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	<title>Medien Archive | afrika.info</title>
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	<description>Changing Perceptions</description>
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	<title>Medien Archive | afrika.info</title>
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		<title>Biafra: PR an der Front</title>
		<link>https://afrika.info/biafra-pr-an-der-front/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 May 2017 12:32:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nigeria]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika-Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Biafra]]></category>
		<category><![CDATA[Gernot Zieser]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Kieslich]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Sturmer]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[PR]]></category>
		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor exakt 50 Jahren - am 30. Mai 1967 - erklärte Biafra seine Unabhängigkeit von Nigeria. Die Bilder aus dem nachfolgenden Bürgerkrieg haben unsere Wahrnehmung von Afrika stärker beeinflusst als jedes andere Ereignis. Im Konflikt spielte die Propaganda von PR-Agenturen eine entscheidende Rolle.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/biafra-pr-an-der-front/">Biafra: PR an der Front</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von&nbsp;Martin Sturmer&nbsp;| 30. Mai 2017</p>



<p class="wp-block-paragraph">Salzburg (afr). Vor exakt 50 Jahren &#8211; am 30. Mai 1967 &#8211; erklärte Biafra seine Unabhängigkeit von Nigeria. Die Bilder aus dem nachfolgenden Bürgerkrieg haben unsere Wahrnehmung von Afrika stärker beeinflusst als jedes andere Ereignis. Im Konflikt spielte die Propaganda von PR-Agenturen eine entscheidende Rolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hintergrund des Bürgerkriegs in Biafra (1967–1970) standen ein Ressourcenkonflikt und Pogrome gegen Igbo aus der Ostregion Nigerias. Im September 1966 waren bei blutigen Auseinandersetzungen mehr als 30.000 Igbo getötet worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 27. Mai 1967 verkündete Präsident Yakubu Gowon die Aufteilung Nigerias in zwölf Regionen. Für den Militärgouverneur der Ostregion, Emeka Ojukwu, war die Neuordnung allerdings ein schwerer Affront: Ojukwu hätte damit die Kontrolle über jene Gebiete verloren, in denen ein Großteil der erschlossenen Erdölvorkommen Nigerias lag. Außerdem wäre er vom Zugang zum Meer und zum Industriezentrum Port Harcourt abgeschnitten worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der drohende Machtverlust sowie die brutalen Übergriffe gegen die Igbo aus dem Vorjahr führten dazu, dass Ojukwu am 30. Mai 1967 die Unabhängigkeit Biafras ausrief. Nigeria ließ die Sezession aber nicht auf sich sitzen: Am 6. Juli 1967 fielen nigerianische Truppen in Biafra ein, sie unterschätzten aber die Gegenwehr von Ojukwus Soldaten. Die föderalistische Armee kam weitaus weniger rasch voran als erwartet. Aus der ursprünglich auf 48 Stunden anberaumten Polizeiaktion entstand ein Bürgerkrieg, der ganze 31 Monate dauern sollte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bilder von Biafra-Kindern gehen um die Welt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weltpresse nahm von den Vorgängen in Nigeria zunächst kaum Notiz. Erst als sich die humanitäre Lage im stetig schrumpfenden und von der Nahrungsmittelzufuhr abgeschnittenen Biafra drastisch verschlechterte, reagierten die Redaktionen: Im Frühjahr 1968 drängten sich mehr als neun Millionen Menschen in einem Kessel, der kaum noch größer als das Ruhrgebiet war. Pro Tag sollen in dem Gebiet 6.000 Menschen gestorben sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 19. August 1968 beschrieb das Nachrichtenmagazin&nbsp;<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45966348.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spiegel</a>&nbsp;das ganze Ausmaß der Katastrophe. Der nachfolgende Auszug zeigt auch die Rezeption des Konflikts in internationalen Leitmedien:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Anfang nächsten Jahres wird es, wenn die Hungerblockade andauert, in Biafra keine Kinder unter 15 Jahren mehr geben. &#8218;Genozid&#8216;, so schrieb die Pariser &#8218;Monde&#8216;, &#8218;ein oft mißbrauchter Begriff, hier ist er am Platz.&#8216; (&#8230;) Erstmals wird ein Völkermord im Fernsehen gezeigt, wird die ganze Welt durch Filme, Photos und Berichte aus Biafra zum Zeugen des Genozides. Bilder von Skelett-Kindern mit aufgedunsenen Bäuchen, rötlich verfärbtem Kraushaar und leblosen Augen, &#8218;Bilder, schlimmer als aus Belsen&#8216; – so die Londoner &#8218;Times&#8216; – haben die Welt wachgerüttelt.&#8220;</p>
<cite>Der Spiegel, 19. August 1968</cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Uni Salzburg soll Hintergründe klären</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als die ersten Meldungen von dem Sterben im eingekesselten Biafra durch die deutsche Presse gingen, kam die deutsche Politik unter Zugzwang. Das Auswärtige Amt in Bonn trat an Günter Kieslich, Ordinarius für Publizistik an der Universität Salzburg, heran. Kieslich, der zuvor Referent der deutschen Kultusministerkonferenz gewesen war, sollte die Hintergründe für die massive Berichterstattung beleuchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Günter Kieslich übertrug die Aufgabe an seinen Dissertanten Gernot Zieser, In seiner Doktorarbeit &#8222;Die Propagandastrategie Biafras im nigerianischen Bürgerkrieg&#8220; von 1970 beschäftigte sich Zieser intensiv mit der Rolle der PR-Agenturen im Konflikt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn beide Widersacher im Biafra-Krieg, Emeka Ojukwu und Yakubu Gowon, wollten die internationale Wahrnehmung des Konflikts nicht dem Zufall überlassen und beauftragten renommierte PR-Agenturen und -Spezialisten. Im Sold von Biafra standen die Genfer Agentur Markpress, Ruder Finn aus den USA sowie der Propagandaspezialist Robert S. Goldstein. Für Nigeria sollten die britischen Agenturen Galitzine Chaut Russel &amp; Partners Ltd., die Commonwealth News Agency, Burson-Marsteller Associates und der PR-Experte Andrew Nash die Meinung der Weltöffentlichkeit beeinflussen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Auftrag für die Bearbeitung der europäischen Medienlandschaft erteilte die Regierung Biafras der Genfer PR-Agentur Markpress, die im Eigentum des US-Amerikaner H. William Bernhardt stand. Im November 1967 flogen zwei Minister aus Ojukwus Kabinett nach Genf, um Bernhardt die Zusammenarbeit anzubieten. Am 6. Februar 1968 präsentierte die Agentur ein Konzept mit dem Titel &#8222;Fight for Survival&#8220;, das zur Basis der PR-Kampagne wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Genfer PR-Agentur sorgt für hohe Aufmerksamkeit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bis zum Kriegsende im Januar 1970 versuchte die Agentur mit mehr als tausend englischsprachigen Presseaussendungen die Themen zugunsten Biafras zu setzen. Außerdem organisierte Markpress Pressereisen ins Kriegsgebiet: Bis zum Sommer 1968 sollen über 70 Journalist*innen aus allen westeuropäischen Ländern nach Ostnigeria geflogen worden sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die PR-Aktivitäten erzielten enorme Resonanz. Anhand der vergleichenden inhaltsanalytischen Auswertung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und den Aussendungen von Markpress konnte Gernot Zieser einen großen Einfluss der PR-Agentur auf die Berichterstattung feststellen: Nach dem Arbeitsbeginn von Markpressam 1. Februar 1968 tauchten in den untersuchten Medien Formulierungen und Stereotpyen auf, die von er Agentur kreiert worden waren und zuvor nicht oder nur minmal existent waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das enorme Medienecho für Biafra allein der PR-Agentur zuzuschreiben, greift für Zieser allerdings zu kurz. Das Fundament dafür war schon lange vor der Einschaltung von Markpress gelegt worden &#8211; allerdings zunächst ohne großen medialen Widerhall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits unmittelbar nach Kriegsausbruch im Sommer 1967 hatten mit Ojukwu sympathisierende Studenten aus Nigeria deutsche Kirchenführer über den &#8222;Religionskrieg&#8220;in ihrer Heimat und die bevorstehende &#8222;Ausrottung der Christen&#8220; informiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der deutsche Klerus übernahm die griffige These von den muslimischen Christenmorden in Biafra und entfachte &#8211; so&nbsp;<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45589486.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Spiegel</a>&nbsp;in einem Rückblick vom 9. Juni 1969 &#8211; &#8222;eine geradezu kreuzzugartige Stimmung&#8220;. Die Kirchen beschlossen rasch Hilfe für Biafra. In Sonntagsmessen wurde über den &#8222;Völkermord in Nigeria&#8220; informiert; Mitbürger wurden aufgefordert, an Regierungen, Abgeordnete und die Vereinten Nationen zu schreiben und die Anerkennung Biafras zu fordern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Medien wurden bedrängt, endlich über den &#8222;vergessenen Bürgerkrieg&#8220; zu berichten. Im Frühjahr 1968 lag das Interesse der Auslandsressorts aber auf geopolitisch wichtigeren Ereignissen wie dem &#8222;Prager Frühling&#8220; und dem Vietnamkrieg.</p>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Hungersnot&#8220; wird zur neuen Losung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation änderte sich schlagartig im Frühsommer des Jahres 1968, als Missionare im christlich dominierten Biafra von einer Hungerkatastrophe berichteten. Die &#8222;Hungersnot&#8220; sollte sich als wesentlich zugkräftigeres Motiv als die &#8222;Christenverfolgung&#8220; erweisen und beeindruckte offenbar auch die PR-Profis bei Markpress. Laut Zieser begann die Genfer Agentur ab Ende Juni 1968, in jeder zweiten Aussendung das &#8222;Hungergespenst&#8220; an die Wand zu malen. Zuvor hatte die PR-Agentur nur in etwa sechs Prozent aller Artikel über Ernährungsprobleme berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 11. Juni 1968 tauchte in der Austria Presse-Agentur (APA), die zuvor hauptsächlich über den Kriegsverlauf berichtet hatte, erstmals die Warnungen vor einer Hungerkatastrophe in Biafra auf. Die Nachrichtenagentur informierte, dass &#8222;eine runde million kinder durch den buergerkrieg zur hungersnot, wenn nicht zum tode verurteilt&#8220; ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die APA erwähnte in der Meldung auch die Proteinmangel-Erkrankung Kwashiorkor: &#8222;mehr und mehr kinder siechen an dieser kwashiorkor-krankheit dahin und nichts kann dagegen unternommen werden, weil eben nicht genuegend milch und fleisch zur verfuegung stehen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Krankheitsbild bei Kwashiorkor zeigt einen charakteristischen Hungerbauch, der durch Wassereinlagerungen und eine vergrößerte Leber verursacht wird. Darüber hinaus treten Hautveränderungen und oft auch eine Entfärbung der Haare auf. Fotos dieser Kinder, deren &#8222;gesichter bereits greisenhafte zuege tragen&#8220; &#8211; so die APA in einer Meldung vom 26. Juli 1968 &#8211; gingen um die Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Bilder entfalteten eine enorme Wirkung und rüttelten die Menschen auf. Die Spendenbereitschaft war enorm. Durch die Errichtung einer Luftbrücke kirchlicher Hilfsorganisationen im August 1968 konnte das Massensterben letztendlich gestoppt werden, die Todesrate sank auf rund 300 Menschen pro Tag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR am 21. August 1968 verschwand Biafra über Nacht aus den Schlagzeilen. Bis zum Kriegsende Anfang 1970 konnte die hohe mediale Resonanz des Sommers 1968 nicht wieder erreicht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Köpfen der Zeitzeugen hatte sich aber Biafra als Synonym des Hungers in Afrika eingeprägt. Eine Wahrnehmung, die unser Bild von Afrika als Kontinent von Not und Elend bis heute prägt. (Ende)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Literatur</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Becker, Jörg (2009): Kriegsmarketing. Wie PR-Agenturen Kriege verbereiten und begleiten. Berlin. Abgerufen von <a href="https://www.hintergrund.de/globales/kriege/kriegsmarketing/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hintergrund.de</a>, Zugriff am 30. Mai 2017. </li>



<li>Kunczik, Michael (2004): Die Privatisierung der Kriegspropaganda. In: Löffelholz, M. (Hg.), Krieg als Medienereignis II. Wiesbaden, S. 81-98. </li>



<li>Sturmer, Martin (2013): Afrika! Plädoyer für eine differenzierte Berichterstattung. Konstanz.</li>



<li>Sturmer, Martin (2016): Von Lumumba bis Ebola. Standarderzählungen in der österreichischen Afrika-Berichterstattung (1960-2015). In: Medien und Zeit, Jahrgang 31, Heft 2/2016. Wien, S. 18-31. </li>



<li>Zieser, Gernot (1970): Die Propagandastrategie &#8222;Biafras&#8220; im nigerianischen Bürgerkrieg (1967 &#8211; 1970): eine Modell-Untersuchung zur interkulturellen Kommunikation zwischen Entwicklungs- und Industrieländern. Dissertation, Universität Salzburg.</li>



<li>Zieser, Gernot (1971): Die Propagandastrategie Biafras im nigerianischen Bürgerkrieg (1967-1970). In: Publizistik, 16 (2/1971), S. 181-193.</li>
</ul>
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	</item>
		<item>
		<title>Zur Afrika-Berichterstattung in Österreich</title>
		<link>https://afrika.info/zur-afrika-berichterstattung-in-oesterreich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Aug 2016 12:17:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Afrika allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika-Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Sturmer]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die aktuelle Ausgabe 2/2016 der kommunikationshistorischen Fachzeitschrift Medien und Zeit ist dem Thema "Afrikanisch-Europäische Medienbeziehungen" gewidmet. In meinem Beitrag setze ich mich mit der Entwicklung der Afrika-Berichterstattung in Österreich seit dem Ende der Kolonialzeit auseinander. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/zur-afrika-berichterstattung-in-oesterreich/">Zur Afrika-Berichterstattung in Österreich</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von&nbsp;Martin Sturmer&nbsp;| 11. August 2016</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die aktuelle Ausgabe 2/2016 der kommunikationshistorischen Fachzeitschrift&nbsp;<a href="https://medienundzeit.at/wp-content/uploads/2017/12/MZ-2-2016-KU.pdf">Medien und Zeit</a>&nbsp;ist dem Thema &#8222;Afrikanisch-Europäische Medienbeziehungen&#8220; gewidmet. In meinem Beitrag setze ich mich mit der Entwicklung der Afrika-Berichterstattung in Österreich seit dem Ende der Kolonialzeit auseinander. Nachfolgend gibt es eine kurze Zusammenfassung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor seiner Zeit als stellvertretender Chefredakteur der &#8222;Wiener Zeitung&#8220; hat sich Thomas Seifert in Österreich vor allem als Auslandsreporter für &#8222;News&#8220; und &#8222;Die Presse&#8220; einen Namen gemacht. Seine Reportagen haben ihn rund um den Erdball geführt, dabei mehrmals auch nach Afrika.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einer Diskussion des&nbsp;<a href="http://www.okto.tv/dasmedienquartett/10469/20130402" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Medienquartetts</a>&nbsp;richtete die Publizistin Rubina Möhring an Seifert die Frage, warum über Afrika größtenteils negativ berichtet wird. Seiferts Antwort fiel durchaus selbstkritisch aus: &#8222;Im medialen Theater bekommt jeder eine Rolle. (…) Die Rolle Afrikas ist die der tragischen Figur. Das ist eingeübt über die Jahrzehnte, vom Ende der Kolonialzeit bis heute.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kommunikationswissenschaftliche Untersuchungen haben bestätigt, dass Afrika vor allem dann zum Thema wird, wenn Konflikte oder humanitäre Krisen auftreten (z. B. Neuwirth 1992, Pointner &amp; Luger 1996, Mükke 2010, Glodzinski 2010, Freches 2016). Die Afrika-Berichterstattung geschieht dabei in der Regel in Form von Standarderzählungen, die Kurt Luger (1998, S. 18) wie folgt zusammenfasst:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Der Kontinent der Opfer, der Kontinent der Diktatoren, der Born der Korruption und Kriminalität, der hilfsbedürftige Kontinent, der blutige Kontinent, der Spielplatz für Abenteurer und die Wiege der Spitzenathleten sind solche Klischees, die in Summe ein doch stark vereinfachendes Afrika-Bild prägen.&#8220; </p><cite>Luger 1998, S. 18</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">In meinem Beitrag habe ich versucht, jene Ereignisse in Afrika zu identifizieren, die seit dem Ende des Kolonialismus unsere Wahrnehmung von Afrika als &#8222;tragische Figur&#8220; nachhaltig geprägt haben. Dabei habe ich aufgrund der relativ großen Zeitspanne jene Anlässe ausgewählt, in denen eine Standarderzählung erstmals auftrat. So ist z. B. das Image Afrikas als &#8222;Hungerkontinent&#8220; bereits im Biafra-Krieg (1967-1970) entstanden, auch wenn vielleicht die Hungerkatastrophe in Äthiopien 1984/85 bei vielen noch stärker in Erinnerung ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">1. Der primitive Kontinent</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Kolonialzeit wurden Afrikaner*innen häufig als &#8222;nackte Primitive&#8220; dargestellt. Dieses Klischee wurde während der Zeit des Nationalsozialismus weiter verstärkt und einzementiert. (Sauer 2014, S. 67)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Kriegsende änderte sich zunächst wenig an dieser Vorstellung. In den 1950-er Jahren verschärften Filme wie &#8222;Omaru – eine afrikanische Liebesgeschichte&#8220; gängige Stereotypen: Nacktheit, Infantilität und Irrationalität bestimmten in diesem Streifen die Zuschreibungen an die afrikanischen Filmfiguren (Bakondy &amp; Winter 2007, S. 97-114).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tageszeitung &#8222;Die Presse&#8220;&nbsp;brachte in ihrem Artikel über die Wien-Premiere von Omaru am 5. Oktober 1955 die damalige Wahrnehmung auf den Punkt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Mit Ernst. A. Zwilling zog man in einsame Bergdörfer und photographierte dort die N*****, wie sie tatsächlich leben, zwischen sonnenverbrannten chaotisch verstreuten Felsen ihre winzigen Äcker bebauen, halbnackt in den Bergquellen baden, sich um sieben Ziegen eine Braut kaufen, kurzum, die Welt erscheint in solchen Szenen um 2000 Jahren (sic!) zurückgedreht.&#8220; </p><cite>Zit. nach: Bakondy &amp; Winter 2007, S. 168</cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">2. Der bestialische Kontinent</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Afrika-Jahr 1960 stellte eine wesentliche Zäsur in der Afrika-Berichterstattung dar. 18 Territorien erklärten ihre politische Selbstständigkeit. Die mediale Berichterstattung über die Unabhängigkeit afrikanischer Staaten war zunächst von vorsichtigem Optimismus geprägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Situation änderte sich allerdings mit dem Einsetzen der Kongo-Krise (1960-1965). Patrice Lumumba – für die österreichische Nachrichtenagentur APA &#8222;ein angehoeriger eines der wildesten afrikanischen staemme&#8220; (APA 1961) – wurde zum ersten Premierminister des unabhängigen Kongo ernannt und ein halbes Jahr später ermordet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Grausamkeiten der Kongo-Krise wandelte sich das mediale Bild zunehmend zu jenem eines &#8222;bestialischen Kontinents&#8220;. Eine große Rolle für die Nachhaltigkeit dieser Wahrnehmung spielte der pseudodokumentarische Film &#8222;Africa Addio&#8220; der italienischen Regisseure Gualtiero Jacopetti und Franco Prosperi aus dem Jahr 1966. Jacopetti und Prosperi rückten u. a. die Brutalität der Kongo-Krise in den Mittelpunkt – inklusive der Hinrichtung von Rebellen vor laufender Kamera.</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. Der hilfsbedürftige Kontinent</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Keine zwei Jahre nach dem Ende des Konflikts im Kongo kam es in Nigeria zu einem Bürgerkrieg, der die bis heute wahrscheinlich intensivste mediale Beschäftigung mit Afrika nach sich zog: Der Biafra-Krieg (1967-1970).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die verheerende Auseinandersetzung im Südosten Nigerias wurde von einer beispiellosen Propagandaschlacht begleitet. Unter Mitwirkung internationaler PR-Agenturen wurde Biafra zu einem &#8222;Synonym des Hungers&#8220;. Die Bilder von Kindern &#8222;mit aufgeblähten Bäuchen, mit rötlich verfärbten Haaren, fleckenübersäter Haut und leblosen Augen&#8220; (Der Spiegel 1969, S. 106) brannten sich in das kollektive Gedächtnis der Menschheit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">4. Der Kontinent der Diktatoren und Warlords</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Idi Amin Dada in Uganda, Jean-Bedél Bokassa in Zentralafrika, Mobutu Sese Seko in Zaïre: In den 1970-er Jahren prägten vor allem die Gewaltherrschaften afrikanischer Diktatoren die mediale Wahrnehmung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mittelpunkt der Berichterstattung standen dabei schaurig-bizarre Geschichten über die Brutalität und das Sexleben der Despoten. So schrieb z. B. die APA im Jahr 1977, dass Idi Amin in seinem Kühlschrank die Köpfe seiner ehemaligen Geliebten und eines Rivalen aufbewahrte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Auseinandersetzung mit den afrikanischen Diktatoren offenbarten die österreichischen Medien aber eine gewisse Doppelmoral: So waren die bekannten Menschenrechtsverletzungen durch das Apartheid-Regime in Südafrika im medialen Mainstream lange Zeit kein Thema. Stattdessen wurde über die paradiesischen Zustände für österreichische Auswanderer im Kapstaat berichtet (Sauer 2012, S. 104).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Demokratisierungswelle Anfang der 1990-er Jahre verloren die westlichen Medien weitgehend ihr Interesse an den afrikanischen Staatschefs. Die einzige Ausnahme war Nelson Mandela, der bis heute als Lichtfigur unter den afrikanischen Politiker*innen gilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An die Stelle der Diktatoren traten aber Warlords wie Farrah Aidid in Somalia, Charles Taylor in Liberia, Augustin Bizimungu in Ruanda oder Laurent Nkunda in der Demokratischen Republik Kongo. Den unbeschreiblichen Grausamkeiten der Kriegsfürsten galt ein Hauptaugenmerk der österreichischen Afrika-Berichterstattung bis Ende der 2000er-Jahre.</p>



<h2 class="wp-block-heading">5. Der Kontinent der Krankheiten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Einsetzen der globalen Finanzkrise rückte Afrika zunehmend in den Fokus der internationalen Wirtschaft. Beflügelt wurde diese Entwicklung durch Wachstumsraten jenseits der Fünf-Prozent-Marke. Das Narrativ von &#8222;Africa Rising&#8220; erfuhr vor allem in Qualitäts- und Wirtschaftsmedien großen Rückenwind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch dann kam Ebola. Der mediale Umgang mit der Krankheit war entlarvend für die Mechanismen der Afrika-Berichterstattung. Das mediale Interesse explodierte förmlich, als die Krankheit Europa erreichte: Am 12. August 2014 verstarb in Madrid der Geistliche Miguel Pajares, der zuvor als Pfleger in einem Krankenhaus in Liberias Hauptstadt Monrovia gearbeitet hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits mehr als 1.000 afrikanische Tote gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus war die Berichterstattung wenig präzise. Häufig wurde von einer &#8222;Ebola-Epidemie in Afrika&#8220; gesprochen. Tatsächlich gab es aber Krankheitsfälle in nur in sechs von 54 afrikanischen Staaten. Die inferiore Informationsleistung dürfte großen Schaden angerichtet haben: Reisebüros aus ostafrikanischen Ländern wie Kenia und Tansania beklagten schwere Umsatzeinbrüche – und das obwohl die Urlaubsmetropole Mombasa von Monrovia weiter entfernt liegt als Wien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list"><li>APA (13.02.1961): lebenslauf lumumba 1. a 132, Wien.</li><li>Bakondy, V. &amp; Winter, R. (2007): &#8222;Nicht alle Weißen schießen.&#8220; Afrika-Repräsentationen im Österreich der 1950er Jahre im Kontext von (Post-)Kolonialismus und (Post-)Nationalsozialismus. Innsbruck.</li><li>Freches, D. (2016): Nachholbedarf bei Afrika-Berichterstattung. Dortmund. Abgerufen von&nbsp;<a href="http://de.ejo-online.eu/qualitaet-ethik/nachholbedarf-bei-afrika-berichterstattung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://de.ejo-online.eu/qualitaet-ethik/nachholbedarf-bei-afrika-berichterstattung</a>, Zugriff am 18. April 2016.</li><li>Glodzinski, A. (2010): Raumbild Afrika. Die Konstruktion des afrikanischen Kontinents in deutschen Printmedien. Diplomarbeit. Trier.</li><li>Luger, K. (1998): Das Bild der Dritten Welt in Österreichs Öffentlichkeit. In: Medien Impulse, 26/1998, S. 15-20.</li><li>Das Medienquartett (2013): Zur Mediensituation in Afrika. Wien. Abgerufen von&nbsp;<a href="http://okto.tv/dasmedienquartett/10469/20130402" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://okto.tv/dasmedienquartett/10469/20130402</a>, Zugriff am 11.04.2016.</li><li>Mükke, L. (2009): Journalisten der Finsternis. Akteure, Strukturen und Potenziale deutscher Afrika-Berichterstattung. Köln.</li><li>Neuwirth, M (1992): Fern-Sehen. Afrikabilder des ORF in den Nachrichtensendungen Zeit im Bild 1 und Zeit im Bild 2. In: Zeitschrift für Afrikastudien, 15/1992, S. 3-17.</li><li>Der Spiegel (1969): Rettung durch die Stockfisch-Bomber, 24/1969, S. 106-114.</li><li>Pointner, A. &amp; Luger, K. (1996): Die &#8222;Gesichter Afrikas&#8220;. Ein Kontinent in der Konstruktion österreichischer Printmedien. In: Medien Journal, 20 (4/1996), S. 14-19.</li><li>Sauer, W. (2012): Auswanderung und Apartheid. Österreichische Emigration nach Südafrika 1948-1994. In: Heuberger, A. (Hg.), Rot-Weiß-Rot in der Regenbogennation. Geschichte und Geschichten österreichischer Auswanderer in Südafrika. Wien-Berlin, S. 97-119.</li><li>Sauer, W. (2014): Expeditionen ins afrikanische Österreich. Ein Reisekaleidoskop. Wien.</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Kriegsfürst aus dem Herz der Finsternis: Am Samstag, 24. Jänner 2009, veröffentlichten alle drei österreichischen Qualitätsmedien dasselbe Bild des kongolesischen Warlords Laurent Nkunda.</p>
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		<title>Solar-TV für ländliche Haushalte in Kenia</title>
		<link>https://afrika.info/solar-tv-fuer-laendliche-haushalte-in-kenia/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Mar 2016 14:47:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Energie]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Sturmer]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Tansania]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Uganda]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der kenianische Solar-Pionier M-KOPA sorgt erneut für Aufsehen. Das Unternehmen hat kürzlich sein erstes Solar-TV-Gerät vorgestellt, mit dem Millionen Menschen in Kenia der Traum vom eigenen Fernseher erfüllt werden soll. Für Mitte des Jahres ist der Marktstart in den Nachbarländern Uganda und Tansania geplant.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Martin Sturmer | 2. März 2016</p>



<p class="wp-block-paragraph">Salzburg (afr). Der kenianische Solar-Pionier M-KOPA sorgt erneut für Aufsehen. Das Unternehmen hat kürzlich sein erstes Solar-TV-Gerät vorgestellt, mit dem Millionen Menschen in Kenia der Traum vom eigenen Fernseher erfüllt werden soll. Für Mitte des Jahres ist der Marktstart in den Nachbarländern Uganda und Tansania geplant.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben der&nbsp;<a href="http://www.karf.or.ke/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kenia Audience Research Foundation</a>&nbsp;haben in Kenia 69 Prozent der Erwachsenen keinen täglichen Zugang zu einem Fernsehgerät. Vor allem in ländlichen Gebieten fehlt es oftmals an der dafür notwendigen Elektrizität. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es nach dem Solar-Unternehmen&nbsp;<a href="http://www.m-kopa.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">M-KOPA</a>&nbsp;geht, soll mit der Unterversorgung nun Schluss sein: Die junge Firma hat am 17. Februar ihr digitales Solar-TV vorgestellt und möchte damit den ostafrikanischen Markt erobern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daniel Okumu lebt mit seiner Frau Eunice in der Stadt Kisumu am Victoriasee. Er zählt zu den ersten Kunden von M-KOPA TV. &#8222;Mit einem Knopfdruck können wir nun die Welt von unserem komfortablen und sicheren Zuhause aus sehen&#8220;, schwärmt Okumu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn bislang war es für die meisten Mensch in Kenia gar nicht einfach, in den Genuss des TV-Programms zu kommen. &nbsp;&#8222;Viele mussten dafür bezahlen, um in Cafés oder Bars Fernsehen zu können&#8220;, weiß Jesse Moore, Geschäftsführer von M-KOPA. &#8222;Oder sie haben einfach Nachrichten und aktuelle Ereignisse verpasst, weil sie sich den Anschluss einfach nicht leisten konnten.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auch für ärmere Menschen leistbar</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Durch ein erprobtes Ratensystem sollen TV-Geräte auch für ärmere Menschen leistbar sein. M-KOPA TV gibt es in zwei Angebotsvarianten: Bestehende Kunden, die bereits ihre Solaranlage von M-KOPA abbezahlt haben, können das TV-Gerät mit seinem 16-Zoll-Bildschirm für eine Kaution von 1.500 Kenia-Schilling (13,60 EUR) und eine tägliche Rate von 50 Kenia-Schilling (0,45 EUR) für die Dauer von 24 Monaten erwerben. Nach Ablauf der zwei Jahre gehört das TV-Gerät ihnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neukunden müssen eine Kaution von 7.900 Kenia-Schilling (71,50 EUR) und eine tägliche Belastung von 125 Kenia-Schilling (1,13 EUR) für den Zeitraum von zwölf Monaten in Kauf nehmen. Dafür erhalten sie ein Heimsolarsystem samt Digital-TV und reichlich Zubehör. Die Verrechnung erfolgt in beiden Fällen über das mobile Bezahlsystem&nbsp;<a href="http://www.safaricom.co.ke/personal/m-pesa" target="_blank" rel="noreferrer noopener">M-PESA</a>, das vom Telekommunikationsanbieter Safaricom betrieben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der in den digitalen Fernsehern eingebaute Decoder soll den Empfang von bis zu 26 Kanälen ermöglichen. Die TV-Geräte wurden von M-KOPA-Ingenieuren entworfen, werden aber in China produziert. Anders verhält es sich bei den Solarmodulen, die im kenianischen Naivasha hergestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Moore erwartet, dass M-KOPA in den nächsten Jahren mehrere Millionen Kunden in dem ostafrikanischen Land mit seinen 45 Millionen Einwohnern gewinnen wird. Mitte 2016 soll das digitale Solar-TV auch in den Nachbarländern Uganda und Tansania an den Start gehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Im Fokus von internationalen Investoren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">M-KOPA hat seit seiner Gründung im Oktober 2012 für viel Bewegung im kenianischen Energiemarkt gesorgt. Das Unternehmen wurde durch seine Haussolaranalagen bekannt, die gegen eine Kaution von 3.500 Kenia-Schilling (31,70 EUR) und eine tägliche Rate von 50 Kenia-Schilling (0,45 EUR) für die Fortdauer eines Jahres erworben werden können. Nach Eigenangaben zählt M-KOPA heute mehr als 250.000 Kunden in Kenia, mit Uganda und Tansania sollen es bereits über 300.000 Kunden sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der große Erfolg hat internationale Investoren auf den Plan gerufen: Allein im Jahr 2015 hat M-KOPA 28,7 Millionen Euro für den Ausbau des Unternehmens erhalten. Unter den Geldgebern finden sich namhafte Größen wie&nbsp;<a href="http://www.m-kopa.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Generation Investment Management</a>&nbsp;um den früheren US-Vizepräsidenten Al Gore, Sir Richard Branson oder die AOL-Gründer Jean und Steven Case. (afr)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Titelbild:</strong> Daniel und Eunice Okumu aus Kisumu zählen zu den ersten Kunden von M-KOPA TV (Foto: M-KOPA Solar/Allan Gichigi).</p>
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		<title>Uganda: Nachrichten im Rap-Gewand</title>
		<link>https://afrika.info/uganda-nachrichten-im-rap-gewand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[afrika.info]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Mar 2014 08:06:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uganda]]></category>
		<category><![CDATA[Amy Fallon]]></category>
		<category><![CDATA[Innovation]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[NewzBeat]]></category>
		<category><![CDATA[Rap]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://test.afrika.info/?p=974</guid>

					<description><![CDATA[<p>"Ein paar Tage haben sie gefeiert, dann war es mit der Party vorbei", rappt Sharon Bwogi alias "Lady Slyke" über die derzeitige politische Lage in der Ukraine in der brandneuen ugandischen Fernsehsendung "Newz Beat". Es mag befremdlich erscheinen, wenn Nachrichten im Sprechgesang vorgetragen werden. Doch junge Leute sind begeistert.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Von Amy Fallon | 21. März 2014</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kampala (IPS/afr). &#8222;Ein paar Tage haben sie gefeiert, dann war es mit der Party vorbei&#8220;, rappt Sharon Bwogi alias &#8222;Lady Slyke&#8220; über die derzeitige politische Lage in der Ukraine in der brandneuen ugandischen Fernsehsendung &#8222;Newz Beat&#8220;. Es mag befremdlich erscheinen, wenn Nachrichten im Sprechgesang vorgetragen werden. Doch junge Leute sind begeistert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich will der ungandische TV-Sender NTV mit dem innovativen Format, das an den Wochenenden in Englisch und in der lokalen Sprache Luganda ausgestrahlt wird, gezielt ein junges Publikum ansprechen. Schließlich sind rund die Hälfte der 36,4 Millionen Einwohner des ostafrikanischen Landes jünger als 15 Jahre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Newz Beat wird in einem Studio in einem Vorort der Hauptstadt Kampala mit geringem technischem Aufwand aufgezeichnet. Jede Woche wird eine vier bis fünf Minuten lange Folge gefilmt, die jeweils vier oder fünf internationale und lokale Themen präsentiert, auch aus Gesellschaft, Sport und Unterhaltung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bwogi führt gemeinsam mit Daniel Kisekka alias &#8222;Survivor&#8220; durch das Programm. Als &#8222;Sonderkorrespondentin&#8220; kommt eine erst 13-jährige Schülerin alias &#8222;MC Loy&#8220; zum Einsatz, die die jüngste &#8222;rappende Journalistin&#8220; ist. Zum Anlass des Internationalen Frauentags am 8. März rappte sie über weibliche Boxer aus dem Katanga-Slum in der Hauptstadt Kampala.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Programm, das sich an Vorbildern aus Senegal, einer Hochburg des HipHop, orientiert, wird erst seit einigen Wochen in Uganda ausgestrahlt. &#8222;Momentan sind wir ein Gemischtwarenladen. Die HipHop-Fans sind verrückt danach, aber es gibt auch Leute, die die Sendung nicht verstehen. Denn HipHop kommt hier in Uganda gerade erst an&#8220;, sagt Kisekka, der selbst schon seit 1988 rappt.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="unterhaltsam-informativ-und-lehrreich">Unterhaltsam, informativ und lehrreich</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue Sendung sei nicht nur unterhaltsam, sondern auch informativ und lehrreich, so der Moderator. &#8222;Die meisten jungen Menschen in Uganda unter 30 interessierten sich nicht für Nachrichten, dafür aber für HipHop&#8220;, erläutert er. &#8222;Nach unseren Sendungen sagen sie oft: &#8218;Ich wusste gar nicht, dass so etwas passiert ist.&#8216; Wir bringen Nachrichten in einer Sprache, die sie verstehen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der 23-jährige Arnold Ntume kam beim Zappen durch die TV-Kanäle zufällig zu Newz Beat. Inzwischen ist er ein Fan. &#8222;Es ist mal etwas anderes, und ich erfahre dadurch mehr&#8220;, meint der Videofilmer. &#8222;Manche dieser Nachrichten kommen in anderen Sendern gar nicht vor. Das gilt vor allem für alltägliche Geschichten.&#8220;</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Newz Beat #5 15/03/2014 (ENGLISH rap news)" width="500" height="375" src="https://www.youtube.com/embed/4dQx_4AxzNI?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div><figcaption>Newz Beat vom 15. März 2014</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Und im letzten Jahresbericht über die Pressefreiheit 2013, den die Uganda-Sektion des Menschenrechtsnetzwerks für Journalisten Anfang März vorgestellt hat, ist von einem immer weiter schwindenden Spielraum für ugandische Berichterstatter die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Human Rights Watch&#8220; (HRW) warnt seit Jahren über die Beschneidung der freien Meinungsäußerung durch die Regierung in Kampala. Die Begründung, die öffentliche Ordnung müsse aufrechterhalten werden, sei mehr als fadenscheinig, so Maria Burnett von HRW-Afrika. &#8222;Journalisten und Radiobetreiber werden eingeschüchtert, vor allem wenn sie abweichende politische Ansichten äußern oder über Korruption und unzureichende strafrechtliche Ermittlungen außerhalb von Kampala berichten.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Burnett kritisiert, haben die Medienregulierungsbehörden in Uganda bereits mehrfach unter Beweis gestellt, dass sie parteiisch sind. &#8222;Das ist alles sehr beunruhigend, denn die Grundlage der freien Meinungsäußerung ist das Recht, hochgestellte Persönlichkeiten kritisieren zu dürfen.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="die-menschen-auf-der-strasse-erreichen">Die Menschen auf der Straße erreichen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">NewzBeat erhebt nicht den Anspruch, objektiv zu sein, sondern bekennt sich klar zu den Menschen auf der Straße, &#8222;der einzigen Partei, der wir uns anschließen&#8220;. Kisekka zufolge behandeln er und seine Kollegen Themen, die in den meisten anderen Sendern untergehen. &#8222;Über Korruption beispielsweise wird in Uganda nie berichtet. Wir aber wollen Themen zur Sprache bringen, die ansonsten tabu sind.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst kürzlich kam Uganda erneut in die negativen Schlagzeilen, als Staatschef Museveni ein umstrittenes Gesetz unterzeichnete, dass die Strafen für Homosexualität verschärft. Außerdem billigte er ein weiteres Gesetz, das das Tragen von Miniröcken unter Strafe stellt. Im ganzen Land kam es daraufhin zu gewaltsamen Übergriffen auf Frauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">NewzBeat griff beide Themen auf, das Anti-Schwulen-Gesetz jedoch eher nebenbei, &#8222;denn wir wissen ja, wie die Menschen hier denken&#8220;, so Bwogi. Die Rapper befassten sich außerdem mit dem 90. Geburtstag des simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe, den Konflikten in der Zentralafrikanischen Republik und im Südsudan sowie mit den umstrittenen Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi und dem Klimawandel.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="kreativer-prozess">Kreativer Prozess</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sobald das Team über den jeweiligen Sendeablauf entschieden hat, beginnt der kreative Teil der Arbeit. &#8222;Ich liebe es zu reimen und dabei gleichzeitig eine Geschichte zu erzählen&#8220;, sagt Bwogi, die 1999 mit dem Rappen begonnen hatte. Sie unterrichtet Lyrik und Songschreiben, außerdem ist sie Modedesignerin. &#8222;Eigentlich machen wir das, was Rapper hier schon immer getan haben. Wir wollen aber auch Themen aus anderen Ländern dazu nehmen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bwogi zufolge ist es für das Publikum kein Problem, den Versen zu folgen. &#8222;Wir rappen nicht ganz so schnell&#8220;, erklärt sie. &#8222;Unsere Zuschauer mögen das. Viele sagen, sie hätten so etwas noch nie gehört.&#8220; Kisekka räumt ein, dass das Schreiben der Nachrichten-Songs gar nicht so einfach ist. &#8222;Man muss die Regeln des HipHop beachten, ohne den Sinn der Nachrichten zu ändern.&#8220; Er hofft nun auf Sponsoren und die Unterstützung weiterer Reporter, damit man längere Beiträge produzieren könne. &#8222;Dann hätten wir Mitarbeiter, die wir in den Norden Ugandas schicken könnten, damit sie die Geschichten der Menschen dort einfangen.&#8220; (afr/IPS)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://afrika.info/uganda-nachrichten-im-rap-gewand/">Uganda: Nachrichten im Rap-Gewand</a> erschien zuerst auf <a href="https://afrika.info">afrika.info</a>.</p>
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