Uganda: Nachrichten im Rap-Gewand

Sendung 'NewzBeat' fesselt junges Publikum

Von Amy Fallon | 21.03.2014

Kampala. "Ein paar Tage haben sie gefeiert, dann war es mit der Party vorbei", rappt Sharon Bwogi alias 'Lady Slyke' über die derzeitige politische Lage in der Ukraine in der brandneuen ugandischen Fernsehsendung 'NewzBeat'. Es mag befremdlich erscheinen, wenn Nachrichten im Sprechgesang vorgetragen werden. Doch junge Leute sind begeistert.

Tatsächlich will der ungandische TV-Sender NTV mit dem innovativen Format, das an den Wochenenden in Englisch und in der lokalen Sprache Luganda ausgestrahlt wird, gezielt ein junges Publikum ansprechen. Schließlich sind rund die Hälfte der 36,4 Millionen Einwohner des ostafrikanischen Landes jünger als 15 Jahre.

NewzBeat wird in einem Studio in einem Vorort der Hauptstadt Kampala mit geringem technischem Aufwand aufgezeichnet. Jede Woche wird eine vier bis fünf Minuten lange Folge gefilmt, die jeweils vier oder fünf internationale und lokale Themen präsentiert, auch aus Gesellschaft, Sport und Unterhaltung.

Bwogi führt gemeinsam mit Daniel Kisekka alias 'Survivor' durch das Programm. Als 'Sonderkorrespondentin' kommt eine erst 13-jährige Schülerin alias 'MC Loy' zum Einsatz, die die jüngste 'rappende Journalistin' ist. Zum Anlass des Internationalen Frauentags am 8. März 'besang' sie weibliche Boxer aus dem Katanga-Slum in der Hauptstadt Kampala.

Das Programm, das sich an Vorbildern aus Senegal, einer Hochburg des HipHop, orientiert, wird erst seit einigen Wochen in Uganda ausgestrahlt. "Momentan sind wir ein Gemischtwarenladen. Die HipHop-Fans sind verrückt danach, aber es gibt auch Leute, die die Sendung nicht verstehen. Denn HipHop kommt hier in Uganda gerade erst an", sagt Kisekka, der selbst schon seit 1988 rappt.

Unterhaltsam, informativ und lehrreich

Die neue Sendung sei nicht nur unterhaltsam, sondern auch informativ und lehrreich, so der Moderator. "Die meisten jungen Menschen in Uganda unter 30 interessierten sich nicht für Nachrichten, dafür aber für HipHop", erläutert er. "Nach unseren Sendungen sagen sie oft: 'Ich wusste gar nicht, dass so etwas passiert ist.' Wir bringen Nachrichten in einer Sprache, die sie verstehen."

Der 23-jährige Arnold Ntume kam beim Zappen durch die TV-Kanäle zufällig zu NewzBeat. Inzwischen ist er ein Fan. "Es ist mal etwas anderes, und ich erfahre dadurch mehr", meint der Videofilmer. "Manche dieser Nachrichten kommen in anderen Sendern gar nicht vor. Das gilt vor allem für alltägliche Geschichten."

Das mangelnde Interesse junger Ugander an der 'normalen' Medienberichterstattung mag damit zusammenhängen, dass das Land einen schlechten Ruf in Sachen Pressefreiheit hat. Im Mai vergangenen Jahres etwa wurden zwei unabhängige Zeitungen und Radiosender von der Polizei für elf Tage geschlossen. Sie hatten über einen angeblich von einem Armeegeneral verfassten Brief berichtet, in dem es heißt, dass Staatspräsident Yoweri Museveni seinen Sohn zu seinem Nachfolger aufbaut.

Und im letzten Jahresbericht über die Pressefreiheit 2013, den die Uganda-Sektion des Menschenrechtsnetzwerks für Journalisten Anfang März vorgestellt hat, ist von einem immer weiter schwindenden Spielraum für ugandische Berichterstatter die Rede.

'Human Rights Watch' (HRW) warnt seit Jahren über die Beschneidung der freien Meinungsäußerung durch die Regierung in Kampala. Die Begründung, die öffentliche Ordnung müsse aufrechterhalten werden, sei mehr als fadenscheinig, so Maria Burnett von HRW-Afrika. "Journalisten und Radiobetreiber werden eingeschüchtert, vor allem wenn sie abweichende politische Ansichten äußern oder über Korruption und unzureichende strafrechtliche Ermittlungen außerhalb von Kampala berichten."

Wie Burnett kritisiert, haben die Medienregulierungsbehörden in Uganda bereits mehrfach unter Beweis gestellt, dass sie parteiisch sind. "Das ist alles sehr beunruhigend, denn die Grundlage der freien Meinungsäußerung ist das Recht, hochgestellte Persönlichkeiten kritisieren zu dürfen."

Die Menschen auf der Straße erreichen

NewzBeat erhebt nicht den Anspruch, objektiv zu sein, sondern bekennt sich klar zu den Menschen auf der Straße, "der einzigen Partei, der wir uns anschließen". Kisekka zufolge behandeln er und seine Kollegen Themen, die in den meisten anderen Sendern untergehen. "Über Korruption beispielsweise wird in Uganda nie berichtet. Wir aber wollen Themen zur Sprache bringen, die ansonsten tabu sind."

Erst kürzlich kam Uganda erneut in die negativen Schlagzeilen, als Staatschef Museveni ein umstrittenes Gesetz unterzeichnete, dass die Strafen für Homosexualität verschärft. Außerdem billigte er ein weiteres Gesetz, das das Tragen von Miniröcken unter Strafe stellt. Im ganzen Land kam es daraufhin zu gewaltsamen Übergriffen auf Frauen.

NewzBeat griff beide Themen auf, das Anti-Schwulen-Gesetz jedoch eher nebenbei, "denn wir wissen ja, wie die Menschen hier denken", so Bwogi. Die Rapper befassten sich außerdem mit dem 90. Geburtstag des simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe, den Konflikten in der Zentralafrikanischen Republik und im Südsudan sowie mit den umstrittenen Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi und dem Klimawandel.

Kreativer Prozess

Sobald das Team über den jeweiligen Sendeablauf entschieden hat, beginnt der kreative Teil der Arbeit. "Ich liebe es zu reimen und dabei gleichzeitig eine Geschichte zu erzählen", sagt Bwogi, die 1999 mit dem Rappen begonnen hatte. Sie unterrichtet Lyrik und Songschreiben, außerdem ist sie Modedesignerin. "Eigentlich machen wir das, was Rapper hier schon immer getan haben. Wir wollen aber auch Themen aus anderen Ländern dazu nehmen."

Bwogi zufolge ist es für das Publikum kein Problem, den Versen zu folgen. "Wir rappen nicht ganz so schnell", erklärt sie. "Unsere Zuschauer mögen das. Viele sagen, sie hätten so etwas noch nie gehört." Kisekka räumt ein, dass das Schreiben der Nachrichten-Songs gar nicht so einfach ist. "Man muss die Regeln des HipHop beachten, ohne den Sinn der Nachrichten zu ändern." Er hofft nun auf Sponsoren und die Unterstützung weiterer Reporter, damit man längere Beiträge produzieren könne. "Dann hätten wir Mitarbeiter, die wir in den Norden Ugandas schicken könnten, damit sie die Geschichten der Menschen dort einfangen." (afr/IPS)

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