Uganda: Verzehr von Schimpansen nimmt zu

Tierschützer schlagen Alarm

Von Henry Wasswa | 02.11.2012

Albertine Rift-Region. Tierschützer im Westen Ugandas beobachten einen zunehmenden Verzehr von Schimpansenfleisch. Sie kritisieren, dass die Primaten schon jetzt vom Aussterben bedroht sind. Experten befürchten darüber hinaus, dass sich schwere Erkrankungen ausdehnen könnten, wie z. B. das gefürchtete Ebola-Virus.

"Dass Ugander Affenfleisch essen, ist neu und erschreckend zugleich. Gerade für Schimpansen wird es immer schwieriger zu überleben", meinte Lily Ajarova, die auf der Insel Ngamba im Viktoriasee in der Albertine Rift-Region eine Zufluchtsstätte für Schimpansen führt.

In der Auffangstation leben derzeit 48 Tiere, die aus menschlicher Gefangenschaft befreit werden konnten. Das Zentrum wurde mit Hilfe des Jane-Goodall-Instituts aufgebaut. Es wird vom 'Chimpanzee Sanctuary and Wildlife Trust' verwaltet. Goodall ist eine Verhaltensforscherin, die sich mit ihren Studien über Schimpansen weltweit einen Namen machte.

Vor einigen Jahrzehnten waren die dichten tropischen Wälder in der Albertine Rift-Region noch von Zehntausenden Schimpansen bevölkert. Das Gebiet liegt am westlichen Ausläufer des auch unter dem Namen Ostafrikanischer Grabenbruch bekannten 'Great Rift Valley', der sich vom Nordwesten Ugandas entlang der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo (DRC) bis in den äußersten Südwesten erstreckt.

Schimpansen in weiten Teilen Afrikas gefährdet

Nach Angaben der Umweltorganisation 'World Wildlife Fund' sind Schimpansen in vier afrikanischen Staaten bereits ausgestorben. In vielen anderen Ländern ist ihre Existenz akut bedroht, weil immer mehr Wälder abgeholzt werden und die Menschenaffen als Nahrung dienen. Nach offiziellen Schätzungen gibt es in Uganda nur noch etwa 5.000 Exemplare.

Die meisten der übrig gebliebenen Primaten leben in sechs größeren Schutzgebieten in der Albertine Rift-Region, andere in Wäldern, die sich in privater Hand befinden. Wie Ajarova berichtete, wurden ihre Mitarbeiter zum ersten Mal vor zwei Jahren darauf aufmerksam, dass im Westen Ugandas Affenfleisch gegessen wird, zumeist von Einwanderern oder Flüchtlingen aus der benachbarten DRC. Schimpansenfleisch sei kein Teil der traditionellen Ernährung der Ugander, betonte sie.

Seit dem Zustrom der Menschen aus dem Kongo hat sich laut Ajarova das Gleichgewicht der Bevölkerung in der Region verschoben. Auch die lokalen Gebräuche hätten sich verändert. Im Juli hatte der für Hilfe, Katastrophenschutz und Flüchtlinge zuständige ugandische Minister Musa Ecweru erklärt, dass sein Land Mühe habe, die zahlreichen Flüchtlinge aus der DRC-Provinz Nord-Kivu zu ernähren. Ihre Zahl wird im Westen Ugandas auf etwa 16.000 geschätzt.

"Die Flüchtlinge könnten die lokale Bevölkerung dazu ermutigt haben, Schimpansenfleisch zu essen", meinte die Tierschützerin. "Diese Angewohnheit können wir mittlerweile in fast allen Dörfern im Westen des Landes beobachten. Ab und zu sehen wir Dorfbewohner mit Affenkadavern, darunter auch Schimpansen."

Vertreter der Behörden nehmen an, dass die Menschen auch deshalb immer mehr Affenfleisch essen, weil die Albertine Rift-Region sehr arm ist. Die meisten Bewohner leben demnach von dem, was die Wälder hervorbringen. Sie haben kein Geld, um sich Fleisch zu kaufen. "Die Menschen sind verzweifelt, denn sie leben in einer unterentwickelten Region", meinte Ajarova.

Affen können Ebola-Virus übertragen

Experten befürchten nun, dass der Verzehr von Schimpansen zu einem neuen Ausbruch der Ebola-Krankheit führen könnte. Das hämorrhagische Fieber wird offenbar durch den Kontakt mit infizierten Tieren auf den Menschen übertragen.

"Das ist ein ernstes Problem. Fleisch, das gegessen wird, muss von Veterinärmedizinern gründlich untersucht werden, selbst wenn es von Bauernhöfen stammt. Menschen, die Primatenfleisch essen, riskieren Infektionen mit Zoonosen, darunter Ebola", sagte Andrew Seguya, der Exekutivdirektor der ugandischen Behörde für wildlebende Tiere.

Das Ebola-Virus wird durch direkten Kontakt übertragen. Angenommen wird, dass Primaten Träger des Erregers sind, der auch durch Fäkalien auf den Menschen übertragbar ist. Dass sich Menschen auf diesen Wegen sogar mit dem Aids-Virus anstecken könnten, hält der Tierchirurg durchaus für möglich.

Im Juli soll in dem westlichen Distrikt Kibaale in der Albertine Rift-Region Ebola ausgebrochen sein. Presseberichten zufolge starben 17 Menschen an der Krankheit. Die Behörden haben den Ausbruch bisher nicht bestätigt. (Ende)

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