Wirtschaft: Von Kairo nach Kapstadt

Größte Freihandelszone des Kontinents rückt in den Focus von Investoren

Von Baher Kamal und Fareed Mahdy | 25.02.2016

Madrid/Kairo. 1.800 Vertreter von Regierungen, Unternehmen und internationalen Organisationen haben am 20. und 21. Februar auf dem Investmentforum 'Africa 2016' in Sharm El-Sheikh in Ägypten teilgenommen. Dabei wurden weitere Investitionen in den Aufbau der größten afrikanischen Freihandelszone beschlossen.

Geschäftszeile in Naivasha in Kenia: Immer mehr Menschen zählen in Afrika zur Mittelschicht, die Kaufkraft wächst (Bild: Nick Fox/Shutterstock.com).

Die Dreier-Freihandelszone (Tripartite Free Trade Area, TFTA) wurde im Juni letzten Jahres vereinbart. Sie umfasst 27 Länder mit 620 Millionen Menschen und ein Bruttoinlandsprodukt von 1,2 Billionen US-Dollar. Über die Höhe der nun beschlossenen Investitionen für die TFTA gibt es derzeit keine offiziellen Angaben.

Ein Mitglied der ägyptischen Delegation, das anonym bleiben will, beschreibt aber den aktuellen Diskussionsstand: "Es ist klar, dass Afrika der Kontinent der Zukunft ist. Aber es gibt noch riesige Hürden zu überwinden. Afrikanische Regierungen müssen gewaltige Anstrengungen unternehmen, um das passende Investitionsklima zu schaffen. Dazu zählen die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Bekämpfung der grassierenden Korruption, der Abbau von bürokratischen Hürden, die Reform der Finanzsysteme, eine demokratische Regierungsführung und die Verhinderung und Beendigung der vielen bewaffneten Konflikte."

Der Beseitigung dieser Hindernisse müsse absolute Priorität eingeräumt werden, meint der ägyptische Diplomat: "Sonst wird es nur noch mehr Treffen geben, aber die Entscheidungen werden nicht in die Tat umgesetzt werden können. Das Handelsvolumen afrikanischer Staaten untereinander macht nur rund zehn Prozent des Außenhandels des Kontinents aus. Dieser Wert wird sich nicht erhöhen, bevor nicht die Zollschranken fallen und Infrastruktur wie Straßen und Häfen ausgebaut werden."

Konsumentenmarkt wächst rasch

"Die Zeiten in Afrika haben sich verändert", heißt es im Begleitpapier zur Konferenz Africa 2016, an der auch die Staatschefs von Äquatorialguinea, Gabun, Kenia, Nigeria, Sudan und Togo teilnahmen. Zu den traditionellen Geschäftspartnern aus Europa, Nordamerika und Asien haben neue Player aus Südamerika, Osteuropa, der Golfregion und Afrika selbst das Spielfeld betreten. Branchen wie Lebensmittel, Informationstechnologie, Einzelhandel, Tourismus und Finanzen sind in Blickfeld von international operierenden Unternehmen gerückt.

Für den gegenwärtigen Afrika-Boom zeichnet vor allem der wachsende Konsumentenmarkt verantwortlich. Laut dem Begleitpapier zählen 313 Millionen Konsumenten in Afrika zur Mittelklasse, ihre jährlichen Ausgaben sollen sich von gegenwärtig einer Billion US-Dollar bis ins Jahr 2020 auf 1,4 Billionen US-Dollar erhöhen. Auch die Erwerbsbevölkerung werde in diesem Zeitraum kräftig wachsen – von 382 Millionen auf über 500 Millionen Menschen.

Von der TFTA zur CFTA

Das Abkommen über die Schaffung der Dreier-Freihandelszone (TFTA) wurde am 10. Juni 2015 in Sharm El-Sheikh von den Mitgliedsstaaten der Handelsblöcke COMESA (Common Market for Eastern and Southern Africa), SADC (Southern African Development Community) und EAC (East African Community) unterzeichnet. Allerdings haben derzeit erst 16 der 26 Länder das Abkommen ratifizert.

Die TFTA wird jedenfalls als Zwischenschritt betrachtet. Afrikanische Staatschefs hatten bereits bei ihrem Gipfel in Addis Abeba im Jahr 2012 die Schaffung einer Kontinentalen Freihandelszone (Continental Free Trade Area, CFTA) mit Start im Jahr 2017 beschlossen. Die CFTA soll alle 54 afrikanischen Staaten umfassen. Das Bruttoinlandsprodukt Afrikas liegt derzeit bei 2,2 Billionen US-Dollar. (afr/IPS)

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Von Kairo bis zum Kap: Die Dreier-Freihandelszone (TFTA) umfasst ein kombiniertes Bruttoinlandsprodukt von derzeit 1,2 Billionen Euro (Quelle: IWF, 25. Februar 2016).

*Für Ägypten werden in der IWF-Datenbank keine Vergleichswerte für das Jahr 2015 angegeben. Es wurde daher der Wert von 2014 herangezogen.

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