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	<title>Gesellschaft Archive | afrika.info</title>
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	<description>Den Kontinent anders sehen</description>
	<lastBuildDate>Sat, 22 Aug 2026 10:19:15 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Chigubhu-Laterne: Licht aus der Flasche</title>
		<link>https://afrika.info/chigubhu-laterne-licht-aus-der-flasche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 17:06:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Simbabwe]]></category>
		<category><![CDATA[Elektrizität]]></category>
		<category><![CDATA[Farai Shawn Matiashe]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Stromausfälle prägen den Alltag von Millionen Menschen in Simbabwe – und sie entscheiden darüber, ob Kinder lernen können oder nicht. Die zwölfjährige Monica Ben trotzt dieser Realität mit einer selbstgebauten Lampe aus Recyclingmaterial.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Farai Shawn Matiashe | 15. Dezember 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seke District, Simbabwe (IPS/afr). Wenn Monica Ben von der Schule nach Hause geht, nimmt sie nicht nur einen Stift und ihre Hefte mit, sondern auch ihre Chigubhu-Laterne. Mit ihr bringt sie Licht in den dunklen Raum, in dem sie ihre Hausaufgaben erledigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Monica Ben ist zwölf Jahre alt und Schülerin an der Manyoshwa Primary School im Seke District, der südlich an die Hauptstadt Harare angrenzt. Ihre tragbare Lampe ist als Chigubhu-Laterne bekannt und wird aus Recyclingmaterialien hergestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Kerzen sind teuer“, sagt Monica Ben. “Bevor ich eine Chigubhu-Laterne hatte, musste ich entweder früher in die Schule kommen, um meine Hausaufgaben zu machen, oder ich gab dem Lehrer gar nichts ab.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kleine Farm ihrer Eltern ist schwer zugänglich und nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen. Monica Ben lädt die Lampe tagsüber in der Schule auf, die über eine Solaranlage verfügt. So ist gewährleistet, dass sie zuhause bis zu vier Stunden Licht hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-19-stunden-pro-tag-ohne-strom">19 Stunden pro Tag ohne Strom</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Chigubhu ist das Shona-Wort für Flasche. Der Name verrät bereits viel über das Produkt: Die Leuchtdioden werden in gebrauchten Plastikflaschen installiert. Erfunden wurde das einfache System von dem jungen Elektroingenieur Aluwaine Tanaka Manyonga. Seine Vision lautet: Licht für jede*n Schüler*in.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manyongas Ambitionen sind eng mit seiner eigenen Biografie verknüpft. Er studierte Elektrotechnik an der University of Zimbabwe in Harare – doch während seiner gesamten Studienzeit war er mit Stromausfällen konfrontiert, die bis zu 19 Stunden pro Tag andauern konnten. Lernen in den Abend- und Nachtstunden wurde dadurch nahezu unmöglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da sich handelsübliche Solarlampen für viele Familien als unerschwinglich erwiesen, entwickelte Manyonga im Jahr 2018 die Chigubhu-Laterne. In Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), der australischen Botschaft in Harare und lokalen Unternehmen wurden bislang mehr als 1.500 Chigubhu-Laternen im ganzen Land verteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Godwin Kadiramwando ist seit 2021 Schulleiter der Manyoshwa Primary School. “Die Erfindung hilft ihnen, ihre schulischen Leistungen zu verbessern”, bestätigt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kadiramwando berichtet, dass Manyonga bereits vor vier Jahren kostenlos eine Solaranlage an der Schule installiert habe. Wenig später erhielten die ersten Schüler*innen ihre eigenen Chigubhu-Laternen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-kompetenztransfer-als-eigentliche-innovation">Kompetenztransfer als eigentliche Innovation</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vor zwei Jahren entschloss sich Manyonga, den Kindern beizubringen, wie sie die Laternen selbst herstellen können. Diesen Kompetenztransfer bezeichnet er als die eigentliche Innovation des Projekts. “In den Schulungen behandeln wir die Herstellung und die Reparatur der Laternen, aber auch Themen wie Abfallmanagement, Kreislaufwirtschaft und erneuerbare Energien“, erklärt der Erfinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Monica Ben ist eine von über 100 Schüler*innen der Manyoshwa Primary School, die gelernt haben, wie man die Laternen produziert. Lächelnd beschreibt sie den Herstellungsprozess: „Ich halbiere zunächst eine alte Plastikflasche. Dann nehme ich ein Stück Pappe, markiere es mit einem Bleistift und schneide es zurecht. Schließlich installiere die Kabel für den Schalter und verschließe die Flasche.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mittlerweile arbeitet Manyonga mit Schulen in ganz Simbabwe zusammen. Landesweit hat er bislang rund 5.000 Schüler*innen unterstützt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-extreme-stromknappheit">Extreme Stromknappheit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einfache Lösungen wie die Chigubhu-Laternen sind in Simbabwe stark gefragt. Nur 44 Prozent der rund 17 Millionen Einwohner*innen des Landes haben Zugang zu Elektrizität. In ländlichen Regionen, in denen mehr als 60 Prozent der Bevölkerung leben, liegt der Stromzugang sogar bei lediglich 20 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch selbst Gemeinden, die an das nationale Stromnetz angeschlossen sind, müssen täglich mehr als zwölf Stunden Stromausfälle hinnehmen. Ursache dafür sind unter anderem die schwankenden Wasserstände der Kariba-Talsperre sowie veraltete Anlagen wie das Wärmekraftwerk Hwange.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schulleiter Godwin Kadiramwando ist daher überzeugt, dass Initiativen wie die Chigubhu-Laternen ein großes Potenzial zur Linderung der Stromknappheit haben. “Unsere Schüler*innen haben bereits begonnen, ihr Know-how an andere Schulen zu vermitteln”, sagt er und ergänzt: “Manche wollen später sogar ein Ingenieurstudium absolvieren.” (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Die zwölfjährige Schülerin Monica Ben mit Chigubhu-Laternen in der Manyoshwa Primary School. (Foto: Farai Shawn Matiashe/IPS)</p>
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		<title>Simbabwe: Der hohe Preis der Altkleiderflut</title>
		<link>https://afrika.info/simbabwe-der-hohe-preis-der-altkleiderflut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2025 07:42:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mosambik]]></category>
		<category><![CDATA[Simbabwe]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Farai Shawn Matiashe]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Second-Hand-Kleidung]]></category>
		<category><![CDATA[Textilindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auf Simbabwes Märkten boomt der Handel mit billiger Second-Hand-Kleidung aus dem Westen. Was für viele Käufer*innen überlebenswichtig ist, treibt die heimische Textilindustrie in die Krise – und lässt traditionsreiche Unternehmen untergehen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Farai Shawn Matiashe | 4. November 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mutare (IPS/afr). Auf dem beliebten Second-Hand-Markt in Sakubva, einem dicht besiedelten Vorort der Stadt Mutare im Osten von Simbabwe, betreibt Shamiso Marambanyika einen kleinen Laden. „Die kann ich dir für fünf Dollar geben“, sagt sie zu einem Mann, der sich für eine Jeans interessiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marambanyika ist 38 Jahre alt und Mutter von drei Kindern. In ihrem Sortiment finden sich vor allem gebrauchte Markenstücke von Labels wie Marks &amp; Spencer oder Levi’s. Diese Kleidung wurde ursprünglich in westlichen Ländern entsorgt, nach Afrika verschifft und schließlich über Mutare nach Simbabwe geschmuggelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die illegal importierten Kleidungsstücke sind günstig – auf dem Markt in Sakubva bekommt man drei T-Shirts für nur einen US-Dollar. Doch der Preisvorteil hat eine Schattenseite: Die lokale Textilindustrie gerät zunehmend unter Druck, viele Traditionsunternehmen stehen vor dem Aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-ein-traditionsunternehmen-am-ende-der-fall-truworths">Ein Traditionsunternehmen am Ende: der Fall Truworths</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel ist die Modekette Truworths Zimbabwe, gegründet 1957. In ihren besten Zeiten um die Jahrtausendwende betrieb das Unternehmen 101 Filialen im ganzen Land. Doch ab 2010 geriet Simbabwe in eine wirtschaftliche Schieflage: Währungschaos, eine hohe Verschuldung, Lieferengpässe und die zunehmende Second-Hand-Konkurrenz führten zum Niedergang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2024 waren nur noch 26 Filialen übrig. Schließlich folgte die Insolvenz. Im Spätherbst 2024 übernahm ein Konsortium die Firma zu einem symbolischen Kaufpreis von einem US-Dollar. Im Juli 2025 wurde Truworths Zimbabwe von der Börse genommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geschäftsführer Bekithemba Ndebele bestätigte gegenüber IPS, dass das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen verkauft werden musste, wollte aber keine weiteren Einzelheiten nennen. Bereits im Vorjahr hatte er in der Wochenzeitung &#8222;<a href="https://www.theindependent.co.zw/opinion/article/200019994/candid-comment-it-just-does-not-make-any-sense-at-all" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Zimbabwe Independent</a>&#8220; scharfe Kritik geübt: „Unser Land ist zu einer Mülldeponie für Altkleider geworden. Was Sie hier sehen, ist das Verschleudern von Second-Hand-Ware zu lächerlichen Preisen – oft unter den Herstellungskosten.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-uberleben-auf-dem-sakubva-markt">Überleben auf dem Sakubva-Markt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Markt in Sakubva gibt es über 1.000 Verkaufsstände, viele davon mit Second-Hand-Ware. Die hohe Nachfrage erklärt sich aus der weit verbreiteten Armut im Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Journalist und Menschenrechtler Rashweat Mukundu bringt das Dilemma auf den Punkt: „Viele Menschen haben keine andere Wahl, als Second-Hand-Kleidung zu kaufen, weil sie sich neue Kleidung aus dem regulären Einzelhandel einfach nicht leisten können.“ Im Laden kostet eine Jeans mindestens 20 US-Dollar.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Händlerin Shamiso Marambanyika stammt aus einem Dorf im Bezirk Buhera in der Provinz Manicaland im Osten Simbabwes. Nachdem sie vergeblich nach Arbeit gesucht hatte, begann sie 2023 mit dem Handel von Second-Hand-Kleidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle zwei Wochen kauft sie von einem Zwischenhändler aus Mosambik einen 45 Kilogramm schweren Ballen mit rund 100 gebrauchten Jeans aus westlichen Ländern – für etwa 115 US-Dollar. „Die Preise variieren je nach Qualität der Jeans“, erklärt sie. Nach Abzug der Standgebühren, die bei 22 US-Dollar im Monat liegen, bleiben ihr im Schnitt 55 US-Dollar Gewinn.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-lokaler-designer-im-existenzkampf">Lokaler Designer im Existenzkampf</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Modedesigner Anesu Mugabe, Geschäftsführer von Mugga Clothing in Harare, stellt Arbeitskleidung und moderne Streetwear her. Für lokale Produzent*innen sei es unmöglich, mit den Preisen der Second-Hand-Konkurrenz mitzuhalten, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Man kann eine gebrauchte Jeans für zwei US-Dollar kaufen“, zürnt Mugabe. „Das hat bei uns zu erheblichen Umsatzrückgängen geführt. Viele Betriebe mussten ihre Produktion verkleinern oder ganz schließen.“ Sein Unternehmen habe sich als Überlebensstrategie auf Firmenbekleidung spezialisiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-ein-verbot-mit-folgen-aber-ohne-losung">Ein Verbot mit Folgen, aber ohne Lösung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um die heimische Textilindustrie zu schützen, verhängte Simbabwe 2015 ein Importverbot für Second-Hand-Kleidung. Doch das Verbot ließ sich kaum durchsetzen und stieß auf Widerstand von Händler*innen, deren Einkommen davon abhingen. 2017 wurde es daher durch Importzölle ersetzt – ohne Erfolg: Der Schmuggel florierte weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 2025 untersagte die Regierung den Verkauf von Second-Hand-Waren auf Nachtmärkten und in zentralen Geschäftsbezirken von Städten wie Harare. Kommunalminister Daniel Garwe begründete den Schritt damit, dass der Handel mit Gebrauchtware steuerzahlende Unternehmen schädige. Das Verbot führte zu heftigen Protesten von Straßenhändler*innen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Shamiso Marambanyika verkauft auf dem Markt in Sakubva dennoch weiter. Von ihrem Einkommen bezahlt sie die Schulgebühren ihrer drei Kinder. Sollte die Regierung Strafen eintreiben, sieht sie keine Zukunft: „Dann werde ich das Geschäft schließen und in mein Dorf zurückkehren.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Auf dem Markt von Sakubva in Mutare gibt es westliche Second-Hand-Kleidung in Hülle und Fülle. (Foto: Farai Shawn Matiashe/IPS)</p>
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		<title>Mit der Spitzhacke für Gleichberechtigung</title>
		<link>https://afrika.info/mit-der-spitzhacke-fuer-gleichberechtigung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 May 2025 08:10:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kizito Makoye]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der tansanischen Bergbauindustrie sehen sich Frauen mit Diskriminierung, Landrechtsproblemen und mangelnder Finanzierung konfrontiert. In einem von Männern dominierten Sektor kämpfen sie um Anerkennung und ihre Existenzgrundlage kämpfen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/mit-der-spitzhacke-fuer-gleichberechtigung/">Mit der Spitzhacke für Gleichberechtigung</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Kizito Makoye | 22. Mai 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dar es Salaam (IPS/afr). Unter der sengenden Sonne in Geita im Nordwesten von Tansania wischt sich Neema Mushi den staubverkrusteten Schweiß aus dem Gesicht. Dann rammt sie erneut ihre Spitzhacke in die Erde. Eine Staubwolke steigt auf und bedeckt ihre zerschlissene Kleidung – doch das stört sie kaum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit acht Jahren gräbt und siebt sie im männderdominierten Goldabbaugebiet von Geita, immer in der Hoffnung auf einen Fund. Es ist ein Knochenjob – mühsam und voller Hürden. „Ich will selbst eine Mine besitzen“, sagt Mushi. „Aber in dieser Branche werden Frauen bei Landrechten einfach übergangen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz harter Arbeit über viele Jahre hinweg leben Frauen wie Neema Mushi am Rande des Existenzminimums. Sie erzählt, dass sie eines Abends einen kleinen Goldsplitter entdeckt hatte. Doch bevor sie ihn einstecken konnte, tauchte ein männlicher Minenarbeiter auf. „Das ist mein Platz“, knurrte er sie an und riss ihr den Fund aus der Hand. Mushi weiß: In einem System, das nicht für Frauen wie sie gedacht ist, hat sie keine Chance.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal versuchte sie, ein Abbaugebiet auf ihren Namen registrieren zu lassen. Der Beamte im örtlichen Büro blickte kaum von seinen Papieren auf. „Sie brauchen die Zustimmung Ihres Mannes“, murmelte er. Mushi zögerte – sie hat keinen Mann, aber drei Kinder zu ernähren. „Dann suchen Sie sich einen männlichen Partner“, meinte der Beamte und wies sie ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst durch den Beitritt zur Frauenkooperative „Umoja wa Wanawake Wachimbaji“ – auf Deutsch „Vereinigung der Minenarbeiterinnen“ – konnte Mushi die Schulgebühren für ihre Kinder bezahlen. Heute sieht sie sie mit sauberen Uniformen zur Schule gehen – und hat mehr als nur Gold gefunden: Hoffnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Patriarchale Strukturen zerschlagen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tansania ist der viertgrößte Goldproduzent Afrikas, der Bergbau trägt rund zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Zwischen einer und zwei Millionen Menschen arbeiten im kleingewerblichen und handwerklichen Bergbau – immerhin ein Drittel davon sind Frauen. Doch trotz ihrer Zahl kämpfen sie um Anerkennung, werden vom Landbesitz ausgeschlossen, erhalten kaum Kredite und erfahren Diskriminierung in einem von Männern dominierten Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahrelang arbeitete Mushi informell am Rande lizenzierter Minen, wo sie in aussortierten Steinen nach Gold suchte. Ohne eigene Lizenz war sie auf Zwischenhändler angewiesen, die ihr das Gold zu Dumpingpreisen abkauften. „Wenn du kein eigenes Abbaugebiet hast, bist du ihnen ausgeliefert“, sagt sie. „Sie können dich jederzeit vertreiben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar erlaubt das tansanische Bergbaugesetz Frauen theoretisch den Besitz von Lizenzen, doch in der Praxis gelingt dies nur wenigen. Die Verfahren sind komplex und teuer. „Die meisten Minengebiete gehen an Männer oder große Unternehmen“, erklärt Alpha Ntayomba, Bergbauaktivist und Direktor der NGO „Population and Development Initiative“ (PDI). „Frauen arbeiten meist auf geliehenem Land oder als Hilfskräfte auf fremden Claims.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2025/05/tansania-minenarbeiterinnen-ips-1200-800-2-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-4454" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2025/05/tansania-minenarbeiterinnen-ips-1200-800-2-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2025/05/tansania-minenarbeiterinnen-ips-1200-800-2-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2025/05/tansania-minenarbeiterinnen-ips-1200-800-2-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2025/05/tansania-minenarbeiterinnen-ips-1200-800-2-640x427.jpg 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2025/05/tansania-minenarbeiterinnen-ips-1200-800-2.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eine Gruppe von Minenarbeiterinnen gründete die Kooperative &#8222;Umoja wa Wanawake Wachimbaji&#8220; und kämpfte erfolgreich für eine eigene Bergbaulizenz. (Foto: Kizito Makoye/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen finanzielle Hürden. Der Bergbau erfordert Investitionen in Ausrüstung, Verarbeitung und oft auch Maschinen – doch Banken halten Frauen für nicht kreditwürdig und verweigern ihnen Darlehen. Das hält sie in einem Teufelskreis aus gefährlicher und schlecht bezahlter Arbeit gefangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Frauen im handwerklichen Bergbau stehen ganz unten“, sagt Ntayomba. „Sie machen die härtesten Jobs, wie Steine zerschlagen und Erz in quecksilberverseuchtem Wasser waschen, verdienen aber am wenigsten und sind am stärksten gefährdet.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sexuelle Ausbeutung und Belästigung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sexuelle Belästigung und Nötigung gehören für viele Minenarbeiterinnen zum Alltag. Wer in diesem Geschäft arbeitet, ist oft auf die Gunst männlicher Grubenbesitzer oder Zwischenhändler angewiesen – eine Machtasymmetrie, die Missbrauch begünstigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Einige Frauen sind gezwungen, sexuelle Gefälligkeiten zu leisten, nur um an das Gold zu gelangen, das sie mit abbauen“, berichtet Ntayomba. „Sex wird so zur inoffiziellen Währung in der Branche.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Betroffene schweigen – aus Angst vor Kündigung oder Repressalien. Andere wissen nicht, wie sie sich juristisch wehren können. „Ich kenne Frauen, die entlassen wurden, weil sie die Annäherungsversuche von Mineneigentümern abgelehnt haben“, sagt Ntayomba. „Das System ist gegen sie, und der Mangel an rechtlichem Schutz verschärft die Lage.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gesundheitsrisiken durch Quecksilber</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die gesundheitlichen Risiken sind enorm. Viele Frauen waschen Gold mit bloßen Händen in Quecksilber – einem hochgiftigen Metall, das das Nervensystem schädigt und zu Fehlbildungen führen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die meisten wissen gar nicht, wie gefährlich Quecksilber ist“, erzählt Ntayomba. „Sie mischen es mit den Händen und atmen die Dämpfe ein. Damit setzen sie sich selbst und ihre Kinder langfristigen Gesundheitsgefahren aus.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alpha Ntayomba fordert strengere Vorschriften, mehr Schulungen und sichere Arbeitsbedingungen. Seine Organisation setzt sich für bessere gesetzliche Regelungen, Schutzmaßnahmen und wirtschaftliche Teilhabe von Frauen ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Regierung muss Frauen im Bergbau endlich als zentrale Akteurinnen anerkennen“, sagt er. „Dazu gehören rechtliche Absicherung, Sicherheitsstandards und Zugang zu eigenen Abbauflächen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch der Wandel geht nur schleppend voran. „Frauen im Bergbau verdienen Würde, faire Bezahlung und Schutz vor Ausbeutung“, bekräftigt Ntayomba. „Die Branche darf nicht weiter auf ihrem Leid fußen.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Steine brechen, Barrieren überwinden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um ihre Lage zu verbessern, gründeten Mushi und andere Frauen die Kooperative „Umoja wa Wanawake Wachimbaji“. Darin bündelten sie ihre Ressourcen und kämpften gemeinsam für eine eigene Lizenz. Mit Unterstützung der <a href="https://tawoma.or.tz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tanzania Women Miners Association</a> (TAWOMA) und staatlicher Förderprogramme für Unternehmerinnen erhielten sie schließlich ein kleines Abbaugebiet und investierten in bessere Ausrüstung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir mussten beweisen, dass wir dazugehören“, sagt Anna Mbwambo, Gründungsmitglied der Kooperative. „Zu lange galten Frauen im Bergbau nur als Helferinnen – nicht als eigenständige Minenarbeiterinnen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Mushi hat sich seither vieles zum Guten verändert. „Früher konnte ich kaum die Schulgebühren für meine Kinder aufbringen“, sagt sie. „Heute kann ich sparen – und habe sogar den Traum, mein Geschäft zu erweitern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz anhaltender Herausforderungen bewegt sich etwas. Die staatliche Bergbaugesellschaft <a href="https://www.stamico.co.tz/">STAMICO</a>  schult Kleinbergleute in sicheren und effizienteren Abbaumethoden. Die Regierung hat zudem Goldankaufszentren eingerichtet, die für fairere Preise sorgen und die Abhängigkeit von ausbeuterischen Zwischenhändlern reduzieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch international wächst der Druck, Frauen im Bergbau stärker zu berücksichtigen. Die Weltbank fordert Reformen für mehr Geschlechtergerechtigkeit, die <a href="https://eiti.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Extractive Industries Transparency Initiative</a> (EITI) setzt sich für inklusive Richtlinien ein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hoffnung auf eine neue Zukunft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neema Mushi blick auf das Land, das sie und ihre Kolleginnen nun gemeinsam besitzen. Es ist ein kleiner Claim – überschattet von großen, männergeführten Betrieben. Dennoch ist sie stolz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich will, dass meine Töchter sehen, dass Frauen alles erreichen können“, sagt sie. „Sie können arbeiten, besitzen – und erfolgreich sein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie greift zur Spitzhacke, ihre kräftigen Hiebe zerbersten das Gestein. Mit jedem Schlag kommt sie einer Zukunft näher, in der Frauen im Bergbau nicht nur überleben – sondern aufblühen. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Minenarbeiterinnen in Tansania kämpfen um Anerkennung und gegen Diskriminierung in einem von Männern dominierten Sektor (Foto: Kizito Makoye/IPS)</p>
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		<title>Benin: Kein Job nach dem Studium</title>
		<link>https://afrika.info/benin-kein-job-nach-dem-studium/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Nov 2024 07:40:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Benin]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Megan Fahrney]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schweren Herzens verabschiedete sich Louis mit elf Jahren von seinem Elternhaus und zog zu seinem Onkel nach Parakou. In der drittgrößten Stadt des Landes bekam Louis eine bessere Schulbildung. Doch bei der Arbeitssuche hat ihm das nicht genützt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/benin-kein-job-nach-dem-studium/">Benin: Kein Job nach dem Studium</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Megan Fahrney I 14. November 2024</p>



<p class="wp-block-paragraph">Cotonou (IPS/afr). Schweren Herzens verabschiedete sich Louis mit elf Jahren von seinem Elternhaus. Er verließ sein kleines Dorf im Norden Benins, um zu seinem Onkel nach Parakou zu ziehen. In der drittgrößten Stadt des Landes bekam Louis eine bessere Schulbildung. Doch bei der Arbeitssuche hat ihm das nicht genützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Louis ist heute 23 Jahre alt, hat einen Bachelor-Abschluss in Mathematik der staatlichen Université d’Abomey-Calavi (UAC) in der Tasche und spricht nahezu perfektes Englisch. Dennoch findet er keine Anstellung. Was also tun? “Hustle”, antwortet Louis und spielt damit auf die in den letzten Jahren populär gewordene “Hustle Culture” an. Darunter wird ein leistungsorientierter Lebensstil verstanden, der auf ständige Produktivität und unermüdliches Streben nach Erfolg ausgerichtet ist.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Schattenseite dieser Arbeitsmentalität stehen Gesundheitsrisiken wie Burn Out und Gefahren der sozialen Vereinsamung, da das Privatleben häufig vernachlässigt wird. Kritisiert wird auch, dass die Hustle Culture Geldverdienen ohne moralen Kompass propagiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vollen Einsatz will auch Louis an den Tag legen &#8211; für sein eigenes Unternehmen. Derzeit arbeitet er an der Gründung seiner Firma, die Programmierdienste anbieten wird. Gemeinsam mit seinem Team möchte Louis etwa Apps entwickeln, Websites erstellen und technische Probleme von Kunden lösen.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es wird nicht leicht für mich, ein Startup zu gründen”, sagt Louis, “aber ich muss mir sagen, dass ich es schaffen kann. Ich werde alles tun, um es zu ermöglichen.”</p>



<h2 class="wp-block-heading">Niedrige Abschlussquote</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Louis ist längst ein Einzelfall. In Benin haben Hochschulabsolvent*innen große Schwierigkeiten, eine feste Anstellung zu finden. Gebildete junge Menschen nehmen stattdessen Gelegenheitsjobs an, gründen eigene Unternehmen oder bleiben von ihren Eltern abhängig.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut <a href="https://www.iicba.unesco.org/en/benin">UNESCO</a> beginnen in Benin 15 Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen eine tertiäre Ausbildung. Allerdings sind die Abschlussquoten gering: Im Studienjahr 2022/23 haben sich an der Université d’Abomey-Calavi (UAC) nahe der Haupstadt Cotonou 58.456 Studierende eingeschrieben, aber nur 6.614 Student*innen machten in diesem Studienjahr ihren Abschluss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Christophe Aïnagnon studiert derzeit Englisch an der UAC. Er hat von einem naturwissenschaftlichen Studium umgesattelt, weil er nach zwei Jahren erkannt hatte, dass er auf dem Arbeitsmarkt chancenlos sein würde. Christophe erzählt, dass viele seiner Freunde ihr Studium ganz abgebrochen haben. Sie hatten erkannt, dass es sich nicht lohnen wird. Andere Freunde von ihm wiederum hätten ihr Studium zwar abgeschlossen, würden aber keine Arbeit finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Louis hat auch Christophe sein eigenes Unternehmen gegründet, allerdings in einem völlig anderen Bereich: Er züchtet Kaninchen, um Geld zu verdienen. „Es ist die Art von Geschäft, durch das ich werden kann, wer ich sein möchte, und mein Leben in vollen Zügen genießen kann“, erzählt Christophe Aïnagnon.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hohe Auswanderungsbereitschaft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im September hat die <a href="https://ichikowitzfoundation.com/storage/reports/September2024/GSLcmLTnruHzhTrIuDOV.pdf">Ichikowitz Family Foundation</a> eine Studie veröffentlicht, die ergab, dass knapp 60 Prozent der jungen Afrikaner*innen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren in den nächsten drei Jahren auswandern wollen. Der Bericht befragte 5.604 Personen und wurde in 16 verschiedenen Ländern durchgeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Traum von Louis ist es, in die USA auszuwandern. “Als Kind wollte ich am MIT studieren”, sagt er. Louis hat bereits mehrmals an der GreenCard-Lotterie teilgenommen, bislang allerdings ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht alle Studierende wollen ins Ausland. Die Englischstudentin Mirabelle Awegnone etwa möchte in ihrer Heimat bleiben und Lehrerin werden. Auch sie denkt an die Selbständigkeit &#8211; für den Fall, dass es mit dem Lehrberuf nicht klappt. „Manchmal macht es mir Angst“, erzählt sie. „Ich frage mich selbst, wie ich in Zukunft einen Job bekommen kann. Ich bin ein schüchterner Mensch, daher ist es schwer für mich.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Markt in Cotonou, Benin (Foto: Shutterstock.com, Omri Eliyahu)</p>
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		<title>Frauen in Nigeria fordern das Patriarchat heraus</title>
		<link>https://afrika.info/frauen-in-nigeria-fordern-das-patriarchat-heraus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Oct 2023 12:08:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Promise Eze]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bukes Saliu macht sich jeden Morgen zeitig auf den Weg, um dem starken Frühverkehr in Lagos zu entgehen. Ihr Ziel ist ein Lagergebäude in der nigerianischen Küstenmetropole, wo sie als Gabelstaplerfahrerin arbeitet.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Promise Eze | 6. Oktober 2023</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lagos (IPS/afr). Bukes Saliu macht sich jeden Morgen zeitig auf den Weg, um dem starken Frühverkehr in Lagos zu entgehen. Ihr Ziel ist ein Lagergebäude in der nigerianischen Küstenmetropole, wo sie als Gabelstaplerfahrerin arbeitet. Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Berufswahl ist Saliu zu einem Vorbild für viele Frauen geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;„Die Leute sind begeistert, wenn ich ihnen sage, was ich mache”, erzählt Saliu. “Manchmal kommen abfällige Bemerkungen von Männern, mit denen ich zusammenarbeite, aber das lasse ich nicht an mich herankommen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu ihrem Beruf als Gabelstaplerfahrerin kam Saliu im August 2022. Zuvor hatte sie auf WhatsApp das Foto einer Frau erhalten, die selbstbewusst neben einem Stapler posierte. Bukes Saliu wusste sofort, dass sie diesen Beruf auch ausüben möchte. Kurzerhand entschloss sie sich zu einer einschlägigen Ausbildung.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Früher war ich Projektmanager bei einer gemeinnützigen Organisation, aber ich habe den Job&nbsp; für meinen neuen Beruf aufgegeben”, sagt Saliu. “Am ersten Arbeitstag hatte ich zwar etwas Angst, aber jetzt bediene ich die Maschine wie die Männer. Ich glaube, dass Frauen mit am Tisch sitzen sollten, weil sie unterschiedliche Perspektiven, Ideen und Erfahrungen einbringen.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Enormer Aufholbedarf</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Gleichstellung der Geschlechter ist es in Nigeria schlecht bestellt. Im <a href="https://www3.weforum.org/docs/WEF_GGGR_2023.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gender Gap Index 2023</a> des Weltwirtschaftsforums (WEF) ist Afrikas bevölkerungsreichster Staat mit Rang 130 unter 146 Nationen weit hinten zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Frauen stoßen im Berufsleben an ihre Grenzen, obwohl die nigerianische Verfassung jegliche Form von Diskriminierung verbietet. Als Ursache werden religiöse und&nbsp; kulturelle Traditionen, Vorurteile, begrenzte Bildungschancen und die ungleichen Auswirkungen von Armut genannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die Regierung in Nigeria in der Vergangenheit immer wieder versucht hat, die tief verwurzelten Probleme zu lösen, sind die Fortschritte nach wie vor schleppend. In der Politik waren zuletzt sogar Rückschläge zu verzeichnen: Bei den Parlamentswahlen vom 25. Februar 2023 wurden nur drei Frauen in den 109-köpfigen Senat gewählt, in der vorherigen Legislaturperiode hatte es immerhin sieben Senatorinnen gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Arbeitswelt haben Frauen einen schweren Stand. Unter den mehr als 220 Millionen Bürger*innen Nigerias gehen lediglich 27,1 Millionen Frauen offiziell einer Erwerbstätigkeit nach. Ein großer Teil davon entfällt auf Beschäftigungsverhältnisse, die wenig oder gar keine Qualifikation voraussetzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schwimmen gegen den Strom</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch gibt es auch ermutigende Beispiele von Frauen, die angebliche Geschlechtsnormen in Frage stellen und in bislang von Männern dominierte Berufsfelder vorstoßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2022 erlangte die damals 26-jährige Iyeyemi Adediran enorme Aufmerksamkeit in Social Media. Als Lkw-Fahrerin für ein Ölunternehmen überzeugte sie durch außergewöhnliches Können am Steuer.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Meilenstein setzte auch Sandra Aguebor, die als erste weibliche Mechanikerin des Landes bekannt wurde. Mit ihrer 2004 gegründeten <a href="https://ladymechanicinitiative.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lady Mechanic Initiative</a> hat sie 4.000 Mädchen und Frauen ausgebildet und ihnen dadurch neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Schumacherin Faith Oyita gilt in Nigeria als Pionierin. In Makurdi, Hauptstadt des Bundesstaates Benue im Südosten des Landes, stellt sie seit dem Jahr 2015 Schuhe und Taschen her.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Ausbildungszeit war Oyita mit vielen Vorurteilen konfrontiert: “Zu Beginn fragten sich viele, warum ich mich für die Schuhmacherei entschieden habe. Sogar der Mann, der mit unterrichtete, zweifelte an meinem Potenzial. Ich war die einzige Frau unter seinen Lehrlingen. Viele der Männer waren überzeugt, dass ich nur hier bin, weil ich mit ihnen ausgehen wollte. Aber trotz der negativen Bemerkungen habe ich nie aufgegeben.”&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erbe der Kolonialzeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Añuli Aniebo Ola-Olaniyi , Geschäftsführerin der Frauenorganisation HEIR Women Hub in der Hauptstadt Abuja, ist überzeugt, dass die patriarchalen Strukturen ein Erbe der britischen Kolonialzeit sind. Damals wäre mit Unterstützung der Religion die Vorstellung verbreitet worden, dass Männer mehr Macht hätten, so Ola-Olaniyi.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Vieles von dem, was heute passiert, hat nichts damit zu tun, wie wir ursprünglich unser Leben als Frauen in Nigeria geführt haben”,&nbsp; beklagt Ola-Olaniyi. “Frauen waren am Handel mit Waren und Dienstleistungen beteiligt, sie konnten sogar andere Frauen heiraten.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ola-Olaniyi kämpft dafür, dass die kolonialen Narrative korrigiert werden. Mit ihrer Organisation ermutigt sie andere Frauen, sich den Herausforderungen zu stellen: “In dem Land, das uns kolonisiert hat, fahren Frauen Busse und steuern Flugzeuge. Aber Nigeria hat es verabsäumt, seine Frauen zu stärken. Wenn eine Frau in Männerberufe vordringt, dann gilt es als große Leistung. Sie war aber immer dazu in der Lage, es fehlten einfach die Möglichkeiten. Ich glaube, dass Frauen gerade erst beginnen, ihr Potenzial zu erkennen.” (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Die Gabelstaplerfahrerin Bukes Saliu aus Lagos (Bild: Promise Eze/IPS)</p>
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		<title>Die Fischzüchterinnen vom Victoriasee</title>
		<link>https://afrika.info/die-fischzuechterinnen-vom-victoriasee/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Aug 2023 16:37:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uganda]]></category>
		<category><![CDATA[Fischerei]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Pearl Amina Karungi]]></category>
		<category><![CDATA[Victoriasee]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fischzüchterinnen im Bezirk Bugiri am Nordufer des Victoriasees haben sich erfolgreich gesellschaftlichen Konventionen widersetzt: In der traditionell von Männer dominierten Branche verdienen bereits 1.400 Frauen den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Pearl Amina Karungi, Africa Renewal* | 8. August 2023 </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bugiri (AR/afr). Fischzüchterinnen im Bezirk Bugiri am Nordufer des Victoriasees haben sich erfolgreich gesellschaftlichen Konventionen widersetzt: In der traditionell von Männer dominierten Branche verdienen bereits 1.400 Frauen den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rose Nakimuli aus Bugiri erinnert sich gut an ihren Weg in die Fischzucht: “Als ich für die Ausbildung ausgewählt wurde, habe ich meine Chance erkannt und diese sofort als Jobmöglichkeit begriffen”, erzählt Nakimuli.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Unterstützung durch UN Women lernte Nakimuli Schwimmen, die Grundlagen der Aquakultur und des Fischfangs. Heute ist sie eine erfolgreiche Fischzüchterin und kann dank ihres neu erworbenenen Fachwissens ihre Familie versorgen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">28 Käfige voller Tilapia</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Rose Naikimuli ist eine von insgesamt 1.400 Frauen, die in der Fischzucht ausgebildet wurden. Das im Jahr 2019 von UN Women und der Kommunalverwaltung des Bezirks Bugiri ins Leben gerufene Projekt wird von der schwedischen Regierung und der Standard Bank finanziell unterstützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Victoriasee bewirtschaften die Frauen mittlerweile 28 Käfige voller Fische der Buntbarsch-Gattung Tilapia. UN Women stellt darüber hinaus weitere Unterstützungsleistungen bereit, wie z. B. Unterkünfte für berufstätige Frauen, Tagesbetreuung für ihre Kinder und notwendige Ressourcen wie Fischernetze und Schwimmwesten sowie einen Kühlwagen für die Märkte.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="UN Women   WEEB Climate Smart Cage Fish Farming, Bugiri   Uganda" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/Yo11gvFpiZo?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph">Amina Nakiranda ist die Produktionsleiterin des Projekts. Sie erklärt, dass die Frauen nicht nur Fischzucht erlernten, sondern auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse erwarben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Bevor das Programm installiert wurde, kämpften wir ums Überleben, indem wir frische Produkte oder Victoria-Sardinen auf dem Markt verkauften”, erzählt Nakiranda. “Durch die umfassende Ausbildung im Rahmen des Projekts haben wir gelernt, wie wir unsere Geschäfte effizient führen können.”</p>



<h2 class="wp-block-heading">Aus Unternehmerinnen werden Heldinnen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Inspiriert von ihren Erfolgen haben die Frauen ein eigenes Unternehmen namens “Women Economic Empowerment Bugiri” (WEEB) gegründet. Immaculate Were, Geschäftsführerin von WEEB, verweist stolz auf die Entwicklung der Frauen: “Obwohl 85 Prozent von ihnen Analphabetinnen sind, haben sie sich zu Spezialistinnen in den unterschiedlichen Aspekten der Fischzucht entwickelt &#8211; dazu zählen Aufzucht, Fang, Konservierung, Vermarktung und Handel”, sagt Were. Ihr Fazit: “Wenn eine Frau reich wird, bedeutet das Reichtum für die gesamte Nation”.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Tat hat das Projekt erhebliche Fortschritte bei der Verbesserung der Geschlechtergleichstellung in den Haushalten der Region erzielt. Die geschlechtsspezifische Gewalt ist deutlich zurückgegangen, da die Frauen nun einen Beitrag zum Familienbudget leisten und finanzielle Unabhängigkeit erlangt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Das Projekt hat die geschlechtsspezifische Gewalt reduziert, weil wir nicht mehr zu Hause sitzen und unsere Ehemänner anbetteln müssen”, erzählt eine der Fischerinnen, “wir sind nun keine Last mehr.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beeindruckend sind auch die ökonomischen Zahlen des Projekts: Die Züchterinnen haben bislang 508,5 Tonnen Fisch produziert und damit einen Umsatz von 4,3 Milliarden Uganda Schilling (1,1 Millionen Euro) erwirtschaftet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dank UN Women fühlen wir uns heute wie Heldinnen“, zieht Rose Nakimuli Bilanz. „Selbst die Männer betrachten uns als Heldinnen. Fischen war früher reine Männersache und wir machen uns darin hervorragend.” (Ende)</p>



<pre class="wp-block-verse">*Pearl Amina Karungi ist Global Communications Specialist aus Simbawe. Der englischsprachige Originalbeitrag ist im Juli 2023 in unserem Partnermagazin <a href="https://www.un.org/africarenewal/magazine/july-2023/women-shatter-gender-barriers-ugandas-fish-farming-industry">Africa Renewal</a> der Vereinten Nationen erschienen.</pre>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Fischzüchterinnen auf dem Victoriasee (Fotoquelle: Africa Renewal)</p>
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		<title>Hexenverfolgungen in Malawi nehmen zu</title>
		<link>https://afrika.info/hexenverfolgungen-in-malawi-nehmen-zu/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Apr 2023 17:04:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Malawi]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Mpaka]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p> Im Dezember 2022 ging ein Videoclip viral, der zwei ältere Frauen zeigt, wie sie ein Grab mit Erde auffüllen. Die beiden Schwestern sind von einer aufgebrachten Menschenmenge umringt. Ein Mann schlägt eine der beiden Frauen, so dass sie ins offene Grab fällt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Charles Mpaka | 17. April 2023</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blantyre (IPS/afr). Im Dezember 2022 ging ein <a href="https://www.facebook.com/watch/?v=6488951201120901" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Videoclip auf Facebook</a> viral, der zwei ältere Frauen zeigt, wie sie ein Grab in einem Dorf im Bezirk Mzimba mit Erde auffüllen. Die beiden Schwestern sind von einer aufgebrachten Menschenmenge umringt. Ein Mann tritt aus dem Mob hervor und schlägt eine der beiden Frauen, so dass sie ins offene Grab fällt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Name der Frau ist Christina Mphande (77). Was war ihr Verbrechen? Die Menschen im Dorf beschuldigten sie, eine junge Verwandte durch Hexerei getötet zu haben. Als Strafe musste sie die Tote beerdigen, dabei wurde sie von ihrer Schwester unterstützt. Mphande wurde in der Folge aus dem Dorf verbannt, ihre Habseligkeiten und ihr Vieh wurden beschlagnahmt.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mphande lebt in der Zwischenzeit in sicherer Entfernung zu ihrem Heimatdorf. Der Vorfall hat aber schwere psychische und physische Spuren hinterlassen: Sie wird immer noch von Alpträumen geplagt. Außerdem hat sie bei dem Angriff einige Zähne verloren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Anstieg bei der Ermordung älterer Frauen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Schicksal von Christina Mphande ist längst kein Einzelfall. In Malawi kommt es immer öfter zu Übergriffen gegen ältere Frauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Christina Mphande kann sogar von Glück reden, dass sie den Angriff überlebt hat. Laut dem “Malawi Network of Older Persons Organizations” (MANEPO) wurden in den ersten beiden Monaten des heurigen Jahres bereits fünf ältere Frauen getötet. Im gesamten Jahr 2022 waren es 15 Todesfälle &#8211; 13 mehr als noch im Jahr zuvor. In den meisten Fällen war der Vorwurf der Hexerei das Motiv.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Landesdirektor von MANEPO, Andrew Kavala, verurteilt die Übergriffe entschieden: „Als Gesellschaft haben wir unsere älteren Menschen im Stich gelassen. Wir haben eine ungerechtfertigte Wut auf sie. Aus Frustration über eigene Missstände lassen wir unseren Zorn an unschuldigen Menschen aus. Das ist eine Tragödie.“ Viele Menschen in Malawi würden Hexerei und Magie für ihr persönliches Unglück verantwortlich machen, so Kavala.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Koloniales Gesetz unter Beschuss</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hexenjagd hat in Malawi eine lange Geschichte. Bereits die britische Kolonialregierung erließ 1911 ein Gesetz, das Übergriffen Einhalt gebieten sollte. Der “Witchcraft Act” schreibt fest, dass Hexerei nicht existiert. Behauptungen, die andere Menschen der Hexerei bezichtigen, sind demnach strafbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die koloniale Gesetzgebung könnte aber bald der Vergangenheit angehören: Die Regierung richtete eine Sonderkommission unter dem Vorsitz von Richter Robert Chinangwa ein, um die Zeitmäßigkeit des Gesetzes zu überprüfen. Die Kommission kam in ihrem Ende 2021 veröffentlichten Bericht zum Schluss, dass die Existenz von Hexerei nicht als zweifelhaft, sondern als schlüssig angesehen werden sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es gibt Hexerei oder zumindest einen Glauben an Hexerei unter Malawiern“, heißt es in dem Bericht. Und weiter: „Es ist nicht richtig zu behaupten, dass es in Malawi keine Hexerei gibt, nur weil deren Ausübung auf bloßem Glauben beruht.” Die Kommission sprach sich folglich für eine Reform des Gesetzes aus. U. a. sollen Menschen, die Hexerei ausüben, gerichtlich verfolgt werden können.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschenrechtsorganisationen reagierten entsetzt. Sie gaben eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie ausführten, dass Hexen oder Zauberer per Defintion Personen seien, die heimlich übernatürliche Kräfte für böse Zwecke einsetzen würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor Gericht wäre aber ein solcher Beweis nicht zu erbringen, heißt es in der Erklärung: “Es ist eine gute Rechtspraxis, dass die Staatsanwaltschaft die Schuldfrage zweifelsfrei beweisen muss, damit es zu einer Verurteilung kommt. Hexerei beinhaltet jedoch den Einsatz übernatürlicher Kräfte. Deshalb wäre es sehr schwierig, entsprechende Anschuldigungen vor Gericht zu beweisen.”</p>



<h2 class="wp-block-heading">Polizei ist oft machtlos</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz gegenteiliger Empfehlungen der Sonderkommission ist der Witchcraft Act von 1911 nach wie vor in Kraft. Dennoch ist die malawische Polizei häufig machtlos bei der Ahndung von Straftaten. Polizeisprecher Peter Kalaya: “In einer Gesellschaft, in der eine Mehrheit an Hexerei glaubt, gibt es einen großen Widerstand gegen die Strafverfolgung.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation wird auch durch die Tatsache erschwert, dass sich die Übergriffe zumeist in ländlichen Gebieten &#8211; weit entfernt von der nächsten Polizeistation &#8211; ereignen. Laut Kalaya sei es daher schwer, schnell einzugreifen, die Opfer zu retten und die Täter festzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Wycliffe Masoo, Direktor für Behinderten- und Seniorenrechte bei der “Malawi Human Rights Commission” (MHRC), bleibt in der ganzen Debatte aber vor allem eine Frage offen: “Wenn es Hexerei tatsächlich gibt &#8211; warum wird sie dann offenbar nur von älteren Menschen praktiziert?”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam mit anderen Menschenrechtsorganisationen fordert Masoo rechtliche Rahmenbedingungen für ältere Menschen, um sie vor Übergriffen zu bewahren. Eine entsprechende Gesetzesvorlage hat es bislang aber nicht ins Parlament geschafft. Masoo drängt außerdem darauf, dass mehr in Aufklärung und Bildung investiert wird als bisher. „Nur das wird ältere Frauen schützen“, ist er überzeugt. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Christina Mphande ist vom Angriff auf ihre Person schwer gezeichnet. (Foto: Charles Mpaka/IPS)</p>
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		<title>Zama Zamas: Monatelang unter Tage</title>
		<link>https://afrika.info/zama-zamas/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jan 2023 08:22:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lesotho]]></category>
		<category><![CDATA[Mosambik]]></category>
		<category><![CDATA[Simbabwe]]></category>
		<category><![CDATA[Südafrika]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Bergbau]]></category>
		<category><![CDATA[Fawzia Moodley]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Industrie]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Südafrika boomt der illegale Bergbau. Reiche Auftraggeber rekrutieren arme Arbeiter, die in stillgelegten südafrikanischen Minen nach Bodenschätzen schürfen. Die Arbeitsbedingungen sind katastrophal, Rivalität schürt Fremdenhass und Gewalt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Fawzia Moodley* | 26. Januar 2023</p>



<p class="wp-block-paragraph">Johannesburg (IPS/afr). In Südafrika boomt der illegale Bergbau. Reiche Auftraggeber rekrutieren arme Arbeiter, die in stillgelegten südafrikanischen Minen nach Bodenschätzen schürfen. Die Arbeitsbedingungen sind katastrophal, Rivalität schürt Fremdenhass und Gewalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die illegalen Minenarbeiter, die überwiegend aus Lesotho, Mosambik und Simbabwe stammen, werden auf isiZulu „Zama Zamas“ genannt. Frei übersetzt werden darunter Menschen verstanden, “die immer wieder ihr Glück versuchen”.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paps Lethoko ist Vorsitzender der “National Association of Artisanal Miners” (NAAM) &#8211; einer&nbsp; Interessensvertretung für Kumpel im Kleinbergbau. Er berichtet, dass die Zama Zamas oft Monate in den unterirdischen Schächten verbringen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tätigkeit ist enorm gefährlich: Erst zu Jahresbeginn sind acht Bergleute in einer Mine in Driekop, Limpopo, erstickt. Heftige Regenfälle hatten Erde in den Ausgang gespült und die Zama Zamas eingeschlossen. Im November 2022 verloren 21 Minenarbeiter bei einem Schachteinsturz in Krugersdorp ihr Leben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gutes Geschäft für kriminelle Syndikate</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auftraggeber der Zama Zamas sind in kriminellen Syndikaten organisiert und verdienen sich mit den illegalen Bergleuten eine goldene Nase. So betreiben sie z. B. unterirdische Imbissbuden, in denen Wucherpreise für Lebensmittel verlangt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Imbisse verkaufen Brot für 200 Rand (Normalpreis 20 Rand) und Fischkonserven für 300 Rand (Normalpreis 25 Rand)”, schildert Lethoko. “Nach monatelangem Ausharren in den klaustrophobischen und gefährlichen Katakomben erhalten die Bergleute am Ende etwa 30.000 Rand (ca. 1.800 US-Dollar). Sie müssen davon aber die enormen Preise für Nahrungsmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs bezahlen.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Lethoko werden die meisten stillgelegten Schächte in Klerksdorp, einer Bergbaustadt in der Nordwestprovinz, von einem wohlhabenden Politiker aus Lesotho betrieben. Wer dort arbeiten will, muss investieren. „Die Arbeiter werden gezwungen, den Sicherheitskräften bis zu 20.000 Rand (ca. 1.700 US-Dollar) zu bezahlen, um die Minen betreten zu dürfen. Sie werden schlechter behandelt als Sklaven &#8211; genauso wie von Bergbauunternehmen während der Apartheid.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Unter Verdacht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Südafrika werden die Zama Zamas häufig mit Gewaltexzessen in Verbindung gebracht. Am 28. Juli 2022 wurden bei Krugersdorp acht Frauen, die auf einem ehemaligen Minengelände ein Musikvideo drehen wollten, vergewaltigt und beraubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einer nachfolgenden Razzia der Polizei wurden zwei Zama Zamas erschossen, 84 Verdächtige wurden festgenommen. Später wurden 14 der illegalen Bergleute wegen Vergewaltigung und schweren Diebstahls angeklagt. Die Anklage wurde später fallen gelassen, nachdem die DNA-Abgleiche keine Übereinstimmungen ergeben hatten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kleinbergleute fürchten um ihren Ruf</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Einheimische Minenarbeiter, die sich mit traditionellem Kleinbergbau über Wasser halten, befürchten angesichts solcher Vorfälle Nachteile für ihre Berufsausübung. “Wir haben versucht, Genossenschaften zu gründen und Genehmigungen für einen legalen Betrieb zu erhalten”, schildert Lethoko, “aber die Bergbauunternehmen, die Medien und sogar die Polizei werfen uns mit kriminellen Zama Zamas in einen Topf.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2017 hatte zwar das “Department of Mineral Resources and Energy” (DMRE) den Kleinbergbau zum Zweck des Lebensunterhalts für südafrikanische Staatsbürger*innen rechtlich anerkannt. Allerdings ist die Lizenzvergabe teuer und kompliziert. Bisher ist es nur einer Genossenschaft in Kimberley in der Provinz Nordkap gelungen, das Verfahren positiv abzuschließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Die Kumpel leben von der Hand in den Mund”, beklagt Lethoko, “die meisten von uns haben weder die erforderlichen Dokumente noch das Geld für den Genehmigungsprozess. Außerdem scheinen die lokalen DMRE-Beamten nicht zu wissen, dass Genossenschaften im Kleinbergbau rechtlich anerkannt werden können.”</p>



<h2 class="wp-block-heading">Konzerne verweigern den Zutritt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig scheitern die Minenarbeiter auch an den Eigeninteressen der Bergbaukonzerne. In der Nordwestprovinz versuchte die NAAM, mit dem Minen-Giganten “Harmony Gold” zu verhandeln. “Der Sicherheitsdienst hat die einheimischen Bergleute aber daran gehindert, in den bereits aufgelassenen Minen zu arbeiten”, erzählt Lethoko, “das Unternehmen erwirkte sogar eine einstweilige Verfügung wegen unbefugten Betretens gegen mich und die Arbeiter.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Tragödie ist, dass die Konzerne in die stillgelegten Minen zurückkehren wollen”, bestätigt Toto Nzamo, Mitglied der “Tujaliano Community Organisation” in Germiston bei Johannesburg. “Sie verfügen jetzt über die Technologie, um den Abbau von Rohstoffen wieder profitabel zu gestalten. Und das unfähige DMRE hindert anständige Menschen daran, ihren Lebensunterhalt rechtmäßig zu verdienen.”</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fremdenhass und Bandenkriege</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zama Zamas sehen sich indes mit einer zunehmenden Fremdenfeindlichkeit konfrontiert. Nach dem Verbrechen in Krugersdorp machte in der Township Kagiso ein wütender Mob Jagd auf die Minenarbeiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die wachsende Rivalität zwischen verschiedenen Gruppierungen von Zama Zamas endet zunehmend blutig: Im September 2022 wurden sechs illegale Bergleute bei Maraisburg westlich von Johannesburg erschossen. Die Polizei geht von einem Bandenkrieg zwischen Zama Zamas aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um der Gewalt ein Ende zu bereiten, sieht Toto Nzamo die Politik in der Pflicht. Er fordert eine Zusammenarbeit zwischen Innenministerium und dem DMRE, damit qualifizierte Zama Zamas einen Aufenthaltsstatus erhalten. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph">*mit Ergänzungen von Martin Sturmer</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Aufgelassene Schächte der Goldmine von Stilfontein ziehen viele Zama Zamas an. (Foto: beigestellt/IPS)</p>
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		<title>Die wirtschaftlichen Folgen von Corona</title>
		<link>https://afrika.info/die-wirtschaftlichen-folgen-der-corona-pandemie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Feb 2021 07:22:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[DR Kongo]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Auswirkungen der Corona-Pandemie für Afrika sind enorm. In vielen Ländern steigen Arbeitslosigkeit, Armut und Staatsverschuldung. Experten fordern eine sorgfältige Neuausrichtung der politischen Prioritäten.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von&nbsp;Martin Sturmer&nbsp;| 18. Februar 2021</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oberndorf bei Salzburg (afr). Die Auswirkungen der Corona-Pandemie für Afrika sind enorm. In vielen Ländern steigen Arbeitslosigkeit, Armut und Staatsverschuldung. Experten fordern eine sorgfältige Neuausrichtung der politischen Prioritäten. Digitalisierung, Klimaresilienz und dem Binnenhandel kommen eine Schlüsselrolle zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bericht &#8222;<a href="https://www.un.org/development/desa/dpad/document_gem/global-economic-monitoring-unit/world-economic-situation-and-prospects-wesp-report/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">World Economic Situation and Prospects 2021</a>&#8220;&nbsp; des &#8222;Department of Economic and Social Affairs&#8220; der Vereinten Nationen (UN DESA) weist für Afrika im Jahr 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 3,4 Prozent aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die afrikanischen Länder kämpfen angesichts der Corona-Pandemie mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Problemen. Niedrige Rohstoffpreise, der Zusammenbruch des Tourismus und geringere Rücküberweisungen haben den Volkswirtschaften im letzten Kalenderjahr schwer zugesetzt. Dazu kamen Einschränkungen aufgrund nationaler Lockdowns, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="sechs-lander-in-aktuer-schuldennot">Sechs Länder in aktuer &#8222;Schuldennot&#8220;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als einer der größten wirtschaftlichen Herausforderungen beschreibt der UN-Bericht den Anstieg der Staatsschulden. Im Schnitt ist die Schuldenquote im letzten Jahr um acht Prozent gewachsen. Die Demokratische Republik Kongo, die Seychellen, der Sudan und Sambia verzeichneten sogar eine Zuwachs jenseits der 20-Prozent-Marke. Sechs Länder sind akut in “Schuldennot” und haben Schwierigkeiten, die Kredite zu tilgen: Mosambik, Republik Kongo, São Tomé und Príncipe, Simbabwe, Somalia und Sudan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autoren des Reports betonen, dass die Schuldenkrise zu einer &#8222;brutalen weiteren Verschlechterung der bestehenden Bedingungen&#8220; führen werde. Sie verweisen auf notwendige fiskalische Anpassungen, welche die Aussichten weiter eintrüben würden. Die Warnung im Bericht ist deutlich: &#8222;Vor diesem Hintergrund könnten soziale Unruhen und politische Spannungen leicht eskalieren, die wiederum Instabilität, Gewalt, Binnenvertreibung, Migration und Ernährungsunsicherheit erhöhen könnten.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">UN-Generalsekretär António Guterres appellierte anlässlich der Präsentation des Berichts an die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft: &#8222;Wir sind mit der schlimmsten Gesundheits- und Wirtschaftskrise seit 90 Jahren konfrontiert. Während wir um die wachsende Zahl der Todesopfer trauern, müssen wir uns daran erinnern, dass die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, unsere gemeinsame Zukunft bestimmen werden. Lassen Sie uns in eine integrative und nachhaltige Zukunft investieren, die von intelligenten Richtlinien, wirkungsvollen Investitionen und einem starken und effektiven multilateralen System angetrieben wird, das die Menschen in den Mittelpunkt aller sozioökonomischen Bemühungen stellt.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="arbeitslosigkeit-klettert-auf-rekordniveau">Arbeitslosigkeit klettert auf Rekordniveau</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Jene afrikanische Volkswirtschaften, die von ihren Rohstoffen abhängig sind, spüren die Folge der Krise besonders stark. Der Verfall der Rohstoffpreise &#8211; vor allem beim Erdöl &#8211; machte Ländern wie Nigeria, Algerien oder Angola schwer zu schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Tourismusdestinationen wie z. B. Marokko oder Mauritius stiegen Arbeitslosigkeit, Armut und Ungleichheit stark an. Im Schnitt zeichnete der Tourismus in diesen Ländern für mehr als ein Viertel der Beschäftigten und rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zunahme der Arbeitslosigkeit sei vor allem in den Städten sichtbar geworden, so der UN-Bericht. In Südafrika lag die Arbeitslosigkeitsquote im dritten Quartal 2020 auf einem Rekordhoch von 30,9 Prozent. In Nigeria betrug die Arbeitslosenquote zur Jahresmitte 27,1 Prozent.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="was-es-fur-einen-aufschwung-braucht">Was es für einen Aufschwung braucht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sorgen bereitet den Autoren auch die Inflationsrate, die in Afrika im Jahr 2020 auf 14,5% anstieg. Für 2021 wird mit einer leichten Entspannung gerechnet: Die Inflationsrate soll auf 9% absinken, das Wirtschaftswachstum 3,4 Prozent betragen. Diese Prognose beruht allerdings auf der Annahme, dass die Inlandsnachfrage, die Exporte und die Rohstoffpreise wieder anspringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Afrika brauche eine nachhaltige Wiederbelebung des Wachstums, heißt es in den Empfehlungen des Berichts. Hamid Rashid, der als Direktor der Abteilung für globales Wirtschaftsmonitoring bei UN DESA hauptverantwortlich für die Studie ist, fordert: &#8222;Da Länder mit einer höheren Verschuldung aus der Krise hervorgehen werden, ist eine sorgfältige Neuausrichtung der politischen Prioritäten erforderlich, um die Widerstandsfähigkeit zu stärken und die Produktivität zu steigern. Dies beinhaltet die Erschließung von Wachstumschancen und die Beschleunigung der Einführung von Technologien sowie die Überbrückung digitaler Ungleichheiten, die Verbesserung der Klimaresilienz und die Förderung der Mobilisierung von Einnahmen im Inland.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit für afrikanische Länder, der Verbreitung digitaler Technologien verstärktes Augenmerk einzuräumen und den Ausbau einer erschwinglichen digitalen Infrastruktur voranzutreiben. Auch die Umsetzung der&nbsp;<a href="https://afrika.info/afrika-ein-gemeinsamer-markt-fuer-54-staaten/">Afrikanischen Freihandelszone</a>&nbsp;(AfCFTA) sei ein wichtiger Schritt zur Förderung des innerafrikanischen Handels und damit der Ernährungssicherheit sowie der Produktivität. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Blick vom &#8222;Kenyatta International Conference Center&#8220; in Nairobi (Foto: Martin Sturmer/afr)</p>
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		<title>Uganda: Häuser aus Plastikflaschen</title>
		<link>https://afrika.info/uganda-haeuser-aus-plastikflaschen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Sep 2020 11:19:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uganda]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der Nähe von Mpigi, einer Kleinstadt ca. 40 Kilometer westlich der ugandischen Hauptstadt Kampala, steht ein ganz spezielles Dorf: Die Häuser wurden aus Plastikflaschen errichtet. Die umweltfreundliche Idee gewinnt immer mehr Anhänger.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von&nbsp;Wambi Michael&nbsp;| 26. September 2020</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kampala (IPS/afr). In der Nähe von Mpigi, einer Kleinstadt ca. 40 Kilometer westlich der ugandischen Hauptstadt Kampala, steht ein ganz spezielles Dorf: Die Häuser wurden aus Plastikflaschen errichtet. Die umweltfreundliche Idee gewinnt immer mehr Anhänger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Uganda hat ein riesiges Müllproblem. Allein in der Hauptstadt Kampala fallen jährlich mehr als 350.000 Tonnen an festen Abfallstoffen an. Zumindest die Hälfte davon wird einfach im Freien entsorgt. Plastikflaschen liegen überall neben den Straßen, nicht selten verstopfen sie die Entwässerungsrinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="https://socialinnovationacademy.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&#8222;Social Innovation Academy&#8220;</a>&nbsp;(SINA) hat den Müllbergen den Kampf angesagt. Etwas außerhalb von Mpigi liegt das Projektdorf Sina, das aus Plastikflaschen errichtet wurde. Dazu wurden handelsübliche Flaschen prall mit Erde gefüllt und verbaut.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="drei-millionen-plastikflaschen-fur-117-hauser">Drei Millionen Plastikflaschen für 117 Häuser</h2>



<p class="wp-block-paragraph">David Monday arbeitet als Baumeister und Trainer bei SINA. Seit mehr als fünf Jahren errichtet er bereits Gebäude aus Plastikflaschen. Den Ausschlag gab ein Bericht aus Nigeria, wo bereits seit dem Jahr 2011 Flaschenhäuser gebaut werden. &#8222;Und so haben wir damit begonnen, Flaschen und Reifen zu sammeln und daraus ökologische Bausteine zu machen&#8220;, erzählt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Monday hat aber auch ein persönliches Motiv für sein Engagement: Sein jüngerer Bruder verschwand, als er einen Sumpf zu durchqueren versuchte. Eine Suchaktion blieb stundenlang erfolglos. Schließlich wurde sein lebloser Körper unter einem Berg aus Plastikflaschen gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Bau von bislang 117 Häusern wurden rund drei Millionen Plastikflaschen verarbeitet. Für Monday können die Flaschenhäuser auch einen wertvollen Beitrag zur zunehmenden Wohnungsnot in Uganda leisten. Nach Angaben des “Uganda Bureau of Statistics&#8220; weist das Land derzeit ein Defizit von 2,1 Millionen Wohneinheiten auf. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2030 voraussichtlich über fünf Millionen Wohnungen fehlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kamwokya, einer informellen Siedlung in Kampala, errichtet eine Gruppe junger Menschen rund um das &#8222;Ghetto Research Lab&#8220; ebenfalls Häuser aus Plastikflaschen. Rehema Naluekenge ist von der Lösung überzeugt: &#8222;Die Gebäude erweisen sich als recht langlebig. Wir haben bislang keine Risse gesehen&#8220;, erzählt sie. &#8222;Unser Geschäftsführer sagt uns immer, dass Abfall nur dann Abfall ist, wenn wir ihn verschwenden.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="behorden-hinken-nach">Behörden hinken nach</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Bezirk Mukono in Zentral-Uganda setzt der Highschool Lehrer Allan Obbo auf Flaschenhäuser. Eine Reihe von Cottages seiner Hotelnlage &#8222;Bottle Garden Resort&#8220; sind aus Plastikflaschen errichtet worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Studien haben ergeben, dass Kunststoffe sehr gefährlich für die Umwelt sind&#8220;, sagt Obbo. &#8222;Schauen Sie sich doch unsere Seen an, die Gewässer sind voll davon. Forschungen zeigen, dass der Abbau einer Plastikflasche 300 Jahre dauert. Der Müll hat einen großen Nutzen, wenn er als Baustoff verwendet wird.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obbo weist auf einen noch einen anderen Vorteil hin. &#8222;Die Flaschen sind ohnehin schon da. Für die Herstellung von Ziegeln werden aber häufig Bodenflächen verbraucht, die dann für die Landwirtschaft fehlen. Außerdem werden für Baustellen viele Bäume gefällt.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Lehrer zeigt sich aber enttäuscht, dass die Behörden in städtischen Gebieten die Plastikflaschen als Baustoff nicht genehmigen. Das bestätigt auch die Architektin Patricia Kayongo, Geschäftsführerin der in Kampala ansässigen &#8222;Dream Architects Ltd.&#8220; Sie erklärt, dass das zuständige Normungsinstitut Plastikflaschen als Baustoff bislang nicht getestet hat und daher keine Bewilligungen erteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Das bedeutet aber, dass den Menschen Möglichkeiten für den günstigen Hausbau genommen werden&#8220;, kritisiert Kayongo. Damit würde auch eine Chance zur Bekämpfung der Wohnungsnot verpasst. &#8222;Die Wiederverwertung von Materialien wie Glas und Kunststoff eignet sich gut für den Bau.&#8220; (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> David Monday erklärt das Prinzip eines aus Plastikflaschen errichteten Hauses (Foto: Wambi Michael/IPS).</p>
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