Uganda: Welker Kaffee

Klimawandel gefährdet die Existenz von Kleinbauern

Von Prossy Nandudu | 08.10.2014

Kampala. Als Abudu Zikusoka noch ein kleiner Junge war, brachte sein Vater in regelmäßigen Abständen Fremde mit auf die Familienfarm in Ndesse, einem Dorf im Bezirk Mukono in Zentraluganda. Dann sah er dabei zu, wie sie die geernteten Kaffeebohnen untereinander aufteilten, in Säcke füllten und auf ihre Fahrräder luden.

Coffee berry picking, Busia, Uganda / Credit: Wambi Michael/IPSDie Bäuerin Sera Nafungo pflückt Kaffeebohnen in Bukalasi im Osten Ugandas (Bild: Wambi Michael/IPS).

"Bevor sie davon fuhren, bezahlten sie meinen Vater, der dann meiner Schwester einige Münzen zusteckte", erinnert sich Zikusoka. Später konnte er beobachten, wie auch sein Bruder zu Beginn eines jeden Schuljahrs einen kleinen Betrag in Empfang nahm. Seine Schwester erklärte ihm später, dass ein Teil der Kaffeeeinnahmen für die Schulgebühren verwendet würden.

Die Erkenntnis, mit Kaffee genug für die Bedürfnisse der ganzen Familie verdienen zu können, gab den Ausschlag, dass Zikusoka in die Fußstapfen des Vaters trat und ebenfalls Kaffee anbaute. Auf einer einen halben Hektar großen Parzelle, die der Sohn 2005 zur Hochzeit erhielt, baute er neben den Kaffeesträuchern Bananen, Kassava und Mais an. Inzwischen konnte er seinen Besitz um einen weiteren Hektar vergrößern.

Kaffee ist Ugandas wichtigster Devisenbringer. Das ostafrikanische Land ist zudem Afrikas Kaffeehauptlieferant. So nimmt allein Äthiopien mehr als die Hälfte der ugandischen Kaffeeernten ab. Die Ugandische Kaffeeentwicklungsbehörde schätzt, dass Kleinbauern 85 Prozent des gesamten in Uganda produzierten Kaffees erzeugen. Die jeweiligen Parzellen sind zwischen 0,5 bis 2,5 Hektar groß. Insgesamt beschäftigt der Sektor 3,5 Millionen Menschen.

Kaffeepflanzen unter Dauerbeschuss

Doch im Zuge des Klimawandels ist Gefahr in Verzug. "Die Erträge fallen inzwischen sehr armselig aus, und fast die ganze Zeit sind die Pflanzen von Schädlingen und Krankheiten bedroht", berichtet Zikusoka. "Doch am schlimmsten war die Kaffeewelke im letzten Jahr. Durch sie habe ich fast alles verloren."

Wie Zikusoka gibt es viele Bauern im Bezirk Mukono. Seit dem Erstbefall des ugandischen Robusta-Kaffees sind mindestens zwölf Millionen Pflanzen eingegangen. Hinzu kommen die Schäden, die der Schwarze Kaffeezweigbohrer und andere Parasiten anrichten.

"Bevor sich die Kaffeewelke bei uns breitgemacht hatte, konnten wir in einer guten Saison mit unseren Kaffeebohnen zwischen 700 und 1.000 US-Dollar verdienen", berichtet der Farmer. "Die wenigen verbliebenen gesunden Sträucher werfen höchstens 250 Dollar ab. Ich habe keine Ahnung, ob wir jemals wieder in der Lage sein werden, mehr mit unseren Kaffeebohnen zu verdienen."

Zikusoka hofft nun auf neue resistente Kaffeesorten, die das Nationale Kaffeeforschungsinstitut (NaCORI) in Kituuza in Mukono entwickelt hat. Die Varietäten sollen immun gegen die Schädlinge sein, die sich längst an die höheren Temperaturen gewöhnt haben.

Im August hatte der Weltklimarat seinen fünften Expertenbericht in der ugandischen Hauptstadt Kampala vorgestellt. Der Report bestätigte den Verdacht, dass Pflanzenschädlinge und –krankheiten aufgrund des Klimawandels immer weiter um sich greifen.

Wie Africano Kangire vom NaCORI betont, weist alles darauf hin, dass der Temperaturanstieg die Ausbildung von Krankheiten und Schädlingen begünstigt. Die Erderwärmung wird auf menschliche Aktivitäten wie die Verbrennung fossiler Brennstoffe, den Kahlschlag der Wälder und auch die Holzkohleproduktion zurückgeführt.

"Hohe Temperaturen schaffen einen idealen Nährboden für Kaffeeparasiten und Krankheiten. Das hat sich schon im Zusammenhang mit der Malaria gezeigt, die anders als zuvor inzwischen das Hochland erreicht hat", betonte Kangire.

Dem Experten zufolge kommt es in Uganda inzwischen zu unberechenbaren Wetterschwankungen. Sollten die Temperaturen wie befürchtet um mehr als zwei Grad Celsius steigen, könnte die Produktion von Robusta-Kaffee nur noch in einigen wenigen, kühleren Hochlandgebieten möglich sein.

Hitze in Hochlandregionen

Kangire zufolge ist der Kaffeerost, der lange Zeit nur die Kaffeepflanzen befiel, die unterhalb von 1.400 Meter über dem Meeresspiegel angepflanzt worden waren, inzwischen auch in 1.800 Meter Höhe über dem Meeresspiegel anzutreffen. Auch die Kaffeebohnenkrankheit, die dem Arabica-Kaffee zusetze, sei inzwischen ebenfalls oberhalb der 1.800-Meter-Grenze anzutreffen. Zuvor hatte sie sich auf Höhen unterhalb der 1.600-Meter-Grenze beschränkt.

Laut dem jüngsten Bericht der Ugandischen Kaffeeentwicklungsbehörde verdiente Uganda mit seinen Kaffeeexporten im Juli 37,9 Millionen Dollar. Gegenüber dem Vormonat war dies immerhin ein Plus von 6,5 Millionen Dollar. Der Behördenchef Henry Ngabirano führt den Zuwachs auf die Verwendung von Klonkaffee zurück. Seiner Meinung nach hat das Land gute Chancen, sich an den Klimawandel anzupassen.

Während Wissenschaftler am NaCORI an verbesserten und resistenten Kaffeesorten arbeiten, warnt Paul Isabirye vom Amt für Meteorologie, dass die Temperaturen seit der Veröffentlichung des Klimaratsberichts weiter gestiegen sind. Viel Sonne und wenig Regen bedeute jedoch, dass die Erträge kleiner ausfallen werden. (afr/IPS)

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