Südsudan: Rebellen werden Bauern

Klimarestistentes Saatgut soll Frieden sichern

Von Isaiah Esipisu | 02.04.2019

Yambio (IPS/afr). Fast einen Monat vor Einsetzen der üblichen Regenzeit säen Bauern im südwestlichen Bundesstaat Gbudwe dürrertoleranten Samen. Die Landwirte sind Teil eines Programms, das ehemaligen Kämpfern im Bürgerkrieg ein Einkommen bieten und damit den Frieden wahren soll.

Ehemalige Kämpfer verpacken dürretolerantes Saatgut. (Bild: Isaiah Esipisu/IPS)

"Wir bereiten unser Land so früh vor, weil wir uns nie sicher sein können, wann der Regen tatsächlich kommt", erzählt Antony Ezekiel Ndukpo. Der Kleinbauer ist Vater von 19 Kindern und lebt in Yambio, der Hauptstadt des Bundesstaats Gbudwe.

In Afrikas jüngstem Staat gibt es keine zuverlässigen Wetterinformationsdienste. Das zwingt die Landwirte dazu, sich auf traditionelle Prognosemethoden zu verlassen. Experten sind allerdings der Meinung, dass diese angesichts des Klimawandels nichts mehr taugen. Den Bauern wird daher beigebracht, wie sie dürretolerantes Saatgut vermehren können.

Viele der Bauern sind Heimkehrer aus dem Bürgerkrieg, der von 2013 bis 2018 zwischen der Regierung und Oppositionsgruppen geführt wurde. Der Krieg hat mehrere Tausend Menschenleben gefordert, Hundertausende wurde vertrieben. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben mehr als 2,2 Millionen Flüchtlinge das Land verlassen.

Bürgerkrieg verwüstet das Land

Als Folge des Bürgerkriegs herrscht in einigen Gebieten Hungersnot, die Wirtschaft liegt am Boden. Die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA) arbeitet in gemeinsam mit der Landesregierung im Bundesstaat Gbudwe und der niederländischen Regierung an einem ehrgeizigen Projekt: Kleinbauern sollen lernen, wie sie schnellreifendes Saatgut aus dürretoleranten Pflanzensorten herstellen können.

Jane Ininda, Expertin für Pflanzenzucht bei der AGRA, sagt: "Auf der Suche nach Frieden müssen wir uns der Realität stellen und klimafreundliche Techniken einsetzen. Damit soll in einem Land, das gerade Krieg geführt hat, ein bedeutsamer Wandel ermöglicht werden."

Während der letzten sechs Jahr wurde im Südsudan eine Reihe von Waffenstillständen geschlossen. Am 12. September 2018 haben die Konfliktparteien um Präsident Salva Kiir und Rebellenführer Rieck Macharin Addis Abeba einen Friedensvertrag unterzeichnet.

Nach der Unterzeichnung sind viele junge Leute, die von Rebellengruppen rekrutiert worden sind, nach Hause zurückgekehrt. Um ihnen wieder ein normales Leben zu ermöglichen, unterstützt die Regierung Projekte, die den ehemaligen Kämpfern zu einem Einkommen verhelfen.

"Früher hat die Regierung alle Ex-Kämpfer, die aus dem Busch zurückkehrten, gefangen genommen und weggesperrt", sagt Staatsminister Pia Philip Michael, der im Bundesstaat Gbudwe für Bildung, Gleichberechtigung und Soziales zuständig ist. "Später stellten wir allerdings fest, dass die meisten von ihnen Kinder zwischen zwölf und 17 Jahren sind. Der beste Weg, ihnen zu helfen, war, einen Vorschlag zur Reintegration auszuarbeiten und umzusetzen."

Einkommen statt Sold

Nach Angaben des Ministers hätten fast alle Rückkehrer zugegeben, dass sie sich den Rebellengruppen aufgrund finanzieller Motive angeschlossen haben. Ihnen wäre ein monatliches Fixgehalt von 200 US-Dollar versprochen worden, so Pia Philip Michael.

Der Gouverneur von Gbudwe, Daniel Badagbu, bestätigt diese Auffassung. Waffen wären ein untaugliches Mittel, den Bürgerkrieg zu besiegen. "Alles was wir brauchen ist die Schaffung von Arbeitsplätzen, insbesondere für Jugendliche", betont Badagbu. "Wir führen sie in die Agrarwirtschaft ein und helfen ihnen durch Schulungen, ihre Fertigkeiten zur Sicherung des Lebensunterhalts zu verbessern."

Allein im Bundesstaat Gbudwe nehmen über 1.900 ehemalige Rebellen am Rehabilitationsprogramm teil. "Alles steht und fällt mit dem Saatgut", meint AGRA-Expertin Ininda. "Wenn wir etwas bewegen wollen, müssen wir allen Familienmitgliedern zertifiziertes Saatgut zur Verfügung stellen, das mit den vorherrschenden klimatischen Bedingungen im Einklang steht."

Zertifiziertes Saatgut aus dem Nachbarland

Da es im Südsudan keine Zertifizierungsstelle gibt, wird das Saatgut aus dem südlichen Nachbarstaat Uganda importiert. Das lokale Unternehmen "Global Agriculture Innovation and Solutions" (GAIS) hat bislang mehr als 7.200 Kleinbauern in den Bundesstaaten Gbudwe und Western Lakes in Anbaufragen geschult.

"In den beiden Bundesstaaten konzentrieren wir uns auf das verbesserte Saatgut von schnell reifenden Maissorten, Erdnüssen, Sorghum und Kuhbohnen", erklärt GAIS-Geschäftsführer Rahul Saharan. Diese Nahrungspflanzen würden von der Bevölkerung in beiden Staaten am meisten geschätzt.

Das Hauptziel des Projekts ist es, ausreichend Saatgut herzustellen, um die Ernten möglichst vieler Landwirte zu verbessern. Der Südsudan Land ist bislang stark auf Nahrungsmittelhilfe aus dem Ausland angewiesen. Das zeigt sich am internationalen Flughafen der Hauptstadt Juba, wo die Zahl der Fracht- und Missionsflugzeuge der Vereinten Nationen jene der kommerziellen Jets bei weitem übertrifft.

Gemeinsamer Einsatz für den Frieden

"Wir freuen uns, dass wir jetzt auf unseren eigenen Böden verbessertes Saatgut produzieren können", sagt der Kleinbauer Antony Ezekiel Ndukpo. "Ich glaube, dass wir bessere Erträge als bislang erzielen werden."

Laut der niederländischen Generaldirektorin für internationale Zusammenarbeit, Reina Buijs, könne der Frieden im Südsudan nur durch konkrete Maßnahmen gesichert werden.

"Es ist schön zu sehen, wie die Regierung, der Privatsektor, die Zivilgesellschaft, der Klerus und die Bevölkerung gemeinsam für den Frieden eintreten", meint Buijs. "Es können noch so viele schöne Worte auf einem Papier stehen oder gesprochen werden: Wenn nicht konkrete Aktionen umgesetzt werden, glauben die Menschen nicht an die Versprechungen.” (Ende)

| Tags: , , , , , , ,

icon Sagen Sie uns Ihre Meinung!