Swasiland: Frauen in Hosen dürfen nicht ins Parlament

Kandidatinnen werden im Wahlkampf diskriminiert

Von Mantoe Phakati | 02.09.2013

Mbabane. Menschenrechtsaktivisten in Swasiland prangern an, dass Frauen in dem kleinen südafrikanischen Königreich durch archaische und chauvinistische Praktiken daran gehindert wurden, bei den Vorwahlen am 24. August als Kandidatinnen anzutreten. In der Verfassung des Staates sei dieses Recht jedoch festgeschrieben, erklärte der Politologe Sikelela Dlamini.

"Die diskriminierende Praxis, Frauen an einer Teilhabe an der Politik zu hindern, geht auf tief wurzelnde Vorstellungen von männlicher Dominanz zurück", meinte Dlamini. "Frauen ist demnach eine untergeordnete Rolle zugewiesen."

Zuvor hatte der Chief von Ludzibini, Prinz Magudvulela, sein Volk darum gebeten, bei den Wahlen "nicht für trauernde Frauen" zu stimmen. Damit spielte er auf die frühere Parlamentarierin Jennifer Du Pont an, die im Wahlkreis Timphisini antreten will. Im Mai hatte die Politikerin ihren Mann verloren. Sie beendete die üblicherweise zwei Jahre dauernde Trauerzeit bereits nach einem Monat.

Magudvulela erklärte seinen Getreuen am 17. August, dass nach den Landessitten Frauen in der Trauerphase nicht das Parlament und königliche Residenzen betreten oder sich in die Nähe des Monarchen begeben dürften.

Einzelne Kandidaten, keine Parteien zugelassen

Der Binnenstaat Swasiland, in dem nur etwa eine Million Menschen leben, wird von dem polygamen König Mswati III. regiert. Bei den Wahlen können keine politischen Parteien antreten, sondern nur einzelne Kandidaten, die sich in 55 Wahlkreisen ('Tinkhundla') dem Votum der Bürger stellen. Diese Wahlkreise sind in 385 Häuptlingstümer unterteilt. Bei den Vorwahlen werden Kandidaten in den jeweiligen Distrikten ausgewählt, die dann in die zweite Runde gehen.

"Man muss für jemanden stimmen, den der König gebrauchen kann", erklärte Maguvulela, der damit Mswatis Äußerungen bei der Auflösung des Parlaments am 2. August wiederholte. Du Pont habe zwar nach der Verfassung ein Anrecht darauf, ihre persönliche Trauerzeit selbst festzulegen. Das Gewohnheitsrecht stehe aber über der Verfassung.

Die Politikerin zeigte sich über das Verhalten des Chiefs schockiert. Nach ihrer Niederlage bei den Vorwahlen am 24. August rief sie den Obersten Gerichtshof an, die Wahlen in Ludzibini wiederholen zu lassen. Eine Entscheidung ist ausständing.

Die Chiefs spielen als lokale Führer im Wahlverfahren eine wichtige Rolle. Die Wahlkommission lässt sie entscheiden, wo in ihrem Distrikt gewählt wird. Andere Chiefs haben die Bevölkerung aufgefordert, keine homosexuellen Kandidaten oder Parteimitglieder zu wählen.

Diskriminierung von Frauen allgegenwärtig

Du Pont ist nicht das einzige weibliche Opfer von Diskriminierung. Als Maria Mavimbela Anfang August im Wahlkreis Lusabeni aufgestellt wurde, erklärte der lokale Vorsitzende des Wahlausschusses sie für ungeeignet, weil sie Hosen trug. Mavimbela hat bei dem Ausschuss bereits eine Beschwerde eingereicht. "Ich bin nominiert worden und habe nichts Ungesetzliches getan", erklärte sie. Sie ist unter den vier Kandidaten im Wahlkreis die einzige Frau.

Vertreter der lokalen Führung nannten es dagegen inakzeptabel, dass Frauen Hosen tragen. Die Chiefs hätten dies verboten, weil Frauen in Hosen nicht gut aussähen, sagte Dlamini der Zeitung 'Times of Swaziland'. Mavimbela entschuldigte sich am 10. August, weil sie um die Sicherheit ihrer Familie fürchten musste.

Wie Nonhlanhla Vilakati, Religionswissenschaftlerin an der Universität von Swaziland, kritisiert, fehlt es an politischen Strategien zur Gleichstellung der Geschlechter. Frauen in ländlichen Regionen sind den Bräuchen stärker unterworfen als Städterinnen.

Der Vorsitzende des Wahlausschusses, Prinz Gija, verurteilte zwar die Verstöße gegen die Rechte der Frauen. Er erklärte aber auch, keinen Einfluss auf die Chiefs zu haben. (afr/IPS)

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