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	<title>Wirtschaft Archive | afrika.info</title>
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	<description>Den Kontinent anders sehen</description>
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		<title>Fremdenfeindlichkeit bremst Entwicklung</title>
		<link>https://afrika.info/fremdenfeindlichkeit-suedafrika/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Sep 2026 09:40:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Malawi]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fremdenfeindlichkeit in Südafrika hat Zehntausende Migrantin*innen aus anderen afrikanischen Ländern zur Rückkehr in ihre Heimat gezwungen. Die Gewalt löst nicht nur eine humanitäre Krise aus, sondern gefährdet auch Entwicklungsziele und Afrikas Vision einer stärkeren regionalen Integration.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/fremdenfeindlichkeit-suedafrika/">Fremdenfeindlichkeit bremst Entwicklung</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong><strong>Fremdenfeindlichkeit in Südafrika</strong> hat Zehntausende Migrantin*innen aus anderen afrikanischen Ländern zur Rückkehr in ihre Heimat gezwungen. Die Gewalt löst nicht nur eine humanitäre Krise aus, sondern gefährdet auch Entwicklungsziele und Afrikas Vision einer stärkeren regionalen Integration.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Charles Mpaka | 1. September 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blantyre, Malawi (IPS/afr) – Als Rahim Ali Ende Juli in sein Heimatdorf im zentralmalawischen Distrikt Dowa zurückkehrte, lagen sieben Jahre in Südafrika hinter ihm. „Es ist eine Erleichterung, und ich bin der Regierung dankbar, dass sie mich sicher nach Hause gebracht hat“, erzählt der 33-Jährige gegenüber der Nachrichtenagentur IPS. „Die Lage in Südafrika war schrecklich, und viele von uns hatten keine Möglichkeit, dieser Gewalt zu entkommen.“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ali gehörte zu Zehntausenden Malawier*innen, die in den vergangenen Monaten aus Südafrika zurückkehrten. Nach Angaben der malawischen Katastrophenschutzbehörde hatte die Regierung bis zum Abschluss ihrer Rückholaktion am 12. August 56.723 Staatsbürger*innen nach Malawi gebracht. Fast 900 Busse waren dafür über mehrere Monate im Einsatz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Malawi drängen jedes Jahr bis zu 270.000 junge Menschen auf den Arbeitsmarkt. Ihnen stehen nach<a href="https://www.worldbank.org/en/news/press-release/2026/02/24/malawi-economic-monitor-stabilizing-the-economy-to-unlock-private-investment-and-create-jobs" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> jüngsten Daten der Weltbank</a> lediglich rund 40.000 neue formelle Arbeitsplätze gegenüber, die die malawische Wirtschaft jährlich schafft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Rahim Ali keine reguläre Beschäftigung fand, verdingte er sich auf Mais- und Tabakfeldern in seiner Umgebung, rodete Land und half bei der Ernte. 2013 brachte er genug Geld zusammen, um einen Friseursalon zu eröffnen. In seinem ländlichen Heimatort lud er außerdem Mobiltelefone auf und verkaufte Ladegeräte und Batterien. Das Einkommen sei nicht hoch gewesen, erzählt er, habe aber gereicht, um ein kleines Haus zu mieten und für sich selbst zu sorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Tod seines Vaters im Jahr 2017 brach diese bescheidene Unabhängigkeit zusammen. Als Ältester der Familie musste Rahim Ali nun für seine zwei Schwestern und seinen Bruder sorgen – für Essen, Kleidung und Schulgebühren. „Mit dem Einkommen aus einem Friseursalon wurde es für uns wirklich schwierig“, erinnert er sich.</p>



<h2 id="h-zwischen-ausbeutung-und-hoffnung" class="wp-block-heading">Zwischen Ausbeutung und Hoffnung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">2019 lud ihn ein ehemaliger Schulkollege ein, ihm nach Südafrika zu folgen. Rahim Ali zögerte keine Sekunde. Gemeinsam mit seinem Freund arbeitete er auf einer Erdbeerfarm in Johannesburg, wo er damals 412 Rand pro Woche (rund 27 Euro) verdiente.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden fünf Jahren fand Rahim Ali auf verschiedenen Farmen Beschäftigung. Die Arbeit sei hart gewesen. Vorgesetzte hätten „uns einfach ausgepeitscht und uns in einer Sprache beschimpft, die wir nicht verstanden“. Pausen habe es kaum gegeben. Wer krankheitsbedingt nicht arbeiten konnte, bekam keinen Lohn. Arbeitsplatzsicherheit habe es ebenfalls nicht gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Trotzdem war der Lohn besser als das, was ich für eine ähnliche Arbeit hier in Malawi bekommen hätte“, sagt Rahim Ali. „Außerdem sind die Lebenshaltungskosten dort deutlich niedriger. Deshalb konnte ich Geld sparen und meine Geschwister unterstützen.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-migranten-malawi-c-alaister-russell-ips-1200-800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-6717" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-migranten-malawi-c-alaister-russell-ips-1200-800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-migranten-malawi-c-alaister-russell-ips-1200-800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-migranten-malawi-c-alaister-russell-ips-1200-800-639x426.jpg 639w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-migranten-malawi-c-alaister-russell-ips-1200-800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-migranten-malawi-c-alaister-russell-ips-1200-800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Malawische Migrant*innen warten am 29. Juni 2026 vor dem malawischen Konsulat in Woodmead, Johannesburg, auf die Abfahrt eines Busses im Rahmen der Rückführungsmaßnahmen. (Foto: Alaister Russell/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">2024 fand er eine neue Stelle als Hilfskraft in einem Geschäft eines indischen Eigentümers, das Solarmodule verkaufte. Im Mai 2026 drang eine Gruppe südafrikanischer Bürger*innen in den Laden ein und forderte den Besitzer auf, seine aus anderen afrikanischen Ländern stammenden Beschäftigten zu entlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rahim Ali verlor seinen Arbeitsplatz und konnte bald weder Lebensmittel noch seine Miete bezahlen. Sein Vermieter setzte ihn vor die Tür. Schließlich schloss er sich seinen Landsleuten an, die beim malawischen Konsulat kampierten, wo die Regierung ihre Rückkehr in ihr Heimatland organisierte.</p>



<h2 id="h-wiederkehrende-fremdenfeindliche-gewalt" class="wp-block-heading">Wiederkehrende fremdenfeindliche Gewalt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mobilisiert von der Bewegung „March and March“ vertrieben südafrikanische Bürger zwischen April und Juni 2026 Ausländer*innen aus ihren Wohnungen und von ihren Arbeitsplätzen. Nach eigener Darstellung richtete sich die Aktion gegen Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war nicht das erste Mal, dass Südafrika von fremdenfeindlicher Gewalt erschüttert wurde. 2008 kamen innerhalb von zwei Wochen mehr als 60 ausländische Staatsangehörige ums Leben, mindestens 100.000 Menschen wurden vertrieben. 2019 setzte eine abgespaltene Gewerkschaft südafrikanischer Lkw-Fahrer Hunderte Lastwagen in Brand, um die Entlassung ausländischer Fahrer zu erzwingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen 2022 und 2025 registrierte <a href="https://www.xenowatch.ac.za/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Xenowatch</a>, eine Plattform zur Beobachtung fremdenfeindlicher Diskriminierung in Südafrika, 406 fremdenfeindliche Vorfälle. 75 davon endeten tödlich. Allein 2025 wurden 151 Vorfälle registriert. Zwischen Januar und Mai 2026 bestätigte Xenowatch 22 Fälle, 14 davon waren gewalttätig.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-anti-migration-marsch-jabulani-soweto-c-alaister-russell-ips-1200-800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-6716" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-anti-migration-marsch-jabulani-soweto-c-alaister-russell-ips-1200-800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-anti-migration-marsch-jabulani-soweto-c-alaister-russell-ips-1200-800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-anti-migration-marsch-jabulani-soweto-c-alaister-russell-ips-1200-800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-anti-migration-marsch-jabulani-soweto-c-alaister-russell-ips-1200-800-639x426.jpg 639w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-anti-migration-marsch-jabulani-soweto-c-alaister-russell-ips-1200-800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Teilnehmer*innen einer Demonstration gegen Migrant*innen ziehen am 29. Juni 2026 durch Jabulani in Soweto. (Foto: Alaister Russell/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Als die jüngste Gewaltwelle eskalierte, erklärte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa, Opportunisten hätten die wirtschaftliche Frustration vieler Südafrikaner*innen ausgenutzt und die Proteste angeheizt. Die Gewalt entspreche nicht der Politik der südafrikanischen Regierung gegenüber ausländischen Staatsangehörigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ramaphosa erklärte allerdings auch, illegale Migration belaste den Wohnungs- und Gesundheitssektor des Landes. Seine Regierung werde dagegen „im Rahmen des Gesetzes“ vorgehen.</p>



<h2 id="h-kritik-am-umgang-der-regierung" class="wp-block-heading">Kritik am Umgang der Regierung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Loren Landau, Mitbegründer von Xenowatch, wirft der Regierung vor, nicht konsequent genug gegen die Organisator*innen fremdenfeindlicher Mobilisierungen einzuschreiten. „Zunächst sagt die Regierung, es gebe keine Fremdenfeindlichkeit, sondern Frustration, Fehlinformationen und Kriminelle – und man werde dagegen vorgehen. Gleichzeitig kündigt sie an, einige der von March and March angesprochenen Probleme aufzugreifen: stärkere Grenzkontrollen, mehr Abschiebungen und verstärkte Kontrollen am Arbeitsplatz“, meint Landau gegenüber IPS.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solange die Verantwortlichen für fremdenfeindliche Kampagnen nicht zur Verantwortung gezogen würden, so Landau, würden sie Migrant*innen weiterhin für ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen oder zur Erlangung politischer Macht instrumentalisieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Landau ergänzt, dass die Schwere der jüngsten fremdenfeindlichen Angriffe und die daraus resultierenden Rückführungen hätten Südafrikas Ruf auf dem Kontinent „stark geschädigt“ und die Prozesse der regionalen Integration in den Bereichen Arbeit, Handel und Investitionen zurückgeworfen haben.</p>



<h2 id="h-fremdenfeindlichkeit-gefahrdet-die-entwicklungsziele" class="wp-block-heading">Fremdenfeindlichkeit gefährdet die Entwicklungsziele</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kester Chuwuma Onor argumentiert in seiner Forschungsarbeit „<a href="https://www.researchgate.net/publication/398890742_Xenophobia_In_South_Africa_and_the_Realities_of_Actualizing_SDG_8" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Xenophobia In South Africa and the Realities of Actualising SDG 8</a>“ , dass Südafrika ohne Frieden und Partnerschaft mit anderen Ländern große Schwierigkeiten haben werde, die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Dies gelte insbesondere für SDG 8, das menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum zum Ziel hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen und sehen auch SDG 1 – die Beendigung von Armut – gefährdet. Justice K. Musya und Eric Blanco Niyitunga argumentieren in ihrer Studie „<a href="https://ujcontent.uj.ac.za/esploro/outputs/journalArticle/Xenophobia-as-a-barrier-to-South/9958708707691" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Xenophobia as a Barrier to South Africa’s National Development Plan and SDGs</a>“, dass fremdenfeindliche Angriffe die Geschäfte ausländischer Unternehmen beeinträchtigen und diese dazu veranlassen, das Land zu verlassen. Dies führe zu Arbeitsplatzverlusten, steigender Arbeitslosigkeit und negativen Folgen für das Wirtschaftswachstum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer <a href="https://www.afrobarometer.org/feature/african-insights-2026-beyond-borders-citizen-perspectives-on-a-shifting-global-order/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">aktuellen Umfrage</a> stellte das panafrikanische Forschungsnetzwerk Afrobarometer fest, dass 56 Prozent der Afrikanerinnen und Afrikaner die Freizügigkeit über Staatsgrenzen hinweg unterstützen, damit Menschen in anderen Ländern leben und arbeiten können. Mindestens 40 Prozent sprachen sich hingegen dafür aus, die grenzüberschreitende Mobilität einzuschränken, um Arbeitsplätze und andere Chancen zu schützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Boniface Dulani, Afrobarometer-Forscher und Politikwissenschaftler an der University of Malawi, befürchtet, dass die jüngsten massenhaften Vertreibungen in Südafrika bei vielen Menschen auf dem Kontinent den Eindruck verstärken werden, die regionalen und kontinentalen Bestrebungen nach stärkerer Integration und grenzüberschreitender Freizügigkeit existierten nur auf dem Papier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die südafrikanische Regierung die Verantwortlichen für die jüngste Gewalt nicht festgenommen und strafrechtlich verfolgt habe, führt Dulani auch auf wahltaktische Überlegungen zurück. In Südafrika finden im November 2026 Kommunalwahlen statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Angesichts der angespannten politischen Lage in einem wichtigen Wahljahr muss die Untätigkeit der Regierung auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass ein hartes Vorgehen von Teilen der Opposition politisch ausgeschlachtet werden könnte“, sagt Dulani.</p>



<h2 id="h-streit-um-die-kosten-der-ruckfuhrungen" class="wp-block-heading">Streit um die Kosten der Rückführungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das südafrikanische Innenministerium hat inzwischen von Malawi sowie von Äthiopien und Nigeria die Erstattung von fast 300 Millionen Rand – rund 19 Millionen US-Dollar – verlangt. Diese Summe habe Südafrika nach eigenen Angaben für die Rückführung von mindestens 82.000 ausländischen Staatsangehörigen aufgewendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Landau zufolge steht diese Forderung in direktem Widerspruch zu Ramaphosas Ankündigung, nach den Protesten die Beziehungen zu den Ländern der Region wieder verbessern zu wollen: „Dann diese Rechnung zu schicken, ist eine Beleidigung. Man tritt jemanden noch, wenn er bereits am Boden liegt. Aber das geschieht aus innenpolitischen Gründen, um zu zeigen, dass die Regierung die Interessen Südafrikas an die erste Stelle setzt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Malawi wiederum schlugen Parlamentsabgeordnete auf dem Höhepunkt der Rückholaktion, die die Regierung nach eigenen Angaben fast fünf Millionen US-Dollar kostete, ein Verbot vor: Malawier*innen sollten nicht mehr ohne gültige Dokumente nach Südafrika reisen dürfen, um dort im informellen Sektor Arbeit zu suchen.</p>



<h2 id="h-neustart-in-malawi" class="wp-block-heading">Neustart in Malawi</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Rahim Ali haben die politischen Debatten unmittelbare Folgen. Als er 2019 nach Südafrika kam, besaß er einen Pass und erhielt an der Grenze ein 30-Tage-Visum. Nach dessen Ablauf geriet er in einen irregulären Aufenthaltsstatus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade das habe ihn gegenüber Arbeitgebern besonders verletzlich gemacht, erklärt er. Wer ohne gültige Aufenthaltserlaubnis arbeite, könne sich gegen Verstöße gegen Arbeitsrechte kaum wehren, ohne zugleich eine Festnahme oder Abschiebung zu riskieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Südafrika will er nicht zurückkehren. Während seiner Jahre dort hatte Rahmin Ali in Malawi ein Grundstück gekauft, auf dem er später ein Haus bauen wollte. Nun möchte er es verkaufen und mit dem Erlös ein kleines Unternehmen gründen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hoffe, dass es funktioniert“, sagt er. „Ich habe genug von dieser Gewalt gesehen.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Einige der mehr als 56.000 Menschen, die von der malawischen Regierung aus Südafrika zurückgeholt wurden, erhalten nach ihrer Ankunft Unterstützung. (Foto: Thomas Kachere/IPS)</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Gold und Gummi für den Krieg</title>
		<link>https://afrika.info/sudan-gold-und-gummi-fuer-den-krieg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Aug 2026 08:05:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sudan]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Gold]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Oritro Karim]]></category>
		<category><![CDATA[Rohstoffe]]></category>
		<category><![CDATA[Volker Türk]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gold und Gummi arabicum zählen zu den wichtigsten Exportgütern des Sudan. Ein neuer UN-Bericht zeigt jedoch, wie beide Rohstoffe zunehmend zur Finanzierung des Bürgerkriegs beitragen – mit verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gold und Gummi arabicum zählen zu den wichtigsten Exportgütern des Sudan. Ein neuer UN-Bericht zeigt jedoch, wie beide Rohstoffe zunehmend zur Finanzierung des Bürgerkriegs beitragen – mit verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Oritro Karim | 4. August 2027</p>



<p class="wp-block-paragraph">New York (IPS/afr) – Drei Jahre nach Ausbruch des sudanesischen Bürgerkriegs hat sich die humanitäre Lage dramatisch verschlechtert. Die Vereinten Nationen werfen beiden Konfliktparteien gravierende Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht vor. Dazu zählen gezielte Angriffe auf Zivilist*innen in Wohngebieten, weit verbreitete sexuelle Gewalt sowie Attacken auf kritische Infrastruktur, die humanitäre Hilfe erschweren und ganze Gemeinschaften an den Rand des Zusammenbruchs bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um ihre steigenden Militärausgaben zu finanzieren, greifen die Konfliktparteien zunehmend auf die Ausbeutung von Rohstoffen, Handelswegen und wirtschaftlich bedeutenden Regionen zurück. Humanitäre Expert*innen warnen deshalb vor einer sich zunehmend selbst tragenden Kriegswirtschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sudans riesiger Reichtum an natürlichen Ressourcen sollte der Bevölkerung zugutekommen. Bedauerlicherweise ist das, was wir heute beobachten, alles andere als das. Tatsächlich dient dieser Reichtum nur dazu, die Menschenrechte zu untergraben und Konflikte anzuheizen, was Leid und Elend in enormem Ausmaß mit sich bringt“, sagt der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk. „Diese Kriegswirtschaft muss unterbunden werden, und die internationale Gemeinschaft muss den Rohstoffen und Handelsrouten, die zu ihrer Aufrechterhaltung beitragen, viel mehr Aufmerksamkeit schenken.“</p>



<h2 id="h-gummi-arabicum-als-treibstoff-des-krieges" class="wp-block-heading">Gummi arabicum als Treibstoff des Krieges</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 15. Juli veröffentlichte das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) den Bericht &#8222;<a href="https://www.ohchr.org/en/stories/2026/07/hidden-cost-gum-arabic-inside-sudans-war-economy">Business and Human Rights in Conflict: Gum Arabic from Sudan</a>&#8220; (Wirtschaft und Menschenrechte in Konflikten: Gummi arabicum aus dem Sudan). Darin wird aufgezeigt, wie der illegale Handel mit Gummi arabicum zur Finanzierung sowohl der Rapid Support Forces (RSF) als auch der sudanesischen Streitkräfte (SAF) beiträgt. Darüber hinaus beschreibt der Bericht, wie beide Konfliktparteien erhebliche Einnahmen aus Gold, Vieh und weiteren Rohstoffen erzielen, indem sie Fördergebiete sowie Transport- und Handelsrouten kontrollieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gummi arabicum zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Exportgütern des Sudan. Der aus der Rinde und den Zweigen verschiedener Akazienarten gewonnene Naturstoff wird weltweit in Lebensmitteln, Getränken, Kosmetika und Arzneimitteln verwendet. Für mehr als fünf Millionen Menschen im Sudan bildet seine Gewinnung die wirtschaftliche Lebensgrundlage und ist tief in den ländlichen Gemeinschaften verankert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2023 entfielen rund 70 bis 80 Prozent der weltweiten Rohgummi-arabicum-Exporte auf den Sudan. Der jährliche Exportwert erreichte bis zu 183 Millionen US-Dollar. Heute liegen große Teile des sogenannten Gummi-Arabicum-Gürtels – insbesondere in Kordofan und Darfur – in Gebieten, die von der RSF oder der SAF kontrolliert werden.</p>



<h2 id="h-gewalt-entlang-der-handelsrouten" class="wp-block-heading">Gewalt entlang der Handelsrouten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bericht zeigt, dass die vom Gummi-arabicum-Handel abhängigen ländlichen Gemeinden erheblichen Sicherheitsrisiken und schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind. Dazu zählen Plünderungen, Erpressung und willkürliche Inhaftierungen. Gleichzeitig verschlechtert sich der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, Bildung und Gesundheitsversorgung zunehmend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Händler*innen entlang der Handelskorridore durch die von der RSF kontrollierten Gebiete in Darfur und Kordofan berichten von Warenbeschlagnahmungen, überhöhten Abgaben und Gewalt. Laut OHCHR werden beträchtliche Mengen Gummi arabicum aus West-Kordofan und Darfur über den Südsudan nach Juba sowie in den Tschad, nach Kamerun und Kenia umgeleitet.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vereinten Nationen berichten zudem, dass die RSF geplündertes Gummi arabicum häufig als Ersatz für reguläre Soldzahlungen verwendet. Zwischen Jänner und Juni 2024 sollen auf diese Weise rund 3.700 Tonnen geplündert worden sein.</p>



<h2 id="h-gold-als-wichtigste-finanzierungsquelle" class="wp-block-heading">Gold als wichtigste Finanzierungsquelle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Gummi arabicum identifiziert das OHCHR Gold als wichtigsten Motor der sudanesischen Kriegswirtschaft. Der Rohstoff gilt als „finanziell bedeutendster Rohstoff im Exportbereich“ und stellt die wichtigste Einnahmequelle sowohl für die RSF als auch für die SAF dar.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der sudanesischen Zentralbank und der Sudanese Mineral Resources Company wurden 2024 in den von der SAF kontrollierten Gebieten rund 65 Tonnen Gold gefördert. Davon wurden 28 Tonnen über Port Sudan exportiert. Die Erlöse beliefen sich auf etwa 1,6 Milliarden US-Dollar und machten 48,5 Prozent der gesamten Exporte des Landes aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl die Goldproduktion 2025 auf 70 Tonnen anstieg, wurde weiterhin ein erheblicher Teil außer Landes geschmuggelt. Dem Bericht zufolge wurden 2024 lediglich 52 Prozent der Goldexporte über offizielle Kanäle abgewickelt. Gleichzeitig fördern und handeln mit der RSF verbundene Wirtschaftsakteure weiterhin Gold aus Darfur und Kordofan. Zu Beginn des Konflikts hatte die RSF zudem mehr als 1,3 Tonnen Rohgold beschlagnahmt.</p>



<h2 id="h-appell-an-staaten-und-unternehmen" class="wp-block-heading">Appell an Staaten und Unternehmen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Gold ist der wichtigste und entscheidende finanzielle Treiber, während Gummi arabicum für zusätzliche Liquidität sorgt und verdeutlicht, wie sich der Krieg auf Agrarrohstoffe und globale Handelswege ausgeweitet hat“, sagte Dr. Abdelmonem Mukhtar, Geschäftsführer des Centre for Evidence and Data-Based Policy. „Sollte sich herausstellen, dass eine Lieferkette direkt oder indirekt zur Finanzierung von Konfliktparteien beiträgt, können neben Reputations- und Geschäftsrisiken auch regulatorische, zivilrechtliche oder ethische Verantwortlichkeiten entstehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Türk betonte die Notwendigkeit einer strengeren Aufsicht und forderte die UN-Mitgliedstaaten auf, Rechenschaftspflicht und Kontrollmechanismen auszubauen. Ziel sei es, sicherzustellen, dass der Rohstoffhandel im Sudan nicht zur Finanzierung von Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht beiträgt, sondern stattdessen zur Linderung des Leids der Zivilbevölkerung. Zugleich appellierte er an Unternehmen, den Schutz der Menschenrechte stärker in den Mittelpunkt ihrer Geschäftstätigkeit zu stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Unternehmen können nicht einfach wie gewohnt weitermachen, wenn sie aus konfliktbetroffenen Wertschöpfungsketten beziehen“, sagte Türk. „Sie sollten eine verstärkte, konfliktsensible Sorgfaltspflicht für Menschenrechte walten lassen, einschließlich einer strengeren Überprüfung von Transportwegen, Zwischenhändlern, Dokumentation und möglicher Umkennzeichnung, und sicherstellen, dass betroffene Menschen Zugang zu sicheren und wirksamen Beschwerde- und Reaktionsmechanismen haben.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Goldsucher im Sudan (Foto: Maciek67, Shutterstock.com)</p>
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		<title>Salzgewinnung im Wandel</title>
		<link>https://afrika.info/benin-salzgewinnung-im-wandel/</link>
		
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		<pubDate>Thu, 09 Jul 2026 09:18:13 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Neha Banka]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über Jahrhunderte wurde Salz an Benins Küste mit Feuer und Mangrovenholz gewonnen. Heute setzen immer mehr Frauen auf Sonnenenergie. Ein internationales Projekt verbindet Tradition mit Nachhaltigkeit und stärkt Gesundheit, Umwelt und Einkommen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über Jahrhunderte wurde Salz an Benins Küste mit Feuer und Mangrovenholz gewonnen. Heute setzen immer mehr Frauen auf Sonnenenergie. Ein internationales Projekt verbindet Tradition mit Nachhaltigkeit und stärkt Gesundheit, Umwelt und Einkommen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Neha Banka | 9. Juli 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ouidah (IPS/afr) – Es ist kurz vor Mittag. Am Strand nahe dem Dorf Djégbadji im Westen Benins sitzt eine Gruppe von Frauen und siebt Salz, das sie aus dem Wasser des Golfs von Guinea gewonnen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Große Betonbecken, die mit schwarzen Planen abgedeckt sind, tragen weiße Salzablagerungen – ein Zeichen dafür, dass das Meerwasser unter der heißen Mittagssonne langsam verdunstet. Anders als früher wird dafür jedoch kein Feuer mehr benötigt: Die Frauen nutzen Sonnenenergie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Salzgewinnung zählt zu den wichtigsten Einkommensquellen im Süden Benins. Die Frauen arbeiten im Rahmen des Projekts ProSEL Benin – einer Kooperation der Regierung von Benin mit dem <a href="https://www.ibsa-trilateral.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">trilateralen IBSA-Forum</a> von Indien, Brasilien und Südafrika sowie des <a href="https://www.undp.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen</a> (UNDP). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ziel des Projekts ist es, lokale salzproduzierende Gemeinschaften beim Zugang zu nachhaltigen Energiequellen zu unterstützen und mittelständische Unternehmen für die Produktion und Vermarktung von lokalem Jodsalz aufzubauen.</p>



<h2 id="h-jahrhundertealte-tradition" class="wp-block-heading">Jahrhundertealte Tradition</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„In den Küstenregionen Benins gewinnen Frauen Salz aus den Küstenmarschen”, erklärt Robina Marks, die von 2021 bis 2024 als südafrikanische Botschafterin in Benin und Togo tätig war und maßgeblich an der Umsetzung des von IBSA unterstützten Projekts beteiligt war. “Sie errichten kleine Hütten und kochen Salzwasser in großen Kesseln über offenem Feuer im Inneren der Hütte. Das ist sehr ungesund. Das so gewonnene Salz verkaufen sie dann auf den Märkten und am Straßenrand.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die traditionelle Methode der Salzgewinnung und -verarbeitung wird in Benin seit mindestens dem 15. Jahrhundert praktiziert – überwiegend von Frauen. Dabei sammeln sie salzhaltige Erde, verdampfen das Wasser und filtern die Sole mithilfe von verbranntem Mangrovenholz.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Arbeitsweise belastet die Gesundheit der Frauen sowohl durch die Art der Salzgewinnung als auch durch die Bedingungen, unter denen das Salz verarbeitet wird. Mit dem ProSEL-Benin-Projekt soll diese jahrhundertealte Praxis behutsam weiterentwickelt und der Prozess der Salzgewinnung gesünder sowie umweltfreundlicher gestaltet werden.</p>



<h2 id="h-abholzung-von-mangroven-fur-salzgewinnung" class="wp-block-heading">Abholzung von Mangroven für Salzgewinnung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Gemeinden an der Küste ist die Salzgewinnung eine wichtige Einnahmequelle. Gleichzeitig trägt die traditionelle Herstellung erheblich zur Abholzung der Mangroven bei. Nach Schätzungen von ProSEL Benin werden jedes Jahr rund 20.000 Kubikmeter Mangrovenholz in den Küstenregionen des Landes als Brennstoff für die traditionelle Salzgewinnung gefällt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">UNDP und die Regierung Benins begannen bereits vor rund fünf Jahren mit Gesprächen über die Einführung der neuen Methode. „Die Idee kam aber von den Menschen vor Ort, die diese Bedürfnisse hatten&#8220;, berichtet Aoualé Mohamed Abchir, der von 2020 bis 2024 als UNDP-Repräsentant in Benin tätig war. &#8222;Die Regierung von Benin entwickelte das Projekt und wollte mit dem UNDP zusammenarbeiten.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben Abchirs unterstützt ProSEL Benin drei der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030: Geschlechtergleichstellung, menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum sowie verantwortungsvollen Konsum und nachhaltige Produktion. Ziel ist es, Frauen in ländlichen Regionen Benins dabei zu helfen, sauberes Salz herzustellen und zu vermarkten, um ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit zu stärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2021 bewilligte der Verwaltungsrat des IBSA-Fonds für Armuts- und Hungerbekämpfung dem UNDP eine Million US-Dollar für die Umsetzung des Projekts. IBSA ist eine trilateral finanzierte Entwicklungsorganisation des Globalen Südens, die 2004 von Indien, Brasilien und Südafrika gegründet wurde.</p>



<h2 id="h-hohe-kulturelle-bedeutung" class="wp-block-heading">Hohe kulturelle Bedeutung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als die heute 60-jährige Cécile Koffi erstmals mit dem Salzprojekt in Berührung kam, dauerte es eine Weile, bis sie bereit war, von der traditionellen Methode der Salzgewinnung abzuweichen. „Salz hat viele Funktionen und ist für die Frauen dieser Gemeinschaft von grundlegender Bedeutung“, sagt Koffi, während sie ihr gewonnenes Salz betrachtet.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Benin besitzt Salz eine hohe kulturelle Bedeutung, die weit über seine Verwendung als Lebensmittel hinausgeht. „Es wird nicht nur als Nahrungsmittel verwendet, sondern hat auch eine kulturelle Bedeutung”, erläutert Robina Marks. “Es gilt als heilig und wird in vielen Vodoun-Praktiken eingesetzt.”</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/07/prosel-benin-ips-1-1200-800-1024x768.jpg" alt="" class="wp-image-5843" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/07/prosel-benin-ips-1-1200-800-1024x768.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/07/prosel-benin-ips-1-1200-800-300x225.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/07/prosel-benin-ips-1-1200-800-768x576.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/07/prosel-benin-ips-1-1200-800-640x480.jpg 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/07/prosel-benin-ips-1-1200-800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gemeinsam mit anderen Frauen arbeitet Cécile Koffi mit der neuen Methode der Salzgewinnung, für die kein Feuerholz mehr benötigt wird. (Foto: Neha Banka/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Cécile Koffi gibt einen kleinen Einblick in die Rituale: „Wenn wir zum Markt gehen, um unsere Produkte zu verkaufen, streuen wir Salz auf den Boden und kehren es zusammen, bevor wir unseren Stand aufbauen. Wir glauben, dass dadurch alle bösen Geister verschwinden.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese tief verwurzelten kulturellen Überzeugungen waren einer der Gründe, warum es schwierig war, die Frauen für Veränderungen zu gewinnen und sie für das ProSEL-Benin-Projekt zu begeistern.</p>



<h2 id="h-xwlaje-auf-dem-weg-zur-marke" class="wp-block-heading">Xwlajè: Auf dem Weg zur Marke</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Name Xwlajè ist eng mit der ethnischen Gruppe der Xwla verbunden“, erklärt Luc Obale, nationaler Projektleiter von ProSEL Benin. Die Arbeit der Salzproduzentinnen unterliegt zahlreichen traditionellen Regeln und Verboten, etwa in Bezug auf Arbeitstage oder Dorfgottheiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung Benins arbeitet daran, das Salz zertifizieren zu lassen, damit es künftig unter dem Label „Xwlajè“ verkauft werden kann und so seine kulturelle Herkunft sichtbar macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die alte Methode ist die traditionelle Art der Salzgewinnung und hat daher eine besondere Bedeutung”, sagt Abchir. “Manchmal befürchten manche Menschen negative Folgen, wenn man die Produktionsweise ändert. Die Frauen hätten das Salz direkt aus dem Meer gewinnen können, aber es gibt einen Grund, warum sie das vor dem Projekt nicht getan haben.“</p>



<h2 id="h-menschen-fur-den-wandel-gewinnen" class="wp-block-heading">Menschen für den Wandel gewinnen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das ProSEL-Projekt in Benin ist nicht das erste Vorhaben, das die lokale Salzgewinnung sauberer und umweltverträglicher gestalten will. Nach Einschätzung von Cessi Marlene Capo-Chichi, Projektkoordinatorin beim UNDP, war es jedoch besonders erfolgreich, weil es den Verantwortlichen gelang, die Menschen vor Ort für den Wandel zu gewinnen. „Organisationen haben Schwierigkeiten, die lokale Bevölkerung davon zu überzeugen, ihre Gewohnheiten zu ändern“, sagt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rund 500 Meter vom ProSEL-Projekt entfernt, innerhalb der Grenzen des Dorfes Djégbadji, liegt eine Küstenlagune. Dort gewinnen Frauen in einem Geflecht aus strohgedeckten Hütten weiterhin auf traditionelle Weise Salz. „Diese Art der Salzgewinnung ist mühsamer“,&nbsp; sagt die 45-jährige Julienne Dekon, während sie einen schweren Korb aus Schilfrohr hebt, der mit salzhaltiger Erde aus den umliegenden Sümpfen gefüllt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute verbietet die Regierung Benins das Fällen von Mangroven zur Brennholzgewinnung. Stattdessen werden die Frauen ermutigt, getrocknete Palmblätter und Kokosnussschalen als Brennstoff zu verwenden.</p>



<h2 id="h-festhalten-an-traditioneller-salzgewinnung" class="wp-block-heading">Festhalten an traditioneller Salzgewinnung </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dekon möchte dennoch an der traditionellen Methode festhalten, obwohl viele ihrer Freundinnen nach dem Beitritt zum ProSEL-Projekt inzwischen auf die Salzgewinnung aus Meerwasser umgestiegen sind. Als sie in ihrer Hütte beginnt, das Salzwasser zu kochen, füllt dichter Rauch den kleinen Raum. „Wenn ich viel arbeiten muss, werde ich müde”, erzählt Julienne Dekon, “aber ich weiß nicht viel darüber, wie sich das auf meine Gesundheit auswirkt.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erläutert, warum sie nicht auf die neue Methode umsteigen möchte. “Ich kann auch bei Regen Salz gewinnen, da ich die Erde sammle und drinnen mit dem Kochen beginne. Die beiden Systeme sind zu unterschiedlich“, erklärt Dekon und verweist auf die offenen, wetterabhängigen Verdunstungsbecken am Meer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch die traditionelle Salzgewinnung stößt in der Regenzeit an ihre Grenzen. Von April bis August stehen die tiefer gelegenen Küstensümpfe regelmäßig unter Wasser, auch zwischen September und November kommt es zu Niederschlägen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir drängen die Frauen zum Umstieg auf das ProSEL-System, da das Gebiet, in dem das Salz traditionell gewonnen wird, während der Regenzeit unzugänglich ist”, sagt Abchir. “Es steht komplett unter Wasser, und so findet mehr als die Hälfte des Jahres keine Salzproduktion statt. Wir mussten ihnen Alternativen bieten.“</p>



<h2 id="h-viel-uberzeugungsarbeit-notwendig" class="wp-block-heading">Viel Überzeugungsarbeit notwendig</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb konzentriere sich das Projekt darauf, den Frauen einen dauerhaften Zugang zu Meerwasser zu ermöglichen. So können sie ganzjährig Salz gewinnen und ein regelmäßiges Einkommen erzielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Salzgewinnung aus Meerwasser ist weniger aufwendig”, erklärt Abchir. “Man nimmt einfach das Wasser und lässt es von der Sonne verdunsten. Man muss es nicht kochen, und es ist sicherer. Außerdem kann man damit mehr Geld verdienen.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Unterschied zwischen dem traditionell hergestellten Salz und dem ProSEL-Salz ist auf den ersten Blick sichtbar: Das herkömmliche Salz ist gelblich-braun mit grauen Streifen – eine Färbung, die durch den fehlenden Filterprozess entsteht. Das im Rahmen von ProSEL produzierte Salz hingegen ist weiß, sauber und mit Jod angereichert, das die Frauen kurz vor dem Abfüllen in die Verpackungen mischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Kilogramm traditionell hergestelltes Salz kostet auf den lokalen Märkten und am Straßenrand etwa 800 westafrikanische CFA-Francs (rund zwei US-Dollar). Die gleiche Menge ProSEL-Salz wird für etwa 1.000 CFA-Francs verkauft.</p>



<h2 id="h-vom-lokalen-projekt-in-den-handel" class="wp-block-heading">Vom lokalen Projekt in den Handel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einer Studie von ProSEL sind in Benin rund 4.000 Frauen in der Salzgewinnung tätig. Dennoch importiert das Land den Großteil seines Salzes aus Ghana, Senegal und Indien, da die heimische Produktion nur einen Bruchteil des tatsächlichen Bedarfs deckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Projektverantwortlichen wurde schnell klar, dass es nicht genügte, den Frauen eine sauberere Salzproduktion zu vermitteln. Ebenso wichtig war es, neue Absatzmärkte zu erschließen. Einer davon könnte das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen in Benin sein, das jährlich mehr als eine Million Schulkinder mit Mahlzeiten versorgt. Derzeit prüft das WFP, ob künftig Salz aus den von Frauen geführten ProSEL-Kooperativen bezogen werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Regierung Benins verfolgt ehrgeizige Pläne für das lokal gewonnene Salz. Im Dezember 2025 zertifizierte die beninische Lebensmittelsicherheitsbehörde ABSSA (Agence Béninoise de Sécurité Sanitaire des Aliments) das Salz für den öffentlichen Verzehr. Damit wurde der Weg für den Verkauf unter dem Label „Xwlajè“ frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen ist das Xwlajè-Salz in sieben Supermarktketten in Cotonou sowie in weiteren Geschäften in Porto-Novo, Cotonou und Comè erhältlich. „Darüber hinaus werden Schritte unternommen, um das Xwlajè-Salz in den Duty-Free-Shops des internationalen Flughafens Cotonou zu vermarkten“, sagt Obale.</p>



<h2 id="h-neues-verfahren-macht-weniger-arbeit" class="wp-block-heading">Neues Verfahren macht weniger Arbeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Abchir ergänzt, dass ein Arbeitsgang, der früher rund sechs Stunden dauerte, heute nur noch etwa zwei Stunden beansprucht. Die eigentliche Herausforderung sei jedoch gewesen, Menschen zu überzeugen, die seit Generationen nach denselben Methoden arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er räumt ein, dass das Projekt ohne das Vertrauen der Frauen, ihrer Ehemänner, der Bürgermeister sowie der lokalen Gemeindevorsteher kaum erfolgreich gewesen wäre. „Das einheimische Team ging zu den Frauen, verstand ihre Bedürfnisse und fand Akzeptanz. Es ist sehr schwierig in Benin, wenn Fremde kommen und ihnen vorschreiben, was sie zu tun haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den vergangenen Jahren hat die Regierung Benins den Tourismus zu einem Schwerpunkt ihrer Entwicklungspolitik gemacht. Die traditionellen Methoden der Salzgewinnung sollen dabei helfen, Besucher*innen die Kultur des Landes näherzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ProSEL-Projekt verfolgt jedoch nicht das Ziel, die traditionelle Salzgewinnung vollständig zu verdrängen, betont Obale. „Die moderne Salzproduktionsanlage befindet sich in unmittelbarer Nähe des traditionellen Produktionsstandorts, damit die Touristen den Unterschied zwischen den beiden Produktionsmethoden erkennen können“, sagt er.</p>



<h2 id="h-finanzielle-unabhangigkeit-fur-frauen" class="wp-block-heading">Finanzielle Unabhängigkeit für Frauen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die junge Mutter Mireille Adjovi ist mit ihrem schlafenden Säugling auf dem Rücken zur Arbeit auf das ProSEL-Gelände gekommen. „Mit dem Geld, das ich verdiene, kann ich für meine Kinder sorgen”, sagt Adjovi. “ Ich kann sie zur Schule schicken. An mich selbst denke ich zuletzt: Mein Mann und meine Kinder stehen an erster Stelle. Die Männer geben zwar Geld für den Haushalt, aber die Frauen leiden immer noch sehr. Wenn Frauen etwas brauchen, geben die Männer einfach so viel Geld, wie sie wollen, nicht das, was sie wirklich brauchen. Die Männer denken nicht an die Frauen. Deshalb hilft mir dieses Projekt, mein eigenes Geld zu verdienen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Frauen wie Adjovi bedeutet die Salzgewinnung weit mehr, als eine jahrhundertealte Tradition fortzuführen. Sie kennt weder die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen noch die Bedeutung der Abkürzung IBSA. Doch die Arbeit bei ProSEL Benin ermöglicht es ihr, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden stärker in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig in einer von Frauen geführten Kooperative mitzuwirken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sie sich mit den anderen Frauen auf dem Gelände austauscht, denkt sie auch an die hart erkämpfte Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, die ihr das Projekt eröffnet hat. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Julienne Dekon gewinnt Salz noch nach dem traditionellen Verfahren. (Foto: Neha Banka/IPS)</p>
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		<title>Das stille Verschwinden der Wanderfische</title>
		<link>https://afrika.info/wanderfische/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 15:06:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Kizito Makoye]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Ostafrika gehen die Bestände wandernder Süßwasserfische dramatisch zurück. Die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen ist gefährdet. Ursachen sind vor allem Staudämme, Überfischung und der Klimawandel.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Kizito Makoye | 26. März 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rufiji, Tansania (IPS/afr) – Schon zu Beginn der Auktion auf dem Fischmarkt von Nangurukuru in der südlichen Region Lindi in Tansania ist die Krise deutlich spürbar. Holzkanus, die einst mit reichen Fängen vom Rufiji-Fluss zurückkehrten, bringen heute nur noch einen Bruchteil dessen ein, was sie früher gefangen haben. Händler*innen suchen vergeblich nach einem Kambale, wie der Afrikanische Raubwels hier genannt wird. Die Welsart, die im Durchschnitt zwischen 70 und 100 Zentimeter lang wird, prägte einst den Markt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die großen Kambale sind heutzutage nur noch schwer zu finden“, sagt der 68-jährige Fischer Hamisi Juma. Der Afrikanische Raubwels wanderte während saisonaler Überschwemmungen zum Laichen den Rufiji-Fluss hinauf. Das Ausbleiben des Fisches gefährdet die Ernährungssicherheit von Tausenden Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Afrikanische Raubwels zählt zu den wandernden Süßwasserfischen und damit zu den am stärksten bedrohten Wirbeltieren der Welt. Durch die Zerschneidung von Flussläufen, Verschmutzung, Überfischung und den Klimawandel werden die Bestände zunehmend dezimiert. Ihr Überleben hängt davon ab, dass Flüsse frei fließen können. Doch in ganz Afrika werden Flüsse immer häufiger aufgestaut oder umgeleitet.</p>



<h2 id="h-eine-lebensgrundlage-bricht-weg" class="wp-block-heading">Eine Lebensgrundlage bricht weg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Fisch ist unsere wichtigste Proteinquelle“, sagt Asha Mrope, eine Händlerin auf dem Markt von Nangurukuru. „Wenn sie verschwinden, ist jeder zu Hause davon betroffen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Biologe Zeb Hogan von der University of Nevada in Reno ist Hauptautor einer neuen <a href="https://www.cms.int/publication/global-assessment-migratory-freshwater-fishes" target="_blank" rel="noreferrer noopener">globalen Studie über wandernde Süßwasserfische</a>. Er bestätigt, dass der Rückgang eine direkte Bedrohung für die Ernährungssicherheit von insbesondere einkommensschwachen Ländern darstellt.&nbsp;</p>



<iframe src="https://www.google.com/maps/embed?pb=!1m18!1m12!1m3!1d5244549.948846103!2d36.36309347077529!3d-6.174475171614761!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!3m3!1m2!1s0x1858de4fe80e2a3f%3A0xbf4c81d229927cdd!2sRufiji%2C%20Tanzania!5e0!3m2!1sen!2sde!4v1774537509688!5m2!1sen!2sde" width="100%" height="550" style="border:0;" allowfullscreen="" loading="lazy" referrerpolicy="no-referrer-when-downgrade"></iframe>



<p class="wp-block-paragraph">In Tansania sei diese Abhängigkeit vom Rufiji bis zum Viktoriasee sichtbar. „Fische aus dem Viktoriasee, der beispielsweise Bestände an Nilbarsch und anderen Arten beherbergt, sind ein Grundnahrungsmittel und versorgen Millionen von Menschen im Norden Tansanias mit Nahrung“, sagt Hogan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Warnung des Berichts, dass wandernde Süßwasserfische zu den am stärksten gefährdeten Wirbeltieren gehören, ist daher mehr als nur ein biologischer Alarm. Praktisch gesehen weist sie auf eine wachsende Bedrohung der Ernährungssicherheit für Gemeinschaften hin, denen nur wenige erschwingliche Alternativen zur Verfügung stehen.</p>



<h2 id="h-warum-die-wanderwege-der-fische-verschwinden" class="wp-block-heading">Warum die Wanderwege der Fische verschwinden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um das Ausmaß des Problems zu verstehen, muss man dem Weg der Fische folgen. Viele Arten im Rufiji sind auf saisonale Hochwasser angewiesen, um sich durch Flüsse, Feuchtgebiete und Auen zu bewegen, wo sie Nahrung finden und sich fortpflanzen. Wird dieser Rhythmus unterbrochen, breiten sich die Schäden schnell im gesamten Ökosystem aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Staut man einen Fluss auf, zerstört man technisch gesehen die biologischen Signale, denen Fische seit Tausenden von Jahren folgen“, erklärt Hilda Mpangala von der Abteilung für Aquakultur an der Universität Dar es Salaam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hogan ergänzt, dass Staudämme diesen Kreislauf auf verschiedene Weise beeinträchtigen: „Staudämme stören die Fischwanderungen – indem sie die Laichwanderungen flussaufwärts blockieren, die Ausbreitung junger Fische flussabwärts verlangsamen und die Flussströmungen verändern, die notwendig sind, um Wanderungen auszulösen oder junge Fische in die Auen zu verteilen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Fische ihre Laichgebiete nicht mehr erreichen können, sinken die Bestände und die Fangmengen gehen zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kraftwerk Julius Nyerere, eines der größten Infrastrukturprojekte Afrikas, verdeutlicht dieses Dilemma. Für Tansania verspricht das Laufwasserkraftwerk am Rufiji mehr Strom und wirtschaftliches Wachstum, gefährdet jedoch zugleich die Fischbestände in einem der wichtigsten Flüsse des Landes.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="JULIUS NYERERE 2,115 MW HYDROPOWER PROJECT, TANZANIA Progress Video July 2024" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/oyGysDpaPu8?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div><figcaption class="wp-element-caption">Werbevideo für die Julius Nyerere Hydropower Station: Das Laufwasserkraftwerk verfügt über eine installierte Kapazität von 2.115 Megawatt, im April 2025 wurde die neunte und letzte Turbine in Betrieb genommen. Geplant und errichtet wurde es von den ägyptischen Unternehmen Arab Contractors und Elsewedy Electric.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für Zeb Hogan ist das Prinzip klar: „Wenn man Flüsse gesund und frei fließend hält, bleiben die aquatischen Ökosysteme fischreich – zum Wohle der Menschen und der Umwelt.“</p>



<h2 id="h-ein-verlust-mit-kulturellen-folgen" class="wp-block-heading">Ein Verlust mit kulturellen Folgen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ältere Fischer am Rufiji erinnern sich an einen anderen Fluss. „Früher haben wir Kambale mit einem Gewicht von 30 Kilogramm gefangen”, erzählt Juma. “Heutzutage bekommt man kaum noch welche.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen Gemeinden bedeutet der Verlust der Fische mehr als nur entgangene Einnahmen. Fische sind mit Erinnerungen, Zeremonien und Identität verbunden. Ihr Verschwinden macht sich nicht nur auf den Tellern bemerkbar, sondern auch in den Geschichten, die die Menschen über den Fluss und das Leben erzählen, das er einst ermöglichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt der Klimawandel, der den Druck auf die Fischpopulationen weiter erhöht. In ganz Ostafrika verändern sich die Niederschlagsmuster und damit die Hochwasserzyklen, von denen viele Arten für ihre Wanderung und Fortpflanzung abhängig sind. Lange Dürreperioden senken den Wasserstand, während plötzlicher Starkregen zerstörerische Überschwemmungen auslösen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiteres Problem ist die Überfischung. Da weniger Fische verfügbar sind, greifen einige Fischer zu Netzen mit kleineren Maschen, wodurch auch Jungfische gefangen werden, bevor sie sich fortpflanzen können.</p>



<h2 id="h-ein-problem-uber-grenzen-hinweg" class="wp-block-heading">Ein Problem über Grenzen hinweg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In ganz Afrika sichern große Flusssysteme wie der Nil, der Kongo und der Niger den Lebensunterhalt von Hunderen Millionen Menschen. Doch viele dieser Flüsse stehen unter zunehmendem Druck durch Staudämme, Verschmutzung, Klimaschocks und mangelhafte Bewirtschaftung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue, von den Vereinten Nationen unterstützte globale Studie schätzt, dass die Populationen wandernder Süßwasserfische seit 1970 um 81 Prozent zurückgegangen sind – einer der stärksten Rückgänge, die je für eine Gruppe von Wirbeltieren verzeichnet wurden. Der Bericht identifiziert 325 Arten, die dringend internationaler Schutzmaßnahmen bedürfen, darunter 42 in Afrika.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders akut ist das Problem in Afrika, wo viele Flüsse und Seen nationale Grenzen überschreiten. Der Bericht nennt die Flusssysteme des Nils, des Kongo und des Niger-Tschadsees als vorrangige Gebiete für Zusammenarbeit. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/03/afrikanischer-raubwels-wikimedia-1200-800.jpg" alt="" class="wp-image-5416" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/03/afrikanischer-raubwels-wikimedia-1200-800.jpg 1200w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/03/afrikanischer-raubwels-wikimedia-1200-800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/03/afrikanischer-raubwels-wikimedia-1200-800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/03/afrikanischer-raubwels-wikimedia-1200-800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/03/afrikanischer-raubwels-wikimedia-1200-800-639x426.jpg 639w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Afrikanischer Raubwels (Clarias gariepinus) wandert den Sabie River im Kruger Nationalpark in Südafrika flussaufwärts. (Foto: <a href="https://www.flickr.com/people/65695019@N07">Bernard DUPONT</a>, Wikimedia, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0">CC BY-SA 2.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40725384">Link</a>)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Deshalb ist es so wichtig, dass Länder zusammenarbeiten, um die Bewirtschaftung und den Schutz von Wanderfischen und Fischbeständen, die sich über internationale Grenzen erstrecken, zu verbessern“, sagt Hogan. „Über 49 Prozent der Erdoberfläche sind von grenzüberschreitenden Flüssen bedeckt – es handelt sich also nicht um ein lokales oder nationales Problem, sondern um ein globales Problem, das internationale Zusammenarbeit erfordert.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Fische kennen keine Grenzen“, ergänzt Hilda Mpangala. „Aber allzu oft tun dies unsere politischen Maßnahmen.“</p>



<h2 id="h-ernahrungssicherheit-in-gefahr" class="wp-block-heading">Ernährungssicherheit in Gefahr</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für politische Entscheidungsträger*innen verdeutlicht der Rückgang der Wanderfischbestände ein schwieriges Spannungsfeld zwischen Entwicklung und ökologischem Überleben. Wasserkraft trägt dazu bei, den Zugang zu Strom zu verbessern und wirtschaftliches Wachstum anzukurbeln. Werden Flusssysteme jedoch verändert, ohne die ökologischen Kosten vollständig zu berücksichtigen, können die Folgen gravierend sein – insbesondere für arme Gemeinden, die direkt von der Fischerei abhängig sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hogan formuliert diese Abwägung in pragmatischen Begriffen: „Ja, Wasserkraft ist entscheidend für die Entwicklung“, sagt er, „deshalb kommt es darauf an, den Nutzen der Wasserkraft zu maximieren und gleichzeitig die Umweltkosten zu minimieren. Das kann erreicht werden, indem Staudämme an geeigneten Standorten errichtet und gut geplant und betrieben werden. Ein guter Staudamm ist einer, bei dem der wirtschaftliche Nutzen die Umweltkosten bei weitem überwiegt. Leider werden viele ‚schlechte‘ Staudämme gebaut, bei denen der wirtschaftliche Nutzen weit geringer ist als die Umweltkosten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er fordert zudem, dass alte Staudämme, die keinen Zweck mehr erfüllen, zurückgebaut werden, damit Wanderfische wieder Zugang zu ihren historischen Lebensräumen erhalten. “Dieser Ansatz hat sich bei der Wiederherstellung der Bestände von Wanderfischen als sehr erfolgreich erwiesen”, meint Hogan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Gewährleistung der Energiesicherheit sollten vermehrt erneuerbare Energiequellen wie Solar- und Windkraft genutzt werden, so Hogan. Gleichzeitig sollten Flüsse in Schutzgebieten als frei fließende Gewässer erhalten bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade in Tansania, wo Bevölkerungswachstum und Urbanisierung sowohl den Bedarf an Nahrungsmitteln als auch an Energie steigern, wird dieser Balanceakt immer dringlicher. „Wenn wir unsere Fischbestände verlieren, verlieren wir auch unsere Nahrung, unsere Arbeitsplätze und unsere Lebensweise“, klagt die Händlerin Asha Mrope.</p>



<h2 id="h-lokales-wissen-gefragt" class="wp-block-heading">Lokales Wissen gefragt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Expert*innen betonen, dass sich der Rückgang verlangsamen – und in manchen Fällen sogar umkehren – lässt, wenn Regierungen rasch handeln. Zu den dringendsten Maßnahmen zählen der Schutz von Wanderkorridoren, die Wiederherstellung ökologischer Mindestabflüsse, die Verbesserung von Fischpassagen an Staudämmen, strengere Fischereivorschriften sowie Investitionen in Forschung und Monitoring. Viele wandernde Arten sind nach wie vor kaum erforscht, insbesondere in Afrika – was eine wirksame Politik zusätzlich erschwert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Zeb Hogan beginnen die realistischsten Lösungen bei den Menschen, die die Flüsse am besten kennen: „Man muss mit den lokalen Gemeinschaften zusammenarbeiten, um sie zu befähigen, die Bewirtschaftung der Fischerei zu verbessern, und die Gemeinschaften untereinander sowie mit der Regierung vernetzen, damit sie gemeinsam an einer besseren Bewirtschaftung arbeiten“, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die internationale Zusammenarbeit sei entscheidend. Länder müssten Daten austauschen und sich auf gemeinsame Richtlinien und Vorschriften festlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück in Nangurukuru lichtet sich der Markt, während die Sonne höher steigt. Die wenigen Fische, die angeliefert wurden, sind schnell verkauft. Die Händler*innen packen ihre Körbe zusammen. Die Fischer sitzen im Schatten, flicken ihre Netze und bereiten sich auf einen weiteren ungewissen Tag am Fluss vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Fluss ist immer noch da“, meint der Fischer Hamisi Juma nachdenklich. „Aber es ist nicht mehr derselbe Fluss, den wir kannten.“ (Ende)(Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Ein Fischhändler auf dem Markt von Rufiji wartet gespannt auf die Ankunft der Boote mit dem Tagesfang (Foto: Kizito Makoye/IPS).</p>
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		<title>Klimawandel bremst Tansanias Prestige-Bahn</title>
		<link>https://afrika.info/klimawandel-bremst-tansanias-prestige-bahn/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jan 2026 08:30:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Eisenbahn]]></category>
		<category><![CDATA[Infrastruktur]]></category>
		<category><![CDATA[Kizito Makoye]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Tanzania Standard Gauge Railway]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die elektrifizierte Tanzania Standard Gauge Railway gilt als Schlüsselprojekt für klimafreundliche Mobilität. Sie zeigt aber auch, wie verwundbar selbst moderne Infrastruktur gegenüber den Folgen des Klimawandels ist.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Kizito Makoye | 27. Jänner 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dar es Salaam (IPS/afr) – An einem regnerischen Mittwochmorgen herrscht am Terminal der Tanzania Standard Gauge Railway (SGR) in Dodoma, der Hauptstadt Tansanias, reges Treiben. Frauen führen Kleinkinder an der Hand, in ihren Händen baumeln Tüten mit Snacks. Tourist*innen ziehen Rollkoffer hinter sich her, Student*innen scrollen auf ihren Smartphones.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Bahnhof strömen die Passagiere in die Wartehallen. Die Tickets werden zügig gescannt, die Sicherheitskontrollen verlaufen reibungslos. Elektronische Displays kündigen pünktliche Züge an. Dann, gegen Mittag, ändert sich alles. Eine weibliche Stimme tönt aus dem Lautsprecher und verkündet, dass sich die Züge nach Morogoro und Dar es Salaam verspäten werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verspätung, so erklärt die Sprecherin, sei auf heftige Regenfälle zurückzuführen, die irgendwo entlang der Strecke zu einer technischen Störung geführt hätten. Die Stunden vergehen, ohne dass ein Zug eintrifft.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-unmut-bei-wartenden-passagieren">Unmut bei wartenden Passagieren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Als ich heute Morgen von zu Hause losfuhr, war ich noch ganz unbesorgt“, sagt Neema Msuya, eine Krankenschwester, die nach Dar es Salaam reist, um an einer Beerdigung teilzunehmen. „Der Zug ist normalerweise pünktlich.“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Msuya sitzt in der Nähe des Informationsschalters, ihren Koffer zu Füßen, und scrollt durch Instagram, um sich die Zeit zu vertreiben. Stunden später ist ihre Zuversicht dahin. „Wir sind schon viel zu lange hier“, beklagt sie sich. „Und niemand sagt uns klar und deutlich, was los ist.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-c-kizito-makoye-1200.800-1024x683.jpg" alt="Passagiere eilen zum Zug der Tanzania Standard Gauge Railway" class="wp-image-5258" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-c-kizito-makoye-1200.800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-c-kizito-makoye-1200.800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-c-kizito-makoye-1200.800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-c-kizito-makoye-1200.800-640x427.jpg 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-c-kizito-makoye-1200.800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Fahrgäste eilen in Dodoma zum Zug der Tanzania Standard Gauge Railway (Foto: Kizito Makoye/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für Msuya ist die Verspätung eine große Unannehmlichkeit. Beerdigungen in Tansania folgen strengen kulturellen Zeitvorgaben, und jede Verzögerung kann dazu führen, dass man die Bestattungsriten verpasst. Um sie herum beklagen sich auch andere Fahrgäste über versäumte Termine, Arztbesuche und sogar Gerichtsverhandlungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die durch den Regen verursachte Verspätung bietet einen Einblick in ein größeres Problem: Der Klimawandel stellt Tansanias prestigeträchtige Eisenbahn mit niedrigem CO₂-Ausstoß auf eine harte Probe. Doch ist nicht alleine das Klima schuld an der Misere.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-symbol-fur-den-fortschritt">Symbol für den Fortschritt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tansania feierte seine elektrische Bahn beim Start im Jahr 2024 als nationales Vorzeigeprojekt. Das rund zwei Milliarden US-Dollar teure Normalspurbahn, errichtet von einem 50/50-Konsortium aus dem türkischen Bauunternehmen <a href="https://yapimerkezi.com.tr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yapi Merkezi</a> und dem portugiesischen Konzern <a href="https://www.mota-engil.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mota-Engil</a>, ersetzte die veraltete Meterspurbahn und erschloss den Zentralraum neu – eine wichtige Verkehrsader, die den Hafen von Dar es Salaam mit dem Hinterland und weiter mit den Binnenländern Ruanda, Burundi, Uganda und dem östlichen Teil der Demokratischen Republik Kongo verbindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit modernen Bahnhöfen, gleitenden Rolltreppen, digitalem Ticketing und geräumigen Waggons wurde die SGR schnell zu einem Symbol für den Fortschritt. Die Reisezeiten sanken drastisch, die Straßen wurden entlastet, da sich der Passagier- und Frachtverkehr von dieselbetriebenen Lastwagen auf die elektrische Bahn verlagerte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weniger als zwei Jahre später ist dieser Optimismus jedoch mit der harten Realität extremer Wetterereignisse kollidiert, die Wissenschaftler*innen mit dem fortschreitenden Klimawandel in Verbindung bringen. </p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-uberschwemmungen-legen-zugverkehr-lahm">Überschwemmungen legen Zugverkehr lahm</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 31. Dezember 2025 stellten die Behörden den Zugverkehr zwischen Dodoma und Morogoro ein, nachdem heftige Regenfälle wichtige Infrastrukturen beschädigt hatten. Hochwasser spülte ein Flussufer weg und legte eine Eisenbahnbrücke gefährlich frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Machibya Masanja, Generaldirektor der <a href="https://www.trc.co.tz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tanzania Railways Corporation</a> (TRC), bestätigt die Störung, weist jedoch Behauptungen zurück, sie sei auf einen Konstruktionsfehler zurückzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Dies ist kein Versagen der Konstruktion oder des Baus“, sagt er und fügt hinzu, dass die Brückenfundamente 30 bis 40 Meter tief im Boden verankert seien und für eine Lebensdauer von mindestens 120 Jahren ausgelegt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen macht Masanja menschliche Aktivitäten – insbesondere Landwirtschaft und Besiedlung in Überschwemmungsgebieten – für die Bodenerosion in der Nähe der Strecke verantwortlich. Er kündigt Pläne zum Bau von Dämmen und anderen Kontrollstrukturen an, um den Wasserfluss zu regulieren und gefährdete Abschnitte zu stabilisieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-experte-bemangelt-planungsfehler">Experte bemängelt Planungsfehler</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Stadtplaner Honesty Mshana in Dar es Salaam argumentiert jedoch, dass die wiederkehrenden Störungen auf tiefere Mängel in Planung und Umsetzung des millionenschweren Projekts hindeuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Eisenbahn ist nicht robust genug, um Überschwemmungen standzuhalten“, meint Mshana. „Wenn man Millionen von Dollar an öffentlichen Geldern investiert, erwartet man ein System, das klimatischen Belastungen gewachsen ist. Überschwemmungen sind in Tansania kein neues Phänomen. Das hätte in die technischen Entscheidungen einfließen müssen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mshana zufolge verlaufen lange Streckenabschnitte ohne ausreichende Durchlässe, erhöhte Dämme oder verstärkte Entwässerungssysteme durch Überschwemmungsgebiete und Flussbecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das ist nicht nur ein technisches Versagen“, sagt er. „Es ist ein Planungsfehler. Man kann nicht einfach Entwürfe von anderswo kopieren und sie in eine völlig andere ökologische und klimatische Umgebung übertragen. Resiliente Verkehrssysteme erfordern lokales Wissen, Klimaprognosen und die Bereitschaft, im Vorfeld mehr Geld auszugeben, um später weitaus größere Verluste zu vermeiden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der fortschreitenden Erderwärmung, so warnt er, würden die Kosten solcher Versäumnisse weiter steigen – und Regierungen vor die Wahl stellen, entweder endlose Reparaturen zu finanzieren oder langwierige Betriebsunterbrechungen in Kauf zu nehmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-passagiere-zwischen-den-fronten">Passagiere zwischen den Fronten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Passagiere sind diese Erklärungen wenig tröstlich. Am späten Vormittag ist der Bahnhof von Dodoma noch immer voller wartender Fahrgäste. Kinder schlafen auf den Bänken, Geschäftsreisende drängen sich um die Ladestationen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-2-c-kizito-makoye-1200-800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-5240" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-2-c-kizito-makoye-1200-800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-2-c-kizito-makoye-1200-800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-2-c-kizito-makoye-1200-800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-2-c-kizito-makoye-1200-800-640x427.jpg 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-sgr-dodoma-station-2-c-kizito-makoye-1200-800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Passagiere im modernen SGR-Bahnhof von Dodoma (Foto: Kizito Makoye/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hatte Termine in Dar es Salam“, klagt der Unternehmensberater Emmanuel Kweka. „Dieser Zug war immer zuverlässig. Deshalb habe ich alles darauf abgestimmt. Jetzt weiß ich nicht, ob ich weiter warten oder einen Bus nehmen soll.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch zeigen viele Fahrgäste Verständnis. „Ich möchte nicht, dass die Züge fahren, wenn es unsicher ist“, sagt Neema Msuya, die Krankenschwester. „Aber die Bahn muss besser vorbereitet sein. Diese Regenfälle sind keine Überraschung mehr.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-dem-klima-ausgesetzt">Dem Klima ausgesetzt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Weltweit gelten Eisenbahnen als tragende Säulen des Klimaschutzes. Elektrische Züge verursachen deutlich weniger Emissionen als Straßen- oder Luftverkehr, und für Länder wie Tansania stehen Investitionen in die Schiene im Einklang mit den Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erfahrungen mit der SGR verdeutlichen jedoch ein wachsendes Paradoxon: Infrastruktur, die als klimafreundlich gilt, ist selbst zunehmend den Folgen des Klimawandels ausgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Internationale Studien zu Eisenbahnsystemen zeichnen ein klares Bild: Extreme Niederschläge können Böschungen destabilisieren, Brückenfundamente unterspülen, Gleisanlagen überfluten und Stromversorgungssysteme lahmlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Probleme der SGR haben zudem Fragen nach Management und Transparenz aufgeworfen. Im Oktober 2025 entgleiste ein Zug kurz nach seiner Abfahrt in Dar es Salaam nahe dem Bahnhof Ruvu. Es gab keine Todesopfer, doch der Vorfall führte zu einer vorübergehenden Betriebseinstellung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die TRC bezeichnete die Entgleisung als Betriebsunfall ohne Zusammenhang mit den Wetterbedingungen. „Jede neue Eisenbahn hat Anlaufschwierigkeiten“, sagt Edmund Mabhuye, Klimaforscher an der Universität von Dar es Salaam. „Kritisch wird es dann, wenn das Vertrauen der Öffentlichkeit schneller schwindet als die Fähigkeit der Regierung, die Probleme zu beheben.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-vergebliches-warten">Vergebliches Warten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am SGR-Bahnhof in Dodoma bedrängen Fahrgäste das Sicherheitspersonal mit Fragen. Die Displays zeigen weiterhin dieselbe Verspätungen, die Durchsagen beschränken sich auf Entschuldigungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind seit dem Morgen hier und niemand sagt uns, was los ist“, ruft Hamisi Juma, ein Händler aus Morogoro, entnervt. „Sie sagen uns immer wieder, wir sollen warten – aber worauf? Einige von uns haben Kinder und müssen zurück zur Arbeit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele ist es nicht die Verspätung selbst, die sie aufbringt, sondern das Schweigen darüber. „Sagen Sie es doch einfach, wenn ein Zug ausfällt“, fordert der Student Peter Mwinyi vom Bahnpersonal. „Wenn er Verspätung hat, erklären Sie uns warum. Was die Leute wütend macht, ist, im Unklaren gelassen zu werden. Dann fühlt man sich betrogen.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-2-560-neue-schienenkilometer">2.560 neue Schienenkilometer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tanzania Standard Gauge Railway (SGR) ist ein ehrgeiziges Eisenbahnprojekt zur Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur in Tansania und ein zentrales Vorhaben des <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/East_African_Railway_Master_Plan" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ostafrikanischen Eisenbahn-Masterplans</a>. Die moderne Normalspurstrecke verbindet den Hafen von Dar es Salaam mit dem Landesinneren sowie perspektivisch mit den Nachbarstaaten Ruanda, Burundi und Uganda.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-standard-gauge-railway-stations-1200-800-1024x683.png" alt="" class="wp-image-5248" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-standard-gauge-railway-stations-1200-800-1024x683.png 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-standard-gauge-railway-stations-1200-800-300x200.png 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-standard-gauge-railway-stations-1200-800-768x512.png 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-standard-gauge-railway-stations-1200-800-640x427.png 640w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/01/tanzania-standard-gauge-railway-stations-1200-800.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Streckenverlauf der Tanzania Standard Gauge Railway: Der grün eingefärbte Abschnitt zwischen Dar es Salaam und Dodoma ist bereits in Betrieb, die weiteren Abschnitte nach Mwanza und Kigoma (rot) sind in Errichtung. [<a href="https://www.google.com/maps/d/u/0/edit?mid=1VBUOeWTaAdVYGCtt_tSvDmeyQZ7iF3g&amp;usp=sharing" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zur interaktiven Karte bei Google MyMaps</a>]</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bau des SGR-Netzes begann im April 2017, und bereits heute sind zwei bedeutende Teilabschnitte in Betrieb: Der Personenverkehr zwischen Dar es Salaam und Morogoro wurde am 14. Juni 2024 in aufgenommen, am 25. Juli 2025 wurde der Streckenabschnitt Morogoro–Dodoma offiziell eröffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit einer geplanten Gesamtlänge von über 2.560 Kilometer zielt die SGR darauf ab, Transportzeiten und -kosten erheblich zu reduzieren, den Güter- und Personenverkehr effizienter zu gestalten sowie die regionale wirtschaftliche Integration und nachhaltige Entwicklung zu fördern.  (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Magufuli Express der Tanzania Standard Gauge Railway (Foto: Shutterstock.com, Storyteller25, bearbeitet)</p>
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		<title>1000 Tage Krieg im Sudan: Die Welt schaut weg</title>
		<link>https://afrika.info/sudan-1-000-tage-krieg-aber-die-welt-schaut-weg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jan 2026 16:54:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sudan]]></category>
		<category><![CDATA[Andrew Firmin]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Donald Trump]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Vereinigte Arabische Emirate]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Krieg im Sudan ist exakt 1000 Tage alt. Die Kampfhandlungen haben am 15. April 2023 begonnen, Frieden ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Die Gewalt eskaliert weiter, die Hungersnot nimmt nie dagewesene Ausmaße an. Und die Welt schaut weg.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Andrew Firmin* | 8. Januar 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Krieg im Sudan ist exakt 1000 Tage alt. Die Kampfhandlungen haben am 15. April 2023 begonnen, Frieden ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Die Gewalt eskaliert weiter, die Hungersnot nimmt nie dagewesene Ausmaße an. Und die Welt schaut weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">London (IPS/afr). <a href="https://www.theguardian.com/global-development/2025/dec/05/rsf-massacres-sudanese-city-el-fasher-slaughterhouse-satellite-images" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Satellitenbilder</a> von al-Faschir in Nord-Dafur zeigen aufgetürmte Leichen, die auf eine Massenbestattung oder Einäscherung warten. Unterdessen versucht die Miliz der Rapid Support Forces (RSF), das Ausmaß ihrer Verbrechen zu <a href="https://www.bbc.com/news/articles/c75veyzz2g2o" target="_blank" rel="noreferrer noopener">vertuschen</a>. Nachdem die Stadt im November von der RSF eingenommen wurde, gelten bis&nbsp; zu 150.000 Einwohner*innen von al-Fashir weiterhin als vermisst. Die arabische Miliz hat die Stadt ethnisch von ihren nicht-arabischen Einwohnern gesäubert. Die niedrigste Opferschätzung geht von <a href="https://uk-crime.co.uk/sarah-champion-2025-speech-on-gaza-and-sudan/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">60.000 Toten</a> aus.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Massaker ist das bislang schrecklichste Kapitel im Krieg zwischen den RSF und den sudanesischen Streitkräften, der durch einen Machtkampf zwischen Militärführern im April 2023 ausgelöst wurde. Beide Seiten haben Gräueltaten begangen, darunter Hinrichtungen, außergerichtliche Tötungen und sexuelle Gewalt. Es ist schwierig, genaue Zahlen zu ermitteln, aber Schätzungen zufolge wurden mindestens 150.000 Menschen getötet. Rund neun Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben, und fast vier Millionen sind über die Grenze geflohen. Etwa 25 Millionen Menschen sind nun von einer Hungersnot bedroht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zivilgesellschaftliche und humanitäre Organisationen helfen so gut sie können, aber sie befinden sich in der Schusslinie. Tod, Gewalt, Entführung und Inhaftierung zählen zu den Bdrohungsszenarien. Darüber hinaus haben sie mit Notverordnungen und bürokratischen Beschränkungen zu kämpfen,&nbsp; die Hilfsmaßnahmen sowie die Versammlungs-, Meinungs- und Bewegungsfreiheit einschränken. Währenddessen blockieren Truppen die Lieferung von Hilfsgütern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Berichterstattung über den Konflikt ist schwierig und gefährlich. Fast die gesamte Medieninfrastruktur wurde zerstört, viele Zeitungen haben ihre Veröffentlichung eingestellt. Beide Konfliktparteien nehmen Journalist*innen ins Visier, sodass viele ins Exil gezwungen wurden. Umfangreiche Desinformationskampagnen verschleiern, was vor Ort geschieht. Das Schicksal von <a href="https://www.theguardian.com/global-development/2025/nov/02/he-told-the-world-what-was-happening-in-el-fasher-then-they-sought-him-out-how-sudan-lost-a-true-hero-of-the-war" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mohamed Khamis Douda</a>, Sprecher des Flüchtlingslagers Zamzam, veranschaulicht die Gefahr: Er blieb in al-Fashir, um internationale Medien mit wichtigen Informationen zu versorgen. Als die RSF einmarschierte, suchten sie ihn und töteten ihn.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-zentrale-rolle-der-vereinigten-arabischen-emirate-nbsp">Zentrale Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate&nbsp;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sudan wird manchmal als vergessener Krieg bezeichnet, aber es ist zutreffender zu sagen, dass die Welt ihn bewusst ignoriert – und das kommt mehreren mächtigen Staaten gelegen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind der größte Unterstützer der RSF. Sie leugnen das zwar. Jedoch sind Waffen, die von den VAE hergestellt oder von ihren Verbündeten geliefert wurden, an Orten gefunden wurden, die aus der Kontrolle der RSF zurückerobert wurden. Ohne die Unterstützung der VAE hätte die RSF den Krieg wahrscheinlich schon verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten Jahren haben die VAE daran gearbeitet, ihren Einfluss in mehreren afrikanischen Staaten auszubauen. Sie haben eine Reihe von Infrastrukturprojekten in Afrika entwickelt, darunter einen geplanten Hafen an der sudanesischen Küste des Roten Meeres. Sie haben große Investitionen in die Landwirtschaft im Sudan getätigt und erhalten den größten Teil des dort geförderten <a href="https://www.chathamhouse.org/2025/03/gold-and-war-sudan/04-how-sudans-gold-sector-connects-regional-conflict-ecosystem" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Goldes</a>.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die VAE sind offenbar zu dem Schluss gekommen, dass die Kontrolle durch die RSF der beste Weg ist, um ihren Einfluss zu sichern und ihre Interessen zu schützen &nbsp;– auch auf Kosten von Menschenleben. Als Reaktion darauf hat die sudanesische Regierung Schritte unternommen, um die Beziehungen zu Russland zu verbessern. Es wurde berichtet, dass sie Russland möglicherweise erlauben wird, einen permanenten Marinestützpunkt am Roten Meer zu errichten.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-wenig-druck-von-aussen">Wenig Druck von außen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die VAE stehen nur unter geringem internationalem Druck. Westliche Staaten, die eng mit ihnen verbunden sind &#8211; darunter Großbritannien und die USA &#8211; spielen ihre Rolle herunter. Die britische Regierung liefert weiterhin <a href="https://www.middleeasteye.net/news/uk-allowed-arms-exports-uae-after-being-told-weapons-given-rsf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Waffen an die VAE</a>, obwohl sie weiß, dass diese an die RSF weitergegeben werden. Zudem hat ein Whistleblower die britische Regierung beschuldigt, Warnungen vor einem möglichen Völkermord im Sudan aus einer Risikobewertungsanalyse entfernt zu haben, um die VAE zu schützen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Europäische Union und Großbritannien reagierten auf die Gräueltaten in el-Fashir mit <a href="https://www.theguardian.com/world/2025/dec/12/uk-sanctions-four-rsf-commanders-heinous-violence-against-sudan-civilians" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sanktionen gegen vier RSF-Führer</a>. Auch die USA wollen weitere Sanktionen in Erwägung ziehen, aber diese Maßnahmen reichen nie bis zu den Persönlichkeiten in der Regierung der VAE.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der UN-Sicherheitsrat, in dem Großbritannien als ständiges Mitglied die Führungsrolle für die Beendigung des Konflikts im Sudan innehat, war ebenfalls erwartungsgemäß ineffektiv. Russland hat angekündigt, jede Resolution Großbritanniens mit einem Veto zu blockieren. Dennoch lehnte Großbritannien im Juni das <a href="https://www.theguardian.com/global-development/2025/sep/24/siege-sudan-city-el-fasher-rsf#:~:text=UK%20refuses%20to%20hand%20over%20responsibility" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Angebot afrikanischer Staaten</a> ab, die Verantwortung an sie abzutreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ägypten unterstützt die sudanesische Regierung nachdrücklich, und auch Saudi-Arabien zeigt sich einigermaßen kooperativ. Gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA haben sie sich zu einem Forum namens „Quad“ zusammengeschlossen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der konkurrierenden Interessen gab es im September Anlass zur Hoffnung, als die Quad eine dreimonatige humanitäre Waffenruhe aushandelte, gefolgt von einem neunmonatigen Übergang zur Zivilregierung. Beide Seiten akzeptierten den Plan, doch die RSF kämpfte weiter, woraufhin die sudanesische Regierung den Vorschlag ablehnte.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-niedrige-us-zolle-fur-vae">Niedrige US-Zölle für VAE</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ob und wann die Kämpfe eingestellt werden, hängt möglicherweise von den diplomatischen Launen der USA ab. US-Präsident Donald Trump scheint sich seit kurzem stärker für den Konflikt zu interessieren, wahrscheinlich aufgrund eines Besuchs des saudischen Herrschers Mohammed bin Salman im Weißen Haus im November.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trump möchte vielleicht behaupten, einen weiteren Konflikt beendet zu haben, um seinen offensichtlichen Wunsch nach dem Friedensnobelpreis zu erfüllen. Aber es ist schwer, Fortschritte zu erkennen. Die US-Regierung scheint derzeit nicht bereit, Druck auf die VAE auszuüben. Eine Möglichkeit dafür wären Zölle&nbsp;– ein grobes Instrument, das Trump bereits eingesetzt hat, um anderen Staaten Vereinbarungen aufzuzwingen. Die Tatsache, dass die Trump-Regierung derzeit Zölle zum niedrigsten Satz von zehn Prozent erhebt, zeigt ihre anhaltende Freundlichkeit gegenüber den VAE.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aktivist*innen versuchen, mehr Aufmerksamkeit auf die zentrale Rolle der VAE in diesem Konflikt zu lenken. Ein Schwerpunkt dabei ist Basketball: Die NBA hat einen umfangreichen und wachsenden <a href="https://www.theguardian.com/sport/2025/dec/13/nba-uae-sudan-sportswashing-rsf-war-crimes" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sponsorenvertrag mit den VAE</a> abgeschlossen, die ihren internationalen Ruf durch Sport aufzupolieren wollen. <a href="https://www.speakoutonsudan.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aktivist*innen</a> der Zivilgesellschaft fordern die NBA auf, diese Partnerschaft zu beenden. Dieses Engagement könnte dazu beitragen, dass der Sudan auf der Agenda der USA weiter nach oben rückt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die internationale Gemeinschaft hat die Macht, das Töten zu beenden, aber zuerst muss sie die Rolle der VAE und ihrer westlichen Verbündeten bei der Ermöglichung dieses Tötens anerkennen. Alle am Konflikt Beteiligten innerhalb und außerhalb des Sudan müssen ihre engstirnigen Eigeninteressen beiseite lassen. Die VAE, ihre Verbündeten und die anderen Quad-Staaten sollten stärker unter Druck gesetzt werden, als ersten Schritt zum Frieden einen echten Waffenstillstand zu vermitteln und ihren Einfluss auf die Kriegsparteien zu nutzen, um sicherzustellen, dass sie sich daran halten. (Ende)</p>



<pre class="wp-block-verse">*Andrew Firmin ist Chefredakteur von <a href="https://www.civicus.org/">CIVICUS</a>. Das Ziel der internationalen Nonprofit-Organisation mit Hauptsitz in Johannesburg ist die Stärkung der Zivilgesellschaft.</pre>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Am 8. November 2025 protestierten tausende Menschen in London gegen die Unterstützung von Kriegsparteien im Sudan. Dieser Mann zeigt ein Bild von Muhammad bin Zayid Al Nahyan, Herrscher von Abu Dhabi und Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate. (Foto: SunshineMunu, Shutterstock.com)</p>
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		<title>Tansania im Ausnahmezustand</title>
		<link>https://afrika.info/tansania-im-ausnahmezustand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Nov 2025 11:13:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Kizito Makoye]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei den Wahlen in Tansania kam es zu schweren Unruhen mit hunderten Toten. Die Regierung verhängte von 29. Oktober bis 3. November nächtliche Ausgangssperren sowie einen totalen Internet Shutdown. Kizito Makoye erlebte den Ausnahmezustand in Dar es Salaam hautnah mit.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Kizito Makoye | 5. November 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Wahlen in Tansania kam es zu schweren Unruhen mit hunderten Toten. Die Regierung verhängte von 29. Oktober bis 3. November nächtliche Ausgangssperren sowie einen totalen Internet Shutdown. Kizito Makoye erlebte den Ausnahmezustand in Dar es Salaam hautnah mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dar es Salaam (IPS/afr). Manzese, ein sonst pulsierender Stadtteil der tansanischen Wirtschaftsmetropole Dar es Salaam, wirkt an diesem Morgen wie ausgestorben. Wo sich normalerweise im Berufsverkehr Gemüsehändler*innen, Streetfood-Verkäufer*innen und Motorradtaxis drängen, liegt heute eine unheimliche Stille über den staubigen Straßen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rollläden der Verkaufsstände sind fest verschlossen, die hölzernen Marktstände leergeräumt, und in der Luft hängt ein schwerer, beißender Geruch von verbranntem Gummi. Seit Tagen steht das wirtschaftliche Leben still – die Bewohner*innen konnten weder Lebensmittel kaufen noch grundlegende Dienstleistungen in Anspruch nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich kann immer noch nicht fassen, was ich gesehen habe“, sagt Abel Nteena, ein 36-jähriger Autorikschafahrer. Seine Stimme zittert, als er sich an den Morgen des 31. Oktober erinnert. „Maskierte Männer in Schwarz mit roten Armbinden tauchten plötzlich auf. Sie fingen an, auf uns zu schießen, als wir an der Tankstelle anstanden. Sie sprachen Swahili, aber ihr Akzent war seltsam – und ihre Haut war ungewöhnlich dunkel. Sie schrien, wir sollten laufen, und eröffneten das Feuer.“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei seiner Kollegen seien getroffen worden und lägen nun im Krankenhaus, erzählt Nteena. „Einer wurde in die Brust, ein anderer ins Bein getroffen. Ich weiß nicht einmal, ob sie es schaffen werden.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-unruhen-legen-die-stadt-lahm">Unruhen legen die Stadt lahm</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Angriff war nur einer von vielen, die Dar es Salaam nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen vom 29. Oktober erschütterten. Die Gewalt forderte nach Schätzungen landesweit Hunderte Todesopfer, manche Quellen sprechen sogar von über 1.000. Um die Lage zu beruhigen, verhängte die Regierung in Dar es Salaam eine nächtliche Ausgangssperre – mit gravierenden wirtschaftlichen Folgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Millionen Menschen, die auf den informellen Handel angewiesen sind, war die Ausgangssperre ein existenzieller Schlag. Geschäfte und Märkte schließen bereits am frühen Nachmittag, der öffentliche Nahverkehr fährt nur eingeschränkt, und Banken sowie Filialen für mobile Geldtransfers schließen lange vor Sonnenuntergang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich war gerade dabei, Milch zu kaufen, als ich Schüsse hörte“, berichtet Neema Nkulu, eine 31-jährige Mutter von drei Kindern aus dem Verwaltungsbezirk Bunju. „Die Leute schrien und fielen zu Boden. Ich sah einen blutenden Mann in der Nähe des Ladens. Ich ließ alles fallen und rannte los.“ Dann sagt sie leise: „Die Kugel eines Scharfschützen traf die Scheibe des Ladens genau dort, wo ich gestanden hatte. Gott sei Dank bin ich noch am Leben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Mobile-Money-Dienste nur eingeschränkt verfügbar sind, können viele Menschen nicht an ihr Guthaben gelangen. „Ich habe zwar Geld auf meinem Handy, aber die Filialen haben geschlossen, und ich kann es nicht abheben“, sagt Neema. „Meine Kinder haben seit zwei Tagen nichts Richtiges gegessen.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-kampf-ums-uberleben">Kampf ums Überleben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Dar es Salaam, wo fast sechs Millionen Menschen vom täglichen Verdienst leben, löste die Ausgangssperre eine Kettenreaktion von Notlagen aus. Lebensmittelpreise stiegen dramatisch, weil Lieferfahrzeuge aufgrund von Unsicherheit und Treibstoffmangel feststecken. Der Preis für Maismehl – ein Grundnahrungsmittel – hat sich binnen einer Woche verdoppelt. Gleichzeitig trieben die höheren Treibstoffkosten die Fahrpreise im Nahverkehr in die Höhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Früher habe ich jeden Abend gebratenen Fisch verkauft“, sagt der 39-jährige Rashid Pilo, der einen Straßenimbiss in Bunju betreibt. „Meine Kunden waren Büroangestellte, die sich auf dem Heimweg etwas kauften. Aber jetzt eilen wegen der Ausgangssperre alle früh nach Hause. Ich habe fast alles verloren. Eine Nacht ohne Verkauf bedeutet kein Essen für meine Familie.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Krankenhäusern von Mwananyamala und Mabwepande seien die Leichenhallen überfüllt, berichten Mitabeitende, die anonym blieben möchten. Leichensäcke gingen zur Neige. Offizielle Opferzahlen veröffentlicht die Regierung nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Immer wieder werden Leichen eingeliefert“, berichtet ein erschütterter Krankenhausmitarbeiter. „Manche haben Schusswunden, andere wurden geschlagen. Die Familien haben Angst, sie abzuholen.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-angst-und-schweigen">Angst und Schweigen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schwer bewaffnete Soldaten patrouillieren an Kreuzungen, gepanzerte Fahrzeuge fahren ununterbrochen Streife, und willkürliche Hausdurchsuchungen sind zur Routine geworden. Viele Menschen trauen sich kaum noch vor die Tür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin zu drei Geldautomaten gegangen, aber keiner funktionierte“, sagt Richard Masawe, ein 46-jähriger Computerspezialist. „Das Internet war ausgefallen, und selbst Mobile Banking ging nicht. Ich konnte nichts kaufen und kein Geld an meine Familie schicken. Es fühlte sich an, als wären wir von der Außenwelt abgeschnitten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung begründet den totalen Internet Shutdown mit einer „vorübergehenden Sicherheitsmaßnahme“. Menschenrechtsorganisationen hingegen sehen darin den Versuch, Berichterstattung und Kritik zu unterdrücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Verkehr ist weitgehend lahmgelegt. „Wir haben nur noch Treibstoff für einen halben Tag“, sagt Walid Masato, Leiter einer Tankstelle. „Die Lieferungen bleiben aus. Die Straßen sind unsicher.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-wirtschaft-am-abgrund-zerbrochenes-vertrauen">Wirtschaft am Abgrund, zerbrochenes Vertrauen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Der informelle Sektor, in dem über 80 Prozent Bevölkerung arbeiten, ist am stärksten betroffen“, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler Jerome Mchau. Er schätzt, dass die Wirtschaft wöchentlich bis zu 150 Millionen US-Dollar verlieren könnte. „Die Preise für Lebensmittel und Kraftstoffe steigen rasant, das Vertrauen der Konsument*innen bricht ein.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ausgangssperre hat auch die Logistiknetze lahmgelegt. Lastwägen mit lebensnotwendigen Gütern aus den zentralen Regionen Dodoma, Morogoro und Mbeya konnten die Küste nicht erreichen, was zu Lieferengpässen in den Städten führte. „Wir beobachten Panikkäufe“, sagt Mchau. „Die Menschen horten Reis, Nudeln und Mehl.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Intensität der Gewalt kam für die meisten Beobachter*innen überraschend. „Tansania galt lange als Leuchtfeuer des Friedens und der Demokratie in Afrika“, sagt der politische Kommentator Michael Bante. „Doch jetzt verlieren viele das Vertrauen in staatliche Institutionen. Oppositionelle Stimmen werden unterdrückt, Gemeinschaften spalten sich.“ Er betont, dass Präsidentin Samia Suluhu Hassan die Nation nur durch transparente Aufklärung und Dialog einen könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen hat die Gewalt das Vertrauen zwischen Bürger*innen und Regierung untergraben. Viele Menschen fühlen sich von einem System verraten, das einst für Stabilität stand.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-eine-nation-unter-schock">Eine Nation unter Schock</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen Teilen von Dar es Salaam prägen Trauer und Ungewissheit den Alltag. Auf dem Manzese-Markt versammeln sich Frauen still in kleinen Gruppen und flüstern über vermisste Angehörige. Verkohlte Überreste von Kiosken und Motorrädern liegen auf den Straßen. Ein schwacher Rauchgeruch hängt in der Luft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nichts wird mehr so ​​sein wie vorher“, sagt Neema Nkulu, die junge Mutter, die nur knapp einem Scharfschützenangriff entkam. „Früher fühlten wir uns hier sicher. Jetzt zucke ich bei jedem Motorradgeräusch zusammen. Ich kann meine Kinder nicht einmal mehr zur Schule schicken.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schulen in der ganzen Stadt bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Krankenhäuser melden einen Anstieg von Traumata und Angstzuständen. Religiöse Führer haben zu Ruhe und Versöhnung aufgerufen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-auf-der-suche-nach-stabilitat">Auf der Suche nach Stabilität</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Präsidentin Samia Suluhu Hassan hat die Wahlen am 29. Oktober offiziellen Ergebnissen zufolge mit 97,66 Prozent der Stimmen gewonnen. Die wichtigsten Oppositionskandidaten waren von der Abstimmung ausgeschlossen. Bereits am Wahltag kam es zu gewaltsamen Protesten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Samia Suluhu Hassan, die die Gewalt öffentlich verurteilt hat, steht nun vor ihrer bisher größten politischen Herausforderung. In einer Fernsehansprache rief sie zur nationalen Einheit auf und versprach, die Angriffe zu untersuchen. Kritiker*innen befürchten jedoch, dass das harte Vorgehen der Regierung die Spannungen weiter verschärfen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Tansania steht an einem Scheideweg“, sagt Michael Bante. „Die Führung muss sich zwischen Repression und Reform entscheiden. Die Welt schaut zu.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Internationale Partner, darunter die Afrikanische Union und die Vereinten Nationen, haben zu Zurückhaltung und Dialog aufgerufen. Diplomatischen Kreisen zufolge sind die Vermittlungsbemühungen jedoch ins Stocken geraten, da beide Seiten auf ihren Positionen beharren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für  den Fischerverkäufer Rashid&nbsp; ist Politik zur Frage des Überlebens geworden. „Mir ist es egal, wer gewinnt oder verliert“, sagt er, während er eine Handvoll Tilapia auf einem kleinen Holzkohlegrill brät. „Ich will nur Frieden, damit ich arbeiten und meine Familie ernähren kann.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-zerbrechliche-hoffnung">Zerbrechliche Hoffnung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Einbruch der Dämmerung liegt Dar es Salaam in gespannter Stille. Die einst belebten Busbahnhöfe und Imbissstände sind wie ausgestorben. Nur Militärpatrouillen duchbrechen die Stille auf den schwach beleuchteten Straßen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir haben schon schwere Zeiten durchgemacht“, sagt der Computerspezialist Masawe. „Wenn wir das Vertrauen wiederherstellen können, können wir vielleicht auch unser Land wieder aufbauen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Lösung des Konflikts scheint derzeit aber in weiter Ferne. Die Krise nach den Wahlen in Tansania hat tiefe Spuren in einem Land hinterlassen, das einst als Hort der Stabilität galt. Ob die Regierung von Präsidentin Samia Hassan diese Wunden heilen kann, bleibt abzuwarten. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Ein Wahlplakat von Präsidentin Samia Suluhu Hassan ist umgeben vom Rauch brennender Reifen, die bei den Unruhen in Dar es Salaam in Brand gesteckt wurden (Foto: Zuberi Mussa/IPS)</p>
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		<title>Simbabwe: Der hohe Preis der Altkleiderflut</title>
		<link>https://afrika.info/simbabwe-der-hohe-preis-der-altkleiderflut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2025 07:42:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mosambik]]></category>
		<category><![CDATA[Simbabwe]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Farai Shawn Matiashe]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Second-Hand-Kleidung]]></category>
		<category><![CDATA[Textilindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auf Simbabwes Märkten boomt der Handel mit billiger Second-Hand-Kleidung aus dem Westen. Was für viele Käufer*innen überlebenswichtig ist, treibt die heimische Textilindustrie in die Krise – und lässt traditionsreiche Unternehmen untergehen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Farai Shawn Matiashe | 4. November 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mutare (IPS/afr). Auf dem beliebten Second-Hand-Markt in Sakubva, einem dicht besiedelten Vorort der Stadt Mutare im Osten von Simbabwe, betreibt Shamiso Marambanyika einen kleinen Laden. „Die kann ich dir für fünf Dollar geben“, sagt sie zu einem Mann, der sich für eine Jeans interessiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Marambanyika ist 38 Jahre alt und Mutter von drei Kindern. In ihrem Sortiment finden sich vor allem gebrauchte Markenstücke von Labels wie Marks &amp; Spencer oder Levi’s. Diese Kleidung wurde ursprünglich in westlichen Ländern entsorgt, nach Afrika verschifft und schließlich über Mutare nach Simbabwe geschmuggelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die illegal importierten Kleidungsstücke sind günstig – auf dem Markt in Sakubva bekommt man drei T-Shirts für nur einen US-Dollar. Doch der Preisvorteil hat eine Schattenseite: Die lokale Textilindustrie gerät zunehmend unter Druck, viele Traditionsunternehmen stehen vor dem Aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-ein-traditionsunternehmen-am-ende-der-fall-truworths">Ein Traditionsunternehmen am Ende: der Fall Truworths</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel ist die Modekette Truworths Zimbabwe, gegründet 1957. In ihren besten Zeiten um die Jahrtausendwende betrieb das Unternehmen 101 Filialen im ganzen Land. Doch ab 2010 geriet Simbabwe in eine wirtschaftliche Schieflage: Währungschaos, eine hohe Verschuldung, Lieferengpässe und die zunehmende Second-Hand-Konkurrenz führten zum Niedergang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2024 waren nur noch 26 Filialen übrig. Schließlich folgte die Insolvenz. Im Spätherbst 2024 übernahm ein Konsortium die Firma zu einem symbolischen Kaufpreis von einem US-Dollar. Im Juli 2025 wurde Truworths Zimbabwe von der Börse genommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geschäftsführer Bekithemba Ndebele bestätigte gegenüber IPS, dass das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen verkauft werden musste, wollte aber keine weiteren Einzelheiten nennen. Bereits im Vorjahr hatte er in der Wochenzeitung &#8222;<a href="https://www.theindependent.co.zw/opinion/article/200019994/candid-comment-it-just-does-not-make-any-sense-at-all" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Zimbabwe Independent</a>&#8220; scharfe Kritik geübt: „Unser Land ist zu einer Mülldeponie für Altkleider geworden. Was Sie hier sehen, ist das Verschleudern von Second-Hand-Ware zu lächerlichen Preisen – oft unter den Herstellungskosten.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-uberleben-auf-dem-sakubva-markt">Überleben auf dem Sakubva-Markt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Markt in Sakubva gibt es über 1.000 Verkaufsstände, viele davon mit Second-Hand-Ware. Die hohe Nachfrage erklärt sich aus der weit verbreiteten Armut im Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Journalist und Menschenrechtler Rashweat Mukundu bringt das Dilemma auf den Punkt: „Viele Menschen haben keine andere Wahl, als Second-Hand-Kleidung zu kaufen, weil sie sich neue Kleidung aus dem regulären Einzelhandel einfach nicht leisten können.“ Im Laden kostet eine Jeans mindestens 20 US-Dollar.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Händlerin Shamiso Marambanyika stammt aus einem Dorf im Bezirk Buhera in der Provinz Manicaland im Osten Simbabwes. Nachdem sie vergeblich nach Arbeit gesucht hatte, begann sie 2023 mit dem Handel von Second-Hand-Kleidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle zwei Wochen kauft sie von einem Zwischenhändler aus Mosambik einen 45 Kilogramm schweren Ballen mit rund 100 gebrauchten Jeans aus westlichen Ländern – für etwa 115 US-Dollar. „Die Preise variieren je nach Qualität der Jeans“, erklärt sie. Nach Abzug der Standgebühren, die bei 22 US-Dollar im Monat liegen, bleiben ihr im Schnitt 55 US-Dollar Gewinn.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-lokaler-designer-im-existenzkampf">Lokaler Designer im Existenzkampf</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Modedesigner Anesu Mugabe, Geschäftsführer von Mugga Clothing in Harare, stellt Arbeitskleidung und moderne Streetwear her. Für lokale Produzent*innen sei es unmöglich, mit den Preisen der Second-Hand-Konkurrenz mitzuhalten, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Man kann eine gebrauchte Jeans für zwei US-Dollar kaufen“, zürnt Mugabe. „Das hat bei uns zu erheblichen Umsatzrückgängen geführt. Viele Betriebe mussten ihre Produktion verkleinern oder ganz schließen.“ Sein Unternehmen habe sich als Überlebensstrategie auf Firmenbekleidung spezialisiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-ein-verbot-mit-folgen-aber-ohne-losung">Ein Verbot mit Folgen, aber ohne Lösung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um die heimische Textilindustrie zu schützen, verhängte Simbabwe 2015 ein Importverbot für Second-Hand-Kleidung. Doch das Verbot ließ sich kaum durchsetzen und stieß auf Widerstand von Händler*innen, deren Einkommen davon abhingen. 2017 wurde es daher durch Importzölle ersetzt – ohne Erfolg: Der Schmuggel florierte weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 2025 untersagte die Regierung den Verkauf von Second-Hand-Waren auf Nachtmärkten und in zentralen Geschäftsbezirken von Städten wie Harare. Kommunalminister Daniel Garwe begründete den Schritt damit, dass der Handel mit Gebrauchtware steuerzahlende Unternehmen schädige. Das Verbot führte zu heftigen Protesten von Straßenhändler*innen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Shamiso Marambanyika verkauft auf dem Markt in Sakubva dennoch weiter. Von ihrem Einkommen bezahlt sie die Schulgebühren ihrer drei Kinder. Sollte die Regierung Strafen eintreiben, sieht sie keine Zukunft: „Dann werde ich das Geschäft schließen und in mein Dorf zurückkehren.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Auf dem Markt von Sakubva in Mutare gibt es westliche Second-Hand-Kleidung in Hülle und Fülle. (Foto: Farai Shawn Matiashe/IPS)</p>
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		<title>Junge Agripreneure kämpfen um Kapital</title>
		<link>https://afrika.info/junge-agripreneure-kaempfen-um-kapital/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Sep 2025 15:28:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Senegal]]></category>
		<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Uganda]]></category>
		<category><![CDATA[Chemtai Kirui]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Winnie Wambui lehnt sich mit dem Mikrofon in der Hand nach vorne, ihr Blick wandert durch den Saal, bis sie eine erhobene Hand entdeckt. Dann die Frage, die viele im Saal beantwortet wollen wissen: Wie ist es ihr gelungen, aus einem Uniprojekt ein florierendes Unternehmen zu entwickeln?</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Chemtai Kirui | 17. September 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dakar (IPS/afr). Winnie Wambui lehnt sich mit dem Mikrofon in der Hand nach vorne, ihr Blick wandert durch den Saal, bis sie eine erhobene Hand entdeckt. Dann die Frage, die viele im Saal beantwortet wollen wissen: Wie ist es ihr gelungen, aus einem Uniprojekt ein florierendes Unternehmen zu entwickeln?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 24-jährige Jungunternehmerin betreibt die <a href="https://circularacceleration.com/harcourt-agri-eco-farm/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Harcourt Agri-Eco Farm</a> in Juja, eine Stadt 30 km nördlich von Nairobi. Mit Hilfe schwarzer Soldatenfliegen recycelt ihr achtköpfiges Team monatlich 30 Tonnen organischer Abfälle zu Tierfutter – und erzielt dabei einen Umsatz von mindestens 1.000 US-Dollar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wambui erinnert sich zurück an ihre ersten Experimente, die sich im Jahr 2022 an der Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology durchgeführt hatte: „Damals hätte ich nicht damit gerechnet, dass daraus eine Farm oder ein Unternehmen werden würde.“</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Harcourt Agro Eco Farm" width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/nwtqcoNBQHQ?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div><figcaption class="wp-element-caption">Videobeitrag von GrowthAfrica über die Arbeit von Winnie Wambui und die Harcourt Agri-Eco Farm</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte von Winnie Wambui steht exemplarisch für die Hoffnung, die viele in Afrikas Jugend setzen. Auf dem <a href="https://afs-forum.org/summit/2025/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Africa Food Systems Forum</a> (AFSF, 31. August &#8211; 5. September, ) in Dakar stand die junge Generation ins Rampenlicht: Junge Agrarunternehmer*innen teilten sich die Bühne mit Staatsoberhäuptern – ein symbolischer Schritt in einer Region, in der fast 400 Millionen Menschen unter 35 Jahre alt sind. </p>



<p class="wp-block-paragraph">„Unser Durchschnittsalter liegt bei nur 19 Jahren”, sagt Claver Gatete, Exekutivsekretär der UN-Wirtschaftskommisson für Afrika (UNECA). “Und bis 2050 wird jeder dritte junge Mensch auf der Welt Afrikaner oder Afrikanerin sein. Wenn man den Jugendlichen Land, Geld, Technologie und Märkte gibt, könnten sie nicht nur Afrika, sondern auch die ganze Welt ernähren.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-grosse-plane-und-eine-noch-grossere-lucke">Große Pläne – und eine noch größere Lücke</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vision ist ehrgeizig. Mit <a href="https://au.int/en/caadp" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CAADP 3.0</a>, einer Weiterentwicklung des kontinentalen Landwirtschaftsplans der Afrikanischen Union, sollen Investitionen von 100 Milliarden US-Dollar mobilisiert, die landwirtschaftliche Produktion um 45 Prozent gesteigert und die Einbindung junger Menschen massiv ausgeweitet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Realität zeigt ein anderes Bild: Afrika verfügt zwar über rund 65 Prozent des ungenutzten Ackerlandes der Welt, dennoch muss der Kontinent pro Jahr Lebensmittel im Wert von über 500 Milliarden US-Dollar importieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem fehlt es an Finanzierungsmodellen, nur drei bis vier Prozent der Bankkredite fließen in den Agrarsektor. „Wir haben uns auf Zuschüsse und Hilfen verlassen, um die Landwirtschaft über Wasser zu halten, und dadurch ist der Agrarsektor in eine Risikowahrnehmungsfalle geraten“, warnt Adesuwa Ifedi, Vizepräsident für Afrika der Entwicklungsorganisation <a href="https://www.heifer.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Heifer International</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Jungunternehmen können nicht wachsen oder scheitern ganz, weil ihnen die Kredite fehlen. Erfolgsgeschichten wie Winnie Wambui sind daher selten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der tansanische Unternehmer Nelson Joseph Kisanga berichtet von einem steinigen Weg. Einst Banker, verlor er beim Einstieg in die Geflügelzucht fast alles. Heute führt er mit seiner Frau ein erfolgreiches Gewürzunternehmen namens Get Aroma Spices, das mehr als 50.000 Bauern in Südtansania einbindet und nun auch nach Ghana expandiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„In meiner Heimat heißt es, dass Landwirtschaft nichts für junge Leute ist“, bedauert Kisanga. „Skalierung bedeutet Kredite zu hohen Zinsen &#8211; selbst heute noch. Es gibt keinen anderen Weg.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-viel-applaus-wenig-transparenz">Viel Applaus, wenig Transparenz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Forum bot symbolische Anerkennung und einzelne Unterstützungen für die Jungunternehmer*innen. Die sichtbarste Initiative war der <a href="https://gogettaz.africa/2025-gogettaz-agripreneur-prize/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">GoGettaz Agripreneur Prize</a>. Die mit jeweils 50.000 US-Dollar dotierte Auszeichnung ging an den Ägypter Naglaa Mohammad, der landwirtschaftliche Abfälle in Naturprodukte verwandelt, und an den Ugander Samuel Muyita, der Nanotechnologie einsetzt, um Ernteverluste bei Obst und Gemüse zu reduzieren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem hat Senegal ein 22,5 Millionen US-Dollar schweres Pilotprojekt für gemeinschaftliche landwirtschaftliche Genossenschaften gestartet. Und das Vereinigte Königreich (UK), die Alliance for a Green Revolution in Africa (AGRA) und die Afrikanische Union (AU) haben ein Handelsprogramm in der Höhe von 6,7 Millionen US-Dollar angekündigt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wie viel von den Vorhaben tatsächlich bei den Gründer*innen tatsächlich ankommt, bleibt unklar. „Wir kennen dieses Muster schon früher: Große Versprechen auf dem Gipfel, aber wenig Klarheit oder Nachverfolgung darüber, wie viel davon tatsächlich bei Jugendlichen und Kleinbauern ankommt – dem Rückgrat der afrikanischen Nahrungsmittelproduktion“, beklagt Famara Diédhiou, Programmmanagerin für Nahrungsmittelsysteme in einem zivilgesellschaftlichen Netzwerk im Senegal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So endete das Forum in Dakar zwar mit viel Symbolik, aber mit wenig harten Zahlen. Junge Unternehmer*innen wie Wambui oder Kisanga bleiben gefordert, Sichtbarkeit und Netzwerke selbst zu schaffen. „Jede Sichtbarkeit ist Geld“, sagt Kisanga. „So überlebt man.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Winnie Wambui beim Africa Food Systems Forum in Dakar (Foto: Chemtai Kirui/IPS)</p>
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		<title>Victoriafälle: UNESCO-Welterbe unter Druck</title>
		<link>https://afrika.info/victoriafaelle-unesco-welterbe-unter-druck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Sep 2025 13:50:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sambia]]></category>
		<category><![CDATA[Simbabwe]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Der wunderbarste Anblick, den ich je in Afrika gesehen habe.“ Mit diesen Worten hielt der schottische Missionar und Afrikaforscher David Livingstone am 16. November 1855 seine erste Begegnung mit den mächtigen Wasserfällen des Sambesi fest.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Busani Bafana und Martin Sturmer | 4. September 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bulawayo, Oberndorf bei Salzburg (afr/IPS). „Der wunderbarste Anblick, den ich je in Afrika gesehen habe.“ Mit diesen Worten hielt der schottische Missionar und Afrikaforscher David Livingstone am 16. November 1855 seine erste Begegnung mit den mächtigen Wasserfällen des Sambesi fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Livingstone taufte sie zu Ehren der damaligen britischen Königin auf den Namen Victoriafälle. Treffender ist jedoch ihr traditioneller Name. In der Sprache der einheimischen Balozi heißen die Fälle “Mosi-oa-Tunya” – auf Deutsch: „Donnernder Rauch“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Victoriafälle sind mehr als 1.700 Meter breit und stürzen in einer schmalen Schlucht 110 Meter in die Tiefe. Dabei erzeugen die Wassermassen eine gewaltige Gischt, die besonders nach der Regenzeit in bis zu 300 Meter Höhe aufsteigt und weithin sichtbar ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-wasserrisiken-bedrohen-welterbestatten">&#8222;Wasserrisiken&#8220; bedrohen Welterbestätten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings: Durch den Klimawandel verschiebt sich die Regenzeit von Oktober immer weiter nach hinten. In den trockenen Monaten bleibt von der Sturzflut manchmal nur noch ein Rinnsal übrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein aktueller <a href="https://www.wri.org/insights/water-risks-unesco-world-heritage-sites" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bericht</a> des World Resources Institute (WRI) zeigt: Die Dürren in der Region werden häufiger und dauern länger. Das WRI hat die sogenannten „Wasserrisiken“ von 1.172 UNESCO-Welterbestätten untersucht. Zu diesen Risiken zählen neben Dürren auch Grundwassermangel, Verschmutzungen und Überschwemmungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ergebnis ist ernüchternd: 73 Prozent der Welterbestätten sind von mindestens einem dieser Risiken betroffen. Beispiele sind der Yellowstone National Park, der 2022 nach einem Hochwasser geschlossen werden musste, oder das Taj Mahal, dessen Fundamente durch die Ableitung von Wasser instabil wurden – und eben auch die Victoriafälle.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-auswirkungen-auf-natur-und-menschen">Auswirkungen auf Natur und Menschen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 1989 gehören die Victoriafälle zum UNESCO-Welterbe. Doch die zunehmenden Dürren bedrohen Artenvielfalt, Landwirtschaft und Tourismus. Tausende Menschen in den Grenzstädten Livingstone (Sambia) und Victoria Falls (Simbabwe) leben vom Besuch der hunderttausenden Tourist*innen, die jedes Jahr zu den Wasserfällen reisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt Victoria Falls war Gastgeberin der 15. Vertragsstaatenkonferenz der Ramsar-Konvention zum Schutz von Feuchtgebieten von 23. bis 31. Juli. Die Konvention besteht seit 1975 und gehört zu den ältesten internationalen Naturschutzabkommen. Revitalisierung von Feuchtgebieten und Aufforstung von Bruchwäldern könnten bedrohte Landschaften wiederherstellen – doch dafür braucht es politischen Willen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Engagierte Gemeinden finden Wege, lebenswichtige Landschaften wie Feuchtgebiete zu schützen und wiederherzustellen“, erklärt Samantha Kuzma, leitende Datenexpertin beim WRI. „Das Problem ist, dass diese Bemühungen nur Stückwerk sind. Weltweit fehlt der politische Wille, der für echte, dauerhafte Veränderungen nötig wäre.“</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="h-billionen-us-dollar-erforderlich">Billionen US-Dollar erforderlich</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://blogs.worldbank.org/en/water/closing-the--7-trillion-gap--three-lessons-on-financing-water-in" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weltbank</a> schätzt, dass bis 2030 rund sieben Billionen US-Dollar in die globale Wasserinfrastruktur investiert werden müssen, um jahrzehntelange Unterfinanzierung auszugleichen und die nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen. Derzeit trägt der öffentliche Sektor fast 91 Prozent der jährlichen Ausgaben, der private Sektor weniger als zwei Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem Untätigkeit kostspieliger ist als Handeln“, warnt Kuzma. Sie betont, dass die Welt den zentralen Wert des Wassers für Wirtschaft und Gesellschaft besser verstehen müsse. „Sein Wert ist unsichtbar, bis er gefährdet ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders deutlich wird das am Beispiel der UNESCO-Welterbestätten. „Ihr ökologischer und kultureller Wert ist unbezahlbar, und ganz pragmatisch betrachtet sind sie oft der Dreh- und Angelpunkt der lokalen Wirtschaft“, sagt Kuzma. „Jede Schließung oder Beschädigung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gemeinden.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild: </strong>Die Victoriafälle in der Trockenzeit (Foto: HandmadePictures/Shutterstock.com)</p>
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