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	<title>Migration Archive | afrika.info</title>
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	<description>Den Kontinent anders sehen</description>
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	<title>Migration Archive | afrika.info</title>
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		<title>Fremdenfeindlichkeit bremst Entwicklung</title>
		<link>https://afrika.info/fremdenfeindlichkeit-suedafrika/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Sep 2026 09:40:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Malawi]]></category>
		<category><![CDATA[Südafrika]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdenfeindlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fremdenfeindlichkeit in Südafrika hat Zehntausende Migrantin*innen aus anderen afrikanischen Ländern zur Rückkehr in ihre Heimat gezwungen. Die Gewalt löst nicht nur eine humanitäre Krise aus, sondern gefährdet auch Entwicklungsziele und Afrikas Vision einer stärkeren regionalen Integration.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/fremdenfeindlichkeit-suedafrika/">Fremdenfeindlichkeit bremst Entwicklung</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong><strong>Fremdenfeindlichkeit in Südafrika</strong> hat Zehntausende Migrantin*innen aus anderen afrikanischen Ländern zur Rückkehr in ihre Heimat gezwungen. Die Gewalt löst nicht nur eine humanitäre Krise aus, sondern gefährdet auch Entwicklungsziele und Afrikas Vision einer stärkeren regionalen Integration.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Charles Mpaka | 1. September 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blantyre, Malawi (IPS/afr) – Als Rahim Ali Ende Juli in sein Heimatdorf im zentralmalawischen Distrikt Dowa zurückkehrte, lagen sieben Jahre in Südafrika hinter ihm. „Es ist eine Erleichterung, und ich bin der Regierung dankbar, dass sie mich sicher nach Hause gebracht hat“, erzählt der 33-Jährige gegenüber der Nachrichtenagentur IPS. „Die Lage in Südafrika war schrecklich, und viele von uns hatten keine Möglichkeit, dieser Gewalt zu entkommen.“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ali gehörte zu Zehntausenden Malawier*innen, die in den vergangenen Monaten aus Südafrika zurückkehrten. Nach Angaben der malawischen Katastrophenschutzbehörde hatte die Regierung bis zum Abschluss ihrer Rückholaktion am 12. August 56.723 Staatsbürger*innen nach Malawi gebracht. Fast 900 Busse waren dafür über mehrere Monate im Einsatz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Malawi drängen jedes Jahr bis zu 270.000 junge Menschen auf den Arbeitsmarkt. Ihnen stehen nach<a href="https://www.worldbank.org/en/news/press-release/2026/02/24/malawi-economic-monitor-stabilizing-the-economy-to-unlock-private-investment-and-create-jobs" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> jüngsten Daten der Weltbank</a> lediglich rund 40.000 neue formelle Arbeitsplätze gegenüber, die die malawische Wirtschaft jährlich schafft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Rahim Ali keine reguläre Beschäftigung fand, verdingte er sich auf Mais- und Tabakfeldern in seiner Umgebung, rodete Land und half bei der Ernte. 2013 brachte er genug Geld zusammen, um einen Friseursalon zu eröffnen. In seinem ländlichen Heimatort lud er außerdem Mobiltelefone auf und verkaufte Ladegeräte und Batterien. Das Einkommen sei nicht hoch gewesen, erzählt er, habe aber gereicht, um ein kleines Haus zu mieten und für sich selbst zu sorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Tod seines Vaters im Jahr 2017 brach diese bescheidene Unabhängigkeit zusammen. Als Ältester der Familie musste Rahim Ali nun für seine zwei Schwestern und seinen Bruder sorgen – für Essen, Kleidung und Schulgebühren. „Mit dem Einkommen aus einem Friseursalon wurde es für uns wirklich schwierig“, erinnert er sich.</p>



<h2 id="h-zwischen-ausbeutung-und-hoffnung" class="wp-block-heading">Zwischen Ausbeutung und Hoffnung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">2019 lud ihn ein ehemaliger Schulkollege ein, ihm nach Südafrika zu folgen. Rahim Ali zögerte keine Sekunde. Gemeinsam mit seinem Freund arbeitete er auf einer Erdbeerfarm in Johannesburg, wo er damals 412 Rand pro Woche (rund 27 Euro) verdiente.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden fünf Jahren fand Rahim Ali auf verschiedenen Farmen Beschäftigung. Die Arbeit sei hart gewesen. Vorgesetzte hätten „uns einfach ausgepeitscht und uns in einer Sprache beschimpft, die wir nicht verstanden“. Pausen habe es kaum gegeben. Wer krankheitsbedingt nicht arbeiten konnte, bekam keinen Lohn. Arbeitsplatzsicherheit habe es ebenfalls nicht gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Trotzdem war der Lohn besser als das, was ich für eine ähnliche Arbeit hier in Malawi bekommen hätte“, sagt Rahim Ali. „Außerdem sind die Lebenshaltungskosten dort deutlich niedriger. Deshalb konnte ich Geld sparen und meine Geschwister unterstützen.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-migranten-malawi-c-alaister-russell-ips-1200-800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-6717" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-migranten-malawi-c-alaister-russell-ips-1200-800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-migranten-malawi-c-alaister-russell-ips-1200-800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-migranten-malawi-c-alaister-russell-ips-1200-800-639x426.jpg 639w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-migranten-malawi-c-alaister-russell-ips-1200-800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-migranten-malawi-c-alaister-russell-ips-1200-800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Malawische Migrant*innen warten am 29. Juni 2026 vor dem malawischen Konsulat in Woodmead, Johannesburg, auf die Abfahrt eines Busses im Rahmen der Rückführungsmaßnahmen. (Foto: Alaister Russell/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">2024 fand er eine neue Stelle als Hilfskraft in einem Geschäft eines indischen Eigentümers, das Solarmodule verkaufte. Im Mai 2026 drang eine Gruppe südafrikanischer Bürger*innen in den Laden ein und forderte den Besitzer auf, seine aus anderen afrikanischen Ländern stammenden Beschäftigten zu entlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rahim Ali verlor seinen Arbeitsplatz und konnte bald weder Lebensmittel noch seine Miete bezahlen. Sein Vermieter setzte ihn vor die Tür. Schließlich schloss er sich seinen Landsleuten an, die beim malawischen Konsulat kampierten, wo die Regierung ihre Rückkehr in ihr Heimatland organisierte.</p>



<h2 id="h-wiederkehrende-fremdenfeindliche-gewalt" class="wp-block-heading">Wiederkehrende fremdenfeindliche Gewalt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mobilisiert von der Bewegung „March and March“ vertrieben südafrikanische Bürger zwischen April und Juni 2026 Ausländer*innen aus ihren Wohnungen und von ihren Arbeitsplätzen. Nach eigener Darstellung richtete sich die Aktion gegen Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war nicht das erste Mal, dass Südafrika von fremdenfeindlicher Gewalt erschüttert wurde. 2008 kamen innerhalb von zwei Wochen mehr als 60 ausländische Staatsangehörige ums Leben, mindestens 100.000 Menschen wurden vertrieben. 2019 setzte eine abgespaltene Gewerkschaft südafrikanischer Lkw-Fahrer Hunderte Lastwagen in Brand, um die Entlassung ausländischer Fahrer zu erzwingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen 2022 und 2025 registrierte <a href="https://www.xenowatch.ac.za/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Xenowatch</a>, eine Plattform zur Beobachtung fremdenfeindlicher Diskriminierung in Südafrika, 406 fremdenfeindliche Vorfälle. 75 davon endeten tödlich. Allein 2025 wurden 151 Vorfälle registriert. Zwischen Januar und Mai 2026 bestätigte Xenowatch 22 Fälle, 14 davon waren gewalttätig.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-anti-migration-marsch-jabulani-soweto-c-alaister-russell-ips-1200-800-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-6716" srcset="https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-anti-migration-marsch-jabulani-soweto-c-alaister-russell-ips-1200-800-1024x683.jpg 1024w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-anti-migration-marsch-jabulani-soweto-c-alaister-russell-ips-1200-800-768x512.jpg 768w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-anti-migration-marsch-jabulani-soweto-c-alaister-russell-ips-1200-800-300x200.jpg 300w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-anti-migration-marsch-jabulani-soweto-c-alaister-russell-ips-1200-800-639x426.jpg 639w, https://afrika.info/wp-content/uploads/2026/09/suedafrika-anti-migration-marsch-jabulani-soweto-c-alaister-russell-ips-1200-800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Teilnehmer*innen einer Demonstration gegen Migrant*innen ziehen am 29. Juni 2026 durch Jabulani in Soweto. (Foto: Alaister Russell/IPS)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Als die jüngste Gewaltwelle eskalierte, erklärte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa, Opportunisten hätten die wirtschaftliche Frustration vieler Südafrikaner*innen ausgenutzt und die Proteste angeheizt. Die Gewalt entspreche nicht der Politik der südafrikanischen Regierung gegenüber ausländischen Staatsangehörigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ramaphosa erklärte allerdings auch, illegale Migration belaste den Wohnungs- und Gesundheitssektor des Landes. Seine Regierung werde dagegen „im Rahmen des Gesetzes“ vorgehen.</p>



<h2 id="h-kritik-am-umgang-der-regierung" class="wp-block-heading">Kritik am Umgang der Regierung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Loren Landau, Mitbegründer von Xenowatch, wirft der Regierung vor, nicht konsequent genug gegen die Organisator*innen fremdenfeindlicher Mobilisierungen einzuschreiten. „Zunächst sagt die Regierung, es gebe keine Fremdenfeindlichkeit, sondern Frustration, Fehlinformationen und Kriminelle – und man werde dagegen vorgehen. Gleichzeitig kündigt sie an, einige der von March and March angesprochenen Probleme aufzugreifen: stärkere Grenzkontrollen, mehr Abschiebungen und verstärkte Kontrollen am Arbeitsplatz“, meint Landau gegenüber IPS.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solange die Verantwortlichen für fremdenfeindliche Kampagnen nicht zur Verantwortung gezogen würden, so Landau, würden sie Migrant*innen weiterhin für ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen oder zur Erlangung politischer Macht instrumentalisieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Landau ergänzt, dass die Schwere der jüngsten fremdenfeindlichen Angriffe und die daraus resultierenden Rückführungen hätten Südafrikas Ruf auf dem Kontinent „stark geschädigt“ und die Prozesse der regionalen Integration in den Bereichen Arbeit, Handel und Investitionen zurückgeworfen haben.</p>



<h2 id="h-fremdenfeindlichkeit-gefahrdet-die-entwicklungsziele" class="wp-block-heading">Fremdenfeindlichkeit gefährdet die Entwicklungsziele</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kester Chuwuma Onor argumentiert in seiner Forschungsarbeit „<a href="https://www.researchgate.net/publication/398890742_Xenophobia_In_South_Africa_and_the_Realities_of_Actualizing_SDG_8" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Xenophobia In South Africa and the Realities of Actualising SDG 8</a>“ , dass Südafrika ohne Frieden und Partnerschaft mit anderen Ländern große Schwierigkeiten haben werde, die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Dies gelte insbesondere für SDG 8, das menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum zum Ziel hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen und sehen auch SDG 1 – die Beendigung von Armut – gefährdet. Justice K. Musya und Eric Blanco Niyitunga argumentieren in ihrer Studie „<a href="https://ujcontent.uj.ac.za/esploro/outputs/journalArticle/Xenophobia-as-a-barrier-to-South/9958708707691" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Xenophobia as a Barrier to South Africa’s National Development Plan and SDGs</a>“, dass fremdenfeindliche Angriffe die Geschäfte ausländischer Unternehmen beeinträchtigen und diese dazu veranlassen, das Land zu verlassen. Dies führe zu Arbeitsplatzverlusten, steigender Arbeitslosigkeit und negativen Folgen für das Wirtschaftswachstum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer <a href="https://www.afrobarometer.org/feature/african-insights-2026-beyond-borders-citizen-perspectives-on-a-shifting-global-order/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">aktuellen Umfrage</a> stellte das panafrikanische Forschungsnetzwerk Afrobarometer fest, dass 56 Prozent der Afrikanerinnen und Afrikaner die Freizügigkeit über Staatsgrenzen hinweg unterstützen, damit Menschen in anderen Ländern leben und arbeiten können. Mindestens 40 Prozent sprachen sich hingegen dafür aus, die grenzüberschreitende Mobilität einzuschränken, um Arbeitsplätze und andere Chancen zu schützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Boniface Dulani, Afrobarometer-Forscher und Politikwissenschaftler an der University of Malawi, befürchtet, dass die jüngsten massenhaften Vertreibungen in Südafrika bei vielen Menschen auf dem Kontinent den Eindruck verstärken werden, die regionalen und kontinentalen Bestrebungen nach stärkerer Integration und grenzüberschreitender Freizügigkeit existierten nur auf dem Papier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die südafrikanische Regierung die Verantwortlichen für die jüngste Gewalt nicht festgenommen und strafrechtlich verfolgt habe, führt Dulani auch auf wahltaktische Überlegungen zurück. In Südafrika finden im November 2026 Kommunalwahlen statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Angesichts der angespannten politischen Lage in einem wichtigen Wahljahr muss die Untätigkeit der Regierung auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass ein hartes Vorgehen von Teilen der Opposition politisch ausgeschlachtet werden könnte“, sagt Dulani.</p>



<h2 id="h-streit-um-die-kosten-der-ruckfuhrungen" class="wp-block-heading">Streit um die Kosten der Rückführungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das südafrikanische Innenministerium hat inzwischen von Malawi sowie von Äthiopien und Nigeria die Erstattung von fast 300 Millionen Rand – rund 19 Millionen US-Dollar – verlangt. Diese Summe habe Südafrika nach eigenen Angaben für die Rückführung von mindestens 82.000 ausländischen Staatsangehörigen aufgewendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Landau zufolge steht diese Forderung in direktem Widerspruch zu Ramaphosas Ankündigung, nach den Protesten die Beziehungen zu den Ländern der Region wieder verbessern zu wollen: „Dann diese Rechnung zu schicken, ist eine Beleidigung. Man tritt jemanden noch, wenn er bereits am Boden liegt. Aber das geschieht aus innenpolitischen Gründen, um zu zeigen, dass die Regierung die Interessen Südafrikas an die erste Stelle setzt.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Malawi wiederum schlugen Parlamentsabgeordnete auf dem Höhepunkt der Rückholaktion, die die Regierung nach eigenen Angaben fast fünf Millionen US-Dollar kostete, ein Verbot vor: Malawier*innen sollten nicht mehr ohne gültige Dokumente nach Südafrika reisen dürfen, um dort im informellen Sektor Arbeit zu suchen.</p>



<h2 id="h-neustart-in-malawi" class="wp-block-heading">Neustart in Malawi</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Rahim Ali haben die politischen Debatten unmittelbare Folgen. Als er 2019 nach Südafrika kam, besaß er einen Pass und erhielt an der Grenze ein 30-Tage-Visum. Nach dessen Ablauf geriet er in einen irregulären Aufenthaltsstatus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade das habe ihn gegenüber Arbeitgebern besonders verletzlich gemacht, erklärt er. Wer ohne gültige Aufenthaltserlaubnis arbeite, könne sich gegen Verstöße gegen Arbeitsrechte kaum wehren, ohne zugleich eine Festnahme oder Abschiebung zu riskieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Südafrika will er nicht zurückkehren. Während seiner Jahre dort hatte Rahmin Ali in Malawi ein Grundstück gekauft, auf dem er später ein Haus bauen wollte. Nun möchte er es verkaufen und mit dem Erlös ein kleines Unternehmen gründen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hoffe, dass es funktioniert“, sagt er. „Ich habe genug von dieser Gewalt gesehen.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Einige der mehr als 56.000 Menschen, die von der malawischen Regierung aus Südafrika zurückgeholt wurden, erhalten nach ihrer Ankunft Unterstützung. (Foto: Thomas Kachere/IPS)</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>35 Visa für eine Reise durch Afrika</title>
		<link>https://afrika.info/35-visa-fuer-eine-reise-durch-afrika/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Mar 2025 12:13:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[Ruanda]]></category>
		<category><![CDATA[AfCFTA]]></category>
		<category><![CDATA[Busani Bafana]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aliko Dangote ist der reichste Mensch Afrikas. Forbes taxiert das Vermögen des nigerianischen Unternehmers aktuell auf 23,4 Milliarden US-Dollar. Im Jänner machte Dangote auf dem Africa CEO Forum in Kigal, Ruanda, seinem Ärger über die fehlende Reisefreiheit in Afrika Luft.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Busani Bafana | 10. März 2025</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bulawayo (IPS/afr). Aliko Dangote ist der reichste Mensch Afrikas. <a href="https://www.forbes.com/profile/aliko-dangote/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Forbes</a> taxiert das Vermögen des nigerianischen Unternehmers aktuell auf 23,4 Milliarden US-Dollar. Im Jänner machte Dangote auf dem Africa CEO Forum in Kigal, Ruanda, seinem Ärger über die fehlende Reisefreiheit in Afrika Luft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">“Als jemand, der Afrika groß machen will, muss ich 35 verschiedene Visa beantragen”, klagte Dangote. Er sprach damit vielen Wirtschaftstreibenden aus der Seele, die mit den restriktiven Reisebedingungen afrikanischer Länder zu kämpfen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kürzlich veröffentlichte „<a href="https://www.visaopenness.org/">Africa Visa Openness Index 2024</a>“ zeigt, wie schwer es Afrikaner*innen gemacht wird, innerhalb ihres eigenen Kontinents zu reisen. Nur vier Staaten – Benin, Gambia, Ruanda und die Seychellen – gewährten im Jahr 2024 visafreie Einreisen. Seit Anfang 2025 verlangt auch Ghana für Reisende aus anderen afrikanischen Ländern kein Visum mehr.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gefahr für Afrikanische Freihandelszone</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die restriktive Visapolitik der meisten afrikanischen Länder belastet die Wirtschaftsbeziehungen auf dem Kontinent. Der innerafrikanische Handel machte im Jahr 2023 lediglich <a href="https://media.afreximbank.com/afrexim/African-Trade-Report_2024.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">14,9 Prozent </a>des gesamten Handelsvolumens aus.  Zum Vergleich: In der EU wurden im selben Jahr <a href="https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Intra-EU_trade_in_goods_-_main_features" target="_blank" rel="noreferrer noopener">61,4 Prozent </a> der Waren innerhalb der Gemeinschaft gehandelt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bedenken hinsichtlich illegaler Migration, Terrorismus und wirtschaftlicher Destabilisierung sind die Hauptgründe, warum sich viele afrikanische Staaten weiterhin abschotten. Es gebe aber Belege dafür, dass diese Befürchtungen übertrieben sind, betont Francis Ikome von der Wirtschaftskommission für Afrika (UNECA). Ikome warnt, dass ohne Personenfreizügigkeit die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone (AfCFTA) zum Scheitern verurteilt sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die AfCFTA soll die 1,4 Milliarden Menschen des Kontinents in einem gemeinsamen Wirtschaftsraum vereinen. Nur vier Länder haben allerdings bislang das von der Afrikanischen Union (AU) im Jahr 2018 verabschiedete Protokoll zur Personenfreizügigkeit ratifiziert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Migrationsforscher Alan Hirsch, emeritierter Professor an der Nelson Mandela School of Public Governance der Universität von Kapstadt, weist auf das gegenseitige Misstrauen afrikanischer Staaten hin: &#8222;Die Zurückhaltung mancher Länder hängt mit ihrer Besorgnis über die Qualität der Dokumente und der Systeme in einigen Ländern zusammen. Außerdem haben sie Sicherheitsbedenken angesichts der Existenz terroristischer Organisationen in einigen Teilen Afrikas. Darüber hinaus befürchten sie, dass es sich bei den Reisenden um Wirtschaftsflüchtlinge handeln könnte, die das Land nicht mehr verlassen wollen.”</p>



<h2 class="wp-block-heading">Europäer*innen sind bevorzugt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sabelo Mbokazi, Leiter der Abteilung für Beschäftigung, Arbeit und Migration bei der AU-Kommission, verweist auf das Paradoxon, dass sich Europäer*innen auf dem Kontinent einfacher fortbewegen können als Afrikaner*innen. Joy Kategekwa, Direktorin des Regional Integration Coordination Office bei der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB), ergänzt: “Wir sprechen leidenschaftlich gerne über Panafrikanismus, schließen aber die Bevölkerung Afrika mit Hilfe von Visas aus.”</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2016 gibt es zwar einen panafrikanischen Pass, der grenzenloses Reisen in Afrika ermöglicht. Allerdings wurde dieser Pass bislang nur an afrikanische Staatsoberhäupter, Außenminister*innen und bei der AU akkkreditierte Diplomat*innen ausgegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Migrationsforscher Alan Hirsch glaubt, dass es für einen panafrikanischen Pass ohnehin zu früh ist. Er verweist aber darauf, dass Regionalpässe &#8211; wie z. B. jene der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) und der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) &#8211; bereits heute ein großer Erfolg sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Eine LKW-Schlange in Livingstone, Sambia, am Grenzübergang zu Simbabwe (Foto: Rainer Lesniewski / Shutterstock.com)</p>
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		<title>Benin: Kein Job nach dem Studium</title>
		<link>https://afrika.info/benin-kein-job-nach-dem-studium/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Nov 2024 07:40:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Benin]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Megan Fahrney]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schweren Herzens verabschiedete sich Louis mit elf Jahren von seinem Elternhaus und zog zu seinem Onkel nach Parakou. In der drittgrößten Stadt des Landes bekam Louis eine bessere Schulbildung. Doch bei der Arbeitssuche hat ihm das nicht genützt.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Megan Fahrney I 14. November 2024</p>



<p class="wp-block-paragraph">Cotonou (IPS/afr). Schweren Herzens verabschiedete sich Louis mit elf Jahren von seinem Elternhaus. Er verließ sein kleines Dorf im Norden Benins, um zu seinem Onkel nach Parakou zu ziehen. In der drittgrößten Stadt des Landes bekam Louis eine bessere Schulbildung. Doch bei der Arbeitssuche hat ihm das nicht genützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Louis ist heute 23 Jahre alt, hat einen Bachelor-Abschluss in Mathematik der staatlichen Université d’Abomey-Calavi (UAC) in der Tasche und spricht nahezu perfektes Englisch. Dennoch findet er keine Anstellung. Was also tun? “Hustle”, antwortet Louis und spielt damit auf die in den letzten Jahren populär gewordene “Hustle Culture” an. Darunter wird ein leistungsorientierter Lebensstil verstanden, der auf ständige Produktivität und unermüdliches Streben nach Erfolg ausgerichtet ist.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Schattenseite dieser Arbeitsmentalität stehen Gesundheitsrisiken wie Burn Out und Gefahren der sozialen Vereinsamung, da das Privatleben häufig vernachlässigt wird. Kritisiert wird auch, dass die Hustle Culture Geldverdienen ohne moralen Kompass propagiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vollen Einsatz will auch Louis an den Tag legen &#8211; für sein eigenes Unternehmen. Derzeit arbeitet er an der Gründung seiner Firma, die Programmierdienste anbieten wird. Gemeinsam mit seinem Team möchte Louis etwa Apps entwickeln, Websites erstellen und technische Probleme von Kunden lösen.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es wird nicht leicht für mich, ein Startup zu gründen”, sagt Louis, “aber ich muss mir sagen, dass ich es schaffen kann. Ich werde alles tun, um es zu ermöglichen.”</p>



<h2 class="wp-block-heading">Niedrige Abschlussquote</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Louis ist längst ein Einzelfall. In Benin haben Hochschulabsolvent*innen große Schwierigkeiten, eine feste Anstellung zu finden. Gebildete junge Menschen nehmen stattdessen Gelegenheitsjobs an, gründen eigene Unternehmen oder bleiben von ihren Eltern abhängig.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut <a href="https://www.iicba.unesco.org/en/benin">UNESCO</a> beginnen in Benin 15 Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen eine tertiäre Ausbildung. Allerdings sind die Abschlussquoten gering: Im Studienjahr 2022/23 haben sich an der Université d’Abomey-Calavi (UAC) nahe der Haupstadt Cotonou 58.456 Studierende eingeschrieben, aber nur 6.614 Student*innen machten in diesem Studienjahr ihren Abschluss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Christophe Aïnagnon studiert derzeit Englisch an der UAC. Er hat von einem naturwissenschaftlichen Studium umgesattelt, weil er nach zwei Jahren erkannt hatte, dass er auf dem Arbeitsmarkt chancenlos sein würde. Christophe erzählt, dass viele seiner Freunde ihr Studium ganz abgebrochen haben. Sie hatten erkannt, dass es sich nicht lohnen wird. Andere Freunde von ihm wiederum hätten ihr Studium zwar abgeschlossen, würden aber keine Arbeit finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Louis hat auch Christophe sein eigenes Unternehmen gegründet, allerdings in einem völlig anderen Bereich: Er züchtet Kaninchen, um Geld zu verdienen. „Es ist die Art von Geschäft, durch das ich werden kann, wer ich sein möchte, und mein Leben in vollen Zügen genießen kann“, erzählt Christophe Aïnagnon.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hohe Auswanderungsbereitschaft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im September hat die <a href="https://ichikowitzfoundation.com/storage/reports/September2024/GSLcmLTnruHzhTrIuDOV.pdf">Ichikowitz Family Foundation</a> eine Studie veröffentlicht, die ergab, dass knapp 60 Prozent der jungen Afrikaner*innen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren in den nächsten drei Jahren auswandern wollen. Der Bericht befragte 5.604 Personen und wurde in 16 verschiedenen Ländern durchgeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Traum von Louis ist es, in die USA auszuwandern. “Als Kind wollte ich am MIT studieren”, sagt er. Louis hat bereits mehrmals an der GreenCard-Lotterie teilgenommen, bislang allerdings ohne Erfolg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch nicht alle Studierende wollen ins Ausland. Die Englischstudentin Mirabelle Awegnone etwa möchte in ihrer Heimat bleiben und Lehrerin werden. Auch sie denkt an die Selbständigkeit &#8211; für den Fall, dass es mit dem Lehrberuf nicht klappt. „Manchmal macht es mir Angst“, erzählt sie. „Ich frage mich selbst, wie ich in Zukunft einen Job bekommen kann. Ich bin ein schüchterner Mensch, daher ist es schwer für mich.“ (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Markt in Cotonou, Benin (Foto: Shutterstock.com, Omri Eliyahu)</p>
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		<title>Sterbender Tschadsee verschärft Krise</title>
		<link>https://afrika.info/sterbender-tschadsee-verschaerft-krise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Feb 2020 13:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[DR Kongo]]></category>
		<category><![CDATA[Kamerun]]></category>
		<category><![CDATA[Nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[Tschad]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralafrikanische Republik]]></category>
		<category><![CDATA[Flucht]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Leon Usigbe]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Tschadsee war einst das größte Süßwasserreservoir Afrikas und Lebensgrundlage für 30 Millionen Menschen. Seit den 1960er-Jahren ist seine Fläche als Folge von Übernutzung und Klimaerwärmung um 90 Prozent geschrumpft.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von&nbsp;Leon Usigbe, Africa Renewal*&nbsp;| 13. Februar 2020</p>



<p class="wp-block-paragraph">Abuja (AR/afr). Die 20-jährige Phoebe Musa erinnert sich gut an jenen Tag vor fünf Jahren, als Boko-Haram-Milizen ihr Dorf im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias stürmten. Sie kamen mit Pferden, Motorrädern und Militärfahrzeugen, schossen auf die Menschen und zündeten Dutzende von Gehöften an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mitglieder der islamistischen Terrorgruppe entführten Phoebe Musa aus ihrem Haus, verbanden ihre Augen und zogen sie tief in den nahe gelegenen Sambisa-Wald. Dort blieb sie, bis sie Anfang des Jahres von nigerianischen Truppen gerettet wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Ich wurde mit drei Terroristen gewaltsam verheiratet und brachte drei Kinder zur Welt&#8220;, erzählte Musa im Interview mit &#8222;Africa Renewal&#8220;. Das Gespräch fand in Durumi, einem Lager für Binnenvertriebene in der Hauptstadt Abuja statt. Ihr jüngstes Kind trug Musa beim Interview auf dem Rücken. Ihre beiden älteren Kinder waren im Busch verhungert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte von Phoebe Musa ist ein Beispiel für die erschütternde humanitäre Lage im Tschadsee-Becken. Nach Angaben des Flüchtlingshochkommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) sind dort fast elf Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Dem UNHCR zufolge fehlt es Tausenden von Binnenvertriebenen am Notwendigsten: Angemessene Unterkünfte, Lebensmittel, Wasser und sanitäre Einrichtungen sind kaum vorhanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Aufgrund der weit verbreiteten Gewalt sind 10,7 Millionen Menschen in der gesamten Region des Tschadsees auf Soforthilfe angewiesen&#8220;, sagt die stellvertretende UN-Generalsekretärin Amina Mohammed. &#8222;Derzeit gelten 2,3 Millionen Menschen in der Region als Vertriebene. Über fünf Millionen Menschen haben Probleme, Zugang zu Nahrungsmitteln zu bekommen, um zu überleben. Eine halbe Million Kinder leiden unter schwerer akuter Unterernährung.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="wasserflache-um-90-prozent-geschrumpft">Wasserfläche um 90 Prozent geschrumpft</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Tschadsee war einst das größte Süßwasserreservoir Afrikas und Lebensgrundlage für 30 Millionen Menschen. Seit den 1960er-Jahren ist seine Fläche als Folge von Übernutzung und Klimaerwärmung um 90 Prozent geschrumpft.</p>





<p class="wp-block-paragraph">Der im Norden Zentralafrikas gelegene Binnensee grenzt an die vier Länder Tschad, Nigeria, Niger und Kamerun. Das Tschadsee-Becken, das fast acht Prozent des Kontinents umfasst, erstreckt sich jedoch über sieben Länder: Algerien, Libyen, Niger, Nigeria, Kamerun, Tschad und die Zentralafrikanische Republik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Kampf ums Überleben verschärften sich Konflikte zwischen Viehzüchtern und Bauern. Familien, die am See vor allem von Landwirtschaft, Fischerei und Viehzucht gelebt hatten, zogen auf der Suche nach Wasser in andere Gebiete.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="tschadsee-soll-wieder-aufgefullt-werden">Tschadsee soll wieder aufgefüllt werden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die betroffenen Länder führen den Kampf gegen das Elend auf drei Ebenen:</p>



<ol class="wp-block-list"><li>Eine multinationale Task Force, die sich aus Truppen aus Nigeria, Niger, Kamerun, dem Tschad und Benin zusammensetzt, führt Militärschläge gegen die Terroristen durch.</li><li>Die Regierungen setzen Maßnahmen, um den gewaltsamen Konflikt zwischen Hirten und Bauern um Wasser und Weideland zu beenden.</li><li>Ein ehrgeiziger und milliardenschwerer Plan will den Tschadsee wieder befüllen. Dazu soll Wasser aus dem Ubangi-Fluss, der in einer Entfernung von 2.400 Kilometern in der Demokratischen Republik Kongo fließt, umgeleitet werden. Die Initiative wird vom nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari angeführt und von den Mitgliedstaaten der&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tschadseebecken-Kommission" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tschadseebecken-Kommission</a>&nbsp;unterstützt.</li></ol>



<h2 class="wp-block-heading" id="milliarden-hilfe-fur-die-region">Milliarden-Hilfe für die Region</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vereinten Nationen helfen laut Amina Mohammed in der Region vor allem mit humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit. Außerdem werden Maßnahmen zur Einhaltung der Menschenrechte, zur Stärkung von Justiz und Strafverfolgung sowie zur Prävention und Bekämpfung des Terrorismus gesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu braucht es viel Geld. In den letzten drei Jahren haben die Vereinten Nationen zwei internationale Geberkonferenzen veranstaltet. Im Februar 2017 wurden in Oslo 672 Millionen US-Dollar an Nothilfe zugesagt. Im September 2018 wurden in Berlin weitere 2,17 Milliarden US-Dollar beschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nationale Kommission für Flüchtlinge, Migranten und Binnenvertriebene in Nigeria ist der Ansicht, dass Vertriebene nur zwei dauerhafte Optionen haben: Entweder kehren sie nach Hause zurück, oder sie lassen sich woanders nieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im zuletzt genannten Fall müssen die Regierungen dafür Sorge tragen, dass sich die Vertriebenen in der Gesellschaft integrieren können. Daniel Soetan, nationaler Koordinator der &#8222;Goodwill Ambassadors of Nigeria&#8220;, verteilt mit seiner NGO Hilfsgüter an Binnenvertriebene. Im Gespräch mit “Africa Renewal” fordert er, dass diese Menschen &#8222;bei der Gründung eines Geschäfts oder einer Landwirtschaft unterstützt werden, damit sie für ihre Familien sorgen können.&#8220; (Ende)</p>



<pre class="wp-block-verse">*Der Autor arbeitet für unser Partnermagazin <a href="https://www.un.org/africarenewal/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Africa Renewal</a> der Vereinten Nationen. Der englischsprachige Originalbeitrag ist in der Ausgabe <a href="https://www.un.org/africarenewal/magazine/issue/december-2019-march-2020" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dezember 2019-März 2020</a> erschienen.</pre>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Am Ufer des Tschadsees im Bundesstaat Borno im Norden von Nigeria (Foto:&nbsp;<a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Some_small_part_of_Lake_Chad_borno_state.jpg">Sani Ahmad Usman</a>,&nbsp;<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CC BY-SA 4.0</a>)</p>
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		<title>Kamerun: Buhlen um Auswanderer</title>
		<link>https://afrika.info/kamerun-buhlen-um-auswanderer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Sep 2017 12:39:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kamerun]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Ngala Killian Chimtom]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>"Sie sind zuhause herzlich willkommen", sagte Kameruns Premierminister Philemon Yang anläßlich der Eröffnung der Tagung 'Cameroon and its Diaspora: Working Together for the Nation’s Development' Ende Juni. Die Veranstaltung soll Kameruner im Ausland dazu motivieren, in ihrem Heimatland zu investieren.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Ngala Killian Chimtom | 28. September 2017</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yaoundé (IDN/afr). &#8222;Sie sind zuhause herzlich willkommen&#8220;, sagte Kameruns Premierminister Philemon Yang anläßlich der Eröffnung der Tagung &#8218;Cameroon and its Diaspora: Working Together for the Nation’s Development&#8216; Ende Juni. Die Veranstaltung soll Kameruner im Ausland dazu motivieren, in ihrem Heimatland zu investieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit ihrer&nbsp;<a href="http://www.platform2035.com/index.php/cameroon-2035/cameroon-vision-2035" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vision 2035</a>&nbsp;verfolgt die kamerunische Regierung einen ergeizigen Plan: Bis zum Jahr 2035 soll der zentralafrikanische Staat zur Gruppe der Schwellenländer zählen. Damit dieses Ziel erreicht wird, will die Regierung das Wirtschaftswachstum beschleunigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings ist der Konjunkturmotor in den letzten Jahren ins Stottern geraten. Laut Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) verzeichnete Kamerun in den Jahren zwischen 2013 und 2015 ein Wirtschaftswachstum zwischen 5,5 und 5,9 Prozent. Der Kampf gegen die Terror-Gruppierung Boko Haram und die fallenden Ölpreise haben aber das Wachstum gebremst &#8211; für heuer rechnet der IWF nur noch mit einer Wachstumsrate von 3,7 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung wendet sich daher an die Diaspora, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Premierminister Yang forderte im Ausland lebende Kameruner auf, mit ihren &#8222;Innovationen, Ideen und Ressourcen zum Aufbau eines besseren Kamerun&#8220; beizutragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="vorschlage-aus-der-diaspora">Vorschläge aus der Diaspora</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen der Diaspora-Tagung, die von 26. bis 30. Juni 2017 in der Hauptstadt Yaoundé stattfand, wurden 300 Vorschläge aus unterschiedlichen Sektoren wie Finanzwesen, Landwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion, Wasser, Energie und Bergbau diskutiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Ich habe an der Tagung teilgenommen, um mein Projekt einer Diaspora-Bank vorzustellen&#8220;, erzählt Sama Mbang, Geschäftsführer der Plattform&nbsp;<a href="http://www.coalition-digitale.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Coalition Digitale</a>. Pro Jahr überweisen Afrikaner im Ausland etwa&nbsp;<a href="https://siteresources.worldbank.org/INTPROSPECTS/Resources/334934-1199807908806/4549025-1450455807487/Factbookpart1.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">70 Milliarden US-Dollar</a>&nbsp;in ihre afrikanischen Heimatländer. Mbang ist davon überzeugt, dass das Kapital mehr Wirkung entfalten würde, wenn es durch eine Bank transferiert werden würde. Auf diesem Weg könnte ein Investmentfonds für Entwicklung gebildet werde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Mbang hätte ein solcher Investmentfonds den entscheidenden Vorteil, dass damit die lokale Wirtschaft gestützt werden könnte. Außerdem glaubt er, dass viele Menschen dauerhaft in ihre Heimatländer zurückkehren würden, wenn sie bei der Finanzierung ihrer wirtschaftlichen Vorhaben nicht auf Zusagen internationaler Banken angewiesen wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Elektrotechniker Ernest Simo, der derzeit für die Raumfahrtbehörde NASA arbeitet, stellte Ideen für digitale Technologien vor, welche die Wirtschaftsdynamik in Kamerun verändern könnten. &#8222;Unsere Importprodukte wie Autos, Elektrogeräte und Smartphones sind alle von Menschen hergestellt&#8220;, sagt er, &#8222;aber unsere Exportprodukte wie Kakao, Kaffee, Baumwolle oder Holz sind gottgegeben. Wir sollten digitale Technologien nutzen, um uns von Konsumenten zu Produzenten zu verwandeln.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="viele-hurden-fur-unternehmer">Viele Hürden für Unternehmer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gegenwärtig herrscht in Kamerun aber ein eher ungünstiges Investitionsklima. Viele Kameruner aus der Diaspora sind mit ihren Plänen gescheitert. Der IT-Spezialist Killian Mayu, der nun in Nigeria arbeitet, berichtet von wenig ermutigenden Erfahrungen bei der Unternehmensgründung in Kamerun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Es dauerte mehr als drei Monate und kostete etwa 2.000 US-Dollar, um ein IT-Dienstleistungsunternehmen zu gründen&#8220;, erzählt Mayu. &#8222;Wir hatten einen großen Kunden, der eine maßgeschneiderte Software benötigte. Acht Monate haben wir daran gearbeitet. Am Ende sagte uns der Kunde, dass wir die Auftragssumme nicht verdient hätten, weil wir zu jung seien.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mayu versuchte vor Gericht, das Geld einzuklagen. Bis heute sei es aber zu keinem Urteilsspruch gekommen. &#8222;Die einzige Möglichkeit für mich war, meine Taschen zu packen und etwas Neues zu starten&#8220;, so Mayu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das&nbsp;<a href="http://www.doingbusiness.org/data/exploreeconomies/cameroon" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ease-of-Doing-Business-Ranking</a>&nbsp;der Weltbank bestätigt Mayus Erfahrungen. Kamerun belegt dort derzeit nur Rang 166 von insgesamt 190 Staaten. Bemängelt werden in dem Index vor allem die bürokratischen Hindernisse bei der Unternehmensgründung und die hohen Steuersätze.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ruckkehrer-im-rampenlicht">Rückkehrer im Rampenlicht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Miranda Oben, Initiatorin des Projekts&nbsp;<a href="https://www.thereturnees54.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Returnees</a>, ist Auswandern keine Option. Ihr Projekt will Afrikaner in aller Welt ermutigen, in ihre Heimatländer zurückzukehren, sich dort niederzulassen oder zumindest dort zu investieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Unser Schwerpunkt ist, die Rückkehrer ins Rampenlicht zu rücken&#8220;, erklärt Oben. Vielen Afrikanern in der Diaspora würde es die Augen öffnen, wenn sie sehen, dass andere ihre Koffer packen und nach Hause zurückkehren. &#8222;Wenn wir diese Kameruner ins richtige Licht stellen, denken sich die anderen: Wow! Du bist nach Hause gegangen! Gibt es Herausforderungen? Natürlich gibt es diese. Ja, es gibt Stromausfälle! Ja, die Straßen sind schlecht! Ja, das Wetter ist heiß! Ja, es gibt Moskitos! Aber weißt du was? Zu Hause ist zu Hause. Ich liebe es, hier zu sein und jede Wolke ist ein Silberstreifen am Horizont.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einigkeit bestand bei allen Tagungsteilnehmern darüber, dass eine breite Palette von Maßnahmen ergriffen werden muss, um die Diaspora für ein Engagement in Kamerun zu interessieren. So plädierten die Teilnehmer etwa für die Schaffung eines eigenen Staatssekretariats für Diaspora-Angelegenheiten und eine verbesserte Vernetzung von Kamerunern in Ausland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Das sind alles gute Empfehlungen&#8220;, meint Miranda Oben, &#8222;aber sie brauchen einen raschen politischen Entschluss, diese auch umzusetzen.&#8220; (IDN/afr)</p>



<pre class="wp-block-verse"><a href="http://www.indepthnews.net/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">IDN</a>&nbsp;ist die Flaggschiff-Agentur des&nbsp;<a href="http://www.international-press-syndicate.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">International Press Syndicate</a></pre>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Das Projekt &#8222;The Returnees&#8220; rückt Erfolgsgeschichten von Rückkehrern ins Rampenlicht. (Foto: Ngala Killian Chimtom/IDN)</p>
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		<title>Bauern stoppen die Wüste</title>
		<link>https://afrika.info/bauern-stoppen-die-wueste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jun 2017 14:13:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Burkina Faso]]></category>
		<category><![CDATA[Simbabwe]]></category>
		<category><![CDATA[Busani Bafana]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Wüstenbildung hat ein enormes Ausmaß erreicht und gefährdet die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen. Afrikanische Bauern wie Margaret Gauti Mpofu aus Simbabwe oder Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso haben der Desertifikation den Kampf angesagt.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Busani Bafana | 22. Juni 2017</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bulawayo (IPS/afr). Die Wüstenbildung hat ein enormes Ausmaß erreicht und gefährdet die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen. Afrikanische Bauern wie Margaret Gauti Mpofu aus Simbabwe oder Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso haben der Desertifikation den Kampf angesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeden Morgen marschiert die Bäuerin Margaret Gauti Mpofu (54) zu ihrem 5.000 Quadratmeter großen Grundstück in Hyde Park, etwa 20 Kilometer westlich der Stadt Bulawayo. Aus einem 20-Liter-Plastikeimer streut Mpofu gekonnt Kuhmist unter das Blattgemüse und die Zwiebeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Bewässerung verwendet Margaret Mpofu behandeltes Abwasser, geht dabei aber äußerst behutsam vor: &#8222;Bei jeder Bewässerung verliert die Erde an Fruchtbarkeit, weil der wertvolle Oberboden weggeschwemmt wird&#8220;, erklärt sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mpofus Art, ihr Feld zu bestellen, ist nur ein winziger Beitrag im Kampf gegen das globale Problem der Wüstenbildung. Der Prozess bezeichnet die Verödung von Land in wasserarmen, halbtrockenen und trockenen Gebieten. Bei der Ausbreitung der Desertifikation spielen landwirtschaftliche Praktiken &#8211; wie etwa Brandrodung, falsche Bewässerung oder Überweidung &#8211; und der Klimawandel eine große Rolle.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="desertifikation-befeuert-migration">Desertifikation befeuert Migration</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die rapide Wüstenbildung hat enorme Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit des Planeten. Weltweit leben mehr als 2,6 Milliarden Menschen von der Landwirtschaft. Laut dem&nbsp;<a href="http://www2.unccd.int/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung</a>&nbsp;(UNCCD) ist bereits die Hälfte aller Agrarflächen rund um den Erdball von Verödung betroffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und es soll noch viel schlimmer kommen: Nach UNCCD-Angaben verliert die Erde jedes Jahr zwölf Millionen Hektar an Ackerland, das sind 23 Hektar pro Minute. 1,5 Milliarden Menschen in über 100 Ländern sind von der voranschreitenden Desertifikation betroffen. Die ökonomischen Kosten der Misere belaufen sich auf 490 Milliarden US-Dollar pro Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Entzug von Lebensräumen durch Landverödung gilt auch als wesentlicher Faktor für die wachsende Migration. Der diesjährige &#8218;Welttag für die Bekämpfung der Wüstenbildung und der Dürre&#8216; am 17. Juni stand daher ganz im Zeichen dieser Problematik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weltweit ist die Zahl von Migranten von 222 Millionen im Jahr 2010 auf 244 Millionen im Jahr 2015 gestiegen, zeigt eine&nbsp;<a href="http://www.un.org/sustainabledevelopment/blog/2016/01/244-million-international-migrants-living-abroad-worldwide-new-un-statistics-reveal/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Statistik</a>&nbsp;der Vereinten Nationen. Laut UNCCD ist der Anstieg eine Folge von Umweltzerstörung, fehlender Ernährungssicherheit, politischer Instabilität und Armut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Migration ist ein Anzeichen für das wachsende Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das aufgrund von fehlenden Wahlmöglichkeiten oder den Verlust des Lebensunterhalts entsteht,&#8220; sagt UNCCD-Exekutivsekretärin&nbsp;<a href="http://www2.unccd.int/about-us/executive-secretary" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monique Barbut</a>. Sie plädiert daher für deutlich mehr Investitionen in den Agrarsektor, um auch das hohe Beschäftigungspotenzial der Landwirtschaft zu entfesseln.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="yacouba-sawadogo-und-sein-grunes-wunder">Yacouba Sawadogo und sein grünes Wunder</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat im Jahr 1994 beschlossen, jährlich am 17. Juni den &#8218;Welttag für die Bekämpfung der Wüstenbildung und der Dürre&#8216; zu begehen. Das globale Symposium zum Welttag fand heuer in Burkina Faso statt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem westafrikanischen Land hat der Landwirt Yacouba Sawadogo eindrucksvoll demonstriert, wie auf totem Land neues Leben entstehen kann. Der Mitsiebziger aus dem Dorf Gourga im Norden von Burkina Faso hat in den letzten 30 Jahren ein blühendes Paradies erschaffen. Auf der 15 Hektar großen Fläche, die Mitte der 1980-er Jahre als völlig unfruchtbar galt, wachsen heute 60 verschiedene Bäume und Sträuche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sawadogo gilt spätestens seit der Dokumentation &#8218;The Man Who Stopped the Desert&#8216; des britischen Filmemachers Mark Dodd als Legende. Die Grundlage für Sawadogos Erfolgrezept bildet die traditionelle Anbautechnik Zaï. Dabei werden Löcher in den harten Boden gegraben, in denen sich während der Regenzeit Wasser sammelt und der Aussaat Feuchtigkeit spendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Yacouba Sawadogo hat das Zaï-System entscheidend verbessert. Er gräbt größere Löcher und füllt sie mit Kompost auf, um die Feuchtigkeit besser speichern zu können. Die Qualität des Komposts wird durch den Einsatz von Termiten erhöht. Niedrige Steinreihen regulieren den Wasserfluss während der Regenzeit, damit das Oberflächenwasser besser aufgenommen werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben von&nbsp;<a href="https://monde-diplomatique.de/artikel/!396922" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Le Monde Diplomatique</a>&nbsp;wird die von Sawagodo entwickelte Technik in der Zwischenzeit von Hunderttausenden Bauern in der Sahelzone angwendet. In Burkina Faso und den Nachbarstaaten Niger und Mali wurden dadurch Millionen Hektar Ödland in fruchtbare Gebiete verwandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Dokumentation &#8218;The Man Who Stopped the Desert&#8216; streut der Geograf Chris Reij von der Freien Universität in Amsterdam Sawadogo Rosen: &#8222;Yacoubas Alleingang hat einen größeren Effekt für den Boden- und Wasserschutz im Sahel erzielt als alle nationalen und internationalen Forschungsprogramme zusammen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur das: Yacouba Sawadogo hat mit seinem Ansatz für Ernährungssicherheit gesorgt und damit auch ein Rezept gegen die Migration gefunden. Während der Hungersnot im Sahel in den 1970-er und 1980-er Jahren wanderte ein Viertel der Dorfbevölkerung im nördlichen Burkina Faso in die Städte ab. Laut Chris Reij hat seit Einführung des verbesserten Zaï-Systems im Jahr 1985 keine Familie mehr die Region verlassen. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Margaret Gauti Mpofu düngt die Pflanzen auf ihrer Farm in Hyde Park bei Bulawayo mit Kuhmist. (Foto: Busani Bafana/IPS)</p>
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		<title>Mauritius: &#8222;Sie leben wie die Tiere&#8220;</title>
		<link>https://afrika.info/mauritius-sie-leben-wie-die-tiere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Sep 2016 16:24:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mauritius]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Mauritius verschärfen sich die Spannungen durch Arbeitskräfte aus dem Ausland. Arbeitsmigranten aus Bangladesch, China, Indien und Madagaskar versuchen ihr Glück vor allem in der verarbeitenden Industrie des Inselstaates. Zunehmend werden sie aber auch als Maurer, Bäcker, Hauswirtschaftshilfen oder Gärtner beschäftigt.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Von Nasseem Ackbarally | 14. September 2016</p>



<p class="wp-block-paragraph">Port Louis (IPS/afr). In Mauritius verschärfen sich die Spannungen durch Arbeitskräfte aus dem Ausland. Arbeitsmigranten aus Bangladesch, China, Indien und Madagaskar versuchen ihr Glück vor allem in der verarbeitenden Industrie des Inselstaates. Zunehmend werden sie aber auch als Maurer, Bäcker, Hauswirtschaftshilfen oder Gärtner beschäftigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrem&nbsp;<a href="http://www.doingbusiness.org/reports" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Doing Business Report</a>&nbsp;bewertet die Weltbank die Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Aktivitäten in allen Staaten der Welt. Im Bericht für das Jahr 2016 belegt Mauritius zum achten Mal in Folge den ersten Platz in Afrika. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist eines der höchsten aller Volkswirtschaften des Kontinents.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der wirtschaftliche Erfolg des Inselstaates im Indischen Ozean hat auch eine Kehrseite. Unternehmen werben zunehmend ausländische Arbeitskräfte an, weil Mauritier immer weniger bereit sind, die schwierigen Bedingungen in der produzierenden Industrie zu akzeptieren. Oft hausen die Arbeitsmigranten in menschenunwürdigen Verhältnissen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="enttauschte-hoffnungen">Enttäuschte Hoffnungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Maqbool (Name von der Redaktion geändert) ist einer dieser Arbeitsmigranten. Der 36-jährige stammt aus Bangladesh und hat vor zwei Jahren seine Frau und die beiden gemeinsamen Kinder in Dhaka zurückgelassen. Über einen Agenten hat er eine Stelle in der verarbeitenden Industrie von Mauritius angeboten bekommen. Lange Zeit hatte er gehofft, seiner Familie nach seiner Rückkehr ein sorgenfreies Leben bieten zu können. Doch es kam anders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Ich habe 150.000 Taka (ca. 2.000 US-Dollar, Anm.) an einen Agenten bezahlt, um diesen Job zu bekommen&#8220;, erzählt Maqbool. &#8222;Es wurde vereinbart, dass ich 675 Dollar im Monat als Lohn erhalten sollte – das ist in unserem Land eine riesige Summe. Ich war zu jedem Opfer bereit, um so ein Einkommen zu bekommen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maqbools Enttäuschung war natürlich groß, als er erfuhr, dass er nur die Hälfte des versprochenen Gehalts verdient. Er ist aber kein Einzelfall – fast alle ausländischen Arbeitsnehmer erzählen eine ähnliche Geschichte. Um ihre Reise nach Mauritus zu bezahlen, nehmen sie in ihrer Heimat Kredite auf oder verkaufen ihre Ländereien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Die Insel ist sehr schön, aber es gibt hier kein Geld&#8220;, berichtet Massood (Name von der Redaktion geändert). &#8222;Mein Lohn deckt gerade einmal meine Unkosten. Nur alle drei Monate kann ich meiner Familie ein bisschen Geld schicken.&#8220; Beide Männer sind frustriert, da sie die Insel in ein paar Monaten verlassen müssen und bis jetzt kaum Geld für die Zeit nach ihrer Rückkehr ansparen haben können.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="auf-der-flucht-vor-der-armut">Auf der Flucht vor der Armut</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Armut, Arbeitslosigkeit und die steigenden Kosten in ihren Heimatländern veranlassen Tausende Menschen aus Bangladesch, China, Indien und Madagaskar, in Mauritius auf Arbeitssuche zu gehen. Auf der Insel sind etwa 40.000 Arbeitsmigranten in der Textilproduktion, am Bau, in Hotels, im Transportgeschäft oder in der Meeresfrüchteindustrie beschäftigt. Die Entbehrungen sind hart: Weit weg von ihrer Familie arbeiten sie häufig von früh bis spät. Trotzdem beträgt ihr Verdienst oft nicht mehr als 150 US-Dollar pro Monat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter dem Deckmantel der Anonymität bestätigt ein Sozialarbeiter eines großen Textilunternehmens, dass die Bedingungen für ausländische Arbeitskräfte extrem hart seien. Die ausländischen Arbeitnehmer würden Tag und Nacht arbeiten und hätten kaum Erholungszeiten. Sie seien in unhygienischen Wohnheimen untergebracht und müssten auf einer dünnen Matratze voller Flöhe und Wanzen schlafen. &#8222;Sie tun mir leid&#8220;, sagt der Sozialarbeiter. &#8222;Sie leben wie die Tiere und sind hilflos. Sie akzeptieren die Dinge, wie sie sind.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diejenigen, die gegen die Arbeitsbedingungen Widerstand leisten, werden nachhause zurückgeschickt. Hunderte von ausländischen Arbeitskräften hat dieses Schicksal im letzten Jahr ereilt, nachdem sie für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen waren und bessere Löhne gefordert hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="http://www.cmt.mu/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Compagnie Mauricienne du Textile Ltée</a>&nbsp;(CMT) im Zentrum von Mauritius beschäftigt ein paar tausend ausländische Arbeiter. Diese wollen allerdings nicht mit Journalisten sprechen. Der Wachmann am Tor der Textilfabrik erklärt, dass die Arbeiter im letzten Jahr viele Probleme mit ihrem Arbeitgeber und der Polizei gehabt hätten. Daher würden sie Medien jegliche Auskunft verweigern.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="fremdenfeindlichkeit-und-rassismus">Fremdenfeindlichkeit und Rassismus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die niedrig bezahlten Arbeitsplätze in der Textilindustrie und im verarbeitenden Gewerbe sind bei den einheimischen Kräften wenig beliebt. Um die Industrie auf der Insel am Laufen zu halten, warb die Regierung erstmals im Jahr 1992 um Arbeiter aus dem Ausland. Damals wurde diese Maßnahme als temporäre Maßnahme angekündigt. Im gleichen Jahr wurde mit dem Freihafen eine zollfreie Zone geschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Vierteljahrhundert später ist keine Rede mehr von einer vorübergehenden Regelung. Laut Regierung seien die ausländischen Arbeiter für die Wirtschaft der Insel nun unverzichtbar, weil sie die Einhaltung von Produktionsterminen gewährleisten und so auch Arbeitsplätze für Einheimische erhalten würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gewerkschafter Reeaz Chuttoo ist ganz anderer Meinung: &#8222;Die Regierung argumentiert, dass Ausländer angestellt werden, weil die Einheimischen die Arbeitsplätze verweigern. Die Wahrheit ist aber viel mehr, dass die Regierung die einheimischen Arbeiter durch kurzfristige Verträge verschreckt. So werden z. B. in der öffentlichen Bauwirtschaft Verträge für nur vier Monate abgeschlossen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chuttoo warnt vor dem hohen sozialen Sprengstoff dieser Politik. &#8222;In Mauritius ist gegenüber ausländischen Arbeitern bereits ein Klima von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entstanden&#8220;, behauptet er.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ministerium-weist-vorwurfe-zuruck">Ministerium weist Vorwürfe zurück</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Jaynarain Mathurah ist im Arbeitsministerium für Dienstnehmer aus dem Ausland zuständig. Er weist die Vorwürfe zurück und betont, dass ausländische Arbeitnehmer die gleichen Bedingungen wie die Einheimischen genießen würden. &#8222;Wir unterscheiden nicht zwischen In- und Ausländern&#8220;, sagt Maturah. &#8222;Die Vergütungsregelung im Freihafen ist für alle gleich. Außerdem gibt es eine spezielle Einheit, die sich um die Migranten kümmert und sehr schnell eingreift, wenn Probleme mit Arbeitgebern auftreten.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maturah ist überzeugt, dass Ausländer in Mauritius anständig behandelt werden. &#8222;Wir glauben, dass sie gute Löhne erhalten und ihre Arbeits- und Lebensbedingungen passen&#8220;, meint er. &#8222;Abgesehen von ihren Löhnen bekommen sie auch noch Unterkunft, Verpflegung und den Transport zur Verfügung gestellt.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maturah räumt aber ein, dass die zollfreien Sonderwirtschaftszonen – wie eben der Freihafen in Mauritius – dann zum Problem werden können, wenn es dabei um die Schaffung von Arbeitsplätzen geht. Investoren seien immer auf der Suche nach qualifizierten aber billigen Arbeitskräften. Gerade jetzt würden etliche Unternehmer in Mauritius den Ausbau ihrer Aktivitäten planen und viel Personal benötigen. Vor allem die Landwirtschaft und der IT-Sektor würden als neue Zugpferde für Arbeitsmigranten gelten. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Arbeiter aus Bangladesch in Mauritius. Einige von ihnen haben sich verschuldet, um sich die Reise in den Inselstaat leisten zu können. Trotzdem verdienen sie zu wenig, um Geld ansparen zu können. (Foto: Nasseem Ackbarally/IPS)</p>
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		<title>Gambia: Reisanbau statt Flucht nach Europa</title>
		<link>https://afrika.info/gambia-reisanbau-statt-flucht-nach-europa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Sep 2012 07:44:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gambia]]></category>
		<category><![CDATA[Ernährung]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[NERICA]]></category>
		<category><![CDATA[Reis]]></category>
		<category><![CDATA[Saloum Sheriff Janko]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mohamed Ceesay, ein 20-jähriger Bauer aus der Zentralen Flussregion in Gambia, hat keinen höheren Schulabschluss. Dank der Initiative "Operation No Back Way to Europe", die junge Leute von der Auswanderung nach Europa abhalten soll, verdient er aber mit seiner Reisernte inzwischen mehr als halb so viel wie ein Minister in der Regierung.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Saloum Sheriff Janko | 4. September 2012</p>



<p class="wp-block-paragraph">Banjul (IPS/afr). Mohamed Ceesay, ein 20-jähriger Bauer aus der Zentralen Flussregion in Gambia, hat keinen höheren Schulabschluss. Dank der Initiative &#8222;Operation No Back Way to Europe&#8220;, die junge Leute von der Auswanderung nach Europa abhalten soll, verdient er aber mit seiner Reisernte inzwischen mehr als halb so viel wie ein Minister in der Regierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Im Juli habe ich auf 20 Hektar Land Reis geerntet&#8220;, erzählt er. &#8222;Unsere Vereinigung hat sogar die Erträge von 100 Hektar eingebracht.&#8220; Ceesay verdient alle drei Monate umgerechnet 1.170 US-Dollar, ein Minister im gleichen Zeitraum rund 2.000 Dollar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ceesay ist einer von 50 jungen Bauern, die der Organisation &#8222;Operation No Back Way to Europe&#8220; angehören. Seit 2008 versucht sie junge Gambier im Land zu halten. Mehrere Mitglieder haben bereits versucht, Europa ohne Papiere zu erreichen. Sie wurden erwischt und wieder in das westafrikanische Land zurückgeschickt. Einer von ihnen ist der 23-jährige Edrissa Sane. &#8222;Ich habe mehrmals versucht, Spanien mit dem Boot zu erreichen&#8220;, erzählt er. &#8222;Das hat nicht geklappt, weil wir geschnappt und zurück nach Gambia gebracht wurden.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit er sich der Organisation angeschlossen hat, will Sane keine so riskanten Reisen mehr unternehmen. &#8222;In ein paar Monaten verdiene ich hier etwa 1.000 Dollar&#8220;, sagt er. &#8222;Das reicht mir und ist auf jeden Fall besser, als mein Leben auf dem Meer in Gefahr zu bringen.&#8220; Sane bedauert es, dass er nicht schon viel früher Bauer geworden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Operation No Back Way to Europe&#8220; arbeitet nach Angaben ihres Vorsitzenden Bubacarr Jabbi mit der Einwanderungsbehörde und der Polizei in Gambia zusammen, um junge Leute von einer illegalen Auswanderung abzuhalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ruckgang-der-illegalen-emigration">Rückgang der illegalen Emigration</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laufe der Jahre sind mehr als 200 junge Gambier auf dem Seeweg nach Europa ums Leben gekommen. Es gab Zeiten, da wagten jährlich bis zu 600 Menschen den Versuch, das Land zu verlassen. Nach Daten der gambischen Behörden wurden 2010 und 2011 jedoch nur noch 60 aufgegriffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Ansicht von Jabbi müssen die jungen Leute über alle möglichen Konsequenzen der illegalen Auswanderung informiert werden. Inzwischen haben sich seiner Vereinigung junge Bauern aus allen Teilen des Landes angeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf etwa 2.000 Hektar bauen 50 Farmer die Reissorte &#8222;New Rice for Africa&#8220; (NERICA) an, die auch in trockenen Regionen gedeiht. Weitere 1.000 Hektar Staatsland sind an andere Bauern verpachtet worden. Die Organisation hat ihnen für September eine üppige Ernte von rund 4.500 Tonnen NERICA vorhergesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurzeit sind in Gambia nur 100 Reisfarmer registriert, die jährlich zwischen 10.000 und 15.000 Tonnen produzieren. Gambia, das kleinste Land der Sahel-Zone, befand sich im vergangenen Jahr mitten in einer Ernährungskrise: Im März sah sich die Regierung aufgrund einer Missernte im Vorjahr gezwungen, den nationalen Notstand auszurufen. Damals hatte etwa die Hälfte der rund 1,4 Millionen Gambier nicht genug zu essen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einem Bericht des UN-Entwicklungsprogramms UNDP zufolge verzeichnete das Land 2011 in jenem Jahr einen Rückgang der Nahrungsproduktion um fast 70 Prozent. 19 der 39 Distrikte in ländlichen Regionen waren von Regenmangel betroffen. Die Reisernte ging um 74 Prozent zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Büro der UN-Ernährungsorganisation FAO in Banjul prognostiziert Gambia eine zunehmende Anfälligkeit für Ernährungskrisen. Vor allem die Bauern müssten sich auf eine längere Durststrecke einstellen, weil ihre Einkommen und die eigenen Lebensmittelvorräte abnähmen. Im Verlauf des letzten Jahres sind zudem die Preise für Grundnahrungsmittel explodiert. Viele Menschen in Gambia können sich einen 50-Kilo-Sack Reis zum Preis von fast 33 US-Dollar nicht mehr leisten. Vorher mussten sie dafür 20 Dollar bezahlen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="landwirtschaft-ausbaufahig">Landwirtschaft ausbaufähig</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa 70 Prozent der Bevölkerung bietet die Landwirtschaft eine Existenzgrundlage. Der Sektor trägt allerdings nur zu 32 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Ungefähr die Hälfte des etwa 10.000 Quadratkilometer großen Staatsgebietes ist urbares Land, doch nur auf einem Fünftel wird tatsächlich Ackerbau betrieben. Doch der Regierung zufolge ist und bleibt die Landwirtschaft die beste Waffe gegen die Armut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Ansicht des Direktors für Landwirtschaft der Zentralen Flussregion, Ousman Jamineh, ist der Erfolg von &#8218;Operation No Back Way to Europe&#8216; auch der Unterstützung des Gambischen Nothilfe-Agrarproduktionsprojekts (GEAPP) zu verdanken. Das von der Europäischen Kommission finanzierte Projekt, das von der gambischen Regierung geleitet wird, hat Bauern in zehn armen Distrikten kostenlos Rotorfräsen, Traktoren, Dresch- und Sämaschinen, Hacken und Düngemittel zur Verfügung gestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ceesay hofft derzeit auf eine gute Ernte. Er schätzt, dass dieses Jahr mehr als 300 Säcke mit je 50 Kilo Reis zusammenkommen werden. Das wäre ein Drittel mehr als 2011. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Reis ist ein Grundnahrungsmittel in Gambia (Foto: Agarianna76/Shutterstock.com)</p>
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		<title>&#8222;Madgermanes&#8220; fordern ihre Löhne</title>
		<link>https://afrika.info/madgermanes-fordern-ihre-loehne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jul 2012 08:34:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mosambik]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Louise Sherwood]]></category>
		<category><![CDATA[Madgermanes]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die "Madgermanes", wie man in Mosambik die 16.000 bis 20.000 Menschen nennt, die vor Jahrzehnten in der damaligen DDR gearbeitet, studiert oder einen Beruf erlernt hatten, geben nicht auf. Seit 22 Jahren fordern sie den Anteil ihres Verdienstes, den die DDR-Regierung damals direkt an die Regierung in Maputo überwiesen hatte.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Louise Sherwood | 19. Juni 2012</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maputo (IPS/afr). Die &#8222;Madgermanes&#8220;, wie man in Mosambik die 16.000 bis 20.000 Menschen nennt, die vor Jahrzehnten in der damaligen DDR gearbeitet, studiert oder einen Beruf erlernt hatten, geben nicht auf. Seit 22 Jahren fordern sie den Anteil ihres Verdienstes, den die DDR-Regierung damals direkt an die Regierung in Maputo überwiesen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese hatte in einem Abkommen mit Ost-Berlin zugesagt, das Geld den Migranten nach der Rückkehr in die Heimat auszuzahlen. Die Madgermanes, die &#8222;Leute, die aus Deutschland kommen&#8220;, warten bislang vergeblich auf ihr Geld. Jeden Mittwoch um 11.00 Uhr treffen sie sich zu einer Protestdemonstration in der Hauptstadt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wir marschieren seit 22 Jahren, um unser in Deutschland verdientes Geld zu bekommen, und wir sind sicher, dass sie uns eines Tages bezahlen werden&#8220;, erklärte José Alfredo Cossa und schwenkte eine DDR-Flagge. &#8222;In Europa haben wir gelernt, wie man friedlich demonstriert. Wo sonst in Afrika gibt es eine solche Demonstration?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Passanten dürften den Aufmarsch der singenden, tanzenden und trommelnden Frauen und Männer, die an ihnen vorbeiziehen, eher für einen Karnevalszug als eine Protestdemonstration halten, die sich von ihrer Regierung um ihr wohl verdientes Geld geprellt sehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="zur-ausbildung-in-die-ddr">Zur Ausbildung in die DDR</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Mosambik 1975 von der Kolonialmacht Portugal unabhängig wurde, verließen hunderttausende portugiesische Fachkräfte praktisch über Nacht das südostafrikanische Land. Die Folgen für die mosambikanische Wirtschaft waren verheerend. Um die Personallücke, die die Portugiesen hinterlassen hatten, mit gut ausgebildeten Einheimischen schließen zu können, vereinbarte die sozialistische Regierung von Präsident Samora Machel 1979 mit der DDR-Regierung, Mosambikaner nach Ostdeutschland zu schicken, die dort in volkseigenen Betrieben arbeiten oder eine Ausbildung erhalten sollten oder studieren konnten. Als qualifizierte Fachkräfte sollten die Männer und Frauen nach ihrer Rückkehr nach Afrika am Wiederaufbau der Wirtschaft ihres Landes mitarbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Mit 21 Jahren wurde ich in die DDR geschickt. Ich sollte Tischler werden und erhielt nach Abschluss der Ausbildung einen Vierjahresvertrag&#8220;, berichtete Cossa. &#8222;Andere fällten Bäume, arbeiteten in Schlachthöfen oder in Kohleminen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ost-Berlin und Maputo hatten vereinbart, dass den Mosambikanern 40 Prozent ihres Lohnes in bar ausgezahlt würden, während die übrigen 60 Prozent direkt nach Mosambik überwiesen werden sollten. &#8222;Man versicherte uns, das werde auf ein Bankkonto überwiesen und uns nach der Rückkehr ausbezahlt.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Für die Migranten gab es damals vielerlei Gründe, die Heimat zu verlassen&#8220;, erklärte Lázaro Magalhães a Escova. Der Madgerman arbeitet heute in der Verwaltung des Mosambikanisch-Deutschen Kulturinstituts (IMCA) in Maputo. &#8222;Sie kamen aus verschiedenen Provinzen und flohen vor Krieg, Hunger oder der Zwangsrekrutierung durch die Armee.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="zerschlagene-hoffnungen">Zerschlagene Hoffnungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wir freuten uns, als in Berlin die Mauer fiel, doch wir fürchteten uns vor dem Fremdenhass der Skinheads und Neonazis, denn eine Regierung, die uns vor ihnen beschützte, gab es nicht mehr&#8220;, berichtete Magalhães. &#8222;Weil nach der Wiedervereinigung die volkseigenen Betriebe geschlossen werden sollten, stellte uns die Regierung in Mosambik vor die Wahl, auf eigene Verantwortung zu bleiben oder mit einem Freiflug nach Hause zu kommen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diejenigen, die nach Mosambik zurückkehrten, hofften, sich dort mit dem noch ausstehenden Verdienst eine abgesicherte Zukunft aufbauen zu können. &#8222;Ich hatte große Pläne&#8220;, berichtete Cossa. &#8222;Ich wollte eine Tischlerei aufbauen, in der Türen, Fenster und Möbel hergestellt werden, und später meine deutsche Freundin nachkommen lassen. Doch dann mussten wir feststellen, dass die Regierung unser Geld ausgegeben hatte. Alle Hoffnungen waren dahin.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die deutsche Bundesregierung konnte nachweisen, dass das Geld der Migranten zwar an Mosambiks Regierung überwiesen, aber nie auf Einzelkonten eingezahlt worden war. 2002 hatten Untersuchungen deutscher Behörden ergeben, dass die Regierung der DDR 74,4 Millionen US-Dollar an Löhnen und 18,6 Millionen Dollar an Sozialversicherungsbeiträgen nach Mosambik überwiesen hatte, umgerechnet 5.000 Dollar für jeden Arbeiter. Ein entsprechendes Dokument des bundesdeutschen Finanzministeriums liegt den Madgermanes vor. Die Regierung in Maputo spricht von einer weit geringeren Summe, die sie den Migranten schuldet und hat einigen von ihnen umgerechnet zwischen 370 und 550 Dollar zurückgezahlt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="arbeitslos-in-der-alten-heimat">Arbeitslos in der alten Heimat</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Einleben in der afrikanischen Heimat fiel den Madgermanes schwer. &#8222;Unsere Nachbarn liefen in zerlumpten Kleidern herum, während wir wie Gentlemen gekleidet waren. Wir brachten Fernseher und Videorecorder mit, die es damals in Mosambik nicht gab&#8220;, sagte Cossa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem wurden viele der in Europa erworbenen Fachkenntnisse in Mosambik nicht gebraucht. &#8222;Viele Männer hatten in den Autofabriken den Trabant montiert, doch in Mosambik gab es kaum Autos, von einer Kfz-Industrie ganz zu schweigen&#8220;, berichtete Malgalhães. Ihr &#8222;europäischer&#8220; Lebensstil brachte die Deutschland-Migranten bald ins soziale Abseits. Man nennt sie bis heute Madgermanes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Arbeit gab es nicht für sie. Einer von ihnen zog in Maputo eine erfolgreiche Bäckereikette auf. Doch die meisten waren auch noch ein Jahr nach ihrer Heimkehr arbeitslos und begannen mit ihren Protesten zunächst vor dem Arbeitsministerium. Später auch vor anderen Ministerien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Kontakt zu ihren Familien in Deutschland haben viele Madgermanes längst verloren. Wenn die inzwischen erwachsenen Kinder ihre Väter besuchen wollen, ist IMCA für sie eine der ersten Anlaufstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt haben Mosambiks ehemalige DDR-Migranten einen neuen Versuch unternommen, sich bei der Regierung Gehör zu verschaffen. Doch bisher haben wir keinen Termin für ein Treffen mit dem Premierminister erhalten&#8220;, berichtete Cossa. &#8222;Selbst wenn es noch Monate dauern sollte, wir warten schon 22 Jahre und werden niemals aufgeben&#8220;, versicherte er. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Die Madgermanes warten seit 22 Jahren auf den Großteil der Gehälter, die sie in der DDR verdient haben. (Foto: Louise Sherwood/IPS)</p>
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		<title>Gemüseanbau statt Landflucht</title>
		<link>https://afrika.info/gemueseanbau-statt-landflucht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Apr 2012 14:12:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Senegal]]></category>
		<category><![CDATA[Koffigan E. Adigbli]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auf den ersten Blick sieht Darou Ndoye aus wie viele andere Dörfer im Westen Senegals, dem junge Einheimische bei erster Gelegenheit den Rücken kehren. Doch 40 Jungbauern haben sich hier auf einer 20 Hektar großen Gemüsefarm als Kooperative organisiert. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Koffigan E. Adigbli | 5. April 2012</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dakar (IPS/afr). Auf den ersten Blick sieht Darou Ndoye aus wie viele andere Dörfer im Westen Senegals, dem junge Einheimische bei erster Gelegenheit den Rücken kehren. Doch 40 Jungbauern haben sich hier auf einer 20 Hektar großen Gemüsefarm als Kooperative organisiert. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem erfolgreichen Anbau von Kohl, Tomaten, Kartoffeln, Möhren und Kürbissen beweisen die jungen Farmer, dass die Landwirtschaft im ländlichen Senegal mit guter Planung und mit etwas Hilfe auskömmliche Existenzen schaffen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wir verkaufen unsere Erzeugnisse nicht nur auf lokalen Märkten, sondern beliefern auch Nachbarländer wie Gambia und Mali&#8220;, berichtete Mbaye Ndiaye. Der 34-Jährige leitet eine der beiden Gruppen von jeweils 20 jungen Leuten, die als Kooperative verschiedene Gemüsesorten anbauen. &#8222;Letztes Jahr haben wir umgerechnet 55.000 US-Dollar Gewinn gemacht, das waren für jeden von uns etwa 1.400 Dollar&#8220;, sagte er IPS.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Farm, auf der vorerst nur zehn Hektar bewirtschaftet werden, war 2008 im Rahmen eines Regierungsprogramms gegen die Landflucht (&#8222;Return to Agriculture&#8220;) in Stand gesetzt worden. Mit dem Projekte bemüht sich die Regierung in Dakar, das Abwandern Einheimischer in städtische Regionen zu stoppen und sie davon abzubringen, übers Meer illegal nach Europa zu gelangen. Das mit Budgetmitteln finanzierte Projekt wird von den Regierungen in Spanien und Marokko finanziell unterstützt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="ernten-in-der-nebensaison">Ernten in der Nebensaison</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die 40 Jungbauern von Darou Ndoye setzen auf ihrer Farm erfolgreich auf Fruchtwechsel und erzielen in der Nebensaison zusätzliche Ernten. 2011 produzierten sie 80 Tonnen Paprika, 150 Tonnen Tomaten, 200 Tonnen Kohl, 250 Tonnen Kartoffeln und 153 Tonnen Möhren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;In unserem ersten Erntejahr, 2009-2010, hatten wir nur acht Hektar Land bewirtschaftetet. Doch nachdem 2010 die Farm wieder instand gesetzt wurde, konnten wir richtig durchstarten und verkauften 20 Tonnen Kohl, 145 Tonnen Möhren und 257 Tonnen Tomaten&#8220;, berichtete Ndiaye. &#8222;Damals waren erst 25 Leute dabei. Unseren Gewinn von rund 40.000 Dollar teilten wir unter uns auf. Jeder erhielt 800 Dollar. Einen Teil des Geldes steckten wir in die Reparatur der Pumpe und in den Kauf von Saatgut&#8220;, erklärte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die für die Region zuständige Beraterin Adja Aïda Cissé verwies auf die deutlichen soziökonomischen Auswirkungen der Farm. &#8222;Wir versorgen uns selbst, helfen uns untereinander und können dank des mit der Farm erwirtschafteten Gewinns unsere Kinder zur Schule schicken. Eine bessere Möglichkeit der Armutsbekämpfung gibt es nicht.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Cissé, die auch einen lokalen Förderverein für Landfrauen leitet, berichtete: &#8222;Früher verließen viele junge Leute dieses Dorf, um übers Meer illegal nach Europa zu gelangen. Auch von den Leuten, die jetzt hier auf unserer Farm arbeiten, werden zunächst viele daran gedacht haben. Jetzt bleiben sie hier, denn sie haben auf der Farm Arbeit gefunden.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="kritik-an-teuren-produktionsgutern">Kritik an teuren Produktionsgütern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Papa Guèye, der mit dem Versuch gescheitert ist, nach Spanien auszuwandern, war von Anfang an auf der Farm dabei. Wie er berichtete, gilt es noch einige Hürden zu nehmen. So seien die Preise für Naturdünger viel zu hoch. &#8222;Für jeden Hektar benötigen wir 300 Sack Dünger. Hühnermist kostet pro Sack 1.500 CFA (umgerechnet drei Dollar), Kuhnmist sogar 40 Dollar&#8220;, kritisierte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Kollege Saliou Mbaye vermisst ordentliches Ackergerät. &#8222;Und der Diesel für unsere Pumpe ist sehr teuer. Alle vier Tage tanken wir 200 Liter für rund 320 Dollar. In Gambia, Mali und Mauretanien ist die Nachfrage nach unseren Produkten groß&#8220;, berichtete er. &#8222;Doch um den Farmbetrieb auszuweiten, brauchen wir Traktoren und mehr Wasser.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">El-Hadji Malick Sarr, der das Programm Zurück zur Landwirtschaft leitet, ist mit dem vorläufigen Erfolg der senegalesischen Initiative zufrieden. &#8222;In fünf Jahren konnten wir Mitarbeiterteams junger Senegalesen für 23 Farmen gewinnen und 7.000 Arbeitsplätze schaffen. Gemüse und Obst, das hier angebaut wird, ist zu 80 Prozent für den Export bestimmt&#8220;, berichtete er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Auf insgesamt 1.700 Hektar Land wurden Bewässerungsanlagen installiert. Mit dem Gemüse, das ein Jungbauer von einem Hektar Land erntet, kann er im Jahr fast 3.500 Dollar verdienen. Doch weil geeignetes Land knapp ist, können wir jedem Interessenten nur einen halben Hektar überlassen&#8220;, bedauerte Malick Sarr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Mohamed Béavogui, der Direktor der für West- und Zentralafrika zuständigen Abteilung des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), im November 2011 Senegal besuchte und sich auf einigen der REVA-Farmen umsah, war er beeindruckt. &#8222;Diese Initiative ist sehr innovativ. Sie ermöglicht jungen Farmern nicht nur eine gesicherte Selbstversorgung. Durch Verkauf und Export ihrer Produkte erzielen sie zudem eigene Einkommen, mit denen sie ihre Lebensbedingungen verbessern können&#8220;, lobt der Experte. Er hofft nun, dass sich durch die Zusammenarbeit der Farmen und die Vernetzung mit anderen von IFAD unterstützten Agrarprojekten neue Synergien entwickeln. (Ende)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Farmerin auf einem Reisfeld im Senegal (Foto: africa924/Shutterstock.com)</p>
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