Tansania: Bauern und Hirten streiten um Land

Schwere Vorwürfe gegen Bezirksbeamte

Von Kizito Makoye | 24.01.2014

Dar es Salaam. Die Konflikte zwischen Bauern und Hirten um Land und Wasser stellen die Behörden in Tansania vor immer größere Probleme. Von der Küstenregion bis zum Kilimandscharo sind seit Jahrzehnten gewaltsame Auseinandersetzungen um die knappen Ressourcen im Gang. Auch mehren sich Vorwürfe gegen Beamte, die sich von Hirten bestechen haben lassen.

Am 12. Januar starben im Distrikt Kiteto im Zentrum des Landes zehn Menschen, als offenbar Maasai-Hirten Dörfer in dem von ihnen beanspruchten Embroi-Murtangosi-Waldreservat überfielen und die Hütten in Brand steckten. Den Bauern zufolge genießen die Hirten die Unterstützung von Verwaltungsbeamten, die daran interessiert seien, dass die Farmer aus dem Gebiet verschwinden.

"Es ist kein Geheimnis: Wir sind Zielscheibe derartiger Übergriffe, weil einige Leute dafür bezahlt werden, uns aus dem Gebiet zu vertreiben", meint Kisioki Mesiaya, ein Bauer aus Kiteto. Hirten, die in der Regel wohlhabender sind als Bauern, werden beschuldigt, mit Hilfe von Bestechungsgeldern politische Entscheidungen herbeizuführen.

In Tansania gibt es ungefähr 21 Millionen Rinder. Damit liegt das Land in Afrika an dritter Stelle nach Äthiopien und dem Sudan. Nach Angaben des Ministeriums für Viehzucht und Fischerei trägt die Tierhaltung zu mindestens 30 Prozent zum landwirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei.

Hälfte des Landes für Anbau nutzbar

Wie das Agrarministerium mitteilte, produzieren Kleinbauern mehr als 90 Prozent der Nahrungsmittel im Land. Von einer Gesamtfläche von 94,5 Millionen Hektar sind 44 Millionen Hektar urbar. Die bisher folgenschwersten Zusammenstöße zwischen Hirten und Bauern ereigneten sich im Dezember 2000 im Distrikt Kilosa in der Region Morogoro. 38 Farmer wurden getötet. 2008 brachen erneut Feindseligkeiten aus, bei denen acht Menschen umgebracht, mehrere Hütten angezündet und Vieh gestohlen wurden.

Auch der stellvertretende Sprecher der Nationalversammlung, Job Ndugai, bezichtigt Regierungsbeamte, die Hirten zu instrumentalisieren, um die Bauern einzuschüchtern. "Die Landstreitigkeiten werden von Beamten angeheizt, die von den Hirten Geld und Vieh fordern und im Gegenzug Bauern unter dem Vorwand vertreiben, sie bewirtschafteten Land in Naturschutzgebieten", sagte Ndugai im Dezember in seinem Wahlkreis Kongwa in der Landeshauptstadt Dodoma. Die Präfektin von Kiteto, Martha Umbulla, wies die Beschuldigungen zurück.

Nach Einschätzung von Experten werden diese Konflikte auch durch Feindschaften zwischen unterschiedlichen Ethnien, schwindende Ressourcen, eine wenig nachhaltige Bodenpolitik und Bevölkerungswachstum befeuert. Yefred Myenzi vom unabhängigen 'Lands Rights Research and Resources Institute' (KakiArdhi) führt die meisten Landkonflikte indirekt auf Entscheidungen der Behörden zurück.

Der Kampf um Land und Wasser sei auch die Folge davon, dass das Thema in der Öffentlichkeit nicht ausreichend zur Sprache gebracht werde, meint er. Zudem seien die Landesgesetze vielen Tansaniern gar nicht bekannt. Ihre politische Mitsprache sei begrenzt und Distriktbeamte korrupt.

Kaum Landebesitz für Tansanier 

Von den 42 Millionen Tansaniern besitzen lediglich 0,02 Prozent Landtitel. "Wir beobachten einen Zustrom von Investoren, die Land in Beschlag nehmen, um dort kommerziellen Anbau oder Bergbau zu betreiben. Dies führt zu Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung und Vertreibungen", erklärt Myenzi.

Die bestehenden Regelungen für Grundbesitz benachteiligen die Hirten, für die kein Land vorgesehen ist. "Obwohl jedes Dorf gesetzlich verpflichtet ist, einen Landnutzungsplan vorzulegen, sind viele Orte aufgrund des Konflikts noch nicht dazu gekommen", kritisiert Myenzi. Obwohl ein Mechanismus zur Konfliktlösung Anlass zur Hoffnung gibt, befürchtet der Experte, dass die Streitigkeiten weitergehen werden, zu groß sei die Korruption und zu wenig werde die Einhaltung geltender Bestimmungen überwacht.

Dem Agrarwissenschaftler Henry Mahoo von der Sokoine-Universität zufolge wird es höchste Zeit für einen Landnutzungsplan, der den Hirten und den Bauern Gebiete zuweist. "Alle Betroffenen müssen in den Verhandlungsprozess eingebunden werden." (afr/IPS)

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