Tansania/Sambia: TAZARA aus der Spur

Grenzüberschreitende Eisenbahn sucht Investoren

Von Amy Fallon | 18.12.2013

Dar es Salaam. Manche sagen, der Weg ist das Ziel. Wer in Dar es Salaam auf den Zug der Tansanisch-Sambischen Eisenbahnbehörde (TAZARA) aufspringt, um von der tansanischen Metropole ins 1.860 Kilometer entfernte Kapiri Mposhi in Sambias Zentralprovinz zu reisen, sollte vor allem über zwei Eigenschaften verfügen: Humor und Geduld.

Den meisten Passagiere geht es darum, von Punkt A nach B zu kommen. Die Bahn ist gerade für den Südosten Tansanias mit seinem miserablen Straßenetz eine Notwendigkeit. "Versuchen Sie dort einmal, mit dem Bus zum Ziel zu kommen. Sie werden darum beten, endlich anzukommen", meint Lawrence Pangani, ein Rentenversicherungsagent. Pangani reist wie viele andere sambische und kongolesische Geschäftsleute in der ersten Klasse. Er hatte in Dar es Salaam geschäftlich zu tun und befindet sich auf dem Heimweg in Richtung Kabwe im Westen der sambischen Hauptstadt Lusaka.

China hatte für die in den 1970er Jahren entstandene Eisenbahnlinie einen zinslosen Kredit in Höhe von 412 Millionen US-Dollar bereitgestellt. Das Vorhaben war damals das größte Einzelprojekt, das je von einem asiatischen Land finanziert wurde. Seit 1976 befindet sich TAZARA in tansanisch-sambischer Hand.

Schon damals war die Bahn für das kupferreiche Sambia, das keinen Zugang zum Meer besitzt, ein wichtiges alternatives Transportmittel, insbesondere weil diejenigen Nachbarländer, die noch Kolonialstaaten waren, Sambia wegen seiner Unterstützung verschiedener Befeiungskämpfe mit Sanktionen belegt hatten. Doch in jüngster Zeit ist TAZARA aus der Spur geraten. Vor mehr als fünf Jahren hieß es, die Eisenbahn sei mit 45 Millionen US-Dollar verschuldet und stehe kurz vor dem Bankrott. Retter in der Not war China.

"Ersatzmama" China

2011 unterzeichnete die Volksrepublik, die der TAZARA-Sprecher Conrad Simuchile liebevoll "Ersatzmama" nennt, ein Protokoll, dem Sambia und Tansania die Abschreibung der Schulden um 50 Prozent verdankten. Simuchile zufolge wird TAZARA bis heute von Peking bedingungslos mit Ausrüstungen und Expertise unterstützt.

Dennoch kämpf TAZARA auch weiterhin ums Überleben. Im September beliefen sich die Einnahmen auf monatlich 1,53 Millionen Dollar, die Ausgaben hingegen auf 2,5 Millionen Dollar. Ein zweiwöchiger Streik der Beschäftigten wegen unbezahlter Löhne im vergangenen Sommer kostete die Betreiber 1,4 Millionen Dollar. 46.000 Fahrgäste waren betroffen.

Das Unternehmen brauche eine Rekapitalisierung, erläutert Simuchile. Anders als verschiedentlich behauptet, sei TAZARA durchaus in der Lage, schwarze Zahlen zu schreiben. "Wir benötigen lediglich drei oder vier größere Kunden, die ihre Fracht von uns transportieren lassen."

Wie Simuchile in der Zentrale des Unternehmens in Dar es Salaam erklärt, haben die Minister beider Länder TAZARA grünes Licht gegeben, sich nach einer strategischen Partnerschaft mit privaten Unternehmen umzusehen, ohne dass es zu einer Veränderung der Aktienanteile kommt.

Der TAZARA-Sprecher ist zuversichtlich, dass die Bahnlinie in den nächsten zwei Jahren bis nach Lusaka ausgebaut werden kann. "Das käme unseren Kunden entgegen. Wir transportieren nicht nur Kupfer, Kobalt, Mangan und andere Mineralien, sondern auch eine Vielzahl von Importen aus Asien und der ganzen Welt." Die Ware kommt in Dar es Salaam an und ist für Malawi, den Kongo und Sambia sowie für die Länder der großen Seen Burundi und Ruanda bestimmt.

Für Nelson Nyangu, Transportdirektor im sambischen Ministerium für Transport, Nachschub und Kommunikation, ist die Eisenbahn für sein Land überlebenswichtig. Die Bahn müsse unbedingt gerettet werden, sagt er und bedauert, dass TAZARA nur noch 500.000 Tonnen Güter im Jahr transportiert. Zu Hoch-Zeiten waren es eine Million Tonnen gewesen.

Die Fahrgäste zumindest halten der Eisenbahn die Stange. Jährlich wird sie von gut 900.000 Personen frequentiert. Der Bauer Emmanuel zum Beispiel nutzt den Zug, um seinen Reis zum Markt nach Makambako zu schaffen, einer Stadt im südtansanischen Hochland. Ein Sitz in der ersten Klasse kostet ihn rund neun Dollar. Ein Bus-Ticket würde mit fast 25 Dollar zu Buche schlagen. Zudem müsste er drei Mal umsteigen.

Stundenlange Verspätungen

Für den Personenverkehr stehen wöchentlich zwei Züge bereit. Der eine, der dienstags Sambia verlässt, wird 'Mukuba-Express' genannt. Mukuba bedeutet in der Bemba-Sprache 'Kupfer'. Auf tansanischer Seite startet freitags der 'Kilimanjaro'. Leider kommt es jedoch immer wieder zu gravierenden Verspätungen, wie Emmanuel beklagt. Zehn Stunden seien es diesmal, die der Zug nicht werde aufholen können.

Simuchile räumt ein, dass es wöchentlich zu Störungen kommt. "Unsere Ausrüstung, die Lok und auch die Waggons sind wirklich alt, und aufgrund der finanziellen Engpässe müssen Instandhaltungsarbeiten oft verschoben werden", erläutert er. Allerdings gehörten derartige Widrigkeiten zu den Dingen, die Afrikaner täglich erlebten. "Das ist Afrika", wiegelt er ab. "Umso wichtiger ist es deshalb, die TAZARA-Züge guten Mutes zu besteigen."

Für ausländische Fahrgäste sind offenbar die Probleme das Aufregendste an der Reise. Sara Strandstoft ist mir ihrem Mann Jacob Anderson und den beiden Söhnen an Bord des Mukuba-Express. Nach zwei Tagen weiß die dänische Familie immer noch nicht, wann sie ihr Endziel Kasama in der sambischen Nordprovinz erreichen wird. "Wir haben unsere Uhren ausgezogen", meint Strandstoft lachend zu IPS. "Die Reise dauert eben, solange sie dauert." (afr/IPS)

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