Swasiland: Aus klein mach groß

Förderprogramm schafft Märkte für Landwirte

Von Mantoe Phakathi | 10.10.2014

Mbabane. Männer in blauen Arbeitsanzügen entladen Lkws mit Gemüse. Frauen verarbeiten die frische Ware und verpacken sie, bevor sie im Kühlraum verschwindet. Dann rollt ein leerer Laster auf den Hof, der mit dem verpackten Gemüse beladen wird und danach die Sdemane-Farm nahe Mbabane, der Hauptstadt des Königreichs Swasilands, wieder verlässt.

Processing baby vegetables at Sidemane Farm. Credit: Mantoe Phakathi/IPSBeschäftigte auf der Sdemane-Farm nahe der swasiländischen Hauptstadt Mbabane (Bild: Mantoe Phakathi/IPS)

"Das ganze Jahr über werde ich von meinen Vertragsbauern mit jungem Gemüse versorgt", erläutert der Unternehmer Themba Dlamini, der mit den Agrarerzeugnissen die Woolworths-Supermärkte in Südafrika beliefert. "Ein sehr sensibles Geschäft", meint er. "Meine Kunden erwarten nicht nur Spitzenqualität, sondern auch die strikte Einhaltung von Lieferfristen."

Seit Dlamini das 1,6-Millionen-Euro-Unternehmen Sdemane von seinem Vorgänger übernommen hat, ist die Nachfrage mit jedem weiteren Jahr gestiegen. "Ich konkurriere mit Lieferanten aus Südafrika und Kenia", berichtet er.

Die Vertragsbauern sind für das Überleben von Dlaminis Firma entscheidend. Doch die von ihnen bewirtschaftete Gesamtfläche von 90 Hektar reicht nicht mehr aus, um die wachsende Nachfrage zu decken. Dlamini muss, um expandieren zu können, nach zusätzlichen Bauern Ausschau halten.

Unternehmen im Aufwind

Sdemane beschäftigt inzwischen 95 Mitarbeiter und exportiert monatlich 25 Tonnen Gemüse. Das Potenzial liegt bei 40 Tonnen. Um es vollständig auszuschöpfen, müsste er mehr Bauern unter Vertrag nehmen und entsprechend schulen. Eine weitere Hürde, die der Expansion im Wege steht, ist der Mangel an Kapital. Um die Farm zu kaufen, hatte Dlamini ein Darlehen aufgenommen. "Solange ich den Kredit nicht abgetragen habe, bekomme ich keinen neuen", sagt er. "Doch ohne zusätzliche Mittel wird es mir kaum möglich sein, das Geschäft auszubauen."

Im letzten Jahr hatte sich der Unternehmer erfolgreich um einen 380.000-Euro-Kredit beim Marketing-Investmentfonds (MIF) bemüht, einer EU-finanzierten Initiative des Swasiländischen Agrarentwicklungsprogramms (SADP), das vom Landwirtschaftsministerium umgesetzt wird. Technische Hilfe kommt von der Weltagrarorganisation FAO.

MIF hat Dlamini den Kauf eines Kleinlasters, eines Notstromaggregats und der Holzkisten für den Transport des Gemüses ermöglicht. "Wir erleben viele Stromausfälle. Deshalb ist das Notstromaggregat so wichtig", betont Dlamini. Er ist einer von 47 Personen – Bauern und Nahrungsmittelhändlern –, die seit 2012 von dem Agrarförderprojekt profitieren, wie die MIF-Koordinatorin Betina Edziwa berichtet. Die Initiative ist für die Beteiligten der Anschub, den sie brauchen, um sich wirtschaftlich weiterzuentwickeln.

"Wir haben festgestellt, dass die Bauern weniger ein Problem mit der Produktion haben, sondern mit dem Marktzugang", erläutert sie. "Darum kommt es vor, dass Farmer ihre Produkte zu Schleuderpreisen abgeben. Sie wollen verhindern, dass ihre Erzeugnisse verderben." Im Rahmen der Programme kamen die Bauern in den Genuss der erforderlichen Technologien und Managementkenntnisse.

Armutsbekämpfungsinitiative

Das Programm, das Swasiland mit seinen Entwicklungspartnern umsetzt, soll die Armut im Königreich verringern und die Ernährung der eine Million Swasiländer sichern. 63 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, wie die Swasiländische Untersuchung zu Haushaltseinkommen und –ausgaben (SHIES) 2010 herausfand. Bedrohlich ist auch der hohe HIV/Aids-Anteil von 26 Prozent in der erwerbsfähigen Bevölkerungsgruppe.

Agrarminister Moses Vilakati zufolge ist MIF wichtig, um Subsistenzbauern den Übergang zur kommerziellen Landwirtschaft zu ermöglichen. Doch seit Ende Juni stellt der Fonds keine Gelder mehr bereit. Deshalb will das Ministerium eine Agrobusiness-Sektion einrichten, die die Nachhaltigkeit und die Ausweitung der Initiative durch eine Anschlussschulung, -kontrolle und Evaluierung der bisher geförderten Unternehmen und Bauern sicherstellt.

In einem unlängst auf der FAO-Webseite veröffentlichten Interview erklärte der höchste technische Berater des SADP, Nehru Essomba, dass der MIF Teil eines breiter angelegten SADP sei, das 20.000 Farmern in vielen anderen Bereichen geholfen hat, sich zu entwickeln, und für die Instandsetzung von sechs Bewässerungsdämmen zur Förderung von Landwirtschaft und Viehwirtschaft gesorgt hat. "Schon jetzt helfen wir mehr als 20.000 Bauern beim Umstieg von der Subsistenzlandwirtschaft zu einer marktorientierten Landwirtschaft, die nachhaltiger ist und höhere Erträge abwirft", meinte Essomba.

Es handele sich um einen umfassenden Ansatz zur Verbesserung der Wertschöpfungskette, ließ der EU-Botschafter in Swasiland, Nicola Bellomo, auf der gleichen Webseite wissen. Das Programm verbinde Produktion, Weiterverarbeitung und Produktmarketing, was für das Netto-Import-Land im südlichen Afrika ein Novum sei. "Wir versuchen, die Kapazitäten und Fähigkeiten zu entwickeln, Nahrungsmittel für den Export zu erzeugen", so Bellomo. (afr/IPS)

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