Swasiland: Frauen produzieren dürreresistente Saaten

Erschwingliche Alternative zu Hybridvarianten

Von Mantoe Phakathi | 02.07.2013

Maphungwane. Der bewölkte Himmel deutet auf herannahenden Regen hin. Happy Shongwe, eine Kleinbäuerin aus der Region Maphungwane im Osten des kleinen afrikanischen Königreichs Swasiland, ist darüber nicht besonders glücklich. Sie fürchtet um ihre Saaten – Erdnüsse und verschiedene Bohnensorten – die sie unter freiem Himmel in mehreren Behältern aufbewahrt.

"Wenn ich die Saaten nicht mit einer Segelplane zudecke, verderben sie. Dann werden sie den Test im Labor nicht bestehen", sagt Shongwe. Der einzige Platz, an dem sie ihre Ernte trocknen kann, ist ein Rohbau ohne Dach. Die Bäuerin, die für ihre Arbeit bereits mehrere Preise gewonnen hat, handelt nur mit Saaten von Hülsenfrüchten, die dürreresistent sind und daher in den trockenen Gebieten des Landes gut wachsen.

"Ich beobachte immer das Wetter. Das bisschen Regen, das hier fällt, reicht aus, um die Saaten zum Keimen zu bringen", berichtet sie. "Man muss nur das Wetter gut kennen, um zur richtigen Zeit zu pflanzen." Shongwe will Proben ihrer Ernte zum Testen in das Labor des Agrarministeriums bringen. Wenn die Qualität gut ist, wird sie das Saatgut für den Verkauf verpacken.

"Ich erhalte ein Zertifikat, das beweist, dass meine Saaten dem vorgeschriebenen Standard entsprechend keimen und sich somit für den Anbau eignen", erklärt sie. Zu ihren wichtigsten Kunden gehört die Weltagrarorganisation FAO, die das Saatgut für ihre Versuchsgelände einkauft. "Die FAO hat eine Tonne Erdnüsse aus dieser Ernte geordert. Wir werden sie bis September liefern", sagt Shongwe.

Frauenkooperative an vorderster Front

Allein schafft es die Bäuerin aber nicht, eine so große Menge zu liefern, denn ihre Anbaufläche umfasst nur vier Hektar Land. Sie arbeitet daher mit einer Gruppe von zehn Frauen zusammen, die sich in der 'Lutsango Palata'-Kooperative zusammengeschlossen haben, deren Vorsitzende Shongwe ist. "Wir verdienen mit dem Verkauf unseres Saatguts viel mehr Geld als Farmer, die mit Lebensmitteln handeln", berichtet sie.

Die Nationale Mais-Korporation kauft einen 50-Kilo-Sack mit Mais für umgerechnet 13 US-Dollar ein und zahlt 14 Dollar für einen Fünf-Kilo-Sack mit Erdnüssen. In Swasiland gibt es etwa zehn ähnliche Frauenkooperativen. Insgesamt sind mehr als hundert Bäuerinnen aus der dürregeplagten Region Lubombo für dieses Projekt tätig. Diese Farmerinnen produzieren Saaten, die sie erst innerhalb ihrer Gemeinschaften verkaufen, bevor sie sie im gesamten Land anbieten.

"Früher war es für Bauern sehr schwer, Saaten von Hülsenfrüchten zu finden, weil sie selten angebaut werden", sagt die FAO-Mitarbeiterin Khanyisile Mabuza. Ihre Organisation habe das Landwirtschaftsministerium bereits zu Beginn der Dürreperioden in den neunziger Jahren gebeten, Frauen zu selbständigen Saatgutproduzentinnen auszubilden. 2008 führte die FAO Vergünstigungen für arme Bauern ein, die auf Handelsmessen 72 Dollar für den Kauf von Betriebsmitteln für die Landwirtschaft erhalten.

"Die Produzenten wurden auch eingeladen, sich auf den Messen als Verkäufer zu betätigen. An diesem Punkt haben sich der Initiative mehr Frauen angeschlossen", berichtet Mabuza. In Swasiland gelten Hülsenfrüchte als Frauen-Pflanzen und werden von Männern links liegen gelassen. Deshalb unternimmt die FAO gezielte Anstrengungen, um Frauen dazu zu bringen, diese vernachlässigten, aber sehr gesunden Sorten anzubauen.

"Frauen stellen zudem den Großteil der Bauern. Deswegen ist es sinnvoll, ihnen genügend Betriebsmittel bereitzustellen, damit sie ihrer Arbeit nachgehen können", erklärt sie. Die FAO konzentriere sich dabei auf trockene Gebiete, wo Hülsenfrüchte gedeihen könnten. Viele Farmer pflanzen seit vielen Jahren unvermindert Mais an, der aber bei Dürren nur geringe Ernten beschert.

Klimawandel zwingt zum Umdenken

"Wir wollen erreichen, dass unsere Bauern verstehen, dass die Dürre aufgrund des Klimawandels Teil ihres Alltags ist und sie sich damit arrangieren müssen", sagt Mabuza. Durch den Verkauf der Hülsenfrüchte verdienen Farmer in trockenen Regionen genug Geld, um sich Mais aus anderen Gebieten leisten zu können. Die in den Dorfgemeinschaften selbst produzierten Saaten sind eine gute Alternative zu den immer teureren Hybridsaaten, die zwei multinationale Konzerne, 'Seed Co.' und 'Pannar', in dem Land verkaufen.

Wie der Agrarexperte Chris Mthethwa erklärt, haben viele Kleinbauern nicht genügend Geld, um sich die hochpreisigen Saaten kaufen zu können. "Der Vorteil der selbst gezogenen Saaten liegt auch darin, dass aus ihnen neues Saatgut gewonnen werden kann. Bei den hybriden Varianten ist das nicht möglich", sagt er. Da die großen Unternehmen kein indigenes Saatgut verkaufen wollten, hätten Regierung und FAO die kleinen Bauern zur Züchtung eigener Saaten mobilisiert.

Möglicherweise können künftig Saaten von Kleinbauern im Rahmen des Harmonisierten Saatgutsicherheitsprogramms (HASSP) der FAO exportiert werden. Außer Swasiland sind Sambia, Malawi und Simbabwe dem Programm angeschlossen. Die vier Staaten arbeiten daran, ihre Gesetzgebung mit den Richtlinien der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft SADC in Einklang zu bringen. (afr/IPS)

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