Tansania: Frauen dürfen bei Landfragen endlich mitreden

Neue Initiative schafft Gleichstellung in der Dorfversammlung

Von Kizito Makoye | 12.10.2016

Vilabwa (IDN). In Vilabwa, einem kleinen Dorf südlich von Dar es Salaam, hatten Frauen bei wichtigen Entscheidungen des Dorfrates bislang nichts mitzureden. "Wir haben keine Stimme, die Männer entscheiden alles", beklagt die Dorfbewohnerin Saada Hassan. Dieser Missstand soll endlich der Vergangenheit angehören: Ein Pilotprojekt von Anwältinnen verleiht Frauen nun ein Mitspracherecht.

Dorfrat in TansaniaBei Versammlungen im Dorf Vilabwa sitzen die Männer in der ersten Reihe, doch die Gleichberechtigung schreitet voran. (Bild: Kizito Makoye/IDN)

Saada Hassan ist 55 Jahre alt und eine von vielen Frauen im Dorf, die mit der Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt verdienen. Seit langem ist ihr die männliche Dominanz ein Dorn im Auge: "Die Männer glauben einfach nicht, dass wir Frauen gut führen oder richtige Entscheidungen treffen können."

Nach Jahren der Frustration sieht Hassan, die ihr ganzes Leben in Vilabwa verbracht hat, nun einen Hoffnungsschimmer. Die Tanzania Women Lawyers Association (TAWLA) – eine gemeinnützige Organisation von Anwältinnen – hat ein neues Modell entwickelt, das Frauen in die Entscheidungsprozesse bei Landfragen miteinbezieht.

Das Modell wird neben Vilabwa derzeit auch in Kidugulo erprobt. Beide Dörfer liegen im östlichen Bezirk Kisarawe und wurden deshalb ausgewählt, weil in ihren Gemeindegebieten beträchtliche Investitionen von Agrarkonzernen getätigt werden. Und obwohl Frauen das Rückgrat der Landwirtschaft in Tansania bilden, war ihre Meinung bei der Flächenwidmung bislang nicht gefragt.

Dorfversammlung als höchstes Entscheidungsgremium

Laut Nasieku Kisambu, Programmdirektorin der TAWLA, beinhaltet das neue Modell eine Verordnung, die Frauen in die Dorfversammlung miteinbindet. "Die meisten unserer Gesetze spiegeln die Gleichstellung von Männern und Frauen nicht wider", beklagt Kisambu. "Dadurch war es für Frauen bislang schwer, in Landfragen mitzureden. Die Dorfversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium und als solches auch für die Wahl des Dorfrates zuständig."

In Vilabwa besteht der Dorfrat aus 25 Mitgliedern, darunter acht Frauen. Das entspricht den gesetzlichen Rahmenbedingungen, die einen Frauenanteil von 25 vorsehen. Ungeachtet davon bleiben aber Frauen häufig von Entscheidungen ausgeschlossen, die als "Männersache" angesehen werden.

"Von uns Frauen wird erwartet, dass wir für unsere Männer kochen, auf das Feld gehen und sich um die Familie kümmern", sagt Saada Hassan. Das neue Modell sieht nun vor, dass Frauen bei wichtigen Entscheidungen der Dorfversammlung die gleiche Anzahl wie Männer stellen dürfen.

Neues Modell zeigt Erfolg

"Ich denke, dass das Modell ein guter Schritt ist", sagte Salum Ali, Mitglied der Dorfversammlung von Vilabwa. "Für Frauen bedeutet das Land alles, da sie damit ihren Lebensunterhalt verdienen."

Um die Durchsetzung des Modells sicherzustellen, hatte die TAWLA für den Bezirk Kisarawe eine eigene Task Force eingesetzt. Offenbar mit Erfolg: Sowohl in Vilabwa als auch in Kidugulo wurden die Verordnungen ohne Vorbehalte von den Dorfversammlungen genehmigt. Nun soll das Modell auch auf andere Dörfer des Landes ausgeweitet werden.

Godrey Massay, Experte für Landinvestitionen beim Tanzania Natural Ressources Forum (TNRF), ist jedenfalls von dem Modell begeistert: "Das ist eine der am begrüßenswertesten Initiativen überhaupt, die auf die Gleichstellung der Geschlechter in Entscheidungsprozessen abzielen."

Anmerkung: IDN ist die Flaggschiff-Agentur des International Press Syndicate.

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