Uganda: Nationaler Beauty Contest wirbt für Landwirtschaft

Junge Frauen sollen für den Bäuerinnen-Beruf begeistert werden

Von Amy Fallon | 24.09.2014

Kampala. Trotz ihrer Teilnahme am Schönheitswettbewerb zur 'Miss Uganda' ist Fiona Nassaka vor allem eines: Bäuerin. "Du pflanzt deinen eigenen Salat, lieferst ihn später an einen Supermarkt wie 'Capital Shoppers' und bekommst am Ende des Monats dein Geld", sagt die 24-Jährige. "Wenn du als junger Mensch mit deiner Hände Arbeit Geld verdienst, dann erfüllt dich das mit Stolz."

Nassaka hat in der Kategorie 'Miss Talent' den Sieg davongetragen. Wer am Ende zur Miss Uganda gekrönt wird, entscheidet sich am 25. Oktober. Doch bis dahin ermuntert die Farmerin im Rahmen des diesjährigen Wettbewerbs mit dem ungewöhnlichen Motto 'Landwirtschaftliches Jungunternehmertun fördern' andere junge Frauen dazu, es ihr nachzutun und Nahrungsmittel anzubauen.

Der Miss-Uganda-Schönheitswettbewerb 2014 versucht insbesondere Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren für die Landwirtschaft zu gewinnen. Ungewöhnlich an dem Unternehmen ist auch der Sponsor: die ugandische Armee.

Wie aus dem ugandischen Bevölkerungsbericht von 2013 hervorgeht, sind vier von fünf der 17,3 Millionen Frauen des ostafrikanischen Landes in der Agrarwirtschaft tätig, die Mehrheit als Subsistenzbäuerinnen. Doch wie Nassaka bedauert, rümpfen viele junge Frauen trotz einer hohen Jugendarbeitslosigkeit von über 62 Prozent die Nase über landwirtschaftliche Aktivitäten. "Sie denken, dass der Bereich nur etwas für ältere Menschen und wenig profitabel ist", sagt sie. "Dabei hat die Mehrheit der Reichen auf der Welt mit Landwirtschaft zu tun."

Schönheit für den guten Zweck

Der neue Kurs, dem der Schönheitswettbewerb seit diesem Jahr folgt, ist in Uganda teilweise auf Vorbehalte gestoßen. Doch die Organisatoren beharren darauf, dass es wichtig ist, jungen Frauen Fähigkeiten zu vermitteln, die diese in die Lage versetzen, sich und ihre Familien zu versorgen, zur Entwicklung der Wirtschaft beizutragen und, wie im Zusammenhang mit der Miss-Uganda-Wahl betont wurde, "Schönheit mit einem Zweck" zu verbinden.

Nach Angaben von Brenda Nanyonjo, der Chefmanagerin von 'Miss Uganda Ltd.' werden die 20 Finalistinnen im Vorfeld der Abschlussentscheidung an einem Camp für Vieh- und Geflügelzucht teilnehmen und einen Markt besuchen, um praktische landwirtschaftliche Erfahrungen zu sammeln. Einige sollen gute Jobs in dem größten Industriezweig Ugandas bekommen.

"Sie ernähren das Land, Sie ernähren Ihre Gemeinden. Sie können als Bäuerinnen mehr bewirken als Boutiquenbesitzerinnen", unterstrich Nanyonjo. "Das ist der Grund, warum wir in diesem Jahr dieses Motto gewählt haben. Es hat bei vielen Irritation, Gelächter und Zweifel an der Funktionalität der Kampagne hervorgerufen. Doch sie wird funktionieren. Wir werden sie bis Ende des Jahres fortführen und über eine Neuauflage nachdenken."

Kihura Nkuba ist Chefstratege der 'Operation zur Schaffung von Wohlstand' (OWC). Dabei handelt es sich um eine vom Präsidialamt geförderte Initiative für landwirtschaftliche Entwicklung, in der die Armee die Speerspitze bildet. "Wir können Betriebe hochziehen und unsere Deviseneinnahmen erhöhen", sagte Nkuba zum Auftakt des Schönheitswettbewerbs am 15. September. "Wir können zu Nahrungsmittelselbstversorgern werden."

OWC wird Miss Uganda und vier weitere Gewinnerinnen sponsern, damit sie zwei Jahre lang Ugandas Agrarerzeugnisse vermarkten. Auch sollen sie für Produkte wie Saft, Cornflakes und Honig werben. "Uganda erzeugt eine ganze Palette von Produkten, die nicht bekannt sind", so Nkuba. "Miss Ostuganda soll sich auf ihre eigenen Erzeugnisse wie Reis konzentrieren, Miss Westuganda für ugandische Milch werben."

Die Organisatoren und Sponsoren des Wettbewerbs sind nicht die einzigen, denen die Landwirtschaft am Herzen liegt. "Diejenigen, die im Paradies mit Namen Uganda leben, sind mit Nahrungsmittelengpässen konfrontiert", kritisierte der Staatspräsident Yoweri Museveni vor 200 Studierenden, bevor diese zu einem Studienaufenthalt nach Israel aufbrachen. "Die Menschen wissen nicht, dass sie mit der Landwirtschaft Geld verdienen können. Nicht die Fähigkeit, sondern die Haltung ist das Problem", wurde der Staatschef von den ugandischen Medien zitiert.

Nassaka ist der gleichen Meinung. "Die Landwirtschaft ist das Rückgrat unseres Landes", sagt sie. "Uganda wird wegen des günstigen Klimas und der fruchtbaren Böden 'Perle Afrikas' genannt. Wir sollten also zu unseren Wurzeln zurückkehren, uns darauf besinnen, was wir besonders gut können: Anbau und Viehzucht. Am Ende des Tages werden wir unseren Hunger gestillt haben und die Armut besiegen."

Doch die Frauen, die bereits in der Landwirtschaft beschäftigt sind, haben stärker zu kämpfen als männliche Bauern. Viele von Frauen betriebenen Farmen und Geschäfte werfen lediglich kleine Gewinne ab, und nur die wenigsten sind mit der Dynamik des Marktes vertraut. Das führt dazu, dass Frauen ihre Erzeugnisse häufig unter Preis verkaufen. Darauf bezieht sich der ugandische Bevölkerungsreport, wenn darin von "geringen Einnahmen für eine monatelange Feldarbeit" die Rede ist.

Mehr Landrechte für Frauen

Einige Frauen müssen ihre hart erkämpften Einnahmen an ihre Männer abgeben. "Ugandas Bäuerinnen bleiben meist im Hintergrund, graben und säen, doch bringen die Ware nur selten selbst zu den Märkten", berichtet Bridget Mugambe von AFSA, der Allianz für Nahrungssouveränität, im IPS-Gespräch. "Die Glücklicheren unter ihnen unterhalten vielleicht einen kleinen Straßenstand. Doch die lukrativen Cash Crops wie Mais und Kaffee, werden von den Männern vermarktet."

Nach Ansicht von Nancy Mugimba, der nationalen Koordinatorin des Ugandischen Forums für Kleinbauen des östlichen und südlichen Afrikas, haben Frauen keine negative Haltung gegenüber der Landwirtschaft. "Es ist nicht so, dass sie sich nicht in dem Sektor engagieren wollen. Ihre Sorge steht mit den bestehenden Landbesitzverhältnissen in Zusammenhang. Sie treibt die Frage um, wie sie an Produkte, Ressourcen, Land und Wasser kommen."

Mugambe zufolge geht es darum, Frauen in einem Sektor, in dem sie ohnehin die Mehrheit stellen, zu einer Führungsrolle zu verhelfen. Genau hier kommt der Schönheitswettbewerb 2014 ins Spiel. "Frauen sind diejenigen, die die Arbeit tun, während die Männer daran verdienen", meint die 24-jährige 'Miss Norduganda', die eine Viehzucht betreibt. "Ich habe mich als Miss Uganda beworben, um über die Rechte von Bäuerinnen zu sprechen." (afr/IPS)

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