Westsahara: 'Der Welt zeigen, dass es uns gibt'

Fußballturnier für nicht anerkannte Staaten, Minderheiten und Staatenlose

Von Karlos Zurutuza | 05.07.2012

Camp Rabuni, Algerien. Das Fußball-Team ist wieder ins Flüchtlingslager in Algerien zurückgekehrt. Der Wettkampf, für den die Spieler im Irak waren, hat allerdings nichts mit dem Fußball-Weltverband FIFA zu tun, und auch die Kamerateams der großen Medienanstalten waren nicht dabei: Der Viva World Cup 2012 fand vom 4. bis 9. Juni im irakischen Erbil statt.

"Die Spieler haben eine gute Leistung hingelegt, auch wenn kaum jemand vor Ort war, um dies zu bezeugen", sagt Mohamed Sid Ahmed Bugleida. "Anfangs sind ein paar von den Jungs immer mal ausgerutscht – aber das ist verständlich, schließlich haben die meisten von ihnen zum ersten Mal auf einem Rasenplatz gespielt." Bugleida ist Sport-Direktor im Ministerium für Jugend und Sport der Demokratischen Arabischen Republik Sahara.

Nur wenige wissen, dass es dieses Ministerium gibt, und ebenso unbekannt ist der Fußball-Cup, von dem die Rede ist. Immerhin findet der Wettkampf schon zum vierten Mal im Rahmen des 'Nouvelle-Fédération-Board' statt. Der Fußballverband, der auch Non-FIFA-Board genannt wird, wurde 2003 in Brüssel gegründet. In ihm sind Nationalmannschaften versammelt, die keine FIFA-Mitglieder sind, außerdem Mannschaften von nicht anerkannten Staaten, Minderheiten und Staatenlosen.

Einer dieser nicht anerkannten Staaten ist die Demokratische Arabische Republik Sahara in der Westsahara. Spanien überließ 1976 die Westsahara den Händen Marokkos und Mauretaniens. Fast das gesamte Territorium, das größer ist als Großbritannien, wird heute von Marokko kontrolliert – abzüglich der unbewohnten und ökonomisch uninteressanten Teile der Wüste.

Der Großteil der Sahrauis lebt allerdings nicht in der Westsahara, sondern in Flüchtlingscamps in Algerien nahe der Stadt Tindouf. Laut Vereinten Nationen sind dies 200.000 bis 250.000 Menschen.

Fahnen unerwünscht

Bugleidas Büro liegt in einem dieser Camps. "Wir konnten während des Turniers unsere Flaggen nicht einfach so hissen", erzählt er. Der Wettkampf fand im kurdischen Teil Iraks statt, und Marokko habe auf die regionale Verwaltung Druck ausgeübt. "Mit den Behörden lagen wir deswegen im Clinch, aber die kurdischen Zuschauer haben uns unterstützt."

Nebenan feiern die rund 20 Spieler der sahrauischen Mannschaft mit algerischen Keksen und Instant-Kaffee ihren sportlichen Erfolg. Der 26-jährige Cori Maaruf freut sich: "Ich bin stolz, im Geschichtsbuch unseres Volkes eine Seite beschrieben zu haben", sagt er. Seine Mannschaft habe zum ersten Mal an dem Turnier teilgenommen und nicht schlecht abgeschnitten. "Wir haben den vierten von neun Plätzen belegt." Und das, obwohl die Sahrauis bisher ausschließlich auf Sandboden gespielt haben, im Irak aber auf Rasen antreten mussten. "In den Flüchtlingscamps haben wir keinen vernünftigen Boden."

Gewonnen haben die Kurden – allerdings spielen auch vier ihrer Mannschaftsmitglieder in der irakischen National-Elf.

Salah Ahmed hat die meisten Tore seiner Mannschaft geschossen: Zwei gegen Darfur, eine weitere Nicht-Nation, und eines gegen Okzitanien, eine Region im Süden Frankreichs und in der Piemont-Region Italiens. "Ob wir jemals für einen voll anerkannten Staat spielen können werden, weiß allein Gott", sagt der 24-Jährige, der im Flüchtlingslager Dajla geboren wurde, 170 Kilometer südlich des Camps Rabuni, in dem er nun zusammen mit seinen Team-Kollegen feiert. Bis es so weit ist, will er die sahrauische Flagge weiterhin stolz vor sich hertragen.

"Wichtiger als gute sportliche Ergebnisse ist es doch, der Welt zu zeigen, dass wir existieren – dass es einen Staat gibt, der sich die Republik Sahara nennt, und der nach Jahrzehnten unfairer und brutaler Besatzung weiterhin versucht zu überleben", fügt der Spieler Said Saleh hinzu.

Die Jugend begeistern

Für den Sport-Minister der Republik, Mohamed Moulud Mohamed Fadel, ist der Wettkampf auch wichtig, um den Enthusiasmus der Jugend zu stärken. "Es ist schwierig, in einem Umfeld wie diesem praktisch komplett ohne finanzielle Mittel Interesse und Freude am Sport zu entwickeln."

Während die Fußballer ihre Rolle als Repräsentanten ihres Staates gerade erst übernommen haben, wird ihre Regierung, die Front POLISARIO, bereits seit 1979 von der UN als legitime Vertretung des westsaharischen Volkes anerkannt. (afr/IPS)

| Tags: , , , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus