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	<title>Zentralafrikanische Republik Archive | afrika.info</title>
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	<description>Den Kontinent anders sehen</description>
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	<title>Zentralafrikanische Republik Archive | afrika.info</title>
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		<title>Gruppe Wagner weitet Aktivitäten in Afrika aus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 May 2023 07:39:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Söldner der Gruppe Wagner haben seit 2017 in fünf afrikanischen Ländern militärische Operationen durchgeführt. Das private russische Militärunternehmen verfolgt aber auch zunehmend politische und wirtschaftliche Interessen auf dem Kontinent.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Fawzia Moodley und Martin Sturmer | 30. Mai 2023</p>



<p class="wp-block-paragraph">Johannesburg/Oberndorf bei Salzburg (IPS/afr). Die Söldner der Gruppe Wagner haben seit 2017 in fünf afrikanischen Ländern militärische Operationen durchgeführt. Das private russische Militärunternehmen verfolgt aber auch zunehmend politische und wirtschaftliche Interessen auf dem Kontinent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut der US-Denkfabrik &#8222;<a href="https://russianpmcs.csis.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Center for Strategic &amp; International Studies</a>&#8220;  waren russische Privatarmeen in den letzten zehn Jahren in 18 afrikanischen Staaten aktiv. Die bekannteste unter ihnen ist die Gruppe Wagner, die seit der Invasion in der Ukraine für internationale Schlagzeilen sorgt. Der Einfluss des privaten Militärunternehmens in Afrika geht mittlerweile weit über Sicherheitsfragen hinaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die “Global Initiative Against Transnational Organized Crime” hat kürzlich die Studie “<a href="https://globalinitiative.net/wp-content/uploads/2023/02/J-Stanyard-T-Vircoulon-J-Rademeyer-The-Grey-Zone-Russias-military-mercenary-and-criminal-engagement-in-Africa-GITOC-February-2023.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Grey Zone: Russia&#8217;s Military, Mercenary and Criminal Engagement in Africa</a>” veröffentlicht. Der Bericht macht deutlich, dass die Gruppe Wagner bereits seit dem Jahr 2017 in Afrika aktiv ist. Seitdem hat das Militärunternehmen Truppen in fünf Länder entsandt: Libyen, Mali, Mosambik, Sudan und die Zentralafrikanische Republik.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Längst beschränkt sich aber die Gruppe Wagner nicht mehr auf militärische Interventionen. Die Studie zeigt, dass es zunehmend auch um politischen und wirtschaftlichen Einfluss geht. Im Interview mit der Nachrichtenagentur IPS sagt Julia Stanyard, Co-Autorin der Studie, dass die Gruppe Wagner mittlerweile ein Netzwerk an politisch einflussreichen Unternehmen, wie z. B. Bergbaufirmen, unterhalte: “Sie zielt offenbar auf instabile Regierungen ab, die in Bürgerkriege verwickelt sind, bildet Bündnisse mit der herrschenden Elite und bietet ihnen militärische Unterstützung und Waffen an.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wagner in der Zentralafrikanischen Republik</h2>



<p class="wp-block-paragraph">So geschehen in der Zentralafrikanischen Republik, wo sich die Regierung gegen mehrere Rebellenarmeen zur Wehr setzt. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt im März 2016 wandte sich Präsident Faustin-Archange Touadéra an Russland.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einem Treffen des russischen Außenministers Sergei Lawrow und Touadéra in Sotschi im Oktober 2017, wurden zunächst russische Militärausbilder entsandt und Waffen geliefert. Kurz darauf folgten die ersten Wagner-Truppen: Laut <a href="https://www.theguardian.com/world/2023/feb/02/wagner-mercenaries-sustain-losses-in-fight-for-central-african-republic-gold" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schätzungen des britischen Guardian</a> waren seit 2018 an die 1.000 Söldner der russischen Privatarmee in der Zentralafrikanischen Republik stationiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens seit der Präsidentschaftswahl im Dezember 2020 sichert die Gruppe Wagner Faustin-Archange Touadéra das politische Überleben. Gemeinsam mit Truppen der ruandischen Armee blockierten die Söldner zunächst den Vormarsch von Rebellen auf die Hauptstadt Bangui. Im Anschluss führten sie von Jänner bis März 2021 eine erfolgreiche Gegenoffensive durch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lukratives Geschäft mit Diamanten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegenzug erhielt die Gruppe Wagner von der zentralafrikanischen Regierung Wirtschafts- und Bergbaukonzessionen. Ein Beispiel ist das 2019 gegründete Unternehmen Diamville, das im Diamantenhandel aktiv ist.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer <a href="https://drive.google.com/file/d/1RyxkBKTP7BEVEtoQ3LV0jzxzJFrelHbJ/view?usp=sharing" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Recherche</a> des Mediennetzwerks “European Investigative Collaborations” (EIC), der französischen Organisation “All Eyes on Wagner” und dem britischen “Dossier Center” zufolge, gehört Diamville der Gruppe Wagner.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bericht belegt, dass der Handel mit Diamanten für die Gruppe Wegner ein lukratives Geschäft ist: Zwischen Oktober 2019 und Jänner 2022 wurden knapp 1.000 Karat exportiert &#8211; der Großteil davon ging nach Dubai. Der Wert der Diamanten liegt bei zwölf Millionen US-Dollar.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gräueltaten an Zivilist*innen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Von Menschenrechtsorganisationen werden der Gruppe Wagner zahlreiche Gräueltaten gegen Zivilist*innen vorgebrochen. Laut dem deutschen Nachrichtenmagazin “<a href="https://www.spiegel.de/ausland/wagner-gruppe-wie-die-russische-soeldnergruppen-mit-diamanten-aus-afrika-geschaefte-macht-a-18c4f0ea-d74d-43c4-a121-9132d6347f2a" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spiegel</a>” überfielen die Söldner Dörfer, raubten, brandschatzten und mordeten. Mehr als 750 Zivilist*innen sollen ihnen bereits zum Opfer gefallen sein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gruppe Wagner mit Sitz in St. Petersburg wurde 2014 gegründet. Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Bis 2019 hat Prigoschin die Existenz der Privatarmee abgestritten. Erst 2022 räumte er ein, die Truppe gegründet zu haben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben militärischen Einsätzen ist die Gruppe Wagner auch an russischen Desinformations- und Progagandakampagnen aktiv.&nbsp; Die NGO <a href="https://lens.civicus.org/russias-boots-on-the-ground-in-africa/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Civicus</a> mit Sitz in Johannesburg warnt auch davor, dass die Söldnerarmee Maßnahmen gegen die Zivilgesellschaft setzt. In der Zentralafrikanischen Republik lässt Präsident Touadéra kritische Stimmen unterdrücken. “Humanitäre Helfer und unabhängige Journalisten zählen zu den Opfern von Gewalt und Einschüchterung durch Wagner-Truppen”, berichtet die NGO. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild: </strong>Angehörige der Gruppe Wagner schützen den Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik Faustin-Archange Touadéra (Foto: Clément Di Roma/VOA, gemeinfrei, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=115316332" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Link</a>).</p>
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		<title>Entwaldung im Kongobecken schafft Armut</title>
		<link>https://afrika.info/entwaldung-im-kongobecken-schafft-armut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 May 2022 15:10:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Äquatorialguinea]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als wir unter dem Blätterdach des Regenwaldes im Kongobecken aufwuchsen, war der Wald mehr als nur unser Zuhause. Er war unser Spielplatz, unsere Apotheke, unser Lehrer, unser Therapeut. Mit seiner reichen Artenvielfalt war er eine Quelle der Lebensgrundlage. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Sylvie Djacbou Deugoue* | 25. Mai 2022</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yaoundé (IPS/afr). Als wir unter dem Blätterdach des Regenwaldes im Kongobecken aufwuchsen, war der Wald mehr als nur unser Zuhause. Er war unser Spielplatz, unsere Apotheke, unser Lehrer, unser Therapeut. Mit seiner reichen Artenvielfalt war er eine Quelle der Lebensgrundlage. Und er half, uns vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese massive Entwaldung des Kongobeckens hat zur Enteignung indigener und lokaler Gemeinschaften von ihrem angestammten Land geführt. Die Folge davon sind erhöhte Kohlenstoffemissionen, Migration, das Verschwinden von Kultur und Sprache der indigenen Gemeinschaften sowie ein Anstieg der extremen Armut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Regenwald im Kongobecken ist größer als der US-Bundesstaat Alaska und erstreckt sich über sechs zentralafrikanische Länder (DR Kongo, Republik Kongo, Kamerun, Äquatorialguinea, Gabun und Zentralafrikanische Republik). Nach Amazonien beheimatet das Kongobecken den zweitgrößten tropischen Regenwald der Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kürzlich hat der Weltklimarat den <a href="https://www.ipcc.ch/report/sixth-assessment-report-working-group-3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dritten Teil seines Sechsten Sachstandsbericht</a> veröffentlicht. . Der Bericht macht deutlich, dass noch viel zu tun ist, um die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen. Und der Wald im Kongobecken bildet in diesem Kampf eine der zentralen Frontlinien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Weltklimarat warnt davor, dass das Klima zusammenbrechen wird, wenn nichts unternommen wird. Und: Dieses Szenario wird von einer Zunahme extremer Armut begleitet werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Umdenken der Regierungen gefordert</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vom 7. bis 18. November wird die UN-Klimakonferenz (COP 27) in Scharm asch-Schaich in Ägypten stattfinden. Wir erwarten uns dabei mehr Taten und weniger leere Versprechungen von Afrikas Führer*innen. Wir erwarten uns außerdem, dass die Jugend das Kommando übernimmt, wenn es darum geht, ihre Regierungen zur Rechenschaft zu ziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist wichtig, darüber nachzudenken, wie wir COP 27 dazu nutzen können, um die nationalen Regierungen – insbesondere jene des Kongobeckens – dazu zu bewegen, mit der gleichen Geschwindigkeit zu handeln, mit der sie ihre Zusagen zur Bewältigung der Klimakrise gemacht haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn das derzeitige wirtschaftliche Entwicklungsmodell im Kongobecken basiert auf massiver Entwaldung: Immer mehr großflächigen Flächen werden für den industrielle Anbau von Palmöl und Kautschuk konzessioniert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Pro Minute werden zehn Fußballfelder gerodet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Verlust des Waldökosystems – und damit des geistigen und kulturellen Erbes der Gemeinschaft – ist unumkehrbar. Die tropischen Regenwälder des Kongobeckens werden vernichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auswirkungen sind nicht nur wirtschaftlicher Natur: Wenn Wälder abgeholzt werden, wird der darin gespeicherte Kohlenstoff als Kohlendioxid wieder in die Atmosphäre freigesetzt. Laut den jüngsten Daten von <a href="https://www.globalforestwatch.org/blog/data-and-research/global-tree-cover-loss-data-2021/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Global Forest Watch</a> gingen allein im letzten Jahr 3,75 Millionen Hektar unberührter Regenwald verloren. Pro Minute wurde eine Fläche von zehn Fußballfelder gerodet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kamerun zum Beispiel hat im Jahr 2021 mehr als 80.000 Hektar seiner Primärwälder verloren, das entspricht einer Verdoppelung im Vergleich zum Jahr 2019. In der Demokratischen Republik Kongo waren es letztes Jahr sogar fast eine halbe Million Hektar – um 29% mehr als im Jahr 2020. Die Rodungen passieren nur deshalb, dass sich ein kleiner Teil der egoistischen Eliten daran bereichern kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lebensgrundlage geht verloren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei diesem Tempo gibt es bald keine Möglichkeit mehr, den Waldverlust bis 2030 rückgängig zu machen, wie es die Staats- und Regierungschefs aus 141 Ländern auf dem letztjährigen UN-Klimakonferenz COP 26 in Glasgow versprochen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem gewährt Kamerun einem Unternehmen wie Camvert SA Steuerbefreiungen für die Umsetzung eines fast 60.000 Hektar großen Projekts zur Gewinnung von Palmöl. Dieses Projekt wird nicht nur zur Entwaldung, sondern auch zur Zerstörung der biologischen Vielfalt sowie zum Verlust der Lebensgrundlagen der Gemeinden führen. Damit werden die Menschen in extreme Armut geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Mitglied der Waldgemeinschaft erzählte mir: „Bevor diese Firma aktiv wurde, lebte ich vom Verkauf forstwirtschaftlicher Erzeugnisse – außer Holz. Auch im Krankheitsfall konnte ich im Wald natürliche Arzneimittel zur Behandlung finden. Jetzt gibt keinen Wald mehr, und wir sind uns selbst überlassen.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lokale Bevölkerung hat nichts von den Deals</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die angeblichen Vorteile der Deals zwischen Regierungen und Unternehmen kommen nicht bei der lokalen Bevölkerung an. Sie werden selten beschäftigt, wenn diese Konzessionen erteilt werden. Meine Nachforschungen haben gezeigt, dass Arbeiter*innen für konzessionierte Gebiete aus anderen Regionen des Landes rekrutiert werden. Selbst wenn lokale Arbeiter*innen eingestellt werden, erhalten sie nur einen Hungerlohn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Industrieunternehmen prahlen oft damit, dass sie die Entwicklung durch den Bau von Straßen fördern. Dabei ist es aber wichtig zu beachten, dass diese Straßen hauptsächlich dazu dienen, Holz auf den Markt zu befördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Staaten im Kongobecken sind besonders anfällig: Laut <a href="https://www.worldbank.org/en/country/cameroon/overview#1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weltbank</a> ist Kamerun weit davon entfernt ist, eine substanzielle Verringerung der Armut zu erreichen. Die Corona-Pandemie hat die Situation noch weiter verschlimmert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Demokratische Republik Kongo zeigte ein kürzlich erschienener Bericht, dass zwischen 2014 und 2020 mehr als zehn Millionen US-Dollar an Forstgebühren nicht an die Staatskasse gezahlt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entwaldung befeuert den Klimawandel, und dieser wird die Armut weiter verschärfen. Der jüngste IPCC-Bericht schätzt, dass der Klimawandel allein im nächsten Jahrzehnt 32 bis 132 Millionen weitere Menschen in die extreme Armut treiben wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gesunde Wälder für ein gesundes Leben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, wir brauchen Entwicklung. Aber zu welchem Preis? Und wem soll diese Entwicklung zugute kommen? Der Schutz der Wälder ist eine Frage der Erhaltung der Lebensgrundlagen der lokalen Gemeinschaft und der Verringerung der Armut. Durch die Vergabe von immer mehr Forstkonzessionen an die Wirtschaft werden wir nicht reicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir brauchen alternative Entwicklungsmodelle, die das Wohlergehen indigener Gemeinschaften berücksichtigen und gesunde Wälder fördern. Die Nutzung der Weisheit und des Wissens der indigenen Bevölkerung schafft Chancen zur Entwicklung der Waldbewirtschaftung und sichert gleichzeitig das Land der Gemeinden. Dieser Weg trägt letztendlich auch dazu bei, die Klimaziele zu erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir eine nachhaltige Entwicklung und die Beseitigung der Armut im Kongobecken wollen, muss die Entwaldung wirksam gestoppt. Es braucht die Umsetzung einer Klimapolitik, die soziale Gerechtigkeit und eine Beteiligung der Gemeinschaften an der Entscheidungsfindung gewährleistet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist an der Zeit, dass die verschiedenen politischen Akteure im Kongobecken mehr als ihre persönlichen wirtschaftlichen Interessen berücksichtigen. Sie müssen die langfristige Notwendigkeit – gesunde Wälder für ein gesundes Leben – stärker in Betracht ziehen. (Ende)</p>



<pre class="wp-block-verse">*Sylvie Djacbou Deugoue ist Waldschützerin bei Greenpeace Africa.</pre>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Der Sangha ist ein Nebenfluss des Kongo in der Republik Kongo. (Foto: Shutterstock.com)</p>
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		<title>Corona in Afrika</title>
		<link>https://afrika.info/corona/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Oct 2021 14:19:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Alle Daten zur Corona-Pandemie in Afrika - vom Auftreten des ersten Falls am 14. Februar 2020 in Ägypten bis zum Ende der Datenerfassung am 5. März 2023.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/corona/">Corona in Afrika</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="has-background wp-block-paragraph" style="background-color:#eae9e3"><strong>Datenerfassung beendet</strong><br><br>Nach über drei Jahren haben wir das Projekt am 5. März 2023 beendet. Hintergrund für die Entscheidung war, dass nach der Einstellung der Datenerfassung durch die <a href="https://coronavirus.jhu.edu/map.html">John Hopkins University</a> (per 10. März 2023) und <a href="https://africacdc.org/covid-19/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Africa CDC</a> (per 1. Jänner 2023) keine ausreichende Grundlage mehr gegeben war.<br></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://afrika.info/corona/chronik/">Chronik einer Ausbreitung: 14. Februar 2020 (erster Corona-Fall in Afrika) bis 5. März 2023</a></li>



<li><a href="https://afrika.info/corona/hintergrund/">Hintergrund zum Datenerfassungsprojekt von afrika.info</a></li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Stand: 5. März 2023</h2>



<div class="wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex">
<div class="wp-block-button has-custom-font-size is-style-fill" style="font-size:18px"><a class="wp-block-button__link has-white-color has-vivid-red-background-color has-text-color has-background wp-element-button" style="border-radius:15px"><strong>12.267.951</strong><br>(+5.319 zur Vorwoche)</a></div>



<div class="wp-block-button has-custom-font-size" style="font-size:18px"><a class="wp-block-button__link has-white-color has-black-background-color has-text-color has-background wp-element-button" style="border-radius:15px"><strong>257.774 Todesfälle</strong><br>(+16 zur Vorwoche)</a></div>



<div class="wp-block-button has-custom-font-size" style="font-size:18px"><a class="wp-block-button__link has-white-color has-vivid-green-cyan-background-color has-text-color has-background wp-element-button" style="border-radius:15px"><strong>11.893.778 genesene Personen</strong><br>(+11.288 zur Vorwoche)</a></div>



<div class="wp-block-button has-custom-font-size" style="font-size:18px"><a class="wp-block-button__link has-white-color has-vivid-cyan-blue-background-color has-text-color has-background wp-element-button" style="border-radius:15px"><strong>116.399 aktive Fälle</strong><br>(-5.985 zur Vorwoche)</a></div>
</div>



<div style="height:1px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading" id="epidemiologische-kurve">Epidemiologische Kurve</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die epidemiologische Kurve zeigt den täglichen Zuwachs an positiv getesteten Personen. Der Übersichtlichkeit halber werden die wöchentlichen Durchschnittswerte dargestellt.</p>



<iframe title="Epidemiologische Kurve für Afrika (Wochenschnitt)" aria-label="Interactive line chart" id="datawrapper-chart-nFw1H" src="https://datawrapper.dwcdn.net/nFw1H/91/" scrolling="no" frameborder="0" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" height="800" data-external="1"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(e){if(void 0!==e.data["datawrapper-height"]){var t=document.querySelectorAll("iframe");for(var a in e.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<t.length;r++)t[r].contentWindow===e.source&#038;&#038;(t[r].style.height=e.data["datawrapper-height"][a]+"px")}}))}();
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<h2 class="wp-block-heading" id="7-tage-inzidenz-in-afrikanischen-staaten">7-Tage-Inzidenz in afrikanischen Staaten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die 7-Tage-Inzidenz beträgt für den gesamten Kontinent derzeit <strong>0,37</strong> (+0,14 zur Vorwoche). Am höchsten ist die 7-Tage-Inzidenz in Südafrika (5,73). Dahinter folgen Eswatini (5,71), Mauritius (2,73), Botswana (2,62) und Sambia (1,54). 19 afrikanische Staaten haben in der letzten Woche ihre Infektionszahlen nicht aktualisiert.</p>



<iframe title="Karte: Das Coronavirus in Afrika" aria-label="Karte" id="datawrapper-chart-y4fZm" src="https://datawrapper.dwcdn.net/y4fZm/421/" scrolling="no" frameborder="0" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" height="538" data-external="1"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(e){if(void 0!==e.data["datawrapper-height"]){var t=document.querySelectorAll("iframe");for(var a in e.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<t.length;r++){if(t[r].contentWindow===e.source)t[r].style.height=e.data["datawrapper-height"][a]+"px"}}}))}();
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<h2 class="wp-block-heading" id="entwicklung-der-aktiven-corona-infektionen">Entwicklung der aktiven Corona-Infektionen</h2>



<iframe title="Entwicklung der aktiven Corona-Infektionen in Afrika" aria-label="Interactive line chart" id="datawrapper-chart-GZgId" src="https://datawrapper.dwcdn.net/GZgId/432/" scrolling="no" frameborder="0" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" height="600" data-external="1"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(e){if(void 0!==e.data["datawrapper-height"]){var t=document.querySelectorAll("iframe");for(var a in e.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<t.length;r++)t[r].contentWindow===e.source&#038;&#038;(t[r].style.height=e.data["datawrapper-height"][a]+"px")}}))}();
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<h2 class="wp-block-heading" id="die-wichtigsten-zahlen-im-zeitlichen-verlauf">Die wichtigsten Zahlen im zeitlichen Verlauf</h2>



<iframe title="Tabelle: Coronavirus in Afrika" aria-label="Tabelle" id="datawrapper-chart-0hxhf" src="https://datawrapper.dwcdn.net/0hxhf/405/" scrolling="no" frameborder="0" style="width: 0; min-width: 100% !important; border: none;" height="1634" data-external="1"></iframe><script type="text/javascript">!function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(e){if(void 0!==e.data["datawrapper-height"]){var t=document.querySelectorAll("iframe");for(var a in e.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r<t.length;r++)t[r].contentWindow===e.source&#038;&#038;(t[r].style.height=e.data["datawrapper-height"][a]+"px")}}))}();
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		<title>Sterbender Tschadsee verschärft Krise</title>
		<link>https://afrika.info/sterbender-tschadsee-verschaerft-krise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Feb 2020 13:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[DR Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Kamerun]]></category>
		<category><![CDATA[Nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[Tschad]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralafrikanische Republik]]></category>
		<category><![CDATA[Flucht]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Leon Usigbe]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Tschadsee war einst das größte Süßwasserreservoir Afrikas und Lebensgrundlage für 30 Millionen Menschen. Seit den 1960er-Jahren ist seine Fläche als Folge von Übernutzung und Klimaerwärmung um 90 Prozent geschrumpft.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von&nbsp;Leon Usigbe, Africa Renewal*&nbsp;| 13. Februar 2020</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abuja (AR/afr). Die 20-jährige Phoebe Musa erinnert sich gut an jenen Tag vor fünf Jahren, als Boko-Haram-Milizen ihr Dorf im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias stürmten. Sie kamen mit Pferden, Motorrädern und Militärfahrzeugen, schossen auf die Menschen und zündeten Dutzende von Gehöften an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitglieder der islamistischen Terrorgruppe entführten Phoebe Musa aus ihrem Haus, verbanden ihre Augen und zogen sie tief in den nahe gelegenen Sambisa-Wald. Dort blieb sie, bis sie Anfang des Jahres von nigerianischen Truppen gerettet wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Ich wurde mit drei Terroristen gewaltsam verheiratet und brachte drei Kinder zur Welt&#8220;, erzählte Musa im Interview mit &#8222;Africa Renewal&#8220;. Das Gespräch fand in Durumi, einem Lager für Binnenvertriebene in der Hauptstadt Abuja statt. Ihr jüngstes Kind trug Musa beim Interview auf dem Rücken. Ihre beiden älteren Kinder waren im Busch verhungert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte von Phoebe Musa ist ein Beispiel für die erschütternde humanitäre Lage im Tschadsee-Becken. Nach Angaben des Flüchtlingshochkommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) sind dort fast elf Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Dem UNHCR zufolge fehlt es Tausenden von Binnenvertriebenen am Notwendigsten: Angemessene Unterkünfte, Lebensmittel, Wasser und sanitäre Einrichtungen sind kaum vorhanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Aufgrund der weit verbreiteten Gewalt sind 10,7 Millionen Menschen in der gesamten Region des Tschadsees auf Soforthilfe angewiesen&#8220;, sagt die stellvertretende UN-Generalsekretärin Amina Mohammed. &#8222;Derzeit gelten 2,3 Millionen Menschen in der Region als Vertriebene. Über fünf Millionen Menschen haben Probleme, Zugang zu Nahrungsmitteln zu bekommen, um zu überleben. Eine halbe Million Kinder leiden unter schwerer akuter Unterernährung.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="wasserflache-um-90-prozent-geschrumpft">Wasserfläche um 90 Prozent geschrumpft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tschadsee war einst das größte Süßwasserreservoir Afrikas und Lebensgrundlage für 30 Millionen Menschen. Seit den 1960er-Jahren ist seine Fläche als Folge von Übernutzung und Klimaerwärmung um 90 Prozent geschrumpft.</p>





<p class="wp-block-paragraph">Der im Norden Zentralafrikas gelegene Binnensee grenzt an die vier Länder Tschad, Nigeria, Niger und Kamerun. Das Tschadsee-Becken, das fast acht Prozent des Kontinents umfasst, erstreckt sich jedoch über sieben Länder: Algerien, Libyen, Niger, Nigeria, Kamerun, Tschad und die Zentralafrikanische Republik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Kampf ums Überleben verschärften sich Konflikte zwischen Viehzüchtern und Bauern. Familien, die am See vor allem von Landwirtschaft, Fischerei und Viehzucht gelebt hatten, zogen auf der Suche nach Wasser in andere Gebiete.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="tschadsee-soll-wieder-aufgefullt-werden">Tschadsee soll wieder aufgefüllt werden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die betroffenen Länder führen den Kampf gegen das Elend auf drei Ebenen:</p>



<ol class="wp-block-list"><li>Eine multinationale Task Force, die sich aus Truppen aus Nigeria, Niger, Kamerun, dem Tschad und Benin zusammensetzt, führt Militärschläge gegen die Terroristen durch.</li><li>Die Regierungen setzen Maßnahmen, um den gewaltsamen Konflikt zwischen Hirten und Bauern um Wasser und Weideland zu beenden.</li><li>Ein ehrgeiziger und milliardenschwerer Plan will den Tschadsee wieder befüllen. Dazu soll Wasser aus dem Ubangi-Fluss, der in einer Entfernung von 2.400 Kilometern in der Demokratischen Republik Kongo fließt, umgeleitet werden. Die Initiative wird vom nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari angeführt und von den Mitgliedstaaten der&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschadseebecken-Kommission" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tschadseebecken-Kommission</a>&nbsp;unterstützt.</li></ol>



<h2 class="wp-block-heading" id="milliarden-hilfe-fur-die-region">Milliarden-Hilfe für die Region</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vereinten Nationen helfen laut Amina Mohammed in der Region vor allem mit humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Außerdem werden Maßnahmen zur Einhaltung der Menschenrechte, zur Stärkung von Justiz und Strafverfolgung sowie zur Prävention und Bekämpfung des Terrorismus gesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu braucht es viel Geld. In den letzten drei Jahren haben die Vereinten Nationen zwei internationale Geberkonferenzen veranstaltet. Im Februar 2017 wurden in Oslo 672 Millionen US-Dollar an Nothilfe zugesagt. Im September 2018 wurden in Berlin weitere 2,17 Milliarden US-Dollar beschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nationale Kommission für Flüchtlinge, Migranten und Binnenvertriebene in Nigeria ist der Ansicht, dass Vertriebene nur zwei dauerhafte Optionen haben: Entweder kehren sie nach Hause zurück, oder sie lassen sich woanders nieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im zuletzt genannten Fall müssen die Regierungen dafür Sorge tragen, dass sich die Vertriebenen in der Gesellschaft integrieren können. Daniel Soetan, nationaler Koordinator der &#8222;Goodwill Ambassadors of Nigeria&#8220;, verteilt mit seiner NGO Hilfsgüter an Binnenvertriebene. Im Gespräch mit “Africa Renewal” fordert er, dass diese Menschen &#8222;bei der Gründung eines Geschäfts oder einer Landwirtschaft unterstützt werden, damit sie für ihre Familien sorgen können.&#8220; (Ende)</p>



<pre class="wp-block-verse">*Der Autor arbeitet für unser Partnermagazin <a href="https://www.un.org/africarenewal/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Africa Renewal</a> der Vereinten Nationen. Der englischsprachige Originalbeitrag ist in der Ausgabe <a href="https://www.un.org/africarenewal/magazine/issue/december-2019-march-2020" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dezember 2019-März 2020</a> erschienen.</pre>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Am Ufer des Tschadsees im Bundesstaat Borno im Norden von Nigeria (Foto:&nbsp;<a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Some_small_part_of_Lake_Chad_borno_state.jpg">Sani Ahmad Usman</a>,&nbsp;<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CC BY-SA 4.0</a>)</p>
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		<title>Zur Afrika-Berichterstattung in Österreich</title>
		<link>https://afrika.info/zur-afrika-berichterstattung-in-oesterreich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Aug 2016 12:17:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[DR Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Kamerun]]></category>
		<category><![CDATA[Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Liberia]]></category>
		<category><![CDATA[Nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[Ruanda]]></category>
		<category><![CDATA[Somalia]]></category>
		<category><![CDATA[Südafrika]]></category>
		<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Uganda]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralafrikanische Republik]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika-Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die aktuelle Ausgabe 2/2016 der kommunikationshistorischen Fachzeitschrift Medien und Zeit ist dem Thema "Afrikanisch-Europäische Medienbeziehungen" gewidmet. In meinem Beitrag setze ich mich mit der Entwicklung der Afrika-Berichterstattung in Österreich seit dem Ende der Kolonialzeit auseinander. </p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von&nbsp;Martin Sturmer&nbsp;| 11. August 2016</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die aktuelle Ausgabe 2/2016 der kommunikationshistorischen Fachzeitschrift&nbsp;<a href="https://medienundzeit.at/wp-content/uploads/2017/12/MZ-2-2016-KU.pdf">Medien und Zeit</a>&nbsp;ist dem Thema &#8222;Afrikanisch-Europäische Medienbeziehungen&#8220; gewidmet. In meinem Beitrag setze ich mich mit der Entwicklung der Afrika-Berichterstattung in Österreich seit dem Ende der Kolonialzeit auseinander. Nachfolgend gibt es eine kurze Zusammenfassung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor seiner Zeit als stellvertretender Chefredakteur der &#8222;Wiener Zeitung&#8220; hat sich Thomas Seifert in Österreich vor allem als Auslandsreporter für &#8222;News&#8220; und &#8222;Die Presse&#8220; einen Namen gemacht. Seine Reportagen haben ihn rund um den Erdball geführt, dabei mehrmals auch nach Afrika.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einer Diskussion des&nbsp;<a href="http://www.okto.tv/dasmedienquartett/10469/20130402" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Medienquartetts</a>&nbsp;richtete die Publizistin Rubina Möhring an Seifert die Frage, warum über Afrika größtenteils negativ berichtet wird. Seiferts Antwort fiel durchaus selbstkritisch aus: &#8222;Im medialen Theater bekommt jeder eine Rolle. (…) Die Rolle Afrikas ist die der tragischen Figur. Das ist eingeübt über die Jahrzehnte, vom Ende der Kolonialzeit bis heute.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kommunikationswissenschaftliche Untersuchungen haben bestätigt, dass Afrika vor allem dann zum Thema wird, wenn Konflikte oder humanitäre Krisen auftreten (z. B. Neuwirth 1992, Pointner &amp; Luger 1996, Mükke 2010, Glodzinski 2010, Freches 2016). Die Afrika-Berichterstattung geschieht dabei in der Regel in Form von Standarderzählungen, die Kurt Luger (1998, S. 18) wie folgt zusammenfasst:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Der Kontinent der Opfer, der Kontinent der Diktatoren, der Born der Korruption und Kriminalität, der hilfsbedürftige Kontinent, der blutige Kontinent, der Spielplatz für Abenteurer und die Wiege der Spitzenathleten sind solche Klischees, die in Summe ein doch stark vereinfachendes Afrika-Bild prägen.&#8220; </p><cite>Luger 1998, S. 18</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Beitrag habe ich versucht, jene Ereignisse in Afrika zu identifizieren, die seit dem Ende des Kolonialismus unsere Wahrnehmung von Afrika als &#8222;tragische Figur&#8220; nachhaltig geprägt haben. Dabei habe ich aufgrund der relativ großen Zeitspanne jene Anlässe ausgewählt, in denen eine Standarderzählung erstmals auftrat. So ist z. B. das Image Afrikas als &#8222;Hungerkontinent&#8220; bereits im Biafra-Krieg (1967-1970) entstanden, auch wenn vielleicht die Hungerkatastrophe in Äthiopien 1984/85 bei vielen noch stärker in Erinnerung ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">1. Der primitive Kontinent</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Kolonialzeit wurden Afrikaner*innen häufig als &#8222;nackte Primitive&#8220; dargestellt. Dieses Klischee wurde während der Zeit des Nationalsozialismus weiter verstärkt und einzementiert. (Sauer 2014, S. 67)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Kriegsende änderte sich zunächst wenig an dieser Vorstellung. In den 1950-er Jahren verschärften Filme wie &#8222;Omaru – eine afrikanische Liebesgeschichte&#8220; gängige Stereotypen: Nacktheit, Infantilität und Irrationalität bestimmten in diesem Streifen die Zuschreibungen an die afrikanischen Filmfiguren (Bakondy &amp; Winter 2007, S. 97-114).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tageszeitung &#8222;Die Presse&#8220;&nbsp;brachte in ihrem Artikel über die Wien-Premiere von Omaru am 5. Oktober 1955 die damalige Wahrnehmung auf den Punkt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Mit Ernst. A. Zwilling zog man in einsame Bergdörfer und photographierte dort die N*****, wie sie tatsächlich leben, zwischen sonnenverbrannten chaotisch verstreuten Felsen ihre winzigen Äcker bebauen, halbnackt in den Bergquellen baden, sich um sieben Ziegen eine Braut kaufen, kurzum, die Welt erscheint in solchen Szenen um 2000 Jahren (sic!) zurückgedreht.&#8220; </p><cite>Zit. nach: Bakondy &amp; Winter 2007, S. 168</cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">2. Der bestialische Kontinent</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Afrika-Jahr 1960 stellte eine wesentliche Zäsur in der Afrika-Berichterstattung dar. 18 Territorien erklärten ihre politische Selbstständigkeit. Die mediale Berichterstattung über die Unabhängigkeit afrikanischer Staaten war zunächst von vorsichtigem Optimismus geprägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation änderte sich allerdings mit dem Einsetzen der Kongo-Krise (1960-1965). Patrice Lumumba – für die österreichische Nachrichtenagentur APA &#8222;ein angehoeriger eines der wildesten afrikanischen staemme&#8220; (APA 1961) – wurde zum ersten Premierminister des unabhängigen Kongo ernannt und ein halbes Jahr später ermordet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Grausamkeiten der Kongo-Krise wandelte sich das mediale Bild zunehmend zu jenem eines &#8222;bestialischen Kontinents&#8220;. Eine große Rolle für die Nachhaltigkeit dieser Wahrnehmung spielte der pseudodokumentarische Film &#8222;Africa Addio&#8220; der italienischen Regisseure Gualtiero Jacopetti und Franco Prosperi aus dem Jahr 1966. Jacopetti und Prosperi rückten u. a. die Brutalität der Kongo-Krise in den Mittelpunkt – inklusive der Hinrichtung von Rebellen vor laufender Kamera.</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Der hilfsbedürftige Kontinent</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Keine zwei Jahre nach dem Ende des Konflikts im Kongo kam es in Nigeria zu einem Bürgerkrieg, der die bis heute wahrscheinlich intensivste mediale Beschäftigung mit Afrika nach sich zog: Der Biafra-Krieg (1967-1970).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die verheerende Auseinandersetzung im Südosten Nigerias wurde von einer beispiellosen Propagandaschlacht begleitet. Unter Mitwirkung internationaler PR-Agenturen wurde Biafra zu einem &#8222;Synonym des Hungers&#8220;. Die Bilder von Kindern &#8222;mit aufgeblähten Bäuchen, mit rötlich verfärbten Haaren, fleckenübersäter Haut und leblosen Augen&#8220; (Der Spiegel 1969, S. 106) brannten sich in das kollektive Gedächtnis der Menschheit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">4. Der Kontinent der Diktatoren und Warlords</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Idi Amin Dada in Uganda, Jean-Bedél Bokassa in Zentralafrika, Mobutu Sese Seko in Zaïre: In den 1970-er Jahren prägten vor allem die Gewaltherrschaften afrikanischer Diktatoren die mediale Wahrnehmung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mittelpunkt der Berichterstattung standen dabei schaurig-bizarre Geschichten über die Brutalität und das Sexleben der Despoten. So schrieb z. B. die APA im Jahr 1977, dass Idi Amin in seinem Kühlschrank die Köpfe seiner ehemaligen Geliebten und eines Rivalen aufbewahrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Auseinandersetzung mit den afrikanischen Diktatoren offenbarten die österreichischen Medien aber eine gewisse Doppelmoral: So waren die bekannten Menschenrechtsverletzungen durch das Apartheid-Regime in Südafrika im medialen Mainstream lange Zeit kein Thema. Stattdessen wurde über die paradiesischen Zustände für österreichische Auswanderer im Kapstaat berichtet (Sauer 2012, S. 104).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Demokratisierungswelle Anfang der 1990-er Jahre verloren die westlichen Medien weitgehend ihr Interesse an den afrikanischen Staatschefs. Die einzige Ausnahme war Nelson Mandela, der bis heute als Lichtfigur unter den afrikanischen Politiker*innen gilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An die Stelle der Diktatoren traten aber Warlords wie Farrah Aidid in Somalia, Charles Taylor in Liberia, Augustin Bizimungu in Ruanda oder Laurent Nkunda in der Demokratischen Republik Kongo. Den unbeschreiblichen Grausamkeiten der Kriegsfürsten galt ein Hauptaugenmerk der österreichischen Afrika-Berichterstattung bis Ende der 2000er-Jahre.</p>



<h2 class="wp-block-heading">5. Der Kontinent der Krankheiten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Einsetzen der globalen Finanzkrise rückte Afrika zunehmend in den Fokus der internationalen Wirtschaft. Beflügelt wurde diese Entwicklung durch Wachstumsraten jenseits der Fünf-Prozent-Marke. Das Narrativ von &#8222;Africa Rising&#8220; erfuhr vor allem in Qualitäts- und Wirtschaftsmedien großen Rückenwind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dann kam Ebola. Der mediale Umgang mit der Krankheit war entlarvend für die Mechanismen der Afrika-Berichterstattung. Das mediale Interesse explodierte förmlich, als die Krankheit Europa erreichte: Am 12. August 2014 verstarb in Madrid der Geistliche Miguel Pajares, der zuvor als Pfleger in einem Krankenhaus in Liberias Hauptstadt Monrovia gearbeitet hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits mehr als 1.000 afrikanische Tote gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus war die Berichterstattung wenig präzise. Häufig wurde von einer &#8222;Ebola-Epidemie in Afrika&#8220; gesprochen. Tatsächlich gab es aber Krankheitsfälle in nur in sechs von 54 afrikanischen Staaten. Die inferiore Informationsleistung dürfte großen Schaden angerichtet haben: Reisebüros aus ostafrikanischen Ländern wie Kenia und Tansania beklagten schwere Umsatzeinbrüche – und das obwohl die Urlaubsmetropole Mombasa von Monrovia weiter entfernt liegt als Wien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list"><li>APA (13.02.1961): lebenslauf lumumba 1. a 132, Wien.</li><li>Bakondy, V. &amp; Winter, R. (2007): &#8222;Nicht alle Weißen schießen.&#8220; Afrika-Repräsentationen im Österreich der 1950er Jahre im Kontext von (Post-)Kolonialismus und (Post-)Nationalsozialismus. Innsbruck.</li><li>Freches, D. (2016): Nachholbedarf bei Afrika-Berichterstattung. Dortmund. Abgerufen von&nbsp;<a href="http://de.ejo-online.eu/qualitaet-ethik/nachholbedarf-bei-afrika-berichterstattung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://de.ejo-online.eu/qualitaet-ethik/nachholbedarf-bei-afrika-berichterstattung</a>, Zugriff am 18. April 2016.</li><li>Glodzinski, A. (2010): Raumbild Afrika. Die Konstruktion des afrikanischen Kontinents in deutschen Printmedien. Diplomarbeit. Trier.</li><li>Luger, K. (1998): Das Bild der Dritten Welt in Österreichs Öffentlichkeit. In: Medien Impulse, 26/1998, S. 15-20.</li><li>Das Medienquartett (2013): Zur Mediensituation in Afrika. Wien. Abgerufen von&nbsp;<a href="http://okto.tv/dasmedienquartett/10469/20130402" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://okto.tv/dasmedienquartett/10469/20130402</a>, Zugriff am 11.04.2016.</li><li>Mükke, L. (2009): Journalisten der Finsternis. Akteure, Strukturen und Potenziale deutscher Afrika-Berichterstattung. Köln.</li><li>Neuwirth, M (1992): Fern-Sehen. Afrikabilder des ORF in den Nachrichtensendungen Zeit im Bild 1 und Zeit im Bild 2. In: Zeitschrift für Afrikastudien, 15/1992, S. 3-17.</li><li>Der Spiegel (1969): Rettung durch die Stockfisch-Bomber, 24/1969, S. 106-114.</li><li>Pointner, A. &amp; Luger, K. (1996): Die &#8222;Gesichter Afrikas&#8220;. Ein Kontinent in der Konstruktion österreichischer Printmedien. In: Medien Journal, 20 (4/1996), S. 14-19.</li><li>Sauer, W. (2012): Auswanderung und Apartheid. Österreichische Emigration nach Südafrika 1948-1994. In: Heuberger, A. (Hg.), Rot-Weiß-Rot in der Regenbogennation. Geschichte und Geschichten österreichischer Auswanderer in Südafrika. Wien-Berlin, S. 97-119.</li><li>Sauer, W. (2014): Expeditionen ins afrikanische Österreich. Ein Reisekaleidoskop. Wien.</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Kriegsfürst aus dem Herz der Finsternis: Am Samstag, 24. Jänner 2009, veröffentlichten alle drei österreichischen Qualitätsmedien dasselbe Bild des kongolesischen Warlords Laurent Nkunda.</p>
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		<item>
		<title>Hilfe für schrumpfenden Tschadsee</title>
		<link>https://afrika.info/hilfe-fuer-schrumpfenden-tschadsee/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Feb 2013 09:55:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kamerun]]></category>
		<category><![CDATA[Niger]]></category>
		<category><![CDATA[Nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[Tschad]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralafrikanische Republik]]></category>
		<category><![CDATA[Fischerei]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ngala Killian Chimtom]]></category>
		<category><![CDATA[Tschadsee]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn man sich dem Tschadsee von Gulfe, einem kleinen Ort im äußersten Norden Kameruns, aus nähert, bietet sich ein trostloses Bild: Heftige Winde fegen über Sanddünen, Pflanzen welken vor sich hin. Auf weiten Flächen mit karger Vegetation sind ab und zu ein verdorrter Baum und einige versengte Sträucher zu sehen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Ngala Killian Chimtom | 19. Februar 2013</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gulfe, Kamerun (IPS/afr). Wenn man sich dem Tschadsee von Gulfe, einem kleinen Ort im äußersten Norden Kameruns, aus nähert, bietet sich ein trostloses Bild: Heftige Winde fegen über Sanddünen, Pflanzen welken vor sich hin. Auf weiten Flächen mit karger Vegetation sind ab und zu ein verdorrter Baum und einige versengte Sträucher zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tschadsee, der an die Länder Tschad, Kamerun, Niger und Nigeria grenzt, erstreckte sich früher über eine Fläche von rund 25.000 Quadratkilometern. In den vergangenen 50 Jahren ist er jedoch um 90 Prozent geschrumpft. Seine Gesamtoberfläche beträgt nur 2.500 Quadratkilometer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Infolge des spärlichen Regens bringen Chari und Logone – die beiden größten Flüsse, die in den See münden – von Jahr zu Jahr weniger Wasser. Hirten, Fischer und Bauern, denen der nährstoffreiche Boden über Generationen die Existenz gesichert hatte, können inzwischen nur noch mit Mühe überleben. Der große See trocknet vor ihren Augen aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An den Ufern des Sees holt Mahamat Aboubakar einen winzigen Katzenfisch aus seinem großen Netz. &#8222;Früher brauchte ich das Netz nur kurz auszuwerfen, um Tausende Fische aus dem Wasser zu ziehen. Heute dauert es dagegen einen ganzen Tag, bis ich einen bescheidenen Fang mache&#8220;, erzählt er. Mit den wenigen Fischen lassen sich umgerechnet höchstens zwei US-Dollar verdienen – einen weiteren Tagesverdienst hat Aboubakar nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der See noch gesund und voller Leben war, verdiente der inzwischen 64-jährige Fischer bis zu 50 Dollar täglich. In Zukunft wird sein Fang wahrscheinlich noch kleiner ausfallen, was ihn weiter in die Armut treibt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="eine-katastrophe">&#8222;Eine Katastrophe&#8220;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sanusi Imran Abdullahi spricht von einer &#8222;Katastrophe&#8220;. &#8222;Den Anwohnern, die in der Nähe des Sees wohnen, wird bereits ein hoher Tribut abverlangt&#8220;, sagt der Exekutivdirektor der regionalen Tschadsee-Kommission (LCBC), die von den Anrainerstaaten mit dem Ziel gegründet wurde, die Nutzung des Wassers und anderer natürlicher Rohstoffe des Tschadsees zu regeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Experten führen die Krise auf mehrere Faktoren zurück. &#8222;Wüstenbildung, der Klimawandel sowie die kontinuierliche Ableitung von Wasser der Zuflüsse sind als Ursachen zu sehen&#8220;, erklärt der Umweltwissenschaftler Paul Ghogomou von der Universität von Yaounde in Kamerun.</p>



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</div><figcaption>Die Wasseroberfläche des Tschadsees ist seit den 1960er Jahren um 95 Prozent geschrumpft.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tschadsee bezieht sein Wasser laut Ghogomou zu 90 Prozent aus dem Chari-Fluss, der von seinem Nebenfluss Logone gespeist wird. Der Chari werde jedoch ständig für Bewässerungsprojekte in der Umgebung angezapft. Für die fortschreitende Austrocknung des Tschadsees macht der Experte aber auch den Bau von Staudämmen an den Flüssen Jama&#8217;are und Hadejia im Nordosten Nigerias verantwortlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abdullahi zufolge bringt aber auch der zunehmende Wasserkonsum der Bevölkerung den See an seine Belastungsgrenze. &#8222;Vor 40 Jahren lebten nur etwa 17 Millionen Menschen im Umkreis des Sees. Inzwischen sind es dagegen etwa 30 Millionen. Die steigende Wassernachfrage der Bevölkerung, die zunehmende Zahl von Nutztieren und die hohe Verdunstung aufgrund des Klimawandels haben gemeinsam dazu geführt, dass sich der See immer weiter verkleinert&#8220;, sagt er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bauern und Fischer versuchen so gut es geht mit der Situation umzugehen und sich auf die bevorstehende Krise vorzubereiten. Ahmadou Bello, ein Fischer in Gulfe, ist inzwischen Farmer geworden und baut unter anderem Bohnen, Mais, Reis und Paprika ohne Einsatz von Dünger an. Der schrumpfende See habe sehr fruchtbares Land zurückgelassen, sagt Bello. Sollte sich der Tschadsee jedoch weiter zurückziehen, gäbe es für die Landwirtschaft keine Zukunft.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="wasser-aus-dem-obangui-zur-rettung-des-sees">Wasser aus dem Obangui zur Rettung des Sees</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um nachhaltige Lösungen für die Krise umzusetzen, haben die LCBC-Staaten Kamerun, Niger, Nigeria und die Zentralafrikanische Republik einen ehrgeizigen Plan entwickelt. Sie wollen den See mit dem Wasser des Obangui, eines Nebenflusses des Kongo-Stroms, speisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben von Abdullahi beinhaltet das Projekt den Bau eines Rückhaltedamms in Palambo, das stromaufwärts hinter Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, liegt. Das Gebiet soll dann als Wassereinzugsgebiet dienen. Mit Hilfe von Pumpen soll das Wasser dann in den Fafa-Fluss strömen, einem Zufluss des Ouham, von wo es über einen Kanal in Kamerun in den Chari und später in den Tschadsee eingeleitet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Viel Wasser aus dem Kongo-Fluss endet im Meer. Wir nehmen einen Teil, um 30 Millionen Menschen zu retten, die den See zum Überleben brauchen&#8220;, erklärt Abdullahi. Das Projekt soll zudem die Stromversorgung verbessern und dafür sorgen, dass die Flüsse für den Warenverkehr vom Osten in den Westen Afrikas schiffbar sind. Außerdem ist geplant, die Bewässerung der Gebiete und die Agro-Industrie zu fördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Das Programm ist also nicht nur dazu gedacht, Wasser in den Tschadsee zu leiten&#8220;, sagt er. Die Menschen im Kongo-Becken sollen außerdem die Chance erhalten, ihre wirtschaftlichen Aktivitäten auszubauen. Allerdings drohen finanzielle Engpässe die Umsetzung des Projekts zu verzögern. Laut Abdullahi belaufen sich die Projektkosten auf stolze 14,5 Milliarden Dollar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierungschefs der Staaten in der Region zeigen zwar politischen Willen zur Unterstützung des Vorhabens. LCBC sucht aber vor allem Hilfe von der internationalen Staatengemeinschaft. &#8222;Wir werden in diesem Jahr eine internationale Geberkonferenz einberufen und sehen, was wir bekommen können. Davon ausgehend werden wir überschlagen, was die Mitgliedsstaaten beitragen können.&#8220; Abdullahi rechnet damit, dass das Projekt größtenteils vom Privatsektor finanziert wird, sofern den Geldgebern garantiert werde, dass sich ihre Investitionen später auszahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Einschätzung des kanadischen Unternehmens &#8222;CIMA International&#8220;, das im Zusammenhang mit dem Wasserleitungsprojekt Machbarkeitsstudien durchführte, könnte der Tschadsee bereits im Jahr 2025 vollständig verschwunden sein, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Der Tschadsee &#8211; hier das Ufer bei Baga in Nigeria &#8211; ist in den letzten Jahren drastisch geschrumpft. Die Austrocknung des Sees treibt Fischer in die Armut. (Bild: Mustapha Muhammad/IPS)</p>
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