Uganda: Klimawandel bringt kleinere Fische

Seespiegel sinken trotz größerer Regenmengen

Von Wambi Michael | 26.08.2015

Kampala. Die Fische in Ugandas Seen wachsen nicht mehr wie gewohnt. Schuld ist einer aktuellen Studie zufolge der Klimawandel, der die Wassertemperaturen in den ostafrikanischen Seen steigen lässt. Das ist ein Problem für Millionen von Menschen, die in dem ostafrikanischen Land und seinen Nachbarstaaten für ihren Lebensunterhalt auf den Fischfang angewiesen sind.

Fishermen in Kalangala on Lake Victoria. Credit Wambi MichaelStudien zufolge sorgt der Klimawandel dafür, dass Fische in Uganda nicht mehr zu ihrer früheren Größe heranwachsen (Bild: Wambi Michael/IPS).

"Früher waren die Fischer größer", sagt Studienautor und Fisch-Experte Jackson Efitre von der Makerere-Universität in Uganda. "Jetzt haben wir hauptsächlich kleine Fische. Schön daran ist, dass die Fische sich offensichtlich an neue Bedingungen anpassen können. Aber kleine Fische sind im Verkauf natürlich weniger wert."

Der Fischereisektor trägt zu 2,5 Prozent zum Staatshaushalt bei und macht 12,5 Prozent des landwirtschaftlichen Anteils am Bruttoinlandsprodukt aus. 1,2 Millionen Menschen sind in der Fischerei beschäftigt. Mit dem Export von Fischen und Fischprodukten erwirtschaftet Uganda jährlich umgerechnet 100 Millionen US-Dollar. Zudem macht Fisch 50 Prozent des Proteinanteils (Eiweiß) der Nahrung der Ugander aus.

Mit der Studie 'Politische Maßnahmen gegen den Einfluss des Klimawandels auf inländische Gewässer und Ökosysteme, die Fischerei und den Lebensunterhalt' untersuchten Efitre und seine Kollegen vor allem die Seen Wamala im Viktoriabecken und Kawi im Kyogabecken. Sie gingen unter anderem der Frage nach, ob existierende politische Instrumente funktional seien, um auf die Auswirkungen des Klimawandels zu reagieren.

Die Untersuchung brachte hervor, dass die Temperaturen in den beiden Seen immer variiert hatten. Doch seit den 1980er Jahren stieg die Wassertemperatur in beiden Seen um jährlich 0,02 bis 0,03 Grad Celsius an. Im gleichen Zeitraum wich die Niederschlagsmenge vom bisherigen Durchschnitt erheblich ab. Im Wamala-See ging seit 1980 wesentlich mehr Regen nieder als zuvor. Den Studienautoren zufolge decken sich diese Ergebnisse mit Resultaten des Weltklimarates IPCC, die dieser 2007 und 2014 für die ostafrikanische Region veröffentlicht hatte.

Mehr Regen, sinkende Seespiegel

Für die Fischer der Region sind die Ergebnisse erschütternd. "Die Fischer hier sind abhängig von den Seen. Sie müssen nun entweder häufiger rausfahren, um mehr Fische zu fangen oder sich mehr Netze zulegen", sagt Mark Olokotum, ebenfalls Autor der Studie. "Doch das heißt, das die Menschen mehr arbeiten, trotz höherer Preise weniger verdienen und am Ende weniger zu essen haben."

Der Seespiegel ist von zwei Faktoren abhängig: der Menge des Niederschlags und der Menge des Wassers, das verdunstet. Olokotum zufolge ist die Wassermenge des Wamala-Sees zu 80 Prozent von Regen verursacht. Verdunstung hat 86 Prozent des Sees allerdings wieder eingedampft. In der Bilanz ist der Seespiegel also gesunken.

"Man geht davon aus, dass es in Ostafrika in den kommenden Jahren dank des Klimawandels immer mehr regnen wird. Aber weil auch die Lufttemperaturen steigen, erhöht sich die Verdunstungsmenge. Solange es nicht mehr regnet als Wasser verdunstet, sinkt entsprechend der Seespiegel", erklärt der Wissenschaftler.

Diese Klimaänderungen machen das Leben für Clement Opedum und seine acht Söhne immer schwieriger. Sie sind auf die Seen angewiesen, um Geld zu verdienen und selbst genug Essen zu bekommen. Seit er denken kann, hat sich Opedum von den Fischen im Wamala-See ernährt. Er fing und verkaufte den berühmten Viktoriabarsch, der den Menschen erst ein gutes Einkommen bescherte, dann aber die gesamten einheimischen Fischarten auffraß und sich schließlich selbst fast zugrunde richtete. Der Viktoriabarsch war in den 1960er und 1970er Jahren ein gigantischer Fisch, doch auch er kommt heute nicht mehr auf die gleiche Größe wie damals.

Opedum verkaufte den Barsch an Händler aus der Demokratischen Republik Kongo, womit er nicht nur sich und seiner Familie ein großzügiges Einkommen erwirtschaftete, sondern auch anderen Fischern. Doch diese Zeiten sind vorbei. Nicht nur die Fische sind weniger und kleiner geworden, auch ist die Fläche des Sees geschrumpft. Mit Sorge blickt Opedum in die Zukunft und fürchtet, dass der See letztlich ganz verschwinden könnte.

Ein anderer Fischer aus der Gegend, Charles Lugambwa, hat die Branche gewechselt. Heute baut er Yamswurzeln, Süßkartoffeln und Bohnen an – auf Land, das früher von Wasser bedeckt war.

Neben der Verdunstung sind Wissenschaftlern zufolge weitere Faktoren dafür verantwortlich, dass die Seen schrumpfen. Die verstärkte Bebauung der Ufer zum Beispiel, das Fällen von ufernahen Bäumen und die Zerstörung von Feuchtgebieten werden als Gründe genannt.

Wissenschaftler fordern Umstieg auf Aquakultur

Eine Antwort seitens der Politik fehlt bisher. Richard Ogutu-Ohwayo, leitender Mitarbeiter des Nationalen Fischforschungsinstituts (NaFFIRI), erklärt gegenüber IPS, dass sich die Regierung in ihren Klimaschutz- und -anpassungsmaßnahmen vor allem auf Pflanzen, Viehzucht und Wälder konzentrierte. Die Fischerei sei bisher nicht vorgekommen. Das müsse sich ändern, fordert Ogutu-Ohwayo.

Wie in anderen ostafrikanischen Ländern wird in Uganda hauptsächlich in offenen Gewässern gefischt. Fischfarmen sind nicht üblich. Doch der sogenannte wilde Fischfang wird Experten zufolge in Zukunft nicht mehr ausreichen, um die lokale Nachfrage nach Fisch zu befriedigen, geschweige denn ausreichend Exportware anbieten zu können. Ein Zeichen dafür ist die geringe Auslastung der Fischverarbeitungsfabriken rund um den Viktoriasee. In den vergangenen Jahren mussten viele von ihnen schließen, andere fahren nur noch auf 50 Prozent ihrer früheren Leistung.

Für Justus Rutaisire könnte Aquakultur die Lösung für das Problem sein. Allerdings fehlen bisher notwendige Technologien, ausreichende finanzielle Ressourcen und wissenschaftliche Forschung zum Thema, so der Mitarbeiter der Nationalen Organisation für landwirtschaftliche Forschung (NARO). (afr/IPS)

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