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		<title>Sudan: Gold und Gummi für den Krieg</title>
		<link>https://afrika.info/sudan-gold-und-gummi-fuer-den-krieg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Aug 2026 08:05:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sudan]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gold und Gummi arabicum zählen zu den wichtigsten Exportgütern des Sudan. Ein neuer UN-Bericht zeigt jedoch, wie beide Rohstoffe zunehmend zur Finanzierung des Bürgerkriegs beitragen – mit verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gold und Gummi arabicum zählen zu den wichtigsten Exportgütern des Sudan. Ein neuer UN-Bericht zeigt jedoch, wie beide Rohstoffe zunehmend zur Finanzierung des Bürgerkriegs beitragen – mit verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Oritro Karim | 4. August 2027</p>



<p class="wp-block-paragraph">New York (IPS/afr) – Drei Jahre nach Ausbruch des sudanesischen Bürgerkriegs hat sich die humanitäre Lage dramatisch verschlechtert. Die Vereinten Nationen werfen beiden Konfliktparteien gravierende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht vor. Dazu zählen gezielte Angriffe auf Zivilist*innen in Wohngebieten, weit verbreitete sexuelle Gewalt sowie Attacken auf kritische Infrastruktur, die humanitäre Hilfe erschweren und ganze Gemeinschaften an den Rand des Zusammenbruchs bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um ihre steigenden Militärausgaben zu finanzieren, greifen die Konfliktparteien zunehmend auf die Ausbeutung von Rohstoffen, Handelswegen und wirtschaftlich bedeutenden Regionen zurück. Humanitäre Expert*innen warnen deshalb vor einer sich zunehmend selbst tragenden Kriegswirtschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sudans riesiger Reichtum an natürlichen Ressourcen sollte der Bevölkerung zugutekommen. Bedauerlicherweise ist das, was wir heute beobachten, alles andere als das. Tatsächlich dient dieser Reichtum nur dazu, die Menschenrechte zu untergraben und Konflikte anzuheizen, was Leid und Elend in enormem Ausmaß mit sich bringt“, sagt der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk. „Diese Kriegswirtschaft muss unterbunden werden, und die internationale Gemeinschaft muss den Rohstoffen und Handelsrouten, die zu ihrer Aufrechterhaltung beitragen, viel mehr Aufmerksamkeit schenken.“</p>



<h2 id="h-gummi-arabicum-als-treibstoff-des-krieges" class="wp-block-heading">Gummi arabicum als Treibstoff des Krieges</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 15. Juli veröffentlichte das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) den Bericht &#8222;<a href="https://www.ohchr.org/en/stories/2026/07/hidden-cost-gum-arabic-inside-sudans-war-economy">Business and Human Rights in Conflict: Gum Arabic from Sudan</a>&#8220; (Wirtschaft und Menschenrechte in Konflikten: Gummi arabicum aus dem Sudan). Darin wird aufgezeigt, wie der illegale Handel mit Gummi arabicum zur Finanzierung sowohl der Rapid Support Forces (RSF) als auch der sudanesischen Streitkräfte (SAF) beiträgt. Darüber hinaus beschreibt der Bericht, wie beide Konfliktparteien erhebliche Einnahmen aus Gold, Vieh und weiteren Rohstoffen erzielen, indem sie Fördergebiete sowie Transport- und Handelsrouten kontrollieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gummi arabicum zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Exportgütern des Sudan. Der aus der Rinde und den Zweigen verschiedener Akazienarten gewonnene Naturstoff wird weltweit in Lebensmitteln, Getränken, Kosmetika und Arzneimitteln verwendet. Für mehr als fünf Millionen Menschen im Sudan bildet seine Gewinnung die wirtschaftliche Lebensgrundlage und ist tief in den ländlichen Gemeinschaften verankert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2023 entfielen rund 70 bis 80 Prozent der weltweiten Rohgummi-arabicum-Exporte auf den Sudan. Der jährliche Exportwert erreichte bis zu 183 Millionen US-Dollar. Heute liegen große Teile des sogenannten Gummi-Arabicum-Gürtels – insbesondere in Kordofan und Darfur – in Gebieten, die von der RSF oder der SAF kontrolliert werden.</p>



<h2 id="h-gewalt-entlang-der-handelsrouten" class="wp-block-heading">Gewalt entlang der Handelsrouten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bericht zeigt, dass die vom Gummi-arabicum-Handel abhängigen ländlichen Gemeinden erheblichen Sicherheitsrisiken und schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind. Dazu zählen Plünderungen, Erpressung und willkürliche Inhaftierungen. Gleichzeitig verschlechtert sich der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, Bildung und Gesundheitsversorgung zunehmend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Händler*innen entlang der Handelskorridore durch die von der RSF kontrollierten Gebiete in Darfur und Kordofan berichten von Warenbeschlagnahmungen, überhöhten Abgaben und Gewalt. Laut OHCHR werden beträchtliche Mengen Gummi arabicum aus West-Kordofan und Darfur über den Südsudan nach Juba sowie in den Tschad, nach Kamerun und Kenia umgeleitet.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vereinten Nationen berichten zudem, dass die RSF geplündertes Gummi arabicum häufig als Ersatz für reguläre Soldzahlungen verwendet. Zwischen Jänner und Juni 2024 sollen auf diese Weise rund 3.700 Tonnen geplündert worden sein.</p>



<h2 id="h-gold-als-wichtigste-finanzierungsquelle" class="wp-block-heading">Gold als wichtigste Finanzierungsquelle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Gummi arabicum identifiziert das OHCHR Gold als wichtigsten Motor der sudanesischen Kriegswirtschaft. Der Rohstoff gilt als „finanziell bedeutendster Rohstoff im Exportbereich“ und stellt die wichtigste Einnahmequelle sowohl für die RSF als auch für die SAF dar.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der sudanesischen Zentralbank und der Sudanese Mineral Resources Company wurden 2024 in den von der SAF kontrollierten Gebieten rund 65 Tonnen Gold gefördert. Davon wurden 28 Tonnen über Port Sudan exportiert. Die Erlöse beliefen sich auf etwa 1,6 Milliarden US-Dollar und machten 48,5 Prozent der gesamten Exporte des Landes aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die Goldproduktion 2025 auf 70 Tonnen anstieg, wurde weiterhin ein erheblicher Teil außer Landes geschmuggelt. Dem Bericht zufolge wurden 2024 lediglich 52 Prozent der Goldexporte über offizielle Kanäle abgewickelt. Gleichzeitig fördern und handeln mit der RSF verbundene Wirtschaftsakteure weiterhin Gold aus Darfur und Kordofan. Zu Beginn des Konflikts hatte die RSF zudem mehr als 1,3 Tonnen Rohgold beschlagnahmt.</p>



<h2 id="h-appell-an-staaten-und-unternehmen" class="wp-block-heading">Appell an Staaten und Unternehmen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Gold ist der wichtigste und entscheidende finanzielle Treiber, während Gummi arabicum für zusätzliche Liquidität sorgt und verdeutlicht, wie sich der Krieg auf Agrarrohstoffe und globale Handelswege ausgeweitet hat“, sagte Dr. Abdelmonem Mukhtar, Geschäftsführer des Centre for Evidence and Data-Based Policy. „Sollte sich herausstellen, dass eine Lieferkette direkt oder indirekt zur Finanzierung von Konfliktparteien beiträgt, können neben Reputations- und Geschäftsrisiken auch regulatorische, zivilrechtliche oder ethische Verantwortlichkeiten entstehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Türk betonte die Notwendigkeit einer strengeren Aufsicht und forderte die UN-Mitgliedstaaten auf, Rechenschaftspflicht und Kontrollmechanismen auszubauen. Ziel sei es, sicherzustellen, dass der Rohstoffhandel im Sudan nicht zur Finanzierung von Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht beiträgt, sondern stattdessen zur Linderung des Leids der Zivilbevölkerung. Zugleich appellierte er an Unternehmen, den Schutz der Menschenrechte stärker in den Mittelpunkt ihrer Geschäftstätigkeit zu stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Unternehmen können nicht einfach wie gewohnt weitermachen, wenn sie aus konfliktbetroffenen Wertschöpfungsketten beziehen“, sagte Türk. „Sie sollten eine verstärkte, konfliktsensible Sorgfaltspflicht für Menschenrechte walten lassen, einschließlich einer strengeren Überprüfung von Transportwegen, Zwischenhändlern, Dokumentation und möglicher Umkennzeichnung, und sicherstellen, dass betroffene Menschen Zugang zu sicheren und wirksamen Beschwerde- und Reaktionsmechanismen haben.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Goldsucher im Sudan (Foto: Maciek67, Shutterstock.com)</p>
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		<title>Benin: Salzgewinnung im Wandel</title>
		<link>https://afrika.info/benin-salzgewinnung-im-wandel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jul 2026 09:18:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Benin]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Neha Banka]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über Jahrhunderte wurde Salz an Benins Küste mit Feuer und Mangrovenholz gewonnen. Heute setzen immer mehr Frauen auf Sonnenenergie. Ein internationales Projekt verbindet Tradition mit Nachhaltigkeit und stärkt Gesundheit, Umwelt und Einkommen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über Jahrhunderte wurde Salz an Benins Küste mit Feuer und Mangrovenholz gewonnen. Heute setzen immer mehr Frauen auf Sonnenenergie. Ein internationales Projekt verbindet Tradition mit Nachhaltigkeit und stärkt Gesundheit, Umwelt und Einkommen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Neha Banka | 9. Juli 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ouidah (IPS/afr) – Es ist kurz vor Mittag. Am Strand nahe dem Dorf Djégbadji im Westen Benins sitzt eine Gruppe von Frauen und siebt Salz, das sie aus dem Wasser des Golfs von Guinea gewonnen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Große Betonbecken, die mit schwarzen Planen abgedeckt sind, tragen weiße Salzablagerungen – ein Zeichen dafür, dass das Meerwasser unter der heißen Mittagssonne langsam verdunstet. Anders als früher wird dafür jedoch kein Feuer mehr benötigt: Die Frauen nutzen Sonnenenergie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Salzgewinnung zählt zu den wichtigsten Einkommensquellen im Süden Benins. Die Frauen arbeiten im Rahmen des Projekts ProSEL Benin – einer Kooperation der Regierung von Benin mit dem <a href="https://www.ibsa-trilateral.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">trilateralen IBSA-Forum</a> von Indien, Brasilien und Südafrika sowie des <a href="https://www.undp.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen</a> (UNDP). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ziel des Projekts ist es, lokale salzproduzierende Gemeinschaften beim Zugang zu nachhaltigen Energiequellen zu unterstützen und mittelständische Unternehmen für die Produktion und Vermarktung von lokalem Jodsalz aufzubauen.</p>



<h2 id="h-jahrhundertealte-tradition" class="wp-block-heading">Jahrhundertealte Tradition</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„In den Küstenregionen Benins gewinnen Frauen Salz aus den Küstenmarschen”, erklärt Robina Marks, die von 2021 bis 2024 als südafrikanische Botschafterin in Benin und Togo tätig war und maßgeblich an der Umsetzung des von IBSA unterstützten Projekts beteiligt war. “Sie errichten kleine Hütten und kochen Salzwasser in großen Kesseln über offenem Feuer im Inneren der Hütte. Das ist sehr ungesund. Das so gewonnene Salz verkaufen sie dann auf den Märkten und am Straßenrand.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die traditionelle Methode der Salzgewinnung und -verarbeitung wird in Benin seit mindestens dem 15. Jahrhundert praktiziert – überwiegend von Frauen. Dabei sammeln sie salzhaltige Erde, verdampfen das Wasser und filtern die Sole mithilfe von verbranntem Mangrovenholz.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Arbeitsweise belastet die Gesundheit der Frauen sowohl durch die Art der Salzgewinnung als auch durch die Bedingungen, unter denen das Salz verarbeitet wird. Mit dem ProSEL-Benin-Projekt soll diese jahrhundertealte Praxis behutsam weiterentwickelt und der Prozess der Salzgewinnung gesünder sowie umweltfreundlicher gestaltet werden.</p>



<h2 id="h-abholzung-von-mangroven-fur-salzgewinnung" class="wp-block-heading">Abholzung von Mangroven für Salzgewinnung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Gemeinden an der Küste ist die Salzgewinnung eine wichtige Einnahmequelle. Gleichzeitig trägt die traditionelle Herstellung erheblich zur Abholzung der Mangroven bei. Nach Schätzungen von ProSEL Benin werden jedes Jahr rund 20.000 Kubikmeter Mangrovenholz in den Küstenregionen des Landes als Brennstoff für die traditionelle Salzgewinnung gefällt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">UNDP und die Regierung Benins begannen bereits vor rund fünf Jahren mit Gesprächen über die Einführung der neuen Methode. „Die Idee kam aber von den Menschen vor Ort, die diese Bedürfnisse hatten&#8220;, berichtet Aoualé Mohamed Abchir, der von 2020 bis 2024 als UNDP-Repräsentant in Benin tätig war. &#8222;Die Regierung von Benin entwickelte das Projekt und wollte mit dem UNDP zusammenarbeiten.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben Abchirs unterstützt ProSEL Benin drei der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030: Geschlechtergleichstellung, menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum sowie verantwortungsvollen Konsum und nachhaltige Produktion. Ziel ist es, Frauen in ländlichen Regionen Benins dabei zu helfen, sauberes Salz herzustellen und zu vermarkten, um ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit zu stärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 bewilligte der Verwaltungsrat des IBSA-Fonds für Armuts- und Hungerbekämpfung dem UNDP eine Million US-Dollar für die Umsetzung des Projekts. IBSA ist eine trilateral finanzierte Entwicklungsorganisation des Globalen Südens, die 2004 von Indien, Brasilien und Südafrika gegründet wurde.</p>



<h2 id="h-hohe-kulturelle-bedeutung" class="wp-block-heading">Hohe kulturelle Bedeutung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als die heute 60-jährige Cécile Koffi erstmals mit dem Salzprojekt in Berührung kam, dauerte es eine Weile, bis sie bereit war, von der traditionellen Methode der Salzgewinnung abzuweichen. „Salz hat viele Funktionen und ist für die Frauen dieser Gemeinschaft von grundlegender Bedeutung“, sagt Koffi, während sie ihr gewonnenes Salz betrachtet.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Benin besitzt Salz eine hohe kulturelle Bedeutung, die weit über seine Verwendung als Lebensmittel hinausgeht. „Es wird nicht nur als Nahrungsmittel verwendet, sondern hat auch eine kulturelle Bedeutung”, erläutert Robina Marks. “Es gilt als heilig und wird in vielen Vodoun-Praktiken eingesetzt.”</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/07/prosel-benin-ips-1-1200-800-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-5843" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/07/prosel-benin-ips-1-1200-800-1024x768.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/07/prosel-benin-ips-1-1200-800-300x225.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/07/prosel-benin-ips-1-1200-800-768x576.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/07/prosel-benin-ips-1-1200-800-640x480.jpg 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/07/prosel-benin-ips-1-1200-800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gemeinsam mit anderen Frauen arbeitet Cécile Koffi mit der neuen Methode der Salzgewinnung, für die kein Feuerholz mehr benötigt wird. (Foto: Neha Banka/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Cécile Koffi gibt einen kleinen Einblick in die Rituale: „Wenn wir zum Markt gehen, um unsere Produkte zu verkaufen, streuen wir Salz auf den Boden und kehren es zusammen, bevor wir unseren Stand aufbauen. Wir glauben, dass dadurch alle bösen Geister verschwinden.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese tief verwurzelten kulturellen Überzeugungen waren einer der Gründe, warum es schwierig war, die Frauen für Veränderungen zu gewinnen und sie für das ProSEL-Benin-Projekt zu begeistern.</p>



<h2 id="h-xwlaje-auf-dem-weg-zur-marke" class="wp-block-heading">Xwlajè: Auf dem Weg zur Marke</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Name Xwlajè ist eng mit der ethnischen Gruppe der Xwla verbunden“, erklärt Luc Obale, nationaler Projektleiter von ProSEL Benin. Die Arbeit der Salzproduzentinnen unterliegt zahlreichen traditionellen Regeln und Verboten, etwa in Bezug auf Arbeitstage oder Dorfgottheiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung Benins arbeitet daran, das Salz zertifizieren zu lassen, damit es künftig unter dem Label „Xwlajè“ verkauft werden kann und so seine kulturelle Herkunft sichtbar macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die alte Methode ist die traditionelle Art der Salzgewinnung und hat daher eine besondere Bedeutung”, sagt Abchir. “Manchmal befürchten manche Menschen negative Folgen, wenn man die Produktionsweise ändert. Die Frauen hätten das Salz direkt aus dem Meer gewinnen können, aber es gibt einen Grund, warum sie das vor dem Projekt nicht getan haben.“</p>



<h2 id="h-menschen-fur-den-wandel-gewinnen" class="wp-block-heading">Menschen für den Wandel gewinnen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das ProSEL-Projekt in Benin ist nicht das erste Vorhaben, das die lokale Salzgewinnung sauberer und umweltverträglicher gestalten will. Nach Einschätzung von Cessi Marlene Capo-Chichi, Projektkoordinatorin beim UNDP, war es jedoch besonders erfolgreich, weil es den Verantwortlichen gelang, die Menschen vor Ort für den Wandel zu gewinnen. „Organisationen haben Schwierigkeiten, die lokale Bevölkerung davon zu überzeugen, ihre Gewohnheiten zu ändern“, sagt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rund 500 Meter vom ProSEL-Projekt entfernt, innerhalb der Grenzen des Dorfes Djégbadji, liegt eine Küstenlagune. Dort gewinnen Frauen in einem Geflecht aus strohgedeckten Hütten weiterhin auf traditionelle Weise Salz. „Diese Art der Salzgewinnung ist mühsamer“,&nbsp; sagt die 45-jährige Julienne Dekon, während sie einen schweren Korb aus Schilfrohr hebt, der mit salzhaltiger Erde aus den umliegenden Sümpfen gefüllt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute verbietet die Regierung Benins das Fällen von Mangroven zur Brennholzgewinnung. Stattdessen werden die Frauen ermutigt, getrocknete Palmblätter und Kokosnussschalen als Brennstoff zu verwenden.</p>



<h2 id="h-festhalten-an-traditioneller-salzgewinnung" class="wp-block-heading">Festhalten an traditioneller Salzgewinnung </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dekon möchte dennoch an der traditionellen Methode festhalten, obwohl viele ihrer Freundinnen nach dem Beitritt zum ProSEL-Projekt inzwischen auf die Salzgewinnung aus Meerwasser umgestiegen sind. Als sie in ihrer Hütte beginnt, das Salzwasser zu kochen, füllt dichter Rauch den kleinen Raum. „Wenn ich viel arbeiten muss, werde ich müde”, erzählt Julienne Dekon, “aber ich weiß nicht viel darüber, wie sich das auf meine Gesundheit auswirkt.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erläutert, warum sie nicht auf die neue Methode umsteigen möchte. “Ich kann auch bei Regen Salz gewinnen, da ich die Erde sammle und drinnen mit dem Kochen beginne. Die beiden Systeme sind zu unterschiedlich“, erklärt Dekon und verweist auf die offenen, wetterabhängigen Verdunstungsbecken am Meer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch die traditionelle Salzgewinnung stößt in der Regenzeit an ihre Grenzen. Von April bis August stehen die tiefer gelegenen Küstensümpfe regelmäßig unter Wasser, auch zwischen September und November kommt es zu Niederschlägen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir drängen die Frauen zum Umstieg auf das ProSEL-System, da das Gebiet, in dem das Salz traditionell gewonnen wird, während der Regenzeit unzugänglich ist”, sagt Abchir. “Es steht komplett unter Wasser, und so findet mehr als die Hälfte des Jahres keine Salzproduktion statt. Wir mussten ihnen Alternativen bieten.“</p>



<h2 id="h-viel-uberzeugungsarbeit-notwendig" class="wp-block-heading">Viel Überzeugungsarbeit notwendig</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb konzentriere sich das Projekt darauf, den Frauen einen dauerhaften Zugang zu Meerwasser zu ermöglichen. So können sie ganzjährig Salz gewinnen und ein regelmäßiges Einkommen erzielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Salzgewinnung aus Meerwasser ist weniger aufwendig”, erklärt Abchir. “Man nimmt einfach das Wasser und lässt es von der Sonne verdunsten. Man muss es nicht kochen, und es ist sicherer. Außerdem kann man damit mehr Geld verdienen.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Unterschied zwischen dem traditionell hergestellten Salz und dem ProSEL-Salz ist auf den ersten Blick sichtbar: Das herkömmliche Salz ist gelblich-braun mit grauen Streifen – eine Färbung, die durch den fehlenden Filterprozess entsteht. Das im Rahmen von ProSEL produzierte Salz hingegen ist weiß, sauber und mit Jod angereichert, das die Frauen kurz vor dem Abfüllen in die Verpackungen mischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Kilogramm traditionell hergestelltes Salz kostet auf den lokalen Märkten und am Straßenrand etwa 800 westafrikanische CFA-Francs (rund zwei US-Dollar). Die gleiche Menge ProSEL-Salz wird für etwa 1.000 CFA-Francs verkauft.</p>



<h2 id="h-vom-lokalen-projekt-in-den-handel" class="wp-block-heading">Vom lokalen Projekt in den Handel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer Studie von ProSEL sind in Benin rund 4.000 Frauen in der Salzgewinnung tätig. Dennoch importiert das Land den Großteil seines Salzes aus Ghana, Senegal und Indien, da die heimische Produktion nur einen Bruchteil des tatsächlichen Bedarfs deckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Projektverantwortlichen wurde schnell klar, dass es nicht genügte, den Frauen eine sauberere Salzproduktion zu vermitteln. Ebenso wichtig war es, neue Absatzmärkte zu erschließen. Einer davon könnte das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen in Benin sein, das jährlich mehr als eine Million Schulkinder mit Mahlzeiten versorgt. Derzeit prüft das WFP, ob künftig Salz aus den von Frauen geführten ProSEL-Kooperativen bezogen werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Regierung Benins verfolgt ehrgeizige Pläne für das lokal gewonnene Salz. Im Dezember 2025 zertifizierte die beninische Lebensmittelsicherheitsbehörde ABSSA (Agence Béninoise de Sécurité Sanitaire des Aliments) das Salz für den öffentlichen Verzehr. Damit wurde der Weg für den Verkauf unter dem Label „Xwlajè“ frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen ist das Xwlajè-Salz in sieben Supermarktketten in Cotonou sowie in weiteren Geschäften in Porto-Novo, Cotonou und Comè erhältlich. „Darüber hinaus werden Schritte unternommen, um das Xwlajè-Salz in den Duty-Free-Shops des internationalen Flughafens Cotonou zu vermarkten“, sagt Obale.</p>



<h2 id="h-neues-verfahren-macht-weniger-arbeit" class="wp-block-heading">Neues Verfahren macht weniger Arbeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Abchir ergänzt, dass ein Arbeitsgang, der früher rund sechs Stunden dauerte, heute nur noch etwa zwei Stunden beansprucht. Die eigentliche Herausforderung sei jedoch gewesen, Menschen zu überzeugen, die seit Generationen nach denselben Methoden arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er räumt ein, dass das Projekt ohne das Vertrauen der Frauen, ihrer Ehemänner, der Bürgermeister sowie der lokalen Gemeindevorsteher kaum erfolgreich gewesen wäre. „Das einheimische Team ging zu den Frauen, verstand ihre Bedürfnisse und fand Akzeptanz. Es ist sehr schwierig in Benin, wenn Fremde kommen und ihnen vorschreiben, was sie zu tun haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den vergangenen Jahren hat die Regierung Benins den Tourismus zu einem Schwerpunkt ihrer Entwicklungspolitik gemacht. Die traditionellen Methoden der Salzgewinnung sollen dabei helfen, Besucher*innen die Kultur des Landes näherzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ProSEL-Projekt verfolgt jedoch nicht das Ziel, die traditionelle Salzgewinnung vollständig zu verdrängen, betont Obale. „Die moderne Salzproduktionsanlage befindet sich in unmittelbarer Nähe des traditionellen Produktionsstandorts, damit die Touristen den Unterschied zwischen den beiden Produktionsmethoden erkennen können“, sagt er.</p>



<h2 id="h-finanzielle-unabhangigkeit-fur-frauen" class="wp-block-heading">Finanzielle Unabhängigkeit für Frauen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die junge Mutter Mireille Adjovi ist mit ihrem schlafenden Säugling auf dem Rücken zur Arbeit auf das ProSEL-Gelände gekommen. „Mit dem Geld, das ich verdiene, kann ich für meine Kinder sorgen”, sagt Adjovi. “ Ich kann sie zur Schule schicken. An mich selbst denke ich zuletzt: Mein Mann und meine Kinder stehen an erster Stelle. Die Männer geben zwar Geld für den Haushalt, aber die Frauen leiden immer noch sehr. Wenn Frauen etwas brauchen, geben die Männer einfach so viel Geld, wie sie wollen, nicht das, was sie wirklich brauchen. Die Männer denken nicht an die Frauen. Deshalb hilft mir dieses Projekt, mein eigenes Geld zu verdienen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Frauen wie Adjovi bedeutet die Salzgewinnung weit mehr, als eine jahrhundertealte Tradition fortzuführen. Sie kennt weder die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen noch die Bedeutung der Abkürzung IBSA. Doch die Arbeit bei ProSEL Benin ermöglicht es ihr, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden stärker in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig in einer von Frauen geführten Kooperative mitzuwirken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie sich mit den anderen Frauen auf dem Gelände austauscht, denkt sie auch an die hart erkämpfte Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, die ihr das Projekt eröffnet hat. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Julienne Dekon gewinnt Salz noch nach dem traditionellen Verfahren. (Foto: Neha Banka/IPS)</p>
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		<title>Trumps Frieden und die Realität im Kongo</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 07:03:04 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Bolopion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein neuer Bericht von Human Rights Watch offenbart die ernüchternde Realität nach den Friedensabkommen: Im Osten der Demokratischen Republik Kongo dauern Zwangsrekrutierungen und Misshandlungen durch die von Ruanda unterstützte M23-Miliz an.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein neuer Bericht von Human Rights Watch offenbart die ernüchternde Realität nach den Friedensabkommen: Im Osten der Demokratischen Republik Kongo dauern Zwangsrekrutierungen und Misshandlungen durch die von Ruanda unterstützte M23-Miliz an.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Philippe Bolopion und Clémentine de Montjoye* |&nbsp;23. Juni 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">New York (IPS/afr) – Am 8. Februar 2026 trat M23-Chef Sultani Makenga vor über 7.500 frisch ausgebildeter Rekruten und stachelte sie auf: „Ihr seid nun Teil einer Armee, die sich erhoben hat, um das Land und sein Volk zu befreien.“ Das zeigt ein Propagandavideo der Rebellengruppe, das in sozialen Netzwerken kursiert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Video vermittelt martialische Bilder: Die Rekruten im Ausbildungslager Tshanzu in der Provinz Nord-Kivu marschieren im Gleichschritt, zerschlagen Ziegelsteine mit bloßen Händen und springen durch brennende Reifen. Unsichtbar bleiben jedoch die Hinrichtungen, Misshandlungen und unmenschlichen Haftbedingungen, mit denen die M23-Miliz Loyalität und Gehorsam erzwingt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Lager in Tshanzu und dem nahe gelegenen Rumangabo stehen exemplarisch für die Gewalt, mit der die von Ruanda unterstützte M23 ihre Kontrolle im Ostkongo ausbaut. Mit logistischer, materieller und militärischer Unterstützung Ruandas hat die Gruppe weite Teile der Region erobert. Menschenrechtsorganisationen werfen Ruanda vor, die M23 faktisch zu kontrollieren und damit Mitverantwortung für deren Übergriffe zu tragen.</p>



<h2 id="h-rohstoffe-im-fokus" class="wp-block-heading">Rohstoffe im Fokus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem die M23 Anfang 2025 die Provinzhauptstädte Goma und Bukavu eingenommen hatte, schaltete sich US-Präsident Donald Trump ein, um die Friedensgespräche zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda wiederzubeleben. Mit seiner Initiative wollte Trump auch die US-Interessen im ressourcenreichen Ostkongo sichern. Die Region verfügt über enorme Vorkommen von Kobalt, Coltan, Lithium, Kupfer und weiteren strategisch wichtigen Mineralien für Batterien, Elektronik und Rüstungstechnologien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juni und Dezember wurden entsprechende Abkommen unterzeichnet, die unter anderem den Abzug ruandischer Truppen vorsahen. Dennoch spielt Ruanda nach Angaben von Human Rights Watch weiterhin eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der M23 und ihrer Rekrutierungsbemühungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während in Washington über Friedens-, Sicherheits- und Rohstoffabkommen verhandelt wurde, trieb die M23 Tausende kongolesische Soldaten und Zivilisten gewaltsam zusammen und brachte sie in Ausbildungslager. Viele wurden aus ihren Häusern, Kirchen, Schulen oder Krankenhäusern verschleppt, andere mit falschen Versprechungen angelockt oder auf offener Straße festgenommen.</p>



<h2 id="h-ein-system-der-gewalt" class="wp-block-heading">Ein System der Gewalt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für ihren <a href="https://www.hrw.org/report/2026/06/10/death-was-everywhere/arbitrary-detention-killings-and-forced-recruitment-by-the" target="_blank" rel="noreferrer noopener">neuen Bericht</a> befragte die NGO Human Rights Watch mehr als 100 ehemalige Gefangene, die aus den Lagern fliehen konnten oder sich kongolesischen Streitkräften ergaben. Ihre Aussagen zeichnen das Bild eines Systems aus Zwang, Gewalt und Angst. Neuankömmlinge mussten ein brutales Initiationsritual überstehen, das ihren Übergang ins Militärleben markieren sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es ist ein Test, wie viel Leid man ertragen kann“, berichtete ein 25-jähriger Bauarbeiter, der im März 2025 in Goma gefangen genommen wurde. „Wir waren 200, zehn von uns starben. Zwei wurden erschossen, die anderen zu Tode gepeitscht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehemalige Gefangene schildern regelmäßige Schläge und Tötungen selbst für geringfügige Verstöße. Viele mussten aus Pfützen trinken oder Regenwasser von Blättern lecken. Andere starben an Hunger, Dehydrierung oder Erschöpfung. Nach ihren Angaben könnten im Jahr 2025 Hunderte Menschen in den Lagern ums Leben gekommen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Kinder waren betroffen. Jungen wurden zur militärischen Ausbildung gezwungen und mussten Straßen bauen, Holz schlagen, schwere Lasten tragen oder Wasser transportieren. Einige wurden als Wachposten eingesetzt und dazu angehalten, andere Gefangene zu misshandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben ehemaliger Rekruten dienten die Lager nicht nur der militärischen Ausbildung, sondern auch der politischen Indoktrination. Sie mussten Lieder singen und die Führung der Demokratischen Republik Kongo kritisieren. Ruandische Soldaten sollen die Lager abgesichert und auf Flüchtende geschossen haben.</p>



<h2 id="h-ohne-rechenschaft-kein-frieden" class="wp-block-heading">Ohne Rechenschaft kein Frieden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Berichte deuten darauf hin, dass die M23 ihre Kontrolle über weite Teile des Ostkongo langfristig festigen will. Trotz Friedensabkommen und eines teilweisen Rückzugs aus einigen Gebieten gibt es bislang keine Anzeichen für ein Ende des Konflikts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die USA haben bereits Sanktionen gegen Angehörige der ruandischen Streitkräfte und mehrere hochrangige Kommandeure verhängt. Human Rights Watch fordert weitere Maßnahmen durch die Europäische Union und das Vereinigte Königreich sowie eine stärkere politische und rechtliche Rechenschaftspflicht für die Verantwortlichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine zentrale Schwäche der bisherigen Friedensabkommen bleibt das Fehlen von Mechanismen zur Aufarbeitung vergangener Verbrechen. Solange Verantwortliche wie Sultani Makenga für schwere Menschenrechtsverletzungen nicht zur Rechenschaft gezogen werden, droht die Straflosigkeit weitere Missbräuche zu begünstigen. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph">*Philippe Bolopion ist Geschäftsführer und Clémentine de Montjoye ist leitende Forscherin bei Human Rights Watch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Ein M23-Kämpfer nach Einnahme der Stadt Goma am 28. Jänner 2025 (Foto: Sam Ngenda, <a href="http://shutterstock.com">Shutterstock.com</a>)</p>
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		<title>Biofouling bedroht Tansanias Korallenriffe</title>
		<link>https://afrika.info/biofouling-bedroht-tansanias-korallenriffe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 11:02:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Biofouling]]></category>
		<category><![CDATA[Kizito Makoye]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Schifffahrt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Korallenriffe vor Tansania geraten zunehmend unter Druck. Expert*innen warnen, dass sich invasive Organismen über bewachsene Schiffsrümpfe verbreiten. Sie fordern daher strengere internationale Regeln zum Umgang mit sogenanntem Biofouling.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Kizito Makoye | 11. Juni 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mafia, Tansania (IPS/afr) – Die Meereswissenschaftlerin Asha Mgeni gleitet durch die warmen Gewässer vor der tansanischen Insel Mafia. Unter ihr erstreckt sich ein scheinbar intaktes Korallenriff, durch das Schwärme kleiner Fische ziehen. Doch dann entdeckt Mgeni etwas Beunruhigendes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen den Korallenästen haben sich invasive Organismen angesiedelt, die das natürliche Wachstum und die Artenvielfalt des Riffs beeinträchtigen. „Die gab es hier früher nicht“, sagt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Küstengemeinden Tansanias sind Korallenriffe weit mehr als beeindruckende Unterwasserlandschaften. Sie sichern Fischbestände, schützen die Küsten vor Erosion und Sturmfluten und bilden die Grundlage für wichtige Wirtschaftszweige wie Fischerei und Tourismus.</p>



<h2 id="h-unsichtbare-gefahr-unter-wasser" class="wp-block-heading">Unsichtbare Gefahr unter Wasser</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Wissenschaftler*innen warnen vor einer zunehmenden Bedrohung: dem sogenannten Biofouling. Darunter versteht man die Ansiedlung von Organismen wie Algen, Muscheln und Seepocken an technischen Oberflächen wie etwa Schiffsrümpfen. Diese Organismen können über weite Distanzen transportiert werden und sich in neuen Ökosystemen ausbreiten, wo sie heimische Arten verdrängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Lange Zeit galt Ballastwasser als Hauptursache für die Einschleppung invasiver aquatischer Arten“, erklärt Will Griffiths, technischer Projektanalyst bei der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO). Ballastwasser wird von Schiffen aufgenommen, um bei geringer Beladung die Stabilität zu gewährleisten. „Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass Biofouling ein immer größeres Problem darstellt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Mwanahija Shalli, Professorin für Meeres- und Küstenressourcenmanagement an der Universität Dar es Salaam, warnt vor den Folgen. Die marine Biodiversität sichere die Lebensgrundlage von Millionen Menschen entlang der Küsten. „Invasive Wasserarten bedrohen Ökosysteme und Fischereien, indem sie einheimische Arten verdrängen“, sagt sie. „Wenn wir Biofouling nicht wirksam bekämpfen, gefährden wir wichtige Fortschritte im Naturschutz.“</p>



<h2 id="h-schiffsrumpfe-transportieren-invasive-arten" class="wp-block-heading">Schiffsrümpfe transportieren invasive Arten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat sich eine internationale Allianz unter Führung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), der Globalen Umweltfazilität (GEF) und der IMO zusammengeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das „<a href="https://www.glofouling.imo.org" target="_blank" rel="noreferrer noopener">GloFouling Partnerships Project</a>“ unterstützt Staaten dabei, ihre Vorschriften zu verschärfen, Überwachungssysteme auszubauen und technische Kapazitäten zu stärken. Ziel ist es, die Verbreitung invasiver Arten durch den internationalen Schiffsverkehr einzudämmen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1200" height="800" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/06/biofouling-aaron-smulktis-unsplash-1200-800.jpg" alt="" class="wp-image-5768" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/06/biofouling-aaron-smulktis-unsplash-1200-800.jpg 1200w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/06/biofouling-aaron-smulktis-unsplash-1200-800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/06/biofouling-aaron-smulktis-unsplash-1200-800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/06/biofouling-aaron-smulktis-unsplash-1200-800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/06/biofouling-aaron-smulktis-unsplash-1200-800-639x426.jpg 639w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Arbeiter inspiziert im Trockendock von Staten Island, NY das Biofouling am Rumpf eines Schiffes (Foto:  <a href="https://unsplash.com/de/fotos/ein-mann-der-auf-einem-grossen-boot-in-einem-trockendock-arbeitet-wjVbMOGkfOA" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aaron Smulktis, Unsplash</a>)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem Schutz der Meeresökosysteme verspricht das Projekt auch positive Klimaeffekte. „Biofouling verändert die Hydrodynamik von Schiffen und erhöht den Strömungswiderstand“, erläutert Griffiths. „Dadurch steigen Treibstoffverbrauch und Treibhausgasemissionen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andrew Hume, leitender Umweltexperte der GEF, verweist auf das erhebliche Einsparpotenzial: „Bereits das Entfernen einer dünnen Schleimschicht vom Schiffsrumpf kann die Treibhausgasemissionen eines Schiffes um bis zu 25 Prozent reduzieren.“</p>



<h2 id="h-auf-dem-weg-zu-verbindlichen-regeln" class="wp-block-heading">Auf dem Weg zu verbindlichen Regeln</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch sieht Griffiths weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Während für das Management von Ballastwasser inzwischen ein verbindlicher internationaler Rechtsrahmen existiere, seien die Regeln zum Biofouling bislang weitgehend freiwillig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 2023 verabschiedeten <a href="https://www.imo.org/en/ourwork/environment/pages/biofouling.aspx" target="_blank" rel="noreferrer noopener">IMO-Leitlinien zum Biofouling</a> haben derzeit lediglich Empfehlungscharakter. Einige Staaten gehen jedoch mit gutem Beispiel voran. Australien und Neuseeland verlangen saubere Schiffsrümpfe, verpflichtende Managementpläne, Logbücher und regelmäßige Inspektionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Vorreiter im Globalen Süden nennt Griffiths Brasilien. Dort gilt bereits ein verbindlicher Standard: „Schiffe dürfen bei ihrer Ankunft nicht mehr als Mikrobewuchs aufweisen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben von Hume bereitet die GEF derzeit eine zweite Investitionsphase vor. Sie soll weitere Länder bei der Umsetzung der IMO-Leitlinien unterstützen und die internationale Zusammenarbeit stärken. Mittelfristig sollen bis zum Jahr 2030 verbindliche internationale Vorschriften für das Management von Biofouling eingeführt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück auf Mafia Island beobachtet Asha Mgeni die Veränderungen unter Wasser mit Sorge. „Sobald sich invasive Arten etabliert haben, wird es sehr viel schwieriger, das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen“, sagt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Menschen an Tansanias Küsten ist der Kampf gegen Biofouling deshalb weit mehr als eine technische oder ökologische Herausforderung. Es geht um schlicht und ergreifend um den Schutz ihrer Lebensgrundlagen. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Frauen am Strand von Mafia Island. Mafia mit ihren Nebeninseln ist die südlichste Inselgruppe des Sansibar-Archipels. (Foto: Shutterstock.com, Steve Barze) </p>
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		<title>Honig statt Biokraftstoffe in Kenias Tana-Delta</title>
		<link>https://afrika.info/honig-statt-biokraftstoffe-in-kenias-tana-delta/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 May 2026 10:34:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Chemtai Kirui]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Industrie]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im kenianischen Tana-Delta zeigt ein Naturschutzprojekt, wie sich Umwelt- und Wirtschaftspolitik verbinden lassen: Statt großflächiger Biokraftstoffplantagen setzen Gemeinden, Behörden und internationale Partner auf Imkerei, nachhaltige Landwirtschaft und Renaturierung.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Chemtai Kirui | 15. Mai 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Golbanti, Kenia (IPS/afr) – Lydia Hagodana steht neben einem Bienenstock in Golbanti im Tana-Delta. Ein leises, gleichmäßiges Summen liegt in der Luft, während die Bienen unablässig ein- und ausfliegen. Vorsichtig hebt sie den Deckel eines Stocks an, um dessen Gewicht abzuschätzen. „Dieser Bienenstock gehört mir“, sagt sie. „Ich habe zwei davon.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hagodana ist eines von 25 Mitgliedern der Frauengruppe von Golbanti. Gemeinsam verwalten die Frauen rund 50 Bienenstöcke. Jedes Mitglied besitzt zwei davon und erntet mehrmals im Jahr Honig. Ein Teil der Einnahmen bleibt bei den einzelnen Frauen, ein anderer fließt in eine gemeinsame Sparkasse, mit der eine kleine Gemüsefarm der Gemeinschaft finanziert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bienenstöcke stehen am südlichen Ufer des Tana-Flusses, wo sich der Strom in zahlreiche Kanäle verzweigt und so das untere Delta bildet. Während der Regenzeit verwandelt sich die Region in weitläufige Überschwemmungsgebiete, die Zugvögel anziehen und Lebensraum für Flusspferde, Krokodile sowie die seltenen Küsten-Topis bieten – eine stark gefährdete Antilopenart.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Waldstreifen entlang des Flussufers beherbergt zudem zwei vom Aussterben bedrohte Primatenarten: den Tana-Stummelaffen und die Tana-Mangabe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den vergangenen Jahren hat sich die Imkerei zu einer wichtigen alternativen Einkommensquelle entwickelt – in einer Region, deren Bevölkerung traditionell von Landwirtschaft, Fischerei und Viehzucht lebt. Besonders für Frauen bedeutet die Imkerei eine neue wirtschaftliche Perspektive jenseits körperlich schwerer Arbeit und männlich dominierter Tätigkeitsfelder.</p>



<h2 id="h-plane-fur-industrielle-nutzung" class="wp-block-heading">Pläne für industrielle Nutzung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ab 2007 entstanden Pläne für großflächige Biokraftstoffprojekte im Tana-Delta. Investoren betrachteten die Region als weitgehend ungenutztes Land. Große Flächen sollten mit Pflanzen wie Jatropha und Zuckerrohr bepflanzt werden, um daraus Biodiesel und Ethanol zu gewinnen. Die kenianische Regierung sah darin eine Chance für wirtschaftliche Entwicklung, Investitionen und neue Arbeitsplätze im Rahmen ihrer Entwicklungsstrategie „Vision 2030“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dies stand im Zusammenhang mit der Politik der Europäischen Union, Biokraftstoffe mit fossilen Brennstoffen zu mischen“, meint Dr. Paul Matiku, Geschäftsführer der Umweltorganisation <a href="https://naturekenya.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nature Kenya</a>. „Afrika wurde als ein Ort mit ‚brachliegendem‘ Land angesehen, das für den Anbau dieser Pflanzen, darunter Jatropha und Zuckerrohr, umgewandelt werden könnte.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ersten Rodungen begannen. An manchen Orten wurden Felder umgepflügt, noch bevor ansässige Bauernfamilien ihre Habseligkeiten in Sicherheit bringen konnten. Zudem wurde ein Wildtierkorridor, den Elefanten und andere Tierarten nutzten, durch die geplanten Plantagen zerschnitten.</p>



<h2 id="h-erfolgreicher-widerstand" class="wp-block-heading">Erfolgreicher Widerstand</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zukunft des ökologisch wertvollen Deltas war zunehmend ungewiss. „Wir standen vor der Herausforderung, zu entscheiden, wohin sich das Tana-Delta entwickeln sollte“, erzählt Matiku, der den juristischen Widerstand gegen die Projekte mit angeführt hatte. „Man kann Wildtiergebiete und landwirtschaftliche Flächen nicht in Kraftstoff für Autos umwandeln. Wir mussten alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um das zu verhindern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Koalition aus Naturschutzorganisationen und lokalen Gemeinden klagte schließlich gegen die Regierung. Im Februar 2013 stoppte Richterin Mumbi Ngugi die geplanten Großprojekte und urteilte, dass die Rechte der lokalen Bevölkerung nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Gericht entschied, dass niemand ohne einen gemeinsam mit der Bevölkerung erarbeiteten Flächennutzungsplan weitermachen dürfe“, sagte Matiku.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">In den darauffolgenden zwei Jahren kartierten Gemeinden, Bezirksbehörden und Naturschutzgruppen gemeinsam das Delta. Im Rahmen des „Tana Delta Land Use Plan“ von 2025 wurde die Region erstmals offiziell in Zonen für Weidewirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz unterteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit verfügte das Delta erstmals über ein verbindliches Regelwerk für seine Nutzung. Doch eine zentrale Frage blieb offen: Kann Naturschutz auch wirtschaftlich tragfähig sein?</p>



<h2 id="h-vom-brachliegenden-land-zur-naturokonomie" class="wp-block-heading">Vom „brachliegenden Land“ zur Naturökonomie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Unterstützung des <a href="https://www.unep.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Umweltprogramms der Vereinten Nationen</a> (UNEP) begannen Forscher*innen, den ökonomischen Wert der Ökosysteme des Deltas zu berechnen. Damit wurde das Gebiet neu bewertet – nicht länger als „brachliegendes Land“, sondern als funktionierende Naturökonomie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Projektpartner wandten sich daraufhin an die <a href="https://www.thegef.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Globale Umweltfazilität</a> (GEF), den weltweit größten multilateralen Umweltfonds. Nach einem technischen Prüfungsverfahren genehmigte die GEF im Jahr 2018 im Rahmen ihrer Restaurierungsinitiative einen Zuschuss von 3,3 Millionen US-Dollar für die Renaturierung des Tana-Deltas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Zusammenarbeit mit UNEP und Nature Kenya unterstützte das Programm u. a. die Ausarbeitung von Dokumenten zur Umsetzung des Landnutzungsplans in geltendes Recht. Zwischen 2019 und 2024 wurden insgesamt 29 Richtlinien und Rechtsinstrumente verabschiedet, um Landnutzung, Naturschutz und Klimaschutz zu regulieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind von lose koordinierten Naturschutzprojekten zu einem rechtsbasierten Governance-Rahmen übergegangen, der Landnutzung, Klimawandel und Bürgerbeteiligung integriert“, sagt Mathew Babwoya Buya, Umweltbeauftragter des Tana River County.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das County Tana River reservierte mindestens zwei Prozent seines Entwicklungsbudgets für Klimaresilienz und die Wiederherstellung von Ökosystemen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Haushaltsjahr 2024/25 belief sich das Gesamtbudget des Bezirks auf rund 8,87 Milliarden kenianische Schilling (68,76 Millionen US-Dollar). Davon entfielen etwa drei Milliarden Schilling (23 Millionen US-Dollar) auf Entwicklungsprojekte. Rund 60 Millionen Schilling (460.000 US-Dollar) pro Jahr wurden für die Wiederherstellung von Ökosystemen bereitgestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Projektunterlagen zufolge mobilisierte das Programm insgesamt rund 36,8 Millionen US-Dollar an Kofinanzierungsmitteln – etwa elf Dollar für jeden Dollar GEF-Förderung.</p>



<h2 id="h-neue-wertschopfungsketten-gesucht" class="wp-block-heading">Neue Wertschöpfungsketten gesucht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Tana-Delta-Projekt zeigt, was möglich ist, wenn die Eigenverantwortung des Landes stark ist und die Prioritäten klar aufeinander abgestimmt sind”, sagte Ulrich Apel, leitender Umweltexperte bei der GEF. “Diese Hebelwirkung spiegelt ein tiefes nationales Engagement, eine starke Beteiligung einer Vielzahl von Interessengruppen sowie klare Verbindungen zu Wertschöpfungsketten und lokalen Geschäftsmöglichkeiten wider. Der integrierte, landschaftsbezogene Ansatz des Projekts ermöglicht es, mehrere Herausforderungen gleichzeitig anzugehen, was es zu einer attraktiven Plattform für Partner macht, gemeinsam mit der GEF zu investieren.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Großteil dieser Finanzierung stammt jedoch weiterhin von öffentlichen Stellen und internationalen Entwicklungspartnern. Lediglich rund 341.000 US-Dollar – weniger als ein Prozent der Gesamtsumme – entfallen auf direkte Investitionen des Privatsektors.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird deshalb nach ähnlichen Wertschöpfungsketten wie der Honigproduktion gesucht. Im Bereich der Aquakultur unterstützt die Mastercard Foundation gemeinsam mit TechnoServe ein Programm für rund 650 junge Unternehmer*innen im Tana River County. Vor Ort wird derzeit erprobt, wie sich dieses Modell in nachhaltige kommerzielle Investitionen überführen lässt.</p>



<h2 id="h-das-geschaft-mit-dem-honig" class="wp-block-heading">Das Geschäft mit dem Honig</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Golbanti, wo Lydia Hagodanas Bienenstöcke am Flussufer stehen, entwickelt sich die Honigproduktion vielversprechend. Das Projekt wird in Partnerschaft mit <a href="https://www.africanbeekeepers.co.ke/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">African Beekeepers Limited</a> (ABL) umgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Unternehmen stellt moderne Bienenstöcke und technisches Fachwissen bereit, organisiert die Produktion und kauft den Honig zu einem festen Preis auf. Dadurch wird eines der größten Risiken ländlicher Märkte reduziert: starke Preisschwankungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir konnten 76 Landwirten etwa 700.000 KSh (5.400 USD) für den im Delta geernteten Honig auszahlen“, berichtet Ernest Simeoni, Direktor von ABL, mit Blick auf den ersten Produktionszyklus des Projekts.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/05/beekeeping-tana-river-delta-ips-1200-800.jpg" alt="" class="wp-image-5675" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/05/beekeeping-tana-river-delta-ips-1200-800.jpg 1200w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/05/beekeeping-tana-river-delta-ips-1200-800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/05/beekeeping-tana-river-delta-ips-1200-800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/05/beekeeping-tana-river-delta-ips-1200-800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/05/beekeeping-tana-river-delta-ips-1200-800-639x426.jpg 639w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bienenzüchter*innen bei der Honigernte im Tana-Delta: Die Bienenstöcke werden von African Beekeepers Limited (ABL) zur Verfügung gestellt. (Foto: Chemtai Kirui/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Simeoni betont, dass sich dieses Modell deutlich von vielen geberfinanzierten Initiativen unterscheide, die meist darauf abzielen, Landwirte in eigenständiger Imkerei auszubilden. „In ganz Kenia gibt es Hunderte moderner Bienenstöcke, aber sie produzieren keinen Honig“, erzählt er. „Was fehlt, ist das Fachwissen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">ABL behält deshalb die Kontrolle über die Produktion und setzt eigene Teams ein, um Bienenvölker zu überwachen, Honig zu ernten und die Verarbeitung zu organisieren. „Wir schulen die Landwirte nicht darin, wie man Imkerei betreibt“, erklärt Semeoni. „Was wir tun, ist Business – wir zeigen, wie man mit Honig Geld verdient.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gemeinschaftsgruppen stellen Land und Schutz für die Bienenstöcke bereit, während das Unternehmen Ernte und Verarbeitung übernimmt. Laut Simeoni sorgt diese Struktur für mehr Verlässlichkeit bei den Produktionsmengen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig warnt er jedoch vor der Fragilität des Modells. Der Zugang zu günstigen Finanzierungen sei begrenzt, und viele Projekte seien weiterhin auf Anschubfinanzierungen durch Geber angewiesen. „Wenn die Geberfinanzierung morgen wegfällt, werden die meisten dieser Projekte eingestellt“, sagt Simeoni.</p>



<h2 id="h-hoffnung-auf-grossere-investitionen" class="wp-block-heading">Hoffnung auf größere Investitionen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Über kleinere Wertschöpfungsketten hinaus versucht das County, mit einem Entwicklungsplan namens „Green Heart“ größere Investitionen anzuziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Minjila wurde nach Angaben von Mwanajuma Hiribae, Mitarbeiterin des Tana River County, ein 60 Hektar großes Gelände für einen Industriestandort vorgesehen. Dort sollen künftig landwirtschaftliche Verarbeitung, Logistik und umweltfreundliche Produktion angesiedelt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir arbeiten daran, eine Investitionsstelle einzurichten, um die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen zu koordinieren“, erzählt Hiribae. Zudem seien Mittel für die Entwicklung eines Masterplans bereitgestellt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Vorhaben befindet sich jedoch noch in einem frühen Stadium. Das Gelände muss zunächst offiziell an die Investitionsbehörde des Bezirks übertragen werden. Vorschläge potenzieller Investoren werden derzeit geprüft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Behördenvertreter betonen, dass jede künftige Entwicklung mit dem Flächennutzungsplan des Deltas und den bestehenden Umweltschutzmaßnahmen vereinbar sein müsse. Bislang bleiben privatwirtschaftliche Investitionen im Tana-Delta jedoch überschaubar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Lydia Hagodana beginnt sich die Honigproduktion inzwischen auszuzahlen. Mit den Einnahmen finanziert sie die Schulgebühren ihrer sechs Kinder, bewirtschaftet einen kleinen Bauernhof und unterstützt den gemeinschaftlichen Gemüseanbau. Einen Teil des Geldes gibt sie aus, einen spart sie, einen investiert sie erneut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit zwei Jahren hält sie Bienen. Früher, sagt sie, sei das Leben deutlich härter gewesen. Heute gebe es zumindest etwas, worauf sie sich verlassen könne. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Lydia Hagodana vor Bienenstöcken in Golbanti im Tana-Delta in Kenia (Foto: Chemtai Kirui/IPS)</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			<media:title type="html">Honigernte im Tana-Delta</media:title>
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	</item>
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		<title>Spitzentechnologien treiben Afrikas Wandel</title>
		<link>https://afrika.info/spitzentechnologien-treiben-afrikas-wandel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 09:14:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Afrika allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Äthiopien]]></category>
		<category><![CDATA[Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Marokko]]></category>
		<category><![CDATA[Ruanda]]></category>
		<category><![CDATA[Südafrika]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Claver Gatete]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></category>
		<category><![CDATA[Startups]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In seinem Gastkommentar zeigt Claver Gatete, Exekutivsekretär der United Nations Economic Commission for Africa, warum ein Übergang zu innovationsgetriebenem Wachstum unerlässlich ist, um zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/spitzentechnologien-treiben-afrikas-wandel/">Spitzentechnologien treiben Afrikas Wandel</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Claver Gatete | 21. April 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:normal;font-weight:700">Afrikas Wirtschaft ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten gewachsen – doch der tiefgreifende Strukturwandel ist bislang ausgeblieben. Angesichts globaler Umbrüche und technologischer Dynamiken steht der Kontinent nun vor einer entscheidenden Weichenstellung.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:normal;font-weight:700">In seinem Gastkommentar zeigt <a href="https://www.uneca.org/executive-secretary" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Claver Gatete</a>, Exekutivsekretär der United Nations Economic Commission for Africa, warum ein Übergang zu innovationsgetriebenem Wachstum unerlässlich ist, um zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/04/claver-gatete-ips-busani-bafana-1200-800.jpg" alt="" class="wp-image-5575" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/04/claver-gatete-ips-busani-bafana-1200-800.jpg 1200w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/04/claver-gatete-ips-busani-bafana-1200-800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/04/claver-gatete-ips-busani-bafana-1200-800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/04/claver-gatete-ips-busani-bafana-1200-800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/04/claver-gatete-ips-busani-bafana-1200-800-639x426.jpg 639w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Claver Gatete, Exekutivsekretär der United Nations Economic Commission for Africa (Bild: Busani Bafana/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Addis Abeba, 20. April (AR/IPS/afr) – Afrikas Wachstumsgeschichte der letzten zwei Jahrzehnte ist real, aber noch nicht transformativ.&nbsp; Auf dem gesamten Kontinent ist das BIP eher aufgrund einer höheren Zahl an Arbeitskräften, mehr Kapital und eines Rohstoff-Superzyklus gestiegen als durch echte Produktivitäts- und Innovationsgewinne. Zu wenige Arbeitskräfte sind aus der Subsistenzlandwirtschaft in produktivere Bereiche der verarbeitenden Industrie und moderne Dienstleistungen gewechselt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als das jüngste Africa Business Forum in Addis Abeba (16. bis 17. Februar 2026, Anm.) zu Ende ging, kristallisierte sich eine klare Botschaft heraus: Wenn Afrika in den kommenden zehn Jahren die Millionen hochwertiger Arbeitsplätze schaffen will, die seine jungen Menschen benötigen, muss es sich entschlossen von einem inputgetriebenen Wachstum abwenden und auf ein innovationsgetriebenes Wachstum setzen, das von Daten und Spitzentechnologien angetrieben wird.</p>



<h2 id="h-notwendiger-kurswechsel" class="wp-block-heading">Notwendiger Kurswechsel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Unser <a href="https://www.uneca.org/stories/africa%E2%80%99s-economic-outlook-to-remain-solid-in-2026-despite-trade-uncertainty%2C-says-un-report" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wirtschaftsbericht für Afrika 2026</a> erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die Regierungen erkennen, dass dieser Kurswechsel nicht mehr optional ist. Er ist der einzige glaubwürdige Weg zu einer widerstandsfähigen, inklusiven und nachhaltigen Entwicklung inmitten von Klimaschocks, verschärften Finanzierungsbedingungen, geopolitischen Herausforderungen und raschem technologischen Wandel.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zukunftstechnologien – von künstlicher Intelligenz und fortschrittlicher Datenanalyse bis hin zum Internet der Dinge, Robotik und Lösungen für saubere Energie – gestalten bereits jetzt die Wertschöpfungsketten in Landwirtschaft, verarbeitendem Gewerbe, Dienstleistungssektor und öffentlicher Verwaltung neu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage für afrikanische Entscheidungsträger und Branchenführer lautet nicht, ob diese Technologien den Arbeitsmarkt verändern werden, sondern ob der Kontinent diese Transformation selbst gestalten oder sich lediglich nach den Vorgaben anderer daran anpassen wird.</p>



<h2 id="h-qualifikationen-fur-die-zukunft" class="wp-block-heading">Qualifikationen für die Zukunft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorbereitung auf die Berufe der Zukunft beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme der Herausforderungen in puncto Qualifikation. Heute erreicht nur ein kleiner Teil der afrikanischen Kinder im Alter von zehn Jahren die Mindestanforderungen an Lesekompetenz; die Einschulungsquote in der technischen und beruflichen Bildung ist nach wie vor niedrig; und die Zahl der Studierenden an Hochschulen liegt weit hinter dem globalen Durchschnitt zurück. Dies ist ein Rezept für den Ausschluss aus einer technologieintensiven Weltwirtschaft.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Länder benötigen umfassende nationale Qualifikationsvereinbarungen, die grundlegendes Lernen, MINT-Bildung und digitale Kompetenz in den Mittelpunkt der Wirtschaftsstrategie stellen und nicht nur als Zusatz betrachten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutet Lehrplanreformen, die Problemlösung, Programmieren, Datenkompetenz und Kreativität in den Vordergrund stellen; eine groß angelegte Fortbildung der Lehrkräfte; sowie starke Partnerschaften zwischen Universitäten, Berufsbildungseinrichtungen und der Industrie, um sicherzustellen, dass die Ausbildung auf die tatsächliche Nachfrage des Arbeitsmarktes abgestimmt ist.</p>



<h2 id="h-erfolgsbeispiele-in-afrikanischen-landern" class="wp-block-heading">Erfolgsbeispiele in afrikanischen Ländern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Erfreulicherweise bewegen sich einige Länder bereits in diese Richtung.&nbsp; So schafft beispielsweise Kenias Ökosystem für digitale Innovation – von Mobile Money über plattformbasierte Logistik bis hin zum E-Commerce – neue Berufe in den Bereichen Fintech, digitales Marketing, Datendienste und Plattformmanagement, die vor einem Jahrzehnt kaum existierten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ruanda hat sich als afrikanischer Teststandort für neue Technologien positioniert und investiert massiv in Breitband, digitale öffentliche Dienste und Programmierschulen, um Arbeitskräfte auszubilden, die für datengesteuerte und KI-gestützte Tätigkeiten bereit sind.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Ägypten, Marokko und Südafrika entstehen durch Wertschöpfungsketten in den Bereichen Automobilindustrie und erneuerbare Energien neue Aufgaben in der fortschrittlichen Fertigung, der Batterietechnologie sowie der Solar- und Windtechnik.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tanger, die Stadt, in der im vergangenen Monat die <a href="https://www.uneca.org/eca-events/cfm2026">UNECA-Konferenz der Minister für Finanzen und wirtschaftliche Entwicklung</a> stattfand, verfügt über einen Hafen für Spitzentechnologien auf Weltklasse-Niveau, der es mit vielen Industrieländern aufnehmen kann. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Beispiele zeigen, dass Länder, wenn sie Bildung, Industriepolitik und digitale Strategie aufeinander abstimmen, beginnen können, ihre Arbeitsmärkte auf die Industrien der Zukunft auszurichten.</p>



<h2 id="h-umdenken-erforderlich" class="wp-block-heading">Umdenken erforderlich</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Qualifikationen allein reichen nicht aus, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Arbeitnehmer brauchen produktive Unternehmen, die sie einstellen, und Unternehmen benötigen ein förderliches Umfeld, um innovativ sein zu können. Aus diesem Grund betont der Bericht die Bedeutung einer Industrie- und Innovationspolitik, die Spitzentechnologien gezielt in die produktiven Sektoren Afrikas integriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Landwirtschaft beispielsweise werden die Arbeitsplätze der Zukunft in den Bereichen klimafreundliche Landwirtschaft, Agrardaten-Dienstleistungen, präzise Verteilung von Betriebsmitteln und digitale Beratung liegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um dieses Potenzial auszuschöpfen, sind Investitionen in Bewässerung, Breitbandnetze im ländlichen Raum, Datenplattformen sowie die Unterstützung von <a href="https://afrika.info/leistungen/innovation-scouting" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Startups</a> im Agrarsektor erforderlich, die Spitzentechnologie – von Sensoren über Satellitenbilder bis hin zu KI-basierten Beratungsdiensten – an die lokalen Gegebenheiten anpassen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im verarbeitenden Gewerbe können Regierungen Industrieparks und Sonderwirtschaftszonen nutzen, um Unternehmen anzuziehen, die Automatisierung, intelligente Logistik und fortschrittliche Werkstoffe einsetzen, und gleichzeitig Technologietransfer und die Entwicklung lokaler Zulieferer aushandeln, um qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen.</p>



<h2 id="h-datenwirtschaft-als-wachstumsmotor" class="wp-block-heading">Datenwirtschaft als Wachstumsmotor</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig muss Afrika Daten als strategischen Wirtschaftsfaktor betrachten und nicht als Nebensache. Daten bilden die Grundlage für Spitzentechnologien in allen Sektoren – doch ein Großteil der Daten des Kontinents wird im Ausland gespeichert und verarbeitet, sodass vor Ort nur ein begrenzter Wert generiert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Aufbau einer Datenwirtschaft, die Arbeitsplätze schafft, bedeutet Investitionen in Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur, Hochleistungsrechner und sichere Konnektivität sowie die Entwicklung klarer Regeln für Datenverwaltung, Datenschutz, grenzüberschreitende Datenströme und Wettbewerb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es bedeutet auch, lokale Unternehmen zu unterstützen, die entlang der Datenwertschöpfungskette tätig sind – von der Erfassung und Kennzeichnung bis hin zu Analysen und KI-Dienstleistungen – und junge Menschen mit den Fähigkeiten auszustatten, die sie benötigen, um als Dateningenieure, Analysten, Ethiker und Produktmanager zu arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Afrika weiterhin Rohdaten exportiert und gleichzeitig hochwertige digitale Dienstleistungen importiert, wird es seine traditionelle Rohstofffalle lediglich in digitaler Form reproduzieren.</p>



<h2 id="h-finanzierung-von-innovation" class="wp-block-heading">Finanzierung von Innovation</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Finanzierungsmodell für Innovation und Arbeitsplätze muss sich ändern. Traditionelle Bankensysteme, die sich auf besicherte Kredite konzentrieren, sind für risikoreiche, von immateriellen Vermögenswerten getriebene Technologieunternehmen schlecht geeignet. Afrikanische Länder können beginnen, diese Lücke zu schließen, indem sie Blended-Finance-Fazilitäten, Innovationsanleihen, öffentliche Risikokapitalfonds und regionale Kreditlinien schaffen, die privates Kapital für Sektoren mit hoher Produktivität mobilisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das öffentliche Beschaffungswesen kann hier ein wirkungsvoller Hebel sein: Durch die Gestaltung innovationsfreundlicher Ausschreibungen und die Reservierung von Platz für lokale Digital- und Technologieanbieter können Regierungen eine vorhersehbare Nachfrage schaffen, die Startups und KMU dabei hilft, zu wachsen und Personal einzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Länder experimentieren bereits mit Sandboxen und Innovationswettbewerben in den Bereichen Fintech, E-Health und Govtech. Das zeigt, wie Politik neue, Arbeitsplätze schaffende Ökosysteme ankurbeln kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">All dies ist nicht ohne Risiko.</p>



<h2 id="h-zahlreiche-herausforderungen" class="wp-block-heading">Zahlreiche Herausforderungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zukunftstechnologien automatisieren bereits Routineaufgaben und gestalten Wertschöpfungsketten neu – auf eine Weise, die Arbeitsplätze verdrängen, soziale und geschlechtsspezifische Ungleichheiten vergrößern und die digitale Kluft vertiefen kann. Insgesamt werden Arbeitsplätze nicht verschwinden, aber sie werden sich wandeln – und einige werden wegfallen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorbereitung auf diesen Umbruch erfordert robuste Sozialschutzsysteme, aktive Arbeitsmarktpolitik und gezielte Unterstützung für Frauen und Jugendliche beim Zugang zu Ausbildung, Finanzierung und Technologie.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem muss den Themen Cybersicherheit, Datenschutz und Plattformregulierung ernsthafte Aufmerksamkeit gewidmet werden, um ausbeuterische Praktiken zu verhindern, Rechte zu schützen und das Vertrauen in digitale Systeme aufrechtzuerhalten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Regulierung zu weit hinter der Innovation zurückbleibt, wird der Arbeitsmarkt die Anpassungskosten durch Informalität, Unterbeschäftigung und soziale Spannungen auffangen.</p>



<h2 id="h-afrikas-potenziale-im-globalen-kontext" class="wp-block-heading">Afrikas Potenziale im globalen Kontext</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Afrika startet diese Reise mit erheblichen Vorteilen.&nbsp;Der Kontinent verfügt über die jüngste Bevölkerung der Welt, riesige Vorkommen an kritischen Mineralien, die für saubere Energie und die Technologieproduktion unerlässlich sind, sowie über einige der besten Solarressourcen des Planeten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Vorzüge können neue Wellen grüner Industrialisierung – in den Bereichen Batterien, Elektromobilität, grüner Wasserstoff, saubere Energie und digitale Infrastruktur – untermauern und vielfältige, zukunftsorientierte Arbeitsplätze in den Bereichen Ingenieurwesen, Bauwesen, Instandhaltung, Daten und Dienstleistungen schaffen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch um dieses Potenzial in die Realität umzusetzen, müssen die Länder die Bequemlichkeit eines inputgetriebenen Wachstums hinter sich lassen und eine anspruchsvollere Agenda verfolgen: eine Agenda, die Kompetenzen, Innovationsökosysteme, Daten und Spitzentechnologien in den Mittelpunkt der Wirtschaftsstrategie stellt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der AfCFTA als unserem Marshall-Plan verfügen wir über die Regeln und die Plattform für eine kontinentale Skalierung, die zu gemeinsamem Wohlstand in Form von Arbeitsplätzen führt, die durch die Nutzung von Daten und Spitzentechnologien geschaffen werden.</p>



<h2 id="h-weichenstellung-fur-die-zukunft" class="wp-block-heading">Weichenstellung für die Zukunft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeitsplätze der Zukunft werden heute gestaltet – durch die Art und Weise, wie Afrika seine Kinder ausbildet, seine Daten reguliert, seine Innovatoren finanziert und seine Infrastruktur plant.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn afrikanische Länder entschlossen und zielgerichtet handeln, können sie einen Arbeitsmarkt gestalten, der produktiver, inklusiver und widerstandsfähiger ist als der, den sie geerbt haben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie zögern, läuft der Kontinent Gefahr, ein Konsument der Technologien anderer und ein Lieferant von billigen Arbeitskräften und Rohstoffen zu bleiben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztendlich ist die eigentliche Frage einfach: Wird Afrika Spitzentechnologien nutzen, um das Wirtschaftswachstum und den Strukturwandel zu beschleunigen, oder am Rande der Branchen bleiben, die das 21. Jahrhundert prägen?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahl ist klar; das Zeitfenster ist eng; und die Zeit, Afrikas Arbeitskräfte auf die Spitzentechnologie-Wirtschaft vorzubereiten, ist jetzt. So können wir ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum auf dem Kontinent sicherstellen. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Student*innen der neuen Shanahan University Onitsha (SUO) im Bundesstaat Anambra, Nigeria (Foto: Goallord-Creativity, Shutterstock.com)</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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	</item>
		<item>
		<title>Das stille Verschwinden der Wanderfische</title>
		<link>https://afrika.info/wanderfische/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 15:06:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Kizito Makoye]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://afrika.info/?p=5413</guid>

					<description><![CDATA[<p>In Ostafrika gehen die Bestände wandernder Süßwasserfische dramatisch zurück. Die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen ist gefährdet. Ursachen sind vor allem Staudämme, Überfischung und der Klimawandel.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Kizito Makoye | 26. März 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rufiji, Tansania (IPS/afr) – Schon zu Beginn der Auktion auf dem Fischmarkt von Nangurukuru in der südlichen Region Lindi in Tansania ist die Krise deutlich spürbar. Holzkanus, die einst mit reichen Fängen vom Rufiji-Fluss zurückkehrten, bringen heute nur noch einen Bruchteil dessen ein, was sie früher gefangen haben. Händler*innen suchen vergeblich nach einem Kambale, wie der Afrikanische Raubwels hier genannt wird. Die Welsart, die im Durchschnitt zwischen 70 und 100 Zentimeter lang wird, prägte einst den Markt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die großen Kambale sind heutzutage nur noch schwer zu finden“, sagt der 68-jährige Fischer Hamisi Juma. Der Afrikanische Raubwels wanderte während saisonaler Überschwemmungen zum Laichen den Rufiji-Fluss hinauf. Das Ausbleiben des Fisches gefährdet die Ernährungssicherheit von Tausenden Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Afrikanische Raubwels zählt zu den wandernden Süßwasserfischen und damit zu den am stärksten bedrohten Wirbeltieren der Welt. Durch die Zerschneidung von Flussläufen, Verschmutzung, Überfischung und den Klimawandel werden die Bestände zunehmend dezimiert. Ihr Überleben hängt davon ab, dass Flüsse frei fließen können. Doch in ganz Afrika werden Flüsse immer häufiger aufgestaut oder umgeleitet.</p>



<h2 id="h-eine-lebensgrundlage-bricht-weg" class="wp-block-heading">Eine Lebensgrundlage bricht weg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Fisch ist unsere wichtigste Proteinquelle“, sagt Asha Mrope, eine Händlerin auf dem Markt von Nangurukuru. „Wenn sie verschwinden, ist jeder zu Hause davon betroffen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Biologe Zeb Hogan von der University of Nevada in Reno ist Hauptautor einer neuen <a href="https://www.cms.int/publication/global-assessment-migratory-freshwater-fishes" target="_blank" rel="noreferrer noopener">globalen Studie über wandernde Süßwasserfische</a>. Er bestätigt, dass der Rückgang eine direkte Bedrohung für die Ernährungssicherheit von insbesondere einkommensschwachen Ländern darstellt.&nbsp;</p>



<iframe src="https://www.google.com/maps/embed?pb=!1m18!1m12!1m3!1d5244549.948846103!2d36.36309347077529!3d-6.174475171614761!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!3m3!1m2!1s0x1858de4fe80e2a3f%3A0xbf4c81d229927cdd!2sRufiji%2C%20Tanzania!5e0!3m2!1sen!2sde!4v1774537509688!5m2!1sen!2sde" width="100%" height="550" style="border:0;" allowfullscreen="" loading="lazy" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade"></iframe>



<p class="wp-block-paragraph">In Tansania sei diese Abhängigkeit vom Rufiji bis zum Viktoriasee sichtbar. „Fische aus dem Viktoriasee, der beispielsweise Bestände an Nilbarsch und anderen Arten beherbergt, sind ein Grundnahrungsmittel und versorgen Millionen von Menschen im Norden Tansanias mit Nahrung“, sagt Hogan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Warnung des Berichts, dass wandernde Süßwasserfische zu den am stärksten gefährdeten Wirbeltieren gehören, ist daher mehr als nur ein biologischer Alarm. Praktisch gesehen weist sie auf eine wachsende Bedrohung der Ernährungssicherheit für Gemeinschaften hin, denen nur wenige erschwingliche Alternativen zur Verfügung stehen.</p>



<h2 id="h-warum-die-wanderwege-der-fische-verschwinden" class="wp-block-heading">Warum die Wanderwege der Fische verschwinden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um das Ausmaß des Problems zu verstehen, muss man dem Weg der Fische folgen. Viele Arten im Rufiji sind auf saisonale Hochwasser angewiesen, um sich durch Flüsse, Feuchtgebiete und Auen zu bewegen, wo sie Nahrung finden und sich fortpflanzen. Wird dieser Rhythmus unterbrochen, breiten sich die Schäden schnell im gesamten Ökosystem aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Staut man einen Fluss auf, zerstört man technisch gesehen die biologischen Signale, denen Fische seit Tausenden von Jahren folgen“, erklärt Hilda Mpangala von der Abteilung für Aquakultur an der Universität Dar es Salaam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hogan ergänzt, dass Staudämme diesen Kreislauf auf verschiedene Weise beeinträchtigen: „Staudämme stören die Fischwanderungen – indem sie die Laichwanderungen flussaufwärts blockieren, die Ausbreitung junger Fische flussabwärts verlangsamen und die Flussströmungen verändern, die notwendig sind, um Wanderungen auszulösen oder junge Fische in die Auen zu verteilen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Fische ihre Laichgebiete nicht mehr erreichen können, sinken die Bestände und die Fangmengen gehen zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kraftwerk Julius Nyerere, eines der größten Infrastrukturprojekte Afrikas, verdeutlicht dieses Dilemma. Für Tansania verspricht das Laufwasserkraftwerk am Rufiji mehr Strom und wirtschaftliches Wachstum, gefährdet jedoch zugleich die Fischbestände in einem der wichtigsten Flüsse des Landes.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="JULIUS NYERERE 2,115 MW HYDROPOWER PROJECT, TANZANIA Progress Video July 2024" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/oyGysDpaPu8?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div><figcaption class="wp-element-caption">Werbevideo für die Julius Nyerere Hydropower Station: Das Laufwasserkraftwerk verfügt über eine installierte Kapazität von 2.115 Megawatt, im April 2025 wurde die neunte und letzte Turbine in Betrieb genommen. Geplant und errichtet wurde es von den ägyptischen Unternehmen Arab Contractors und Elsewedy Electric.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für Zeb Hogan ist das Prinzip klar: „Wenn man Flüsse gesund und frei fließend hält, bleiben die aquatischen Ökosysteme fischreich – zum Wohle der Menschen und der Umwelt.“</p>



<h2 id="h-ein-verlust-mit-kulturellen-folgen" class="wp-block-heading">Ein Verlust mit kulturellen Folgen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ältere Fischer am Rufiji erinnern sich an einen anderen Fluss. „Früher haben wir Kambale mit einem Gewicht von 30 Kilogramm gefangen”, erzählt Juma. “Heutzutage bekommt man kaum noch welche.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen Gemeinden bedeutet der Verlust der Fische mehr als nur entgangene Einnahmen. Fische sind mit Erinnerungen, Zeremonien und Identität verbunden. Ihr Verschwinden macht sich nicht nur auf den Tellern bemerkbar, sondern auch in den Geschichten, die die Menschen über den Fluss und das Leben erzählen, das er einst ermöglichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt der Klimawandel, der den Druck auf die Fischpopulationen weiter erhöht. In ganz Ostafrika verändern sich die Niederschlagsmuster und damit die Hochwasserzyklen, von denen viele Arten für ihre Wanderung und Fortpflanzung abhängig sind. Lange Dürreperioden senken den Wasserstand, während plötzlicher Starkregen zerstörerische Überschwemmungen auslösen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres Problem ist die Überfischung. Da weniger Fische verfügbar sind, greifen einige Fischer zu Netzen mit kleineren Maschen, wodurch auch Jungfische gefangen werden, bevor sie sich fortpflanzen können.</p>



<h2 id="h-ein-problem-uber-grenzen-hinweg" class="wp-block-heading">Ein Problem über Grenzen hinweg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In ganz Afrika sichern große Flusssysteme wie der Nil, der Kongo und der Niger den Lebensunterhalt von Hunderen Millionen Menschen. Doch viele dieser Flüsse stehen unter zunehmendem Druck durch Staudämme, Verschmutzung, Klimaschocks und mangelhafte Bewirtschaftung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue, von den Vereinten Nationen unterstützte globale Studie schätzt, dass die Populationen wandernder Süßwasserfische seit 1970 um 81 Prozent zurückgegangen sind – einer der stärksten Rückgänge, die je für eine Gruppe von Wirbeltieren verzeichnet wurden. Der Bericht identifiziert 325 Arten, die dringend internationaler Schutzmaßnahmen bedürfen, darunter 42 in Afrika.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders akut ist das Problem in Afrika, wo viele Flüsse und Seen nationale Grenzen überschreiten. Der Bericht nennt die Flusssysteme des Nils, des Kongo und des Niger-Tschadsees als vorrangige Gebiete für Zusammenarbeit. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/03/afrikanischer-raubwels-wikimedia-1200-800.jpg" alt="" class="wp-image-5416" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/03/afrikanischer-raubwels-wikimedia-1200-800.jpg 1200w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/03/afrikanischer-raubwels-wikimedia-1200-800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/03/afrikanischer-raubwels-wikimedia-1200-800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/03/afrikanischer-raubwels-wikimedia-1200-800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/03/afrikanischer-raubwels-wikimedia-1200-800-639x426.jpg 639w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Afrikanischer Raubwels (Clarias gariepinus) wandert den Sabie River im Kruger Nationalpark in Südafrika flussaufwärts. (Foto: <a href="https://www.flickr.com/people/65695019@N07">Bernard DUPONT</a>, Wikimedia, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0">CC BY-SA 2.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40725384">Link</a>)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Deshalb ist es so wichtig, dass Länder zusammenarbeiten, um die Bewirtschaftung und den Schutz von Wanderfischen und Fischbeständen, die sich über internationale Grenzen erstrecken, zu verbessern“, sagt Hogan. „Über 49 Prozent der Erdoberfläche sind von grenzüberschreitenden Flüssen bedeckt – es handelt sich also nicht um ein lokales oder nationales Problem, sondern um ein globales Problem, das internationale Zusammenarbeit erfordert.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fische kennen keine Grenzen“, ergänzt Hilda Mpangala. „Aber allzu oft tun dies unsere politischen Maßnahmen.“</p>



<h2 id="h-ernahrungssicherheit-in-gefahr" class="wp-block-heading">Ernährungssicherheit in Gefahr</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für politische Entscheidungsträger*innen verdeutlicht der Rückgang der Wanderfischbestände ein schwieriges Spannungsfeld zwischen Entwicklung und ökologischem Überleben. Wasserkraft trägt dazu bei, den Zugang zu Strom zu verbessern und wirtschaftliches Wachstum anzukurbeln. Werden Flusssysteme jedoch verändert, ohne die ökologischen Kosten vollständig zu berücksichtigen, können die Folgen gravierend sein – insbesondere für arme Gemeinden, die direkt von der Fischerei abhängig sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hogan formuliert diese Abwägung in pragmatischen Begriffen: „Ja, Wasserkraft ist entscheidend für die Entwicklung“, sagt er, „deshalb kommt es darauf an, den Nutzen der Wasserkraft zu maximieren und gleichzeitig die Umweltkosten zu minimieren. Das kann erreicht werden, indem Staudämme an geeigneten Standorten errichtet und gut geplant und betrieben werden. Ein guter Staudamm ist einer, bei dem der wirtschaftliche Nutzen die Umweltkosten bei weitem überwiegt. Leider werden viele ‚schlechte‘ Staudämme gebaut, bei denen der wirtschaftliche Nutzen weit geringer ist als die Umweltkosten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er fordert zudem, dass alte Staudämme, die keinen Zweck mehr erfüllen, zurückgebaut werden, damit Wanderfische wieder Zugang zu ihren historischen Lebensräumen erhalten. “Dieser Ansatz hat sich bei der Wiederherstellung der Bestände von Wanderfischen als sehr erfolgreich erwiesen”, meint Hogan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Gewährleistung der Energiesicherheit sollten vermehrt erneuerbare Energiequellen wie Solar- und Windkraft genutzt werden, so Hogan. Gleichzeitig sollten Flüsse in Schutzgebieten als frei fließende Gewässer erhalten bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade in Tansania, wo Bevölkerungswachstum und Urbanisierung sowohl den Bedarf an Nahrungsmitteln als auch an Energie steigern, wird dieser Balanceakt immer dringlicher. „Wenn wir unsere Fischbestände verlieren, verlieren wir auch unsere Nahrung, unsere Arbeitsplätze und unsere Lebensweise“, klagt die Händlerin Asha Mrope.</p>



<h2 id="h-lokales-wissen-gefragt" class="wp-block-heading">Lokales Wissen gefragt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Expert*innen betonen, dass sich der Rückgang verlangsamen – und in manchen Fällen sogar umkehren – lässt, wenn Regierungen rasch handeln. Zu den dringendsten Maßnahmen zählen der Schutz von Wanderkorridoren, die Wiederherstellung ökologischer Mindestabflüsse, die Verbesserung von Fischpassagen an Staudämmen, strengere Fischereivorschriften sowie Investitionen in Forschung und Monitoring. Viele wandernde Arten sind nach wie vor kaum erforscht, insbesondere in Afrika – was eine wirksame Politik zusätzlich erschwert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Zeb Hogan beginnen die realistischsten Lösungen bei den Menschen, die die Flüsse am besten kennen: „Man muss mit den lokalen Gemeinschaften zusammenarbeiten, um sie zu befähigen, die Bewirtschaftung der Fischerei zu verbessern, und die Gemeinschaften untereinander sowie mit der Regierung vernetzen, damit sie gemeinsam an einer besseren Bewirtschaftung arbeiten“, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die internationale Zusammenarbeit sei entscheidend. Länder müssten Daten austauschen und sich auf gemeinsame Richtlinien und Vorschriften festlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück in Nangurukuru lichtet sich der Markt, während die Sonne höher steigt. Die wenigen Fische, die angeliefert wurden, sind schnell verkauft. Die Händler*innen packen ihre Körbe zusammen. Die Fischer sitzen im Schatten, flicken ihre Netze und bereiten sich auf einen weiteren ungewissen Tag am Fluss vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Fluss ist immer noch da“, meint der Fischer Hamisi Juma nachdenklich. „Aber es ist nicht mehr derselbe Fluss, den wir kannten.“ (Ende)(Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Ein Fischhändler auf dem Markt von Rufiji wartet gespannt auf die Ankunft der Boote mit dem Tagesfang (Foto: Kizito Makoye/IPS).</p>
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			<media:title type="html">Das stille Verschwinden der Wanderfische &#124; afrika.info</media:title>
			<media:description type="html">In Ostafrika gehen die Bestände der Wanderfische dramatisch zurück. Die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen ist gefährdet.</media:description>
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		<title>Der Klimawandel trifft den Kaffeeanbau</title>
		<link>https://afrika.info/der-klimawandel-trifft-den-kaffeeanbau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Mar 2026 08:54:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Äthiopien]]></category>
		<category><![CDATA[Simbabwe]]></category>
		<category><![CDATA[Uganda]]></category>
		<category><![CDATA[Busani Bafana]]></category>
		<category><![CDATA[Kaffee]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zunehmende Hitzewellen in den wichtigsten Kaffeeanbaugebieten der Welt setzen der Produktion massiv zu. Die Folgen sind geringere Ernten und steigende Verbraucherpreise. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Climate Central.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Busani Bafana | 3. März 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bulawayo, Simbabwe (IPS/afr) – Zunehmende Hitzewellen in den wichtigsten Kaffeeanbaugebieten der Welt setzen der Produktion massiv zu. Die Folgen sind geringere Ernten und steigende Verbraucherpreise. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von <a href="https://go.climatecentral.org/coffee_and_climate" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Climate Central</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brasilien, Vietnam, Kolumbien, Äthiopien und Indonesien – die fünf größten Kaffeeproduzenten – liefern zusammen 75 Prozent des weltweiten Kaffees. Laut der Klimaforschungsorganisation Climate Central mit Sitz in Princeton, USA verzeichneten diese Länder infolge des Klimawandels durchschnittlich 57 zusätzliche Hitzetage pro Jahr von über 30 Grad Celsius.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Steigen die Temperaturen über diesen Schwellenwert, geraten Kaffeepflanzen unter Hitzestress. Das verringert die Erträge, beeinträchtigt die Qualität der Bohnen und erhöht die Anfälligkeit für Krankheiten. Dies wirkt sich zwangsläufig auch auf die Kaffeepreise aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Hitzestress kann sowohl die Qualität als auch die Quantität der Ernten beeinträchtigen, was weniger Kaffee, höhere Preise und somit eine teurere Morgenroutine und Nachmittagsstärkung bedeutet&#8220;, sagt Shel Winkley, Meteorologe bei Climate Central. &#8222;Die Farmer tun ihr Bestes, um sich anzupassen: Sie pflanzen beispielsweise Schattenbäume, die die Kaffeepflanzen auf natürliche Weise kühlen, um die zukünftigen Ernten in unserer sich erwärmenden Welt zu schützen.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-lokalaugenschein-im-mutterland-des-kaffees">Lokalaugenschein im Mutterland des Kaffees</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Osten Afrikas leiden die Erträge unter der zunehmenden Erwärmung. Äthiopien ist das Mutterland des Kaffees und der fünftgrößte Produzent weltweit. Die Studie weist dort 34 zusätzliche kaffeeschädliche Hitzetage aus. Insgesamt steigt damit die Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius auf 108 pro Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dejene Dadi ist Generaldirektor der <a href="https://www.oromiacoffeeunion.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Oromia Coffee Farmers Cooperatives Union</a> (OCFCU), die mehr als 560.000 Kaffeefarmer vertritt. Er betont, dass der in Äthiopien angebaute Arabica-Kaffee empfindlich auf direkte Sonneneinstrahlung reagiert und ausreichend Schatten benötigt, um hohe Erträge zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Um die Kaffeeversorgung zu gewährleisten, müssen die Regierungen gegen den Klimawandel vorgehen“, sagt Dadi und fügt hinzu: „Sie müssen auch mit Kleinbauern und ihren Organisationen zusammenarbeiten und in sie investieren, damit wir die Lösungen, die wir zur Anpassung benötigen, ausweiten können.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-kaum-unterstutzung-fur-klimaanpassung">Kaum Unterstützung für Klimaanpassung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Realität sieht jedoch anders aus: Obwohl kleinbäuerliche Betriebe rund 60 Prozent des weltweiten Kaffeeangebots erzeugen, erhielten sie laut einer <a href="https://www.eaffu.org/wp-content/uploads/2025/10/FINAL_Feeding_the_world_report_EN.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Untersuchung</a> von &#8222;Family Farmers for Climate Action&#8220; lediglich 0,36 Prozent der Finanzmittel, die 2021 für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels erforderlich gewesen wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei sind die Kosten vergleichsweise gering: Die Anpassung einer ein Hektar großen Farm schlägt durchschnittlich mit 2,19 US-Dollar pro Tag zu Buche – weniger als der Preis für eine Tasse Kaffee in vielen Ländern.</p>



<iframe src="https://www.google.com/maps/embed?pb=!1m18!1m12!1m3!1d5737248.385935499!2d34.39766850183878!3d8.13822210533611!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!3m3!1m2!1s0x17adb882f6e6a723%3A0xf45a83bb90208fd8!2sJimma%2C%20Ethiopia!5e0!3m2!1sen!2sde!4v1772529097652!5m2!1sen!2sde" width="100%" height="450" style="border:0;" allowfullscreen="" loading="lazy" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade"></iframe>



<p class="wp-block-paragraph">Die OCFCU setzt z. B. auf energieeffiziente Kochherde, die den Bedarf an Brennholz reduzieren und Waldgebiete schützen, die als natürlicher Schutz für den Kaffeeanbau dienen. Mehr als 19.000 effiziente Holzsparöfen wurden an Kaffeebauern in Jimma (siehe Karte) im Westen Äthiopiens ausgegeben und ersetzen dort traditionelle Feuerstellen. Nach Angaben der Union verringert das Projekt die Emissionen um 20.323 Tonnen Kohlendioxidäquivalente (CO₂e) pro Jahr und halbiert den Brennstoffbedarf.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-massiver-ruckgang-von-anbauflachen-befurchtet">Massiver Rückgang von Anbauflächen befürchtet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im letzten Jahr exportierte Äthiopien 469.000 Tonnen Kaffee, davon rund 40 Prozent in die Europäische Union. Gemeinsam mit Uganda verantwortet das Land nach <a href="https://pulseofafrica.info/news/1141" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Angaben</a> der Internationalen Kaffeeorganisation (ICO) rund 80 Prozent der afrikanischen Kaffeeexporte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weltweit werden täglich schätzungsweise 2,2 Milliarden Tassen Kaffee konsumiert. Laut <a href="https://www.statista.com/chart/8602/top-coffee-drinking-nations/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Statista</a> leben die stärksten Kaffeetrinker*innen in Nordeuropa: Die Niederlande liegen mit einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von über acht Kilogramm an erster Stelle, gefolgt von Finnland, Schweden und Norwegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon bald könnte aber der Kaffeegenuss deutlich teurer werden. Wenn keine wirksamen Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden, könnten die weltweiten Anbauflächen bis 2050 um bis zu 50 Prozent schrumpfen, warnen die Wissenschaftler*innen von Climate Central. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild: </strong>Äthiopischer Rohkaffee (Foto: Monika Sturmer/afrika.info) </p>
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		<title>Wenn die Dürre die Kindheit raubt</title>
		<link>https://afrika.info/wenn-die-duerre-die-kindheit-raubt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Feb 2026 13:48:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Äthiopien]]></category>
		<category><![CDATA[Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Somalia]]></category>
		<category><![CDATA[Dürre]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Kibet]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Norden Kenias zwingt eine anhaltende Dürre Familien zu existenziellen Entscheidungen: Wasser oder Schule, Überleben oder Zukunft. Besonders Kinder zahlen den höchsten Preis – mit Hunger, Bildungsabbrüchen und wachsender Unsicherheit.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Robert Kibet | 24. Februar 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mandera, Kenia (IPS/afr) – Jeden Morgen vor Sonnenaufgang macht sich die zehnjährige Amina Adan auf den Weg zu einer schwindenden Wasserstelle am Rande der Stadt Rhamu im Bezirk Mandera im Nordosten Kenias. Eigentlich sollte sie im Klassenzimmer sitzen. Stattdessen schleppt sie einen gelben Kanister, der fast so groß wie sie selbst ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Mutter, Fatuma Adan, beschreibt die Lage nüchtern. Es gehe längst nicht mehr um die Entscheidung zwischen Bildung und Hausarbeit, sondern zwischen Wasser und Überleben. &#8222;Wenn es kein Wasser gibt, gibt es auch keine Nahrung und keine Schule&#8220;, erklärt Fatuma. &#8222;Die Kinder müssen helfen, sonst schaffen wir es nicht durch den Tag.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aminas Alltag steht exemplarisch für eine sich zuspitzende Krise in Kenias ariden und semi-ariden Gebieten (ASALs). Dort droht die anhaltende Dürre die hart erkämpfte Fortschritte in Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit, Gesundheit und Bildung – den Kernbereichen der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) – zunichtezumachen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-eine-durre-uberlastet-ganze-systeme">Eine Dürre überlastet ganze Systeme</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der kenianischen <a href="https://ndma.go.ke/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">National Drought Management Authority</a> (NDMA) befindet sich Mandera weiterhin in der Alarmphase. Die kurzen Regenfälle zwischen Oktober und Dezember 2025 erreichten lediglich 30 bis 60 Prozent des langjährigen Durchschnitts. Wasserstellen sind versiegt, Weideland ist verdorrt, Viehbestände brechen ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Landesweite Erhebungen zur Lebensmittel- und Ernährungssicherheit zeigen: Mehr als 2,15 Millionen Menschen in Kenias ASAL-Bezirken benötigen dringend humanitäre Hilfe. Über 800.000 Kinder im Alter von sechs bis 59 Monaten müssen wegen akuter Unterernährung behandelt werden. Im Bezirk Mandera steigen die Aufnahmen in ambulante Therapieprogramme, während Familien ihre Vorräte aufbrauchen und die Milchproduktion drastisch sinkt.</p>



<iframe src="https://www.google.com/maps/embed?pb=!1m18!1m12!1m3!1d8151846.7302262!2d35.94000292032992!3d3.938888252880981!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!3m3!1m2!1s0x17c1f9ebcc5c0523%3A0xc32b6001a5143d17!2sRhamu%2C%20Kenya!5e0!3m2!1sen!2sde!4v1771940959740!5m2!1sen!2sde" width="100%" height="450" style="border:0;" allowfullscreen="" loading="lazy" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade"></iframe>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Krise reicht weit über Kenia hinaus. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind am Horn von Afrika – in Kenia, Somalia und Äthiopien – fast 24 Millionen Menschen von akuter Wasserunsicherheit betroffen. UNICEF warnt, dass 2,7 Millionen Kinder in der Region aufgrund dürrebedingter Vertreibungen bereits nicht mehr zur Schule gehen; weitere vier Millionen sind gefährdet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;„&#8220;Diese Klimakatastrophen sind keine einmaligen Notfälle mehr&#8220;, sagt ein Bildungsbeauftragter des Bezirks Mandera. &#8222;Sie sind struktureller Natur und beeinflussen, wie – oder ob – Kinder wachsen, lernen und sich entwickeln.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-unterbrochene-bildung-verlorene-zukunft">Unterbrochene Bildung – verlorene Zukunft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Mandera spüren Schulen die Folgen unmittelbar. Lehrer*innen berichten von schrumpfenden Klassen, weil Familien auf der Suche nach Weideland und Wasser weiterziehen. Andere Kinder bleiben zurück, kämpfen jedoch mit Hunger und Erschöpfung – konzentriertes Lernen ist kaum möglich. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Abdikadir Adan Alio, Bildungsbeamter in Mandera, bestätigt den starken Rückgang der Anwesenheit in besonders betroffenen Schulen. Mädchen seien überproportional betroffen, da sie traditionell für das Wasserholen und die Hausarbeit verantwortlich sind. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Entwicklungsexpert*innen gehen die Folgen weit über kurzfristige Lernrückstände hinaus. Unterbrochene Bildung schwächt das Humankapital, mindert langfristig wirtschaftliche Produktivität und reduziert die Fähigkeit von Gemeinschaften, sich an zukünftige Klimaschocks anzupassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wenn Kinder Jahr für Jahr die Schule versäumen, wird der Schaden generationsübergreifend“, warnt der Bildungsexperte Ali Abdi, der im Norden Kenias tätig ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-hunger-krankheit-gefahrdung">Hunger, Krankheit, Gefährdung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gesundheitsfachkräfte sprechen von einem gefährlichen Kreislauf aus Hunger, Krankheit und wachsender Verwundbarkeit. Wassermangel verschlechtert die hygienischen Bedingungen und erhöht das Risiko von Durchfallerkrankungen, die besonders für unterernährte Kinder lebensbedrohlich sein können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mobile Kliniken in abgelegenen Gebieten Mandera untersuchen Kinder auf Unterernährung, verteilen therapeutische Spezialnahrung und überweisen schwere Fälle an Stabilisierungszentren. Diese Angebote entstehen durch Kooperationen zwischen Bezirksregierungen und humanitären Organisationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Früherkennung rettet Leben&#8220;, sagt ein Ernährungsspezialist in Mandera, &#8222;aber die Fallzahlen steigen weiter, und die Entfernungen, die die Familien zurücklegen müssen, werden immer größer.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Verlust ihrer Lebensgrundlagen greifen Familien zunehmend zu negativen Bewältigungsstrategien. Humanitäre Organisationen berichten von wachsendem Risiko für Kinderarbeit, Frühehen und geschlechtsspezifische Gewalt – insbesondere in abgelegenen Siedlungen mit schwachen sozialen Sicherungssystemen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mädchen sind besonders gefährdet. Wenn Ressourcen knapp werden, wird ihre Bildung häufig zuerst eingeschränkt. &#8222;Die Dürre nimmt uns nicht nur Nahrung und Wasser&#8220;, sagt ein Gemeindevorsteher in Mandera. &#8222;Sie nimmt den Kindern auch ihre Sicherheit und Würde.&#8220;<br></p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-was-hilft-integrierte-kindzentrierte-losungen">Was hilft: integrierte, kindzentrierte Lösungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der dramatischen Lage zeigen Erfahrungen aus Mandera und anderen ASAL-Bezirken, dass koordinierte Maßnahmen Kinder wirksam schützen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mobile Gesundheits- und Ernährungskliniken – unterstützt von Organisationen wie UNICEF und Save the Children – erreichen nomadische und vertriebene Familien. Sie verbinden Untersuchungen, Impfungen und Gesundheitsdienste für Mütter und reduzieren lange Anfahrtswege.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geldtransferprogramme, die staatliche Stellen mit Partnern wie World Vision umsetzen, ermöglichen Haushalten, Ausgaben flexibel an ihren dringendsten Bedürfnissen auszurichten. Studien belegen, dass solche Transfers negative Bewältigungsstrategien deutlich verringern und den Schulbesuch auch in Krisenzeiten stabilisieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Investitionen in Wassertransporte, die Sanierung von Bohrlöchern und klimaresistente Wasserinfrastruktur verbessern zusätzlich die Versorgung in Dürregebieten. Zwar sind diese Maßnahmen kostenintensiv, doch Expert*innen sehen sie als entscheidend an, um wiederkehrende Notlagen langfristig zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch gemeindebasierte Ansätze erweisen sich als wirksam: Geschulte Freiwillige führen Untersuchungen auf Haushaltsebene durch, identifizieren gefährdete Kinder frühzeitig und vermitteln Familien an Unterstützungsangebote.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Diese Maßnahmen sind am wirksamsten, wenn sie kombiniert werden&#8220;, sagt ein Manager eines humanitären Programms. &#8222;Gesundheit allein reicht nicht aus. Wasser, Nahrung, Einkommen und Schutz müssen Hand in Hand gehen.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-zwischen-nothilfe-und-strukturellem-wandel">Zwischen Nothilfe und strukturellem Wandel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz lebensrettender Programme bleiben Lücken. Finanzierungszyklen sind häufig kurz, Maßnahmen reagieren eher auf akute Krisen, statt präventiv zu wirken. Lokale Behörden betonen, dass klimaresistente Lebensgrundlagen – etwa dürreresistente Landwirtschaft, Viehversicherungen und alternative Einkommensquellen – entscheidend seien, um den Kreislauf zu durchbrechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entwicklungsexpert*innen warnen: Ohne nachhaltige Investitionen wird die Dürre weiterhin Fortschritte bei mehreren SDGs untergraben und immer neue, langfristig teurere Notfallmaßnahmen erzwingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Die Frage ist nicht, ob die Dürre zurückkehren wird&#8220;, sagt Eunice Koech, Klimaexpertin der <a href="https://igad.int/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Intergovernmental Authority on Development</a> (IGAD). &#8222;Die Frage ist, ob die Systeme stark genug sein werden, um Kinder zu schützen, wenn es soweit ist.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück in Rhamu bleibt Fatuma Adan nur Hoffnung. Sie wünscht sich, dass ihre Tochter bald wieder ganztags zur Schule gehen kann. &#8222;Ich möchte, dass Amina lernt&#8220;, sagt sie. &#8222;Aber zuerst müssen wir leben.&#8220; (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild: </strong>Wasserholen statt Schule heißt es für viele Kinder in den von Dürre betroffenen Gebieten in Kenia.(Foto: Charles Kariuki/IPS)</p>
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		<title>Klimawandel bremst Tansanias Prestige-Bahn</title>
		<link>https://afrika.info/klimawandel-bremst-tansanias-prestige-bahn/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jan 2026 08:30:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Eisenbahn]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Kizito Makoye]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Tanzania Standard Gauge Railway]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die elektrifizierte Tanzania Standard Gauge Railway gilt als Schlüsselprojekt für klimafreundliche Mobilität. Sie zeigt aber auch, wie verwundbar selbst moderne Infrastruktur gegenüber den Folgen des Klimawandels ist.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Kizito Makoye | 27. Jänner 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dar es Salaam (IPS/afr) – An einem regnerischen Mittwochmorgen herrscht am Terminal der Tanzania Standard Gauge Railway (SGR) in Dodoma, der Hauptstadt Tansanias, reges Treiben. Frauen führen Kleinkinder an der Hand, in ihren Händen baumeln Tüten mit Snacks. Tourist*innen ziehen Rollkoffer hinter sich her, Student*innen scrollen auf ihren Smartphones.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Bahnhof strömen die Passagiere in die Wartehallen. Die Tickets werden zügig gescannt, die Sicherheitskontrollen verlaufen reibungslos. Elektronische Displays kündigen pünktliche Züge an. Dann, gegen Mittag, ändert sich alles. Eine weibliche Stimme tönt aus dem Lautsprecher und verkündet, dass sich die Züge nach Morogoro und Dar es Salaam verspäten werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verspätung, so erklärt die Sprecherin, sei auf heftige Regenfälle zurückzuführen, die irgendwo entlang der Strecke zu einer technischen Störung geführt hätten. Die Stunden vergehen, ohne dass ein Zug eintrifft.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-unmut-bei-wartenden-passagieren">Unmut bei wartenden Passagieren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Als ich heute Morgen von zu Hause losfuhr, war ich noch ganz unbesorgt“, sagt Neema Msuya, eine Krankenschwester, die nach Dar es Salaam reist, um an einer Beerdigung teilzunehmen. „Der Zug ist normalerweise pünktlich.“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Msuya sitzt in der Nähe des Informationsschalters, ihren Koffer zu Füßen, und scrollt durch Instagram, um sich die Zeit zu vertreiben. Stunden später ist ihre Zuversicht dahin. „Wir sind schon viel zu lange hier“, beklagt sie sich. „Und niemand sagt uns klar und deutlich, was los ist.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-c-kizito-makoye-1200.800-1024x683.jpg" alt="Passagiere eilen zum Zug der Tanzania Standard Gauge Railway" class="wp-image-5258" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-c-kizito-makoye-1200.800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-c-kizito-makoye-1200.800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-c-kizito-makoye-1200.800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-c-kizito-makoye-1200.800-640x427.jpg 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-c-kizito-makoye-1200.800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Fahrgäste eilen in Dodoma zum Zug der Tanzania Standard Gauge Railway (Foto: Kizito Makoye/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für Msuya ist die Verspätung eine große Unannehmlichkeit. Beerdigungen in Tansania folgen strengen kulturellen Zeitvorgaben, und jede Verzögerung kann dazu führen, dass man die Bestattungsriten verpasst. Um sie herum beklagen sich auch andere Fahrgäste über versäumte Termine, Arztbesuche und sogar Gerichtsverhandlungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die durch den Regen verursachte Verspätung bietet einen Einblick in ein größeres Problem: Der Klimawandel stellt Tansanias prestigeträchtige Eisenbahn mit niedrigem CO₂-Ausstoß auf eine harte Probe. Doch ist nicht alleine das Klima schuld an der Misere.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-symbol-fur-den-fortschritt">Symbol für den Fortschritt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tansania feierte seine elektrische Bahn beim Start im Jahr 2024 als nationales Vorzeigeprojekt. Das rund zwei Milliarden US-Dollar teure Normalspurbahn, errichtet von einem 50/50-Konsortium aus dem türkischen Bauunternehmen <a href="https://yapimerkezi.com.tr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yapi Merkezi</a> und dem portugiesischen Konzern <a href="https://www.mota-engil.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mota-Engil</a>, ersetzte die veraltete Meterspurbahn und erschloss den Zentralraum neu – eine wichtige Verkehrsader, die den Hafen von Dar es Salaam mit dem Hinterland und weiter mit den Binnenländern Ruanda, Burundi, Uganda und dem östlichen Teil der Demokratischen Republik Kongo verbindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit modernen Bahnhöfen, gleitenden Rolltreppen, digitalem Ticketing und geräumigen Waggons wurde die SGR schnell zu einem Symbol für den Fortschritt. Die Reisezeiten sanken drastisch, die Straßen wurden entlastet, da sich der Passagier- und Frachtverkehr von dieselbetriebenen Lastwagen auf die elektrische Bahn verlagerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weniger als zwei Jahre später ist dieser Optimismus jedoch mit der harten Realität extremer Wetterereignisse kollidiert, die Wissenschaftler*innen mit dem fortschreitenden Klimawandel in Verbindung bringen. </p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-uberschwemmungen-legen-zugverkehr-lahm">Überschwemmungen legen Zugverkehr lahm</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 31. Dezember 2025 stellten die Behörden den Zugverkehr zwischen Dodoma und Morogoro ein, nachdem heftige Regenfälle wichtige Infrastrukturen beschädigt hatten. Hochwasser spülte ein Flussufer weg und legte eine Eisenbahnbrücke gefährlich frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Machibya Masanja, Generaldirektor der <a href="https://www.trc.co.tz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tanzania Railways Corporation</a> (TRC), bestätigt die Störung, weist jedoch Behauptungen zurück, sie sei auf einen Konstruktionsfehler zurückzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dies ist kein Versagen der Konstruktion oder des Baus“, sagt er und fügt hinzu, dass die Brückenfundamente 30 bis 40 Meter tief im Boden verankert seien und für eine Lebensdauer von mindestens 120 Jahren ausgelegt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen macht Masanja menschliche Aktivitäten – insbesondere Landwirtschaft und Besiedlung in Überschwemmungsgebieten – für die Bodenerosion in der Nähe der Strecke verantwortlich. Er kündigt Pläne zum Bau von Dämmen und anderen Kontrollstrukturen an, um den Wasserfluss zu regulieren und gefährdete Abschnitte zu stabilisieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-experte-bemangelt-planungsfehler">Experte bemängelt Planungsfehler</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Stadtplaner Honesty Mshana in Dar es Salaam argumentiert jedoch, dass die wiederkehrenden Störungen auf tiefere Mängel in Planung und Umsetzung des millionenschweren Projekts hindeuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Eisenbahn ist nicht robust genug, um Überschwemmungen standzuhalten“, meint Mshana. „Wenn man Millionen von Dollar an öffentlichen Geldern investiert, erwartet man ein System, das klimatischen Belastungen gewachsen ist. Überschwemmungen sind in Tansania kein neues Phänomen. Das hätte in die technischen Entscheidungen einfließen müssen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mshana zufolge verlaufen lange Streckenabschnitte ohne ausreichende Durchlässe, erhöhte Dämme oder verstärkte Entwässerungssysteme durch Überschwemmungsgebiete und Flussbecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist nicht nur ein technisches Versagen“, sagt er. „Es ist ein Planungsfehler. Man kann nicht einfach Entwürfe von anderswo kopieren und sie in eine völlig andere ökologische und klimatische Umgebung übertragen. Resiliente Verkehrssysteme erfordern lokales Wissen, Klimaprognosen und die Bereitschaft, im Vorfeld mehr Geld auszugeben, um später weitaus größere Verluste zu vermeiden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der fortschreitenden Erderwärmung, so warnt er, würden die Kosten solcher Versäumnisse weiter steigen – und Regierungen vor die Wahl stellen, entweder endlose Reparaturen zu finanzieren oder langwierige Betriebsunterbrechungen in Kauf zu nehmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-passagiere-zwischen-den-fronten">Passagiere zwischen den Fronten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Passagiere sind diese Erklärungen wenig tröstlich. Am späten Vormittag ist der Bahnhof von Dodoma noch immer voller wartender Fahrgäste. Kinder schlafen auf den Bänken, Geschäftsreisende drängen sich um die Ladestationen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-2-c-kizito-makoye-1200-800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-5240" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-2-c-kizito-makoye-1200-800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-2-c-kizito-makoye-1200-800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-2-c-kizito-makoye-1200-800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-2-c-kizito-makoye-1200-800-640x427.jpg 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-2-c-kizito-makoye-1200-800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Passagiere im modernen SGR-Bahnhof von Dodoma (Foto: Kizito Makoye/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hatte Termine in Dar es Salam“, klagt der Unternehmensberater Emmanuel Kweka. „Dieser Zug war immer zuverlässig. Deshalb habe ich alles darauf abgestimmt. Jetzt weiß ich nicht, ob ich weiter warten oder einen Bus nehmen soll.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch zeigen viele Fahrgäste Verständnis. „Ich möchte nicht, dass die Züge fahren, wenn es unsicher ist“, sagt Neema Msuya, die Krankenschwester. „Aber die Bahn muss besser vorbereitet sein. Diese Regenfälle sind keine Überraschung mehr.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-dem-klima-ausgesetzt">Dem Klima ausgesetzt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Weltweit gelten Eisenbahnen als tragende Säulen des Klimaschutzes. Elektrische Züge verursachen deutlich weniger Emissionen als Straßen- oder Luftverkehr, und für Länder wie Tansania stehen Investitionen in die Schiene im Einklang mit den Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erfahrungen mit der SGR verdeutlichen jedoch ein wachsendes Paradoxon: Infrastruktur, die als klimafreundlich gilt, ist selbst zunehmend den Folgen des Klimawandels ausgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Internationale Studien zu Eisenbahnsystemen zeichnen ein klares Bild: Extreme Niederschläge können Böschungen destabilisieren, Brückenfundamente unterspülen, Gleisanlagen überfluten und Stromversorgungssysteme lahmlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Probleme der SGR haben zudem Fragen nach Management und Transparenz aufgeworfen. Im Oktober 2025 entgleiste ein Zug kurz nach seiner Abfahrt in Dar es Salaam nahe dem Bahnhof Ruvu. Es gab keine Todesopfer, doch der Vorfall führte zu einer vorübergehenden Betriebseinstellung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die TRC bezeichnete die Entgleisung als Betriebsunfall ohne Zusammenhang mit den Wetterbedingungen. „Jede neue Eisenbahn hat Anlaufschwierigkeiten“, sagt Edmund Mabhuye, Klimaforscher an der Universität von Dar es Salaam. „Kritisch wird es dann, wenn das Vertrauen der Öffentlichkeit schneller schwindet als die Fähigkeit der Regierung, die Probleme zu beheben.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-vergebliches-warten">Vergebliches Warten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am SGR-Bahnhof in Dodoma bedrängen Fahrgäste das Sicherheitspersonal mit Fragen. Die Displays zeigen weiterhin dieselbe Verspätungen, die Durchsagen beschränken sich auf Entschuldigungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind seit dem Morgen hier und niemand sagt uns, was los ist“, ruft Hamisi Juma, ein Händler aus Morogoro, entnervt. „Sie sagen uns immer wieder, wir sollen warten – aber worauf? Einige von uns haben Kinder und müssen zurück zur Arbeit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele ist es nicht die Verspätung selbst, die sie aufbringt, sondern das Schweigen darüber. „Sagen Sie es doch einfach, wenn ein Zug ausfällt“, fordert der Student Peter Mwinyi vom Bahnpersonal. „Wenn er Verspätung hat, erklären Sie uns warum. Was die Leute wütend macht, ist, im Unklaren gelassen zu werden. Dann fühlt man sich betrogen.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-2-560-neue-schienenkilometer">2.560 neue Schienenkilometer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tanzania Standard Gauge Railway (SGR) ist ein ehrgeiziges Eisenbahnprojekt zur Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur in Tansania und ein zentrales Vorhaben des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/East_African_Railway_Master_Plan" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ostafrikanischen Eisenbahn-Masterplans</a>. Die moderne Normalspurstrecke verbindet den Hafen von Dar es Salaam mit dem Landesinneren sowie perspektivisch mit den Nachbarstaaten Ruanda, Burundi und Uganda.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-standard-gauge-railway-stations-1200-800-1024x683.png" alt="" class="wp-image-5248" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-standard-gauge-railway-stations-1200-800-1024x683.png 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-standard-gauge-railway-stations-1200-800-300x200.png 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-standard-gauge-railway-stations-1200-800-768x512.png 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-standard-gauge-railway-stations-1200-800-640x427.png 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-standard-gauge-railway-stations-1200-800.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Streckenverlauf der Tanzania Standard Gauge Railway: Der grün eingefärbte Abschnitt zwischen Dar es Salaam und Dodoma ist bereits in Betrieb, die weiteren Abschnitte nach Mwanza und Kigoma (rot) sind in Errichtung. [<a href="https://www.google.com/maps/d/u/0/edit?mid=1VBUOeWTaAdVYGCtt_tSvDmeyQZ7iF3g&amp;usp=sharing" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zur interaktiven Karte bei Google MyMaps</a>]</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bau des SGR-Netzes begann im April 2017, und bereits heute sind zwei bedeutende Teilabschnitte in Betrieb: Der Personenverkehr zwischen Dar es Salaam und Morogoro wurde am 14. Juni 2024 in aufgenommen, am 25. Juli 2025 wurde der Streckenabschnitt Morogoro–Dodoma offiziell eröffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einer geplanten Gesamtlänge von über 2.560 Kilometer zielt die SGR darauf ab, Transportzeiten und -kosten erheblich zu reduzieren, den Güter- und Personenverkehr effizienter zu gestalten sowie die regionale wirtschaftliche Integration und nachhaltige Entwicklung zu fördern.  (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Magufuli Express der Tanzania Standard Gauge Railway (Foto: Shutterstock.com, Storyteller25, bearbeitet)</p>
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			<media:title type="html">Passagiere eilen zum Zug der Tanzania Standard Gauge Railway</media:title>
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