Tansania: Starke Regenfälle in mehreren Landesteilen

Klimawandel erhöht Risiken für Epidemien

Von Kizito Makoye | 24.02.2014

Dar es Salaam. Anhaltende heftige Regenfälle in Tansania bringen die Bewohner tief gelegener Viertel der größten Stadt Dar es Salaam in erhöhte Gefahr, sich mit durch Wasser übertragenen Krankheitserregern zu infizieren. Durch die hohen Niederschlagsmengen breitet sich vor allem die Cholera stark aus. Die Regierung ist gefordert, das Trinkwassersystem zu verbessern.

Anfang Februar sagte der Wetterdienst TMA vorher, dass Dar es Salaam zu den Gebieten im Norden und Süden des ostafrikanischen Landes gehört, in dem es den Monat über ungewöhnlich stark regnen und stürmen werde. Die Anwohner wurden aufgefordert, Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Überschwemmungen in der östlichen Region Morogoro hatten im Januar bereits mehr als 10.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Straßen und Gebäude wurden durch die Wassermassen beschädigt. In den zu Dar es Salaam gehörenden Vorstädten Jangwani und Kigogo harren weiterhin Anwohner aus, die die Gebiete entgegen der Ermahnungen der Regierung nicht verlassen haben.

Bewohner von Kigogo berichten, dass das Wasser zu einer zunehmenden Gesundheitsgefahr wird. Nachbarn würden ihre Latrinen in den Fluten ausleeren, so dass sich Exkremente rasch in dem Viertel verbreiteten. "Wir trinken Brunnenwasser, aber bei Regen ist es schwer zu sagen, ob es ungefährlich ist", meine Riziki Mwenda aus Kigogo.

Gesundheitsexperten warnen, dass in den für Naturkatastrophen anfälligen Zonen Epidemien ausbrechen könnten. Vertreter der Behörden von Dar es Salaam sehen die Risiken hingegen auf das Stadtgebiet begrenzt, weil die Bewohner angeblich Hygieneregeln vernachlässigen und Wasser für den Gebrauch nicht abkochen.

Cholera weiter auf dem Vormarsch

Laut Daten des Gesundheits- und Sozialministeriums gehört das Gebiet von Dar es Salaam zu den fünf tansanischen Küstenregionen mit der höchsten Zahl von Cholera-Fällen, die weiter zunehmen. Angesichts der deutlich sichtbaren Folgen des Klimawandels wird befürchtet, dass künftig noch erheblich mehr Menschen erkranken werden.

Aus einer 2011 im 'International Journal of Environmental Research and Public Health' veröffentlichten Studie geht hervor, dass die Cholera-Gefahr bereits bei einem Temperaturanstieg von einem Grad Celsius um 15 Prozent auf 29 Prozent steigt. Nach Prognosen von TMA könnten sich die Jahresdurchschnittstemperaturen im Norden, Zentrum und Süden Tansanias bis zum Jahr 2100 zwischen 2,1 und vier Grad Celsius erhöhen.

Ladislaus Chang, Direktor der Abteilung für angewandte Meteorologie, geht davon aus, dass extremere Wetterphänomene immer häufiger in den meisten Landesteilen auftreten werden. Im Norden und Süden Tansanias könnte die Niederschlagsmenge um fünf bis 45 Prozent steigen. In anderen Teilen des Landes werde der Regen hingegen um voraussichtlich zehn bis 15 Prozent zurückgehen und Dürren verursachen. Chang warnt davor, dass diese Entwicklungen zu Nahrungsmittelmangel, Mangelernährung und Infektionen führen werden.

Behörden und Bürger mitverantwortlich

Herbert Kashililah von der Hilfsorganisation 'WaterAid' macht für den Anstieg epidemischer Krankheitsfälle in Dar es Salaam allerdings auch die Politik und die Bürger selbst verantwortlich. "Die Kluft zwischen politischen Zielen und Praxis ist darauf zurückzuführen, dass sich die Hauptakteure nicht in der Verantwortung sehen. Außerdem überschneiden sich die Zuständigkeitsbereiche lokaler und zentraler Verwaltungsbehörden, die die Einhaltung geltender Gesetze zur Gesundheitskontrolle überwachen."

Die Regierung von Tansania setzt zudem bisher keine Strategie zur Abmilderung der Konsequenzen des Klimawandels um. "Die Regierung sollte zudem signifikant in die Trinkwasserversorgung der gesamten Stadtbevölkerung investieren. Außerdem muss sie garantieren, dass Abwässer richtig entsorgt werden", erklärt er. Laut dem Experten versorgten sich die meisten Haushalte aus Brunnen, die mit Abwässern verunreinigt seien. (afr/IPS)

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