Uganda: App für schmerzfreien Malaria-Test

Mobiles Diagnoseverfahren kommt ohne Nadel aus

Von Amy Fallon | 28.08.2013

Kampala. Brian Gitta hat in seinen 21 Lebensjahren viele Malaria-Anfälle hinter sich gebracht. Immer wieder musste er zur Blutabnahme. Mit der Zeit hat er eine abgrundtiefe Aversion gegen Spritzen entwickelt. Kein Wunder also, dass er einem Team aus vier Informatikstudenten angehört, die ein App zur schmerzfreien Malaria-Diagnose entwickelt haben.

"Ich war zwei oder drei Jahre alt, als ich mich das erste Mal mit dem Erreger ansteckte", erinnert sich Gitta, der an der Makerere-Universität in Kampala studiert. Wie er betont, ist es sehr schwierig, in Uganda Menschen zu finden, die noch nie Malaria hatten. "Wer sich in eine Klinik begibt, wird feststellen, dass 90 Prozent der Patienten infiziert sind."

Schätzungen zufolge sterben in Uganda jedes Jahr 70.000 bis 100.000 Menschen an der durch Mücken der Gattung Anopheles an den Menschen weitergegebenen Tropenkrankheit. Damit ist Malaria Haupttodesursache der Bevölkerung des ostafrikanischen Landes. Experten zufolge tragen 42 Prozent der 34,5 Millionen Ugander den Malaria-Parasiten in sich, ohne dass bei ihnen die Krankheit ausbricht.

Früherkennung wichtig

Gittas letzter Malaria-Anfall kurz vor Weihnachten letzten Jahres war besonders schlimm. Er hatte sich gleichzeitig Typhus und eine Brucellose eingefangen - eine durch den Verzehr von nicht-steriler Milch oder Fleisch verursachte Infektionserkrankung. Im Verlauf seiner stationären Behandlung musste er viele Bluttests über sich ergehen lassen. "Die Schmerzen waren groß, die Schlange der Patienten lang", sagt er.

Gitta musste auch während seiner Genesung im Bett bleiben, und in dieser Zeit kam ihm die Idee für 'Matibabu' (Kiswahili für medizinisches Zentrum), wie das App genannt wird. Er stellte sich ein mobiles Diagnoseverfahren vor, das ganz ohne Nadel und Einstiche auskommt. Nach seiner Rekonvaleszenz machte er sich mit den anderen drei Studenten an die Umsetzung seiner Vision.

Im Juli wurden Gitta, Joshua Businge, Simon Lubambo und Josiah Kavuma, bekannt als Team 'Code 8', für ihr App mit dem diesjährigen 'Women's Empowerment Award' im Rahmen des von Microsoft gesponserten internationalen Studentenwettbewerbs 'Imagine Cup' ausgezeichnet. Der von Microsoft und der UN-Frauenorganisation UN Women erstmals ausgesetzte Preis würdigt technologische Lösungen, die Frauen das Leben erleichtern.

In Uganda wird Malaria entweder durch eine mikroskopische Untersuchung, eine Blutuntersuchung oder einen Malaria-Schnelltest diagnostiziert. Die mikroskopische Untersuchung durch einen Laboranten dauert mindestens 30 Minuten. Sie gilt als die verlässlichste Methode, um sowohl die Parasiten im menschlichen Blut als auch den Infektionsgrad festzustellen.

Der Schnelltest lässt sich überall und ohne erfahrenen Laboranten durchführen. In der Regel liegt das Ergebnis innerhalb von 15 Minuten vor. Allerdings kann der Test anders als die mikroskopische Untersuchung nicht die Zahl der Erreger feststellen.

Matibabu verwendet ein maßgefertigtes tragbares Gerät, Matiskop genannt, das mit dem Smartphone verbunden ist. Die Testperson steckt einen Finger in das Matiskop. Die Applikation verwendet Rotlicht, um die Haut auf der Suche nach den roten Blutkörperchen zu durchdringen.

"Es hat sich gezeigt, dass die mit Malaria infizierten roten Blutkörperchen andere physische, chemische und biomedizinische Strukturen haben als die normalen. Deshalb haben wir die Lichtstreutechnologie verwendet, die das Streumuster von normalem und von infizierten Zellen unterscheiden kann", erläutert Kavuma. "Aufgrund der unterschiedlichen Streumuster kann das App Malaria auch ohne Blutabnahme sichtbar machen."

Die Hardware verfügt über eine Leuchtdiode und einen Lichtsensor. Sie sendet die Testergebnisse auf das Smartphone des Benutzers. Das App Matibabu wiederum leitet die Ergebnisse an 'SkyDrive', eine Cloud-Festplatte von Microsoft, zu denen der behandelnde Arzt nach Wunsch des Users Zugang erhält.

Schnelltest für Schwangere

Code 8 zufolge wird Matibabu, das derzeit nur mit dem Windows-Phone-Betriebssystem verwendet werden kann, insbesondere schwangeren Frauen zugutekommen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHOL) ist die Hälfte der Weltbevölkerung anfällig für Malaria, besonders gefährdet sind schwangere Frauen, Kinder und HIV-Infizierte. "Wenn sich eine werdende Mutter mit Malaria infiziert, hat das Auswirkungen auf das Baby", meint Lubambo gegenüber IPS. "Je schneller der Erreger erkannt wird, umso schneller die Behandlung und umso geringer die Gefahr einer Fehlgeburt."

Nun hofft das Team, bis Mitte 2014 über Adroid- oder Open-Source-Versionen zu verfügen und in spätestens zwei Jahren ihr Malaria-Diagnose-App zum kostenlosen Download auf den Markt zu bringen. Nur die Hardware kostet. 20 bis 35 Dollar sind für ugandische Verhältnisse recht teuer. Derzeit kosten die mikroskopische und die Schnelldiagnose keine fünf Dollar, wie Jane Achan, Professorin für Kinderheilkunde am Institut für Gesundheitswissenschaften der 'Makerere University' berichtet.

Malaria bedroht vor allem die Landbevölkerung. So wird jeder Bewohner des Bezirks Apach im Norden Ugandas jährlich von mehr als 1.500 infizierten Mücken gestochen. Diese Menschen haben keinen Zugang zu Smartphones. In den Städten haben Ärzte mehr Möglichkeiten, um Malaria festzustellen. "Am Ende wird es darum gehen, die Wirksamkeit des neuen Apps mit der der herkömmlichen Methoden zu vergleichen", meint Achan.

Moses Kizito leitet die private SAS-Klinik in Kampala, an der pro Tag durchschnittlich 50 Malaria-Tests durchgeführt werden und acht bis zehn Untersuchungsergebnisse vorliegen. Matibabu sei nur auf den ersten Blick eine teure Angelegenheit, doch werde es sich schnell amortisieren, ist Kizito überzeugt.

"Wenn es soweit kommt, dass Patienten stationär behandelt werden müssen, wird's richtig teuer", sagt er. "Mit dem neuen App können sich Menschen auf Malaria testen und die Krankheit in einem frühen Stadium bekämpfen, bevor also Anämie und Hirnschäden auftreten", sagt er. Kavuma zufolge hat Microsoft den jungen Forschern Unterstützung bei der Vermarktung ihrer Erfindung angeboten. Doch die Gruppe hat andere Pläne. Sie will chinesische Firmen für ihre Erfindung begeistern.

Gitta ist zuversichtlich, dass sich in naher Zukunft auch andere Krankheiten auf ähnliche Weise vorzeitig diagnostizieren lassen. "Alles ist möglich. Lasst uns die nächste große Herausforderung angehen." (afr/IPS)

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