die Falschinformationen und Propaganda in Nordnigeria und der Sahelzone untersucht.</li>



<li><strong>Patrick Wasso aus Burundi</strong> berichtet seit vielen Jahren über Politik, gesellschaftliche Entwicklungen und grenzüberschreitenden Handel in der Region der Großen Seen. Er ist freier Jouranlist für <a href="https://www.bbc.com/gahuza" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BBC Gahuza</a> und arbeitet unter anderem für Associated Press, France 24 und Radio France Internationale.</li>



<li><strong>Albert Oppong-Ansah aus Ghana</strong> ist auf Wissenschafts- und Umweltjournalismus spezialisiert. Seine Themen reichen vom Klimawandel über Luftverschmutzung bis zu erneuerbaren Energien. Dabei geht es ihm auch darum, politische Verantwortung sichtbar zu machen und gesellschaftliche Lösungsansätze aufzuzeigen.</li>



<li><strong>Eyasu Zekarias aus Äthiopien</strong> beschäftigt sich mit Wirtschafts- und Finanzthemen sowie Umweltpolitik. Als Journalist und Faktenchecker berichtet er über Entwicklungen in Äthiopien und den Nachbarländern.</li>



<li><strong>Henri Joël Abissi aus Benin</strong> arbeitet als Radioreporter und Videograf für den Fernsehsender <a href="https://www.youtube.com/channel/UCV2YGpOhPxNGSSw5KZ-F5wQ" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Canal 1 Culture</a>. Er widmet sich besonders dem kulturellen Erbe seines Landes, der ländlichen Entwicklung und lokalen Initiativen.</li>



<li><strong>Herminio José aus Mosambik</strong> lebt in Maputo und glaubt an Journalismus im Dienst der Öffentlichkeit. Im Mittelpunkt seiner journalistischen Arbeit steht die Frage, wie sich politische Entscheidungen konkret auf den Alltag der Menschen auswirken.</li>



<li><strong>Jean Leonard Karuranga aus Ruanda</strong> arbeitet als Journalist, Medienproduzent und Videograf in Kigali. Darüber hinaus ist er als Videodokumentarist für das <a href="https://www.irdp.rw/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Institute of Research and Dialogue for Peace</a> (IRDP) in Kigali tätig.</li>



<li><strong>Augustin Wamenya aus der DR Kongo</strong> berichtet aus Goma in der Provinz Nord-Kivu. Seine journalistischen Schwerpunkte sind die Konflikte in der Region der Großen Seen, Umweltfragen und Sport.</li>



<li><strong>Ignatius Bahizi aus Uganda</strong> verfügt über langjährige Erfahrung im Radiojournalismus. Er beschäftigt sich insbesondere mit internationalen Beziehungen sowie politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Ostafrika.</li>



<li><strong>Venuste Alexandre Nshimiyimana</strong>, geboren in <strong>Ruanda</strong>, ist Journalist und Medienunternehmer in Belgien. Er arbeitete mehr als zwei Jahrzehnte für den BBC World Service und mehrere Jahre für Voice of America. Sein besonderes Anliegen ist es, jenseits der täglichen Schlagzeilen die unterschiedlichen gesellschaftlichen Realitäten afrikanischer Länder sichtbar zu machen.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Afrikanische Perspektiven in vielen Facetten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie vielfältig diese Perspektiven sein können, zeigt das Programm. Den Auftakt bildet am 30. Oktober die Ö1-Sendung „Im Gespräch“ mit dem Wasser- und Energieexperten Paul Yillia. Er berichtet über seine Rückkehr nach Sierra Leone und seine Arbeit mit der Organisation TENN, die sich unter anderem mit Solarenergie, Trinkwasser und Stromversorgung beschäftigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im „Radiokolleg“ stehen vom 2. bis 5. November lokale Initiativen im Mittelpunkt, die wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen aufgreifen, Geschlechtergerechtigkeit fördern und neue Handlungsmöglichkeiten schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Sendungen beschäftigen sich mit der Kulturszene in Senegal, der Gnawa-Musik aus Marokko oder zeitgenössischen afrikanischen Komponistinnen. Das Technologiemagazin „matrix“ untersucht am 6. November am Beispiel Ugandas die Digitalisierung staatlicher Dienstleistungen und die Frage, wer Zugang zu sensiblen Daten der Bürgerinnen erhält.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schwerpunkt beschränkt sich damit nicht auf Erfolgsgeschichten. Auch politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Konflikte bleiben Teil der Berichterstattung. Sie werden jedoch um Perspektiven ergänzt, die im europäischen Medienalltag häufig zu kurz kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders deutlich wird dieser Ansatz in der Ö1-Reihe „Gedanken für den Tag“. Vom 2. bis 7. November kommen Menschen aus verschiedenen afrikanischen Ländern zu Wort und sprechen über ihren Alltag, ihre Hoffnungen und ihre Vorstellungen von gesellschaftlicher Veränderung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Beiträge beschäftigen sich unter anderem mit der Rolle der Medien in Mali und der Stellung von Journalistinnen in Burkina Faso, Niger und Mali. Weitere Themen sind Frauen in Wissenschaft und Entwicklung, religiöse und kulturelle Lebenswelten sowie politische und wirtschaftliche Veränderungen in der Demokratischen Republik Kongo. (Ende)</p>



<p class="afrika-hinweis wp-block-paragraph">Zum Programmschwerpunkt <a href="https://oe1.orf.at/africanow" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Africa Now!&#8220;</a> auf Ö1</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Shutterstock.com</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/africa-now/">Africa Now! Afrikanische Stimmen auf Ö1</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Mit Sonne und KI gegen Ernteverluste</title>
		<link>https://afrika.info/mit-sonne-und-ki-gegen-ernteverluste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2026 08:36:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uganda]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Shifra Ainomugisha]]></category>
		<category><![CDATA[Solafam]]></category>
		<category><![CDATA[Solarenergie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://afrika.info/?p=7055</guid>

					<description><![CDATA[<p>Shifra Ainomugisha setzt in Uganda auf Sonnenenergie und künstliche Intelligenz.<br />
Mit Kühlräumen, Bewässerung und digitaler Beratung will sie Ernteverluste verringern und Einkommen erhöhen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/mit-sonne-und-ki-gegen-ernteverluste/">Mit Sonne und KI gegen Ernteverluste</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die ugandische Unternehmerin Shifra Ainomugisha hat aus den Erfahrungen ihrer Kindheit eine Geschäftsidee entwickelt. Mit solarbetriebenen Kühlräumen, Bewässerungssystemen und künstlicher Intelligenz will sie Ernteverluste verringern und die Einkommen landwirtschaftlicher Betriebe erhöhen. Dafür wurde sie als „Commonwealth Young Person of the Year 2026“ ausgezeichnet.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Kizito Makoye* | 21. Oktober 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">London/Dar es Salaam (IPS/afr) – Lange bevor Shifra Ainomugisha als Innovatorin bekannt wurde, bevor künstliche Intelligenz, solarbetriebene Kühlräume oder nachhaltige Entwicklung eine Rolle in ihrem Leben spielten, kannte sie bereits die schmerzhaften Folgen von Ernteverlusten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Morgengrauen nahm sie einen Eimer und ging auf die Tomatenfelder ihrer Familie im Westen Ugandas. Aus der Ferne sahen die Tomaten gesund aus. Doch viele waren bereits weich geworden, aufgeplatzt oder verfault, bevor sie überhaupt den Markt erreichen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Jeden Morgen stand ich auf, um verdorbene Tomaten einzusammeln und wegzuwerfen”, erinnert sie sich. “Dabei versuchte ich zu retten, was noch übrig war.“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl fast die Hälfte der Ernte ihrer Familie auf diese Weise verloren ging, arbeiteten ihre Eltern unermüdlich. „Gleichzeitig hatten wir Schwierigkeiten, das Schulgeld zu bezahlen“, erzählt Ainomugisha. „Manche Kinder mussten die Schule abbrechen, obwohl wir in den Ferien hart auf der Farm arbeiteten. Wir produzierten Lebensmittel, verdienten damit aber nicht genug, um unsere Ausbildung zu finanzieren.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Kindheitserfahrungen sollten später ihren Lebensweg prägen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Internationale Auszeichnung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den <a href="https://thecommonwealth.org/news/commonwealth-youth-award-winner-using-solar-and-ai-keep-harvests-alive" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Commonwealth Youth Awards</a> am 25. Juni in London erhielt die ugandische Unternehmerin die höchste Auszeichnung als „Commonwealth Young Person of the Year 2026“.&nbsp; Aus fast 1.000 Bewerbungen aus den 56 Mitgliedstaaten des Commonwealth hatte eine Jury 20 Finalist*innen ausgewählt. Gewürdigt wurden junge Menschen, die mit innovativen Ansätzen und gesellschaftlichem Engagement zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele beitragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Überreicht wurde ihr der Preis von Commonwealth-Generalsekretärin Shirley Botchwey. In ihrer Ansprache gratulierte Botchwey allen Finalist*innen. „Ihr seid bereits Gewinner*innen. Dass ihr aus 56 Ländern ausgewählt wurdet, ist ein Beweis für euren Mut und eure Kreativität. Ihr verkörpert das Beste unserer Gemeinschaft. Ihr habt angesichts von Herausforderungen Widerstandskraft und unter schwierigen Bedingungen Innovationsgeist bewiesen.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shirley-botchwey-shifra-ainomugisha-c-the-commonwealth-secretariat-1200-800-1024x683.jpg" alt="Shifra Ainomugisha erhält Commonwealth-Jugendpreis 2026" class="wp-image-7066" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shirley-botchwey-shifra-ainomugisha-c-the-commonwealth-secretariat-1200-800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shirley-botchwey-shifra-ainomugisha-c-the-commonwealth-secretariat-1200-800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shirley-botchwey-shifra-ainomugisha-c-the-commonwealth-secretariat-1200-800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shirley-botchwey-shifra-ainomugisha-c-the-commonwealth-secretariat-1200-800-640x427.jpg 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shirley-botchwey-shifra-ainomugisha-c-the-commonwealth-secretariat-1200-800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Shifra Ainomugisha erhält von Commonwealth-Generalsekretärin Shirley Botchwey die Auszeichnung „Commonwealth Young Person of the Year 2026“. (Foto: The Commonwealth Secretariat)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auszeichnung solle mehr sein als eine Würdigung individueller Leistungen, betonte Botchwey. Es gehe darum, gemeinsam Fortschritte zu erzielen und das Commonwealth Youth Programme als wichtiges Instrument der Jugendförderung weiter zu stärken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Frage aus der Kindheit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Ainomugisha begann ihr Weg mit einer Frage, die sie seit ihrer Kindheit beschäftigte: Wie können Menschen, die Lebensmittel produzieren, selbst Hunger leiden?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Niemand sollte an Hunger sterben“, meint sie gegenüber Inter Press Service (IPS). „Wir sind hier, um zu helfen. Landwirt*innen produzieren Lebensmittel, und wir versuchen, deren Verschwendung zu verhindern. Damit leisten wir einen Beitrag zur Bekämpfung des Hungers. Das ist eines der Nachhaltigkeitsziele, an denen wir arbeiten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute ist Ainomugisha Mitgründerin und Geschäftsführerin von <a href="https://solafamug.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Solafam Uganda</a>. Das Sozialunternehmen setzt solarbetriebene Technologien und künstliche Intelligenz ein, um landwirtschaftlichen Kleinbetrieben zu helfen, Ernteverluste zu verringern, Erträge zu steigern und ihre Einkommen zu verbessern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Unternehmen verbindet drei Ansätze: solarbetriebene Kühlräume, solarbetriebene Bewässerungssysteme und eine KI-gestützte Beratungsplattform namens Lean AI. Über einen WhatsApp-Chatbot erhalten Landwirt*innen Empfehlungen zur Aussaat, zum richtigen Zeitpunkt der Bewässerung, zur Schädlingsbekämpfung, zur Lagerung nach der Ernte und zum Zugang zu Märkten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam sollen diese Technologien ein grundlegendes Problem der Landwirtschaft lösen: Obwohl Lebensmittel produziert werden, geht ein erheblicher Teil davon verloren, bevor er die Verbraucher*innen erreicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hohe Ernteverluste in Uganda</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie groß das Problem ist, zeigt eine 2023 im Fachjournal <a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s42853-023-00177-x" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Journal of Biosystems Engineering&#8220;</a>  veröffentlichte Untersuchung ugandischer Wissenschaftler um Isaac Rubagumya. Das Forschungsteam analysierte Nachernteverluste bei Tomaten, Bananen, Mangos und Kartoffeln entlang ausgewählter Lieferketten zwischen landwirtschaftlichen Betrieben und Märkten in Uganda.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ergebnisse sind deutlich: Bei Tomaten gingen 39,3 Prozent der untersuchten Erntemenge verloren, bei Bananen waren es 34,1 Prozent. Für Mangos ermittelten die Forscher*innen Verluste von 27,6 Prozent, für Kartoffeln 19,8 Prozent.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solafam-uganda-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-1024x768.jpg" alt="Shifra Ainomugisha erfasst die Erntemengen von Bananen und Mangos in Uganda." class="wp-image-7072" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solafam-uganda-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-1024x768.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solafam-uganda-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-300x225.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solafam-uganda-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-768x576.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solafam-uganda-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-640x480.jpg 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solafam-uganda-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Shifra Ainomugisha dokumentiert die Ernte von Bananen und Mangos. (Foto: The Commonwealth Secretariat)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verluste entstanden vor allem beim Transport von den landwirtschaftlichen Betrieben zu den Märkten. Als wesentliche Ursachen identifizierte die Studie fehlende Kühlmöglichkeiten, schlechte Straßenverbindungen und unzureichend ausgestattete Transportfahrzeuge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben den verlorenen Lebensmitteln entstehen erhebliche wirtschaftliche Schäden. Die Untersuchung bezifferte die Verluste bei Bananen auf bis zu 183 US-Dollar pro Tonne. Gleichzeitig gehen mit den verdorbenen Produkten wertvolle Nährstoffe verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders betroffen sind kleinere Betriebe, denen häufig die finanziellen Mittel für Kühlräume, Bewässerungssysteme und fachliche Beratungsangebote fehlen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vater als Inspirationsquelle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Ainomugisha sind solche Zahlen keine abstrakten Statistiken. Sie denkt dabei an ihre Eltern, ihre Nachbar*innen und ihre eigenen Erfahrungen. Ihr Vater war einer ihrer wichtigsten Inspirationsquellen. Obwohl er keine Möglichkeit hatte, eine Schule zu besuchen, suchte er ständig nach Auswegen aus der Misere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Er kaufte eine dieselbetriebene Bewässerungspumpe, um die Erträge zu steigern, weil wir nur eine große Anbausaison haben“, erklärt Ainomugisha. „Wenn man in dieser Saison nicht genug verdient, wird das ganze Jahr schwierig.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ainomugishas Vater versuchte auch, die Haltbarkeit der Ernte durch die Lagerung in improvisierten Räumen zu verlängern. Doch die Tomaten verdarben weiterhin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahre später, als Ainomugisha Zugang zu Bildung und neuen Technologien erhielt, begann sie, andere Lösungswege zu entwickeln. „Zunächst einmal war das nicht allein meine Entscheidung“, sagt sie rückblickend. „Alles begann mit meinem Vater. Er hatte keine Möglichkeit, zur Schule zu gehen, aber ich schon. Ich hatte das Gefühl, dass ich bessere Chancen hatte, dieses Problem zu lösen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Überzeugung begleitete sie bis an die Universität.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Von der Kühlung zur künstlichen Intelligenz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Noch während ihres Studiums gründete Ainomugisha gemeinsam mit Kolleg*innen ein Unternehmen, aus dem später Solafam hervorging. Die ursprüngliche Idee war einfach: landwirtschaftliche Produkte mithilfe solarbetriebener Kühlräume länger haltbar zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Initiativen zur Förderung von Unternehmertum, darunter <a href="https://leapafrica.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">LEAP Africa</a>, halfen dem Team, aus der Idee ein funktionierendes Unternehmen aufzubauen. Doch die Kund*innen machten bald deutlich, dass Kühlung allein nicht ausreichte. Manche Landwirt*innen, die zu den Kühlräumen kamen, hatten nur geringe Erntemengen einzulagern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solarpumpe-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-1024x768.jpg" alt="Shifra Ainomugisha und eine Landwirtin mit einer solarbetriebenen Bewässerungspumpe in Uganda." class="wp-image-7064" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solarpumpe-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-1024x768.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solarpumpe-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-300x225.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solarpumpe-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-768x576.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solarpumpe-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-640x480.jpg 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solarpumpe-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Shifra Ainomugisha und eine Farmerin mit einer Solarpumpe zur Bewässerung. (Foto: The Commonwealth Secretariat)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Unternehmen erweiterte deshalb sein Angebot um solarbetriebene Bewässerungssysteme. Sie sollten die Abhängigkeit von teurem Dieselkraftstoff verringern und eine landwirtschaftliche Produktion über das ganze Jahr ermöglichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Technik erschwinglicher zu machen, entwarf Solafam ein flexibles Finanzierungsmodell. Landwirt*innen können ein Bewässerungssystem gegen eine Anzahlung von 20 Prozent erwerben und den Rest in wöchentlichen Raten von umgerechnet rund 1,60 US-Dollar abbezahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir wollten eine Lösung entwickeln, die sich die Farmer*innen tatsächlich leisten können“, erklärt Ainomugisha.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Weg zur Künstlichen Intelligenz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ainomugisha hatte auch beobachtet, dass vielen landwirtschaftlichen Betrieben der Zugang zu fachlicher Beratung fehlte. Wissenslücken trugen dazu bei, dass die Erträge geringer ausfielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Viele Menschen betreiben Landwirtschaft, aber sie machen nicht immer alles richtig“, sagt sie. Als Beispiel nennt sie Unsicherheiten bei der Wahl des geeigneten Bewässerungszeitpunkts. Das Team entwickelte deshalb Lean AI, einen Chatbot, der über WhatsApp erreichbar ist und landwirtschaftliche Fragen in Echtzeit beantwortet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nutzer*innen können sich unter anderem über Anbaumethoden, Schädlingsbekämpfung, Bewässerung und den Umgang mit Ernteprodukten informieren. Das Unternehmen arbeitet auch daran, den Dienst über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/USSD-Codes" target="_blank" rel="noreferrer noopener">USSD-Codes</a> zugänglich zu machen. Diese Technologie ermöglicht die Nutzung einfacher Mobiltelefone ohne Smartphone oder Internetverbindung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir nutzen künstliche Intelligenz, um Farmer*innen auch dann weiterzubilden, wenn wir nicht persönlich vor Ort sein können“, erklärt Ainomugisha. Sie ist überzeugt, dass dieser Ansatz die Erträge und Einkommen verbessern und zugleich die gesellschaftliche Wahrnehmung der Landwirtschaft verändern kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade dieser letzte Punkt ist Ainomugisha besonders wichtig. „In Uganda gibt es die Vorstellung, dass Landwirtschaft etwas für arme Menschen ist“, meint sie. „Das ist traurig. Die Menschen glauben das, weil sie trotz harter Arbeit der Armut nicht entkommen können.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Landwirtschaft soll neue Perspektiven eröffnen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein entscheidender Moment in der Entwicklung von Solafam kam 2023. Nachdem das Team vergeblich versucht hatte, lokale Märkte davon zu überzeugen, einen Standort für den ersten Kühlraum zur Verfügung zu stellen, errichtete es die Anlage schließlich auf dem Grundstück von Ainomugishas Familie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Mutter wurde die erste Kundin. Danach kamen Nachbar*innen und weitere landwirtschaftliche Betriebe hinzu. Anfangs war die Nutzung kostenlos. Die Menschen sollten sich zunächst selbst von den Vorteilen überzeugen können.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solarpanel-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-1024x768.jpg" alt="Shifra Ainomugisha mit einer Gruppe von Landwirt*innen und einem Solarpanel in Uganda." class="wp-image-7062" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solarpanel-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-1024x768.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solarpanel-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-300x225.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solarpanel-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-768x576.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solarpanel-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900-640x480.jpg 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/10/shifra-ainomugisha-solarpanel-c-the-commonwealth-secretariat-1200-900.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Shifra Ainomugisha setzt mit Solafam auf Solarenergie für die Landwirtschaft. (Foto: The Commonwealth Secretariat)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Freundin ihrer Mutter, die mit Obst und Gemüse handelte, lieferte schließlich einen wichtigen Beleg dafür, dass das Konzept funktionierte. Sie nutzte den Kühlraum einen Monat lang. Gemüse, das zuvor innerhalb weniger Tage verdorben war, blieb nun fast zwei Wochen lang verkaufsfähig. Dadurch musste sie ihre Produkte nicht mehr unter Zeitdruck verkaufen, sondern konnte auf bessere Marktpreise warten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Später wurde ihr bewusst, wie sehr ihr das geholfen hattef”, erzählt Ainomugisha. „Heute verdient sie mit der Landwirtschaft mehr als früher.“ Schließlich führte Solafam ein Modell ein, bei dem Kund*innen nur für die tatsächliche Nutzung der Kühlräume bezahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben Ainomugishas lassen sich die Ergebnisse inzwischen auch beziffern. „Was uns besonders stolz macht, ist, dass wir die Einkommen der Landwirt*innen um 28 Prozent steigern konnten“, sagt sie. „Außerdem haben wir die Nachernteverluste um etwa 30 Prozent reduziert.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Frauen im Mittelpunkt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein wesentlicher Aspekt ihrer Arbeit ist die besondere Berücksichtigung von Frauen in der Landwirtschaft. „Dieses Problem betrifft mich persönlich“, sagt Ainomugisha. „Ich habe nicht die Geschichte eines anderen Menschen gehört und dann beschlossen, eine Lösung dafür zu finden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen habe sie selbst erlebt, wie ihre Mutter Tag für Tag auf dem Feld schuftete, ohne dass sich die Lebensbedingungen der Familie wesentlich verbesserten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen afrikanischen Ländern leisten Frauen einen erheblichen Teil der landwirtschaftlichen Arbeit. Gleichzeitig haben sie häufig schlechteren Zugang zu Land, Finanzierung, Technologien und Beratungsangeboten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Ainomugisha ist die Ausrichtung ihrer Angebote auf Frauen deshalb keine bloße Geschäftsstrategie, sondern eine Konsequenz ihrer eigenen Erfahrungen. „Natürlich arbeiten wir auch mit Männern zusammen, aber die Mehrheit der Menschen, die von unseren Angeboten profitieren, sind Frauen.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph">*Mit ergänzender Recherche von afrika.info</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Shifra Ainomugisha testet ein Schlauchbewässerungssystem. (Foto: The Commonwealth Secretariat)</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Afrika fordert die Rating-Riesen heraus</title>
		<link>https://afrika.info/afrikanische-ratingagentur-afcra/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Oct 2026 08:57:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mauritius]]></category>
		<category><![CDATA[AfCRA]]></category>
		<category><![CDATA[Afrikanische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalmärkte]]></category>
		<category><![CDATA[Ratingagenturen]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsverschuldung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://afrika.info/?p=6923</guid>

					<description><![CDATA[<p>Mit einer von ihr initiierten Ratingagentur will die Afrikanische Union fairere Bewertungen afrikanischer Staaten und Unternehmen ermöglichen. Doch die neue Agentur muss ihre Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit erst beweisen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/afrikanische-ratingagentur-afcra/">Afrika fordert die Rating-Riesen heraus</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit einer von ihr initiierten Ratingagentur will die Afrikanische Union fairere Bewertungen afrikanischer Staaten und Unternehmen ermöglichen.</strong> <strong>Doch die neue Agentur muss ihre Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit erst beweisen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Martin Sturmer | 12. Oktober 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oberndorf bei Salzburg – Wer auf internationalen Finanzmärkten Geld aufnehmen will, kommt an Ratingagenturen kaum vorbei. Sie bewerten die Kreditwürdigkeit von Staaten und Unternehmen und beeinflussen damit, zu welchen Bedingungen diese Kredite erhalten oder Anleihen ausgeben können. Weltweit dominieren drei Unternehmen dieses Geschäft: Moody’s, Standard &amp; Poor’s und Fitch Ratings.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Marktmacht will die Afrikanische Union (AU) nun aufbrechen und eine zusätzliche afrikanische Perspektive auf dem internationalen Ratingmarkt etablieren. Am 7. Oktober 2026 fielt in Port Louis auf Mauritius der Startschuss für die <a href="https://africacreditrating.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Africa Credit Rating Agency</a> (AfCRA). Die neue Einrichtung soll wirtschaftliche Risiken in afrikanischen Ländern auf einer breiteren Datengrundlage und unter stärkerer Berücksichtigung lokaler Gegebenheiten bewerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinter dem Vorhaben steht eine langjährige Kritik. Afrikanische Regierungen, Finanzinstitutionen und Ökonom*innen werfen den internationalen Ratingagenturen vor, wirtschaftliche Risiken teilweise zu hoch einzuschätzen und damit die Finanzierungskosten zu verteuern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Ziel ist keine Vorzugsbehandlung für afrikanische Staaten. Es geht um mehr Genauigkeit, Transparenz und die Berücksichtigung des jeweiligen Kontexts bei der Bewertung von Kreditrisiken“, erklärte <a href="https://www.uneca.org/fr/node/11981" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Claver Gatete</a>, Exekutivsekretär der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (UNECA), in einer Rede, die bei der Gründungsveranstaltung in seinem Namen verlesen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Agentur soll deshalb nicht einfach bessere Bewertungen vergeben, sondern eine zusätzliche, unabhängige Einschätzung liefern. Das betonte AU-Kommissionsvorsitzender <a href="https://www.au.int/en/pressreleases/20261007/auc-chairperson-helps-officially-launch-africa-credit-rating-agency-afcra" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mahmoud Ali Youssouf</a> bei der offiziellen Eröffnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der hohe Preis schlechter Ratings</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Welche Folgen Kredit-Ratings haben können, zeigt sich besonders bei Staatsanleihen. Wird ein Land als risikoreicher eingestuft, verlangen Investor*innen in der Regel höhere Zinsen. Für Regierungen bedeutet das zusätzliche Kosten, die ihre finanziellen Spielräume für Infrastruktur, Bildung und Gesundheitsversorgung einschränken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach <a href="https://www.au.int/en/newsevents/20261007/launch-africa-credit-rating-agency" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Angaben der Afrikanischen Union</a> stieg der Auslandsschuldendienst afrikanischer Länder von 61 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 auf 163 Milliarden Dollar im Jahr 2024. Diese Entwicklung hat unterschiedliche Ursachen: steigende Schuldenstände, internationale Zinsentwicklungen, Wechselkursrisiken und wirtschaftliche Schwierigkeiten einzelner Länder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen mögliche Verzerrungen bei der Bewertung von Kreditrisiken. Eine <a href="https://www.undp.org/press-releases/more-objective-credit-ratings-could-save-billions-african-countries-development" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Untersuchung des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP)</a> aus dem Jahr 2023 bezifferte die möglichen finanziellen Folgen solcher Verzerrungen auf rund 74,5 Milliarden US-Dollar. Die Schätzung umfasst zusätzliche Zinskosten und entgangene Finanzierungsmöglichkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die Kritik an den internationalen Agenturen nicht ohne Substanz ist, zeigt eine wissenschaftliche Untersuchung, die im Juni 2026 bei einer<a href="https://www.chathamhouse.org/events/all/standard-event/how-might-african-credit-rating-agency-improve-continents-financing" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> Veranstaltung der britischen Denkfabrik Chatham House</a> vorgestellt wurde. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der deutsche Ökonom Torsten Schmidt vom <a href="https://www.rwi-essen.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung</a> in Essen berichtete, sein Forschungsteam habe eine statistisch signifikante negative Abweichung bei afrikanischen Staatsratings festgestellt. Im verwendeten Modell lag diese bei etwa einer halben bis einer Ratingstufe.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mehr afrikanisches Kapital mobilisieren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue Ratingagentur verfolgt noch ein weiteres Ziel: Sie soll dazu beitragen, afrikanisches Kapital stärker für Investitionen in afrikanischen Ländern verfügbar zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der simbabwische Ökonom Misheck Mutize, einer der maßgeblichen Architekten von AfCRA, sieht darin eine wichtige Aufgabe. Afrikanische Pensionsfonds, Versicherungen und andere institutionelle Anleger benötigen verlässliche Informationen, um Risiken einzuschätzen und Investitionsentscheidungen zu treffen, betonte er bei der <a href="https://www.chathamhouse.org/events/all/standard-event/how-might-african-credit-rating-agency-improve-continents-financing" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Chatham-House-Diskussion</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Teil ihres Kapitals wird bislang außerhalb des Kontinents angelegt. Zusätzliche Ratings könnten helfen, Investitionsmöglichkeiten in afrikanischen Märkten sichtbarer und besser vergleichbar zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">AfCRA will deshalb nicht nur Staaten bewerten, sondern auch Unternehmen, Finanzinstitutionen und regionale Gebietskörperschaften. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung lokaler Kapitalmärkte und der Bewertung von Anleihen in nationalen Währungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach <a href="https://au.int/en/newsevents/20261007/launch-africa-credit-rating-agency" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Angaben der Afrikanischen Union</a> verfügen derzeit nur 32 ihrer 55 Mitgliedstaaten über ein Rating der drei großen internationalen Agenturen. Für die übrigen 23 Länder könnte AfCRA eine zusätzliche Möglichkeit schaffen, ihre Kreditwürdigkeit gegenüber potenziellen Investor*innen darzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Raymond Gilpin, Chefökonom des UNDP-Regionalbüros für Afrika, sieht darin einen möglichen Vorteil. Bei der <a href="https://www.chathamhouse.org/events/all/standard-event/how-might-african-credit-rating-agency-improve-continents-financing" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Chatham-House-Diskussion</a> argumentierte er, dass internationale Investor*innen viele afrikanische Volkswirtschaften und deren institutionelle Besonderheiten nur unzureichend kennen. Eine bessere Informationsgrundlage könne deshalb zu fundierteren Investitionsentscheidungen beitragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob daraus tatsächlich mehr Investitionen entstehen, hängt jedoch davon ab, ob Anleger*innen die neuen Bewertungen akzeptieren und in ihren Entscheidungen berücksichtigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Moody’s verteidigt seine Methoden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die internationalen Ratingagenturen weisen die Kritik zurück. Sie betonen, dass ihre Bewertungen auf standardisierten Methoden beruhen und Kreditrisiken weltweit vergleichbar machen sollen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marie Diron, eine leitende Rating-Expertin bei Moody’s, erklärte im Rahmen der <a href="https://www.chathamhouse.org/events/all/standard-event/how-might-african-credit-rating-agency-improve-continents-financing" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Chatham-House-Diskussion</a>, dass genau diese internationale Vergleichbarkeit für Investor*innen entscheidend sei. Sie müssten die Kreditwürdigkeit eines Staates mit jener anderer Länder vergleichen können, unabhängig von deren geografischer Lage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diron erläuterte zudem, dass Moody’s neben wirtschaftlichen Kennzahlen auch die Qualität staatlicher Institutionen und die Regierungsführung berücksichtigt. Entscheidend sei außerdem, wie widerstandsfähig ein Staat finanziell und institutionell gegenüber Krisen ist.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Unabhängigkeit als größte Herausforderung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründung von AfCRA ist das Ergebnis eines mehrjährigen politischen Prozesses. Die Afrikanische Union unterstützte das Vorhaben bereits 2018. Die institutionelle Vorbereitung wurde vom <a href="https://au.int/en/aprm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">African Peer Review Mechanism</a> begleitet, einer AU-Einrichtung zur gegenseitigen Überprüfung von Regierungsführung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hauptsitz der afrikanischen Ratingagentur befindet sich in Port Louis, der Hauptstadt von Mauritius. Der Inselstaat wurde unter anderem wegen seines etablierten Finanzsektors, seiner regulatorischen Rahmenbedingungen und seiner internationalen Anbindung ausgewählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">AfCRA soll als privatwirtschaftlich organisierte und eigenfinanzierte Einrichtung arbeiten. Nach dem vorgesehenen Modell dürfen Regierungen keine Unternehmensanteile halten. Damit wollen die Initiator*innen politische Einflussnahme auf die Rating-Entscheidungen verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kritiker*innen bezweifeln allerdings, dass Investor*innen einer Agentur vertrauen werden, die von den Regierungen der von ihr bewerteten Länder gegründet wurde. Vor allem die mangelnde Transparenz über die Eigentümerstruktur und die institutionelle Organisation der neuen Agentur werden bemängelt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der britische Rechtswissenschaftler Daniel Cash, der das APRM bei Rating-Fragen berät, formuliert die Herausforderung gegenüber der Nachrichenplattform <a href="https://www.semafor.com/article/10/07/2026/africas-first-credit-rating-agency-set-to-launch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Semafor</a> so: „Glaubwürdigkeit bei Kredit-Ratings wird erworben, nicht verkündet.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Port Louis auf Mauritius ist Sitz der neuen afrikanischen Ratingagentur AfCRA. (Foto: David-S / Shutterstock.com)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/afrikanische-ratingagentur-afcra/">Afrika fordert die Rating-Riesen heraus</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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		<title>Navi Pillay: Gerechtigkeit durch Ubuntu</title>
		<link>https://afrika.info/navi-pillay-friedensnobelpreis-2026-ubuntu/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Oct 2026 14:33:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Südafrika]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Navi Pillay erhält den Friedensnobelpreis 2026 für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht. Gegenseitige Unterstützung und gesellschaftliche Verantwortung prägen ihren Lebensweg – zentrale Werte der Ubuntu-Philosophie.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/navi-pillay-friedensnobelpreis-2026-ubuntu/">Navi Pillay: Gerechtigkeit durch Ubuntu</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Navi Pillay erhält den Friedensnobelpreis 2026 für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht. Gegenseitige Unterstützung und gesellschaftliche Verantwortung prägen ihren Lebensweg – zentrale Werte der Ubuntu-Philosophie.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Martin Sturmer | 9. Oktober 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oberndorf bei Salzburg (afr) – „South African Ubuntu needs to be spread across the entire continent.“ Das südafrikanische Ubuntu müsse auf dem gesamten Kontinent verbreitet werden, forderte <a href="https://www.ohchr.org/en/statements-and-speeches/2013/02/human-rights-africa-opportunities-and-challenges-bram-fischer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Navi Pillay 2013</a>. Mit der Verleihung des Friedensnobelpreises rückt nun eine Juristin in den Mittelpunkt, die sich über Jahrzehnte gegen Diskriminierung und für internationale Gerechtigkeit eingesetzt hat. Das norwegische Nobelkomitee würdigt ihre Bemühungen um Frieden und Völkerrecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://afrika.info/schlagwort/ubuntu-leadership/" data-type="post_tag" data-id="491">Ubuntu</a> wird häufig mit „Ich bin, weil wir sind“ zusammengefasst. Die im südlichen Afrika verbreitete Philosophie betont die Verbundenheit aller Menschen. Zu ihren zentralen Werten gehören der Respekt vor der Menschenwürde, die Anerkennung von Vielfalt und gegenseitige Unterstützung. In Pillays Lebensgeschichte werden diese Werte konkret.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Gemeinschaft ermöglicht den Aufstieg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Pillay wurde am 23. September 1941 in Durban geboren und wuchs unter der Apartheid in einem armen Viertel auf. Ihr Vater war Busfahrer, ihre Mutter hatte keine Schule besuchen dürfen. Dass sie selbst studieren konnte, verdankte Pillay auch der Unterstützung ihrer Nachbarschaft: Menschen aus der lokalen Gemeinschaft sammelten Geld, um ihr den Universitätsbesuch zu ermöglichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An der University of Natal erwarb sie 1963 einen Bachelor of Arts und 1965 einen juristischen Abschluss. Doch als junge Juristin stieß sie weiterhin auf rassistische und geschlechtsspezifische Benachteiligung. 1967 eröffnete sie deshalb als erste nichweiße Frau in der Provinz Natal eine eigene Anwaltskanzlei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch dabei spielte gegenseitige Unterstützung eine Rolle. Ehemalige Studienkolleg*innen vermittelten ihr Fälle und halfen beim Aufbau ihrer beruflichen Existenz. <a href="https://www.wits.ac.za/news/latest-news/graduations/2022/genocide-gender-and-the-pursuit-of-justice.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rückblickend betonte Pillay 2022</a>, wie wichtig es sei, Unterschiede zu überwinden, Vielfalt zu respektieren und einander zu helfen.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gegen Apartheid, Folter und Entrechtung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Anwältin verteidigte Pillay Gegner*innen des Apartheidregimes und setzte sich für politische Gefangene ein. Ihre Arbeit trug dazu bei, Folter und die Folgen von Isolationshaft öffentlich zu machen. 1973 erstritt sie das Recht politischer Gefangener auf Zugang zu Rechtsbeistand. Später unterstützte sie Betroffene häuslicher Gewalt und engagierte sich für Frauenrechte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre akademische Ausbildung setzte sie an der Harvard Law School fort. Dort erwarb sie 1982 einen Master of Laws und 1988 als erste Person aus Südafrika einen rechtswissenschaftlichen Doktorgrad. 1992 gehörte sie zu den Mitgründerinnen der internationalen Frauenrechtsorganisation <a href="https://equalitynow.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Equality Now</a>. Nach dem Ende der Apartheid wurde sie 1995 als erste nichtweiße Frau Richterin am südafrikanischen High Court.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wegweisende Arbeit für internationale Gerechtigkeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im selben Jahr wechselte Pillay an den Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda. Dort war sie bis 2003 als Richterin tätig, ab 1999 als Präsidentin. Sie wirkte am wegweisenden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Akayesu-Urteil" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Urteil gegen Jean-Paul Akayesu</a> mit: Das Gericht erkannte an, dass Vergewaltigung und andere Formen sexueller Gewalt unter bestimmten Voraussetzungen Völkermord darstellen können. Damit wurde die strafrechtliche Aufarbeitung sexualisierter Gewalt entscheidend weiterentwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von 2003 bis 2008 arbeitete Pillay als Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Anschließend stand sie bis 2014 als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte an der Spitze des UN-Menschenrechtsbüros OHCHR. Ihr Einsatz galt dem Schutz grundlegender Rechte und der Bekämpfung von Diskriminierung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ubuntu als gesellschaftliche Verantwortung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der rechtlichen Aufarbeitung der Apartheid erhielt Ubuntu Bedeutung. Der Epilog der südafrikanischen Übergangsverfassung von 1993 stellte Verständigung, Wiedergutmachung und Ubuntu in den Fokus. Die Philosophie wurde damit zu einem wichtigen Bezugspunkt für gesellschaftliche Versöhnung und eine Gerechtigkeit, die auch die Wiederherstellung beschädigter Beziehungen berücksichtigt. <br><br>Navi Pillay ist bereits die fünfte Person aus Südafrika, die den Friedensnobelpreis erhält. Vor ihr wurden Albert Luthuli (1960), Desmond Tutu (1984) sowie <a href="https://afrika.info/leistungen/ubuntu-leadership/" data-type="page" data-id="45">Nelson Mandela</a> und Frederik Willem de Klerk (beide 1993) ausgezeichnet. Bei unterschiedlichen Lebenswegen und politischen Rollen verbindet sie ihr Beitrag zur Überwindung der Apartheid und ihrer Folgen. Pillay setzte diesen Einsatz auf internationaler Ebene fort – für Menschenrechte und die strafrechtliche Verfolgung schwerster Verbrechen. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Eingangszitat stammt aus ihrer Bram-Fischer-Gedenkvorlesung „Human Rights in Africa: Opportunities and Challenges“, die sie am 14. Februar 2013 an der Universität Oxford hielt. Darin würdigte Pillay Menschenrechtsverteidiger*innen und warb für inklusive Gesellschaften, in denen alle eine Stimme haben. Der vollständige Vortrag ist auf der <a href="https://www.ohchr.org/en/statements-and-speeches/2013/02/human-rights-africa-opportunities-and-challenges-bram-fischer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Website des UN-Menschenrechtsbüros OHCHR</a> dokumentiert.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Navi Pillay während eines Besuchs in Brasilien am 12. November 2009. Damals war sie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. (Foto: Antônio Cruz / Agência Brasil, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/br/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CC BY 3.0 BR</a>, via <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8434495" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wikimedia Commons</a>, Ausschnitt)</p>
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		<title>Technologie gegen den Hunger</title>
		<link>https://afrika.info/technologie-gegen-hunger-afrika/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Oct 2026 10:34:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mali]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von klimaresistentem Saatgut bis zu digitaler Beratung: Viele Lösungen für Afrikas Landwirtschaft gibt es bereits. Doch sie erreichen bislang zu wenige Betriebe. Debisi Araba erklärt, was ihrem breiten Einsatz im Weg steht.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von klimaresistentem Saatgut bis zu digitaler Beratung: Viele Lösungen für Afrikas Landwirtschaft gibt es bereits. Doch sie erreichen bislang zu wenige Betriebe. Debisi Araba erklärt, was ihrem breiten Einsatz im Weg steht.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Debisi Araba* | 7. Oktober 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kigali (IPS/afr) – Afrika entwickelt sich zum weltweit am schnellsten wachsenden Technologiemarkt. Sein Innovationssektor zieht zunehmend internationale Investitionen an. Die jüngste <a href="https://www.eib.org/en/press/all/2026-095-eib-commits-eur40-million-to-speedinvest-to-empower-africa-s-next-tech-champions-and-deepen-europe-african-innovation-ties" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zusage der Europäischen Investitionsbank über 40 Millionen Euro</a> für diesen Bereich unterstreicht das wachsende Vertrauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der technologische Aufschwung hat einige der hartnäckigsten Probleme des Kontinents bislang jedoch nicht gelöst: Hunger, Ernährungsunsicherheit und Armut. Die landwirtschaftliche Produktivität hängt nach wie vor stärker von der Ausweitung der Anbauflächen als von Innovationen und Effizienzsteigerungen ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kürzlich zu Ende gegangene <a href="https://afs-forum.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Africa Food Systems Forum</a> in Kigali befasste sich mit Investitionen in Afrikas Agrar- und Ernährungssysteme. Im Mittelpunkt standen politische Maßnahmen, die Investitionen anziehen, die Produktivität steigern, die Widerstandsfähigkeit gegenüber komplexen Krisen stärken und die Lebengrundlagen verbessern sollen. Auch bei der neunten <a href="https://aasw.faraafrica.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Africa Agriculture Science Week</a> in Abuja wurde eine Botschaft deutlich: Afrika muss wesentlich stärker in landwirtschaftliche Innovationssysteme und -kapazitäten investieren.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bis 2050 dürfte die Bevölkerung des Kontinents auf knapp 2,5 Milliarden Menschen anwachsen. Damit würde etwa ein Viertel der Weltbevölkerung in Afrika leben. Die rasche Urbanisierung und veränderte Ernährungsgewohnheiten lassen die Nachfrage nach Lebensmitteln steigen und eröffnen erhebliche Marktchancen. Klimaschocks und ein nur langsames Produktivitätswachstum bremsen jedoch die Fortschritte bei der Ernährungssicherheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Produktivitätsrückstand liegt nicht an einem Mangel an vielversprechenden Technologien. Vielmehr werden vorhandene Technologien zu selten eingesetzt und ergänzende Investitionen bleiben aus. Dazu belasten hohe Transaktionskosten sowohl landwirtschaftliche Betriebe als auch Märkte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den Fortschritt bei der Bekämpfung von Hunger und Armut in Afrika zu beschleunigen, bedarf es daher eines koordinierten Bündels technischer, institutioneller und soziopolitischer Innovationen. Diese müssen nicht nur die Erträge steigern, sondern auch die Systeme stärken, die Produktivitätsgewinne nachhaltig sichern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Politische Grundlagen für den technologischen Wandel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Afrika verfügt bereits über tragfähige politische Rahmenwerke, die einen technologisch gestützten Wandel fördern sollen. Die <a href="https://au.int/en/agenda2063/overview" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Agenda 2063</a>, der langfristige Entwicklungsplan des Kontinents für eine nachhaltige und inklusive wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung, räumt Technologie eine zentrale Rolle ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die <a href="https://au.int/en/documents/20200518/digital-transformation-strategy-africa-2020-2030" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Digitale Transformationsstrategie für Afrika</a> legt einen kontinentalen Rahmen fest. Digitale Technologien sollen zu inklusivem Wachstum beitragen, Arbeitsplätze schaffen, Armut verringern und die digitale Kluft verkleinern. Zugleich soll Afrika die Eigenverantwortung über seine digitale Zukunft behalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam mit der kürzlich verabschiedeten <a href="https://au.int/en/documents/20250109/kampala-caadp-declaration-building-resilient-and-sustainable-agrifood-systems" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kampala-Erklärung</a> bilden diese Rahmenwerke eine wichtige Grundlage, um den technologischen Fortschritt zu beschleunigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie kann Afrika nun den technologischen Sprung schaffen? Die Antwort liegt nicht in immer neuen Pilotprojekten. Vorhandene Technologien müssen systematisch verbreitet und in größerem Maßstab eingesetzt werden. Dafür braucht es abgestimmtes Handeln über Institutionen und Sektoren hinweg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die nächste technologische Entwicklungsstufe beruht somit nicht auf einem einzelnen Durchbruch. Entscheidend ist das Zusammenspiel biologischer, digitaler, technischer, ökologischer und institutioneller Innovationen – unterstützt durch politische und wirtschaftliche Bedingungen, die Skarlierbarkeit, gerechten Zugang und Widerstandsfähigkeit ermöglichen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Technologien für Afrikas Agarwandel breit einsetzen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bausteine für diesen Wandel sind auf dem Kontinent bereits zu sehen. Klimaresistentes Saatgut, präzise Bewässerung, KI-gestützte Beratungsplattformen und digitale Marktplätze kommen schon heute zum Einsatz. Viele der Werkzeuge, die Produktivität und Ernährungssicherheit stärken können, sind also vorhanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Mali und Senegal verbessern KI-gestützte Geodatenanalysen beispielsweise die Vorhersage von Ernteerträgen. Das hilft landwirtschaftlichen Betrieben, vorausschauender zu planen. Digitale Beratungsplattformen in Kenia unterstützen Entscheidungen und erleichtern den Marktzugang. So können Betriebe ihre Produktivität steigern und ihre Erzeugnisse besser verkaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Fortschritte bei genetisch veränderten Nutzpflanzen, etwa trockenheitstoleranten und schädlingsresistenten Sorten, können Ertragslücken verkleinern und die Widerstandsfähigkeit stärken. In Nigeria zeigen verbesserte Mais- und Augenbohnensorten bereits messbare Produktivitätsgewinne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Herausforderung besteht darin, Maßnahmen aufeinander abzustimmen und auszuweiten. Darauf weist auch der Report <a href="https://www.resakss.org/sites/default/files/ATOR_2025_Full%20Report.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">“Moving the Technology Frontiers in African Agrifood Systems”</a> der panafrikanischen Forschungsorganisation AKADEMIYA2063 hin. Der Bericht fordert gezielte Eingriffe im gesamten Agrar- und Ernährungssystem, damit bestehende und neue Technologien häufiger und wirksamer genutzt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Afrikas Weg zur technologischen Führungsrolle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Afrika verfügt über immer mehr Technologien und Lösungen, die einander ergänzen. Damit aus diesem Potenzial Fortschritte im gesamten Agrar- und Ernährungssystem werden, muss der Kontinent Maßnahmen in fünf Bereichen koordinieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erstens: in Innovationssysteme investieren.</strong> Zukunftstechnologien lassen sich ohne leistungsfähige wissenschaftliche Einrichtungen, verlässliche Finanzierung in Forschung und Entwicklung sowie kohärente Regulierungssysteme nicht breit einsetzen. Die Skalierung neuer Technologien erfordert langfristige öffentliche Investitionen und regionale Zusammenarbeit, nicht punktuelle Pilotprojekte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zweitens: Technologien strukturiert und inklusiv verbreiten.</strong> Diese setzen sich besonders gut durch, wenn sie über vertrauenswürdige Netzwerke zugänglich werden. Digital vernetzte Erzeugerorganisationen, eine gestärkte landwirtschaftliche Beratung sowie Dienstleistungsmodelle für Maschinen und Bewässerung können die Nachfrage bündeln und Zugangskosten senken. Sie können auch sicherstellen, dass benachteiligte Gruppen und kleinbäuerliche Betriebe nicht von den Vorteilen der Innovation ausgeschlossen werden</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Drittens: digitale Infrastruktur und Klimadaten ausbauen.</strong> Präzisionslandwirtschaft, digitale Zwillinge und KI-gestützte Prognosen benötigen verlässliche Geodaten, Wettermessnetze, miteinander kompatible Datenstandards und Internetverbindungen in ländlichen Gebieten. Öffentliche digitale Infrastruktur wird für die Landwirtschaft ebenso wichtig wie Straßen und Bewässerungskanäle.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Viertens: Klimaanpassung zum festen Bestandteil technologischer Strategien machen.</strong> Dürreresistente Nutzpflanzen, solarbetriebene Bewässerung, wassersparende Produktionssysteme, emissionsarme Tierhaltung und Innovationen für eine kreislauforientierte Bioökonomie sind keine bloßen Ergänzungen. Sie sind Voraussetzungen für widerstandsfähiges Wachstum auf einem Kontinent, der besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fünftens: Regierungsführung und Rechenschaftspflicht müssen mit dem Innovationstempo Schritt halten.</strong> Für den Umbau der afrikanischen Agrar- und Ernährungssysteme werden bis 2030 schätzungsweise jährlich <a href="https://www.mamopanel.org/news/press-release/2025/aug/7/new-report-outlines-innovative-finance-strategies-/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">77 Milliarden US-Dollar</a> benötigt. Koordinierte öffentlich-private Partnerschaften, harmonisierte Regulierungsrahmen und transparente Kontrollsysteme werden entscheidend sein, um privates Kapital zu mobilisieren, die Produktivität zu steigern, Innovationen auszuweiten und Reformen nachhaltig zu gestalten. Die landwirtschaftlichen Betriebe müssen dabei im Mittelpunkt stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit seinen riesigen Ackerflächen, jungen Arbeitskräften und wachsenden digitalen Kompetenzen ist Afrika in einer einzigartigen Position, um klimafreundliche und ressourcenschonende Modelle der Landwirtschaft zu entwickeln. Für den Wandel seiner Ernährungssysteme braucht der Kontinent keine neue Welle bahnbrechender Erfindungen. Er braucht den entschlossenen Übergang von vereinzelten Anwendungen zu einer Modernisierung des gesamten Systems. Die Aufgabe besteht nicht mehr darin, nur am Rand Neues auszuprobieren, sondern das System im großen Maßstab neu zu gestalten. (Ende)</p>



<p class="afrika-ubuntu-werte wp-block-paragraph"><strong>Dr. Debisi Araba</strong> ist Experte für Politik, Innovation und Strategie. Seit September 2025 leitet er als Geschäftsführer die panfafrikanische Forschungsorganisation <a href="https://akademiya2063.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">AKADEMIYA2063</a> in Kigali. Zuvor war er als Senior Consultant bei der Afrikanischen Entwicklungsbank tätig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Shutterstock.com</p>
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		<title>Dangotes Milliardenprojekt in Lamu</title>
		<link>https://afrika.info/dangote-raffinerie-lamu-landkonflikt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2026 16:10:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[Aliko Dangote]]></category>
		<category><![CDATA[Energie]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Lamu]]></category>
		<category><![CDATA[Landrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der nigerianische Unternehmer Aliko Dangote plant in Kenia eine der größten Ölraffinerien der Welt. Kurz vor dem Spatenstich ziehen 133 Menschen aus dem Landkreis Lamu vor Gericht. Sie fürchten um Land, das ihre Familien seit Generationen nutzen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der nigerianische Unternehmer Aliko Dangote plant in Kenia eine der größten Ölraffinerien der Welt. Kurz vor dem Spatenstich ziehen 133 Menschen aus dem Landkreis Lamu vor Gericht. Sie fürchten um Land, das ihre Familien seit Generationen nutzen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Martin Sturmer | 29. September 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oberndorf bei Salzburg (afr) – Es ist ein Börsengang der Superlative: Seit Mitte September werden Anteile an der Dangote Petroleum Refinery im Wert von rund 1,6 Milliarden US-Dollar angeboten. Die gesamte Raffinerie wird dabei mit rund 47 Milliarden Dollar bewertet. Gelingt die Platzierung, wäre es der größte Börsengang, den es bislang in Afrika gegeben hat.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nachfrage sei „enorm“, erklärte Aliko Dangote laut der Nachrichtenagentur <a href="https://www.reuters.com/business/energy/nigerias-dangote-says-lagos-refinery-ipo-attracts-enormous-investor-demand-2026-09-29/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Reuters</a> am 29. September 2026. Afrikas reichster Mann nannte aber keine konkreten Zeichnungszahlen. Die Einnahmen sollen unter anderem die weitere Expansion seines Ölgeschäfts finanzieren. Die Raffinerie bei Lagos soll ihre Kapazität auf 1,4 Millionen Barrel pro Tag verdoppeln. Und in Kenia plant Dangote bereits das nächste Milliardenprojekt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Lamu an der kenianischen Küste soll eine Raffinerie entstehen, die täglich 700.000 Barrel Rohöl verarbeiten kann. Die Kosten werden derzeit auf rund 15,5 bis 16 Milliarden Dollar geschätzt. Am 30. September 2026 soll Präsident William Ruto gemeinsam mit Dangote den symbolischen Spatenstich setzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch während in Lamu die Vorbereitungen für die Zeremonie laufen, beschäftigt das Projekt bereits ein Gericht. Nach Angaben der kenianischen Wirtschaftszeitung <a href="https://www.businessdailyafrica.com/bd/corporate/companies/lamu-locals-sue-over-displacement-ahead-of-refinery-launch-5612654" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Business Daily</a> haben 133 Bewohner*innen aus dem Dorf Mvinjeni in der Region Chandavai haben das kenianische Umwelt- und Landgericht angerufen. Sie sagen, dass ihre Familien Teile des für die Entwicklung vorgesehenen Gebietes seit Generationen bewohnen, bewirtschaften und als Weideland nutzen. Formelle Eigentumstitel besitzen viele von ihnen nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Raffinerie für Ostafrika</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Kenias Regierung ist die Raffinerie ein Schlüsselprojekt. Sie soll nicht nur den heimischen Markt versorgen, sondern Treibstoff für mehrere Länder der Region produzieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dangote hat ostafrikanischen Regierungen insgesamt bis zu 30 Prozent Beteiligung an dem Projekt angeboten. Kenia und Ruanda gehören zu den Ländern, die Interesse gezeigt haben. Dangote selbst will mit seinem Konzern 70 Prozent halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Präsident Ruto verbindet mit der Investition große Erwartungen. Am 10. Juli 2026 sagte er laut der keniansichen Zeitung <a href="https://www.the-star.co.ke/news/2026-07-10-ruto-lamu-refinery-will-create-60000-youth-job" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Star</a>, die Raffinerie könne bis zu 60.000 Arbeitsplätze schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Dangote wäre Lamu der nächste Schritt einer rasanten Expansion seines Energiegeschäfts. Seine Raffinerie bei Lagos wurde 2023 eröffnet. Bei einem Leistungstest im Juni 2026 verarbeitete sie nach <a href="https://www.reuters.com/business/energy/nigerias-dangote-refinery-tops-700000-barrels-day-test-2026-06-04/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Angaben des Unternehmens</a> mehr als 700.000 Barrel Rohöl täglich. Mittlerweile exportiert die Anlage Treibstoffe in andere afrikanische Länder sowie nach Europa, in die USA und nach Saudi-Arabien. Lamu soll dieses Modell für Ostafrika wiederholen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Familien ohne Grundbuch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Konflikt um Chandavai macht deutlich, wie kompliziert bereits die Landfrage ist. Die 133 Kläger*innen geben an, dass sie das betroffene Gebiet seit Generationen bewohnen und bewirtschaften. Auf dem Land befänden sich Häuser, Felder und Bäume, aber auch Moscheen, religiöse Stätten und Gräber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewohner*innen argumentieren, dass ihre tatsächliche Nutzung des Landes bei staatlichen Entscheidungen berücksichtigt werden müsse, auch wenn sie keine formellen Eigentumstitel besitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Klage werfen sie staatlichen Stellen vor, ihre Interessen bei der Entwicklung des Gebietes nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. Einige Familien seien durch frühere Infrastrukturprojekte bereits verdrängt worden. Sie verlangen unter anderem eine Erfassung der tatsächlich Betroffenen, eine Bewertung ihres Besitzes sowie Entschädigung und gegebenenfalls Umsiedlung, bevor weitere Arbeiten stattfinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über diese Vorwürfe und die geltend gemachten Landrechte hat das Gericht bislang nicht entschieden. Am 25. September 2026 ordnete Richterin Jane Onyango an, dass auf dem umstrittenen Grundstück LR No. 13061 im Gebiet Hindi/Manda Magogoni bis zur nächsten Anhörung am 14. Oktober 2026 der <a href="https://www.the-star.co.ke/news/2026-09-28-court-declines-to-stop-lamu-refinery-launch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bestehende Zustand gewahrt</a> werden muss . Einen ausdrücklichen Stopp der für den 30. September geplanten Zeremonie verfügte sie nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut <a href="https://www.reuters.com/business/energy/dangote-says-kenya-court-ruling-wont-halt-refinery-launch-may-affect-site-2026-09-29/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Reuters</a> erklärte die Dangote Group am 29. September, der Spatenstich werde deshalb wie vorgesehen stattfinden. Aktivitäten auf dem von der gerichtlichen Anordnung betroffenen Grundstück könnten allerdings eingeschränkt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Klarheit gefordert</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Widerstand in Lamu richtet sich dabei nicht grundsätzlich gegen Investitionen. Genau diese Unterscheidung betonen lokale Vertreter*innen. Sie verlangen vor allem Klarheit darüber, welches Land genau benötigt wird, wer Anspruch auf Entschädigung hat und wie Menschen vor Ort wirtschaftlich von der Raffinerie profitieren sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Frage nach Arbeitsplätzen beschäftigt die Region. Wie die staatliche <a href="https://www.kenyanews.go.ke/lamu-leaders-demand-priority-for-local-youth-in-sh2-2-trillion-refinery-project/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kenya News Agency</a> berichtet, haben Vertreter*innen aus Lamu gefordert, dass bei Beschäftigung und Aufträgen Menschen aus der Region bevorzugt berücksichtigt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Konflikt um die Industrialisierung im Lamu County ist nicht neu. Die Altstadt von Lamu, die zum UNESCO-Welterbe gehört, liegt in derselben Küstenregion. Der Landkreis ist seit Jahren ein Schwerpunkt des Lamu Port–South Sudan–Ethiopia Transport Corridor, kurz LAPSSET. Häfen, Straßen, Pipelines und Industrieanlagen sollen Kenias nördliche Küste stärker mit dem Hinterland und den Nachbarstaaten verbinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon lange vor Dangotes Plänen war innerhalb des Korridors eine Ölraffinerie vorgesehen. Eine <a href="https://nema.go.ke/wp-content/uploads/2025/03/SEA-037-Final-SEA-Report-MMW-min.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">strategische Umweltprüfung</a> ging dabei noch von einer wesentlich kleineren Anlage mit rund 125.000 Barrel Tageskapazität aus. Dangotes geplante Raffinerie wäre mit 700.000 Barrel mehr als fünfmal so groß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die ökologische Dimension ist bedeutend. Die Küstenregion verfügt über Mangroven, Korallenriffe und wichtige marine Lebensräume. Fischerei bildet für zahlreiche Haushalte eine wichtige Einkommensgrundlage. Welche konkreten Auswirkungen eine Raffinerie dieser Größenordnung hätte, lässt sich allerdings erst anhand der projektspezifischen Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung belastbar beurteilen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Woher kommt das Öl?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wirtschaftlich sind zentrale Fragen offen. Eine Raffinerie mit einer Kapazität von 700.000 Barrel pro Tag braucht enorme Mengen Rohöl. Kenia produziert derzeit noch kein Erdöl in kommerziellem Umfang. Als mögliche Lieferquellen gelten unter anderem die Ölvorkommen im kenianischen Turkana sowie Öl aus Uganda und Südsudan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für diese Optionen fehlt jedoch bislang die notwendige oder ausreichend ausgebaute Transportinfrastruktur. Alternativ könnte Rohöl per Schiff importiert werden. Damit wäre die Raffinerie stärker den Preisen und Schwankungen des internationalen Ölmarktes ausgesetzt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Präsident Ruto hat zudem eine Pipeline von den Ölfeldern im Lokichar-Becken in Turkana nach Lamu ins Gespräch gebracht. Doch auch dieses Vorhaben befindet sich nicht in einer Phase, in der es die Versorgung einer Raffinerie bereits sicherstellen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt die Finanzierung. Dangote will das Milliardenprojekt mit einer Mischung aus Eigenmitteln, Anleihen und Kapitalmarktfinanzierung stemmen. Der derzeit laufende Börsengang seiner nigerianischen Raffinerie zeigt, welche Dimensionen Dangotes Energiegeschäft inzwischen erreicht hat. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Aliko Dangote bei der Eröffnung der Dangote-Raffinerie am 22. Mai 2023 in Lekki, nahe der nigerianischen Metropole Lagos. (Foto: Aspectum, Shutterstock.com)</p>
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		<title>Junge Ideen gegen die Plastikflut</title>
		<link>https://afrika.info/junge-ideen-plastikflut-sierra-leone/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Sep 2026 05:15:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sierra Leone]]></category>
		<category><![CDATA[Elektroschrott]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Kreislaufwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Plastikmüll]]></category>
		<category><![CDATA[Recycling]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit kreativen Recyclingprojekten verwandeln junge Menschen in Sierra Leone Plastik- und Elektroschrott in Solarrucksäcke, Möbel und Baumaterialien. Damit bekämpfen sie die wachsende Umweltverschmutzung und schaffen zugleich Bildungs- und Einkommenschancen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit kreativen Recyclingprojekten verwandeln junge Menschen in Sierra Leone Plastik- und Elektroschrott in Solarrucksäcke, Möbel und Baumaterialien. Damit bekämpfen sie die wachsende Umweltverschmutzung und schaffen zugleich Bildungs- und Einkommenschancen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Madina Kula Sheriff | 25. September 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Freetown (IPS/afr) – Peter George wuchs im Bezirk Bo im Süden Sierra Leones auf. Schon als Kind beobachtete er, wie Menschen ausgediente Batterien und kaputte Bauteile von Elektrogeräten neben den Feldern seiner Großmutter entsorgten. Die ausgetretenen Chemikalien beeinträchtigten das Wachstum der Pflanzen und schmälerten die Erträge.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch diese Erfahrung weckte auch seine Neugier. George begann sich dafür zu interessieren, wie elektronische Geräte funktionieren und wie sich ausrangierte Bauteile wiederverwenden lassen. Schließlich fing er an, aus Elektroschrott Solarlampen für Schulkinder herzustellen. “Diese Lampen halfen den Schülern, nachts zu lernen, und wir spendeten auch einige an andere Kinder“, erzählt George.</p>



<h2 id="h-von-solarlampen-zu-rucksacken" class="wp-block-heading">Von Solarlampen zu Rucksäcken</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Plastikverschmutzung in Bo immer stärker sichtbar wurde, verlagerte George den Schwerpunkt seiner Tätigkeit. Statt ausschließlich Elektroschrott wiederzuverwenden, begann er, Kunststoffe zu recyceln und daraus Rucksäcke herzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Viele Menschen denken, dass die Plastikverschmutzung nur in Freetown ein Problem ist, doch das Problem ist auch in Provinzstädten wie Bo sehr gravierend”, sagt George. “Während der Regenzeit werden die Straßen überflutet, weil das Wasser aufgrund von Verstopfungen durch Plastikmüll nicht richtig in die Kanalisation abfließen kann. Das beeinträchtigt den Schulbetrieb und führt zur Abwanderung von Menschen.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">2018 gründete er „Ideal Technologies“, ein von Jugendlichen geführtes Unternehmen im Distrikt Bo, das Plastik- und Elektronikschrott zu solarbetriebenen Rucksäcken und Beleuchtungssystemen für Schulkinder verarbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit seinem Unternehmen will George gleich mehrere Probleme angehen: die zunehmende Plastikverschmutzung, den wachsenden Elektronikschrott und den mangelnden Zugang zu Elektrizität in Teilen Sierra Leones.</p>



<h2 id="h-plastikmull-und-elektroschrott-werden-zum-problem" class="wp-block-heading">Plastikmüll und Elektroschrott werden zum Problem</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Schätzungen der <a href="https://openknowledge.worldbank.org/entities/publication/ff83602f-caf7-4cdf-880d-95d41c2d8b39" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weltbank</a> fallen in Sierra Leone jährlich etwa 130.000 Tonnen Plastikmüll an. Ein großer Teil davon besteht aus Einweg-Plastikflaschen, Wasserbeuteln und Plastiktüten, die unter anderem die Küsten verschmutzen und die Meeresfauna schädigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Elektroschrott nimmt weltweit rapide zu. Dem <a href="https://ewastemonitor.info/the-global-e-waste-monitor-2024/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Global E-Waste Monitor 2024“</a>  zufolge fielen 2022 weltweit 62 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Weniger als 22,3 Prozent davon wurden offiziell gesammelt und recycelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Behörden Sierra Leones sehen in der Plastikverschmutzung eine wachsende Bedrohung für die Ökosysteme an der Küste und die Tourismusbranche des Landes. Trotz des Ausmaßes des Problems befinden sich Programme zur Bewirtschaftung von Plastikmüll jedoch noch in der Entwicklung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dinge, die andere als Abfall betrachteten, sah ich als Lösungen“, sagt George. Tagsüber werden seine Rucksäcke wie gewöhnliche Schultaschen getragen. Nachts ermöglicht die integrierte solarbetriebene Beleuchtung den Kindern in Gemeinden mit begrenzter Stromversorgung, auch nach Sonnenuntergang zu lernen.</p>



<h2 id="h-aus-kunststoffsabfallen-eine-lebensgrundlage-schaffen" class="wp-block-heading">Aus Kunststoffsabfällen eine Lebensgrundlage schaffen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Peter George weigert sich auch Manty Sulma Beckley aus Sierra Leones Hauptstadt Freetown, Kunststoff als das Ende des Lebenszyklus eines Produkts zu betrachten. Sie&nbsp; verarbeitet Kunststoffabfälle zu Alltagsgegenständen wie Einkaufstaschen, Körben, Stühlen oder Tischen. Der Verkauf dieser Produkte sichert ihren Lebensunterhalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Klimaaktivistin und Gründerin der „Beckma Empowerment Initiative“ entdeckte schon als Kind ihre Begeisterung für das Recycling. Ihre Tante zeigte ihr, wie man Möbel repariert und selbst herstellt. Inspiriert davon begann Beckley, zu Hause kaputte Stühle zu reparieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Nach und nach erwachte meine Leidenschaft dafür, Dinge zu erschaffen”, erzählt sie. “Als Erwachsene entwickelte sich diese Leidenschaft dann zu einer Initiative zum Kunststoffrecycling, nachdem ich miterlebt hatte, wie Plastikmüll Gemeinden in ganz Freetown zerstörte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um genügend Material für ihre Produkte zu bekommen, arbeitet Beckley mit Haushalten und jungen Müllsammler*innen in ihrer Gemeinde zusammen. Dennoch sei es schwierig, genügend recycelbaren Kunststoff zu beschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Selbst 50 volle Reissäcke mit Einwegplastik reichen nicht aus, um Gegenstände wie Ziegel, Körbe und andere Produkte herzustellen”, beklagt sie. “Das bedeutet, dass wir ständig mehr sammeln müssen,”</p>



<h2 id="h-fehlende-ausrustung-bremst-recycling" class="wp-block-heading">Fehlende Ausrüstung bremst Recycling</h2>



<p class="wp-block-paragraph">George und Beckley sehen im Recycling die Chance, Abfällen ein zweites Leben einzuhauchen und gleichzeitig Beschäftigungsmöglichkeiten und Einkommen zu schaffen. Doch fehlende finanzielle Unterstützung und der Mangel an geeigneter Ausrüstung bremsen ihre Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für George ist insbesondere die fehlende Ausstattung für eine Produktion in größerem Maßstab ein Hindernis. „Eine unserer größten Herausforderungen ist es, an die richtigen Werkzeuge und Geräte zu kommen”, berichtet er. “Wenn mehr in das Recycling investiert würde, insbesondere zugunsten junger Menschen, könnte dies die Situation bei Einwegkunststoffen erheblich verändern und den Abfallsammlern und Recyclingunternehmen ein Einkommen sichern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Beckley kommen weitere Hürden hinzu. Als Frau im Bereich Recycling und Innovation werde sie immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es gibt Leute, die an meinen Fähigkeiten zweifeln, weil ich eine Frau bin”, erzählt sie. “Manche sagen ganz offen, dass sie lieber mit einem Mann zusammenarbeiten würden.” Sie entgegnet ihnen dann meistens, dass alle Produkte, die sie auf ihrer <a href="https://www.facebook.com/manty.marah.9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Facebook-Seite</a> postet, von ihr persönlich angefertigt worden sind.</p>



<h2 id="h-hunderte-schulkinder-erreicht" class="wp-block-heading">Hunderte Schulkinder erreicht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den vergangenen zwei Jahren hat “Ideal Technologies” seine Arbeit ausgeweitet, insbesondere unter Schulkindern in unterversorgten Gemeinden. 2024 ging Georges Innovation in der vom UNDP und der Umweltschutzbehörde Sierra Leones organisierten <a href="https://www.undp.org/sierra-leone/news/beating-plastic-pollution-how-sierra-leones-waste-transformers-are-powering-change" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Youth-Led Innovation Challenge“</a>  als Sieger hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der damit verbundenen finanziellen Unterstützung konnte die Initiative ihre Arbeit auf weitere Gemeinden ausdehnen. „Durch Fördermittel aus dieser und anderen Initiativen haben wir mehr als 400 Schulkinder in ländlichen Gemeinden unterstützt”, sagt George. “Darin nicht enthalten sind Menschen, die wir über Partnerschaften oder Käufer im Ausland mit Produkten beliefert haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manty Sulma Beckley fordert mehr staatliche Unterstützung für von Jugendlichen geleitete Recycling-Initiativen. „Das ist meine Haupteinnahmequelle, und ich habe auch Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen geschaffen, die von mir gelernt haben”, sagt sie. “Einige von ihnen stellen nun selbständig Taschen und andere Recyclingprodukte her.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Müllsamler in Mabella, Freetown. Mabella ist informelles, dicht besiedeltes Küstenviertel in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone. (Foto: Simon Roughneen, Shutterstock.com)</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>“Angst und Unsicherheit”</title>
		<link>https://afrika.info/yonas-kedir-pressefreiheit-aethiopien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2026 17:14:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Äthiopien]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Yonas Kedir]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Yonas Kedir ist Chefredakteur des preisgekrönten äthiopischen Nachrichtenportals Addis Standard. Anfang August wurde er von Sicherheitskräften festgenommen und misshandelt. Im CIVICUS-Interview spricht er über den wachsenden Druck auf unabhängige Medien in Äthiopien.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Yonas Kedir ist Chefredakteur des preisgekrönten äthiopischen Nachrichtenportals Addis Standard. Anfang August wurde er von Sicherheitskräften festgenommen und misshandelt. Im CIVICUS-Interview spricht er über den wachsenden Druck auf unabhängige Medien in Äthiopien.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Redaktion |&nbsp;22. September 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Addis Abeba (IPS/afr) – In Tigray sind die Kämpfe wieder aufgeflammt und belasten das Friedensabkommen von 2022, das einen Krieg mit Hunderttausenden Toten beendete. Während sich Regierung und bewaffnete Gruppen gegenseitig die Schuld für die erneute Gewalt zuschieben, geraten unabhängige Journalist*innen, die darüber berichten wollen, zunehmend unter Druck. Reporter*innen, die über den Konflikt und seine Folgen berichten, sind Entführungen, Inhaftierungen, Schikanen und Überwachung ausgesetzt. Dadurch haben die Äthiopier*innen immer weniger Möglichkeiten, sich über die Geschehnisse zu informieren.</p>



<h2 id="h-wie-ist-die-aktuelle-lage-in-athiopien" class="wp-block-heading">Wie ist die aktuelle Lage in Äthiopien?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Yonas Kedir:</strong> Äthiopien steht vor einer sich überschneidenden humanitären, politischen und sicherheitspolitischen Krise. In den Bundesstaaten Amhara und Oromia halten die bewaffneten Konflikte an, während Tigray weiterhin unter den Folgen des verheerenden <a href="https://lens.civicus.org/ethiopia-no-peace-no-justice/">Krieges von 2020 bis 2022</a> leidet. Vertreibungen gehen weiter, territoriale Streitigkeiten sind nach wie vor ungelöst, und das Friedensabkommen wurde nur teilweise umgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bewaffnete Konflikte und Unsicherheit haben sich auch auf Benishangul-Gumuz, Gambela und andere Teile Äthiopiens ausgebreitet. Die Spannungen zwischen der äthiopischen Zentralregierung und den Behörden Tigrays haben sich verschärft. Die Regierung wirft Eritrea vor, die Volksbefreiungsfront von Tigray und andere bewaffnete Gruppen zu unterstützen. Die Beziehungen zu Eritrea sind angespannt, insbesondere aufgrund von Streitigkeiten über den Zugang zum Roten Meer und die regionale Sicherheit. Äthiopien gerät zudem wegen seiner mutmaßlichen Rolle im <a href="https://lens.civicus.org/sudan-blood-on-the-hands-of-foreign-powers/">sudanesischen Bürgerkrieg</a> zunehmend unter Beobachtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung behauptet, Äthiopien sehe sich einer antiföderalen Militärbewegung gegenüber, an der Eritrea, Sudan, die Oromo-Befreiungsarmee, die Tigray-Streitkräfte und Fano, eine nationalistische Miliz der Amhara, beteiligt seien. Sie wirft ihnen vor, als Bündnis gegen die Zentralregierung zu arbeiten. Diese Behauptungen sind höchst umstritten, prägen aber die Darstellung der Sicherheitslage durch die Regierung.</p>



<h2 id="h-warum-werden-journalist-innen-ins-visier-genommen-und-warum-nimmt-der-druck-zu" class="wp-block-heading">Warum werden Journalist*innen ins Visier genommen, und warum nimmt der Druck zu?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Yonas Kedir:</strong> Journalist*innen werden ins Visier genommen, weil unabhängige Berichterstattung die offizielle Darstellung infrage stellen und Missstände, Gewalt gegen Zivilist*innen und das Vorgehen der Regierung aufdecken kann. Wenn Journalist*innen mutmaßliche Übergriffe durch Regierungskräfte untersuchen, stellen die Behörden ihre Arbeit als Gefährdung der nationalen Sicherheit Äthiopiens oder als Dienst an ausländischen Interessen dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tendenz, unabhängigen Journalismus als Bedrohung der nationalen Sicherheit zu betrachten, nimmt zu. Regierungsbeamte fordern die Medien häufig auf, dem nationalen Interesse und der nationalen Einheit Priorität einzuräumen, während kritische Berichterstattung über sensible Themen als grundsätzlich schädlich für das Land eingestuft wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.amnesty.org/en/latest/news/2026/05/ethiopian-authorities-have-intensified-their-crackdown-on-press-freedom/">Amnesty International</a> und <a href="https://www.hrw.org/news/2026/08/06/ethiopias-growing-assault-on-independent-media">Human Rights Watch</a> haben eine sich verschlechternde Lage für unabhängige Medien dokumentiert. Dazu gehören Inhaftierungen, Einschüchterungen, Einschränkungen und die Verwendung weit gefasster Argumente der nationalen Sicherheit und des nationalen Interesses gegen kritische Berichterstattung. In diesem Kontext kann legitime Berichterstattung im öffentlichen Interesse von Behörden oder Politiker*innen als Parteilichkeit interpretiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Druck hat sich verstärkt, weil mehrere politisch sensible Themen gleichzeitig zusammenkommen. Dazu gehören das politische Umfeld, die Sicherheitslage, die ungelösten Folgen des Tigray-Krieges, Spannungen mit Eritrea und Sudan sowie Debatten über Äthiopiens verfassungsrechtliche und politische Zukunft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngsten Wahlen fanden in einem stark umkämpften politischen Umfeld statt, da mehrere große Oppositionsparteien den Wahlprozess boykottierten. Dies hat Fragen hinsichtlich der Inklusivität und der breiteren politischen Legitimität des Wahlprozesses aufgeworfen, insbesondere in einem Kontext, in dem der politische Spielraum für Oppositionelle und unabhängige Stimmen weiterhin eingeschränkt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Problematik macht unabhängige Berichterstattung besonders wichtig, führt aber auch dazu, dass der Journalismus über Themen von Regierung und Politik zunehmend heikel wird.</p>



<h2 id="h-warum-wurden-sie-festgenommen-und-was-geschah-wahrend-ihrer-haft" class="wp-block-heading">Warum wurden Sie festgenommen und was geschah während Ihrer Haft?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Yonas Kedir:</strong> Ich weiß nicht genau, wer meine Inhaftierung angeordnet hat, und ich kann auch das genaue Motiv nicht ermitteln. Doch die mir gestellten Fragen und die Umstände lassen stark vermuten, dass meine journalistische Arbeit eine zentrale Rolle spielte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. August wurde ich von Sicherheitskräften festgenommen und misshandelt. Mir wurden die Augen verbunden, und ich wurde etwa 24 Stunden lang festgehalten. Sie befragten mich zu meiner Arbeit und zur Berichterstattung des Addis Standard. Während meiner Haft durchsuchten Sicherheitskräfte die Redaktionsräume des Addis Standard und beschlagnahmten Kameras und andere Ausrüstung. Auch meine Wohnung wurde durchsucht und Firmen- sowie Privateigentum konfisziert. Ich wurde am nächsten Tag freigelassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich ging es um mehr als nur um mich selbst. Die Tatsache, dass ich zu meiner Arbeit befragt und Ausrüstung beschlagnahmt wurde, gibt Anlass zur Sorge um die Sicherheit aller Journalist*innen und die Freiheit unabhängiger Medien.</p>



<h2 id="h-welchen-bedingungen-sind-journalist-innen-in-athiopien-ausgesetzt-und-welche-folgen-hat-der-verlust-unabhangiger-berichterstattung" class="wp-block-heading">Welchen Bedingungen sind Journalist*innen in Äthiopien ausgesetzt, und welche Folgen hat der Verlust unabhängiger Berichterstattung?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Yonas Kedir:</strong> Journalist*innen in Äthiopien arbeiten in einem Umfeld der Angst und Unsicherheit. Sie sind mit administrativen Einschränkungen, Verhaftungen, Inhaftierungen, Schikanen, Online-Einschüchterungen, physischen Angriffen und Überwachung konfrontiert. Dies gilt insbesondere für Journalist*innen in Konfliktgebieten, wo der Zugang eingeschränkt sein kann, Quellen oft aus Angst vor Repressalien nicht aussagen und Journalist*innen von verschiedenen Seiten unter Druck stehen – nicht nur von den Bundesbehörden, sondern auch von bewaffneten und politischen Gruppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies fördert die Selbstzensur. Journalist*innen meiden bestimmte Themen, schwächen ihre Wortwahl ab oder verzichten auf die Veröffentlichung von Informationen, die sie selbst, Kolleg*innen oder Quellen gefährden könnten. Dadurch haben die Menschen nur sehr eingeschränkten Zugang zu verlässlichen Informationen über Entscheidungen, die ihr Leben betreffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unabhängiger Journalismus bietet die Möglichkeit, mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen, zivile Opfer, Vertreibung und humanitäre Notlagen zu dokumentieren. Ein gesundes Informationsumfeld ist unerlässlich für eine sinnvolle öffentliche Beteiligung, den nationalen Dialog und die Friedensförderung. Wird die unabhängige Berichterstattung geschwächt, verlieren Opfer und Gemeinschaften ihre Plattform, um ihre Bedenken öffentlich zu äußern. Es wird zudem schwieriger, verifizierte Informationen von Desinformation, Propaganda und politisch motivierten Darstellungen zu unterscheiden.</p>



<h2 id="h-welche-unterstutzung-benotigen-athiopische-journalist-innen-und-die-zivilgesellschaft" class="wp-block-heading">Welche Unterstützung benötigen äthiopische Journalist*innen und die Zivilgesellschaft?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Yonas Kedir:</strong> Die internationale Gemeinschaft sollte dazu beitragen, stärkere Schutz- und Schnellreaktionsmechanismen für Journalist*innen aufzubauen, wenn diese angegriffen, festgenommen oder bedroht werden. Zudem sollte sie auf eine wirksame Rechenschaftspflicht für Übergriffe gegen Journalistinnen und Medienorganisationen drängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Internationale Partner sollten Medienorganisationen rechtliche und institutionelle Unterstützung gewähren, um willkürliche Lizenzentzüge, rechtswidrige Beschränkungen und andere Formen administrativen Drucks anzufechten. Sie sollten die Bemühungen zur Stärkung der Unabhängigkeit der äthiopischen Justiz unterstützen, damit diese Grundrechte schützen und wirksame Rechtsmittel bereitstellen kann, wenn staatliche Institutionen rechtswidrig handeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Internationale Partner sollten dem Schutz des Rechts der Menschen auf Organisation zur Vertretung ihrer Anliegen, Beschwerden und Interessen höchste Priorität einräumen, da dies für eine friedliche politische Teilhabe unerlässlich ist. Die Erweiterung des zivilgesellschaftlichen Handlungsspielraums kann Friedensprozesse und Friedenssicherung stärken, während die Unterdrückung dieser Rechte zur Eskalation von Konflikten beitragen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich sollten internationale Partner den zivilgesellschaftlichen Raum in Äthiopien weiterhin beobachten, mit den Behörden zusammenarbeiten und unabhängige Untersuchungen unterstützen. Berichte über Menschenrechtsverletzungen dürfen nicht als Bedrohung nationaler Interessen betrachtet werden. Sie gehören zum Informationsrecht der Öffentlichkeit. Das internationale Engagement sollte sich zudem nicht nur darauf beschränken, ob Verfassungsinitiativen, Wahlen und nationale Dialogprozesse formal stattfinden. Es sollte auch prüfen, ob diese Prozesse tatsächlich inklusiv, partizipativ und grundrechtskonform sind. (Ende)</p>



<p class="afrika-ubuntu-werte wp-block-paragraph"><a href="https://www.civicus.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CIVICUS</a> ist eine weltweite Allianz von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Aktivist*innen mit Hauptsitz in Johannesburg, Südafrika. Die Interviews mit zivilgesellschaftlichen Aktivist*innen, Expert*innen und Führungskräften sollen unterschiedliche Perspektiven auf zivilgesellschaftliches Handeln und aktuelle Themen ermöglichen. Die geäußerten Ansichten sind jene der Interviewpartner*innen und spiegeln nicht zwangsläufig die Ansichten von CIVICUS wider.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Zeitungsleser in Addis Abeba (Foto: Terje Skerdal, Joseph Girmay, <a href="https://www.flickr.com/photos/65498764@N00/91389965/in/gallery-33718942@N07-72157713269999058/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Flickr</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CC BY 2.0</a>, Ausschnitt)</p>
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