Swasiland: Suche nach TBC-infizierten Bergarbeitern

Resistente Form besonders verbreitet

Von Mantoe Phakathi | 16.04.2013

Mbabane. Mehr als zehn Jahre lang – ab 1992 – quälte sich Benson Maseko mit Husten und Schmerzen im Brustkorb. Aufgrund seines Leidens wurde der swasiländische Bergmann, der in einer Mine im südafrikanischen Johannesburg beschäftigt war, entlassen. Ein neues Programm erfasst nun ehemalige Arbeiter und testet sie auf Tuberkulose.

Nach der Rückkehr in sein Heimatdorf Mahlangatsha in der Nähe von Manzini, der Wirtschaftsmetropole des Königreichs Swasiland, vertraute er sich Maseko zunächst einem traditionellen Heiler an, der jedoch nichts ausrichten konnte. Erst 2005 wurde er in einem Krankenhaus einer Tuberkulosebehandlung unterzogen. Den Besuch der Klinik hatte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen möglich gemacht, indem sie für die monatlich anfallenden Fahrtkosten in Höhe von 5,50 US-Dollar und die Nahrungsmittelrationen aufkam.

Doch nach Ende der sechsmonatigen Therapie erlitt Maseko zwei Rückfälle. "Und ein Jahr nach der Behandlung wurde ich wieder krank", berichtet der Vater von fünf Kindern. Erst als die Ärzte erfuhren, dass er in südafrikanischen Bergwerken gearbeitet hatte, konnten sie sich seine Beschwerden erklären.

Bei dem inzwischen 50-Jährigen wurde MDR-TBC, eine medikamentenresistente Form von Tuberkulose, festgestellt. Nach der Diagnose konnte er erfolgreich behandelt werden. Laut Samson Haumba, dem Leiter der Nichtregierungsorganisation 'University Research Co. LLC' (URC), die Unterstützung im Kampf gegen Tuberkulose leistet, ist MDR-TBC besonders unter Minenarbeitern verbreitet.

Seit Anfang April hat URC gemeinsam mit der Vereinigung von Migranten und Bergleuten in Swasiland ('Swaziland Migrant an Mineworkers Association') damit begonnen, ehemalige Arbeiter und ihre Familien landesweit zu erfassen. Sie werden auf TBC getestet und gegebenenfalls behandelt.

Ohne Schutzmasken in die Grube

"Wir haben früher ohne Atemschutz unter Tage gearbeitet", erinnert sich Maseko, einer der 100.000 Bergleute, die es nach Schätzungen des swasiländischen Arbeitsministeriums seit den 1920er Jahren zum Arbeiten in Südafrikas Minen verschlagen hatte. "Wir wollen wissen, wo sich die ehemaligen Arbeiter aufhalten und wie weit sie von Gesundheitseinrichtungen entfernt leben", berichtet Haumba. "Wenn nötig, werden wir Mittel beschaffen, um die Kapazitäten der Krankenhäuser zu stärken."

Die Identifizierung und die Untersuchung ehemaliger Bergleute sollen dazu beitragen, eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, meint der URC-Chef und fügt hinzu, dass die Zahl der Patienten, die die Therapie abbrechen, sehr hoch sei. Die Zielpersonen hätten Angst, aufgrund von Fehlzeiten gefeuert zu werden.

Auch in anderen Teilen des südlichen Afrikas ist Tuberkulose ein großes Problem. Die Staatschefs der Mitglieder der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC), darunter der König von Swasiland, Mswati III., haben 2012 eine Erklärung über TBC im Bergbausektor unterzeichnet.

1,5 Millionen TBC-Tote in Afrika 2011

Laut einem im Februar verbreiteten Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO wurden in Afrika im Jahr 2011 etwa 600.000 TBC-Todesfälle registriert. Damit hat der Kontinent inzwischen Asien überrundet. Dem Report zufolge starben 2011 in Afrika 1,5 Millionen Menschen an der Krankheit. Mehr als 95 Prozent von ihnen stammten aus Staaten mit mittleren und niedrigen Einkommen.

Nach Angaben von Haumba ist die Silikose oder Quarzstaublunge unter Bergarbeitern verbreitet. Sie entsteht durch das Einatmen von Siliziumdioxid, das sich im Gold befindet. "Die Silikose schwächt das Lungensystem und macht die Bergleute besonders anfällig für TBC", sagt er. Hinzu komme, dass in den Gruben nur unzureichend Luft zirkuliert.

Am 21. März trafen sich regionale Gesundheitsminister in Swasiland und erneuerten ihr Versprechen, gegen die Krankheit sowie gegen AIDS anzugehen. "Wenn HIV/AIDS und TBC eine Schlange wären, könnte man den Kopf in Südafrika finden", betonte der südafrikanische Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi. "Die Bergarbeiter kommen aus der gesamten Region, stecken sich in unseren Minen an und bringen die Krankheit zu ihren Familien und Dorfgemeinschaften." Entwicklungspartner haben 120 Millionen US-Dollar für die Bekämpfung der beiden Epidemien zugesagt. (afr/IPS)

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