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	<title>Konflikt Archive | afrika.info</title>
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	<description>Changing Perceptions</description>
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	<title>Konflikt Archive | afrika.info</title>
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		<title>1000 Tage Krieg im Sudan: Die Welt schaut weg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jan 2026 16:54:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sudan]]></category>
		<category><![CDATA[Andrew Firmin]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Donald Trump]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Krieg im Sudan ist exakt 1000 Tage alt. Die Kampfhandlungen haben am 15. April 2023 begonnen, Frieden ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Die Gewalt eskaliert weiter, die Hungersnot nimmt nie dagewesene Ausmaße an. Und die Welt schaut weg.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Andrew Firmin* | 8. Januar 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Krieg im Sudan ist exakt 1000 Tage alt. Die Kampfhandlungen haben am 15. April 2023 begonnen, Frieden ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Die Gewalt eskaliert weiter, die Hungersnot nimmt nie dagewesene Ausmaße an. Und die Welt schaut weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">London (IPS/afr). <a href="https://www.theguardian.com/global-development/2025/dec/05/rsf-massacres-sudanese-city-el-fasher-slaughterhouse-satellite-images" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Satellitenbilder</a> von al-Faschir in Nord-Dafur zeigen aufgetürmte Leichen, die auf eine Massenbestattung oder Einäscherung warten. Unterdessen versucht die Miliz der Rapid Support Forces (RSF), das Ausmaß ihrer Verbrechen zu <a href="https://www.bbc.com/news/articles/c75veyzz2g2o" target="_blank" rel="noreferrer noopener">vertuschen</a>. Nachdem die Stadt im November von der RSF eingenommen wurde, gelten bis&nbsp; zu 150.000 Einwohner*innen von al-Fashir weiterhin als vermisst. Die arabische Miliz hat die Stadt ethnisch von ihren nicht-arabischen Einwohnern gesäubert. Die niedrigste Opferschätzung geht von <a href="https://uk-crime.co.uk/sarah-champion-2025-speech-on-gaza-and-sudan/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">60.000 Toten</a> aus.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Massaker ist das bislang schrecklichste Kapitel im Krieg zwischen den RSF und den sudanesischen Streitkräften, der durch einen Machtkampf zwischen Militärführern im April 2023 ausgelöst wurde. Beide Seiten haben Gräueltaten begangen, darunter Hinrichtungen, außergerichtliche Tötungen und sexuelle Gewalt. Es ist schwierig, genaue Zahlen zu ermitteln, aber Schätzungen zufolge wurden mindestens 150.000 Menschen getötet. Rund neun Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben, und fast vier Millionen sind über die Grenze geflohen. Etwa 25 Millionen Menschen sind nun von einer Hungersnot bedroht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zivilgesellschaftliche und humanitäre Organisationen helfen so gut sie können, aber sie befinden sich in der Schusslinie. Tod, Gewalt, Entführung und Inhaftierung zählen zu den Bdrohungsszenarien. Darüber hinaus haben sie mit Notverordnungen und bürokratischen Beschränkungen zu kämpfen,&nbsp; die Hilfsmaßnahmen sowie die Versammlungs-, Meinungs- und Bewegungsfreiheit einschränken. Währenddessen blockieren Truppen die Lieferung von Hilfsgütern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Berichterstattung über den Konflikt ist schwierig und gefährlich. Fast die gesamte Medieninfrastruktur wurde zerstört, viele Zeitungen haben ihre Veröffentlichung eingestellt. Beide Konfliktparteien nehmen Journalist*innen ins Visier, sodass viele ins Exil gezwungen wurden. Umfangreiche Desinformationskampagnen verschleiern, was vor Ort geschieht. Das Schicksal von <a href="https://www.theguardian.com/global-development/2025/nov/02/he-told-the-world-what-was-happening-in-el-fasher-then-they-sought-him-out-how-sudan-lost-a-true-hero-of-the-war" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mohamed Khamis Douda</a>, Sprecher des Flüchtlingslagers Zamzam, veranschaulicht die Gefahr: Er blieb in al-Fashir, um internationale Medien mit wichtigen Informationen zu versorgen. Als die RSF einmarschierte, suchten sie ihn und töteten ihn.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-zentrale-rolle-der-vereinigten-arabischen-emirate-nbsp">Zentrale Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate&nbsp;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sudan wird manchmal als vergessener Krieg bezeichnet, aber es ist zutreffender zu sagen, dass die Welt ihn bewusst ignoriert – und das kommt mehreren mächtigen Staaten gelegen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind der größte Unterstützer der RSF. Sie leugnen das zwar. Jedoch sind Waffen, die von den VAE hergestellt oder von ihren Verbündeten geliefert wurden, an Orten gefunden wurden, die aus der Kontrolle der RSF zurückerobert wurden. Ohne die Unterstützung der VAE hätte die RSF den Krieg wahrscheinlich schon verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren haben die VAE daran gearbeitet, ihren Einfluss in mehreren afrikanischen Staaten auszubauen. Sie haben eine Reihe von Infrastrukturprojekten in Afrika entwickelt, darunter einen geplanten Hafen an der sudanesischen Küste des Roten Meeres. Sie haben große Investitionen in die Landwirtschaft im Sudan getätigt und erhalten den größten Teil des dort geförderten <a href="https://www.chathamhouse.org/2025/03/gold-and-war-sudan/04-how-sudans-gold-sector-connects-regional-conflict-ecosystem" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Goldes</a>.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die VAE sind offenbar zu dem Schluss gekommen, dass die Kontrolle durch die RSF der beste Weg ist, um ihren Einfluss zu sichern und ihre Interessen zu schützen &nbsp;– auch auf Kosten von Menschenleben. Als Reaktion darauf hat die sudanesische Regierung Schritte unternommen, um die Beziehungen zu Russland zu verbessern. Es wurde berichtet, dass sie Russland möglicherweise erlauben wird, einen permanenten Marinestützpunkt am Roten Meer zu errichten.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-wenig-druck-von-aussen">Wenig Druck von außen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die VAE stehen nur unter geringem internationalem Druck. Westliche Staaten, die eng mit ihnen verbunden sind &#8211; darunter Großbritannien und die USA &#8211; spielen ihre Rolle herunter. Die britische Regierung liefert weiterhin <a href="https://www.middleeasteye.net/news/uk-allowed-arms-exports-uae-after-being-told-weapons-given-rsf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Waffen an die VAE</a>, obwohl sie weiß, dass diese an die RSF weitergegeben werden. Zudem hat ein Whistleblower die britische Regierung beschuldigt, Warnungen vor einem möglichen Völkermord im Sudan aus einer Risikobewertungsanalyse entfernt zu haben, um die VAE zu schützen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Europäische Union und Großbritannien reagierten auf die Gräueltaten in el-Fashir mit <a href="https://www.theguardian.com/world/2025/dec/12/uk-sanctions-four-rsf-commanders-heinous-violence-against-sudan-civilians" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sanktionen gegen vier RSF-Führer</a>. Auch die USA wollen weitere Sanktionen in Erwägung ziehen, aber diese Maßnahmen reichen nie bis zu den Persönlichkeiten in der Regierung der VAE.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der UN-Sicherheitsrat, in dem Großbritannien als ständiges Mitglied die Führungsrolle für die Beendigung des Konflikts im Sudan innehat, war ebenfalls erwartungsgemäß ineffektiv. Russland hat angekündigt, jede Resolution Großbritanniens mit einem Veto zu blockieren. Dennoch lehnte Großbritannien im Juni das <a href="https://www.theguardian.com/global-development/2025/sep/24/siege-sudan-city-el-fasher-rsf#:~:text=UK%20refuses%20to%20hand%20over%20responsibility" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Angebot afrikanischer Staaten</a> ab, die Verantwortung an sie abzutreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ägypten unterstützt die sudanesische Regierung nachdrücklich, und auch Saudi-Arabien zeigt sich einigermaßen kooperativ. Gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA haben sie sich zu einem Forum namens „Quad“ zusammengeschlossen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der konkurrierenden Interessen gab es im September Anlass zur Hoffnung, als die Quad eine dreimonatige humanitäre Waffenruhe aushandelte, gefolgt von einem neunmonatigen Übergang zur Zivilregierung. Beide Seiten akzeptierten den Plan, doch die RSF kämpfte weiter, woraufhin die sudanesische Regierung den Vorschlag ablehnte.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-niedrige-us-zolle-fur-vae">Niedrige US-Zölle für VAE</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ob und wann die Kämpfe eingestellt werden, hängt möglicherweise von den diplomatischen Launen der USA ab. US-Präsident Donald Trump scheint sich seit kurzem stärker für den Konflikt zu interessieren, wahrscheinlich aufgrund eines Besuchs des saudischen Herrschers Mohammed bin Salman im Weißen Haus im November.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trump möchte vielleicht behaupten, einen weiteren Konflikt beendet zu haben, um seinen offensichtlichen Wunsch nach dem Friedensnobelpreis zu erfüllen. Aber es ist schwer, Fortschritte zu erkennen. Die US-Regierung scheint derzeit nicht bereit, Druck auf die VAE auszuüben. Eine Möglichkeit dafür wären Zölle&nbsp;– ein grobes Instrument, das Trump bereits eingesetzt hat, um anderen Staaten Vereinbarungen aufzuzwingen. Die Tatsache, dass die Trump-Regierung derzeit Zölle zum niedrigsten Satz von zehn Prozent erhebt, zeigt ihre anhaltende Freundlichkeit gegenüber den VAE.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aktivist*innen versuchen, mehr Aufmerksamkeit auf die zentrale Rolle der VAE in diesem Konflikt zu lenken. Ein Schwerpunkt dabei ist Basketball: Die NBA hat einen umfangreichen und wachsenden <a href="https://www.theguardian.com/sport/2025/dec/13/nba-uae-sudan-sportswashing-rsf-war-crimes" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sponsorenvertrag mit den VAE</a> abgeschlossen, die ihren internationalen Ruf durch Sport aufzupolieren wollen. <a href="https://www.speakoutonsudan.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aktivist*innen</a> der Zivilgesellschaft fordern die NBA auf, diese Partnerschaft zu beenden. Dieses Engagement könnte dazu beitragen, dass der Sudan auf der Agenda der USA weiter nach oben rückt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die internationale Gemeinschaft hat die Macht, das Töten zu beenden, aber zuerst muss sie die Rolle der VAE und ihrer westlichen Verbündeten bei der Ermöglichung dieses Tötens anerkennen. Alle am Konflikt Beteiligten innerhalb und außerhalb des Sudan müssen ihre engstirnigen Eigeninteressen beiseite lassen. Die VAE, ihre Verbündeten und die anderen Quad-Staaten sollten stärker unter Druck gesetzt werden, als ersten Schritt zum Frieden einen echten Waffenstillstand zu vermitteln und ihren Einfluss auf die Kriegsparteien zu nutzen, um sicherzustellen, dass sie sich daran halten. (Ende)</p>



<pre class="wp-block-verse">*Andrew Firmin ist Chefredakteur von <a href="https://www.civicus.org/">CIVICUS</a>. Das Ziel der internationalen Nonprofit-Organisation mit Hauptsitz in Johannesburg ist die Stärkung der Zivilgesellschaft.</pre>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Am 8. November 2025 protestierten tausende Menschen in London gegen die Unterstützung von Kriegsparteien im Sudan. Dieser Mann zeigt ein Bild von Muhammad bin Zayid Al Nahyan, Herrscher von Abu Dhabi und Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate. (Foto: SunshineMunu, Shutterstock.com)</p>
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	</item>
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		<title>Tansania im Ausnahmezustand</title>
		<link>https://afrika.info/tansania-im-ausnahmezustand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Nov 2025 11:13:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Kizito Makoye]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei den Wahlen in Tansania kam es zu schweren Unruhen mit hunderten Toten. Die Regierung verhängte von 29. Oktober bis 3. November nächtliche Ausgangssperren sowie einen totalen Internet Shutdown. Kizito Makoye erlebte den Ausnahmezustand in Dar es Salaam hautnah mit.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Kizito Makoye | 5. November 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Wahlen in Tansania kam es zu schweren Unruhen mit hunderten Toten. Die Regierung verhängte von 29. Oktober bis 3. November nächtliche Ausgangssperren sowie einen totalen Internet Shutdown. Kizito Makoye erlebte den Ausnahmezustand in Dar es Salaam hautnah mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dar es Salaam (IPS/afr). Manzese, ein sonst pulsierender Stadtteil der tansanischen Wirtschaftsmetropole Dar es Salaam, wirkt an diesem Morgen wie ausgestorben. Wo sich normalerweise im Berufsverkehr Gemüsehändler*innen, Streetfood-Verkäufer*innen und Motorradtaxis drängen, liegt heute eine unheimliche Stille über den staubigen Straßen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rollläden der Verkaufsstände sind fest verschlossen, die hölzernen Marktstände leergeräumt, und in der Luft hängt ein schwerer, beißender Geruch von verbranntem Gummi. Seit Tagen steht das wirtschaftliche Leben still – die Bewohner*innen konnten weder Lebensmittel kaufen noch grundlegende Dienstleistungen in Anspruch nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich kann immer noch nicht fassen, was ich gesehen habe“, sagt Abel Nteena, ein 36-jähriger Autorikschafahrer. Seine Stimme zittert, als er sich an den Morgen des 31. Oktober erinnert. „Maskierte Männer in Schwarz mit roten Armbinden tauchten plötzlich auf. Sie fingen an, auf uns zu schießen, als wir an der Tankstelle anstanden. Sie sprachen Swahili, aber ihr Akzent war seltsam – und ihre Haut war ungewöhnlich dunkel. Sie schrien, wir sollten laufen, und eröffneten das Feuer.“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei seiner Kollegen seien getroffen worden und lägen nun im Krankenhaus, erzählt Nteena. „Einer wurde in die Brust, ein anderer ins Bein getroffen. Ich weiß nicht einmal, ob sie es schaffen werden.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-unruhen-legen-die-stadt-lahm">Unruhen legen die Stadt lahm</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Angriff war nur einer von vielen, die Dar es Salaam nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen vom 29. Oktober erschütterten. Die Gewalt forderte nach Schätzungen landesweit Hunderte Todesopfer, manche Quellen sprechen sogar von über 1.000. Um die Lage zu beruhigen, verhängte die Regierung in Dar es Salaam eine nächtliche Ausgangssperre – mit gravierenden wirtschaftlichen Folgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Millionen Menschen, die auf den informellen Handel angewiesen sind, war die Ausgangssperre ein existenzieller Schlag. Geschäfte und Märkte schließen bereits am frühen Nachmittag, der öffentliche Nahverkehr fährt nur eingeschränkt, und Banken sowie Filialen für mobile Geldtransfers schließen lange vor Sonnenuntergang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich war gerade dabei, Milch zu kaufen, als ich Schüsse hörte“, berichtet Neema Nkulu, eine 31-jährige Mutter von drei Kindern aus dem Verwaltungsbezirk Bunju. „Die Leute schrien und fielen zu Boden. Ich sah einen blutenden Mann in der Nähe des Ladens. Ich ließ alles fallen und rannte los.“ Dann sagt sie leise: „Die Kugel eines Scharfschützen traf die Scheibe des Ladens genau dort, wo ich gestanden hatte. Gott sei Dank bin ich noch am Leben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Mobile-Money-Dienste nur eingeschränkt verfügbar sind, können viele Menschen nicht an ihr Guthaben gelangen. „Ich habe zwar Geld auf meinem Handy, aber die Filialen haben geschlossen, und ich kann es nicht abheben“, sagt Neema. „Meine Kinder haben seit zwei Tagen nichts Richtiges gegessen.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-kampf-ums-uberleben">Kampf ums Überleben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Dar es Salaam, wo fast sechs Millionen Menschen vom täglichen Verdienst leben, löste die Ausgangssperre eine Kettenreaktion von Notlagen aus. Lebensmittelpreise stiegen dramatisch, weil Lieferfahrzeuge aufgrund von Unsicherheit und Treibstoffmangel feststecken. Der Preis für Maismehl – ein Grundnahrungsmittel – hat sich binnen einer Woche verdoppelt. Gleichzeitig trieben die höheren Treibstoffkosten die Fahrpreise im Nahverkehr in die Höhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Früher habe ich jeden Abend gebratenen Fisch verkauft“, sagt der 39-jährige Rashid Pilo, der einen Straßenimbiss in Bunju betreibt. „Meine Kunden waren Büroangestellte, die sich auf dem Heimweg etwas kauften. Aber jetzt eilen wegen der Ausgangssperre alle früh nach Hause. Ich habe fast alles verloren. Eine Nacht ohne Verkauf bedeutet kein Essen für meine Familie.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Krankenhäusern von Mwananyamala und Mabwepande seien die Leichenhallen überfüllt, berichten Mitabeitende, die anonym blieben möchten. Leichensäcke gingen zur Neige. Offizielle Opferzahlen veröffentlicht die Regierung nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Immer wieder werden Leichen eingeliefert“, berichtet ein erschütterter Krankenhausmitarbeiter. „Manche haben Schusswunden, andere wurden geschlagen. Die Familien haben Angst, sie abzuholen.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-angst-und-schweigen">Angst und Schweigen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schwer bewaffnete Soldaten patrouillieren an Kreuzungen, gepanzerte Fahrzeuge fahren ununterbrochen Streife, und willkürliche Hausdurchsuchungen sind zur Routine geworden. Viele Menschen trauen sich kaum noch vor die Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin zu drei Geldautomaten gegangen, aber keiner funktionierte“, sagt Richard Masawe, ein 46-jähriger Computerspezialist. „Das Internet war ausgefallen, und selbst Mobile Banking ging nicht. Ich konnte nichts kaufen und kein Geld an meine Familie schicken. Es fühlte sich an, als wären wir von der Außenwelt abgeschnitten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung begründet den totalen Internet Shutdown mit einer „vorübergehenden Sicherheitsmaßnahme“. Menschenrechtsorganisationen hingegen sehen darin den Versuch, Berichterstattung und Kritik zu unterdrücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Verkehr ist weitgehend lahmgelegt. „Wir haben nur noch Treibstoff für einen halben Tag“, sagt Walid Masato, Leiter einer Tankstelle. „Die Lieferungen bleiben aus. Die Straßen sind unsicher.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-wirtschaft-am-abgrund-zerbrochenes-vertrauen">Wirtschaft am Abgrund, zerbrochenes Vertrauen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Der informelle Sektor, in dem über 80 Prozent Bevölkerung arbeiten, ist am stärksten betroffen“, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler Jerome Mchau. Er schätzt, dass die Wirtschaft wöchentlich bis zu 150 Millionen US-Dollar verlieren könnte. „Die Preise für Lebensmittel und Kraftstoffe steigen rasant, das Vertrauen der Konsument*innen bricht ein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ausgangssperre hat auch die Logistiknetze lahmgelegt. Lastwägen mit lebensnotwendigen Gütern aus den zentralen Regionen Dodoma, Morogoro und Mbeya konnten die Küste nicht erreichen, was zu Lieferengpässen in den Städten führte. „Wir beobachten Panikkäufe“, sagt Mchau. „Die Menschen horten Reis, Nudeln und Mehl.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Intensität der Gewalt kam für die meisten Beobachter*innen überraschend. „Tansania galt lange als Leuchtfeuer des Friedens und der Demokratie in Afrika“, sagt der politische Kommentator Michael Bante. „Doch jetzt verlieren viele das Vertrauen in staatliche Institutionen. Oppositionelle Stimmen werden unterdrückt, Gemeinschaften spalten sich.“ Er betont, dass Präsidentin Samia Suluhu Hassan die Nation nur durch transparente Aufklärung und Dialog einen könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen hat die Gewalt das Vertrauen zwischen Bürger*innen und Regierung untergraben. Viele Menschen fühlen sich von einem System verraten, das einst für Stabilität stand.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-eine-nation-unter-schock">Eine Nation unter Schock</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen Teilen von Dar es Salaam prägen Trauer und Ungewissheit den Alltag. Auf dem Manzese-Markt versammeln sich Frauen still in kleinen Gruppen und flüstern über vermisste Angehörige. Verkohlte Überreste von Kiosken und Motorrädern liegen auf den Straßen. Ein schwacher Rauchgeruch hängt in der Luft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nichts wird mehr so ​​sein wie vorher“, sagt Neema Nkulu, die junge Mutter, die nur knapp einem Scharfschützenangriff entkam. „Früher fühlten wir uns hier sicher. Jetzt zucke ich bei jedem Motorradgeräusch zusammen. Ich kann meine Kinder nicht einmal mehr zur Schule schicken.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schulen in der ganzen Stadt bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Krankenhäuser melden einen Anstieg von Traumata und Angstzuständen. Religiöse Führer haben zu Ruhe und Versöhnung aufgerufen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-auf-der-suche-nach-stabilitat">Auf der Suche nach Stabilität</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Präsidentin Samia Suluhu Hassan hat die Wahlen am 29. Oktober offiziellen Ergebnissen zufolge mit 97,66 Prozent der Stimmen gewonnen. Die wichtigsten Oppositionskandidaten waren von der Abstimmung ausgeschlossen. Bereits am Wahltag kam es zu gewaltsamen Protesten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Samia Suluhu Hassan, die die Gewalt öffentlich verurteilt hat, steht nun vor ihrer bisher größten politischen Herausforderung. In einer Fernsehansprache rief sie zur nationalen Einheit auf und versprach, die Angriffe zu untersuchen. Kritiker*innen befürchten jedoch, dass das harte Vorgehen der Regierung die Spannungen weiter verschärfen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tansania steht an einem Scheideweg“, sagt Michael Bante. „Die Führung muss sich zwischen Repression und Reform entscheiden. Die Welt schaut zu.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Internationale Partner, darunter die Afrikanische Union und die Vereinten Nationen, haben zu Zurückhaltung und Dialog aufgerufen. Diplomatischen Kreisen zufolge sind die Vermittlungsbemühungen jedoch ins Stocken geraten, da beide Seiten auf ihren Positionen beharren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für  den Fischerverkäufer Rashid&nbsp; ist Politik zur Frage des Überlebens geworden. „Mir ist es egal, wer gewinnt oder verliert“, sagt er, während er eine Handvoll Tilapia auf einem kleinen Holzkohlegrill brät. „Ich will nur Frieden, damit ich arbeiten und meine Familie ernähren kann.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-zerbrechliche-hoffnung">Zerbrechliche Hoffnung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Einbruch der Dämmerung liegt Dar es Salaam in gespannter Stille. Die einst belebten Busbahnhöfe und Imbissstände sind wie ausgestorben. Nur Militärpatrouillen duchbrechen die Stille auf den schwach beleuchteten Straßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir haben schon schwere Zeiten durchgemacht“, sagt der Computerspezialist Masawe. „Wenn wir das Vertrauen wiederherstellen können, können wir vielleicht auch unser Land wieder aufbauen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Lösung des Konflikts scheint derzeit aber in weiter Ferne. Die Krise nach den Wahlen in Tansania hat tiefe Spuren in einem Land hinterlassen, das einst als Hort der Stabilität galt. Ob die Regierung von Präsidentin Samia Hassan diese Wunden heilen kann, bleibt abzuwarten. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Ein Wahlplakat von Präsidentin Samia Suluhu Hassan ist umgeben vom Rauch brennender Reifen, die bei den Unruhen in Dar es Salaam in Brand gesteckt wurden (Foto: Zuberi Mussa/IPS)</p>
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	</item>
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		<title>Gruppe Wagner weitet Aktivitäten in Afrika aus</title>
		<link>https://afrika.info/gruppe-wagner-weitet-aktivitaeten-in-afrika-aus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 May 2023 07:39:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Afrika allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Libyen]]></category>
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		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Söldner der Gruppe Wagner haben seit 2017 in fünf afrikanischen Ländern militärische Operationen durchgeführt. Das private russische Militärunternehmen verfolgt aber auch zunehmend politische und wirtschaftliche Interessen auf dem Kontinent.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Fawzia Moodley und Martin Sturmer | 30. Mai 2023</p>



<p class="wp-block-paragraph">Johannesburg/Oberndorf bei Salzburg (IPS/afr). Die Söldner der Gruppe Wagner haben seit 2017 in fünf afrikanischen Ländern militärische Operationen durchgeführt. Das private russische Militärunternehmen verfolgt aber auch zunehmend politische und wirtschaftliche Interessen auf dem Kontinent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der US-Denkfabrik &#8222;<a href="https://russianpmcs.csis.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Center for Strategic &amp; International Studies</a>&#8220;  waren russische Privatarmeen in den letzten zehn Jahren in 18 afrikanischen Staaten aktiv. Die bekannteste unter ihnen ist die Gruppe Wagner, die seit der Invasion in der Ukraine für internationale Schlagzeilen sorgt. Der Einfluss des privaten Militärunternehmens in Afrika geht mittlerweile weit über Sicherheitsfragen hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die “Global Initiative Against Transnational Organized Crime” hat kürzlich die Studie “<a href="https://globalinitiative.net/wp-content/uploads/2023/02/J-Stanyard-T-Vircoulon-J-Rademeyer-The-Grey-Zone-Russias-military-mercenary-and-criminal-engagement-in-Africa-GITOC-February-2023.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Grey Zone: Russia&#8217;s Military, Mercenary and Criminal Engagement in Africa</a>” veröffentlicht. Der Bericht macht deutlich, dass die Gruppe Wagner bereits seit dem Jahr 2017 in Afrika aktiv ist. Seitdem hat das Militärunternehmen Truppen in fünf Länder entsandt: Libyen, Mali, Mosambik, Sudan und die Zentralafrikanische Republik.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Längst beschränkt sich aber die Gruppe Wagner nicht mehr auf militärische Interventionen. Die Studie zeigt, dass es zunehmend auch um politischen und wirtschaftlichen Einfluss geht. Im Interview mit der Nachrichtenagentur IPS sagt Julia Stanyard, Co-Autorin der Studie, dass die Gruppe Wagner mittlerweile ein Netzwerk an politisch einflussreichen Unternehmen, wie z. B. Bergbaufirmen, unterhalte: “Sie zielt offenbar auf instabile Regierungen ab, die in Bürgerkriege verwickelt sind, bildet Bündnisse mit der herrschenden Elite und bietet ihnen militärische Unterstützung und Waffen an.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wagner in der Zentralafrikanischen Republik</h2>



<p class="wp-block-paragraph">So geschehen in der Zentralafrikanischen Republik, wo sich die Regierung gegen mehrere Rebellenarmeen zur Wehr setzt. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt im März 2016 wandte sich Präsident Faustin-Archange Touadéra an Russland.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einem Treffen des russischen Außenministers Sergei Lawrow und Touadéra in Sotschi im Oktober 2017, wurden zunächst russische Militärausbilder entsandt und Waffen geliefert. Kurz darauf folgten die ersten Wagner-Truppen: Laut <a href="https://www.theguardian.com/world/2023/feb/02/wagner-mercenaries-sustain-losses-in-fight-for-central-african-republic-gold" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schätzungen des britischen Guardian</a> waren seit 2018 an die 1.000 Söldner der russischen Privatarmee in der Zentralafrikanischen Republik stationiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens seit der Präsidentschaftswahl im Dezember 2020 sichert die Gruppe Wagner Faustin-Archange Touadéra das politische Überleben. Gemeinsam mit Truppen der ruandischen Armee blockierten die Söldner zunächst den Vormarsch von Rebellen auf die Hauptstadt Bangui. Im Anschluss führten sie von Jänner bis März 2021 eine erfolgreiche Gegenoffensive durch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lukratives Geschäft mit Diamanten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegenzug erhielt die Gruppe Wagner von der zentralafrikanischen Regierung Wirtschafts- und Bergbaukonzessionen. Ein Beispiel ist das 2019 gegründete Unternehmen Diamville, das im Diamantenhandel aktiv ist.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer <a href="https://drive.google.com/file/d/1RyxkBKTP7BEVEtoQ3LV0jzxzJFrelHbJ/view?usp=sharing" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Recherche</a> des Mediennetzwerks “European Investigative Collaborations” (EIC), der französischen Organisation “All Eyes on Wagner” und dem britischen “Dossier Center” zufolge, gehört Diamville der Gruppe Wagner.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bericht belegt, dass der Handel mit Diamanten für die Gruppe Wegner ein lukratives Geschäft ist: Zwischen Oktober 2019 und Jänner 2022 wurden knapp 1.000 Karat exportiert &#8211; der Großteil davon ging nach Dubai. Der Wert der Diamanten liegt bei zwölf Millionen US-Dollar.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gräueltaten an Zivilist*innen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Von Menschenrechtsorganisationen werden der Gruppe Wagner zahlreiche Gräueltaten gegen Zivilist*innen vorgebrochen. Laut dem deutschen Nachrichtenmagazin “<a href="https://www.spiegel.de/ausland/wagner-gruppe-wie-die-russische-soeldnergruppen-mit-diamanten-aus-afrika-geschaefte-macht-a-18c4f0ea-d74d-43c4-a121-9132d6347f2a" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spiegel</a>” überfielen die Söldner Dörfer, raubten, brandschatzten und mordeten. Mehr als 750 Zivilist*innen sollen ihnen bereits zum Opfer gefallen sein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gruppe Wagner mit Sitz in St. Petersburg wurde 2014 gegründet. Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Bis 2019 hat Prigoschin die Existenz der Privatarmee abgestritten. Erst 2022 räumte er ein, die Truppe gegründet zu haben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben militärischen Einsätzen ist die Gruppe Wagner auch an russischen Desinformations- und Progagandakampagnen aktiv.&nbsp; Die NGO <a href="https://lens.civicus.org/russias-boots-on-the-ground-in-africa/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Civicus</a> mit Sitz in Johannesburg warnt auch davor, dass die Söldnerarmee Maßnahmen gegen die Zivilgesellschaft setzt. In der Zentralafrikanischen Republik lässt Präsident Touadéra kritische Stimmen unterdrücken. “Humanitäre Helfer und unabhängige Journalisten zählen zu den Opfern von Gewalt und Einschüchterung durch Wagner-Truppen”, berichtet die NGO. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild: </strong>Angehörige der Gruppe Wagner schützen den Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik Faustin-Archange Touadéra (Foto: Clément Di Roma/VOA, gemeinfrei, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=115316332" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Link</a>).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/gruppe-wagner-weitet-aktivitaeten-in-afrika-aus/">Gruppe Wagner weitet Aktivitäten in Afrika aus</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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		<title>Warum Afrika im Ukraine-Krieg gespalten ist</title>
		<link>https://afrika.info/warum-afrika-im-ukraine-krieg-gespalten-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Apr 2022 07:05:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Afrika allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Senegal]]></category>
		<category><![CDATA[Uganda]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Afrikanische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Macky Sall]]></category>
		<category><![CDATA[Martha Kiiza Bakwesegha-Osula]]></category>
		<category><![CDATA[Moussa FAki]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach der militärischen Invasion Russlands in der Ukraine am 24. Februar hat die internationale Gemeinschaft mit einer Mischung aus Schock, Wut und Angst reagiert. Gleichzeitig wägte sie die Auswirkungen des Krieges auf die internationale Sicherheit ab.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/warum-afrika-im-ukraine-krieg-gespalten-ist/">Warum Afrika im Ukraine-Krieg gespalten ist</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Kommentar von Martha Kiiza Bakwesegha-Osula<sup>1)</sup> | 19. April 2022</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nairobi (IPS/afr). Nach der militärischen Invasion Russlands in der Ukraine am 24. Februar hat die internationale Gemeinschaft mit einer Mischung aus Schock, Wut und Angst reagiert. Gleichzeitig wägte sie die Auswirkungen des Krieges auf die internationale Sicherheit ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Subsahara-Afrika, das lange Zeit als Randfigur in der Weltpolitik angesehen wurde, war da keine Ausnahme. Vor allem Kenia hat die russische Aggression vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit scharfen Worten verurteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem haben Senegals Präsident Macky Sall, derzeitiger Vorsitzender der Afrikanischen Union (AU), und Moussa Faki, Vorsitzender der AU-Kommission, Russland dazu aufgefordert, „das Völkerrecht, die territoriale Integrität und die nationale Unabhängigkeit der Ukraine zu respektieren“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abgesehen von den Stellungnahmen aus Kenia und der AU sind die Reaktionen aus Afrika wenig einheitlich. Viele Länder des Kontinents haben sich dafür entschieden, Stillschweigen zu bewahren – möglicherweise aus Angst, Russland zu verärgern. 28 afrikanische Staaten unterstützten am 2. März die Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen, in der die Invasion verurteilt wurde. 17 enthielten sich, einer (Eritrea, Anm.) lehnte die Resolution ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die unterschiedlichen Auffassungen in der Region werden noch deutlicher, wenn man bedenkt, dass sich Kenias Nachbarland Uganda der Stimme enthielt &#8211; vorgeblich wegen seiner „blockfreien“ Haltung in globalen Angelegenheiten. Gleichzeitig brachte Muhoozi Kainerugaba, Sohn des ugandischen Präsidenten und Kommandant der Streitkräfte, seine Unterstützung für Russland auf Twitter zum Ausdruck. (Das Twitter-Konto von Kainerugaba wurde am 11. April 2022 gesperrt, Anm.).</p>



<blockquote class="twitter-tweet"><p lang="en" dir="ltr">Son of President Museveni, and Commander of Uganda&#8217;s land forces, Lt Gen Muhoozi Kainerugaba, has expressed support for the Russian invasion of Ukraine.<br><br>He tweeted that &#8222;the majority of mankind (that are non-white) support Russia&#8217;s stand in Ukraine&#8220;.<a href="https://t.co/9lWkgJzqJN">https://t.co/9lWkgJzqJN</a> <a href="https://t.co/BwaADIaLbE">pic.twitter.com/BwaADIaLbE</a></p>— BBC News Africa (@BBCAfrica) <a href="https://twitter.com/BBCAfrica/status/1498679048888852489?ref_src=twsrc%5Etfw">March 1, 2022</a></blockquote> <script async="" src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>



<h2 class="wp-block-heading">Geoprovinzielle Linse</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die traditionellen Rollen in der internationalen Politik scheinen damit zumindest vorübergehend vertauscht. Der Kontinent galt lange Zeit als Synonym für sinnlose bewaffnete Konflikte, der daran gewöhnt war, mit herablassender Rhetorik bedacht zu werden und Zielgebiet von Projekten der Konfliktlösung zu sein. Nun findet sich der Kontinent in der Rolle des „Friedensstifters“ wieder &#8211; vis-à-vis dem zivilisatorisch „Überlegenen“, nämlich Europa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Westliche Journalist*innen und Akademiker*innen tun sich schwer, das Blutbad, die Zerstörung und die Vertreibung in der Ukraine zu erklären. Sie verharren in analytischen Narrativen, die Konflikte auf der Grundlage von ethnischer Zugehörigkeit und anderen ursprünglichen Identitätsfaktoren begründen, die mit „kulturell Rückständigen“ in Subsahara-Afrika und in der Arabischen Welt assoziiert sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die aktuelle Situation sollte uns daher als düstere Mahnung dienen, dass Konflikte grundsätzlich von Gier, Opportunismus und anderen materialistischen Bestrebungen angetrieben werden – und nicht von Identität, Kultur oder atavistischen Faktoren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Subsahara-Afrika hat viele zwielichtige, kriegslüsterne Führer erlebt, die erpicht darauf waren, militärische Macht zum Zwecke ihrer persönlichen Bereicherung zu nutzen. Aber nur wenige von ihnen haben die internationale Meinung so unverfroren zurückgewiesen wie Wladimir Putin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Berichte über afrikanische Student*innen, die versuchen, aus der Ukraine zu fliehen und denen aufgrund ihrer Hautfarbe die Einreise in Nachbarländer verwehrt wurde, erinnern daran, dass Rassismus in weiten Teilen Europas und der westlichen Welt auch Jahrhunderte nach dem Ende der Sklaverei immer noch spürbare Realität ist.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die AU verurteilte in ihrer Erklärung vom 28. Februar jedoch nur den Rassismus gegen Afrikaner*innen, obwohl über ähnliche Vorfälle gegenüber Menschen aus dem Kaukasus oder arabischen Ländern berichtet wurde. Das zeigt deutlich die geoprovinzielle Linse, durch die viele den Russland-Ukraine-Konflikt betrachten. Und sie weist auf eine anhaltende Balkanisierung in einer Ära hin, die trotz der vermeintlichen Globalisierung auf ethnischer Identität beruht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Afrikas Beziehungen mit Russland</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Afrika ist ein großer Kontinent mit 54 Ländern. Jeder Versuch, die Erfahrungen dieser Länder zu verallgemeinern, ist unvermeidlich mit analytischer Ungenauigkeit behaftet. Doch für viele Länder des Kontinents ist der geopolitische Einfluss Russlands im Vergleich zu den anderen vier ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats gering.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn die Vereinigten Staaten und China in der Vorstellung vieler heute eine große Rolle spielen, nutzen ehemalige Kolonialmächte wie Großbritannien und Frankreich weiterhin historische, sprachliche und kulturelle Beziehungen als Grundlage für einen gewissen &#8211; zugegebenermaßen schwindenden &#8211; Einfluss. Russland muss sich mit dem Rest zufriedengeben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele afrikanische Regime, die in der Vergangenheit von der Sowjetunion unterstützt worden waren, sind im Lauf der Jahre abgelöst worden. Russlands Anspruch auf Ruhm, der auf einer Kalter-Krieg-Nostalgie fußt, ist verblasst. Moskau musste ein neues Repertoire und einen neuen Rahmen für Beziehungen entwickeln, die auf Sicherheitskooperation, Handels- und Investitionsbeziehungen sowie auf politische Solidarität &#8211; insbesondere im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen &#8211; basieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige afrikanische Länder sind wichtige Abnehmer für russische Agrarprodukte wie Weizen. In erster Linie basieren die Handelsbeziehungen jedoch auf russischen Exporten<sup>2)</sup> – wodurch Subsahara-Afrika im Vergleich zu Europa weit weniger abhängig von den Handelsbeziehungen ist. Kurz gesagt: Russlands Invasion und die weltweiten Reaktionen darauf stellen eine viel größere Bedrohung für Europa dar als für Subsahara-Afrika – sowohl in wirtschaftlicher als auch geopolitischer Hinsicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Folgen des Konflikts für Afrika</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund hat Russlands Invasion in der Ukraine mindestens drei Konsequenzen für die künftigen Beziehungen mit Afrika. Erstens ist der Krieg ein weiterer Beleg dafür, dass heutige Konflikte – ob zwischen- oder innerstaatlich – weitgehend von materiellen Faktoren angetrieben werden, die gelegentlich von Identitätspolitik überdeckt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens verstärken die starken Reaktionen der NATO und der EU zur Unterstützung der Ukraine – obwohl das Land weder da noch dort Mitglied ist – die von afrikanischen Politiker*innen seit langem bestehende Auffassung, dass regionale Krisen am besten von regionalen Akteuren in der Nachbarschaft des Konflikts gelöst werden sollten. Insbesondere im Vorfeld der von der NATO geführten Militärkampagne, die zum Sturz des früheren libyschen Staatsoberhaupts Muammar al-Gaddafi geführt hatte, war diese Position immer wieder betont worden. Mit anderen Worten: Europäische Probleme brauchen europäische Lösungen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutet aber auch, dass die AU sowie subregionale Organisationen wie die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS und die zwischenstaatliche Entwicklungsbehörde IGAD weniger Gegenwehr erwarten sollten, wenn sie die Führung bei der Lösung von Konflikten in ihrer Region übernehmen wollen. Gleichzeitig sollten sie aber auch wichtige Lehren aus dem schnellen Handeln der NATO zum Schutz „ihrer eigenen“ Bündnispartner ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich erinnert der Russland-Ukraine-Konflikt daran, dass selbst in einer vermeintlich multilateralen Welt internationale Antworten auf politische und wirtschaftliche Herausforderungen eher durch geostrategisches Kalkül als durch philanthropische Ideale geprägt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die mediale, politische und diplomatische Aufmerksamkeit, die der Ukraine während der Invasion zuteil wurde, geht weit über jene hinaus, die ähnlichen Konflikten in Subsahara-Afrika und anderen Teilen der Welt zuteil wurde. Das ist ein Beleg dafür, dass wir in einer Welt leben, in der tatsächlich jeder Kontinent oder jede Subregion auf sich alleine gestellt ist. (Ende)</p>



<pre class="wp-block-verse">1) Martha Kiiza Bakwesegha-Osula ist Beraterin für globale Politik und Friedensförderung am <a href="https://life-peace.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Life and Peace Institute</a> in Nairobi, Kenia. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen der persönlichen Meinung der Autorin und können nicht Personen, Institutionen und Organisationen zugeschrieben werden, mit denen die Autorin möglicherweise in persönlicher oder beruflicher Verbindung steht.</pre>



<pre class="wp-block-verse">2) Über das Handelsvolumen zwischen Afrika und Russland gibt es unterschiedliche Angaben. Die <a href="https://www.ecofinagency.com/public-management/0903-43450-africa-imports-seven-times-more-russian-products-than-it-exports-to-moscow" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ecofin Agency</a> beruft sich auf Angaben der Trade Map der WTO und nennt für das Jahr 2020 Importe aus Russland in Höhe von 12,4 Mrd. US-Dollar und afrikanische Exporte in Höhe von 1,6 Mrd. US-Dollar. Russlands Anteil am gesamten Handelsvolumen Afrikas liegt damit bei 2,4% - jener von China bei 19,6%. In einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur <a href="https://tass.com/economy/1354969" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TASS</a> spricht Benedict Oramah, Präsident der Afreximbank, von Importen aus Russland in Höhe von bis zu 14 Mrd. US-Dollar und Exporten in Höhe von fünf Mrd. US-Dollar.</pre>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Moussa Faki, Vorsitzender der Kommission der Afrikanischen Union (AU), hat gemeinsam mit dem AU-Vorsitzenden Macky Sall Russland dazu aufgefordert &#8222;das Völkerrecht, die territoriale Integrität und die nationale Unabhängigkeit der Ukraine zu respektieren“. (Foto: Alexandros Michailidis, Shutterstock.com)</p>
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		<title>Ägypten sucht nach neuen Weizenlieferanten</title>
		<link>https://afrika.info/aegypten-sucht-nach-neuen-weizenlieferanten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Mar 2022 08:32:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Handel]]></category>
		<category><![CDATA[Hisham Allam]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
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		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Russland und die Ukraine sind die Kornkammer Ägyptens. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine versucht der nordafrikanische Staat, rasch neue Weizenlieferanten zu finden. Ein Anstieg der subventionierten Brotpreise wird befürchtet.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Hisham Allam | 9. März 2022</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kairo (IPS/afr). Russland und die Ukraine sind die Kornkammer Ägyptens. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine versucht der nordafrikanische Staat, rasch neue Weizenlieferanten zu finden. Ein Anstieg der subventionierten Brotpreise wird befürchtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland und die Ukraine sind Schlüsselakteure auf dem globalen Getreidemarkt. Laut Angaben des deutschen<a href="https://www.bmel.de/SharedDocs/Meldungen/DE/Presse/2022/220224-agrarmaerkte-ukraine.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährungen</a> zeichneten die beiden Länder zuletzt für 29 Prozent der globalen Weizenexporte verantwortlich. Auf der anderen Seite ist Ägypten der größte Importeur für Weizen weltweit.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allein im Jahr 2021 importierte Ägypten 6,1 Millionen Tonnen Brotweizen: Davon stammten 4,2 Millionen Tonnen &#8211; also mehr als zwei Drittel &#8211; aus Russland und 651.400 Tonnen aus der Ukraine. (Quelle: <a href="https://www.world-grain.com/articles/16546-egypt-seeking-alternatives-to-wheat-from-russia-ukraine">World Grain</a>) </p>



<h2 class="wp-block-heading">Brotpreis ist politisch brisant</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Under the existing program, more than 60 million Egyptians, or nearly two thirds of the population, get 5 loaves of round bread daily for 50 cents a month, little changed since countrywide &#8222;bread riots&#8220; prevented a price hike in the 1970s.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mohamed Elhady ist Inhaber einer Bäckerei im Gouvernement al-Minufiyya. Seit 20 Jahren betreibt er sein Geschäft, das sich 80 Kilometer nördlich von Kairo befindet. Elhady ist aufgrund der aktuellen Entwicklung zutiefst besorgt: „Das staatlich subventionierte Brot verringert die Gewinnspanne der Bäckereien, da wir verpflichtet sind, einen Laib Brot zum staatlich festgelegten Preis zu verkaufen“, erzählt Elhady im Gespräch mit IPS.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wurzeln der Subventionierung für Nahrungsmittel in Ägypten lassen sich bis ins Jahr 1941 zurückverfolgen. Derzeit sind rund 63 Millionen Ägypter*innen bezugsberechtigt: Sie erhalten fünf Brotlaibe pro Tag zum Preis von 20 Piaster, das entspricht rund 1,2 Cent.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Brotpreis ist in Ägypten ein politisch brisantes Thema. Im August 2021 kündigte Präsident Abdel Fattah al-Sisi, die Brotpreise erhöhen zu wollen. Eine Steigerung des Brotpreises hat politische Sprengkraft:&nbsp; 1977 musste der damalige Präsident Anwar as-Sadat die Erhöhung des Brotpreises wieder rückgängig machen, nachdem es zu “Brotaufständen” gekommen war.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Preiserhöhungen könnten im April kommen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Elhady glaubt aber, dass die Regierung die Ankündigung des Präsidenten bald in die Tat umsetzen wird. Er rechnet damit, dass die Erhöhung des Brotpreises bis April passieren wird. In diesem Monat wird mit Weizenlieferungen aus neuen Bezugsquellen gerechnet.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Elhady wird eine Preiserhöhung die tägliche Produktionsmenge und damit seine Gewinne verringern. „Sobald die Weizenpreise steigen, wird die Regierung die Zahl der subventionierten Brote von fünf auf drei pro Tag reduzieren oder den Preis für einen Brotlaib erhöhen”, befürchtet Elhady.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem fürchten viele, dass Bürger*innen aus dem Subventionsprogramm ausgeschlossen werden. „Die Menschen werden wählen müssen &#8211; weniger essen oder mehr zahlen“, sagt Elhady.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zeit für Neulieferungen drängt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Woher der Weizen kommen wird, ist derzeit noch nicht klar. Ägyptens wichtigste staatliche Beschaffungsagentur, die General Authority for Supply Commodities (GASC), hat eine zweite Ausschreibung für Weizenlieferungen für den Zeitraum von 13. bis 26. April 2022 veröffentlicht. Eine erste Ausschreibung musste annulliert werden, da nur ein Angebot für Weizen aus Frankreich eingetroffen war. Nach den Vergabekriterien sind aber zumindest zwei Angebote erforderlich, damit ein Zuschlag erteilt werden kann.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die GASC hat Ende Februar als Frist für die Einreichung von Angeboten für die neue Ausschreibung festgelegt . Neben Russland und der Ukraine holte die Beschaffungsagentur Angebote aus den USA, Kanada, Frankreich, Bulgarien, Australien, Polen, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Rumänien, Serbien, Ungarn, Paraguay und Kasachstan ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben von Salah Hamza, Berater des Ministry of Supply and Internal Trade, werden in Ägypten pro Tag 275 Millionen Brotlaibe pro Tag produziert. Der Weizenbedarf pro Monat beträgt 900.000 Tonnen. “Der strategische Vorrat reicht für die nächsten fünf Monate”, so Hamza, “zusätzlich rechnen wir noch mit vier Millionen Tonnen, die aus der heimischen Ernte bis Mitte April erwartet werden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz des Krieges habe ein ägyptisches Schiff mit einer Ladung von 60 Tonnen Weizen die Ukraine verlassen und sei auf dem Weg nach Ägypten, so Hamza. „Diese Lieferung wurde bereits nach einer internationalen Ausschreibung im Dezember 2021 in der Ukraine für 361 US-Dollar pro Tonne bestellt”, sagt Hamza. Die Schiffsfracht sei Teil einer 300.000-Tonnen-Lieferung, die bis März 2022 eintreffen werde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Preis für Weizen wird unterdessen immer höher: Im Februar dieses Jahres ist der Preis für einen Ardeb Weizen (150 Kilogramm) im Vergleich zum Februar 2021 um 65 Prozent angestiegen. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Der Krieg in der Ukraine beeinträchtigt die Weizenlieferungen nach Ägypten. Der Preis für das subventionierte Brot könnte bald steigen. (Foto: Abdelfatah Farag/IPS)</p>
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		<title>Afrika: Die Waffen nieder!</title>
		<link>https://afrika.info/afrika-die-waffen-nieder/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jan 2020 10:28:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Afrika allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Äthiopien]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Frieden]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Konfliktlösung]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Zipporah Musau]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Kampagne "Silencing the Guns by 2020" der Afrikanischen Union (AU) will die Konflikte auf dem Kontinent beenden und dauerhaften Frieden ermöglichen. Das Vorhaben kommt einer Mammutaufgabe gleich: Pro Jahr verliert eine halbe Million Menschen auf dem Kontinent durch Waffengewalt das Leben.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Zipporah Musau, Africa Renewal* | 7. Januar 2020</p>



<p class="wp-block-paragraph">New York (AR/afr). Die Kampagne &#8222;Silencing the Guns by 2020&#8220; der Afrikanischen Union (AU) will die Konflikte auf dem Kontinent beenden und dauerhaften Frieden ermöglichen. Das Vorhaben kommt einer Mammutaufgabe gleich: Pro Jahr verliert eine halbe Million Menschen auf dem Kontinent durch Waffengewalt das Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wurzeln von &#8222;Silencing the Guns by 2020&#8220; liegen im Jahr 2013. Damals versammelten sich Vertreter der AU-Mitgliedsstaaten, um das 50-jährige Bestehen der Organisation zu feiern. Anlässlich der Zeremonie in Addis Abeba setzten sich die Staats- und Regierungschefs zusammen, um über die größten Herausforderungen in Afrika zu beraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten waren sich einig darüber, dass die bewaffneten Konflikte eines der größten Hindernisse für die die erfolgreiche Umsetzung des AU-Entwicklungsplans Agenda 2063 darstellt. &#8222;Bevor die AU-Vertreter Addis Abeba verließen, beschlossen sie, die Last von Konflikten nicht auf zukünftige Generationen zu übertragen&#8220;, erzählt Aïssatou Hayatou, Koordinatorin der Kampagne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hayatou bezeichnet &#8222;Silencing the Guns by 2020&#8220; als eines der Vorzeigeprojekte der Agenda 2063. Ziel der Kampagne sei es, den Kontinent von Kriegen, gewaltsamen Konflikten, Menschenrechtsverletzungen und humanitären Katastrophen zu befreien. Dazu sollen auf dem Kontinent all jene Herausforderungen adressiert werden, die zu Waffengewalt führen: Arbeitslosigkeit, Armut, Klimawandel, illegale Kapitalflüsse, Korruption und Ungerechtigkeit sollen der Kampf angesagt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="licht-und-schatten">Licht und Schatten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten zwei Jahrzehnten wurden Konflikte an Brennpunkten wie Angola, Côte d&#8217;Ivoire, Liberia und Sierra Leone beendet. Laut dem in Addis Abeba ansässigen &#8222;<a href="https://issafrica.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Institute for Security Studies</a>&#8220; (ISS) wurden selbst in schwierigen Ländern wie Somalia und Sudan erhebliche Fortschritte erzielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch gab es auch Rückschläge: In Libyen, im Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik, im Osten der Demokratischen Republik Kongo und im Tschadbecken sind Kämpfe nach wie vor zu beobachten. Auch der gewaltsame Extremismus in der Sahelzone, am Horn von Afrika sowie in Teilen von Ostafrika ist eine Herausforderung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu kommen Bedrohungen durch Terrorismus und grenzüberschreitende Kriminalität. Konflikte zwischen Hirten und Bauern um Wasser und Weideflächen, Gewaltverbrechen in der Stadt und Viehdiebstahl geben ebenfalls Anlass zur Sorge: Immer häufiger kommen dabei tödliche Schusswaffen zum Einsatz, während traditionelle Waffen wie Speere oder Pfeilbögen stark am Rückzug sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="todliche-kleinwaffen">Tödliche Kleinwaffen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der Oxfam-Studie &#8222;<a href="https://www.oxfam.org/en/research/human-cost-uncontrolled-arms-africa" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Human Cost of Uncontrolled Arms in Africa</a>&#8220; (2017) sterben auf dem Kontinent jedes Jahr mindestens 500.000 Menschen infolge bewaffneter Gewalt und Konflikte, Millionen werden missbraucht oder vertrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Gewehre sind die beliebteste Waffe auf dem Kontinent. Sie verursachen mehr Todesfälle als Bomben, Granaten oder Minen. Die AK-47 ist nach wie vor das gefährlichste Tötungsinstrument in Afrika&#8220;, sagt Hayatou. Sie ergänzt, dass ein beträchtlicher Teil der legal importierten Waffen durch Korruption in die falschen Hände gelangt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oft werden die Waffenbestände von Regierungen geplündert und Militärs oder Polizisten für ihre Waffen getötet. Besorgniserregend ist auch die beträchtliche Zahl von Waffen aus Libyen, die zuvor dem Regime von Muammar Gaddafi gehörten und jetzt in der Sahelzone gelandet sind. Viele dieser Kleinwaffen befinden sich in den Händen von separatistischen Rebellen im Nordmali.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der &#8222;<a href="http://www.smallarmssurvey.org/fileadmin/docs/U-Reports/SAS-AU-Weapons-Compass.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weapons Compass</a>&#8220;&nbsp;(2019)&nbsp; des Genfer Forschungszentrums &#8222;Small Arms Survey&#8220; (SAS) und der AU kam zum Ergebnis, dass sich 80 Prozent aller Kleinwaffen im Besitz von Zivilisten einschließlich Rebellengruppen und Milizen befinden. Diese Gruppe besitzt mehr als 40 Millionen Kleinwaffen und leichte Waffen, während staatliche Einrichtungen nur über elf Millionen Kleinwaffen verfügen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="hauptabnehmer-in-nordafrika">Hauptabnehmer in Nordafrika</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Waffen in Afrika werden importiert. Die offiziellen Militärausgaben des Kontinents beliefen sich nach ISS-Angaben im Jahr 2018 auf rund 40,2 Milliarden US-Dollar, wobei Nordafrika 22,2 Milliarden US-Dollar und Subsahara-Afrika 18,8 Milliarden US-Dollar ausgab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wichtigsten Waffenlieferanten für Afrika zwischen 2014 und 2018 waren laut &#8222;Stockholm Peace Research Institute&#8220; (SIPRI) Russland, China, die Ukraine, Deutschland und Frankreich. Die größten Abnehmer waren Ägypten, Algerien und Marokko.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die “<a href="https://www.sipri.org/databases/armstransfers" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SIPRI Arms Transfers Database</a>” bietet Informationen zu allen Lieferungen wichtiger Waffengattungen an Staaten, internationale Organisationen und nichtstaatliche Gruppierungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">22 afrikanische Länder stellen auch verschiedene Arten von Kleinwaffen und leichten Waffen selbst her. Die Produktion auf dem Kontinent ist weit verbreitet. Berichten zufolge heizen diese Waffen in einigen Ländern die Kriminalität an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während afrikanische Länder den Kauf legaler Waffen kontrollieren können, ist es schwierig, den illegalen Handel auf dem Kontinent zu verfolgen. Durchlässige Grenzen und lange Küsten machen es relativ einfach, Kleinwaffen zwischen Ländern zu schmuggeln. Auch gibt es Bedenken, wie gut die nationalen Rüstungsbestände verwaltet und vor dem Zugriff unberechtigter Personen geschützt werden. (Ende)</p>



<pre class="wp-block-verse">*Die Autorin ist Chefredakteurin bei unserem Partnermagazin <a href="https://www.un.org/africarenewal/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Africa Renewal</a> der Vereinten Nationen. Der englischsprachige Originalbeitrag ist in der Ausgabe <a href="https://www.un.org/africarenewal/magazine/issue/december-2019-march-2020" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dezember 2019-März 2020</a> erschienen.</pre>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Bewaffneter Soldat in Äthiopien (Bild: Shutterstock.com)</p>
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		<title>UNMIL hat Aufgabe mit Bravour erfüllt</title>
		<link>https://afrika.info/unmil-hat-aufgabe-mit-bravour-erfuellt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Jun 2018 16:20:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Liberia]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>An einem hellen, sonnigen Tag im Januar dieses Jahres übergab die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf ihr Amt an George Weah. Der Weltfußballer des Jahres 1995 war als Sieger aus der Stichwahl vom 26. Dezember 2017 hervorgegangen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Kingsley Ighobor, Africa Renewal* | 5. Juni 2018</p>



<p class="wp-block-paragraph">New York (AR/afr). An einem hellen, sonnigen Tag im Januar dieses Jahres übergab die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf ihr Amt an George Weah. Der Weltfußballer des Jahres 1995 war als Sieger aus der Stichwahl vom 26. Dezember 2017 hervorgegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Amtsantritt von George Weah markierte den ersten demokratischen Machtwechsel in Liberia seit 1944. In seiner Inaugurationsrede gelobte George Weah, der in Liberia als Volksheld verehrt wird, die Ungleichheit im Land zu bekämpfen. Denn das Fehlen von Gleichheit und Einheit würde Liberia auf den Weg der Zerstörung führen, so Weah. Der ehemalige Fußballstar bezog sich damit auf den liberianischen Bürgerkrieg von 1989 bis 2003, der ein politisches und wirtschaftliches Trümmerfeld hinterließ.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 19. September 2003 wurde die &#8222;United Nations Mission in Liberia&#8220; (UNMIL) eingesetzt, um zur Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit im Land beizutragen. Und die Mission kann aus heutiger Sicht als voller Erfolg gewertet werden: Mehr als 100.000 Kämpfer wurden entwaffnet, eine Million Flüchtlinge und Vertriebene kehrten nach Liberia zurück. Außerdem trug UNMIL erfolgreich zur Durchführung von drei friedlichen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit 30. März 2018 ist das UNMIL-Mandat nach fast 15 Jahren ausgelaufen. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, zollte in einer Erklärung Anfang April jenen 202 Peacekeepern Respekt, die im Einsatz ihr Leben verloren haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marwolo Kpadeh ist Leiter der Jugendorganisation &#8222;Liberian Youth Network&#8220;. Er ist überzeugt, dass der Frieden von Dauer sein wird. Die größte Herausforderung für die neue Regierung seien allerdings die Schaffung von Arbeitsplätzen: &#8222;Der Frieden bleibt und unsere Demokratie ist reif. Jetzt brauchen wir aber Jobs&#8220;, meint er im Gespräch mit der UN-Zeitschrift&nbsp;<a href="https://www.un.org/africarenewal/magazine/april-2018-july-2018/mission-accomplished-15-years-peacekeeping-success-liberia" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Africa Renewal</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch nach Beendigung von UNMIL haben die Vereinten Nationen versprochen, Liberia weiter zu unterstützen. Guterres hat angekündigt, dass die &#8222;UN-Familie weiter im Land bleiben wird, um sicherzustellen, dass der hart erkämpfte Frieden aufrechterhalten werden kann.&#8220; Einrichtungen wie das Entwicklungsprogramm UNDP, das Kinderhilfswerk UNICEF oder das Welternährungsprogramm WFP werden in Liberia weiterarbeiten.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="nervoser-start-der-friedensmission">Nervöser Start der Friedensmission</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der liberianische Bürgerkrieg begann im Dezember 1989, als Charles Taylor einen bewaffneten Aufstand zum Sturz von Präsident Samuel Doe startete. Bis zum Jahr 2003 verloren 250.000 Menschen ihr Leben. In der Folge genehmigte der UN-Sicherheitsrat die Einrichtung einer Friedensmission, die sich aus bis zu 15.000 Soldaten und über 1.000 Polizisten zusammensetzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die UNMIL nahm ihre Arbeit im Oktober 2003 auf. Sie ersetzte die Überwachungsgruppe ECOMIL der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS, die seit September mit mehr als 3.500 Soldaten aus Nigeria, Mali und Senegal den Frieden im Land zu sichern versuchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Voraussetzung für den Einsatz von UNMIL und ECOMIL war das Friedensabkommen von Accra, das am 18. August 2003 von Charles Taylor und den Führern als Konfliktparteien unterzeichnet worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste Befehlshaber von UNMIL war der mittlerweile pensionierte Generalleutnant Daniel Opande aus Kenia. Im&nbsp;Gespräch mit Africa Renewal&nbsp;erinnert er sich an die Situation in Liberia zum Zeitpunkt seiner Stationierung: “Es funktionierte nichts. Die Regierung war zusammengebrochen, es gab keine Sicherheitsvorkehrungen, das ganze Land war in Aufruhr. Die Menschen zogen von Ort zu Ort und suchten nach Sicherheit oder nach Nahrung. Die Situation war sehr schlecht.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Patrick Coker, der im Oktober 2003 als Informationsoffizier zur UNMIL stieß, bestätigt den damals katastrophalen Zustand des Landes. &#8222;Als ich nach Liberia kam, hing eine dicke Wolke von Ungewissheit und Unsicherheit über dem Land. Es gab keinen Strom, kein Wasser, die Kämpfer waren bewaffnet, dazu kamen Tausende von Binnenvertriebenen. Es herrschte Hoffnungslosigkeit, Armut und Angst &#8211; wir waren nervös.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 7. Dezember 2003 startete die UNMIL einen zunächst missglückten Versuch zur Entwaffnung der Bürgerkriegsparteien. Daniel Opande schreibt die Erfolglosigkeit der Aktion der damaligen Unerfahrenheit der UNMIL zu. Es gab Missverständnisse über die Entschädigung für die Kämpfer. Als diese begannen, in die Luft zu schießen, wurde die Entwaffnung abrupt abgebrochen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="erfolgreiche-abrustung">Erfolgreiche Abrüstung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am Weihnachtstag des Jahres 2003 kam es beinahe zur Eskalation. Kämpfer der Rebellenfraktion &#8222;Liberians United for Reconstruction and Democracy&#8220; (LURD) verhinderten die Stationierung von Friedenstruppen in Tubmanburg nordwestlich von Monrovia.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Tage später kehrte General Opande mit einer stark verstärkten Truppe nach Tubmanburg zurück. Diesmal kapitulierten die Kämpfer und setzten ihren Kontrollpunkt in Brand. &#8222;Das liberianische Volk ist des Krieges müde. Wir sind auch müde&#8220;, sagte der stellvertretende LURD-Generalstabschef Oforie Diah.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die UNMIL-Führung lernte aber aus den negativen Erfahrungen. Nach einer groß angelegten Informationskampagne konnte der Entwaffnungsprozess im April 2004 erfolgreich wieder aufgenommen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verhandlungen mit den Kämpfern gestalteten sich dennoch nicht als ganz einfach. Patrick Cocker erzählt, dass der &#8222;Umgang mit den Exkombattanten, die seit mehr als einem Jahrzehnt im Busch lebten, keine leichte Aufgabe war.&#8220; So wurden verspätete Zahlungen der vereinbarten Abrüstungszulage als Provokation empfunden. Es folgten Androhungen, den Friedensprozess zu torpedieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In solchen Momenten setzte UNMIL oftmals auf den Einfluss liberianischer Frauen, um die ehemaligen Kämpfer zu beruhigen. &#8222;Wenn es in Liberia eine Gruppe gibt, zu deren Verdienste um den Frieden ich am meisten gratulieren muss, dann sind es die Frauen&#8220;, meint Generalleutnant Daniel Opande.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der erfolgreichen Demobilisierung und Rehabilitierung half die UNMIL mit, in Liberia eine neue Armee und Polizei aufzubauen. Außerdem leistete die Friedensmission technische und logistische Unterstützung für zahlreiche Abteilungen der neuen Regierung.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ebola-vernichtet-wirtschaftswachstum">Ebola vernichtet Wirtschaftswachstum</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den ersten Präsidentschaftswahlen nach dem Bürgerkrieg im Jahr 2005 ging Ellen Johnson Sirleaf als Siegerin hervor. In der Stichwahl vom 8. November gewann sie gegen George Weah. Im November 2011 gelang ihr die Wiederwahl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Präsidentin, die zwischen 1992 und 1997 das Afrika-Büro des UNDP leitete, war mit einer vom Krieg zerstörten Wirtschaft konfrontiert. Sie mobilisierte in- und ausländische Ressourcen, um die Entwicklung anzukurbeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den ersten Jahren von Sirleafs Präsidentschaft wuchs die Wirtschaft zwischen fünf und acht Prozent pro Jahr. Der Aufschwung hatte allerdings seinen Preis: Im Jahr 2010 stand Liberia bei Gläubigern wie dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank oder der Afrikanischen Entwicklungsbank mit fast fünf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Die Summe machte 90 Prozent der gesamten Auslandsschulden des Landes aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als 2014 die Ebola-Epidemie einsetzte, brach die Wirtschaft erneut zusammen. Die BIP-Wachstumsrate stürzte von 8,8 Prozent im Jahr 2013 auf 0,7 Prozent im Jahr 2014 ab. 2016 wurde sogar ein negatives Wachstum von 1,6 Prozent verzeichnet. Seitdem geht es nur langsam aufwärts: Für 2018 wird ein BIP-Wachstum von 3,2 Prozent prognostiziert.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="weah-soll-es-richten">Weah soll es richten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vierzehn Jahre Bürgerkrieg und die Ebola-Epidemie hätten die sozioökonomische Entwicklung Liberias völlig entgleisen lassen können. Aber die Amtseinführung von George Weah scheint die Hoffnung auf eine positive Zukunft des Landes wiederzubeleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Präsident Weah müsse auf den Erfolgen von Ellen Johnson Sirleaf aufbauen, schreibt Benjamin Spatz in der&nbsp;<a href="https://www.nytimes.com/2018/01/21/opinion/liberia-george-weah-inauguration.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">New York Times</a>. &#8222;Sie brachte Liberia von den Toten zurück. Jetzt ist es an ihm, die jungen Institutionen des Landes zu fördern, indem er ihre zwanghaft korrupte politische Kultur in Angriff nimmt.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hoffnung von Marwolo Kpadeh auf ein bessere Zukunft hängt von der Bewahrung des Friedens ab. &#8222;Entwicklung ist niemals ohne Frieden möglich&#8220;, sagt er. &#8222;Wir sollten alle stolz auf die Leistung der UNMIL sein.&#8220; (Ende)</p>



<pre class="wp-block-verse">*Kingsley Ighobor ist Mitarbeiter unseres Partnermagazins <a href="https://www.un.org/africarenewal/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Africa Renewal</a> der Vereinten Nationen. Der englischsprachige Originalbeitrag ist erstmals in <a href="https://www.un.org/africarenewal/magazine/issue/april-2018-july-2018" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ausgabe April-Juli 2018</a> erschienen.</pre>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> UNMIL-Soldaten aus Bangladesh auf Patrouille (Foto:&nbsp;<a href="https://flic.kr/p/65ntDP" target="_blank" rel="noreferrer noopener">UN Photo/Christopher Herwig</a>,&nbsp;<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CC BY-NC-ND 2.0</a>)</p>
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		<title>Biafra: PR an der Front</title>
		<link>https://afrika.info/biafra-pr-an-der-front/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 May 2017 12:32:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika-Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Biafra]]></category>
		<category><![CDATA[Gernot Zieser]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Kieslich]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Sturmer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor exakt 50 Jahren - am 30. Mai 1967 - erklärte Biafra seine Unabhängigkeit von Nigeria. Die Bilder aus dem nachfolgenden Bürgerkrieg haben unsere Wahrnehmung von Afrika stärker beeinflusst als jedes andere Ereignis. Im Konflikt spielte die Propaganda von PR-Agenturen eine entscheidende Rolle.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von&nbsp;Martin Sturmer&nbsp;| 30. Mai 2017</p>



<p class="wp-block-paragraph">Salzburg (afr). Vor exakt 50 Jahren &#8211; am 30. Mai 1967 &#8211; erklärte Biafra seine Unabhängigkeit von Nigeria. Die Bilder aus dem nachfolgenden Bürgerkrieg haben unsere Wahrnehmung von Afrika stärker beeinflusst als jedes andere Ereignis. Im Konflikt spielte die Propaganda von PR-Agenturen eine entscheidende Rolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hintergrund des Bürgerkriegs in Biafra (1967–1970) standen ein Ressourcenkonflikt und Pogrome gegen Igbo aus der Ostregion Nigerias. Im September 1966 waren bei blutigen Auseinandersetzungen mehr als 30.000 Igbo getötet worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 27. Mai 1967 verkündete Präsident Yakubu Gowon die Aufteilung Nigerias in zwölf Regionen. Für den Militärgouverneur der Ostregion, Emeka Ojukwu, war die Neuordnung allerdings ein schwerer Affront: Ojukwu hätte damit die Kontrolle über jene Gebiete verloren, in denen ein Großteil der erschlossenen Erdölvorkommen Nigerias lag. Außerdem wäre er vom Zugang zum Meer und zum Industriezentrum Port Harcourt abgeschnitten worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der drohende Machtverlust sowie die brutalen Übergriffe gegen die Igbo aus dem Vorjahr führten dazu, dass Ojukwu am 30. Mai 1967 die Unabhängigkeit Biafras ausrief. Nigeria ließ die Sezession aber nicht auf sich sitzen: Am 6. Juli 1967 fielen nigerianische Truppen in Biafra ein, sie unterschätzten aber die Gegenwehr von Ojukwus Soldaten. Die föderalistische Armee kam weitaus weniger rasch voran als erwartet. Aus der ursprünglich auf 48 Stunden anberaumten Polizeiaktion entstand ein Bürgerkrieg, der ganze 31 Monate dauern sollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bilder von Biafra-Kindern gehen um die Welt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weltpresse nahm von den Vorgängen in Nigeria zunächst kaum Notiz. Erst als sich die humanitäre Lage im stetig schrumpfenden und von der Nahrungsmittelzufuhr abgeschnittenen Biafra drastisch verschlechterte, reagierten die Redaktionen: Im Frühjahr 1968 drängten sich mehr als neun Millionen Menschen in einem Kessel, der kaum noch größer als das Ruhrgebiet war. Pro Tag sollen in dem Gebiet 6.000 Menschen gestorben sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 19. August 1968 beschrieb das Nachrichtenmagazin&nbsp;<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45966348.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spiegel</a>&nbsp;das ganze Ausmaß der Katastrophe. Der nachfolgende Auszug zeigt auch die Rezeption des Konflikts in internationalen Leitmedien:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Anfang nächsten Jahres wird es, wenn die Hungerblockade andauert, in Biafra keine Kinder unter 15 Jahren mehr geben. &#8218;Genozid&#8216;, so schrieb die Pariser &#8218;Monde&#8216;, &#8218;ein oft mißbrauchter Begriff, hier ist er am Platz.&#8216; (&#8230;) Erstmals wird ein Völkermord im Fernsehen gezeigt, wird die ganze Welt durch Filme, Photos und Berichte aus Biafra zum Zeugen des Genozides. Bilder von Skelett-Kindern mit aufgedunsenen Bäuchen, rötlich verfärbtem Kraushaar und leblosen Augen, &#8218;Bilder, schlimmer als aus Belsen&#8216; – so die Londoner &#8218;Times&#8216; – haben die Welt wachgerüttelt.&#8220;</p>
<cite>Der Spiegel, 19. August 1968</cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Uni Salzburg soll Hintergründe klären</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als die ersten Meldungen von dem Sterben im eingekesselten Biafra durch die deutsche Presse gingen, kam die deutsche Politik unter Zugzwang. Das Auswärtige Amt in Bonn trat an Günter Kieslich, Ordinarius für Publizistik an der Universität Salzburg, heran. Kieslich, der zuvor Referent der deutschen Kultusministerkonferenz gewesen war, sollte die Hintergründe für die massive Berichterstattung beleuchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Günter Kieslich übertrug die Aufgabe an seinen Dissertanten Gernot Zieser, In seiner Doktorarbeit &#8222;Die Propagandastrategie Biafras im nigerianischen Bürgerkrieg&#8220; von 1970 beschäftigte sich Zieser intensiv mit der Rolle der PR-Agenturen im Konflikt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn beide Widersacher im Biafra-Krieg, Emeka Ojukwu und Yakubu Gowon, wollten die internationale Wahrnehmung des Konflikts nicht dem Zufall überlassen und beauftragten renommierte PR-Agenturen und -Spezialisten. Im Sold von Biafra standen die Genfer Agentur Markpress, Ruder Finn aus den USA sowie der Propagandaspezialist Robert S. Goldstein. Für Nigeria sollten die britischen Agenturen Galitzine Chaut Russel &amp; Partners Ltd., die Commonwealth News Agency, Burson-Marsteller Associates und der PR-Experte Andrew Nash die Meinung der Weltöffentlichkeit beeinflussen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Auftrag für die Bearbeitung der europäischen Medienlandschaft erteilte die Regierung Biafras der Genfer PR-Agentur Markpress, die im Eigentum des US-Amerikaner H. William Bernhardt stand. Im November 1967 flogen zwei Minister aus Ojukwus Kabinett nach Genf, um Bernhardt die Zusammenarbeit anzubieten. Am 6. Februar 1968 präsentierte die Agentur ein Konzept mit dem Titel &#8222;Fight for Survival&#8220;, das zur Basis der PR-Kampagne wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Genfer PR-Agentur sorgt für hohe Aufmerksamkeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zum Kriegsende im Januar 1970 versuchte die Agentur mit mehr als tausend englischsprachigen Presseaussendungen die Themen zugunsten Biafras zu setzen. Außerdem organisierte Markpress Pressereisen ins Kriegsgebiet: Bis zum Sommer 1968 sollen über 70 Journalist*innen aus allen westeuropäischen Ländern nach Ostnigeria geflogen worden sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die PR-Aktivitäten erzielten enorme Resonanz. Anhand der vergleichenden inhaltsanalytischen Auswertung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und den Aussendungen von Markpress konnte Gernot Zieser einen großen Einfluss der PR-Agentur auf die Berichterstattung feststellen: Nach dem Arbeitsbeginn von Markpressam 1. Februar 1968 tauchten in den untersuchten Medien Formulierungen und Stereotpyen auf, die von er Agentur kreiert worden waren und zuvor nicht oder nur minmal existent waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das enorme Medienecho für Biafra allein der PR-Agentur zuzuschreiben, greift für Zieser allerdings zu kurz. Das Fundament dafür war schon lange vor der Einschaltung von Markpress gelegt worden &#8211; allerdings zunächst ohne großen medialen Widerhall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits unmittelbar nach Kriegsausbruch im Sommer 1967 hatten mit Ojukwu sympathisierende Studenten aus Nigeria deutsche Kirchenführer über den &#8222;Religionskrieg&#8220;in ihrer Heimat und die bevorstehende &#8222;Ausrottung der Christen&#8220; informiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der deutsche Klerus übernahm die griffige These von den muslimischen Christenmorden in Biafra und entfachte &#8211; so&nbsp;<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45589486.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spiegel</a>&nbsp;in einem Rückblick vom 9. Juni 1969 &#8211; &#8222;eine geradezu kreuzzugartige Stimmung&#8220;. Die Kirchen beschlossen rasch Hilfe für Biafra. In Sonntagsmessen wurde über den &#8222;Völkermord in Nigeria&#8220; informiert; Mitbürger wurden aufgefordert, an Regierungen, Abgeordnete und die Vereinten Nationen zu schreiben und die Anerkennung Biafras zu fordern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Medien wurden bedrängt, endlich über den &#8222;vergessenen Bürgerkrieg&#8220; zu berichten. Im Frühjahr 1968 lag das Interesse der Auslandsressorts aber auf geopolitisch wichtigeren Ereignissen wie dem &#8222;Prager Frühling&#8220; und dem Vietnamkrieg.</p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Hungersnot&#8220; wird zur neuen Losung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation änderte sich schlagartig im Frühsommer des Jahres 1968, als Missionare im christlich dominierten Biafra von einer Hungerkatastrophe berichteten. Die &#8222;Hungersnot&#8220; sollte sich als wesentlich zugkräftigeres Motiv als die &#8222;Christenverfolgung&#8220; erweisen und beeindruckte offenbar auch die PR-Profis bei Markpress. Laut Zieser begann die Genfer Agentur ab Ende Juni 1968, in jeder zweiten Aussendung das &#8222;Hungergespenst&#8220; an die Wand zu malen. Zuvor hatte die PR-Agentur nur in etwa sechs Prozent aller Artikel über Ernährungsprobleme berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 11. Juni 1968 tauchte in der Austria Presse-Agentur (APA), die zuvor hauptsächlich über den Kriegsverlauf berichtet hatte, erstmals die Warnungen vor einer Hungerkatastrophe in Biafra auf. Die Nachrichtenagentur informierte, dass &#8222;eine runde million kinder durch den buergerkrieg zur hungersnot, wenn nicht zum tode verurteilt&#8220; ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die APA erwähnte in der Meldung auch die Proteinmangel-Erkrankung Kwashiorkor: &#8222;mehr und mehr kinder siechen an dieser kwashiorkor-krankheit dahin und nichts kann dagegen unternommen werden, weil eben nicht genuegend milch und fleisch zur verfuegung stehen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Krankheitsbild bei Kwashiorkor zeigt einen charakteristischen Hungerbauch, der durch Wassereinlagerungen und eine vergrößerte Leber verursacht wird. Darüber hinaus treten Hautveränderungen und oft auch eine Entfärbung der Haare auf. Fotos dieser Kinder, deren &#8222;gesichter bereits greisenhafte zuege tragen&#8220; &#8211; so die APA in einer Meldung vom 26. Juli 1968 &#8211; gingen um die Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Bilder entfalteten eine enorme Wirkung und rüttelten die Menschen auf. Die Spendenbereitschaft war enorm. Durch die Errichtung einer Luftbrücke kirchlicher Hilfsorganisationen im August 1968 konnte das Massensterben letztendlich gestoppt werden, die Todesrate sank auf rund 300 Menschen pro Tag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR am 21. August 1968 verschwand Biafra über Nacht aus den Schlagzeilen. Bis zum Kriegsende Anfang 1970 konnte die hohe mediale Resonanz des Sommers 1968 nicht wieder erreicht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Köpfen der Zeitzeugen hatte sich aber Biafra als Synonym des Hungers in Afrika eingeprägt. Eine Wahrnehmung, die unser Bild von Afrika als Kontinent von Not und Elend bis heute prägt. (Ende)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Becker, Jörg (2009): Kriegsmarketing. Wie PR-Agenturen Kriege verbereiten und begleiten. Berlin. Abgerufen von <a href="https://www.hintergrund.de/globales/kriege/kriegsmarketing/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hintergrund.de</a>, Zugriff am 30. Mai 2017. </li>



<li>Kunczik, Michael (2004): Die Privatisierung der Kriegspropaganda. In: Löffelholz, M. (Hg.), Krieg als Medienereignis II. Wiesbaden, S. 81-98. </li>



<li>Sturmer, Martin (2013): Afrika! Plädoyer für eine differenzierte Berichterstattung. Konstanz.</li>



<li>Sturmer, Martin (2016): Von Lumumba bis Ebola. Standarderzählungen in der österreichischen Afrika-Berichterstattung (1960-2015). In: Medien und Zeit, Jahrgang 31, Heft 2/2016. Wien, S. 18-31. </li>



<li>Zieser, Gernot (1970): Die Propagandastrategie &#8222;Biafras&#8220; im nigerianischen Bürgerkrieg (1967 &#8211; 1970): eine Modell-Untersuchung zur interkulturellen Kommunikation zwischen Entwicklungs- und Industrieländern. Dissertation, Universität Salzburg.</li>



<li>Zieser, Gernot (1971): Die Propagandastrategie Biafras im nigerianischen Bürgerkrieg (1967-1970). In: Publizistik, 16 (2/1971), S. 181-193.</li>
</ul>
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		<title>Tuareg wollen ein demokratisches Mali</title>
		<link>https://afrika.info/tuareg-wollen-ein-demokratisches-mali/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Aug 2014 14:44:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mali]]></category>
		<category><![CDATA[Azawad]]></category>
		<category><![CDATA[Karlos Zurutuza]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[MNLA]]></category>
		<category><![CDATA[Tuareg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Regierung von Mali und Tuareg-Rebellen von Azawad, einem Gebiet im Norden des westafrikanischen Landes, haben in Algier erneut Friedensgespräche geführt. Über die politischen Ziele der Tuareg-Rebellen sprach IPS exklusiv mit Moussa Ag Assarid, Sprecher der Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad (MNLA).</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Karlos Zurutuza | 4. August 2014</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lekorne, Frankreich (IPS/afr). Die Regierung von Mali und Tuareg-Rebellen von Azawad, einem Gebiet im Norden des westafrikanischen Landes, haben in Algier erneut Friedensgespräche geführt. Über die politischen Ziele der Tuareg-Rebellen sprach IPS exklusiv mit Moussa Ag Assarid, Sprecher der Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad (MNLA).</p>



<p class="wp-block-paragraph">2012 hatten die Aufständischen das Territorium nach der Vertreibung der malischen Armee für unabhängig erklärt. &nbsp;&#8222;Wir wollen einen demokratischen, säkularen und multiethnischen Tuareg-Staat&#8220;, sagte Moussa Ag Assarid.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Beratungen vom 16. bis 24. Juli zwischen der Regierung in Bamako und Repräsentanten von sechs bewaffneten Gruppen aus dem Norden Malis waren Diplomaten aus Mauretanien, dem Niger, dem Tschad, aus Burkina Faso und der Wirtschaftsgemeinschaft der Westafrikanischen Staaten (ECOWAS) sowie Vertreter internationaler Organisationen zugegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>IPS: Sie haben im April 2012 die Unabhängigkeit ihres Staates verkündet, den bisher aber niemand anerkannt hat. Wie erklären Sie sich das?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Moussa Ag Assarid: Wir sind nicht für einen Tuareg-Staat, sondern für ein säkulares, demokratisches und multi-ethnisches Staatsmodell. Wir Tuareg machen vielleicht die Mehrheit der Einwohner von Azawad aus. Dort leben aber auch Araber und Angehörige der Volksgruppen Songhai und Peula. Wir arbeiten in enger Abstimmung mit ihnen zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit der Unabhängigkeit Malis 1960 haben die Menschen in Azawad wiederholt erklärt, dass sie nicht Teil des Landes sein wollten. Wir erhalten Unterstützung von vielen Völkern in aller Welt. Die Staaten und internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen wollen jedoch nicht mit der etablierten Ordnung brechen. Deshalb sprechen die UN und Mali von &#8222;Dschihadismus&#8220; und nicht von dem legitimen Freiheitskampf der Menschen in Azawad.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zugleich beobachten wir, wie sich die Weltordnung durch wichtige Bewegungen in Nordafrika, im Nahen Osten und sogar, wie im Falle der Ukraine, in Europa verändert. Das ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass die Globalisierung und Verwaltung der Welt fehlgeschlagen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>IPS: Die Intervention Frankreichs während des Krieges 2012 hat den Rebellen anscheinend in die Hände gespielt. Wie sehen Sie den Einfluss der früheren Kolonialmacht in der Region?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Assarid: Die Franzosen sind immer da gewesen, sogar nach der Unabhängigkeit Malis. Denn sie haben große strategische Interessen in der Region und sie sind abhängig von Bodenschätzen wie etwa Uran. Man könnte sagen, dass unsere Unabhängigkeit sowohl von der internationalen Gemeinschaft als auch von Frankreich konfisziert worden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die malischen Soldaten sind durch UN-Truppen ersetzt worden. Die Armee von Mali verübt jedoch weiterhin alle möglichen Übergriffe gegen die Bevölkerung, von willkürlichen Festnahmen bis zu Deportationen und Verschleppungen. All dies geschieht, ohne dass die französischen und die UN-Soldaten einen Finger krümmen. Die Regierung in Bamako fordert unterdessen Frankreich auf, sie in ihrem angeblichen Kampf gegen uns &#8222;Dschihadisten&#8220; zu unterstützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem bereitet uns die Medienblockade Sorgen. Reporter erhalten keinen Zugang zu Azawad. Die Nachrichten werden durch Journalisten in Bamako gefiltert, die vom &#8222;Norden Malis&#8220; sprechen, statt über unseren Kampf zu berichten. Sie machen sich damit zu Sprechern und Verteidigern des Staates Mali.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>IPS: Inwieweit ist der Staat Mali in Azawad tatsächlich präsent?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Assarid: Die Armee und Regierungsvertreter sind 2012 geflohen. Der Staat ist nur in Zonen wie Gao und Timbuktu präsent, die von der französischen Armee geschützt werden. Die Regierung in Paris hat etwa 1.000 Soldaten in das Gebiet entsandt, während die Vereinten Nationen ungefähr 8.000 Blauhelme im ganzen Land stationiert haben. Zwischen 12.000 und 15.000 Kämpfer gehören der MNLA an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir stimmen uns mit der Arabischen Bewegung für Azawad und dem Hohen Rat für die Einheit von Azawad ab. Gemeinsam mit diesen Gruppen kontrollieren wir 90 Prozent von Azawad. Wir leben dort aber unter extrem schwierigen Bedingungen. Weder von Mali noch von Algerien erhalten wir irgendwelche Unterstützung. Wir müssen mit einer schrecklichen Dürre fertigwerden. Wie eh und je leben wir von dem Fleisch und der Milch unserer Ziegen. Wir kämpfen mit von uns beschlagnahmten Waffen der malischen Armee und der Dschihadisten sowie mit Waffen, die wir früher von Libyen bekommen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>IPS: Viele behaupten, dass MNLA-Mitglieder während des Bürgerkriegs in Libyen 2011 auf der Seite des Machthabers Muammar al Gaddafi kämpften. Stimmt das?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Assarid: Die Medien verdrehen nach wie vor die Fakten. Gaddafi gewährte den Tuareg die libysche Staatsbürgerschaft, benutzte sie aber später dazu, in Palästina, im Libanon und im Tschad zu kämpfen. 1990 gingen sie nach Azawad zurück, um gegen die Armee Malis zu kämpfen. Selbst wenn wir die Möglichkeit gehabt hätten, wäre uns nicht der Fehler unterlaufen, 2011 gegen das libysche Volk zu kämpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gaddafi gab den Tuareg Waffen, damit sie in Bengasi kämpfen. Sie entschieden sich jedoch, nach Kidal zu gehen und dort die MNLA zu gründen. Es ist völlig falsch zu behaupten, dass die MNLA von Tuareg, die aus Libyen kamen, gebildet wurde. Viele unserer Kämpfer sind niemals dort gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>IPS: Geben islamistische Extremisten in Azawad noch großen Anlass zur Sorge?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Assarid: Im Januar 2013 griffen Al Qaeda im islamischen Maghreb (AQMI), die Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (MUJAO), eine Splittergruppe von AQMI und Ansar Dine die malische Armee an der Grenze zu Azawad an. Malis Präsident bat Paris um Hilfe, um diese Gruppen zu entmachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir, die MNLA, kämpfen aber bereits seit Juni 2012 gegen die Dschihadisten. Die USA, Großbritannien und Frankreich behaupten, gegen Al Qaeda zu kämpfen, doch in Wirklichkeit führen wir die Gefechte vor Ort. Von Ansar Dine hat es seit über einem Jahr kein Lebenszeichen mehr gegeben. AQMI und MUJAO sind aber noch aktiv.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist eine ungeheuerliche Sache, dass Bamako früher enge Verbindungen zu AQMI unterhielt und sogar Ansar Dine unterstützte. Dessen Führer ist zwar ein Tuareg, doch die Leute, die unter seinem Befehl stehen, sind Kriminelle. Die einst von Bamako unterstützten Dschihadisten sind heute stärker als die malische Armee. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Moussa Ag Assarid, Sprecher der MNLA (Foto: Karlos Zurutuza/IPS)</p>
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		<title>Tansania: Wasserkonflikte voraus</title>
		<link>https://afrika.info/tansania-wasserkonflikte-voraus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Oct 2013 13:03:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Kizito Makoye]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Maasai]]></category>
		<category><![CDATA[Pangani]]></category>
		<category><![CDATA[Viehwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wasser]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Delta des Flusses Pangani im Nordosten Tansanias ist die Gefahr von Wasserkonflikten latent vorhanden. Hier kommen sich Maasai-Hirten und Bauern ins Gehege, die auf das kostbare Nass dringend angewiesen sind. Doch Vieh- und Landwirtschaft sind Faktoren, die die klimabedingten Probleme weiter verschärfen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Kizito Makoye | 24. Oktober 2013</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pangani (IPS/afr). Im Delta des Flusses Pangani im Nordosten Tansanias ist die Gefahr von Wasserkonflikten latent vorhanden. Hier kommen sich Maasai-Hirten und Bauern ins Gehege, die auf das kostbare Nass dringend angewiesen sind. Doch Vieh- und Landwirtschaft sind Faktoren, die die klimabedingten Probleme weiter verschärfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im letzten Jahrzehnt kamen Hirten auf der Suche nach Wasser und Weideland mit zehntausenden Nutztieren ins Delta. Wie die Bezirksbeauftragte von Pangani, Hafsa Mtasiwa, berichtet, sahen sich die Maasai nach der Übernutzung ihrer traditionellen Gebiete gezwungen, sich nach neuen Weidegebieten umzusehen. In den letzten drei Jahren hatten 2.987 Hirten 87.1321 Kühe und 98.341 Ziegen in das Tieflandbecken getrieben und wertvolles Agrarland zerstört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung des ostafrikanischen Landes hatte zwar versucht, den Zuzug so vieler Menschen und Tiere zu kontrollieren, doch forderten Koordinierungsschwächen ihr Tribut. &#8222;Wir haben es hier mit einem sehr komplexen Problem zu tun&#8220;, betont Mtasiwa. &#8222;Um es zu lösen, wäre ein allgemeiner Konsens zwischen beiden Parteien vonnöten.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wachsende Nachfrage nach Wasser und Land setzt dem 48.000 Quadratkilometer großen Flussdelta zu. Nach Angaben der Initiative für Wasser und Natur des Weltnaturschutzbundes (IUCN) leben im Pangani-Becken rund 3,4 Millionen Menschen. &#8222;80 Prozent hängen von der Subsistenzlandwirtschaft ab, und unter dem Rückgang der Wasserreserven leiden vor allem die Ärmsten der Armen.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="niederschlagsmenge-halbiert">Niederschlagsmenge halbiert</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das tansanische Amt für Meteorologie (TMA) führt den Rückgang der Wasserreserven in den letzten zehn Jahren auf Veränderungen der Niederschlagsmuster zurück. Hatten einige Gebieten vor einer Dekade noch jährlich 990 Millimeter Regen verzeichnet, ist die Menge inzwischen auf die Hälfte zurückgegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Die Auswirkungen des Klimawandels lassen sich nur sehr schwer voraussagen. Sie sind nicht immer gleich. Es kommt vor, dass es nach einer Dürre zu Überschwemmungen kommt. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns den Klimaanomalien anpassen&#8220;, unterstreicht die TMA-Generaldirektorin Agnes Kijazi im Telefongespräch mit IPS.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der größte Teil des Wassers wird vorwiegend für die Bewässerung und Stromgewinnung verwendet. Auf der Webseite des &#8222;Clim-A-Net&#8220;-Projekts der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, das wissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel generieren soll, heißt es, dass &#8222;fast 90 Prozent des Oberflächenwassers des Pangani-Beckens in die Bewässerung und die Stromgewinnung geht&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wir schlagen uns auf der Suche nach Wasser viele Nächte um die Ohren. Das wenige, das wir finden, ist für unsere Tiere bestimmt. Wir haben so viele Kühe verloren&#8220;, klagt Vincent Ole Saidim, ein junger Maasai aus Pangani. &#8222;Die Bauern sollten auch unsere Lage verstehen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Bauern werfen den Hirten Rücksichtslosigkeit vor. &#8222;Diese Maasai sind Egoisten. Sie meinen, sie haben das Recht gepachtet, wenn sie unsere Lebensgrundlagen zerstören&#8220;, meint Isinika, ein Bauer aus Pangani. &#8222;Ich kann sie einfach nicht mehr sehen. Sie sollen dorthin zurückkehren, woher sie gekommen sind.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einwohner der Region berichten, dass in den letzten sechs Monaten die Spannungen zwischen Bauern und Nomaden zugenommen haben. Im August kam es in der 600 Seelen-Gemeinde Makenya zu einem Gerangel zwischen Dorfbewohnern und Hirten, als diese versuchten, ihre Herde zu der zentralen Wasserstelle der Ortschaft zu treiben. Den Bauern gelang es, die Maasai in die Flucht zu schlagen, ohne dass es Tote gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch vor zwei Jahren waren in dem Weiler Mbuguni, der 18 Kilometer von der Stadt Pangani entfernt liegt, vier Bauern von aufgebrachten Maasai-Kriegern umgebracht worden, als diese versuchten, die Verwüstung ihrer Maissetzlinge durch deren Vieh zu verhindern.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="agrar-und-weideland-abtrennen">Agrar- und Weideland abtrennen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Omar Kibwana, ein Beamter von Mbuguni, gibt der Regierung eine Teilschuld an der Tragödie. Sie habe es versäumt, Farmer und Hirten durch Zäune voneinander zu trennen. &#8222;Das Problem hätte schon vor Jahren durch eine klare Demarkierung gelöst werden müssen&#8220;, meint er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Pangani-Flussdelta-Behörde ist sich der Herausforderungen durchaus bewusst. Wie Arafa Maggidi, ein für die Behörde tätiger Ingenieur berichtet, wird der klimabedingte Wassermangel durch andere Faktoren wie Entwaldung, einen Anstieg der Zahl der Nutztiere und die Ausbreitung der Landwirtschaft verschärft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Die Gefahr des Klimawandels und die Notwendigkeit, sich ihm anzupassen, können nicht ernst genug genommen werden&#8220;, sagt er. &#8222;Wir geben unser Bestes, um die Menschen davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, dass sie ihre Lebensgewohnheiten ändern, damit sich ihr Leiden nicht weiter vergrößert. Ein erfolgreiches Management verlangt die Integration aller ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Forderungen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Temperaturen weiter ansteigen werden, die Niederschlagsmenge und somit auch das zur Verfügung stehende Wasser abnimmt. Pius Yanda, Professor an der Universität von Dar es Salaam und Mitglied des Weltklimarats, rechnet damit, dass die Temperaturen noch vor Ende des Jahrhunderts um 1,8 bis 3,6 Grad Celsius steigen werden, die Niederschläge nachlassen und die Wasserverdunstung im Delta zunimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts der düsteren Zukunftsprognosen trauern viele Menschen vor Ort den vergangenen Zeiten nach, als der Mangani und seine Nebenflüsse noch ausreichend Wasser mit sich führten. &#8222;Der Fluss hat seine besten Zeiten hinter sich&#8220;, bedauert Fundi Mhegema aus Buyuni, einem Dorf in Pangani. &#8222;Einige Fischarten sind bereits verschwunden. Das ist furchtbar.&#8220; (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Begehung in einem verschlammten Teil des Pangani-Flusses (Foto: Kizito Makoye/IPS)</p>
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