Uganda: Regierung will Kaffeeexporte ankurbeln

Nachfrage ist weltweit gestiegen

Von Fred Ojambo | 10.10.2012

Kampala. Uganda, der größte Kaffeeexporteur Afrikas, will angesichts der wachsenden globalen Nachfrage in den nächsten drei Jahren die Ernten mit Hilfe eines Förderprogramms um 60.000 Tonnen steigern. Doch die Folgen einer Krankheit, die vor fast 20 Jahren die Plantagen des Landes befiel, sind noch immer nicht überwunden.

Francis Chesang von der staatlichen Ugandischen Kaffeeentwicklungsbehörde (UCDA) zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass das ostafrikanische Land, das keinen Zugang zum Meer hat, dieses Ziel erreichen wird. "2015 werden wir bereits eine bessere Jahresernte einfahren, weil wir schnell wachsende Kaffeesträucher anpflanzen, die viele Früchte tragen."

Uganda, nach Äthiopien der größte Kaffeeproduzent des Kontinents, hatte sein neues Pflanzprogramm bereits 1994 eingeführt. Ein Jahr zuvor war festgestellt worden, dass in dem Land etwa die Hälfte der Robusta-Sträucher von der Welke-Krankheit befallen waren. Das Programm zielt darauf ab, die alten und kranken Pflanzen nach und nach durch ertragreichere zu ersetzen. Jährlich sollen fünf Prozent der Robusta- und zwei Prozent der Arabica-Sträucher neu gepflanzt werden.

Nach Angaben der Behörde wachsen auf den ugandischen Plantagen insgesamt rund 300 Millionen Robusta- und Arabica-Sträucher. Mindestens 140 Millionen Sträucher, vor allem Robusta, wurden während der vergangenen 18 Jahre gepflanzt. Laut Chesang sollen bis 2015 insgesamt 200 Millionen Sträucher angepflanzt werden. Wenn dadurch höhere Deviseneinkünfte erwirtschaftet würden, könnten die Bauern besser bezahlt werden.

Die Kaffeeproduktion trägt derzeit 20 bis 30 Prozent zu den jährlichen Exporteinnahmen Ugandas bei. Nach Angaben von UCDA hat das Land von Oktober 2010 bis September 2011 durch die Ausfuhr von 3,15 Millionen Sack Kaffee (à 60 Kilogramm) rund 450 Millionen US-Dollar eingenommen. In diesem Zeitraum war Uganda der weltweit neuntgrößte Kaffeeexporteur und lag damit sogar einen Platz vor Äthiopien, wie die Internationale Kaffeeorganisation mitteilte.

60 Millionen Sträucher müssen noch gepflanzt werden

David Muwonge, stellvertretender Exekutivdirektor des Nationalen Verbands der Kaffeeagrarwirtschaft und Farmbetriebe, zweifelt jedoch daran, dass das Land die künftigen Produktionsziele erreichen kann. Denn es seien noch immer nicht alle Kaffeesträucher ersetzt worden, die durch die Welke-Krankheit 1993 zerstört wurden. "Ich denke, es wird schwer werden, weil wir noch 60 Millionen Sträucher pflanzen müssen", sagt er. Viele Bäume seien zudem inzwischen sehr alt. Auch die Anbaumethoden seien nicht auf dem neuesten Stand, hinzu kämen die Auswirkungen des Klimawandels.

Fred Kyobe, ein 64-jähriger Bauer aus dem Distrikt Wakison in der Zentralen Region Ugandas, ist der Ansicht, dass sich die Kaffeeproduktion auch deshalb so schleppend erholt, weil zu wenige junge Menschen in dem Sektor arbeiten wollten. Sie nähmen lieber Jobs in Städten an, wo sie rascher Geld verdienen könnten. Für den Kaffeeanbau brauche man Geduld, da erst drei Jahre nach dem Anpflanzen eines Strauches geerntet werden könne.

"Meine Söhne haben den Kaffeeanbau aufgegeben und in der Stadt ein Motorradtaxi-Unternehmen eröffnet", erzählt er. "Und ich bin inzwischen alt und habe nicht mehr so viel Kraft. Außerdem hat die Kaffeekrankheit, die auch meine Plantage befallen hat, meinen Enthusiasmus gebremst."

Etwa eine halbe Million Kleinbauern bauen in Uganda die aromatischen Bohnen an. Laut UCDA besitzen 90 Prozent von ihnen Felder, die zwischen 0,5 und 2,5 Hektar groß sind. Rund 3,5 Millionen Menschen sind in dem Sektor beschäftigt.

"Kaffee spielt nach wie vor eine wichtige Rolle in der ugandischen Wirtschaft und trägt erheblich zu den Exporteinnahmen bei", erklärt die Behörde auf ihrer Website. Dadurch werde die Existenz von 1,32 Millionen der 3,95 Millionen Bauernfamilien gesichert.

Wie Muwonge hervorhebt, hatte Kaffee früher einen höheren Stellenwert in der Exportbilanz und trug sogar 60 Prozent zu den Deviseneinnahmen bei. Um sich weniger abhängig von diesem Produkt zu machen, hat der Staat jedoch die Ausfuhren von Fisch, Gemüse, Mais, Kakao und Leder gesteigert.

Bauern ernten unter finanziellem Druck unreife Bohnen

Für Staatspräsident Yoweri Museveni hat der Kaffeeanbau allerdings weiterhin einen hohen Stellenwert. Jeder, der versuche, Bohnen von minderer Qualität zu produzieren, werde verhaftet und strafrechtlich verfolgt, erklärte er kürzlich. In der Vergangenheit war vielen Bauern vorgeworfen worden, unreife Bohnen geerntet zu haben. Händler wurden bezichtigt, bessere Sorten mit minderwertigem Kaffee zu mischen. Die Farmer räumen ein, durch materielle Not zu solchen Schritten gezwungen zu sein. Oftmals reichen die Einkünfte nicht aus, um die Familien zu ernähren.

Trotz der geplanten Erdölförderung bleibe Kaffee weiterhin ein wichtiges Exportgut, meint der Ökonom Robert Kasozi. Die weltweite Nachfrage sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, vor allem in Russland, Indien und China.

'Tullow Oil' mit Sitz in London, der französische Konzern 'Total' und die chinesische Erdölgesellschaft wollen gemeinsam die Ölvorkommen in Uganda erschließen. Nach Angaben der Regierung belaufen sich die Reserven auf 2,5 Milliarden Barrel. Laut Kasozi sind allerdings erst ab 2016 Handelseinnahmen in dem Bereich zu erwarten. (afr/IPS)

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