Uganda: Eine Verkehrs-App gegen Korruption

Mobile Anwendung soll öffentliches Bewusstsein für Misswirtschaft schärfen

Von Amy Fallon | 12.02.2014

Kampala. Im besten Fall heißt es: "Eine kleine Verzögerung von einer Minute". Im schlechtesten Fall: "Alles grauenhaft zu!" Und hin und wieder gibt es die Mitteilung, mit der keiner rechnet: "Kein Stau!". Die App mit dem Namen 'RoadConexion' zielt nicht allein darauf ab, die Verkehrsteilnehmer in der ugandischen Hauptstadt auf verstopfte Straßen aufmerksam machen.

Die acht Entwickler wollen eine öffentliche Diskussion in Gang setzen, die die staatlichen Stellen zum Handeln zwingt. "Hier in Uganda ist die Straßeninfrastruktur eine Katastrophe", betont Lynn Asiimwe, die Chefentwicklerin der Anwendung, im IPS-Gespräch. Auf die Frage, warum das so ist, hat sie gleich die Antwort parat: "Verkehrschaos, unfertige Straßen und Schlaglöcher verdanken wir einer schlechten Regierungsführung und Korruption."

Die 25-Jährige, die einen Master in inklusiver Innovation an der Business-Graduiertenschule an der Universität von Kapstadt in Südafrika anstrebt, arbeitet als Softewareentwicklerin für 'Access Mobile', einer Mobiltechnologiefirma. Die Apps machen sie und ihr Team aus "reinem Vergnügen". Mit 'RoadConexion' hat das Team den 'Tech4Governance hackathon'-Wettbewerb gewonnen, der von der lokalen Technologieinnovationsfirma 'Hive Colab' ausgerichtet wird. Es soll Entscheidungsträger für gesellschaftliche Probleme sensibilisieren.

2010 hatte Präsident Yoweri Museveni versprochen, eine Untersuchung gegen korrupte Straßenbaufirmen einzuleiten. Ein Jahr später berichtete die Zeitung 'The Independent', dass der Rechnungshof des Landes festgestellt habe, dass die Gelder zur Instandsetzung schlecht investiert wurden und es alarmierende Unregelmäßigkeiten bei den Kosten gebe. Auch lasse die Qualität der Straßenbauarbeiten zu wünschen übrig.

Das RoadConexion-App verschafft den Nutzern sämtliche Echtzeit-Informationen über Baustellen, Unfälle und Staus auf fast allen Straßen Kampalas. Fußgänger und motorisierte Verkehrsteilnehmer können sich über Twitter und Facebook in die Seite einloggen.

Druck auf die Regierung

"Wir wollen die Nutzer dazu bringen, sich zu engagieren", sagt Asiimwe. "Wenn sie erst einmal erkannt haben, wie schlecht die Verkehrssituation ist, kann es gut sein, dass sie von sich aus aktiv werden und die Entscheidungsträger an ihre Verantwortung erinnern."

In Ugandas Straßen machen sich Bodabodas (Motorradtaxen), Matatus (Minibusse), Pkws, Lastwagen und Fahrräder den Platz streitig. Dass das nicht gut geht, hat die Lokalzeitung 'Monitor' mit Fakten untermauert. Demnach wurden 2012 16.765 Unfälle registriert. Tausende kamen dabei ums Leben, hunderte wurden nachhaltig verletzt.

Nach Ansicht von Asiimwe steckt vor allem die grassierende Korruption hinter dieser Tragödie. Auf diese Weise könnten sich unprofessionelle Betriebe für die Ausschreibungen qualifizieren, die jedoch keinerlei Standards einhielten. "Schon nach wenigen Monaten zeigt sich der Zerfall in Form von Rissen und Schlaglöchern, die wiederum Verkehrsstaus begünstigen." Asiimwe zufolge wird es höchste Zeit, die Unternehmen, die schlampig arbeiten, zur Verantwortung zu ziehen. "Das wollen wir letztendlich mit RoadConexion erreichen."

Mit der Erneuerung eines Straßenabschnitts in der Nähe der Makerere-Universität im Zentrum von Kampala war ein internationaler Vertragspartner beauftragt worden. Er hätte den Auftrag eigentlich bis Ende Oktober fertigstellen müssen. Doch bis heute wurde mit den Bauarbeiten erst gar nicht begonnen.

"An der Baustelle wurde zwar eine große Anzeigetafel mit dem Namen der Vertragsfirma, den Arbeiten, die gemacht werden müssen und der Dauer der Bauarbeiten angebracht. Doch auf unsere Anfrage erklärte die Firma, dass es Schwierigkeiten gebe und die Gelder nicht rechtzeitig abgerufen werden konnten", berichtet Asiimwe.

Leben retten

Derzeit wird RoadConexion 50 bis 100 Mal am Tag über Computer oder Mobiltelefone aufgerufen – in aller Regel morgens vor der Hauptverkehrszeit. Hinter dem Projekt steckte der Wunsch, Pendlern in Entwicklungsländern ein nützliches Tool bereitzustellen und Leben zu retten. Wie aus einem Online-Bericht des 'Standard' vom 8. September hervorgeht, starben allein innerhalb von neun Monaten mindestens 2.000 Menschen.

Felix Odongkara, Leiter des Ugandischen Automobilklubs, hält Verkehrs-Apps für eine sinnvolle Alternative zu den Verkehrsnachrichten, wie sie die Radiostationen morgens und abends ausgeben. "In Uganda verschlechtert sich die Verkehrslage zusehends", meint er.

Das Transportnetz wird nicht ausgebaut, obwohl die Zahl der Verkehrsteilnehmer stetig steigt. "Da es hier nur die kleinen Matatus und Bodabodas gibt, kommen Familien lieber in ihren Autos in die Stadt", sagt er. Die größte Gefahr geht seiner Meinung nach von schlechten Autofahrern aus. (afr/IPS)

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