Westafrika: Ebola-Ausbruch verschärft Ernährungskrise

Erschwerter Zugang zur Nahrungsmitteln in Guinea, Liberia und Sierra Leone

Von Thalif Deen | 23.10.2014

New York. In den drei westafrikanischen Staaten, in denen der Ausbruch des Ebola-Virus bisher mehr als 4.500 Menschenleben gekostet hat, zeichnet sich die Gefahr einer Hungerkrise ab. Die Epidemie trifft mit Guinea, Liberia und Sierra Leone Länder, die seit langem durch Armut und Unterversorgung geschwächt sind. Experten fordern mehr Finanz- und Nahrungsmittel für die Region.

Sierra Leone: into the Ebola epicentreVor allem die Ernährung von Kindern ist durch den Ebola-Ausbruch schwierig geworden: In Sierra Leone wurden Schulen geschlossen, Schüler kommen nicht mehr in den Genuss von Ausspeisungen (Bild: European Commission DG Echo, CC BY-ND 2.0).

Die Katastrophe sei aufgrund einer Reihe zusammenhängender Faktoren wie dem Sterben von Bauern, dem Verlust von Arbeitskräften sowie einem Anstieg der Transport- und Nahrungsmittelkosten programmiert, warnte Shenggen Fen, Generaldirektor des 'International Food Policy Research Institute' (IFPRI). Auf die betroffenen Staaten komme eine Ernährungskrise zu, die Jahrzehnte andauern könnte.

Nach den jüngsten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bisher 9.000 Fälle von Ebola bekannt. 4.262 Infektionen wurden aus Liberia, 3.410 aus Sierra Leone und 1.519 aus Guinea gemeldet. Die meisten Todesfälle verbucht Liberia (2.484), gefolgt von Sierra Leone (1.200) und Guinea (862).

Gute Nachrichten aus Senegal und Nigeria

UN-Sprecher Stephane Dujarric erklärte gegenüber Journalisten am 20. Oktober, dass Nigeria offiziell von dem Verdacht, ein Ebola-Übertragungsland zu sein, freigesprochen worden ist. Das hatte die WHO bekannt gegeben, nachdem in dem Land 42 Tage lang kein einziger Infektionsfall aufgetreten ist. Die WHO sprach in diesem Zusammenhang von einer "spektakulären Erfolgsgeschichte, die zeigt, dass Ebola eingedämmt werden kann".

Diese gute Nachricht mache anderen Entwicklungsländern Mut, die Angst davor hätten, dass das Virus möglicherweise bis zu ihnen vordringen könnte, und die bemüht seien, ihre Vorsorgemaßnahmen zu verbessern. Senegal war schon wenige Tage vor der WHO-Ankündigung zu einem Ebola-freien Land erklärt worden.

Dem UN-Sprecher zufolge wurden in den von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon eingerichteten Trustfonds zur Bekämpfung von Ebola inzwischen 8,8 Millionen US-Dollar eingezahlt. Weitere fünf Millionen sind zugesagt. Insgesamt liegen Zusagen in Höhe von 43,5 Millionen Dollar vor. Ban drängt die Geber dazu, die Mittel möglichst bald bereitzustellen.

Dujarric brachte seine Betroffenheit über den Tod eines mit Ebola infizierten Mitarbeiters der UN-Frauenorganisation 'UN Women' zum Ausdruck. Die Frau des Opfers werde derzeit behandelt. "Es werden alle unter diesen besonderen Umständen möglichen Vorkehrungen getroffen, um die in Sierra Leone stationierten UN-Mitarbeiter zu schützen", versicherte er. Die Maßnahmen beinhalten die Dekontaminierung der lokalen UN-Klinik, die Bereitstellung einer Isolationsstation für mutmaßliche Ebola-Patienten und die Suche nach den Personen, die mit Infizierten in Kontakt gekommen sind.

In einer Mitteilung vom 21. Oktober beschreibt IFPRI die facettenreichen Auswirkungen der Seuche. In Sierra Leone sind Schulen geschlossen worden. Für die Kinder heißt das nicht nur Unterrichtsausfall, sondern auch, nicht mehr in den Genuss der Schulspeisungen zu kommen. Der eingeschränkte Zugang zu Buschfleisch, dem möglichen Ebola-Infektionsherd, bringt die Menschen zudem um eine wichtige Protein- und Nährstoffbezugsquelle.

"Auch werden die Kosten für Grundnahrungsmittel wie Reis und Maniok in den betroffenen Gebieten angesichts verlassener Felder und Arbeitskräftemangel dramatisch ansteigen", heißt es in dem Statement. Ebenso wenig gelangen Nahrungsmittel aus diesen Gebieten in andere Regionen. Um das ganze Ausmaß der Tragödie abschätzen zu können, müssten die Folgen der Epidemie für die Ernährungssicherheit berücksichtigt werden, so IFPRI.

Krise mit Langzeitfolgen

"Die Weltgemeinschaft muss sich zusammentun und sicherstellen, dass nicht nur die mit Ebola infizierten Menschen, sondern auch diejenigen aufgefangen werden, deren Zugang zu Nahrungsmitteln gefährdet ist", hieß es. Dies lasse sich in Form zusätzlicher Finanzmittel, von Naturalien und medizinischer Interventionen bewerkstelligen.

Auch nach einem Ende der Ebola-Epidemie müssten die Menschen in den drei betroffenen Ländern Unterstützung erhalten. Es gelte vor allem soziale Maßnahmen zu ergreifen und in die Landwirtschaft zu investieren, um eine Rückkehr zur Normalität zu gewährleisten.

Jüngste Anstrengungen des Welternährungsprogramms (WFP), etwa 1,3 Millionen Menschen in diesen drei Ländern mit Nahrungsmitteln zu versorgen, geben eine Vorstellung von dem ganzen Ausmaß der derzeitigen Krise. Die UN-Agrarorganisation FAO wiederum versorgt fast 90.000 Bauernfamilien mit Nahrungsmitteln.

Wie Fen berichtete, beginnt in Westafrika die Erntezeit. Doch aufgrund des Arbeitskräftemangels wird die Ernährungssicherheit zehntausender Menschen in den von Ebola betroffenen Gebieten gefährdet. (afr/IPS)

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