Uganda: Unentbehrliche Helfer

Kommunaler Sozialdienst lässt Aids-Patienten nicht im Stich

Von Andrew Green | 25.07.2012

Kampala. Immer dienstags schauen Sanyu Nagia und ihr Team bei Barbara Namirimu vorbei. Sie untersuchen die in einem Slum von Kampala lebende Aidskranke, muntern sie auf und kontrollieren, ob sie regelmäßig ihre lebensnotwendigen antiretroviralen (ARV) und anderen Medikamente einnimmt. 

Insgesamt betreuen 24 Krankenpflegerinnen der Organisation 'Kawempe Home Care' (KHC) in Ugandas Hauptstadt im Slum Kawempe fast 1.200 HIV-Patienten, die auch an Tuberkulose (TB) und Krebs erkrankt sind. Ihr Einsatz vor Ort ist unentbehrlich, denn dem staatlichen Gesundheitsdienst fehlt es an Geld und Personal. Auch die 26-jährige Namirimu wird seit einem Jahr nicht mehr vom staatlichen Gesundheitsdienst betreut. Sie ist zu schwach, um sich zur nächsten städtischen Gesundheitsstation zu schleppen. Die Kranke ist dankbar für die Fürsorge der KHC-Helferinnen "Ich wäre fast gestorben, doch jetzt kehre ich ins Leben zurück", sagte sie IPS.

2007 hatte der Pflegedienst KHC seine Arbeit aufgenommen. Er wollte dazu beitragen, dass Uganda seine Zusage einhalten könne, dass sich jeder kostenlos einem HIV-Test unterziehen kann, vom staatlichen Gesundheitsdienst einschlägig beraten und mit Medikamenten versorgt wird.

Hälfte des benötigten Personals fehlt

Ein Versprechen, dass sich als unhaltbar erweist, denn der jüngste Bericht über die Verbreitung von HIV/Aids in dem ostafrikanischen Land hat festgestellt, dass 6,7 Prozent der 15 bis 49 Jahre alten Ugander HIV-positiv sind. Für deren Beratung und Behandlung steht dem Gesundheitsdienst nur die Hälfte des benötigten Personals zur Verfügung.

Oliver Namirimu, die in Kawempe die Arbeit des KHC koordiniert, berichtete, für Patienten, die in ihrem Arbeitsbereich leben, gebe es einschließlich der zuständigen staatlichen Klinik drei Anlaufstellen. "Wenn jedoch Patienten zu schwach und zu krank sind, um sie aufzusuchen, kümmert sich niemand um sie", sagte sie.

In Uganda gibt es keine nationale Datenbank, die die Arbeit von Organisationen wie KHC erfasst. Auch wenn man solche Gruppen überall im Land findet, können sie die Lücken im staatlichen Gesundheitssystem bei weitem nicht füllen.

Seit 2002 hat die Regierung mehr als 80.000 Sozialarbeiter für den dörflichen Gesundheitsdienst ausgebildet und vor Ort eingesetzt. Doch deren Aufgabenbereich ist ebenso umfassend wie unscharf formuliert, während sich das Programm des KHC-Pflegedienstes auf die Betreuung von HIV-, Krebs- und Tuberkulose-Patienten konzentriert. Sein speziell ausgebildetes medizinisches Personal kann schnelle Hilfe leisten.

Weitere Spender gesucht

Doch die Kosten dieser Hilfe sind nicht unerheblich, deshalb ist der Einsatz ähnlicher Gruppen begrenzt. KHC wird aus Spenden finanziert. Die benötigten Medikamente stellt die Regierung zur Verfügung. Um die monatliche Beihilfe von rund 35 US-Dollar für ihre Helferinnen und Helfer aufstocken zu können, sucht die Organisation derzeit nach weiteren Gebern.

Nicht nur in Kawempe und anderen dicht bevölkerten urbanen Siedlungen sind die Dienste von KHC unentbehrlich. Auch auf dem Land werden sie dringend benötigt, denn dort ist die Versorgung mit Gesundheitsdiensten nur spärlich.

Häufig ist in städtischen Elendsquartieren wie Kawempe mit ihren billigen Notunterkünften der hartnäckige Spürsinn der KHC-Mitarbeiterinnen gefragt. Ihre Patienten, die hier vorübergehend leben, ziehen weg, sobald sie zu etwas Geld gekommen sind oder es ihnen besser geht.

Als die Pflegerin Nagia kürzlich in Kawempe einen ihrer HIV-positiven Klienten aufsuchen wollte, stand sie vor verschlossener, mit Brettern versperrter Tür. Nachfragen bei Nachbarn über seinen Verbleib blieben erfolglos. Da die Behandlung des TB-kranken Mannes noch nicht abgeschlossen ist, muss Nagia jetzt versuchen, ihn zu finden und ihn davon überzeugen, dass er bei einem Abbruch der Behandlung neue Risiken eingeht. "Er weiß, dass wir ihn nicht aufgeben", erklärte die Ärztin Aidah Nanozi, die das KHC-Team begleitete.

"Unsere Leute leiden unter ständigem Zeitmangel und Stress", klagte Oliver Namirimu. "Sie erleben, wie ein Patient nach dem anderen stirbt. Andere Kranke verweigern die Behandlung oder verjagen sie. Manche Betreuer halten nicht durch und geben die Arbeit auf."

Um dem vorzubeugen, stelle KHC ihren Helfern Berater zur Seite, mit denen sie über ihren harten Job und die damit verbundenen Schwierigkeiten sprechen können, betonte Namirimu. (afr/IPS)

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