Uganda: Schlammlawinen am Mount Elgon

Regierung denkt an Zwangsräumung von Bauern

Von Wambi Michael | 11.07.2012

Bududa. Der Mount Elgon ist ein gefährliches Siedlungsgelände. Die an den steilen Hängen des zwischen Uganda und Kenia gelegenen erloschenen Vulkans lebenden Bauern mussten in jüngster Zeit immer wieder erleben, wie durch starke Regengüsse ausgelöste Schlammlawinen und Erdrutsche Verwüstung und Tod brachten.

Ugandas Regierung denkt jetzt darüber nach, die Bauern zum Umzug aus dem gefährdeten, dicht bevölkerten östlichen Bezirk Bududa in sicheres Gelände zu bewegen. Erst Ende Juni hatte hier ein Erdrutsch drei Dörfer verschüttet. Mindestens 18 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Ein Jahr zuvor waren in Bududa 365 Menschen durch einen Erdrutsch zu Tode gekommen. In den vergangenen drei Jahren hatten Schlammlawinen etliche hundert Einheimische lebendig begraben.

Höchste Besiedlungsdichte landesweit

Trotz dieser Ereignisse ist Bududa ein Zuwanderungsgebiet. Nach Angaben der ugandischen Statistikbehörde ist hier die Besiedlungsdichte mit 1.000 Menschen pro Quadratkilometer die höchste landesweit. Die Bevölkerung wächst hier jährlich um 3,4 Prozent.

Gabriel Buyela wäre nur bereit, sich weiter unten anzusiedeln, wenn ihm die Regierung ein Stück Land überlässt. Er könne sich jedoch nicht wirklich vorstellen, das Haus seiner Vorfahren aufzugeben, sagte er gegenüber IPS.

Doch Michael Kusolo und seine Frau Mary hält hier nach der jüngsten Katastrophe nichts mehr. Unter den Trümmern ihrer gesamten Habe sind auch ihre vier Kinder begraben. Anders als viele Bauern in der Umgebung wollen sie weggehen. "Für uns gibt es keine Alternative", sagten sie gegenüber IPS. "Alles wurde zerstört, sogar das Ackerland und die Gräber unserer Angehörigen wurden weggeschwemmt."

Evakuierungsgesetz soll kommen

Die Regierung scheint entschlossen, angesichts weiterer möglicher Naturkatastrophen an den dicht besiedelten Steilhängen des Mount Elgon ein Gesetz durchzubringen, das die Evakuierung riskanter Gebiete möglich macht. Man werde die Betroffenen anderswo ansiedeln, sagte Ugandas Katastrophenschutzminister Steven Malinga im Gespräch mit IPS. Das Kabinett habe ein Sonderkomitee eingerichtet. Es werde versuchen, die Menschen vor Ort zu einem freiwilligen Umzug zu bewegen.

"Andernfalls bleibt uns nichts anderes übrig, als sie im Interesse ihrer eigenen Sicherheit notfalls mit Hilfe unserer Sicherheitskräfte zu zwingen, sich an anderer Stelle anzusiedeln", betonte er. "Dazu brauchen wir jedoch zunächst einmal ein neues Gesetz, das dies erlaubt."

Die Wissenschaftlerin Mary Goretti Kitutu, die für Ugandas Umweltbehörde als Expertin für umweltrelevante Informationssysteme arbeitet, hat das Abrutschen der Hänge im Bezirk Bududa und deren Ursachen umfassend untersucht.

Abholzung führt zu Bodenrutschung

Die zunehmende Besiedlung habe dazu geführt, dass die Wälder an den Hängen des Mount Elgon abholzt wurden und jetzt als Ackerland genutzt werden, erklärte sie. "Wenn aber nach heftigen Regenfällen kein Wurzelwerk dem Lehmboden Halt gibt, strömt Wasser ungehindert talwärts, und der Boden kommt ins Rutschen", sagte sie.

Ein weiteres Risiko für die Stabilität der Hänge sei die Gewohnheit der Anwohner, ihre Häuser und Wege seitlich in den Berg zu graben, erläuterte Kitutu.

Zudem haben Wissenschaftler am Mount Elgon einen 40 Kilometer langen und 30 bis 35 Zentimeter breiten Spalt entdeckt. Er könnte einmal für die bis zu drei Millionen Ugander und Kenianer, die am Mount Elgon leben, riskante Folgen haben, betonte die Naturschutzbeauftragte Adonia Bintora. (afr/IPS)

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