Tansania: Geburtsurkunde per App

mBirth vereinfacht Registrierung von Neugeborenen

Von Kizito Makoye | 15.12.2016

Lunyanywi (IDN/afr). In der Krankenstation von Lunyanywi im Bezirk Njombe im südlichen Hochland von Tansania hat sich das ganze Dorf versammelt, um die Ankunft eines neuen Mitglieds ihrer Gemeinschaft zu feiern. Antonia Kisena (38) und ihr Mann Moses (45) strahlen um die Wette, als sie ihren neugeborenen Sohn Arnold in die Arme schließen.

Verleihung einer Geburtsurkunde in TansaniaDie zweijährige Justine Masawe aus dem Bezirk Njombe erhält ihre Geburtsurkunde aus den Händen des Ministers für Justiz und Verfassungsfragen, Harrison Mwakyembe. (Bild: Kizito Makoye/IDN)

"Mein Mann wollte dieses Mal unbedingt einen Jungen", sagt Antonia Kisena glücklich. "Gott sei Dank ist es jetzt so gekommen."Im Gegensatz zu anderen Kindern, die ebenfalls in Lunyanywi geboren wurden, erhält Arnold eine Geburtsurkunde. Diese verdankt er einer mobilen Applikation namens mBirth, mit der die Registrierung von Kindern bis zu fünf Jahren und die Ausstellung einer Geburtsurkunde einfach und kostenlos bewerkstelligt werden kann.

Das innovative Geburtenerfassungssystem wurde von der staatlichen Registration, Insolvency and Trusteeship Agency (RITA) in Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und dem Mobilfunkanbieter Tigo entwickelt.

Großer Aufholbedarf - vor allem am Land

Tansania hat eine der niedrigsten Registrierungsquoten bei Geburten in Afrika. In dem ostafrikanischen Staat sind laut UNICEF-Angaben nur 16 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren behördlich erfasst. Lediglich acht Prozent sind auch im Besitz einer Geburtsurkunde.

Dabei gibt es ein starkes Stadt-Land-Gefälle: Während in den Städten 22 Prozent der Kinder unter fünf Jahren ein solches Dokument haben, sind es in den ländlichen Regionen bloß drei Prozent.

Der Grund für die Schere zwischen Stadt und Land liegt im hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand: Eltern aus ländlichen Gebieten müssen oftmals eine lange Anreise zur nächsten Registrierungsstelle in Kauf nehmen.

Außerdem sind für eine Geburtsurkunde 3.500 Tansanische Schilling (ca. 1,5 Euro) zu bezahlen, wenn die Anzeige binnen 90 Tagen nach der Geburt erfolgt. Die Ausstellung einer Geburtsurkunde zu einem späteren Zeitpunkt kostet 4.000 Tansanische Schilling (ca. 1,7 Euro).

"Ich habe keines meiner anderen Kinder registriert, weil es einfach zu teuer war", bestätigt auch Antonia Kisena. mBirth hingegen vereinfacht die Registrierung enorm: Persönliche Angaben wie z. B. Name, Geschlecht und Geburtsdatum des Kindes werden vom Krankenhauspersonal in der App erfasst und an eine zentrale Datenbank geschickt. Innerhalb weniger Tage wird dann eine kostenlose Geburtsurkunde zugestellt.

RITA-Geschäftsführerin Emmy K. Hudson sagt, dass die Regierung in nächsten fünf Jahren 3,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren registrieren will. "Wir sind fest entschlossen, die entsprechenden Dienste anzubieten, damit möglichst viele Kinder in diesem Zeitraum angemeldet werden können."

Geburtsurkunde schützt vor Ausbeutung

Die Geburtsurkunde zählt zu den wichtigsten Dokumenten, die im Laufe eines Lebens benötigt werden. Die Registrierung von Neugeborenen ist daher auch fester Bestandteil der ambitionierten Agenda 2030 mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen.

Kinderrechts-Experten sind überzeugt, dass eine Geburtsurkunde Kindern mehr Sicherheit für ihre Zukunft gewährleistet. Sie erlaubt den Zugang zur Gesundheitsversorgung und zu Bildungseinrichtungen. Außerdem schützt das Dokument vor Ausbeutung wie Kinderarbeit, Menschenhandel und Kinderehe sowie vor einer zu frühen Rekrutierung durch das Militär.

Viele Eltern in Tansania nutzen das Fehlen von Geburtsurkunden, um ihre Töchter gegen Geld an ältere Männer zu verheiraten. Es ist nicht selten, dass Teenager im Alter von nur 14 Jahren auf diese Weise verkauft werden.

Auch laufen minderjährige Jugendliche ohne Geburtsurkunde häufig Gefahr, Opfer von Menschenhandel zu werden. Sie erhalten von ihren Peinigern in der Regel gefälschte Dokumente, auf denen ihr Alter mit mindestens 18 Jahren angeben wird. (Ende)

Anmerkung: IDN ist die Flaggschiff-Agentur des International Press Syndicate.

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