Uganda: 150.000 Abtreibungen mit Komplikationen

Nur knapp ein Drittel der Frauen verhütet

Von Andrew Green | 05.12.2012

Kampala. Die Gynäkologen des Mulago-Krankenhauses in der ugandischen Hauptstadt Kampala bekommen täglich die schaurigen Folgen unsachgemäß durchgeführter Schwangerschaftsabbrüche zu sehen. Mindestens fünf Frauen müssen täglich wegen Verletzungen behandelt werden, die sie sich selbst zugefügt haben, um eine Mutterschaft zu verhindern.

Wie Charles Kiggundu, der Leiter der gynäkologischen Abteilung, berichtet, greifen die betroffenen Frauen oftmals zu rabiaten Mitteln, um einen Abort einzuleiten. Sie schluckten Benzin und zweifelhafte Pillen oder versuchen mit vaginal eingeführten Gegenständen den Fötus zu entfernen, berichtet er.

Zum Glück sind Ugandas Frauen seit diesem Jahr berechtigt, sich nach einem Schwangerschaftsabbruch nachbehandeln zu lassen. Das gilt auch für illegal durchgeführte Eingriffe. Jedes Jahr treten in 150.000 Fällen gesundheitliche Komplikationen auf. Für 1.200 der betroffenen Frauen kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Unprofessionell durchgeführte Aborte sind in dem ostafrikanischen Land für ein Viertel der Müttersterblichkeitsrate verantwortlich.

"Wir haben es hier mit einem Problem großer Unwissenheit zu tun", meint Kiggundu. "Nur die wenigsten Frauen wissen über Familienplanungsmethoden Bescheid." Tatsächlich greift nur knapp ein Drittel aller Uganderinnen zu Verhütungsmitteln, wie aus einer Demografie- und Gesundheitsuntersuchung hervorgeht.

Nach Angaben von Moses Mulumba, Geschäftsführer des Zentrums für Gesundheit, Menschenrechte und Entwicklung (CEHURD), stellen unsichere Schwangerschaften gerade für junge Leute ein großes Problem dar. "Betroffen sind meist Gymnasiastinnen und Studentinnen", berichtet er gegenüber IPS.

In vielen Fällen könnte Aufklärung die Zahl der unsicheren Abtreibungen erheblich senken. So berichtet Lisa Slattery, Leiterin der Afrika-Abteilung des Zentrums für reproduktive Rechte, dass die meisten Frauen der irrigen Meinung seien, dass Abtreibungen generell verboten seien.

Abbrüche in Sonderfällen erlaubt

2006 hatte das Gesundheitsministerium Schwangerschaftsabbrüche in Fällen legalisiert, in denen das Leben oder die seelische Gesundheit der Mütter durch eine Schwangerschaft gefährdet würde, die betroffene Frau an Krankheiten wie Gebärmutterhalskrebs oder HIV/Aids leidet oder Missbildungen des Fötus erkennbar sind. Auch Schwangerschaften, die durch eine Vergewaltigung oder inzestuöse Beziehung zustande kommen, dürfen abgebrochen werden.

Helfen würde den Frauen Experten zufolge auch, wenn außereheliche Schwangerschaften nicht länger stigmatisiert würden. "Historisch gesehen sind Abtreibungen schlecht angesehen", bestätigt Mulumba. "Viele Menschen wollen noch nicht einmal darüber reden. Das führt dazu, dass viele Ärzte wegen moralischer Bedenken einen solchen Eingriff ablehnen."

Kiggundu zufolge sind die wenigsten Ärzte des Landes mit den ugandischen Abtreibungsbestimmungen vertraut. Auch das sei ein Faktor, warum sich viele weigerten, den Eingriff selbst in zulässigen Fällen vorzunehmen.

Nach Ansicht der CEHURD-Mitarbeiterin Joy Asasira lässt sich das Problem der unsicheren Abtreibungen nur durch den Zugang zu Familienplanungsmethoden lösen. "Menschen werden bereits in jungen Jahren sexuell aktiv", betont sie. "Es besteht also ein dringender Bedarf an Verhütungsmitteln." (Ende)

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