Uganda: Fußballerinnen kämpfen für Gleichberechtigung

Akzeptanz steigt, doch der Verband zieht nicht mit

Von Amy Fallon | 10.09.2014

Kampala. Mit ihren fünf Brüdern hätte die fußballverrückte Majidah Nantanda in Kampala in ihrer Kindheit bereits eine halbe Mannschaft zusammenstellen können. Als sie in den 1990er Jahren zur Schule ging, galt jedoch der Grundsatz: Netzball für Mädchen und Fußball für Jungs. Diesen Graben hat die 32-Jährige zwar überwunden. Doch von Verbandsseite wird der Männerfußball klar bevorzugt.

Schon in ihrer Kindheit habe sie den Klassenkameraden beim Fußballspielen zugeschaut, erzählt Nantanda, die inzwischen als erste Frau ihres Landes den weiblichen Fußballnachwuchs trainiert. Als sie acht Jahre alt war, erkannten die Brüder ihren Ehrgeiz. Fortan konnte sie in den Ferien mit den Jungs aus der Nachbarschaft dem runden Leder hinterherjagen.

"Meine Mutter sagte mir erst, dass ich das bleiben lassen sollte", erinnert sie sich. Später habe sie ihr jedoch die nötige Ausrüstung gekauft und ihr das Geld gegeben, damit sie zu den Spielen fahren konnte.

Obwohl Nantanda ihr Talent nur in der Freizeit vervollkommnen konnte, schaffte sie es, Kapitän des ersten Frauenfußballteams des Landes und 2007 schließlich die erste Fußball-Nationaltrainerin zu werden.

Sport ist ein wichtiges Thema in Uganda, seit Stephen Kiprotich bei den Olympischen Spielen in London 2012 Gold im Marathon der Männer gewann. Im August dieses Jahres holte sein Landsmann Moses Kipsiro den Titel im 10.000-Meter-Lauf bei den Commonwealth Games in Glasgow.

Der Sprecher des ugandischen Fußballverbands FUFA, Ahmed Hussein, ist allerdings davon überzeugt, dass Fußball die beste Werbung für Uganda ist. "Selbst wenn Leute bei internationalen Wettkämpfen Medaillen gewinnen, kann doch nichts mit Fußball mithalten!"

Mehr als 60 Mädchenschulen beteiligen sich an Meisterschaften

Nantanda hat beobachtet, dass Fußballerinnen in Uganda im Laufe der vergangenen 15 Jahre immer stärker akzeptiert worden sind. Heute beteiligen sich in dem ostafrikanischen Land mindestens 64 Mädchenschulen an den alljährlichen nationalen Fußballmeisterschaften von Schülerinnen an weiterführenden Schulen. Viele junge Frauen sehen Nantanda als Vorbild.

Die Behörden Ugandas haben ihr aber erst kürzlich einen Dämpfer versetzt. Eigentlich sollte im August ein Team aus 18 ugandischen Fußballerinnen zwischen 16 und 20 Jahren an der FIFA-U-20-Weltmeisterschaft der Frauen in Kanada teilnehmen. "Sie wären darüber so glücklich gewesen. Die meisten von ihnen haben noch nie ein Flugzeug bestiegen, und keine war bisher in Nordamerika", sagt Nantanda, die sie als Coach begleitet hätte. Die ugandischen Regierungsbehörden verhinderten jedoch, dass die Spielerinnen zunächst an einem Match im westafrikanischen Staat Ghana teilnehmen konnten.

Nur drei Tage vorher habe die FUFA mitgeteilt, dass das Frauenteam aufgrund von Budgetproblemen nicht nach Ghana reisen könne, erzählt Nantanda. "Frauenfußball hat in Uganda keine Priorität", kritisiert sie. "Um Männerteams kümmert man sich mehr, und die Nationalelf bekommt viel Geld. Wir Frauen werden dagegen nicht ernst genommen."

Insgesamt 25 Nachwuchskickerinnen trainierten unter Anleitung von Natanda monatelang, während sie nebenbei zur Schule gingen, studierten oder einen Teilzeitjob erledigten. Im vergangenen September schlugen die Frauen in der ugandischen Hauptstadt Kampala das Team aus dem benachbarten Südsudan mit 13 zu 0. Dann kam der herbe Rückschlag.

Ugandas Fußball lebt von Sponsoren- und FIFA-Geldern

Hussein erklärte zur Verteidigung der FUFA, dass Uganda das einzige der 209 FIFA-Mitgliedsländer sei, dessen Regierung für Fußball kein jährliches Budget bereitstelle. FUFA finanziert sich ausschließlich durch Sponsorengelder lokaler Unternehmen wie 'Airtel', 'NIC' und 'Nile Breweries' sowie durch Ticketverkäufe und FIFA-Entwicklungszuschüsse.

Die Vereinten Nationen heben hervor, dass Sport einen Beitrag zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele leisten kann, da er Partizipation, Inklusion und bürgerschaftliches Engagement fördere. Die Weltorganisation rät FUFA, einen Teil der Zuschüsse für den Frauenfußball bereitzustellen.

Nantanda gibt sich derweil selbstbewusst, auch wenn sie nicht von allen in ihrem Amt anerkannt wird. "Eine Frau, die etwas anderes macht als andere, wird sofort von Männern attackiert. Wer das nicht aushält, wirft das Handtuch." Nantanda hat sich dagegen bereits als einzige Frau unter 60 Männern bei einem Treffen von Fußballtrainern behauptet.

Irene Namubiru, eine der wenigen von der FIFA anerkannten Schiedsrichterinnen in Uganda, hat ebenfalls ihr selbst gesetztes Ziel erreicht. "Frauen spielen gern Fußball", weiß die 34-Jährige. "Doch sie wollen aus Angst vor dem Zorn der Fans keine Führungspositionen besetzen."

Nantanda hat keine Ahnung, wann ihr U-20-Team das nächste Mal spielen wird. Viele Frauen haben inzwischen das Training eingestellt und wollen vom Fußball nichts mehr wissen.

Männerfußball wird bevorzugt

FUFA-Sprecher Hussein weist auf den unglücklichen Umstand hin, dass die Partie in Ghana just in dem Monat stattfand, in dem das Männerfußballteam zu den Afrikanischen Meisterschaften nach Südafrika reiste. Beide Wettbewerbe hätten FUFA insgesamt umgerechnet etwa 150.000 US-Dollar gekostet.

Hussein zufolge schätzt die Bevölkerung die Männer-Nationalelf mehr als das Frauenteam und die Jugendmannschaften des Landes. "Wir werden aber versuchen, das Frauenteam an internationalen Turnieren zu beteiligen", sagt er.

Das könnte ein Pilotprojekt für die Bildung einer zukünftigen Frauenfußball-Liga werden. Natanda engagiert sich unterdessen in ihrem Graswurzel-Wohltätigkeitsprojekt 'Growing the Game for Girls', das Mädchen in ugandischen Dörfern für Fußball begeistern will. (afr/IPS)

| Tags: , , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus